Zum Unterschied zwischen einer Superidee und einer super Idee

Frage

Ich möchte mich mit einer Frage zur deutschen Sprache an Sie wenden. Und zwar geht es um die Verschriftlichung von Formulierungen, die man vorwiegend in der Umgangssprache antrifft. […] Kürzlich las ich folgenden Dialog, der das Problem, auf das ich hinauswill, aufzeigt:

»Ich schlafe eigentlich immer gut, ich habe nämlich ein super Bett!«
»Du Glückliche! Vielleicht schlafe ich deshalb häufig nicht gut, weil ich kein Superbett habe.«

Sie ahnen es vielleicht schon – es geht um die beiden verschiedenen Schreibweisen von „super Bett“ versus „Superbett“. Mir ist nicht klar, wieso hier überhaupt verschiedene Schreibweisen gewählt wurden – vielleicht einfach eine versehentliche Inkonsistenz? Aber wenn man sich für eine Variante entscheiden müsste, welche wäre die richtige? Ich will im Folgenden einige weitere Beispiele anführen, um die Frage noch besser zu veranschaulichen:

Ich habe eine super Idee!
Ich habe eine Superidee!
Du hast ein klasse Resultat erzielt!
Du hast ein Klasseresultat erzielt!
Das war eine mega Party.
Das war eine Megaparty.
Das ist ein riesen Problem.
Das ist ein Riesenproblem.

Welche Schreibvariante ist die korrekte? Oder hat man freie Wahl? Und falls ja: Gibt es Bedeutungsunterschiede zwischen den Schreibweisen? Und auf welche Rechtschreibregel(n) lässt sich die Entscheidung für die eine oder andere Schreibung zurückführen? […]

Antwort

Guten Tag Frau K.,

bei der Wiedergabe von umgangssprachlichen Äußerungen dieser Art ist vor allem die Betonung wichtig:

Das ist eine Súperidee
Das ist eine super Idéé

ein Súperbett
ein super Bétt

Das Affix „Super-“ trägt die Hauptbetonung in der Verbindung und wird mit dem Substantiv zusammengeschrieben. Wenn „super“ bei neutraler Aussprache nicht die Hauptbetonung trägt, wird es als unveränderliches Adjektiv angesehen und klein und vom Substantiv getrennt geschrieben. Vgl. Unterschied bei Betonung und Schreibung in:

ein Rósenstrauß
ein rosa Stráúß

Es gibt vielleicht einen leichten Bedeutungsunterschied zwischen „Super-“ und „super“: Ein super Bett ist ein großartiges Bett, ein Superbett ist ein Bett das qualitativ oder in anderem Sinne weit über einem normalen Bett steht. Ein super Mann und eine super Frau sind nicht gleich Superman und Superwomen, aber es wäre schwierig oder unmöglich, immer eine genaue Bedeutungsgrenze zwischen „Super-“ und „super“ anzugeben. So gibt es zum Beispiel außer der Betonung kaum einen Unterschied zwischen einer „Superidee” und „super Idee”.

Die Unterscheidung zwischen dem dem Affix „Super-“ und dem unveränderlichen Adjektiv „super“ ist schon so weit eingebürgert, dass sie auch in der Verschriftlichung in dieser Weise üblich geworden ist. Bei anderen Affixen, die umgangssprachlich als unveränderliche Adjektive verwendet werden, ist die Getrenntschreibung gemäß den Wörterbüchern (noch) nicht überall vorgesehen. Sie sollte aber bestimmt in Erwägung gezogen werden, wenn wirkliche Umgangssprache schriftlich wiedergegeben wird.

