Wenn ab morgen alle auf korrekte Adressangaben achten

Frau G. hat für ihre Frage das Kontaktformular verwendet. Dabei hat sie sich bei der Angabe ihrer E-Mail-Adresse wohl vertippt. Ich habe nämlich die Antwort postwendend zurückerhalten: user unknown, d.h. Empfänger(in) unbekannt.

Ich möchte alle Fragesteller und Kommentatorinnen wieder einmal bitten, auf die Angabe einer korrekten Antwortadresse zu achten, wenn sie das Kontaktformular verwenden. Wenn alle dies ab morgen tun, schicke ich nie mehr vergeblich Antworten ins Netz. Noch besser wäre natürlich ab heute.

Und hier dann die Antwort auf Frau G.s Frage:

Frage

Was bedeutet : „ab morgen“? Ist damit der morgige Tag gemeint oder erst der darauf folgende, also übermorgen?

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

ab morgen bedeutet von morgen an. Ein paar (hoffentlich) erläuternde Beispiele:

Wenn am 12. September gesagt wird, dass ein Pass ab morgen gültig ist, können Sie den Pass vom 13. September an benutzen. Der Pass ist am 13. bereits gültig.

Wenn der Zutritt ab nächstem Mittwoch nicht mehr möglich ist, bleiben die Türen bereits vom nächsten Mittwochmorgen an und nicht erst am nächsten Donnerstag verschlossen.

Wenn die Preise ab nächstem Monat erhöht werden, kann man nur noch bis zum Letzten des laufenden Monats günstiger „zuschlagen“. Am Ersten des folgenden Monats (und danach) ist es dann teurer.

Wenn ein Film für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben ist, dürfen Sechzehnjährige sich den Film anschauen, ohne sich älter machen zu müssen, als sie sind.

Etwas gar theoretisch ausgedrückt: Bei Zeitangaben mit ab ist die nach ab genannte Zeiteinheit inbegriffen. Bei ab morgen wird der morgige Tag also mitgezählt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Bei Zeitangaben ohne Artikelwort kann nach ab der Dativ oder der Akkusativ stehen (vgl. hier):

ab nächstem Mittwoch oder ab nächsten Mittwoch
ab nächstem Monat oder ab nächsten Monat
Jugendliche ab 16 Jahren oder Jugendliche ab 16 Jahre

PS: Eine ähnliche Frage wird hier behandelt: Bis oder bis einschließlich.

Wegen etwas anderen? – Manchmal passt der Genitiv einfach nicht

Frage

Ich bin gerade sehr verwirrt. Schreibe ich „wegen etwas anderem“ oder „wegen etwas anderen“?

Antwort

 

Guten Tag M.,

am besten schreiben Sie wegen einer anderen Sache oder aus einem anderen Grund.

Das Deutsche meidet nämlich Nomen- und Pronomengruppen im Genitiv, wenn sie

– nicht mindestens ein konjugiertes Artikelwort oder Adjektiv enthalten und
– nicht mindestens ein Element der Gruppe eine s- oder eine r-Endung hat.

Zum Beispiel:

nicht: der Konsum Alkohols
sondern: der Konsum von Alkohol
aber: der Konsum reinen Alkohols (vgl. hier)

nicht: wegen Regenfälle
sondern: wegen Regenfällen
aber: wegen heftiger Regenfälle (vgl. hier)

Zurück zu Ihrer Frage: Wenn nach wegen nur der Genitiv verwendet werden darf, muss es heißen: wegen etwas anderen. Diese Formulierung erfüllt aber die genannten Bedingungen nicht: etwas ist unveränderlich und die Genitivendung von ander- ist hier weder es noch er, sondern en. Deshalb hat diese Wendung Sie in Verwirrung gebracht und deshalb ist sie auch im Standarddeutschen unüblich. Man weicht hier oft auf den Dativ aus: wegen etwas anderem. Weil viele den Dativ nach wegen leider grundsätzlich für falsch halten, empfehle ich Ihnen, in der schriftlichen Standardsprache vorsichtshalber auf eine Formulierung wie wegen einer anderen Sache auszuweichen. Das Gleiche gilt für zum Beispiel *wegen nichts anderen, für das man üblicherweise wegen nichts anderem oder (vor allem wenn der Dativ nach wegen einem grundsätzlich ein Gräuel ist) aus keinem anderen Grund verwendet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kein und nicht bei dummen Fragen

Frage

„Dumme Fragen gibt es nicht!“ Warum steht hier „nicht“ statt „kein“? Ist „kein“ nicht die Verneinung bei Substantiven ohne Artikel (hier Plural)? „Keine dumme Fragen gibt es“ klingt schon ein bisschen komisch, aber bei anderer Wortstellung ist es doch richtig: „Es gibt keine dumme Fragen“?

