„Statt dass“ und „ohne dass“ bei gleichem Subjekt

Frage

Es geht um „statt dass“. Angeblich sei das nur bei zwei verschiedenen Subjekten möglich. Aber das scheint mir seltsam.

Hier zwei Beispiel (stilistisch sicher nicht sehr schön…).

1. Statt das die IT-Abteilung den Fehler behebt, müssen wir das System jetzt manuell neu starten.
2. Ich schreibe Herrn Dr. Bopp, statt dass ich die Antwort selbst suche.

Im zweiten Satz ist doch das Subjekt „ich“, also identisch. […]

Antwort

Guten Tag Frau I.,

ob man im zweiten Beispielsatz statt dass oder statt zu wählt, ist vor allem eine Frage des Stils. Möglich ist beides. Bei gleichem Subjekt in Haupt- und Nebensatz ist es stilistisch oft (ein bisschen) besser, nach [an]statt eine Infinitivkonstruktion anstelle eines dass-Satzes zu verwenden:

Ich schreibe Dr. Bopp, statt die Antwort selbst zu suchen.

Der dass-Satz ist hier aber auch möglich.

Ich schreibe Dr. Bopp, statt dass ich die Antwort selbst suche.

Die folgenden Formulierungen sind demnach alle möglich:

Er spielt mit seinen Freunden, satt seiner Schwester zu helfen.
Er spielt mit seinen Freunden, satt dass er seiner Schwester hilft.

Statt seiner Schwester zu helfen, spielt Bruno mit seinen Freunden.
Statt dass Bruno seiner Schwester hilft, spielt er mit seinen Freunden.
Statt dass er seiner Schwester hilft, spielt Bruno mit seinen Freunden.

Statt den Fehler zu beheben, verlangt die IT-Abteilung, dass wir das System jetzt manuell starten.
Statt dass die IT-Abteilung den Fehler behebt, verlangt sie, dass wir das System jetzt manuell starten.
Statt dass sie den Fehler behebt, verlangt die IT-Abteilung, dass wir das System jetzt manuell starten.

Umgekehrt gilt aber, dass eine Infinitivkonstruktion nur dann möglich ist, wenn das Subjekt identisch ist. Deshalb kommt im folgenden Satz nur statt dass in Frage:

Statt dass die IT-Abteilung den Fehler behebt, müssen wir das System jetzt manuell neu starten.

Hier wurde vielleicht ein Regel vereinfacht, die man so nicht vereinfachen kann. Als Regel gilt nämlich:

Die Infinitivkonstruktion ist mit [an]statt nur bei gleichem Subjekt möglich.

Das bedeutet aber nicht, dass bei gleichem Subjekt eine Infinitivkonstruktion stehen muss.

Dasselbe gilt übrigens auch für ohne dass und ohne zu:

Sie hat sich langsam vergiftet, ohne dass sie es bemerkt hat. [Beispielsatz aus GRAMMIS]
Sie hat sich langsam vergiftet, ohne es zu bemerken.

Sie können mir also schreiben, ohne immer alle Antworten selbst zu suchen oder ohne dass Sie immer alle Antworten selbst suchen. Beides ist grammatisch (und auch sonst) richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Es wird sich orientiert – Passiv mit „sich“?

Frage

Vor kurzem bin ich auf folgende Sätze mit reflexiven Verben im Passiv gestoßen:

Es wird sich an den Diagrammen orientiert.
Es wird sich um ihn gekümmert.
Es wurde sich auf diese Resultate konzentriert.

Ehrlich gesagt war ich ein bisschen verdattert, als ich diese Sätze gelesen habe. Sind sie grammatisch korrekt? Kann man so Passivsätze bilden? Meine Verwunderung ist umso größer, als ich diese Sätze in wissenschaftlichen Arbeiten deutscher Studenten gefunden habe. […]

Antwort

Guten Tag Herr S.,

die Sätze sind grammatisch korrekt, aber keine stilistischen Meisterwerke. Es handelt sich um das subjektlose werden-Passiv. Dieses Passiv ist erstaunlicherweise auch mit einem Reflexivpronomen möglich (vgl. hier). Das Pronomen bezieht sich dabei auf das nicht genannte Agens (Träger der Verbhandlung). Hinzu kommt, dass an erster Stelle im Satz ein Platzhalter-es steht, wenn kein anderes Satzglied diese Position einnimmt. Sätze wie diese kommen vor:

Es wird sich Mühe gegeben.
Es wurde sich bis ins kleinste Details um alles gekümmert.
Es wurde sich darauf geeinigt, dass …
Es wird sich Zeit genommen.