Es gibt manchmal – also nicht immer – einen mehr oder weniger großen Bedeutungsunterschied zwischen dem betonten Affix (resp. Erstelement einer Komposition) und dem weniger betonten unveränderlichen Adjektiv. Hier einige Beispiele:

ein Klásseresultat
ein klasse Resultát

Kein Bedeutungsunterschied Klasse-/klasse [?]

eine Mégaparty (eine sehr große Party)
eine mega Párty (eine großartige Party)

Bedeutungsunterschied: Mega- = sehr groß / mega = großartig

ein Ríésenproblem
ein riesen Problém

Kein Bedeutungsunterschied Riesen-/riesen

diese Schéíßwurst
diese scheiß Wúrst

Kein Bedeutungsunterschied Scheiß-/scheiß, außer wenn mit Scheiß- nicht schlecht, miserabel, sondern Kot- gemeint ist. Was gemeint ist, ergibt sich dabei in der Regel deutlich aus dem Kontext.

mit extra Käse (mit zusätzlichem Käse)
mit Extrakäse (mit Käse der besonderen Klasse o. Ä.)

Bedeutungsunterschied: Extra- = Sonder- o. zusätzlich / extra = zusätzlich

Die getrennt geschriebenen und entsprechend betonten gesprochenen Varianten gehören der Umgangssprache an. In der Standardsprache kommen die getrennt geschriebenen Varianten also nicht vor. Auch die meisten der oben zusammengeschriebenen Varianten gehören nur der Umgangssprache an. In formellen standardsprachlichen Texten stellt sich das hier behandelte Problem somit kaum – aber man sollte ja auch Umgangssprachliches aufschreiben können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Zu dieser Frage gibt es auch einen schon ziemlich alten Blogartikel.

6 Gedanken zu „Zum Unterschied zwischen einer Superidee und einer super Idee“

  1. Eigentlich schreibt man bei Verstärkungen mit „Riesen-“, „Affen-“ etc. auch bei Hauptbetonung auf dem Zweitglied zusammen, zum Beispiel „saublöd“, „Affenhitze“ (statt „affen Hitze“), „Heidenspaß“, so auch „Riesenproblem“ (Rìesenproblém), vgl. den Eintrag „Riesenanstrengung“ im Rechtschreibduden (wo nicht nur die erste, sondern auch die dritte Silbe als betont markiert ist).

    Zwar ist die Getrenntschreibung „super Idee“ möglich, aber das Wort „super“ wird auch prädikativ gebraucht („Das war super!“), von dem her kann hier ein Adjektiv gesehen werden. Hingegen sagt man nicht „Das war riesen!“, ich würde „Riesenproblem“ also immer noch als Kompositum ansehen, nur dass die Hauptbetonung gerne auf den zweiten Bestandteil fällt, weil der erste lediglich der Intensivierung dient. Als Ausruf wird „Dònnerwétter!“ verwendet, hier ändert die Betonung ja auch nichts an der Zusammenschreibung. Weitere Beispiele mit Hauptbetonung auf dem Grundwort: „Jahrhundert“, „Südamerika“, „die Dienstagnacht“*.

    Analog würde ich „Scheiß-“ behandeln: „Schèißschúle“ (im Duden ist für „Scheißangst“ eine Betonung auf der zweiten Silbe (und der ersten) angegeben, anders als in meinem Beispiel wird hier „Scheiß-“ jedoch verstärkend gebraucht, vgl. „scheißegal“ und „scheißfreundlich“).

    * Nicht zu verwechseln mit der Wortverbindung „Dienstag Nacht“ wie in „am Dienstag Nacht“; die Schreibweise „am Dienstagnacht“ ist Unsinn, da „Nacht“ nicht maskulin, sondern feminin ist, ebenso ist „Wir treffen uns Dienstagnacht“ zu verwerfen, es heißt ja nicht „Wir treffen uns Nacht“ (hingegen ist „Wir treffen uns Dienstag“ in Ordnung). Stattdessen: „Wir treffen uns Dienstag Nacht.“

  2. Vor allem umgangssprachlich: “Riesenanstrengung” mit – wie es auch der von Ihnen zitierte Duden angibt – Hauptbetonung auf der ersten Silbe. Umgangssprachlich (und nur umgangssprachlich) auch: “riesen Anstrengung”, wenn die Hauptbetonung auf “An” wiedergegeben werden soll. Analog alle anderen im Artikel erwähnten Verbindungen, wenn – wie ebenfalls im Artikel erwähnt – die umgangssprachliche Verwendung dieser Begriffe wiedergegeben werden soll.

