Wenn Viren mutieren: Mutationen und Mutanten

Ich darf zwar ein „Dr.“ vor meinem Namen führen, aber außer wie man mit Kamillentee, Paracetamol, Jod oder Alkohol und Pflastern umgeht, sind Krankheiten eindeutig nicht mein Fachgebiet. Ein solcher Doktor bin ich nicht. Mein Beitrag zum Thema Virus ist deshalb rein sprachlicher Natur, wie es sich für einen „Sprachdoktor“ gehört:

Frage

Vermehrt hört man jetzt nicht nur von Mutationen (des Virus) sondern auch von Mutanten. Letzteres hört sich in diesem Kontext falsch an. Was sagen Sie dazu?

Antwort

Guten Tag Herr B.,

das zum Themenkreis „Pandemie“, „Lockdown“, „Schutzmaske“ und „Impfstoff“ gehörende Wort „Mutation“ bedeutet wörtlich „Veränderung“ und kommt in diesem Zusammenhang aus der Fachsprache der Biologie. Dort hat es eine viel engere Bedeutung: „Veränderung in den Erbanlagen eines Organismus“. Mit den englischen, brasilianischen oder südafrikanischen Mutationen sind genau genommen Mutationen oder eben Veränderungen am Erbgut des Covid-19-Virus gemeint, die in England, Brasilien bzw. Südafrika zum ersten Mal festgestellt wurden.

In den Medien, in Diskussionsprogrammen und an anderer Stelle sind manchmal nicht die Veränderungen an den Erbanlagen, sondern die veränderten Viren oder Virenstämme gemeint, wenn von zum Beispiel „den englischen Mutationen“ die Rede ist. Das ist – zumindest fachsprachlich – nicht ganz zutreffend, denn die mutierten, das heißt veränderten Organismen werden nicht „Mutationen“, sondern „Mutanten“ genannt. Bei der Einzahl hat man die Wahl zwischen „der Mutant“ (Genitiv: „des Mutanten“) oder „die Mutante“.

Kurz zusammengefasst: Mutanten sind durch Mutation entstanden. Es ist also auch in diesem Kontext korrekt, von Mutanten zu sprechen – vorausgesetzt, man meint damit nicht die Veränderungen, sondern die veränderten Viren. Und wenn es nicht vorrangig um die Veränderungen an den Erbanlagen des Coronavirus geht, kann man auch einfach von den verschiedenen Varianten des Virus sprechen.

Ganz gleich ob Mutation, Mutant(e), Variation oder „Original“, passen Sie gut auf, dass das Virus Sie möglichst nicht erwischt!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

5 Gedanken zu „Wenn Viren mutieren: Mutationen und Mutanten“

  1. Die Literatur, vor allem Science-Fiction, hat den Mutanten einen schlechten Ruf als missratene und gefährliche Variante beschert. Ich ziehe das Wort Mutation als Bezeichnung für den Vorgang und sein Ergebnis vor.

  2. Das Mutantenkorps bei „Perry Rhodan“, die X-Men oder die Teenage Mutant Ninja Turtles sind Beispiele dafür, dass Mutanten in der Science-Fiction nicht immer nur negative, bösartige Charaktere sind. Sie können auch Beschützer (eines Teils) der Menschheit und/oder Opfer der Angst der Menschen vor Fremden und Andersartigen sein. Science-Fiction-Mutanten sind aber tatsächlich häufig auch bösartige Wesen, denen man besser nicht über den Weg läuft.

    Wenn Sie durch Mutation veränderten Organismen lieber „Mutationen“ als „Mutanten“ nennen, steht Ihnen das natürlich frei. Es ist nicht unüblich, mit Ableitungen auf -(at)ion sowohl den Vorgang als auch das Resultat zu bezeichnen (zum Beispiel „Kreation“, „Installation“). In der Biologie scheint es aber üblich zu sein, mit „Mutation“ die Veränderung und mit „Mutant(e)“ den veränderten Organismus zu bezeichnen.

  3. In der Biologie spricht man (zumindest bei Bakterien, Viren und Einzellern) nicht von dem Mutant, sondern von der Mutante (Dr. Biologie, schon lange her).

  4. @Winfried: Bei „Mutante“ muss man allerdings in Italien etwas aufpassen, dass man sich nicht vertippt: „mutande“ wären nämlich etwas ganz anderes 😉

  5. @ Dr. Bopp: Danke für den Perry-Rhodan-Hinweis. Meine P-R-Zeit war Anfang der Siebzigerjahre. Da sind mir noch Gestalten wie Gucky, Ras Tschubai oder Alaska Saedelaere gut in Erinnerung. Lang, lang ist’s her.

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