Vieles Erfreuliche(s): Wie man ein (substantiviertes) Adjektiv nach viel… beugt

Frage

Im Duden Online-Wörterbuch las ich unter dem Artikel „viel“ einen Beispielsatz, der für mich grammatikalisch etwas verwirrend ist: „vieles Erfreuliche stand in dem Brief“.

Warum ist es nicht „vieles Erfreuliches“? Ein Adjektiv wird doch nach dem Wort „viel…“ in der Regel so dekliniert wie nach dem Nullartikel (z. B.: „Das hat er in vieler mühsamer Kleinarbeit gebastelt“).

Antwort

Guten Tag Frau H.,

ganz so einfach ist es leider nicht. Nach gebeugtem viel schwankt die Deklination des folgenden Adjektivs. Im Allgemeinen wird das Adjektiv gleich gebeugt wie viel:

viele schöne Kleider
die vielen schönen Kleider
viele Studierende
mit Hilfe vieler Freiwilliger
in vieler mühsamer Kleinarbeit

Ganz ohne Ausnahmen geht es „natürlich“ nicht. Nach den starken Formen vieles und vielem wird nämlich meistens schwach gebeugt:

vieles alte Wissen (selten: vieles altes Wissen)
mit vielem guten Willen (selten: mit vielem gutem Willen)
mit vielem Neuen (selten: mit vielem Neuem)
vieles Erfreuliche (selten: vieles Erfreuliches)

Sie können also vieles Erfreuliches verwenden, vieles Erfreuliche scheint aber üblicher zu sein.

Dass man hier ins Zweifeln geraten kann, hat vielleicht damit zu tun, dass bei einem Substantiv in der Einzahl häufiger das endungslose viel als gebeugtes viel- steht. Nach einfachem viel wird ein Adjektiv immer stark gebeugt:

in viel mühsamer Kleinarbeit
viel altes Wissen
mit viel gutem Willen
mit viel Neuem
viel Erfreuliches

Außer – schon wieder ist es doch nicht ganz so einfach – wenn vor viel ein Artikelwort steht. Dann wird immer alles schwach gebeugt:

die viele mühsame Kleinarbeit
dieses viele alte Wissen
trotz des vielen guten Willens
mit dem vielen Neuen
das viele Erfreuliche

Wenn man alles wie hier nacheinander auflistet, sieht es ziemlich kompliziert aus. In der Regel kommt es aber vor allem in zwei Fällen zu Zweifeln: bei Adjektiven nach den Formen vieles und vielem, weil dort häufig anders als sonst nach viel- nicht parallel gebeugt wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Siehe hierzu z. B. Duden, Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle, 9. Auflage, 2021, Stichwort viel, oder die Angaben in der LEO-Grammatik.

Zusammengesetzte Wortungetüme

Frage

Könnten Sie mir bitte schreiben, wovon es abhängt, dass ein Nomen als Kompositum funktioniert, zum Beispiel „das Studentenleben“, und ein anderes, zum Beispiel „der Lebensmittelgeschäftsbesitzer“, besser klingt, wenn man es teilt: „der Besitzer“ und „das Lebensmittelgeschäft“? Gibt es bestimmte Regeln dafür?

Antwort

Guten Tag M.,

es gibt keine verbindliche Regel, wie lange oder komplex eine Zusammensetzung sein darf. Im Prinzip können Substantivzusammensetzungen beliebig lang sein. Je länger sie sind, desto schwieriger verständlich bis unverständlich sie werden. Auch stilistisch ist davon abzuraten, sehr lange Zusammensetzungen zu bilden. Eine eindeutige Grenze – zum Beispiel eine maximale Anzahl Elemente oder Buchstaben – gibt es aber nicht. Wie lange eine Zusammensetzung sein kann, liegt im Ermessen der Schreibenden bzw. Sprechenden.