Antwort

Guten Tag B.,

man sagt tatsächlich:

Es gibt keine dummen Fragen.

Nur in gewissen Fällen kann man auch sagen:

Es gibt nicht dumme Fragen …

Was aber, wenn ich den Satzteil (keine) dumme Fragen im Satz an die erste Stelle setzen möchte? Ohne Verneinung ist das ganz einfach:

Es gibt dumme Fragen.
Dumme Fragen gibt es.

Mit Verneinung ist die Umstellung ein bisschen komplexer:

Es gibt keine dummen Fragen.
Dumme Fragen gibt es nicht.

Man sagt seltener auch

Dumme Fragen gibt es keine.

aber nie

*Keine dummen Fragen gibt es.

Die Verneinung ist im Deutschen ziemlich komplex. Es gibt häufig verschiedene, einander widersprechende Tendenzen und deshalb kaum „Regeln“, die in allen Fällen gelten. Das ist auch hier der Fall. Wenn im Prinzip kein stehen könnte oder müsste, aber die Verneinung durch eine Umstellung (Hervorhebung) im Satz nicht direkt vor dem Substantiv steht, verneint man den Satz oft mit nicht statt kein:

Wir verkaufen keine Einzelstücke.
Einzelstücke verkaufen wir nicht.

Sie sprechen dort keine Fremdsprachen.
Fremdsprachen sprechen sie dort nicht.

Es gibt keine dummen Fragen.
Dumme Fragen gibt es nicht.

Es gibt also auch im Bereich der Verneinung keine ausnahmslos in allen Fällen geltendend Regeln, oder: Ausnahmslos in allen Fällen geltende Regeln gibt es auch im Bereich der Verneinung nicht. Keine Regel ohne Ausnahme!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Als oder zum Dank

Frage

Wie lautet der Satz richtig:

– Als Dank für seine Firmentreue wird Herr … geehrt.
– Zum Dank für seine Firmentreue wird Herr … geehrt.

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

beides ist üblich und richtig:

Als Dank für seine Firmentreue wird Herr M. geehrt.
Zum Dank für seine Firmentreue wird Herr M. geehrt.

Die erste und wichtigste Begründung lautet, dass im Deutschen beide Formulierungen verwendet, verstanden und akzeptiert werden. Bei fest(er)en Wendungen ist oft keine bessere Erklärung als diese möglich. Manchmal hilft selbst ein Abstecher in die Sprachgeschichte nicht oder nur bedingt weiter (vgl. diesen älteren Beitrag).

In diesem Fall sind allerdings beide Formulierungen auch grammatisch erklärbar: Die Formulierung mit als drückt aus, dass Herrn M.s Ehrung der Dank für seine Firmentreue ist. Die Ehrung dient als Dank. Mit zum wird gesagt, dass der Dank für die Firmentreue der Anlass, der Grund für Herrn M.s Ehrung ist. Gemeint ist in beiden Fällen, dass man Herrn M. für seine Firmentreue dankbar ist und ihn deshalb ehrt.

Ich nehme an, dass die Ehrung aus hoffentlich wohlgemeinten positiven Worten besteht. Ich hoffe weiter, dass Herr M. als oder zum Dank dafür, dass er so lange bei der Firma war, neben dem unvermeidlichen Blumenstrauß auch einen seinem Einsatz entsprechenden Bonus erhält, auch wenn er nicht zum vielleicht schon bonusgewöhnten obersten Management gehört. Doch hier beginne ich mich in Personalangelegenheiten einzumischen, die mich als „Sprachdoktor“ gar nichts angehen. Nichts für ungut.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Sich Blasen laufen

Noch ein Nachtrag zum Urlaub: Stefan schreibt das Folgende in einem Kommentar zur Ankündigung „Dr. Bopp geht wandern“:

Frage

Lieber Dr. Bopp, haben sie sich “eine Blase gelaufen?? Dazu gleich meine Frage: Wieso “läuft? man sich eine Blase? Eigentlich “bekommt? man doch eine, oder “zieht sie sich zu?… Ich hoffe sie hatten einen schönen Urlaub!

Antwort

Guten Tag Stefan,

Der Urlaub war schön. Siehe hier.