Das subjektlose werden-Passiv klingt mit einem Reflexivpronomen aber oft holprig oder gekünstelt. Das gilt auch bei diesen Beispielen:

Man orientiert sich an den Tabellen.
Es wird sich an den Tabellen orientiert.

Man konzentrierte sich auf diese Abschnitte.
Es wurde sich auf diese Abschnitte konzentriert.

Das subjektlose Passiv kommt manchmal in Arbeiten vor, in denen (zum Beispiel aus Höflichkeit oder Bescheidenheit) das Subjekt nicht genannt werden soll, wenn es eine erste Person ist. Vermieden werden sollte bei Ihren Beispielen vielleicht:

Ich orientiere mich an den Diagrammen.
Wir konzentrierten uns auf diese Resultate.

Es ist aber zu empfehlen, hier statt des werden-Passivs mit sich eine andere, etwas weniger holprige Formulierung zu wählen oder ganz einfach die erste Person zu verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Formenvielfalt: durchgespalten, durchgespaltet, durchspalten, durchspaltet

Frage

Ich schlage mich […] mit den Konjugationen der verschiedenen „durch“-Verben herum. Da ist mir bei „durchspalten“ auf der Duden-Heimseite bei den beiden dort aufgeführten Konjugationen zu diesem Verb aufgefallen, dass es einmal eine Version von Perfekt-, Plusquamperfekt- und Futurformen mit „durchspalten“ gibt und zum andere eine Form mit „durchgespalten“ und „durchgespaltet“.

Wo ist sind da die Unterschiede?

Antwort

Guten Tag Herr S.,

nach den Angaben der Wörterbücher kann beim Verb durchspalten die Hauptbetonung auf durch oder auf spalt liegen.

a) dúrchspalten
b) durchspálten

Bei der ersten Betonung ist das Verb trennbar, bei der zweiten Betonung ist es untrennbar:

a) dúrchzuspalten, ich spalte durch, dúrchgespalten/dúrchgespaltet
b) zu durchspálten, ich durchspálte, durchspálten/durchspáltet

Dabei scheint es keinen Bedeutungsunterschied zwischen den Varianten zu geben. Der Online-Duden schreibt hierzu:

durchspalten:
Bedeutung: in zwei Teile spalten
Beispiel: er hat die Holzscheite durchgespalten

durchspalten:
Bedeutung: durchspalten
Beispiel: er durchspaltet die Scheite

Und im DWDS steht:

Verb · spaltet durch, spaltete durch, hat durchgespalten/durchgespaltet
Verb · durchspaltet, durchspaltete, hat durchspalten/durchspaltet
etw. in zwei Teile spalten
Beispiel: einen Baumstamm, ein Stück Holz durchspalten

NB: In Duden fehlt beim Partizip II des untrennbaren Verbs die regelmäßige Form durchspaltet. Im DWDS wird diese jedoch angegeben. Da Duden sonst bei spalten und den davon abgeleiteten Verben sowohl die unregelmäßige als auch die regelmäßige Form angibt (spalten/gespaltet [selten], abgespalten/abgespaltet, aufspalten/aufgespaltet, zerspalten/zerspaltet), gehe ich davon aus, dass neben hat durchspalten zumindest theoretisch auch die Form hat durchspaltet möglich sein muss. Bei einem Verb, das so selten vorkommt, ist es schwierig bis unmöglich, anzugeben, was üblich ist. Wann ist schon davon die Rede, dass Baumstämme, Holzscheite, Felsbrocken oder gar Schädel durchgespalten, durchgespaltet, durchspalten oder durchspaltet werden?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ist es „etwas, wofür“ oder „etwas, für das“?

Frage

Ein Kollege meint, in dem Satz „Kann man etwas, für das es gute Gründe gibt, trotzdem ablehnen?“ müsse „wofür“ statt „für das“ stehen. Ich finde das nicht, kann es aber nicht begründen. Was sagen Sie?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

ob man hier wofür oder für das verwendet, ist vor allem eine Frage des Stils oder der Sprachebene. In der (geschriebenen) Standardsprache, ist wofür üblich, wenn es sich um einen Relativanschluss mit Bezug auf ein unpersönliches Pronomen handelt.

alles/vieles/manches/etwas/nichts, wofür

Als (eher) umgangssprachlich gilt hier die Verwendung von für was oder für das.

alles/vieles/manches/etwas/nichts, für was/das

Duden [Grammatik, 10. Auflage, S. 805) sagt hierzu:

Bei einem Indefinitpronomen als Bezugsausdruck (alles, manches, etwas, nichts …) ist dagegen das Präpositionaladverb gebräuchlicher:
(56) Es gibt so manches, wovor sie Angst hat. Alles, worüber zu sprechen ist, soll in die Tagesordnung. Das ist etwas / nichts, worauf ich warte.