Manchmal werden längere Zusammensetzungen mit Bindestrich geschrieben, damit sie einfacher lesbar sind. Zum Beispiel:

Hochgeschwindigkeits-Internetzugang
(oder: Hochgeschwindigkeitsinternetzugang)
Arbeiter-Unfallversicherungsgesetz
(oder: Arbeiterunfallversicherungsgesetz)
Ultraschall-Durchflussmessgerät
(oder: Ultraschalldurchflussmessgerät)

Ein Wort wie „Lebensmittelgeschäftsbesitzer“ finde ich nicht zu lang. Ohne Kontext sieht es sehr lang aus, aber in einem geeigneten Zusammenhang sollte es gut verständlich sein. Ebenso gut ist aber je nach Kontext zum Beispiel „Besitzer von Lebensmittelgeschäften“ oder „der Besitzer des/eines Lebensmittelgeschäftes“. Nicht mehr zu empfehlen wären aber längere Verbindungen wie „Lebensmittelgeschäftsbesitzervereinigung“ oder „Lebensmittelgeschäftsbesitzerehepaar“.

Als sehr grobe Faustregel kann gelten, dass eine Zusammensetzung aus nicht mehr als drei bis vier Elementen bestehen sollte. Wichtig sind aber auch der Zusammenhang, die Länge der einzelnen Teilwörter, nicht zu vergessen das Sprachniveau der möglichen Leserinnen und Leser (Stichwort Leichte Sprache) u.a.m.

Eindeutig viel zu lange Wörter findet man in der bundesdeutschen Beamtensprache. Hier zwei Beispiele von Wörtern, die es offenbar tatsächlich gegeben hat:

Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeits-übertragungsverordnung
(Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen BADV [2003-2007])

Rinderkennzeichnungs- und Rindfleischetikettierungsüberwachungs­aufgabenübertragungsgesetz
(Landesgesetz Mecklenburg-Vorpommern [2000-2013])

Solche Wortungetüme sollte man unbedingt vermeiden!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Christian VII. von Dänemark, sein Leibarzt und der Genitiv

Frage

Ich würde mich gerne erkundigen, ob und (wenn ja) wie Titel nachgestellt werden können, wenn der Name, auf den sie sich beziehen, nachgestellt ist und im Genitiv steht […].

Verwenden wir Beispielsweise „Christian VII. (der Siebte), König von Dänemark“. Wäre es korrekt zu schreiben: „Der Leibarzt Christians, des Siebten, König von Dänemark, hieß Johann Friedrich Struensee.“, oder müsste man die Titel in seinem Namen anders deklinieren?

Antwort

Guten Tag Herr B.,

wenn ein Herrschertitel oder eine andere nähere Bezeichnung nachgestellt wird, handelt es sich um eine nachgestellte lockere Apposition. Die Apposition steht im Prinzip im gleichen Fall wie der Name, den sie näher bestimmt:

Herr Müller, der Direktor der Fabrik, sprach ein paar Worte.
Ich stelle dir Markus, meinen Physiotherapeuten, vor.
Wir reden mit Andrea Schmidt, der Leiterin des Instituts.
Die Worte Herrn Müllers, des Direktors der Fabrik, waren eindrücklich.

Das gilt aber nur, wenn die Apposition einen Artikel bzw. ein Artikelwort bei sich hat. Wenn sie kein Artikel(wort) bei sich hat, steht sie im Nominativ:

Herr Müller, Direktor der Fabrik, sprach ein paar Worte.
Ich stelle dir Markus, Physiotherapeut, vor.
Wir reden mit Andrea Schmidt, Leiterin des Instituts.
Die Worte Herrn Müllers, Direktor der Fabrik, waren eindrücklich.