  3. Sehr geehrter Herr Dr. Bopp, der Duden gibt aber zusätzlich eine Betonung auf der dritten Silbe an. Nebenbetonungen werden nicht extra markiert (Sie können sich zum Vergleich „Riesengestalt“ ansehen, da ist nur die erste Silbe als betont markiert), gemeint ist also genau das, was Sie als „riesen Anstrengung“ (Hauptbetonung auf „Anstrengung“) schreiben würden, nur dass der Duden für den ersten Bestandteil eine Haupt- statt bloß Nebenbetonung ansetzt. Er ist in diesem Punkt inkonsequent, man vergleiche etwa die Einträge „Allerwelts-“ (zwei Silben sind als betont markiert) und „Allerweltsname“ (nur die dritte Silbe ist als betont markiert).

  4. Ich bezweifle, ob mit den Betonungsangaben, die in Duden zu „Riesenanstrengung“ gemacht werden, wirklich „genau das“ gemeint ist, was ich als „riesen Anstrengung“ schreiben würde. Wenn dem so wäre, fehlte bei den Betonungsangaben die Betronung, die standardsprachlich(er) ist. Gemeint ist in Duden wahrscheinlich eine Betonung bei der sowohl die erste als auch die dritte Silbe betont werden. Das ist nicht dasselbe wie die Aussprache mit unbetontem „riesen“ und den Hauptton tragendem „An-“.

  5. Eben: Sowohl die erste wie auch die dritte Silbe ist hauptbetont.

    Ihre Beschreibung der nicht-standardsprachlichen Variante weicht zwar etwas ab, da Sie von einer Nichtbetonung der ersten Silbe ausgehen (ich hätte ja eher „Nebenbetonung“ gesagt; die erste Silbe ist immer noch stärker betont als die zweite oder die letzte), aber der Knackpunkt ist für mich, dass die dritte Silbe hauptbetont ist, das Betonungsmuster ist also immer noch ein anderes als bei „Computerspiel“ zum Beispiel.

    Und ich sehe einfach nicht, dass einerseits [ˈriːzn̩ˈʔanʃtrɛŋʊŋ] (Hauptbetonung – Hauptbetonung) als „Riesenanstrengung“ zu verschriftlichen ist und andererseits [ˌriːzn̩ˈʔanʃtrɛŋʊŋ] (Nebenbetonung – Hauptbetonung) als „riesen Anstrengung“. Vielmehr sehe ich unterschiedliche Annahmen darüber, wie vor dem letzten hauptbetonten Bestandteil betont wird (gleich stark oder schwächer?). Im Duden-online-Eintrag „Rotes Meer“ ist auch für das Adjektiv eine Betonung angegeben, nach dieser Logik müssten also auch für Ihre Schreibweise „riesen Anstrengung“ zwei Hauptbetonungen angegeben werden und nicht nur eine.

    In der 7. Auflage des Aussprachedudens wurden einige Hauptbetonungen übrigens beseitigt, so stand in der 6. Auflage noch „ˈriːzn̩ˈ|arba͜it“ (zwei Hauptbetonungen), während in der 7. Auflage „riːzn̩ˈ|arbaɪ̯t“ (nur die dritte Silbe hauptbetont!) steht. Der Rechtschreibduden hat für „Riesenarbeit“ dagegen immer noch zwei Betonungsmarkierungen, verfährt aber auch nicht immer konsequent („Allerwelts-“ vs. „Allerweltsname“).

  6. Kleine Korrektur zu meinem vorherigen Kommentar: Der Rechtschreibduden hat im Gegensatz zu Duden online keinen Eintrag „Allerwelts-“, siehe stattdessen: „Allerweltskerl“ vs. „Allerweltsname“.

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