Wieso läuft man sich Blasen? Man kann die Wendung sich … laufen verwenden, wenn man sich laufend etwas zuzieht oder sich oder etwas anderes laufend in einen bestimmten Zustand bringt. Zum Beispiel:

sich müde laufen
sich hungrig laufen
sich außer Atem laufen
sich die Füße wund laufen
sich Löcher in die Schuhe laufen

Und ebenso:

sich Blasen laufen
sich ein große Blase laufen

Reflexive Wendungen dieser Art sind nicht nur mit dem Verb laufen möglich:

sich einen Bruch heben
sich heiser singen/reden/brüllen/schreien
sich die Augen rot weinen
u. a. m.

Ich habe mich übrigens einige Male ziemlich müde gewandert, aber mir zum Glück dank gutem Schuhwerk keine Blasen gelaufen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Eine Menge schwarzer Schafe / schwarze Schafe / von schwarzen Schafen

Heute geht es um etwas, was mich sehr erstaunt hat, als ich zum ersten Mal in einem Grammatikbuch darauf stieß: wie ungenau die deutsche Sprache ausgerechnet bei Mengenangaben ist!

Frage

Gerade hörte ich im Radio, dass sich im Bildungssektor eine ganze Menge schwarze Schafe tummle. Muss es nicht heißen eine ganze Menge schwarzer Schafe?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

bei Mengenangaben zeigt die deutsche Grammatik erstaunlicherweise nicht die Präzision, die man gerade dort erwarten würde. Beide Formulierungen sind nämlich möglich:

eine ganze Menge schwarzer Schafe
eine ganze Menge schwarze Schafe

Bei ungenauen Mengenangaben wie Menge, Reihe, Anzahl, Strauß usw. und etwas Gemessenem im Plural kommt der (partitive) Genitiv am häufigsten vor:

eine ganze Menge schwarzer Schafe
eine Gruppe französischer Bergsteiger
ein Strauß roter Rosen

Es ist jedoch ebenfalls möglich, das Gemessene als Apposition (Beisatz) zur Mengenangabe zu verwenden:

eine ganze Menge schwarze Schafe
eine Gruppe französische Bergsteiger
ein Strauß rote Rosen

Dabei übernimmt die Apposition den Fall der Mengenangabe. Im Dativ kann das Gemessene auch unverändert im Nominativ stehen:

mit Kasusangleichung:
mit einer ganzen Menge schwarzen Schafen
mit einer Gruppe französischen Bergsteigern
mit einem Strauß roten Rosen

ohne Kasusangleichung:
mit einer ganzen Menge schwarze Schafe
mit einer Gruppe französische Bergsteiger
mit einem Strauß rote Rosen

Das wären dann also schon drei verschiedene mehr oder weniger akzeptierte Möglichkeiten, wie man Mengengaben dieser Art formulieren kann. Das ist aber noch nicht alles! Nach Sammelbegriffen ist auch noch die Formulierung mit von möglich:

eine ganzen Menge von schwarzen Schafen
eine Gruppe von französischen Bergsteigern
eine Strauß von roten Rosen

Das führt dazu, dass bei einer Mengenangabe im Dativ und etwas Gemessenem im Plural vier Formulierungen möglich sind:

mit einem Strauß roter Rosen (partitiver Genitiv)
mit einem Strauß rote Rosen (Apposition ohne Kasusangleichung)
mit einem Strauß roten Rosen (Apposition mit Kasusangleichung)
mit einem Strauß von roten Rosen (Präpositionalgruppe mit „von“)

Diese Vielzahl verschiedener/verschiedene/von verschiedenen Möglichkeiten führt oft dazu, dass man ins Zweifeln gerät, sobald man anfängt, über die korrekte Formulierung nachzudenken. Am besten tun Sie dies deshalb nicht und formulieren Sie einfach so, wie Ihr Sprach- und Stilgefühl es Ihnen eingibt. Bei so viel Formulierungsspielraum kann ja kaum etwas schiefgehen! Falls Sie einmal wirklich nicht mehr weiterwissen: Der Genitiv ist in den hier beschriebenen Fällen immer richtig und wird auch von niemandem angezweifelt.

Die entsprechende Grammatikseite finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

An und auf der Stelle

Frage

Darf ich sowohl „Auf deiner Stelle würde ich …“  als auch „An deiner Stelle würde ich …“ schreiben?

