Nebensätze und was ohne sie übrig bleibt

Frage

Ich habe drei Fragen zum folgenden Satz:

Dass wir klein sind(,) bedeutet(,) dass wir schnell und flexibel reagieren können.

  1. Müssen die Kommas gesetzt werden?
  2. Was ist „bedeutet“ für eine Satzart? Es steht ja allein.
  3. Was für eine Art Sätze sind die anderen Teilsätze?

Antwort

Guten Tag Frau K.,

Nebensätze werden durch Kommas abgetrennt. Das gilt auch für die beiden dass-Sätze in diesem Satz:

Dass wir klein sind, bedeutet, dass wir schnell und flexibel reagieren können.

Zwischen den Kommas steht dann tatsächlich ganz einsam und allein die Verbform „bedeutet“. Was bedeutet dies für die Satzanalyse?

Nebensätze haben im Gesamtsatz meistens die Funktion eines Satzteils. Sie können die Rolle des Subjekts, eines Objekts, einer Adverbialbestimmung usw. haben. In Ihrem Satz ist der erste dass-Satz das Subjekt des Gesamtsatzes (ein Subjektsatz). Der zweite dass-Satz ist das Akkusativobjekt des Gesamtsatzes (ein Objektsatz). Der Gesamtsatz ist ein Aussagesatz mit den folgenden Satzteilen:

Subjekt: Dass Gott heilig ist
Prädikat: bedeutet
Objekt: dass er von jeder Sünde und Unvollkommenheit getrennt ist

Da Nebensätze im Gesamtsatz die Rolle eines Satzteils haben (können) und Satzteile häufig obligatorisch sind, steht vor, nach oder zwischen den Kommas lange nicht immer ein vollständiger Satz. Manchmal besteht das, was nach dem Weglassen von Nebensätzen übrig bleibt, aus nur einer einzigen Verbform.

Dass man dich lobt, heißt, dass du es gut gemacht hast.
Was du gibst, ist, was du kriegst.
Was du gesagt hast, bleibt, was du gesagt hast.
Weil es ein Nebensatz ist, gilt, dass ein Komma stehen muss.

Wie einige der Beispiele zeigen, sind solche Formulierungen stilistisch nicht immer die allerschönste Lösung. Dennoch: Dass der Feiertag morgen schön und sonnig sein möge, ist, was ich Ihnen wünsche.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Wortfolge im desto-Satz

Frage

Ich versuche eine Regel für folgendes Phänomen zu finden. Hier sind zwei Varianten möglich:

Je erfolgreicher unser Betrieb ist, desto mehr brauchen wir Mitarbeiter.
Je erfolgreicher unser Betrieb ist, desto mehr Mitarbeiter brauchen wir.

Bei den folgenden Sätzen geht das nicht:

Je netter die Chefs sind, desto lieber gehen die Mitarbeiter zur Arbeit.
Falsch: Je netter die Chefs sind, desto lieber die Mitarbeiter gehen zur Arbeit.

Je ruhiger meine Wohnung liegt, desto seltener bekomme ich Kopfschmerzen.
Falsch: Je ruhiger meine Wohnung liegt, desto seltener Kopfschmerzen bekomme ich.

Warum ist das so? Welche Regel lässt sich benennen, um zu klären, wann ein Nomen direkt hinter dem Komparativ stehen kann und wann das nicht möglich ist?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

es geht hier um zwei verschiedene Phänomene: einerseits um die unveränderliche Form mehr (die Sie vielleicht auf eine falsche Spur gebracht hat) und andererseits um die Wortstellung in Satzverbindungen mit je – desto.

Die unveränderliche Form mehr kann attributiv vor einem Nomen stehen:

Wir brauchen viele Mitarbeiter / mehr Mitarbeiter
Wir brauchen viel Geld / mehr Geld

Sie kann aber auch adverbial verwendet werden und hat dann die Bedeutung in größerem Maße, stärker:

Wir sind sehr / mehr auf Mitarbeiter angewiesen.
Wir achten stark / mehr darauf, Geld zu verdienen.