In der LEO-Grammatik steht:

Pronominaladverbien stehen für unpersönliche Pronomen, substantivierte Adjektive im Neutrum, für Sachverhalte und Sätze.
Das ist alles, worum ich Sie bitte.
Etwas / Nichts, worüber wir redeten, war wichtig.
[…]
Umgangssprachlich wird seltener auch die Fügung „Präposition + das/dem“ oder „Präposition + was“ verwendet:
Das ist alles, um das / um was ich Sie bitte.
Nichts, über das / über was wir redeten, war wichtig.
[…]

Das besagt mit so vielen Worten, dass in Ihrem Beispiel standardsprachlich besser wofür steht:

Kann man etwas, wofür es gute Gründe gibt, trotzdem ablehnen?

Nach meinem subjektiven Empfinden kommen hier die Formen ‚Präposition+das/was‘ heute allerdings immer häufiger vor. Ob das auch wirklich so ist, weiß ich so schnell leider nicht. Es könnte aber erklären, warum Sie hier etwas, für das auch für akzeptabel halten. Im Übrigen steht in Duden „gebräuchlicher“, nicht „obligatorisch“. In formelleren (schriftlichen) Kontexten würde ich wofür empfehlen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nachtrag:

Manchmal kann wofür (bzw. womit worüber usw.) allerdings unklar sein:

Ich bin mit allem einverstanden, wofür es gute Gründe gibt.

Was ist hiermit gemeint?

a) Ich bin mit allem, wofür es gute Gründe gibt, einverstanden.
b) Ich bin mit allem einverstanden und dafür gibt es gute Gründe.

Wenn a) gemeint ist und der Kontext auch keinen Aufschluss bietet, ist für das eine gute Ausweichmöglichkeit:

Ich bin allem einverstanden, für das es gute Gründe gibt.

Ähnlich zweideutig ist zum Beispiel:

Er sagt nichts, womit ich nicht einverstanden bin.

Bin ich a) nicht damit einverstanden, dass er nichts sagt, oder bin ich b) mit allem einverstanden, was er sagt?

Stilistisch weniger gelungen, aber dafür etwas deutlicher:

a) Er sagt nichts und damit bin ich nicht einverstanden.

beziehungsweise:

b) Er sagt nichts, mit dem ich nicht einverstanden bin.

Allzu streng sollte man hier aber nicht urteilen. Eine Formulierung steht selten allein und dann ergibt sich oft aus dem Zusammenhang, was genau gemeint ist.

 

Habe nicht kommen wollen – Ersatzinfinitiv oder besonderes Partizip?

Frage

Ich habe eine Frage bezüglich des Ersatzinfinitivs/Partizips II. Bei den Modalverben und einigen anderen Verben (heißen, hören, sehen, lehren, lernen) wird bei zusammengesetzten Zeiten statt des Partizips II der sogenannte „Ersatzinfinitiv“ verwendet.

Ich habe nicht kommen wollen [statt gewollt].

Im Online-Duden ist bei diesen Wörtern die Form, die man Ersatzinfinitiv nennen kann, jedoch in der Spalte „Partizip II“ vermerkt:

Infinitiv mit zu: zu wollen
Partizip I: wollen
Partizip II: wollen, gewollt

Meine Frage: Ist es wirklich ein Ersatzinfinitiv oder ist es ein Partizip II, dem das „ge-“ fehlt? […] Ist es also möglich, diese Form (fachsprachlich korrekt) als PARTIZIP zu bezeichnen?

Antwort

Guten Tag Herr S.,

ob man es einen Ersatzinfintiv oder ein besonderes Partizip nennt, ist eine reine Terminologiefrage. Diese spezielle Wortform erfüllt die Funktion eines Partizips, hat aber die Form eines Infinitivs (nicht nur das ge- fehlt, auch die Endung ist die des Infinitivs; vgl. gewollt vs wollen).

Er hat nicht kommen wollen (statt: gewollt).
Ich habe nicht weggehen dürfen (statt: gedurft)
Sie hat den Schlüssel zu Hause liegen lassen (auch: liegen gelassen).
Habt ihr uns kommen hören (auch: gehört)?