Antwort

Guten Tag J.,

die Redewendung lautet üblicherweise:

An deiner Stelle würde ich …

Etwas steht, liegt, ist, befindet sich, ruht usw. an einer Stelle. Auch in der übertragenen Bedeutung wenn ich an deiner Stelle stünde verwendet man an:

Was würdest du an meiner Stelle tun.
An deiner Stelle würde ich sofort damit aufhören.
Er behauptete, dass er an ihrer Stelle schneller reagiert hätte.

Es heißt also in der Regel an einer/deiner Stelle, nicht auf einer/deiner Stelle. Damit es aber für zum Beispiel Deutschlernende nicht allzu einfach wird, sagt man manchmal doch auf der Stelle. Es handelt sich dann aber um eine andere feste Wendung:

auf der Stelle = sofort
Der Führerschein wurde ihr auf der Stelle entzogen.
An deiner Stelle würde ich auf der Stelle damit aufhören.

Ebenfalls mit auf steht der folgende, eher umgangssprachliche Ausdruck:

auf der Stelle treten = nicht vorwärts kommen; keine Fortschritte machen
Ich habe das Gefühl, dass ich beruflich schon lange auf der Stelle trete.

So viel zu an und auf der Stelle.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nichts für Liebhaber unverrückbarer Regeln: etwas, was/das

Frage

Heißt es „etwas, das …“ oder „etwas, was …“?

Antwort

Sehr geehrte Frau L.,

es heißt üblicherweise

etwas, was
Sie sagte etwas, was mich sehr erstaunt hat.

Man hört und liest aber auch häufig:

etwas, das
Sie sagte etwas, das mich sehr erstaunt hat.

Ich vermute, dass Liebhaber und Liebhaberinnen einfacher, eindeutiger Regeln diese Antwort nicht mögen. Es handelt sich nämlich um eine Ausnahme zu einer Ausnahmeregel. Die erste Regel, die man lernt, lautet, dass man standardsprachlich in Relativsätzen das und nicht was verwendet:

nicht: das Buch, was ich gerade lese
sondern: das Buch, das ich gerade lese
nicht: das schöne Leben, was er führt
sondern: das schöne Leben, das er führt

Das bringt einige Eifrige dazu, einem einen Fehler anzustreichen, wenn man etwas, was sagt oder schreibt. Diese Verbesserer mögen es gut meinen, aber sie haben nicht gelernt oder einfach übersehen, dass die Regel nur dann gilt, wenn sich das Relativpronomen auf ein sächliches Substantiv (hier Buch und Leben) bezieht. In anderen Fällen ist standardsprachlich gerade was üblich, nämlich nach substantivierten sächlichen Superlativen (das klingt komplizierter als es ist) und nach hinweisenden und unbestimmten Pronomen:

Das ist das Beste, was du tun konntest.
Das ist das Schönste, was ich je erlebt habe.

Das, was du hier siehst, ist ein Frosch.
Ich habe alles, was ich mir wünschen kann.
Es gibt noch einiges, was ich dich fragen möchte.
Es gibt noch etwas, was ich nicht verstehe.

Auch dies ist aber keine Regel, die man blindlings anwenden kann. Wenn jemand sagt:

Es gibt noch etwas, das ich nicht verstehe.

macht diese Person nicht gleich einen unverzeihlichen Fehler. Wenn mit etwas nicht etwas Unbestimmtes, sondern etwas Bestimmtes, Einzelnes gemeint ist, kann auch standardsprachlich das gesetzt werden. Manche mögen auch einfach die Wiederholung von was nicht und verwenden deshalb nach etwas lieber das. Sehen Sie hierzu auch diese Grammatikseite (ganz unten).

Regeln sind hilfreich. Es gibt aber meistens auch Ausnahmen. Das ist etwas, was/das man nicht vergessen sollte!

Alle seine(r) Schüler

Vorwarnung: Heute gibt es wieder einmal etwas für Liebhaber und Liebhaberinnen grammatischer Erklärungen.

Frage

Was ist richtig: „Alle seine Schüler sind begeistert“ oder „Alle seiner Schüler sind begeistert“?

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

beide Formulierungen sind korrekt [siehe aber den Nachtrag unten]:

Alle seine Schüler sind begeistert.
Alle seiner Schüler sind begeistert.

Falls Sie an der Grammatik interessiert sind, können Sie weiterlesen. Falls Grammatisches Ihnen nicht so viel sagt, erfreuen Sie sich einfach der Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten, die uns die deutschen Sprache bietet, und klicken Sie weiter!

Warum kann seine(r) Schüler hier sowohl im Nominativ als auch im Genitiv stehen? Das liegt daran, dass alle sowohl als Artikelwort als auch als Indefinitpronomen verwendet werden kann. Als Artikelwort bestimmt es seine Schüler. Als Indefinitpronomen folgt ihm das Genitivattribut seiner Schüler.

Artikelwort alle:

Alle Schüler sind begeistert.

Als Artikelwort kann alle mit anderen Artikelwörtern wie diese, jene und seine kombiniert werden:

Alle seine Schüler sind begeistert.

Das Subjekt des Satzes ist hier eine Nomengruppe mit dem Kern Schüler. Der Kern wird durch die Artikelwörter seine und alle erweitert.

Indefinitipronomen alle:

Alle sind begeistert.

Als Indefinitpronomen kann alle wie ein Nomen durch ein Genitivattribut erweitert werden:

Alle seiner Schüler sind begeistert.

Das Subjekt des Satzes ist hier eine Pronomengruppe mit dem Kern alle. Der Kern wird durch das Genitivattribut seiner Schüler erweitert.

Je nachdem, ob man alle hier als Artikelwort oder als Pronomen verwendet, steht alle seine Schüler oder alle seiner Schüler. Ich sehe keinen wesentlichen Bedeutungsunterschied zwischen den beiden Formulierungen. Mehr dazu finden Sie hier, hier und hier.

Dieses Beispiel zeigt, dass oft gleichberechtigt verschiedene grammatische Mittel angewandt werden können, um etwas auszudrücken. Hier ist die aus nur drei Wörtern bestehende Wortgruppe, die das Subjekt des Satzes bildet, ganz unterschiedlich strukturiert. Erstaunlicherweise sieht man dies an der Oberfläche nur an einem kleinen r.

Nachtrag:

Ganz so gleichberechtigt, wie ich es gerne hätte, sind die Formen allerdings nicht. Nach den strengeren Grammatikern gilt die Verwendung von alle mit einem Genitiv dieser Art aus irgendeinem Grund als „umgangssprachlich“ oder gar „falsch“. Wundern Sie sich also nicht, wenn nicht alle mit der Formulierung alle seiner Schüler einverstanden sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Fälle entlang – entlang der Fälle

Frage

Ich habe ein Problem mit „entlang“: Heißt es „Gesteinsbänder, entlang denen die Strecke verläuft“ oder „Gesteinsbänder, entlang derer die Strecke verläuft“?

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

das Wort entlang lässt einem so viel Freiheit bei der Wahl des Falles, dass viele ganz unsicher werden und dann „vorsichtshalber“ den Genitiv verwenden. Das ist zwar auch richtig, aber nicht immer:

Das Wort entlang wird dem Substantiv oft nachgestellt. Es steht dann in der Regel mit dem Akkusativ:

Die Strecke führt die Allee entlang.
Den Fluss entlang stehen Trauerweiden.

(Selten steht v. a. in der Schweiz auch der Dativ:
Die Strecke führt der Allee entlang.
Dem Fluß entlang stehen Trauerweiden.)

Wenn entlang vorangestellt wird, folgt ihm der Genitiv oder der Dativ:

Die Strecke führt entlang der Allee.
Entlang des Flusses stehen Trauerweiden.
Entlang dem Fluss stehen Trauerweiden.

Auch in Ihrem Beispiel steht entlang vor dem Wort das es bestimmt. Es kann entsprechend mit dem Genitiv oder mit dem Dativ stehen. Beide Varianten, die Sie vorschlagen, sind deshalb richtig:

Gesteinsbänder, entlang denen die Strecke verläuft. (Dativ)
Gesteinsbänder, entlang derer die Strecke verläuft. (Genitiv)

Wem diese Auswahlmöglichkeiten noch nicht genügen, dem stellt der Genitiv noch eine Variante zur Verfügung. Das ist ein weiterer komplizierender Faktor bei Ihrem Beispielsatz. In der weiblichen Einzahl und wie hier im Plural lautet die Genitivform des Relativpronomens nicht nur derer, sonder auch deren:

Gesteinsbänder, entlang deren die Strecke verläuft.

Weitere Angaben finden Sie in der LEO-Grammatik hier und hier.

Das Wörtchen entlang kann einen mit all seinen Möglichkeiten ziemlich verunsichern! So kurz nachdem ich dies alles aufgeschrieben habe, wüsste ich jedenfalls nicht mehr spontan, was richtig ist. Glücklicherweise hat man bei der Wahl des richtigen Falles fast immer viel weniger Schwierigkeiten, wenn man nicht darüber nachdenkt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp