Warum es für jedermann und nicht für jedenmann ist

Frage

Ein Deutschlernender möchte wissen, warum es „eine Untersuchung für jedermann“ und nicht „eine Untersuchung für jedenmann“ heißt. Ich kann das leider nicht begründen. […]

Antwort

Guten Tag Frau F.,

das Pronomen jedermann ist aus jeder Mann entstanden. Seine Bedeutung änderte sich im Laufe der Zeit zu jeder/jede. Mit dieser Bedeutung wurde es nicht mehr als Verbindung von jeder und Mann, sondern als eine selbständige Einheit empfunden. Das zeigt sich auch in der Betonung: Die Hauptbetonung verschob sich (bei neutraler Aussprache) auf die erste Silbe von jedermann:

jéder Mánn → jédermann

Dass der Ausdruck nicht mehr als Verbindung von jeder und Mann, sondern als eine Einheit gedeutet wurde, hatte auch zur Folge, dass man das Wort nun als Ganzes beugt:

jedermann
für jedermann
mit jedermann
jedermanns Sache

Auch die Schreibung widerspiegelt dies: Man schreibt nicht getrennt jeder Mann, sondern klein und zusammen jedermann:

jeder Mann → jedermann

Wir haben es hier mit einer wortgeschichtlichen Entwicklung zu tun, in der eine Wortverbindung zu einem selbständigen Wort mit eigener Bedeutung, Betonung und Beugung geworden ist.

Die ursprüngliche Bedeutung ist allerdings nicht ganz verloren gegangen. Wie auch die Frage des Deutschlernenden zeigt, sieht man dem Wort seine Herkunft noch sehr gut an. Es wird deshalb im Rahmen der geschlechtergerechten Sprache häufig empfohlen, statt jedermann eine andere Formulierung mit zum Beispiel jeder und jede oder alle zu verwenden. Wenn man es jedermann recht machen möchte, sagt man also besser, dass man es allen recht machen möchte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

2 Gedanken zu „Warum es für jedermann und nicht für jedenmann ist“

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