In Ihrem ersten Beispielsatz wird mehr adverbial verwendet, im zweiten Beispielsatz als attributives Adjektiv:

Je erfolgreicher unser Betrieb ist, desto mehr brauchen wir Mitarbeiter (= desto stärker/dringender brauchen wir Mitarbeiter)

Je erfolgreicher unser Betrieb ist, desto mehr Mitarbeiter brauchen wir (= eine desto größerer Anzahl Mitarbeiter brauchen wir)

Dann zur Wortfolge in Satzverbindungen mit je – desto: Unmittelbar nach je und nach desto (oder umso) folgt ein Komparativ. Der mit je eingeleitete Teilsatz ist ein Nebensatz, das heißt, die gebeugte Verbform steht am Schluss des Satzes. Der Teilsatz mit desto ist ein Hauptsatz, das heißt, die gebeugte Verbform steht an zweiter Stelle.

Für den desto-Satz, der Sie hier interessiert, bedeutet dies, dass immer der Satzteil mit der Komparativform an erster Stelle steht. Danach folgt die gebeugte Verbform und dann kommen alle anderen Satzteile. Am Anfang eines desto-Satzes kann ein Nomen also nur dann direkt hinter dem Komparativ stehen, wenn es zusammen mit diesem einen Satzteil bildet:

Wen oder was brauchen wir? – mehr Mitarbeiter (Akkusativobjekt)
… desto mehr Mitarbeiter brauchen wir

In welchem Maße brauchen wir Mitarbeiter? – mehr (Adverbialbestimmung)
… desto mehr brauchen wir Mitarbeiter

Die Tatsache, dass im desto-Hauptsatz nur ein Satzteil an der ersten Stelle vor dem Verb stehen kann, erklärt auch, warum die anderen Sätze in Ihrer Frage nicht möglich sind. Im folgenden Satz ist lieber eine Adverbialbestimmung und die Mitarbeiter Subjekt. Deshalb können die beiden nicht gemeinsam vor gehen stehen:

Je netter die Chefs sind, desto lieber gehen die Mitarbeiter zur Arbeit.
nicht: Je netter die Chefs sind, *desto lieber die Mitarbeiter gehen zur Arbeit.

Im folgenden Satz haben wir es mit einer Adverbialbestimmung (wie oft? – seltener) und einem Akkusativobjekt (wen oder was? – Kopfschmerzen) zu tun, die nicht gemeinsam vor dem Verb stehen können:

Je ruhiger meine Wohnung liegt, desto seltener bekomme ich Kopfschmerzen.
nicht: Je ruhiger meine Wohnung liegt, *desto seltener Kopfschmerzen bekomme ich.

Nur wenn das Adjektiv und das Nomen zusammen zum Beispiel Subjekt oder Akkusativobjekt sind, können sie gemeinsam vor dem gebeugten Verb stehen:

Je erfolgreicher unser Betrieb ist, desto größere Einnahmen haben wir.
Je lauter es wird, desto heftigere Kopfschmerzen quälen mich.
Je netter die Chefs sind, desto arbeitsfreudigere Mitarbeiter kann man erwarten.

Die abschließende Antwort auf Ihre Frage könnte also wie folgt lauten: Ein Komparativ kann am Anfang eines desto-Satzes nur dann direkt vor einem Nomen stehen, wenn der Komparativ als vorangestelltes Adjektiv das Nomen näher bestimmt, also zusammen mit ihm einen Satzteil bildet. Ist der Komparativ eine Adverbialbestimmung, ein Prädikativ oder ein Adverb, gehört das Nomen nicht zu ihm und kann es nicht direkt folgen.

Je genauer man es erklären will, desto komplizierter [Prädikativ] können die Erklärungsversuche werden.

Je genauer man es erklären will, desto kompliziertere Erklärungsversuche [Akkusativobjekt] kann man erwarten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ist es ebenso richtig, das Komma vor „wie“ zu setzen(,) wie es wegzulassen?

Gleich noch einmal das Komma bei Infinitivgruppen. Heute ein anderer Spezialfall:

Frage

Der folgende Satz löste diese Frage bei mir aus: Ist das Komma nach ist ein Pflicht- oder ein Kann-Komma?

Falsches Motoröl einzufüllen[,] ist[,] wie ein Ersatzteil einzubauen, das nicht passt.

Nun habe ich mich auf die Suche gemacht und fand dabei u. a. diese Angaben:

Die Duden Rechtschreibregel D 128 sagt, dass ein Komma steht, wenn als oder wie einen Nebensatz einleiten [siehe auch hier]. In diesem Satz leitet wie aber keinen Nebensatz, sondern eine Infinitivgruppe ein.