Das gilt auch für nachgestellte Herrscherbezeichnungen mit Artikel:

Christian der Siebte, der König von Dänemark
für Christian den Siebten, den König von Dänemark
mit Christian dem Siebten, dem König von Dänemark
die Herrschaft Christians des Siebten, des Königs von Dänemark

Christian VII., der König von Dänemark
für Christian VII., den König von Dänemark
mit Christian VII., dem König von Dänemark
die Herrschaft Christians VII., des Königs von Dänemark

und ohne Artikel:

Christian der Siebte, König von Dänemark
für Christian den Siebten, König von Dänemark
mit Christian dem Siebten, König von Dänemark
die Herrschaft Christians des Siebten, König von Dänemark

Christian VII., König von Dänemark
für Christian VII., König von Dänemark
mit Christian VII., König von Dänemark
die Herrschaft Christians VII., König von Dänemark

Endlich sind wir bei Ihrer Frage. Für Ihren Satz bedeutet dies, dass tatsächlich so gebeugt werden sollte:

Der Leibarzt Christians des Siebten, König von Dänemark, hieß Johann Friedrich Struensee.

Der Leibarzt Christians VII., König von Dänemark, hieß Johann Friedrich Struensee.

Ich würde hier die Formulierung mit Artikel wählen (ich halte sie für etwas deutlicher), das ist aber keineswegs zwingend:

Der Leibarzt Christians des Siebten, des Königs von Dänemark, hieß Johann Friedrich Struensee.

Der Leibarzt Christians VII., des Königs von Dänemark, hieß Johann Friedrich Struensee.

Die Beugung von Herrschernamen mit Titeln u. Ä. ist im Deutschen alles andere als einfach. Siehe hierzu auch diese schon (viel) älteren Blogeinträge:
Wie man Herrscher beugt: Kaiser Karl im Genitiv
Zur Beugung heiliggesprochener Päpste
Wie Charles III. dekliniert wird

Ist „Lesen“ ein Verb oder ein Substantiv?

Frage

„Das Lesen gefällt mir.“ Für mich ist „Lesen“ ein substantivisch gebrauchtes Verb. Es wird wie ein Substantiv verwendet, es bleibt aber dennoch für mich ein Verb. […] Ich kann nicht nachvollziehen, dass man „Lesen“ hier ein Substantiv nennt! Es bleibt rein von der Wortart her ein Verb. Ich bitte hier um eine klare Definition der Wortart. Vielen Dank!

Antwort

Guten Tag Frau R.,

man muss hier, grob gesagt, zwischen der Bedeutung und der Funktion im Satz unterscheiden. Eine Wortart (Verb, Substantiv, Adjektiv usw.) kennzeichnet sich unter anderem dadurch aus, wie ein Wort gebeugt wird und welche Rolle/Stellung es im Satz haben kann.

Wenn das Verb „lesen“ zu „Lesen“ substantiviert wird, ändert sich die Bedeutung nicht wesentlich. Die Beugung und das Verhalten im Satz sind aber nicht mehr dieselben:

Verb:

a) ein Buch lesen
b) aufmerksam lesen
c) ich lese, du liest
d) statt zu lesen

Substantiv (substantivierter Infinitiv):

a) das Lesen eines Buches
b) aufmerksames Lesen
c) mein Lesen, dein Lesen
d) statt des Lesens

Von der Bedeutung her unterscheiden sich „lesen“ und „Lesen“ nicht stark voneinander. Sie haben aber ein ganz anderes syntaktisches Verhalten. Substantivierte Infinitive verhalten sich im Satz nicht wie Verben, sondern wie Substantive.

Hier zeigt sich ein Problem der Wortartenbestimmung: Zu einer bestimmten Wortart gehörende Wörter können zu einer anderen Wortart wechseln, ohne dass sich die Bedeutung wesentlich ändert. Substantivierte Verben werden häufig zu den Substantiven gerechnet, weil sie sich im Satz nicht wie Verben, sondern wie Substantive verhalten. Ein Wort, das Artikel, gebeugte Adjektive, Genitivattribute usw. bei sich haben kann und eine Genitivendung annehmen kann, ist ein Substantiv (Nomen). Deshalb kann man „das Lesen“ nicht einfach ein Verb nennen. Vergleichen Sie zum Beispiel „das Arbeiten“ mit „die Arbeit“, „das Betreuen“ mit „die Betreuung“ und „das Lesen“ mit „die Lektüre“.

