Warum in und nicht auf Polynesien?

Immer wieder gibt es Fragen dazu, welche Präpositionen bei Inseln zu verwenden sind (siehe zum Beispiel hier und hier). Immer wieder erstaunt mich das, denn das deutsche Sprachgebiet ist ja nicht besonders inselreich. Vielleicht erklärt gerade die relative Inselarmut die Popularität dieser Frage. Die Regel, die die meisten irgendwann einmal lernen, ist ganz einfach: bei Namen von Orten, Regionen und Ländern verwendet man in (in Dresden, in Osaka, in Sachsen, im Burgund, in Deutschland, in den Niederlanden), bei Inseln aber auf (auf Sylt, auf Curaçao, auf der Mainau). Dass es aber nicht immer ganz so eindeutig ist, sehen Sie  hier und hier. Und heute ein weiteres Beispiel, weshalb es trotz der Einfachheit der Regel zu Fragen kommen kann.

Bora Bora

Inselfrage

Polynesien scheint unter den Sonderfällen ein Sonderfall zu sein. Man ist „in“ Polynesien, obwohl man „auf“ den Inseln weilt. Man kann auf den Kanaren geboren sein, aber nicht auf Polynesien. Die geopolitischen Ansätze funktionieren hier nicht mehr. (Quantengrammatik ?)

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

um die Verwendung von in bei Polynesien zu erklären, braucht man keine „Quantengrammatik“. Der Name Polynesien bezeichnet anders als zum Beispiel Kanaren, Azoren und Bahamas nicht eine Inselgruppe, sondern eine ganze Region, die aus verschiedenen eigenständigen Inseln und Inselgruppen besteht. Das sieht man auch daran, dass Polynesien zwar viele Inseln umfasst, als Name aber in der Einzahl steht (Polynesien hat/ist…). Man lebt nicht auf einer Region, sonder in einer Region. So lebt man zum Beispiel auf Hawaii, auf Samoa oder auf den Cook-Inseln, die alle in Polynesien liegen. Dasselbe gilt für Melanesien und Mikronesien – und auch für Inselstaaten wie Indonesien und Japan.

Auch bei Japan und Indonesien heißt es nicht auf Japan, sondern in Japan und nicht auf Indonesien, sondern in Indonesien, obwohl es sich, wie ein Blick auf die Karte zeigt, um Inselgruppen handelt. Die Namen Japan und Indonesien werden also als Name eines Landes oder einer Region aufgefasst und entsprechend behandelt.

Als Faustregel kann gelten: Namen von aus Inselgruppen bestehenden Ländern und Regionen werden nur dann mit auf verwendet, wenn der Name ein Plural ist:

auf den Kanaren, auf den Azoren, auf den Philippinen
in Polynesien, in Indonesien, in Japan

Es ist nicht die brisanteste aller deutschen Grammatikfragen, sie zeigt aber gut, dass es auch bei so etwas Übersichtlichem wie Inselgruppen mehr als eine Betrachtungsweise und entsprechend mehr als eine sprachliche Ausdrucksweise geben kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

2 Kommentare

  1. Bert schreibt:

    März 21, 2016 um 17:54

    Nur ein kurzer Hinweis: Da steht zweimal „in IndonesiOn“.

  2. Dr. Bopp schreibt:

    März 21, 2016 um 20:32

    Jetzt nicht mehr. Danke für den Hinweis!