Im amtlichen Regelwerk, Paragraf 75 (1) heißt es, dass ein Komma gesetzt werden muss, wenn die Infinitivgruppe mit um, ohne, statt, anstatt, außer, als eingeleitet ist.

Im Zeichensetzungs-Buch von Duden steht unter Abschnitt 185 (5) folgende Erklärung: „Die Konjunktion »wie« leitet eine Infinitivgruppe ein, die (analog zu »als«) durch Komma abgetrennt wird“ […]

Kann man aus den oben genannten Fundstellen ableiten, dass bei satzwertigen Infinitivgruppen mit wie ein Komma fakultativ gesetzt werden kann, während bei satzwertigen Infinitivgruppen mit als ein Komma notwendig ist? Oder gilt die Angaben, dass auch mit wie eingeleitete Infintivgruppen durch ein Komma abgetrennt werden? […]

Ich frage mich auch: Welches Regelwerk ist schließlich bei Interpunktionsfragen und -unsicherheiten maßgebend? Das amtliche Regelwerk, das Duden-ZS-Buch oder beides gleichermaßen?

Antwort

Guten Tag Herr B.,

maßgebend bei Rechtschreibfragen ist die amtliche Rechtschreibregelung, aber im Prinzip nur für Schulen und den amtlichen Gebrauch. Ansonsten ist verbindlich, was ein Institut, ein Betrieb, eine (Chef)redakteurin, ein Auftraggeber usw. oder Sie selbst für verbindlich erklären. Häufig ist dies u. a. aus Traditionsgründen der Duden, aber das ist nicht zwingend. Die Angaben der Dudenredaktion sind eine Wiedergabe der amtlichen Regelung und eine Interpretation für Fälle, die in der Regelung nicht oder nicht explizit genannt werden. Auch bei z. B. PONS, Wahrig oder LEO finden Sie Übersichten zur Rechtschreibregelung.

Auch ich empfehle, eine mit wie eingeleitete Infinitivgruppe mit Kommas abzutrennen. Das Wörtchen wie kommt zwar in der amtlichen Rechtschreibregelung an der entsprechenden Stelle nicht vor, ich gehe aber davon aus, dass analog zu als vorgegangen werden sollte:

Ist es besser, ein Komma vor „wie“ zu setzen, als es wegzulassen?
Ist es ebenso richtig, ein Komma vor „wie“ zu setzen, wie es wegzulassen?

Nichts war ihnen wichtiger, als ihre Kinder zu unterstützen.
Nichts war ihnen so wichtig, wie ihre Kinder zu unterstützen.

Das Zelt wieder abzubrechen(,) ging schneller, als es aufzubauen.
Das Zelt wieder abzubrechen(,) ging ebenso schnell, wie es aufzubauen.

Falsches Motoröl einzufüllen(,) ist anders, als ein Ersatzteil einzubauen, das nicht passt.
Falsches Motoröl einzufüllen(,) ist gleich, wie ein Ersatzteil einzubauen, das nicht passt.

Für Ihren Satz ergibt sich entsprechend:

Falsches Motoröl einzufüllen, ist, wie ein Ersatzteil einzubauen, das nicht passt.
Falsches Motoröl einzufüllen ist, wie ein Ersatzteil einzubauen, das nicht passt.

Da aber – wie gesagt – mit wie eingeleitete Infinitivgruppen in der Rechtschreibregelung nicht ausdrücklich bei den obligatorischen Kommas erwähnt werden, sind sie streng genommen ein Fall, in dem das Komma fakultativ ist. Die kommalose Schreibung kann deshalb nicht als grundsätzlich falsch angesehen werden. Wer die Rechtschreibregelung ganz genau befolgt, akzeptiert (theoretisch) auch diese Zeichensetzung:

Falsches Motoröl einzufüllen ist wie ein Ersatzteil einzubauen, das nicht passt.

Ich empfehle dennoch, bei mit wie eingeleitete Infintivgruppen gleich vorzugehen wie bei mit als eingeleitete Infinitivgruppen und sie mit Kommas abzutrennen. Das erscheint mir einfacher und überzeugender, als die eng verwandten Konstruktionen unterschiedlich zu behandeln.