Wenn es Ihnen zu weit geht, „das Lesen“ als Substantiv zu bezeichnen, nennen Sie es einfach einen substantivierten Infinitiv oder ein substantiviertes Verb. Mit diesen Bezeichnungen trifft man den die Stellung zwischen Verb und Substantiv vielleicht etwas besser.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der Fall nach „wie“: „der Einsatz eigener Ressourcen wie Räume[n]“

Frage

ich hätte eine Frage in Bezug auf die Kasuskongruenz nach „wie“, wenn Beispiele genannt werden. Der Satz lautet:

Diese Initiativen umfassen den Einsatz eigener Ressourcen wie Räume, finanzielle Mittel und Know-how.

Wird hier der Nominativ verwendet oder muss es ggf. wie folgt lauten:

Diese Initiativen umfassen den Einsatz eigener Ressourcen wie Räumen, finanzieller Mittel und Know-how.

Wobei bei „Räumen“ der Dativ verwendet wird, da der Genitiv nicht erkennbar wäre.

Antwort

Guten Tag Herr B.,

nach vergleichendem wie steht im Prinzip der Fall, in dem auch das Bezugswort steht (Kasuskongruenz):

die eigenen Mittel wie die Gebäude und der Grundbesitz
für die eigenen Mittel wie die Gebäude und den Grundbesitz
mit den eigenen Mitteln wie den Gebäuden und dem Grundbesitz

Ganz so einfach ist es aber nicht, denn ohne Ausnahmen geht es natürlich nicht. Das gilt zum Beispiel, wenn das Bezugswort wie in Ihrem Beispiel im Genitiv steht. Dann entsteht eine gewisse Unsicherheit, sodass man verschiedenen Lösungen begegnen kann (Grammatiken beschreiben diesen Fall nicht bzw. nicht umfassend). Grob gesagt gilt dann Folgendes:

a) Wenn die wie-Gruppe ein gebeugtes Artikelwort hat, steht sie am besten im Genitiv, aber der Nominativ ist auch möglich:

der Verkauf eigener Mittel wie der Gebäude und des Grundbesitzes
der Verkauf eigener Mittel wie die Gebäude und der Grundbesitz

der Einsatz eigener Ressourcen wie der Räume und des professionellen Know-hows
der Einsatz eigener Ressourcen wie die Räume und das professionelle Know-how

b) Wenn die wie-Gruppe kein gebeugtes Artikelwort, aber ein gebeugtes Adjektiv enthält, kann der Genitiv stehen. Häufig steht allerdings der Nominativ:

der Verkauf eigener Mittel wie privater Gebäude und anliegenden Grundbesitzes
der Verkauf eigener Mittel wie private Gebäude und anliegender Grundbesitz

der Einsatz eigener Ressourcen wie verfügbarer Räume und professionellen Know-hows
der Einsatz eigener Ressourcen wie verfügbare Räume und professionelles Know-how

Wenn die wie-Gruppe kein gebeugtes Artikelwort und kein gebeugtes Adjektiv enthält, steht sie in der Regel im Nominativ:

der Verkauf eigener Mittel wie Gebäude und Grundbesitz

der Einsatz eigener Ressourcen wie Räume und Know-how

In Ihrem Beispiel könnte nur finanzielle[r] Mittel im Genitiv stehen, weil es die einzige Nomengruppe mit einem gebeugten Adjektiv ist (siehe oben b). Da man innerhalb einer Aufzählung am besten parallel vorgeht, sollte man aber überall den Nominativ wählen:

Diese Initiativen umfassen den Einsatz eigener Ressourcen wie Räume, finanzielle Mittel und Know-how.

NB: In keinem der oben stehenden Formulierungen sollte standardsprachlich der Dativ gewählt werden. Eine Formulierung mit Räumen sollte deshalb vermieden werden.

Der Dativ kann stehen, wenn man eine Formulierung mit von wählt:

Diese Initiativen umfassen den Einsatz von eigenen Ressourcen wie Räumen, finanziellen Mitteln und Know-how.

Der Genitiv macht es uns wirklich nicht immer einfach.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Zweimal „werden“ geht, aber es muss nicht sein

Frage

Ich wende mich mit einer Frage an Sie, die eher stilistischer als rein grammatikalischer Natur ist. Ich wäre Ihnen dennoch dankbar für eine kurze Einschätzung.

Es geht um den letzten Satz. Meine Kollegin ist der Ansicht, dass dort ein zweites „werden“ ergänzt werden sollte, also:

In einem nächsten Schritt werden die Ergebnisse der Untersuchung vorgestellt werden.

Ich empfinde diesen Zusatz als unnötig schwerfällig und stilistisch wenig elegant. Aus meiner Sicht wird der Zukunftsbezug bereits durch „in einem nächsten Schritt“ ausreichend klar gemacht. […]

Antwort

Guten Tag A.,

es gibt hier kein „eindeutig besser“. In diesem Satz kann zweimal werden stehen:

In einem nächsten Schritt werden die Ergebnisse der Untersuchung vorgestellt werden.

Das ist aber nicht notwendig. Es geht auch ohne das werden des Futurs:

In einem nächsten Schritt werden die Ergebnisse der Untersuchung vorgestellt.

Im Deutschen haben die Namen der Verbzeiten häufig wenig mit der Bedeutung zu tun. So wird etwas Zukünftiges sehr häufig nicht mit dem Futur, sondern mit dem Präsens ausgedrückt. Wichtig ist nur, dass aus dem Zusammenhang hervorgeht, dass es sich um etwas Zukünftiges handelt:

Morgen fahren wir nach Pisa.
Es geht bald los.
Ich gehe im nächsten Kapitel weiter auf diese Frage ein.
Gemäß X.Y. werden die Preise erst nächstes Jahr erhöht.
Zieh dich wärmer an, sonst wirst du krank!

All diese Sätze können ohne Bedeutungsunterschied auch im Futur ausgedrückt werden:

Morgen werden wir nach Pisa fahren.
Es wird bald losgehen.
Ich werde im nächsten Kapitel weiter auf diese Frage eingehen.
Gemäß X.Y. werden die Preise erst nächstes Jahr erhöht werden.
Zieh dich wärmer an, sonst wirst du krank werden!

In Sätzen, die bereits werden enthalten (als Vollverb oder als Hilfsverb des Passivs), ist das Futur mit werden korrekt, aber es wird oft das Präsens verwendet. Zweimal werden wird häufig als schwerfälliger empfunden.**

In Ihrem Satz gibt der Zusammenhang bereits die „Zukünftigkeit“ an und steht bereits das Hilfsverb werden des Passivs. Es ist deshalb nicht notwendig, das werden des Futurs zu verwenden. Üblicher ist meiner Ansicht nach das Präsens, aber das Futur ist auch korrekt. Einen Bedeutungsunterschied gibt es, wie gesagt, nicht. Die Wahl liegt bei Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** Das gilt insbesondere dann, wenn zwei werden hintereinanderstehen:

X.Y. schreibt, dass die Preise erst nächstes Jahr erhöht werden werden.
besser: X.Y. schreibt, dass die Preise erst nächstes Jahr erhöht werden.

Dativ oder Akkusativ: zu einem Picknick in meinem/in meinen Garten einladen?

Frage

Ich hätte folgende Frage: „Ich wollte dich zu einem Picknick in meinem Garten einladen.“ Intuitiv würde ich sagen, dass hier „in“ und Dativ die beste Lösung ist. Wäre es aber auch denkbar „in“ und Akkusativ zu verwenden: „in meinen Garten“? Wenn ja, wie verschiebt sich die Bedeutung?

