Archiv für Grammatik

Neben Nebelfeldern scheint die Sonne

Frage

Neulich in der Wettervorhersage der Tagesschau hörte ich eine Formulierung, die tatsächlich sehr verbreitet ist. So verbreitet, dass ich mich frage, ob sie tatsächlich so falsch ist, wie sie mir immer vorkommt:

Sonst scheint neben einigen Nebelfeldern die Sonne

Dabei ist das „neben“ selbstverständlich nicht im lokalen Sinn zu verstehen, sondern das „neben“ dient eher als Aufzählungswort. […] Ist so eine Konstruktion korrekt?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

diese Ihrer Meinung nach falsche Verwendung von „neben“ im Sinne von „zugleich mit“, „außer“ kommt tatsächlich häufiger vor:

Die Sonne lacht neben einigen Nebelfeldern
Die Sonne scheint neben einigen Wolken bis zu 5 Stunden

Vielleicht ist sie in Wettervorhersagen besonders beliebt, aber sie ist auch anderswo zu finden. Leider gerade aktuell ist:

Neben der Coronakrise werden auch die Zinsen weiter im Keller bleiben
Neben der Coronakrise sprachen sie über den EU-Wiederaufbau und die Klimapolitik

Ob solche Formulierungen bei der Häufigkeit, mit der sie auftreten, wirklich als falsch bezeichnet werden können, bezweifle ich. Sie sind jedenfalls stilistisch nicht sehr bis alles andere als gelungen. Was ist das Problem?

Mit „neben“ im Sinne von „zugleich mit“, „außer“ wird ein Wort oder eine Wortgruppe eingeleitet und mit einem Satzteil im Rest des Satzes verbunden. Dabei sollte die neben-Gruppe die gleiche Rolle spielen wie die Bezugsgruppe. Wenn die neben-Gruppe sich zum Beispiel auf das Subjekt des Satzes bezieht, sollte sie in diesem Satz auch als Subjekt eingesetzt werden können:

Neben Sandra waren auch Hans und Franz zu Besuch
Hans und Franz waren auch zu Besuch
Sandra war zu Besuch

In den folgenden Beispielen bezieht die neben-Gruppe sich auf das Akkusativobjekt resp. das Dativobjekt und kann jeweils auch als solches eingesetzt werden:

Neben Schokolade haben wir auch Marzipan gekauft
Wir haben auch Marzipan gekauft
Wir haben Schokolade gekauft

Neben meiner Familie vertraue ich dir am meisten
Ich vertraue dir [daneben] am meisten
Ich vertraue meiner Familie

Diese „Rollenkongruenz“ ist in den folgenden Fällen nicht gegeben:

Neben einigen Nebelfeldern scheint die Sonne**
Die Sonne scheint
nicht: Einige Nebelfelder scheinen

Neben der Coronakrise werden auch die Zinsen weiter im Keller bleiben.
Die Zinsen werden weiter im Keller bleiben
nicht: Die Coronakrise wird weiter im Keller bleiben

Sätze wie diese, in denen die neben-Gruppe nicht die gleiche Rolle haben kann wie das Bezugswort oder die Bezugsgruppe, sollten besser vermieden werden. Die Lösung ist dann eine andere Formulierung:

Neben einigen Nebelfeldern gibt es auch Sonnenschein
Die Coronakrise gibt zu schaffen, daneben werden die Zinsen weiter im Keller bleiben

Nicht immer ist die Lage so klar wie in den oben stehenden Beispielen. Als Faustregel finde ich diese „Rollenkongruenz“ aber hilfreich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** Richtig ist dieser Satz dann, wenn die Sonne rein räumlich neben einigen Nebenfeldern scheint. Es sind dann gleichzeitig Nebelfelder und Sonneschein zu sehen.

Kommentare

Bei »würde werden« steht oft ein »werden« zu viel

Frage

Kürzlich habe ich auf einem Portal eine Wortform gesehen, die ich vorher nie gehört hatte. Es ging um einen Beispielsatz wie:

Wenn er schnell schriebe, würde er das Buch bis morgen fertig geschrieben haben werden.