Sie können das Problem auch umgehen, indem Sie ohne zu formulieren. Dann darf kein Komma stehen:

Falsches Motoröl einfüllen ist wie ein Ersatzteil einbauen, das nicht passt.

Dieses „Ausweichmanöver“ funktioniert aber lange nicht immer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das knifflige Komma bei Infinitivgruppen: „das Maximum, das ich bereit war,[?] monatlich zu zahlen“

Frage

Ist das Komma nach „bereit war“ korrekt bzw. erlaubt?

Vor Beginn des Auslandsemesters hatte ich mir ein Maximum von 500 Euro gesetzt, das ich bereit war, monatlich für die Miete zu zahlen.

Antwort

Guten Tag Herr T.,

die Infinitivgruppe sollte hier nicht durch ein Komma abgetrennt werden, weil sie den übergeordneten Satz umschließt. Das „das“ gehört nämlich auch zur Infinitivgruppe:

Vor Beginn des Auslandsemesters hatte ich mir ein Maximum von 500 Euro gesetzt, das ich bereit war monatlich für die Miete zu zahlen.

Infinitivgruppen können (resp. müssen, siehe hier) durch Kommas abgetrennt werden, wenn sie nach oder vor dem übergeordneten Satz stehen:

Ich war bereit(,) 500 Euro monatlich für die Miete zu zahlen.
500 Euro monatlich für die Miete zu Zahlen(,) war ich bereit.

Die Infinitivgruppe und der übergeordnete Satz sind aber nicht immer so schön „sauber“ voneinander getrennt. Dann steht in der Regel kein Komma. In Fällen wie den folgenden ist das Komma ausgeschlossen:

Kein Komma kann gesetzt werden, wenn die Infinitivgruppe durch die Satzklammer des übergeordneten Satzes umschlossen wird. Das ist vor allem bei kürzeren Infinitivgruppen üblich, aber auch bei längeren möglich:

Ich habe versucht(,) dich zu verstehen.
Ich habe dich zu verstehen versucht.

Der Gemeinderat hat beschlossen(‚) die Brückensanierung durchzuführen.
Der Gemeinderat hat die Brückensanierung durchzuführen beschlossen.

Ich war bereit(,) 500 Euro Miete monatlich für die Miete zu zahlen.
Ich war 500 Euro Miete monatlich für die Miete zu zahlen bereit.

Kein Komma kann gesetzt werden, wenn die Infinitivgruppe und der übergeordnete Satz ineinander verschlungen sind. Formulierungen dieser Art sind nicht immer auf Anhieb leicht zu verstehen:

Dich und deine Ideen zu verstehen(,) will ich versuchen.
Dich und deine Ideen will ich zu verstehen versuchen.

Die Brückensanierung durchzuführen(,) hat der Gemeinderat beschlossen.
Die Brückensanierung hat der Gemeinderat durchzuführen beschlossen.

500 Euro monatlich für die Miete zu bezahlen(,) war ich bereit.
500 Euro monatlich war ich für die Miete zu bezahlen bereit.

Kein Komma kann gesetzt werden, wenn die Infinitivgruppe den übergeordneten Satz umschließt. Diese Art der Formulierung dient dazu, den erstgenannten Satzteil besonders hervorzuheben. Im Allgemeinen sollte sie der Verständlichkeit zuliebe nur zurückhaltend verwendet werden.

Dich und deine Ideen will ich versuchen zu verstehen.
Die Brückensanierung hat der Gemeinderat beschlossen durchzuführen.
500 Euro monatlich war ich bereit für die Miete zu bezahlen.

Auch in Ihrem Beispiel umschließt die Infinitivgruppe den übergeordneten Satz. Hier geht es aber nicht um Hervorhebung, sondern darum, dass das Relativpronomen, das zur Infinitivgruppe gehört, im Relativsatz an erster Stelle steht.

Das sind deine Ideen, die ich versuche zu verstehen.
Es geht um die Brückensanierung, die der Gemeinderat beschlossen hat unverzüglich durchzuführen.
Vor Beginn des Auslandsemesters hatte ich mir ein Maximum von 500 Euro gesetzt, das ich bereit war monatlich für die Miete zu zahlen.

Nicht weniger kompliziert und auch möglich:

Das sind deine Ideen, die ich zu verstehen versuche.
Es geht um die Brückensanierung, die der Gemeinderat unverzüglich durchzuführen beschlossen hat.
Vor Beginn des Auslandsemesters hatte ich mir ein Maximum von 500 Euro gesetzt, das ich monatlich für die Miete zu zahlen bereit war.

