Interpunktionsparadies oder Interpunktionsinferno: doppelte und einfache Anführungszeichen am Satzende

Frage

Ich hätte eine Frage zu Zitaten oder wörtlicher Rede innerhalb der wörtlichen Rede und den dazugehörigen Satzzeichen. Folgender Satz enthält eine wörtliche Rede und innerhalb dieser eine weitere zitierte wörtliche Rede:

Sie sagte: »So hat er es immer selbst genannt: ›Bei mir ist die Körpergröße eher Körperkleine.‹«

Ich bin der Meinung, nach dem halben [oder einfachen] Ausführungszeichen müsste auch noch ein Punkt stehen, dann die [doppelten] Anführungszeichen fürs Ende der eigentlichen wörtlichen Rede. Ich bin leider wieder mal nicht fündig geworden und hoffe, Sie können mir helfen.

Antwort

Guten Tag Frau R.,

wenn ein ganzer Satz als zitierte wörtliche Rede innerhalb einer wörtlichen Rede steht und den Gesamtsatz abschließt, steht nur der Schlusspunkt des zuletzt zitierten Satzes:

Sie erwiderte: »So hat er es immer selbst genannt: ›Bei mir ist die Körpergröße eher Körperkleine.‹«

Der Punkt des übergeordneten Zitats und der Punkt des Gesamtsatzes fallen beide weg. Das ergibt sich nicht direkt aus den Angaben der amtlichen Rechtschreibregelung (sie erwähnt diesen Fall nicht ausdrücklich), es ist aber die übliche Interpretation der Regeln.

Wenn die übergeordnete wörtliche Rede weitergeführt wird, fallen der Schlusspunkt des Zitats im Zitat und der Schlusspunkt des Gesamtsatzes weg:

Sie erwiderte: »So hat er es immer selbst genannt: ›Bei mir ist die Körpergröße eher Körperkleine‹, und er hat dabei gelacht.«

Da wir uns schon mit solchen Spitzfindigkeiten der Zeichensetzung herumgeschlagen, hier noch ein paar andere Kombinationen mit verschachtelter direkter Rede, bei denen man sich leicht im »Satzzeichensalat« verlieren kann:

Sie erzählte: »Ich habe ihn nur gefragt: ›Was willst du eigentlich von mir?‹«
Sie erzählte: »Ich habe ihn nur gefragt: ›Was willst du eigentlich von mir?‹, aber er hat nicht geantwortet.«
Sie erzählte: »Ich habe ihn nur gefragt: ›Was willst du eigentlich von mir?‹«, aber das glaube ich ihr nicht.
Hat sie wirklich gesagt: »Ich habe ihn nur gefragt: ›Was willst du eigentlich von mir?‹«?

Dann noch ein paar Beispiele mit zitierten Titeln oder Wortgruppen:

Er behauptete: »Die beste Serie aller Zeiten ist ›Game of Thrones‹.«
Er fragte: »Was hältst du von der Serie ›Game of Thrones‹?«
Hat er wirklich gesagt: »Die beste Serie aller Zeiten ist ›Game of Thrones‹«?
Hast du wirklich gefragt: »Was hältst du von der Serie ›Game of Thrones‹?«?

Er frage: »Was bedeutet ›Quo vadis?‹?«
Sie antwortete: »›Quo vadis?‹ bedeutet ›Wohin gehst du?‹.«
Sie antwortete: »›Quo vadis?‹ bedeutet ›Wohin gehst du?‹, und arbeitete weiter.«

A: »Das steht so bei ›Fragen Sie Dr. Bopp!‹.«
B: »Steht das wirklich so bei ›Fragen Sie Dr. Bopp!‹?«

Und wenn die Satzzeichen bei Ihnen jetzt wie bei mir anfangen, auf dem Bildschirm herumzuschwirren, verstehen Sie, warum man solche Sätze sich selbst zuliebe auch anders formulieren darf.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

5 Gedanken zu „Interpunktionsparadies oder Interpunktionsinferno: doppelte und einfache Anführungszeichen am Satzende“

  1. Zu „Quo vadis?“ habe ich jetzt doch noch eine Frage:

    In unserem Sprachgebrauch (Tirol) gibt es zwei verschiedene Übersetzungen, mit leichtem Bedeutungsunterschied:

    Wohin gehst du? fragt man, wenn man sieht, dass der/die Befragte sich zum Gehen anschickt, aber man keine Ahnung hat, was das Ziel sein könnte.

    Wo gehst du hin? fragt man, wenn man sich mehrere Ziele vorstellen könnte und nun das tatsächliche herausfragen möchte. Ich denke, dass die Umstellung entsteht, weil man das Verb „hingehen“ im Hinterkopf hat.

    Nun habe ich gehört, dass „Wohin“ aber keinesfalls getrennt werden darf. Stimmt das? Müsste es im zweiten Fall also eigentlich korrekt „Wohin gehst du hin?“ heißen?

  2. Vielen Dank für die Information zur offenbar unterschiedlichen Verwendung von „wohin …?“ und „wo … hin?“ in Ihrem regionalen Sprachgebrauch. Mir war bis jetzt nicht bekannt, dass es eine solche Unterscheidung gibt. Ich weiß deshalb auch nicht, ob sie auch in anderen Regionen vorkommt.

    Im Allgemeinen gilt, dass es standardsprachlich „Wohin gehst du?“ heißen sollte. Die Formulierung „Wo gehst du hin?“ gilt als umgangsprachlich oder gehört zur gesprochenen Alltagssprache. Von einem Bedeutungsunterschied zwischen den beiden Formulierungen ist mir, wie gesagt, nichts bekannt. Siehe auch hier.

  3. Danke für den Link auf den Beitrag von 2013. Auch wenn es bei mir schon etwas länger her ist, diese Diskussionen sind mir noch immer gut in Erinnerung. 🙂

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