Es muss sich um eine seltene Form handeln. Könnten Sie mir bitte sagen, wann man diesen Konjunktiv II Futur II verwendet und woher das zusätzliche „werden“ am Schluss kommt?

Antwort

Guten Tag Frau K.,

man kann eine Form wie „würde geschrieben haben werden“ zwar bilden, sie gilt aber nicht als korrekt. Die korrekte Form kommt ohne das letzte „werden“ aus. Vergleichen Sie die folgenden Formen:

Indikativ Futur II
Wenn er schnell schreibt, wird er das Buch bis morgen fertig geschrieben haben.

Konjunktiv I Futur II
Wenn er schnell schreibe, werde er das Buch bis morgen fertig geschrieben haben.

Konjunktiv II Futur II
Wenn er schnell schriebe, würde er das Buch bis morgen fertig geschrieben haben.**

Das letzte „werden“ im Beispielsatz, den Sie zitieren, kann man dadurch erklären, dass anstelle des Konjunktivs II „würde“, die würde-Form „würde werden“ verwendet wird.

Beispiele von würde-Formen als Ersatz für den Konjunktiv II:

fände = würde finden
schlösse = würde schließen
schriebe = würde schreiben
würde = würde werden

Es ist jedoch nicht sinnvoll und nicht üblich, den Konjunktiv II „würde“ des Hilfsverbs „werden“ durch die würde-Form „würde werden“ zu ersetzen. Es gilt auch nicht als korrekt. Deshalb ist eine Form wie „würde geschrieben haben werden“ nicht als richtig anzusehen.

In der folgenden Liste stehen jeweils 1. der Indikativ, 2. der Konjunktiv II und 3. die nicht korrekte würde-Form des Hilfsverbs „werden“ im Futur und im Passiv:

a.1 Sie wird es schreiben.
a.2 Sie würde es schreiben.
a.3 nicht: *Sie würde es schreiben werden.

b.1 Sie wird es geschrieben haben.
b.2 Sie würde es geschrieben haben.
b.3 nicht: *Sie würde es geschrieben haben werden.

c.1 Das Buch wird geschrieben.
c.2 Das Buch würde geschrieben.
c.3 Das Buch würde geschrieben werden = d.2

d.1 Das Buch wird geschrieben werden.
d.2 Das Buch würde geschrieben werden.
d.3 nicht: *Das Buch würde geschrieben werden werden.

e.1 Das Buch wird bald fertig geschrieben worden sein.
e.2 Das Buch würde bald fertig geschrieben worden sein.
e.3 nicht: *Das Buch würde bald fertig geschrieben worden sein werden.

Die mehrteiligen Verbformen können im Deutschen zwar ziemlich komplex sein, aber ganz so schlimm wie „würde geschrieben haben werden“ und „würde geschrieben worden sein werden“ wird es zum Glück doch nicht!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** Häufig wird bei so komplexen Futur-II-Formen auf das „Perfekt des Zukünftigen“ ausgewichen, das dann dieselbe Bedeutung hat wie das Futur II:

Wenn er schnell schriebe, würde er das Buch bis morgen fertig geschrieben haben.
Wenn er schnell schriebe, hätte er das Buch bis morgen fertig geschrieben.

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Den Onkel am/im Nachmittag besuchen

Frage

Letztens sprach ich mit meinem Onkel, der mir anbot am späten Nachmittag bei ihm vorbeizukommen. Ich wollte aber lieber im späten Nachmittag bei ihm reinschauen. Können Sie mir sagen, wann ich bei ihm reinschauen soll?

Antwort

Guten Tag Frau H.,

im Standarddeutschen (und soweit die Coronaregeln es zurzeit zulassen) besucht man den Onkel am späten Nachmittag. Ich kenne die Wendung „im Nachmittag“ oder „im späten Nachmittag“ nicht. Es könnte sein, dass es sich hier um eine regionale oder mundartliche Wendung handelt. Ebenfalls möglich sind Einflüsse aus einer anderen Sprache, die Sie kennen (zum Beispiel engl. in the afternoon, nld. in de (na)middag, frz. dans l’après-midi, sp. en la tarde, ital. nel pomeriggio). Im Deutschen werden solche Tageszeitangaben, nach denen mit „wann“ gefragt werden kann, mit „am“ gebildet:

Es geschah am frühen Morgen.
Sie werden am Vormittag in Frankfurt landen.
Ich besuche meinen Onkel am späten Nachmittag.
Du kannst auch noch am Abend anrufen.