Zusammenfassend kann man faustregelartig sagen: Vor- und nachgestellte Infinitivgruppen können oder müssen mit Kommas abgetrennt werden. Infinitivgruppen, die in den übergeordneten Satz integriert, mit im verschlungen oder um ihn herum drapiert sind, stehen ohne Komma.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Genitiv oder „von“: „der Vorteil des“ oder „der Vorteil von“?

Frage

Heißt es „Vorteil/Nachteil vom Konsum“ oder „Vorteil/Nachteil des Konsums“?

Antwort

Guten Tag Frau L.,

„Genitiv oder von?“, eine Frage, die häufiger gestellt wird. Manchmal ist sie sogar Anlass zu gemütlichen bis erbitterten Diskussionen. Was man wählt, ist auch eine Frage des Stils, aber in diesem Fall ist es in der Standardsprache relativ einfach zu bestimmen, was die bessere Lösung ist.

Standardsprachlich richtig ist in Ihrem Beispiel wahrscheinlich der Genitiv (ohne Kontext ist schwierig zu sagen, was genau gemeint ist):

Vorteil/Nachteil des Konsums

Wenn eine Nomengruppe mit einem Artikel oder Artikelwort steht, sollte sie als Attribut (= nähere Bestimmung eines anderen Wortes) im Genitiv stehen. Die Verwendung von „von“ gilt hier als umgangssprachlich.

Mit Artikel → nur Genitiv:

die Filterung des Trinkwassers (nicht: vom Trinkwasser)
der Kauf eines elektrischen Fahrrades
die Wohnung meiner Freunde
der Vorteil des Konsums

Diese „Grundregel“ führt manchmal zur Behauptung, dass hier immer der Genitiv stehen müsse und die Verwendung von von grundsätzlich zu vermeiden sei. Das stimmt so nicht. Wenn ein Substantiv kein gebeugtes Artikelwort und kein gebeugtes Adjektiv bei sich hat, wird es auch standardsprachlich mit von angefügt.

Ohne Artikel und ohne Adjektiv → nur von:

die Filterung von Trinkwasser (nicht: Trinkwassers)
der Kauf von Fahrrädern
die Wohnung von Freunden
der Vorteil von Konsum und Luxus

Eine Ausnahme sind hier artikellose Eigennamen. Sie stehen häufiger im Genitiv:

Schillers Dramen / die Dramen Schillers / die Dramen von Schiller
Europas Wälder / die Wälder Europas / die Wälder von Europa

Dazwischen stehen artikellose Substantive, die von einem gebeugten Adjektiv begleitet werden. Sie können im Genitiv oder mit von stehen. Beides gilt als korrekt, auch wenn strengere Grammatiker und Grammatikerinnen hier den Genitiv vorziehen.

Ohne Artikel, mit Adjektiv → Genitiv oder von:

die Filterung reinen Trinkwassers / von reinem Trinkwasser
der Kauf elektrischer Fahrräder / von elektrischen Fahrrädern
die Wohnung guter Freunde / die Wohnung von guten Freunden
der Vorteil mäßigen Konsums / von mäßigem Konsum

Ob Konsum als Attribut im Genitiv steht oder mit von angefügt wird, hängt also von seinen Begleitern ab:

der Vorteil des Konsums
der Vorteil von Konsum
der Vorteil mäßigen Konsums / von mäßigem Konsum

Wirklich einfach ist es nicht, aber verglichen mit anderen Genitivfragen im Deutschen ist es relativ übersichtlich. Die entsprechenden Angaben finden Sie auch auf dieser Seite in der LEO-Grammatik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wozu die als-Gruppe gehört, bestimmt, ob ein Komma vor ihr steht

Frage

In einer John-Lennon-Biografie lese ich folgenden Satz:

Sie fand es wesentlich einfacher, mit Johns erster Frau umzugehen als mit seiner zweiten.

Frage: Muss vor „als“ noch ein schließendes Komma gesetzt werden, weil die Infinitivgruppe mit „umzugehen“ endet, oder gehört das „als mit seiner zweiten“ noch zur Infinitivgruppe?

