„Es gibt solche die gut und solche die schlecht sind“ – Wie viele Kommas?

Frage

Weil ich weder im Duden noch im amtlichen Regelwerk eine Antwort finde, stelle ich mir (immer noch) diese Kommafrage: Setzt man im folgenden Satz hinter „gut“ ein Komma? Falls ja: Handelt es sich bei diesem Komma um ein Muss- oder Kann-Komma?

Es gibt Dinge, Handlungen und Eigenschaften, die gut[,] und solche, die schlecht sind.

Antwort

Guten Tag Herr B.,

wir haben es hier mit verkürzten Sätzen (Auslassungssätzen) zu tun. Im Prinzip werden die Kommas in verkürzten Sätzen gleich gesetzt, wie wenn sie in ihrer vollen Länge dastehen:

Wir waren, so meine Mutter, nie wirklich arm.
(Wir waren, so sagt meine Mutter, nie wirklich arm.)

Gut, dass es dich gibt.
(Es ist gut, dass es dich gibt.)

Habe ich recht? – Ich vermute, dass nicht, denn …
(Habe ich recht? – Ich vermute, dass du nicht recht hast, denn …)

Ich schicke die Hose, weil zu klein, zurück.
(Ich schicke die Hose, weil sie zu klein ist, zurück.)

Wenn nicht jetzt, wann dann?
(Wenn wir es nicht jetzt tun, wann tun wir es dann?)

Bei einer gewissen Art von verkürzten Nebensätzen sind die Kommas fakultativ. Das gilt dann, wenn sie „formelhaft“ sind. Es geht dabei um Wendungen wie wie bereits gesagt, wie folgt, wenn irgendwie möglich, falls erforderlich. Zum Beispiel:

Ich werde mich(,) wie bereits gesagt(,) an den Kosten beteiligen.
Bitte geben Sie mir(,) wenn möglich(,) noch diese Woche Bescheid.

Beim Satz in Ihrer Frage handelt es sich nicht um eine solche formelhafte Wendung. Der verkürzte Nebensatz muss also durch Kommas abgetrennt werden:

Es gibt Dinge, Handlungen und Eigenschaften, die gut, und solche, die schlecht sind.
(Es gibt Dinge, Handlungen und Eigenschaften, die gut sind, und solche, die schlecht sind.)

Das Komma vor und schließt den ersten, verkürzten Relativsatz ab. Das Komma noch solche trennt den zweiten Relativsatz ab.

Das sind ziemlich viele Kommas für wenig Text, aber manchmal geht es nicht anders. Man kann es noch bunter treiben, wie diese abschließenden Beispiele zeigen:

Wir haben Mitglieder, die häufig, solche, die selten, und solche, die gar nie mitmachen.
Die Rechtschreibregelung kennt viele Kommas, die obligatorisch, einige, die fakultativ, und keine, die „gefühlt“ sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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