Natürlich geht es nicht ohne Ausnahme. Wenn die Tageszeitangabe weiblich ist, verwendet man doch „in“:

in der Frühe
in der Nacht

Anders sieht es aus, wenn die Tageszeitangabe im Akkusativ steht, weil sie im weitesten Sinne das „Ziel“ ist. Dann kommt auch bei männlichen Tageszeitangaben „in“ zum Zuge:

Sie haben weit in den Morgen hinein geschlafen.
Die Sitzung dauerte bis in den späten Nachmittag (hinein).
Er schwang sich auf sein Ross und ritt in den Abend hinaus.

So viel zu dem, was üblich ist. Ob Sie nun standardsprachlich „am Nachmittag“ oder unüblich „im Nachmittag“ bei Ihrem Onkel vorbeischauen, ist für einen angenehmen Besuch nicht so wichtig (vorausgesetzt, dass Sie sich nicht darüber streiten, ob es „am“ oder „im“ heißen muss …).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Variantenvielfalt: Hat er aufgehört sich zu drehen, sich zu drehen aufgehört oder sich aufgehört zu drehen?

Frage

Ich hätte eine Frage bzgl. Infinitivsätze mit Reflexivpronomen. Ich glaube, ein Satz wie

(1) „Er hat aufgehört, sich zu drehen.“

wird auch oft als

(2) „Er hat sich aufgehört zu drehen.“

gesprochen. Ist der Satz (2) grammatikalisch korrekt?

Ich habe einen Satz gesehen wie:

(3) „Der Hase hat sich versucht zu verstecken.“

und es hieß, korrekter wäre

(4) „Der Hase hat versucht, sich zu verstecken.“

Ist der Satz (3) nur falsch, weil es fehlgedeutet werden kann (als „sich versuchen“ = erfolglos suchen), oder ist er grammatikalisch falsch?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

wieder einmal gibt es nicht nur „richtig“ und „falsch“. Es geht um die Stellung der Infinitivgruppe und des ihr übergeordneten Verbs. Wir leisten uns dabei eine recht große Formulierungsfreiheit, die zu ziemlich verschlungenen Resultaten führen kann. Dies übrigens nicht nur, wenn ein Reflexivpronomen beteiligt ist.

Als standardsprachlich korrekt gelten Formulierungen, in denen die Infinitivgruppe außerhalb der Satzklammer hinter dem übergeordneten Verb (= im Nachfeld) steht. Die Infinitivgruppe und der übergeordnete Satz sind dann schön sauber voneinander getrennt – sogar durch ein Komma, wenn man möchte:

a) Er hat aufgehört[,] sich zu drehen.
b) Der Hase hat versucht[,] sich im Kohlfeld zu verstecken.
c) Sie hatte mir versprochen[,] das Fahrrad zu reparieren.

Standardsprachlich ebenfalls akzeptiert sind Formulierungen, bei denen die ganze Infinitivgruppe innerhalb der Satzklammer (= im Mittelfeld) steht, die durch das übergeordnete Verb gebildet wird:

d) Er hat sich zu drehen aufgehört.
e) Der Hase hat sich im Kohlfeld zu verstecken versucht.
f) Sie hatte mir das Fahrrad zu reparieren versprochen.

Nicht von allen als korrekt akzeptiert werden Formulierungen, in denen ein Teil der Infinitivgruppe innerhalb der Satzklammer steht, der Infinitiv selbst aber am Schluss:

g) Er hat sich aufgehört zu drehen.
h) Der Hase hat sich im Kohlfeld versucht zu verstecken.
i) Sie hatte mir das Fahrrad versprochen zu reparieren.

Auch ich halte die verschränkten Formulierungen g), h) und i) für zweifelhaft, zumindest umgangssprachlich kommen sie aber vor.

Es sage noch jemand, die Umgangssprache sei nur eine vereinfachte Version der Standardsprache. Bei derart verschlungenen Formulierungen ist es eigentlich erstaunlich, dass wir nicht „unterwegs“ den Faden verlieren. In den Beispielen oben stehen übrigens nicht alle mehr oder weniger akzeptierten Formulierungsarten, die vorkommen können!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Eine Art großes Fragezeichen, eine Art von großem Fragezeichen oder eine Art großen Fragezeichens?

Frage

Was ist korrekt, bitte?

Wird hier Isaak zu einer Art jüdischem Erlöser?
Wird hier Isaak zu einer Art jüdischer Erlöser?
Wird hier Isaak zu einer Art jüdischen Erlösers?

Ihre Auskunft wäre sehr hilfreich für mich.

Antwort

Die Frage kann tatsächlich zu Zweifeln führen. Es gibt nach „eine Art“ nämlich nicht nur eine, sondern bis zu drei Möglichkeiten, eine Substantivgruppe anzuschließen:

a) eine Art + Apposition mit Kasusangleichung

Das Substantiv steht im gleichen Fall wie „Art“:

Nominativ und Akkusativ
eine Art Kuchen
eine Art Verwicklungen
eine Art süßer Kuchen
eine Art politische Verwicklungen
Dativ
mit einer Art Kuchen
mit einer Art Verwicklungen
mit einer Art süßem Kuchen
mit einer Art politischen Verwicklungen
Genitiv
das Rezept einer Art süßen Kuchens
das Opfer einer Art politischer Verwicklungen

b) eine Art + von …

Auch standardsprachlich immer möglich:

Nominativ und Akkusativ
eine Art von (süßem) Kuchen
eine Art von (politischen) Verwicklungen
Dativ
mit einer Art von (süßem) Kuchen
mit einer Art von (politischen) Verwicklungen
Genitiv
das Rezept einer Art von (süßem) Kuchen
das Opfer einer Art von (politischen) Verwicklungen

c) eine Art + Genitiv

Das Substantiv steht im Genitiv:

Nominativ und Akkusativ
eine Art süßen Kuchens (selten)
eine Art politischer Verwicklungen
Dativ
mit einer Art süßen Kuchens (selten)
mit einer Art politischer Verwicklungen
Genitiv
das Rezept einer Art süßen Kuchens
das Opfer einer Art politischer Verwicklungen

Diese Formulierung kommt nur selten vor und klingt gehoben, wenn eine Substantivgruppe im Singular steht. Sie kommt gar nicht vor, wenn das Substantiv allein steht. Man weicht dann in der Regel auf eine der beiden anderen Formulierungen aus:

nicht c)
*eine Art Kuchens
mit *einer Art Kuchens
das Rezept *einer Art Kuchens
sondern a) oder b)
eine Art Kuchen / eine Art von Kuchen
mit einer Art Kuchen / mit einer Art von Kuchen
– / das Rezept einer Art von Kuchen


So viel zu dem, was alles möglich ist. Was bedeutet dies für Ihr Beispiel? – Es gibt die oben genannten drei Möglichkeiten:

a) Wird hier Isaak zu einer Art jüdischem Erlöser?
b) Wird hier Isaak zu einer Art von jüdischem Erlöser?
c) Wird hier Isaak zu einer Art jüdischen Erlösers? (selten, gehoben)

Die Präposition „zu“ verlangt oben den Dativ „einer Art“. Ohne „zu“ steht „eine Art“ im Nominativ:

a) Wird hier Isaak eine Art jüdischer Erlöser?
b) Wird hier Isaak eine Art von jüdischem Erlöser?
c) Wird hier Isaak eine Art jüdischen Erlösers? (selten, gehoben)

Bei so vielen Möglichkeiten können die Formen schon einmal durcheinandergeraten, so dass man gar nicht mehr weiß, was eigentlich richtig ist. Dann hilft nur: sich zurücklehnen, dreimal tief durchatmen, die Textstelle überspringen und es später noch einmal versuchen – und wenn Sie dann immer noch eine Art großes Fragezeichen oder eine Art von großem Fragezeichen vor sich haben, einfach „Fragen Sie Dr. Bopp!“ konsultieren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Welcher Fall steht nach „darunter“?

Frage

Verwendet man in diesem Satz nach „darunter“ den Nominativ oder den Dativ?

Das Land hat bisher die Mitgliedschaft an verschiedenen Organisationen, darunter die/der Asian Development Bank und die/der Welthandelsorganisation, erreichen können.

Antwort

Guten Tag Herr J.,

das Wort „darunter“ hat keinen Einfluss auf den Fall des folgenden Wortes oder der folgenden Wortgruppe. Der Fall wird also anders bestimmt. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten, die beide als korrekt gelten.

  1. Nominativ:

    Das Land hat bisher die Mitgliedschaft an verschiedenen internationalen Organisationen, darunter die Asian Development Bank und die Welthandelsorganisation, erreichen können.

    Hier steht „darunter“ am Anfang eines Auslassungssatzes, das heißt, es leitet einen unvollständigen Satz ein, der so lauten könnte:

    Das Land hat bisher die Mitgliedschaft an verschiedenen internationalen Organisationen, darunter [sind] die Asian Development Bank und die Welthandelsorganisation, erreichen können.

  2. Dativ:

    Das Land hat bisher die Mitgliedschaft an verschiedenen internationalen Organisationen, darunter der Asian Development Bank und der Welthandelsorganisation, erreichen können.

    Hier steht „darunter“ am Anfang einer Erläuterung oder Ergänzung, die die Satzkonstruktion weiterführt. Dabei wird die Präposition „an“ weggelassen:

    Das Land hat bisher die Mitgliedschaft an verschiedenen internationalen Organisationen, darunter [an] der Asian Development Bank und [an] der Welthandelsorganisation, erreichen können.

Und hier zur Verdeutlichung noch drei weitere Beispiele, bei denen nach „darunter“ jeweils a) ein Auslassungssatz und b) eine Weiterführung der Satzkonstruktion folgt:

  1. Wir haben auch viele Nachbarn, darunter Herr Mahler und sein Sohn, zu unserem Fest eingeladen.
    (darunter sind …)
  2. Wir haben auch viele Nachbarn, darunter Herrn Mahler und seinen Sohn, zu unserem Fest eingeladen.
    (darunter … eingeladen)
  1. Die Fahndung mit Streifenwagen, darunter auch mehrere Fahrzeuge aus benachbarten Bezirken, brachte keinen Erfolg.
    (darunter waren auch …)
  2. Die Fahndung mit Streifenwagen, darunter auch mehreren Fahrzeugen aus benachbarten Bezirken, brachte keinen Erfolg.
    (darunter auch mit …)
  1. Die Maßnahme soll dem Bedarf verschiedener Bereiche, darunter der öffentliche Dienst, ausgewogen gerecht werden.
    (darunter ist der …)
  2. Die Maßnahme soll dem Bedarf verschiedener Bereiche, darunter des öffentlichen Dienstes, ausgewogen gerecht werden.
    (darunter dem Bedarf des …)

Die Wahl zwischen a) und b) liegt jeweils bei Ihnen. Was Ihnen mehr zusagt oder als Erstes aus der Tastatur fließt, ist hier richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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„Ich denke nicht, dass“ und „Ich denke, dass nicht“

Frage

Heute geht es um eine Frage, die mir in meinem direkten Umfeld gestellt wurde: Ob es richtig sei, „Ich denke nicht, dass …“ zu sagen. Logisch gesehen sei es doch eigentlich falsch und es müsse besser „Ich denken, dass … nicht …“ heißen.

Antwort

Egal ob es vielleicht an der einen oder anderen Logikecke hapert oder nicht, im Deutschen (und in anderen Sprachen) sind beide Formulierungen üblich und richtig:

Ich denke, dass es nicht falsch ist.
Ich denke nicht, dass es falsch ist.

Beide Sätze bedeuten ungefähr dasselbe. Sie sind beide eine Verneinung von „Ich denke, dass es falsch ist“.