Genauso frage ich mich das bei diesem Satz:

Er wollte lieber eine Frau haben, die für sich einstehen konnte, als eine Frau, die Angst vor ihrem eigenen Schatten hatte.

Antwort

Guten Tag Herr S.,

in beiden Sätzen sind die Kommas richtig gesetzt. Es geht um das vergleichende als und die Frage, wohin die als-Gruppe gehört.

Im ersten Satz gehört der Vergleich mit als zur Infinitivgruppe. Er steht zwar hinter dem abschließenden umzugehen, aber vergleichende als-Gruppen stehen häufig ganz am Schluss (im Nachfeld). So sieht der Satz aus, wenn man die als-Gruppe im Satzinneren belässt:

Sie fand es wesentlich einfacher, mit Johns erster Frau als mit seiner zweiten umzugehen.

Auch wenn man sie an den Schluss verlagert, wird sie nicht durch ein Komma abgetrennt:

Sie fand es wesentlich einfacher, mit Johns erster Frau umzugehen als mit seiner zweiten.

Ebenso ohne Komma vor als in Fällen wie diesen, auch wenn die als-Gruppe nachgestellt ist:

Es ist besser, ein gutes Buch zu lesen als ein schlechtes.
Es stimmt, dass wir weniger Geld eingesammelt haben als nötig.
Du siehst in einem T-Shirt eleganter aus als er in Anzug und Krawatte.

Ein anderer Fall ist Ihr zweiter Satz. Dort muss ein Komma stehen, weil die als-Gruppe nicht zum Nebensatz gehört, der vor ihr abgeschlossen wird:

Er wollte lieber eine Frau haben, die für sich einstehen konnte, als eine Frau, die Angst vor ihrem eigenen Schatten hatte.

Ebenso mit einem abschließenden Komma vor als:

Es ist besser, ein gutes Buch zu lesen, das man schon kennt, als eines, das zwar neu, aber schlecht ist.
Es stimmt, dass wir weniger Geld eingesammelt haben, jedenfalls bis jetzt, als nötig.
Du siehst in einem T-Shirt eleganter aus, finde ich, als er in Anzug und Krawatte.

Bei vergleichendem als sollte man also zuerst schauen, ob es einen Nebensatz oder eine Infinitivgruppe einleitet (→ Komma vor als) oder ob dies, wie in Ihren Beispielen, nicht der Fall ist (→ kein Komma vor als). Und wie auch bei und und oder kann im zweiten Fall doch ein Komma nötig sein, wenn vor als ein Nebensatz oder Einschub abgeschlossen wird, zu dem die als-Gruppe nicht gehört.

Diese abschließende Zusammenfassung ist komplizierter, als ich es gehofft hatte / komplizierter als erhofft / komplizierter, muss ich zugeben, als erhofft.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Meine Damen und Herren Geschworene(n)?

Frage

Die neueste Frage ist, ob es heißt

Meine Damen und Herren Geschworene

oder

Meine Damen und Herren Geschworenen

oder ist sogar beides möglich?

Antwort

Guten Tag Herr S.,

in Prinzip werden adjektivisch gebeugte Wörter nach Anreden gleich gebeugt, wie wenn die Anrede nicht steht. Hier ein paar Beispiele:

der Herr Geschworene (der Geschworene)
ein Herr Geschworener (ein Geschworener)
des Herrn Abgeordneten (des Abgeordneten)
mit dem Herrn Geschworenen (mit dem Geschworenen)
die Herren Abgeordneten (die Abgeordneten)
sehr geehrte Herren Geschworene (sehr geehrte Geschworene)
meine Herren Geschworenen (meine Geschworenen)

die Frau Geschworene (die Geschworene)
eine Frau Geschworene (eine Geschworene)
dir Rede der Frau Abgeordneten (der Abgeordneten)
mit der Frau Abgeordneten (mit der Abgeordneten)
die Damen Abgeordneten (die Abgeordneten)
sehr geehrte Damen Geschworene (sehr geehrte Geschworene)
meine Damen Geschworenen (meine Geschworenen)

Nach diesem Prinzip heißt es auch:

sehr geehrte Damen und Herren Geschworene
die Damen und Herren Geschworenen
meine Damen und Herren Geschworenen

Natürlich geht es auch hier nicht ohne ein Aber. Im männlichen Dativ Singular wird entgegen diesem Prinzip nach artikellosem Herrn nur schwach gebeugt:

mit Herrn Geschworenen B. (aber: mit Geschworenem B.)

