Reihenfolge: „er oder sie“ oder „sie oder er“?

Frage

[…] Der folgende Satz in einem Brief an die Beschäftigten führt zur Irritation:

Dadurch wird niemand benachteiligt, weil er oder sie vor verschlossenen Türen stehen muss.

Mein Chef möchte, dass ich „er oder sie“ in „sie oder er“ abändere. Ich finde, dass dadurch der Eindruck entstehen könnte, dass „sie“ öfter vor verschlossenen Türen stehen könnte als „er“. Gibt es eine Geschlechterregel der Reihenfolge?

Antwort

Guten Tag Frau B,

es gibt keine Regel, nach der es er oder sie oder sie oder er heißen muss. Früher was es üblicher Herr und Frau X als Frau und Herr X zu verwenden. Bei höflichen Anreden ist es umgekehrt auch heute noch üblich, meine Damen und Herren und sehr geehrte Damen und Herren zu sagen und zu schreiben. Wer eher der „alten Schule“ angehört, findet auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter galanter als Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, aber eine allgemeine Regel gibt es hier wie gesagt nicht.

Entsprechend gibt es keinen Bedeutungsunterschied zwischen weil er oder sie vor verschlossenen Türen steht und weil sie oder er vor verschlossenen Türen steht. Es ist nicht so, dass die mit dem ersten Pronomen gemeinten Personen häufiger vor verschlossenen Türen stehen als die mit dem zweiten Pronomen gemeinten Personen. Sie können also die Reihenfolge beibehalten, die Sie ursprünglich gewählt haben, oder sie gemäß dem (galanten?) Wunsch des Chefs anpassen. (Situationen wie diese, in denen es wenig bis nichts ausmacht, eignen sich manchmal besonders gut dafür, Vorgesetzten wieder einmal wohlwollend recht zu geben – aber das ist ein ganz anderes Thema).

Dadurch wird niemand benachteiligt, weil er oder sie vor verschlossenen Türen stehen muss.
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Dadurch wird niemand benachteiligt, weil sie oder er vor verschlossenen Türen stehen muss.

Es gibt also keine „Geschlechterregel“ zur Reihenfolge der Pronomen sie und er, ihm und ihr, sein und ihr usw. In längeren Texten steht manchmal abwechselnd er oder sie und sie oder er, vielleicht um dem Missverstand vorzubeugen, die Erstgenannten seien die Wichtigeren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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