Rechtschreibfragen, wenn „on demand“ auf „Bibliothek“ trifft

Frage

Können Sie mir bei folgender Frage behilflich sein? Welche Variante ist korrekt:

1) On Demand Bibliothek
2) On-Demand-Bibliothek
3) On Demand-Bibliothek
4) gar keine?

Wo setzt man […] hier einen Bindestrich? Ich hätte jetzt auf die Variante 2) getippt, aber bin mir nicht ganz sicher.

Antwort

Guten Tag Frau B.,

die Frage nach den Bindestrichen ist schnell beantwortet: Zwischen allen Teilen der Zusammensetzung müssen Bindestriche gesetzt werden. Richtig ist dann tatsächlich die Variante 2), auf die Sie getippt haben:

On-Demand-Bibliothek

Eine andere Frage ist die Groß- und Kleinschreibung. Demand (Anfrage) wird hier großgeschrieben, weil es sich um ein Substantiv handelt. Substantive aus anderen Sprachen werden auch in Zusammensetzungen großgeschrieben (vgl. amtliche Rechtschreibregelung § 55(3)). Beispiele sind dort u. a. Desktop-Publishing und Full-Time-Job.

Ganz so einfach ist es aber leider nicht. In § 55(E2) der Regelung steht, dass Substantive aus fremden Sprachen ausnahmsweise kleingeschrieben werden, wenn sie Teil einer adverbialen Fügung sind, die als Ganzes ins Deutsche übernommen worden ist. Beispiele sind u. a. a cappella, in flagranti, à discrétion, de facto und – für unseren Fall hier wichtig – die Zusammensetzungen A-cappella-Chor und De-facto-Anerkennung. Die Kleinschreibung des Substantivs gilt also auch in Zusammensetzungen mit solchen Fügungen.

So klar die Regel klingt, so unklar bleibt manchmal, was genau als feste adverbiale Fügung gilt, die als Ganzes aus einer fremden Sprache entlehnt worden ist. Muss die Fügung in Wörterbüchern wie Duden, Wahrig, Pons, DWDS, LEO stehen und, wenn ja, in allen oder nur in einem? Sind zum Beispiel on demand (etwas on demand liefern), just in time (just in time produzieren) und business to business (business to business liefern) im Deutschen als feste Fügungen üblich oder nicht? Das ist je nach Ausdruck und Branche unterschiedlich und ich möchte diese Frage auch nicht weiter diskutieren. Es geht mir vor allem darum, dass es hier einen recht großen grauen Bereich gibt. Wenn man nämlich on demand als im Deutschen gebräuchliche Fügung annimmt, muss das d nicht nur in der adverbialen Fügung on demand, sondern auch in Zusammensetzungen kleingeschrieben werden:

On-demand-Bibliothek

Da feste Kriterien fehlen, sind beide Betrachtungsweisen möglich, das heißt, beide Schreibweisen können als korrekt gelten. Weitere Beispiele:

On-Demand-Lieferung / On-demand-Lieferung
On-Demand-Mobilität / On-demand-Mobilität

Ein weiteres Kriterium sollte man in Zweifelsfällen wie diesen nicht ganz außer Acht lassen: Was ist üblich(er), On-Demand-Xyz oder On-demand-Xyz? Die Schreibung mit großem D kommt viel häufiger vor. Sie scheint sich also in der  deutschen Schreibpraxis durchzusetzen.

Hier zeigt sich wieder einmal, dass die Sprache sich auch auf der Ebene der Rechtschreibung  nicht immer in einfache, alle Fälle abdeckende Regeln fassen lässt. Deshalb heißt es häufig wie hier: Beides kommt vor und beides ist vertretbar.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

2 Gedanken zu „Rechtschreibfragen, wenn „on demand“ auf „Bibliothek“ trifft“

  1. In diesem Kompositum ist „on demand“ doch ganz klar eine adverbiale Fügung, die als Ganzes aus dem Englischen entlehnt ist, daher „On-demand-Bibliothek“ (falls dieses „On-demand-…“ im Deutschen zu ungebräuchlich ist, könnte man dafür argumentieren, auf das Wort zu verzichten, aber WENN es geschrieben werden soll, dann bitte so!). Das Wörtchen „fest“ im Wortlaut der Regel zielt in meinen Augen auf die Zusammengehörigkeit ab. Die Schreibweise „on Demand“ (und entsprechend „On-Demand-Bibliothek“) ließe sich begründen, indem man davon ausgeht, dass die Wörter „on“ (als Präposition) und „Demand“ (als Substantiv) EINZELN entlehnt wurden, aber das ist zu weit hergeholt, man sagt ja nicht „on Nachfrage“ (statt „auf Nachfrage“) oder dergleichen.

    Für „Business-to-Business-Lieferung“ muss dagegen keine adverbiale Fügung angesetzt werden, man kann ja auch „Punkt-zu-Punkt-Verschlüsselung“ bilden, obwohl als adverbiale Fügung „von [!] Punkt zu Punkt“ gebraucht wird. Duden online hat „Face-to-Face-Kommunikation“ und „Just-in-time-Produktion“, das entspricht genau meiner Erwartung.

  2. Aus „produce on demand/on demand produzieren“ wird „On-demand-Produktion“ und entsprechend „On-demand-Bibliothek“. Aus „produce just in time/just in time produzieren“ wird „Just-in-time-Produktion“. Warum führt dann „communicate face to face/face to face (o. face-to-face) kommunizieren“ nicht zu „Face-to-face-Kommunikation“? Weil es schwierig ist, genau anzugeben, was als adverbiale Fügung aus dem Englischen übernommen worden ist und was nicht. Oder gilt etwa das formale Kriterium, dass man im Deutschen „Punkt-zu-Punkt-Verschlüsselung“ bilden kann, aber Bildungen wie „Auf-Anfrage-Lieferung“ nicht üblich sind?

    Bei Duden scheint das Kriterium für die Kleinschreibung des Substantivs in der Zusammensetzung doch zu sein, dass auch die entsprechende adverbiale Fügung im deutschen Wörterbuch steht. So listet das Wörterbuch die adverbiale Fügungen „on demand“ und „just in time“ auf, nicht aber die adverbiale Fügung „face to face“. Ebenfalls in Duden: „out of area“ und „Out-of-area-Einsatz“; „out of the box“ und „Out-of-the-box-Lösung“, dann aber nur „Over-the-Counter-Mark(e)t“. Wird „Counter“ hier großgeschrieben, weil die Fügung „over the counter“ („to trade over the counter/over the counter (o. over-the-counter) handeln“) nicht im Wörterbuch steht? An der Form allein kann es nicht liegen (vgl. „out of the box“ und „over the counter“).

    Es geht mir hier nicht darum, Duden oder andere Wörterbücher zu kritisieren. Ich möchte nur aufzeigen, dass es manchmal schwierig sein kann, festzustellen, was eine feste adverbiale Verbindung ist, die als Ganzes entlehnt worden ist.

    Das Beispiel „Business-to-Business“ ist insofern ein anderer, aber ebenfalls interessanter Fall, als „Business-to-Business“ nicht als adverbiale Fügung, sondern als Substantiv entlehnt worden ist: „das Business-to-Business“.

    Es ist hier einiges undeutlich, auch oder selbst für Wörterbuchmacher und -macherinnen, geschweige denn für rechtschreiblich weniger Versierte. Deshalb heißt es, wie oben gesagt, häufiger: Beides kommt vor und beides ist vertretbar.

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