Bei Frauen wiederum gilt diese Ausnahme kaum:

mit Frau Abgeordneter B. (wie: mit Abgeordneter B.)
selten: mit Frau Abgeordneten B.

Im Nominativ Plural ist die Verteilung der starken Endung e und der schwachen Endung en auch nicht so fest. Und damit wären wir beim Zweifel, der in Ihrer Frage zum Ausdruck kommt. Häufig wird nämlich im Nominativ Plural (meiner Meinung nach nicht korrekt) auch wie folgt formuliert:

sehr geehrte Damen und Herren Abgeordneten
(statt besser: Abgeordnete)
Meine Damen und Herren Geschworene
(statt besser: Geschworenen)

Wie man sieht, ist die adjektivische Beugung im Deutschen so komplex, dass wir uns nicht immer an dasselbe Prinzip halten. Ich hoffe dass Sie, meine Damen und Herren an Sprachfragen Interessierten, trotzdem nicht ganz den Überblick verlieren. Wenn man es einmal gar nicht mehr weiß, kann man immer auf eine Formulierung ohne Damen und Herren ausweichen:

Sehr geehrte Geschworene
Meine sehr geehrten / geschätzten Geschworenen

Das ist, liebe an Sprachfragen Interessierte, nicht nur weniger sperrig, sondern auch noch inklusiver.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Acetylsalicylsäure-haltig, acetylsalicylsäurehaltig oder mit Acetylsalicylsäure?

Frage

Hier ist ein etwas schwieriger Fall einer Zusammensetzung. „Acetylsalicylsäure“ ist ein Wirkstoff, aber nicht wirklich ein Eigenname.

Acetylsalicylsäure-haltige Arzneimittel
acetylsalicylsäurehaltige Arzneimittel

Was würden Sie für richtig halten?

Antwort

Guten Tag Frau K.,

nach den Rechtschreibregeln werden Verbindungen dieser Art im Prinzip zusammengeschrieben:

acetylsalicylsäurehaltige Arzneimittel
paracetamolhaltige Schmerzmittel
ibuprofenhaltige Medikamente

Der „verdeutlichende“ Bindestrich ist hier auch möglich, insbesondere wenn ein Wortungetüm wie Acetylsalicylsäure nicht als bekannt vorausgesetzt werden kann bzw. nicht vorher genannt wird:

Acetylsalicylsäure-haltige Arzneimittel
Paracetamol-haltige Schmerzmittel
Ibuprofen-haltige Medikamente

Für stilistisch besser und vielleicht auch deutlicher halte ich dann allerdings meistens Formulierungen wie diese:

Arzneimittel, die Acetylsalicylsäure enthalten
Paracetamol enthaltende Schmerzmittel
Medikamente mit Ibuprofen

Manche mögen meinen, Xy-haltig sei präziser als mit Xy. Im Allgemeinen ergibt sich aber aus dem Zusammenhang, dass mit ein Arzneimittel mit Acetylsalicylsäure dasselbe gemeint ist wie mit ein Acetylsalicylsäure-haltiges Arzneimittel.

Ich hoffe, dass Ihnen diese Wortschreibung nicht so viel Kopfzerbrechen bereitet hat, dass Sie zu einem acetylsalicylsäure-, paracetamol- oder ibuprofenhaltigen Schmerzmittel greifen mussten. So viel Stress verdient die Rechtschreibung nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ostern

Wie fast jedes Jahr kam mir in den Sinn, dass ich zu Ostern etwas über das Wort Ostern schreiben könnte. Wie jedes Mal musste ich feststellen, dass die Herkunftsgeschichte nicht viel hergibt. Sie ist nämlich ungewiss.

Neben dem deutschen Ostern gibt es nur im Englischen eine verwandte Bezeichnung: Easter. Laut einigen etymologischen Wörterbüchern gehen die beiden Wörter auf Ostara, den Namen einer germanischen Frühlingsgöttin, zurück.

Vermutete Frühlingsgöttin Ostara

Eine germanische Frühlingsgöttin, deren Namen zur Bezeichnung für das Osterfest wurde, das klingt sehr poetisch und sogar ein bisschen mystisch. Andere meinen aber, dass es für diese Erklärung keine Belege und nicht genug andere Beweise gebe. Für einen schönen Osterblog reicht das also kaum.

Eine andere Herleitung erwähnt den Begriff Albae paschales – das waren offenbar gewisse weiße Kirchengewänder – und bringt ihn umständlich in Verbindung mit dem Wort Osten. Wirklich überzeugend finde ich das Ganze nicht, soweit ich es überhaupt verstanden habe. Auch das ergibt also kein schönes Thema für einen Blogartikel zu Ostern (für mehr zur Wortherkunft siehe hier).

Es bleibt mir somit nur Folgendes: Ihnen allen wünsche ich schöne Ostertage, und mir wünsche ich, dass ich von nun an nicht mehr jedes Jahr kurz vor den Osterferien über dasselbe Thema stolpern werde. Wenn Sie längere Zeit nicht von mir hören, liegt das daran, dass ich eine Osterpause einlege.

Frohe Ostern!

Dr. Bopp

Kommt der Einbau von Smart Metern oder von Smart Meters voran?

Frage

Neulich kam mir ein Satz unter, bei dem ich nicht wusste, wie ich den Dativ Plural bilden soll. Es geht um das Wort „Smart Meter“, so eine Art digitalen Stromzähler. Wie würden Sie das Wort „Meter“ im Dativ Plural schreiben: „Meters“ oder „Metern“? Ich würde spontan „Der Einbau von Smart Metern kommt voran“ schreiben, aber eigentlich müsste ich ja ein s als Pluralmarkierung nehmen, da das Wort „Meter“ hier kein Längenmaß ist, sondern das englische Wort für „Messgerät“. Aber das hört sich ja ganz scheußlich an: „Der Einbau von Smart Meters kommt voran.“ Was meinen Sie?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

bei der Pluralbildung von Fremdwörtern kann eine Rolle spielen, wie stark sie bereits ins Deutsche integriert sind.

Wenn Sie Meter in Smart Meter englisch aussprechen (ähnlich wie Mieter), dann passt der s-Plural besser:

die Smart Meters
der Einbau von Smart Meters

Wenn Sie dieses Meter deutsch aussprechen (wie das Längenmaß), passt der endungslose Plural. Zum endungslosen Nominativ Plural gehört der Dativ Plural mit -n wie zum Beispiel bei den Computern, den Bestsellern oder den Bikern:

die Smart Meter
der Einbau von Smart Metern

Auch korrekt ist hier übrigens die Zusammenschreibung, die allerdings verhältnismäßig selten vorkommt:

die Smartmeter
der Einbau von Smartmetern

Die deutsche Pluralbildung die Smart Meter / den Smart Metern ist hier deutlich üblicher als der englische s-Plural. Sie ist übrigens nicht zwangsläufig mit dem Längenmaß Meter zu assoziieren. Es gibt ja auch andere Messgeräte wie zum Beispiel Thermometer, Barometer oder Tachometer. Ähnlich wie bei diesen herrscht auch bei Smart Meter ein gewisser Zweifel, ob das Wort sächlich oder männlich ist. Häufig ist es nämlich der Smart Meter wie der intelligente Stromzähler, aber viele sagen auch das Smart Meter, wie dies für das Thermometer und das Barometer üblich ist (wenn auch nicht überall in gleichem Maße: Im südlichen deutschen Sprachraum kommt daneben auch der Thermometer vor).

Für den Plural hat sich die eingedeutschte Pluralbildung die Smart Meter durchgesetzt. Bei der Formulierung in Ihrer Frage würde ich deshalb nur diese Pluralvariante empfehlen, die auch Ihnen spontan besser erschien:

Der Einbau von Smart Metern kommt voran.

Bei der Frage zum Genus, der oder das Smart Meter, wage ich mich an keine Empfehlung. Die Frage, ob das Wort männlich ist wie der Messer, der Zähler oder ob es sächlich ist wie das Thermometer u. a., ist (noch) nicht eindeutig entschieden. Wer mit „so viel Ungewissheit“ nicht leben kann, weicht einfach auf Begriffe wie der intelligente Stromzähler oder das intelligente Messsystem aus. (Bei intelligent fällt mir allerdings noch mehr als bei smart auf, dass das Adjektiv in diesem Zusammenhang etwas hoch gegriffen ist – aber das ist eine ganz andere Frage.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp