Die wie-Apposition, das Personalpronomen und der Kasus

Frage

Wie ist der Satz richtig: „Ich beziehe mich auf Probleme einflussreicher Frauen wie mir/mich/ich“?

Antwort

Sehr geehrte Frau W.,

wie es so vielen so häufig geht, haben Sie hier Zweifel bei der Wahl des Falls in einer sogenannten als- oder wie-Apposition. Im Grunde ist es ja ganz einfach: In der als- oder wie-Gruppe steht der gleiche Fall wie beim Nomen, auf das sie sich bezieht (vgl. hier). Das gilt auch bei Personalpronomen:

Auch einflussreiche Frauen wie ich/du/sie/wir/ihr/Sie haben Probleme.
Das größte Problem für einflussreiche Frauen wie mich/dich/sie/uns/euch/Sie ist …
ein Treffen mit einflussreichen Frauen wie mir/dir/ihr/uns/euch/Ihnen

Das beantwortet aber nur einen Teil Ihrer Frage: In Ihrem Satz sind der Akkusativ mich und der Dativ mir standardsprachlich nicht möglich. Die wie-Gruppe bezieht sich weder auf einen Akkusativ noch auf einen Dativ, sondern auf einen Genitiv.

Und genau hier beginnt es zu „klemmen“. Es ist nämlich nicht üblich, bei Personalpronomen in dieser Stellung den Genitiv zu verwenden. Es heißt also nicht:

*Probleme einflussreicher Frauen wie meiner/deiner/ihrer/eurer/Ihrer

Es bleibt also nur noch der Nominativ. Und dieser Fall ist auch die richtige Lösung:

Ich beziehe mich auf Probleme einflussreicher Frauen wie ich.

Die Wahl des Nominativs lässt sich hier dadurch erklären und rechtfertigen, dass die wie-Gruppe als verkürzter Vergleichssatz angesehen wird: Probleme einflussreicher Frauen, wie ich [es/eine bin].

Ähnliche Beispiele:

der Einfluss eines Politikers wie er (nicht: wie seiner)
der Rat eines guten Freundes wie du (nicht: wie deiner)
nach Ansicht vieler Leute wie wir (nicht: wie unser)
die Hilfe guter Nachbarn wie ihr / wie Sie (nicht wie euer/Ihrer)

Und dasselbe gilt übrigens auch für Eigennamen. Auch dort steht in solchen Konstruktionen der Nominativ statt des Genitivs:

die Entdeckungen einer Physikerin wie Curie (nicht: wie Curies)
das Werk eines Schriftstellers wie Böll (nicht: wie Bölls)

Ich hoffe, dass Sie mit den Antworten eines Sprachlers wie Bopp etwas anfangen können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

K.