Infinitiv oder Partizip?– Man kann beides sagen, je nachdem welche Perspektive man einnimmt:

  • Der Infinitiv hat die Funktion eines Partizips → Ersatzinfinitiv
  • Das Partizip hat die Form eines Infinitivs → „besonderes“ Partizip

Allgemein üblich ist die Bezeichnung „Ersatzinfinitiv“, also der Infinitiv, der ein Partizip ersetzt. Ich würde deshalb  empfehlen, diesen Begriff zu verwenden, in dem die Form zentral steht. Es ist aber auch nicht falsch, hier mehr die Funktion hervorzuheben und von einer besonderen Erscheinungsform des Partizips zu sprechen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die drei Arten partitive Attribute, partitiver Attribute oder von partitiven Attributen

Heute gibt es ein bisschen Fachsprache zu einem Thema, das immer wieder Anlass zu Fragen gibt.

Frage

Meine Frage betrifft den Aufbau von Satzgliedern. Handelt es sich in Satzgliedern wie „eine Herde Rinder“ oder „ein Glas Milch“ bei den Wörtern „Rinder“ und „Milch“ um Attribute – genauer gesagt: um Attribute der Art Apposition?

Antwort

Guten Tag Frau M.,

es handelt sich in Ihren Beispielen tatsächlich um Attribute der Art Apposition. Rinder und Milch werden partitive Appositionen genannt. Eine partitive Apposition ist eine Art partitives Attribut.

Nach Maßbezeichnungen, Mengenbezeichnungen, Sammelbezeichnungen u. Ä. folgt in der Regel ein partitives Attribut. Partitive Attribute können sein:

  • partitive Apposition

eine Herde Rinder
ein Glas Milch
ein Kilo Haselnüsse
eine Gruppe Jugendliche
drei Arten Attribute

eine Herde schwarze Rinder
ein Glas kalte Milch
ein Kilo geschälte Haselnüsse
eine Gruppe interessierte Jugendliche
drei Arten partitive Attribute

  • partitiver Genitiv

eine Herde schwarzer Rinder
ein Glas kalter Milch
ein Kilo geschälter Haselnüsse
eine Gruppe (interessierter) Jugendlicher
drei Arten partitiver Attribute

  • partitive Präpositionalgruppe

eine Herde von Rindern
eine Gruppe von Jugendlichen
drei Arten von Attributen

eine Herde von schwarzen Rindern
eine Gruppe von interessierten Jugendlichen
drei Arten von partitiven Attributen

Welche der drei Arten von partitiven Attributen möglich oder üblich sind, hängt unter anderem davon ab:

  • ob das Gemessene im Singular (Milch) oder im Plural (Rinder) steht,
  • ob es allein steht (Rinder, Milch) oder von einem gebeugten Adjektiv begleitet wird (schwarze Rinder, kalte Milch; Jugendliche),
  • ob die Mengenangabe eine Sammelbezeichnung ist (Herde, Gruppe, Reihe, Anzahl usw.) oder nicht (Glas, Kilo, Liter, Karton usw.).

Die Beispiele oben zeigen grob, welche Möglichkeiten es gibt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Eine Fallfrage: zugunsten des berechtigten Wohnungseigentums als herrschend… Grundbesitz…

Frage

Ich bearbeite gerade einen Text, der folgenden Satz enthält: „Das XX gehörende Grundstück wird als dienendes Grundstück zugunsten des berechtigten Wohnungseigentums als herrschendem Grundbesitz belastet.“
Ich zweifle, ob der Dativ „herrschendem Grundbesitz“ korrekt ist. M.E. müsste dies ebenfalls in den Genitiv wie „des berechtigten Wohnungseigentums“, aber „… wird … zugunsten des berechtigten Wohnungseigentums als herrschenden Grundbesitzes belastet“ klingt in meinen Ohren auch nicht korrekt.

Können Sie da helfen? Für eine Rückmeldung wäre ich sehr dankbar.

Antwort

Guten Tag Frau K.,

da Sie in Ihrer Anfrage eine E-Mail-Adresse angegeben haben, die nicht zu funktionieren scheint („Empfänger existiert nicht“), hier nur eine Antwort im Blog. Ich hoffe, dass sie Sie so erreicht.

Um es gleich vorwegzunehmen: Der Dativ gilt hier nicht als korrekt. Es geht um eine als-Gruppe (als-Apposition), die im Prinzip im gleichen Kasus steht, wie das Bezugswort:

Nom.: das berechtigte Wohnungseigentum als herrschender Grundbesitz

Akk.: (für) das berechtigte Wohnungseigentum als herrschenden Grundbesitz

Dat.: (mit) dem berechtigten Wohnungseigentum als herrschendem Grundbesitz

Im Genitiv wird aber häufig von dieser Grundregel abgewichen. Wenn die als-Gruppe wie in Ihrem Beispiel ohne Artikel(wort) steht, ist der Nominativ üblicher als der Genitiv:

Gen.: (zugunsten) des berechtigten Wohnungseigentums als herrschender Grundbesitz

Gen.: (zugunsten) des berechtigte Wohnungseigentums als herrschenden Grundbesitzes (selten)

Für Ihren Satz bedeutet dies, dass Sie wie folgt formulieren können:

Das XX gehörende Grundstück wird als dienendes Grundstück zugunsten des berechtigten Wohnungseigentums als herrschender Grundbesitz belastet.

Das XX gehörende Grundstück wird als dienendes Grundstück zugunsten des berechtigten Wohnungseigentums als herrschenden Grundbesitzes belastet.

In beiden Fällen ist der Inhalt zum Teil nicht eindeutig und außer vielleicht für absolute Fachpersonen kaum verständlich. Ich verstehe den Satz jedenfalls auch nach mehrmaligem Lesen nicht wirklich. Ich würde versuchen, anders zu formulieren. Für mich wäre diese Formulierung ein bisschen leichter verständlich:

Das XX gehörende Grundstück wird als dienendes Grundstück zugunsten des als herrschender Grundbesitz berechtigten Wohnungseigentums belastet.

Ob dies allerdings wirklich besser verständlich ist und ob es genau das beschreibt, was gemeint ist, kann ich ohne Kontext (und ohne juristischen Beistand) leider nicht beurteilen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Welche Wortstellung nach „Sosehr er sich auch bemühte, …“?

Frage

Ich habe in einem Text öfter Sätze gelesen wie: „Sosehr er sich auch bemühte, fand er keine Arbeit.“ Für mich klingt das leicht schräg, ich würde spontan formulieren: „Sosehr er sich auch bemühte, er fand keine Arbeit.“ Welche Version ist korrekt, sind eventuell beide möglich?

Während mir bei manchen Sätzen beide nicht falsch vorkommen, gibt es doch Sätze, wo für mich nur die Stellung mit dem Subjekt vor dem Verb richtig erscheint: „Sosehr ich dieses Land auch Liebe, das Wetter ist schlecht.“

Mich würde interessieren, welche Regeln sich hinter diesen Sätzen verbergen.

Antwort

Guten Tag C.,

ein Nebensatz mit sosehr kann in den Gesamtsatz integriert sein und als Adverbialbestimmung an erster Stelle stehen:

Sosehr er sich auch bemühte, fand er keine Argumente.
Sosehr sie einander auch widersprechen, sind sie sich doch in einem Punkt einig. [Grammis]

Vgl. ähnliche Konnektoren:

Obwohl er sich sehr bemühte, fand er keine Argumente.
Auch wenn er sich sehr bemühte, fand er keine Argumente.

Nebensätze mit sosehr können aber auch sogenannt desintegriert sein. Sie sind dann insofern nicht in den übergeordneten Satz eingebunden, als sie keinen Einfluss auf dessen Wortstellung haben:

Sosehr er sich auch bemühte, er fand keine Argumente.
Sosehr sie einander auch widersprechen, sie sind sich doch in einem Punkt einig. [Grammis]

Das kommt seltener auch bei anderen Konnektoren vor:

Obwohl er sich sehr bemühte – er fand keine Argumente.
Auch wenn er sich sehr bemühte, er fand keine Argumente.

Zumindest theoretisch sind jeweils beide Wortstellungen möglich.

Nun zu Ihrem zweiten Beispielsatz. Hier ist der Nebensatz gewissermaßen auch bedeutungsmäßig nicht integriert:

Sosehr ich das Land auch liebe, das Wetter ist schlecht.

Meine Liebe zum Land hat keinen Einfluss auf das Wetter. Gemeint ist nicht: „Obwohl ich das Land sehr liebe, ist das Wetter schlecht.“ Gemeint ist etwas wie: „Ich liebe das Land zwar sehr, aber das Wetter ist schlecht.“ Deshalb klingt es seltsam, den Nebensatz zu integrieren:

nicht: Sosehr ich das Land auch liebe, ist das Wetter schlecht.
nicht: Obwohl ich das Land sehr liebe, ist das Wetter schlecht.
nicht: Auch wenn ich das Land sehr liebe, ist das Wetter schlecht.

Hier eine klare Regel zu formulieren, wäre allerdings schwierig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

LEOs Sprachblog zeigt es:
Vorangestellte Firmen- und Markennamen im Genitiv

Frage

Könnten Sie mir bitte sagen, ob es korrekt ist, Firmennamen als vorangestellte Genitivattribute zu verwenden und z.B. zu sagen: Googles KI-Suchmaschine (statt die KI-Suchmaschine von Google)? Mir widerstrebt das irgendwie …

Antwort

Guten Tag Frau F.,

manche Marketingbüros und Werbeabteilungen sind vielleicht nicht damit einverstanden, aber man kann Firmen-, Marken- und Produktnamen problemlos mit einer Genitivendung verwenden. Das ist korrekt und kommt auch recht häufig vor. Zum Beispiel:

Audis neustes Modell
BMWs Aufsichtsrat
Lidl ist Aldis größter Konkurrent
Coca-Colas Werbebudget
Apples Jahresgewinn
Googles KI-Suchmaschine

Siehe auch diesen schon etwas älteren Blogartikel. Er zeigt, dass diese Frage immer wieder auftaucht.

Wenn Ihnen der Genitiv dennoch nicht so richtig gefallen will, können Sie auch auf andere Formulierungen ausweichen. Zum Beispiel:

der Jahresgewinn von Apple / des Apple-Konzerns
das neueste Audi-Modell
das Werbebudget der Coca-Cola Company
die KI-Suchmaschine von Google

Bei Formulierungen mit von rümpfen echte Genitivfans vielleicht die Nase, aber sie sind gerade bei Namen auch standardsprachlich nicht unüblich.

Nicht in Frage kommt hier übrigens der Apostroph:

nicht: Audi’s neuestes Modell
nicht: BMW’s Aufsichtsrat
nicht: Google’s KI-Suchmaschine
nicht: LEO’s Sprachblog

Die Verwendung des Apostrophs ist in diesen Fällen nach der Rechtschreibregelung nicht richtig und führt auch bei Dr. Bopp von LEOs Fragendienst zu Nasenrümpfen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis/wann/dass/ob …

Frage

Ich bin gerade über die Frage gestolpert, wie es nach der Formulierung „Es ist nur eine Frage der Zeit, …“ sprachlich eigentlich weitergeht: mit „ob“, „dass“, „bis“ – oder ganz anders. Zum Beispiel: „Es ist nur eine Frage der Zeit, xxx es an dieser Stelle zu einem Unfall kommt.“

Das „ob“ kommt mir unplausibel vor, da die Formulierung „nur eine Frage der Zeit“ ja gerade zum Ausdruck bringt, dass es nicht darum geht, ob ein Unfall passiert oder nicht, sondern nur darum, wann er passiert. […]

Ich wäre sehr dankbar, Ihre Meinung zu dieser Frage kennen zu lernen.

Antwort

Guten Tag Herr Z.,

der üblichste, das heißt am häufigsten vorkommende Anschluss ist bis. Weniger häufig ist wann, noch weniger häufig ist dass. Für alle drei Varianten gibt es eine plausible Erklärung.

Mit es ist nur eine Frage der Zeit wird gesagt, dass etwas sicher eintreffen wird, dass nur noch nicht klar ist, zu welchem Zeitpunkt dies geschehen wird. Deshalb ist ob hier tatsächlich keine gute Wahl, denn ob leitet einen indirekten Fragesatz ein, der Ungewissheit oder Zweifel ausdrückt. Mit nur eine Frage der Zeit wird aber Gewissheit ausgedrückt.

Für die anderen drei Varianten könnte man wie folgt „argumentieren“:

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis/wann/dass es dort zu einem Unfall kommt

Es ist nur die Frage, wie viel Zeit vergeht, BIS es dort zu einem Unfall kommt.
Es ist nur die Frage, WANN es dort zu einem Unfall kommt.
Es ist nur die Frage, wann die Zeit da ist, DASS es dort zu einem Unfall kommt.

Am besten wählen Sie hier das allgemein übliche bis:

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es dort zu einem Unfall kommt

Aber auch das weniger häufige wann und das noch seltener vorkommende dass sind vertretbar.

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann es dort zu einem Unfall kommt.
Es ist nur eine Frage der Zeit, dass es dort zu einem Unfall kommt

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp