Die (Alternativen-)Einklammerung

Frage

Ich habe zwei Fragen. Es geht um das Einklammern einzelner Buchstaben wie zum Beispiel bei „innerhalb der Unterrichtsstunde(n)“ und „folgende Frage(n)“. Nirgendwo […] kann ich finden, ob ein Bindestrich innerhalb der Klammer nötig ist. […]

Bei der zweiten Frage geht es um „das Weiter(‑Nach‑)denken“, womit sowohl „das Weiterdenken“ als auch „das Weiternachdenken“ gemeint ist. Ist diese Schreibweise richtig oder müsste es „Weiter(-nach-)denken“ oder ganz einfach „Weiter(nach)denken“ heißen?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

wenn mit Hilfe von Klammern verkürzt angegeben wird, dass es Alternativen gibt, steht im Prinzip kein Bindestrich oder Ergänzungsstrich:

innerhalb der Unterrichtsstunde(n)
= Unterrichtsstunden o. Unterrichtsstunde
folgende Frage(n)
= folgende Fragen o. folgende Frage
Klein(st)mengen
= Kleinstmengen o. Kleinmengen
das Nudel(suppen)rezept
= das Nudelsuppenrezept o. das Nudelrezept
das Weiter(nach)denken
= das Weiternachdenken o. das Weiterdenken

Der Bindestrich muss gesetzt werden, wenn bei einer der Alternativen ohne Klammern ein Bindestrich stehen muss. Der Bindestrich steht innerhalb der Klammer, also bei dem Wortteil, mit dem zusammen er weggelassen werden kann:

ein (Damen-)T-Shirt
= ein Damen-T-Shirt o. ein T-Shirt
der (Low-Budget-)Film
= der Low-Budget-Film o. der Film

Ein Bindestrich wird häufig auch dann verwendet, wenn der zweite Teil ein Substantiv ist. Er steht dort, wo er sonst ggf. zur Verdeutlichung stehen könnte:

das (Retro-)Design
= das Retrodesign/Retro-Design o. das Design
ein (Schnell-)Lader
= ein Schnelllader/Schnell-Lader o. ein Lader
die (Wieder-)Aufnahme
= die Wiederaufnahme/Wieder-Aufnahme o. die Aufnahme

Dieser Bindestrich, wird mit dem Ziel gesetzt, die Lesbarkeit oder Erkennbarkeit zu erhöhen, wenn eine der Alternativen in der Zusammensetzung kleingeschrieben und allein stehend großgeschrieben wird. Es ist hier aber auch möglich, ohne Bindestrich zu schreiben:

das (Retro)design
ein (Schnell)lader
die (Wieder)aufnahme

Bei „Weiter(nach)denken“ und „Nudel(suppen)rezept“ ist diese Verwendung von Bindestrichen überflüssig, weil beide Alternativen mit und ohne Klammern dieselbe Groß- und Kleinschreibung haben. Von Klammern ist sogar abzuraten. Wenn man hier Klammern verwendet, wird die Sache nämlich nicht leichter lesbar, sondern kompliziert und unübersichtlicher: „Weiter-(Nach-)Denken“, „Nudel-(Suppen-)Rezept“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

2 Gedanken zu „Die (Alternativen-)Einklammerung“

  1. Mein Eindruck ist, dass bei Klammern mit Bindestrichen nach der schließenden Klammer oft ein Leerzeichen gesetzt wird.
    Also nicht:
    (Retro-)Design
    (Schnell-)Lader
    (Wieder-)Aufnahme
    Sondern:
    (Retro-) Design
    (Schnell-) Lader
    (Wieder-) Aufnahme
    Vielleicht formal nicht korrekt, aber ich finde das besser zu lesen.

  2. Das Leerzeichen entspricht hier tatsächlich nicht den Rechtschreibregeln (in der Schule müsste der Rotstift zum Einsatz kommen). Ich halte die Schreibung mit Leerzeichen nicht für wesentlich besser zu lesen, u. a. deshalb, weil das Leerzeichen hier eigentlich nicht hingehört und entsprechend für leichte Irritation sorgen kann.

    Einen Vorteil hat das Leerzeichen aber doch: Es verhindert falsche Trennungen am Zeilenende. Wenn „(Schnell-)Lader“ am Zeilenende steht, kann es bei vielen Programmen zu dieser Art von Trennung kommen:

    xxx xxx xxx xxx xxx (Schnell-
    )Lader xxx xxx xxx xxx xxx

    Es ist je nach Programm gar nicht so einfach bis unmöglich, solche falschen Trennungen zu vermeiden. Eine Methode besteht darin, nach der Klammer ein Leerzeichen einzufügen. Das ist effizient – aber es entspricht, wie gesagt, nicht den Rechtschreibregeln.

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