Bei gewissen Verben wie denken, erwarten, finden, glauben, hoffen und möchten (eigentl. Konj. II von mögen) kann sowohl a) der einleitende übergeordnete Satz als auch b) der Nebensatz verneint werden:

a) Ich denke nicht, dass es richtig ist.
b) Ich denke, dass es nicht richtig ist.

a) Wir erwarten nicht, dass es noch regnen wird.
b) Wir erwarten, dass es nicht mehr regnen wird.

a) Ich finde nicht, dass ihr mitkommen solltet.
b) Ich finde, dass ihr nicht mitkommen solltet.

a) Sie glaubt nicht, dass du ihr helfen wirst.
b) Sie glaubt, dass du ihr nicht helfen wirst.

a) Ich hoffe nicht, dass jemand etwas merkt.
b) Ich hoffe, dass niemand etwas merkt.

a) Seine Eltern möchten nicht, dass er sitzenbleibt.
b) Seine Eltern möchten, dass er nicht sitzenbleibt.

Die Sätze haben jeweils fast die gleiche Bedeutung. Die Sätze a) sind höchstens etwas subjektiver, das heißt, der Nachdruck liegt stärker auf dem Subjekt des Hauptsatzes und dessen Auffassung, dass etwas nicht geschieht, nicht so ist, nicht gelingt usw. Die Sätze b) wirken in dieser Hinsicht neutraler.

Ich denke nicht, dass eine der beiden Formulierungen falsch ist – oder etwas „neutraler“: Ich denke, dass keine der beiden Formulierung falsch ist.

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Der Sinn jedes oder jeden Fragens?

Über den Sinn aller Fragen möchte ich mich hier natürlich nicht äußern. Das Thema wäre mir ein paar Größen zu groß. Es geht nur um das Pronomen „jeder/jede/jedes“. Immer wieder gibt es Fragen zu diesem Wort, vor allem wenn es im Genitiv stehen soll.

Frage

Heißt es „der Sinn jedes Fragens“ oder „der Sinn jeden Fragens“ ?

Antwort

Guten Tag Frau B.,

Ihre Frage ist verständlich, denn dieses Wort hat im männlichen und sächlichen Genitiv Singular zwei Formen: „jedes“ mit der Endung –es, wie es sich für ein Pronomen gehört, und in gewissen Fällen auch „jeden“ mit der Endung –en wie ein Adjektiv.

Im Genitiv steht vor einem männlichen oder sächlichen Nomen, das die Genitivendung –s oder –es hat, häufig „jeden“ statt „jedes“. Beide Formen kommen vor und beide gelten als korrekt:

im Leben jedes Mannes / jeden Mannes
die Unterdrückung jedes Widerspruchs / jeden Widerspruchs
der Sinn jedes Fragens / jeden Fragens

Vor einem Nomen, das nicht die Genitivendung –s oder –es hat, steht immer nur „jedes“:

im Leben jedes Menschen
im Interesse jedes Einzelnen
die Unterdrückung jedes Individualismus

Vor einem Adjektiv steht in der Regel ebenfalls „jedes“:

im Leben jedes jungen Mannes
die Unterdrückung jedes noch so kleinen Widerstands
im Interesse jedes einzelnen Menschen

Umgekehrt steht in Verbindung mit „eines“ immer nur „jeden“:

am Ende eines jeden Monats
im Interesse eines jeden Menschen

Eine allumfassende goldene Regel kann ich Ihnen hier leider nicht angeben. Zusammengefasst lässt sich nur sagen,

  • dass immer mindesten ein Element einer solchen Wortgruppe die Genitivendung –s oder –es aufweisen muss und
  • dass in Verbindung mit „eines“ immer nur „jeden“ stehen darf.

Siehe auch die entsprechenden Angaben auf dieser Grammatikseite (dort sehen Sie weiter, dass für die folgenden Genitivformen Ähnliches gilt: alles/allen, irgendwelches/irgendwelchen, jedwedes/jedweden, jegliches/jeglichen, manches/manchen und welches/welchen).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Sei es ein(en) oder ein(en) …?

Frage

Eine Frage zur Kongruenz: „Einen Fachmann sollten Sie aber in jedem Fall zu Rate ziehen, sei es ein Architekt oder ein Bauingenieur“. Oder muss es ebenfalls im Akkusativ heißen: „… sei es einen Architekten oder einen Bauingenieur“?

Antwort

Guten Tag Frau V.,

den Nominativ halte ich hier für die bessere Wahl:

Einen Fachmann sollten Sie aber in jedem Fall zu Rate ziehen, sei es ein Architekt oder ein Bauingenieur.

Der zweite Teilsatz kann so analysiert werden:

es = Subjekt
sei = Kopula (verbindendes Verb)
ein Architekt = Prädikativ zum Subjekt

Es [= was Sie suchen sollten] ist ein Architekt oder ein Bauingenieur.
Es sei ein Architekt oder Bauingenieur.
Sei es ein Architekt oder Bauingenieur.

Die Wortgruppe „ein Architekt oder Bauingenieur“ ist so gesehen nicht von „suchen“, sondern von „sein“ abhängig und steht deshalb im Nominativ.

Es gibt aber noch eine andere Interpretation: Man kann „sei es … oder …“ auch als eine Art Konjunktion wie „entweder … oder …“ verstehen. Dann wird die Konstruktion des ersten Satzes weitergeführt, das heißt, die Wortgruppe „einen Architekten oder einen Bauingenieur“ ist immer noch von „suchen“ abhängig und steht im Akkusativ:

Einen Fachmann sollten Sie aber in jedem Fall zu Rate ziehen, sei es einen Architekten oder einen Bauingenieur.

Einen Fachmann sollten Sie aber in jedem Fall zu Rate ziehen, entweder einen Architekten oder einen Bauingenieur.

Sie können hier m. M. n. also zwei verschiedene Fälle verwenden, sei es der/den Nominativ oder der/den Akkusativ.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Lisa, eine[r] unserer fähigsten Erkunder

Frage

Bei meiner Übersetzungstätigkeit bin ich jetzt an einen Fall geraten, von dem ich gerne wissen möchte, ob er grammatikalisch korrekt oder falsch ist.

Lisa, eine unserer fähigsten Erkunder, hat …

„Erkunder“ ist ja Plural und bezieht weiblich und männlich mit ein (generisches Maskulinum). Muss ich hier zwingend „einer“ schreiben, wenn ich bei „Erkunder“ im Plural bleiben möchte, oder kann hier sowohl „eine“ als auch „einer“ verwendet werden? Alternativ könnte ich natürlich „eine unserer fähigsten Erkunderinnen“ verwenden, doch das passt nicht zum Kontext, denn es gibt dort sowohl männliche als auch weibliche Erkunder.

Vom Gefühl her würde ich sagen, dass auch bei folgenden Tätigkeiten so verfahren würde: „eine unserer besten Polizisten/Soldaten/Professoren“.

Antwort

Guten Tag Herr W.,

das generische Maskulinum, das heißt, die Annahme, eine allgemein verwendete männliche Form beziehe sich auch auf weibliche Personen, ist umstritten. Wenn Sie geschlechtergerecht formulieren möchten, sollten Sie es vermeiden. Wenn Sie es verwenden, ist es ein Maskulinum, und dies auch bei der Übereinstimmung mit Verweiswörtern wie „einer/eine/eines“:

Lisa, einer unserer fähigsten Erkunder, hat …
Frau S. ist einer unser besten Kunden
Sie ist einer unserer beliebtesten Professoren

Die Übereinstimmung im Genus gilt umgekehrt auch beim Bezug auf weibliche Personenbezeichnungen:

Max, eine unserer besten Fachkräfte, hat …
Er ist eine der ersten Personen, die …

Vgl. auch die Formulierung bei sächlichen Personenbezeichnungen:

Sie war eines der größten Genies ihrer Zeit
Ludwig Schmidt., eines der ältesten Mitglieder unseres Vereins

Grammatisch korrekt heißt es also: „Anna, einer unserer fähigsten Erkunder“. Ich finde aber, dass das im heutigen Sprachgebrauch etwas zu maskulin klingt. Besser wäre es vielleicht, eine andere Formulierung zu wählen wie zum Beispiel:

Anna, eine unserer fähigsten Erkunderinnen und Erkunder
Anna, eine unserer fähigsten Erkunderinnen (= generisches Femininum)
Anna, eine der Fähigsten unseres Erkundungsteams

Frau S. ist eine unserer besten Kundinnen
Sie gehört zu den beliebtesten Professorinnen und Professoren unserer Fakultät

Formulierungen dieser Art erfordern etwas Flexibilität und Kreativität, wenn man allen gerecht werden möchte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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