Antwort

Guten Tag Herr L.,

beides ist möglich. Der Satzbau ist unterschiedlich, aber die Bedeutung verschiebt sich nur geringfügig.

a) Mit dem Dativ ist in meinem Garten hier ein Attribut (nähere Bestimmung) zu Picknick:

wozu einladen? – zu einem Picknick in meinem Garten
was für ein Picknick? – ein Picknick in meinem Garten

b) Mit dem Akkusativ ist in meinen Garten in diesem Satz eine Adverbialbestimmung:

wohin zu einem Picknick einladen? – in meinen Garten

Es gibt also zwei korrekte Möglichkeiten:

a) Ich wollte dich zu einem Picknick in meinem Garten einladen.
b) Ich wollte dich zu einem Picknick in meinen Garten einladen.

Die beiden Sätze haben einen unterschiedlichen Satzbau. Auf der Bedeutungsebene hingegen macht es kaum einen Unterschied, ob man a) jemanden zu einem Picknick im Garten einlädt oder b) jemanden in den Garten zu einem Picknick einlädt. In beiden Fällen wird im Garten gepicknickt. Hauptsache, es schmeckt und ist gemütlich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Freiwillig Mitarbeitende oder freiwillige Mitarbeitende

Frage

In einem Protokoll lese ich häufig folgende Formulierungen:

freiwillige Mitarbeitende
ehrenamtliche Mitarbeitende

Mein Sprachgefühl sagt mir, dass es besser so heißen müsste:

freiwillig Mitarbeitende
ehrenamtlich Mitarbeitende

Hingegen scheint mir klar zu sein, dass es „freiwillige Mitarbeiter“ bzw. „ehrenamtliche Mitarbeiter“ heißen würde. Weshalb aber in meinen Ohren die „freiwilligen Mitarbeitenden“ falsch tönen, kann ich nicht wirklich begründen. Können Sie weiterhelfen?

Antwort

Guten Tag Herr A.,

beide Formulierungen sind möglich. Was ist der Unterschied?

Das Wort Mitarbeitende ist ein substantiviertes Partizip. Substantivierte Partizipien können mit den gleichen Erweiterungen stehen wie das Verb, zu dem sie gehören:

– freiwillig mitarbeiten
– freiwillig mitarbeitende Menschen
– die freiwillig Mitarbeitenden

Ebenso zum Beispiel:

ehrenamtlich mitarbeiten → die ehrenamtlich Mitarbeitenden
defensiv anlegen → die defensiv Anlegenden
geduldig warten → die geduldig Wartenden
auf den Bus warten → die auf den Bus Wartenden

Hier wird jeweils eine ganze Partizipialgruppe (Partizip zusammen mit seinen Erweiterungen) substantiviert.

Man kann aber auch nur das Partizip substantivieren und erst dann ein Adjektiv davorstellen. Das Adjektiv wird dann gebeugt:

mitarbeiten → die Mitarbeitenden → die freiwilligen Mitarbeitenden
mitarbeiten → die Mitarbeitenden → die ehrenamtlichen Mitarbeitenden
anlegen → die Anlegenden → die defensiven Anlegenden
warten → die Wartenden → die geduldigen Wartenden

Man geht hier gleich vor wie bei anderen von Verben abgeleiteten Substantiven:

mitarbeiten → die Mitarbeiter → die freiwilligen Mitarbeiter
mitarbeiten → die Mitarbeiterin → die freiwillige Mitarbeiterin
anlegen → die Anlegerin → die defensive Anlegerin
Bus benutzen → der Busbenutzer → der geduldige Busbenutzer

Gerade bei Mitarbeitende ist dies nicht unüblich, wahrscheinlich weil Mitarbeitende häufig statt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Mitarbeiter*innen steht. Stilistisch gefällt mir – wie offenbar Ihnen auch – die Variante mit dem ungebeugten Adjektiv häufig besser. Ich würde die freiwillig Mitarbeitenden wählen, aber die freiwilligen Mitarbeitenden ist wie die freiwilligen Mitarbeiter nicht falsch.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Bin ich kein Lehrer oder bin ich nicht Lehrer?

Frage

Welcher Satz ist richtig?

Ich bin nicht Lehrer.
Ich bin kein Lehrer.

Antwort

Guten Tag Frau J.,

beide Sätze sind richtig. Üblicherweise verneint man ein Substantiv mit kein (nicht ein):

ein Lehrer – kein Lehrer

In Sätzen, in denen ein Substantiv ohne Artikel mit sein, werden, bleiben u. a. steht (Gleichsetzungsnominativ), ist häufig auch die Verneinung mit nicht möglich. Man verneint dann Lehrer sein:

Lehrer sein – nicht Lehrer sein

Häufig sind beide Formulierungen möglich, ohne dass sich die Bedeutung wesentlich ändert:

Ich bin ein Bäcker – Ich bin kein Bäcker
Ich bin Bäcker – Ich bin nicht Bäcker

Ich bin eine Lehrerin – Ich bin keine Lehrerin.
Ich bin Lehrerin – Ich bin nicht Lehrerin.

In vielen Fällen kann man deshalb beides sagen:

– Sind Sie Lehrerin?
– Nein, ich bin keine Lehrerin.
– Nein, ich bin nicht Lehrerin.

– Bist du Italiener?
– Nein, ich bin kein Italiener.
– Nein, ich bin nicht Italiener.

Das gilt insbesondere bei Gegenüberstellungen dieser Art:

Ich bin kein Bäcker, sondern [ein] Konditor.
Ich bin nicht Bäcker, sondern Konditor.

Wir sind keine Freunde, sondern Familie
Wir sind nicht Freunde, sondern Familie.

Ich bin keine Deutsche, ich bin [eine] Schweizerin.
Ich bin nicht Deutsche, ich bin Schweizerin.

Man hört zwar manchmal, dass hier nur kein/keine richtig sei, aber wer keine Lehrerin ist, kann auch sagen, dass sie nicht Lehrerin ist, ohne dabei einen Grammatikfehler zu begehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Auflösung in Pixel oder Auflösung in Pixeln?

Frage

Seit einiger Zeit suche ich nach einer eindeutigen Antwort auf die Frage, wie man Folgendes richtig schreibt:

a) Auflösung in Pixel
b) Auflösung in Pixeln

Hierzu habe ich bereits Analogien gesucht und gefunden, z. B. „Auflösung in Bildpunkten“ scheint richtig zu sein, denn „Auflösung in Bildpunkte“ sagt man nicht. Es gibt jedoch weitere unklare Fälle wie z. B. „Länge in Metern“ bzw. „Länge in Meter“. Ich hoffe, dass Sie mir bei dieser Frage helfen können.

Antwort

Guten Tag A.,

eine eindeutige Antwort gibt es hier nur insofern, als Auflösung in Pixeln besser ist als Auflösung in Pixel. Dasselbe gilt für zum Beispiel Länge in Metern, Abstand in Kilometern, Gewicht in Zentnern. Am besten also:

Auflösung in Pixeln
Länge in Metern
Abstand in Kilometern
Gewicht in Zentnern

Nach diesem in folgt nämlich der Dativ. Siehe zum Beispiel:

Auflösung in Bildpunkten
Länge in laufenden Metern
Abstand in gerundeten Kilometern
Gewicht in halben Zentnern

Die endungslosen Formen (Auflösung in Pixel, Länge in Meter, Abstand in Kilometer, Gewicht in Zentner) kommen aber auch vor. Das hat sehr wahrscheinlich damit zu tun, dass männliche Maß- und Mengenangaben auf unbetontes -er und -el im Dativ Plural gebeugt und ungebeugt verwendet werden können, wenn sie mit einer Zahlenangabe stehen:

in zehn Meter/Metern Höhe
in 20 Kilometer/Kilometern Entfernung
die Verwendung von 10 Zentner/Zentnern Kupfer
bei zwei Drittel/Dritteln der Befragten
mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixel/Pixeln

Beides gilt in diesen Fällen auch standardsprachlich als korrekt (siehe auch hier).

Zusammenfassend: Ohne Zahlenangabe verwenden Sie am besten Auflösung in Pixeln (das ist sicher richtig), aber Auflösung in Pixel kommt auch vor.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp