Archiv für Konjugation/Deklination

Sind oder ist Nudeln mit Pilzsauce mein Lieblingsgericht?

Frage

Ich habe eine kurze Frage. Was ist richtig: „Mein Lieblingsgericht ist/sind Spaghetti“?

Antwort

Guten Tag Frau C.,

nach den Regeln der Grammatik muss es im Prinzip heißen:

Mein Lieblingsgericht sind Spaghetti.
Mein Lieblingsessen sind Nudeln mit Pilzsauce.
Ihr Lieblingsgericht waren grüne Bohnen mit Speck.

Die entsprechende Regel lautet: Wenn zwei Nominative mit „sein“ miteinander verbunden sind und nicht den gleichen Numerus haben, steht das Verb in der Regel im Plural (siehe hier). Hier ein paar Beispiele:

Mein größter Besitz sind meine Kinder.
Diese Sachen sind alles, was ich noch habe.
Eine große Gefahr bleiben unbewachte Bahnübergänge.
Das beste Gericht sind die Nudeln mit Pilzsauce.

Soweit die Regel. Weshalb klingt dann „Mein Lieblingsgericht ist Spaghetti“ gar nicht so falsch, insbesondere dann nicht, wenn noch angegeben wird, was für Spaghetti gemeint sind:

Mein Lieblingsgericht ist Spaghetti mit Tomatensauce.

Das liegt daran, dass Namen von Gerichten als eine Einheit wahrgenommen werden (ähnlich wie ein Titel) und dann wie ein Singular behandelt werden können:

Mein Lieblingsgericht ist Spaghetti bolognese
Mein Lieblingsessen ist Nudeln mit Pilzsauce.
Ihr Lieblingsgericht war grüne Bohnen mit Speck.

Das funktioniert übrigens nur ohne Artikel. Wenn ein Artikelwort hinzutritt, kann nur der Plural verwendet werden:

Mein Lieblingsgericht sind die Spaghetti bolognese.
Mein Lieblingsessen sind deine Nudeln mit Pilzsauce.

Wenn Sie mit Leuten zu tun haben, die es grammatisch sehr genau nehmen und Sie (unnötige) Diskussionen vermeiden möchten, wählen Sie auch ohne Artikel besser den Plural. Ansonsten schmeckt’s ohnehin, ganz gleich ob Spaghetti bolognese Ihr Lieblingsgericht sind oder ist. (Eines meiner Lieblingsgerichte sind oder ist übrigens Nudeln mit Pilzrahmsauce.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Mir als Deutscher, als Deutschem, als Deutsche?

Frage

Es geht um den Satz „Mir als Grüner sind die Hände gebunden“. Dem Kunden gefällt das „GrüneR nicht“. Ist es zwingend oder dürfte hier auf den Nominativ ausgewichen werden?

Sicherlich haben Sie gemerkt, dass im Beispielsatz eine Frau spricht. In der jetzigen Fassung steht das Wort im Dativ, wie es m. E. sicher auch korrekt ist. Die Frage ist nur, ob solche Nomen […] auch im Nominativ stehen können. Mein Kollege brachte noch dieses Beispiel: „Ihm als Deutscher ist das bekannt.“ Irgendwie klingt es nicht falsch, aber ich glaube dennoch, dass es „Deutschem“ heißen sollte.

Antwort

Guten Tag Herr F.,

nach der Grundregel stimmt eine solche als-Gruppe im Kasus mit dem Wort überein, auf das sie sich bezieht. Zu dieser Grundregel gibt es viele Ausnahmen, Ihre Beispiele gehören aber nicht dazu (siehe hier). Standardsprachlich sollte auch bei substantivierten Adjektiven die Kasusangleichung befolgt werden:

Singular weiblich:
ich/du/sie als Grüne – als Deutsche – als deutsche Politikerin
mich/dich/sie als Grüne – als Deutsche – als deutsche Politikerin
mir/dir/ihr als als Grüner – als Deutscher – als deutscher Politikerin

Singular männlich:
ich/du/er als Grüner – als Deutscher – als deutscher Politiker
mich/dich/ihn als Grünen – als Deutschen – als deutschen Politiker
mir/dir/ihm als Grünem – als Deutschem – als deutschem Politiker

Plural:
wir/ihr/sie als Grüne – als Deutsche – als deutsche Abgeordnete
uns/euch/sie als Grüne – als Deutsche – als deutsche Abgeordnete
uns/euch/ihnen als Grünen – als Deutschen – als deutschen Abgeordneten

Für Ihre Beispiele heißt das:

Mir als Grüner sind die Hände gebunden (weiblich)
Mir als Grünem sind die Hände gebunden (männlich)
Ihm als Deutschem ist bekannt …
Ihr als Deutscher ist bekannt …

Es ist aber nicht erstaunlich, dass Sie zweifeln. Häufig wird hier nämlich statt der Kasusangleichung der „neutrale“ Nominativ gewählt (zum Beispiel: „ihm als Deutscher“, „ihm als deutscher Politiker“; „ihr als Deutsche“, „ihr als deutsche Politikerin“). Das ist verständlich, denn es kann in den meisten Fällen auch ohne Kasusangleichung zu keinen Verständnisschwierigkeiten führen. In der Formulierung „Mir als Grüner sind die Hände gebunden“ kann „Grüner“ sowohl ein weiblicher Dativ als auch ein männlicher Nominativ sein. In der Regel ist aber klar, ob eine männliche oder eine weibliche Person am Wort ist, so dass es zu keinen Verwechslungen kommt.

Wenn Sie aber erbetener und ungefragter Kritik oder gar dem korrigierenden Rotstift vorbeugen möchten, wählen Sie hier die Übereinstimmung im Kasus. Sie gilt in diesem Fall standardsprachlich als die richtige Lösung. Ich hoffe, dass ich Ihnen als Zweifelndem hiermit ein bisschen weiterhelfen konnte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Bin oder habe ich den Weg entlanggegangen? – Das Hilfsverb „sein“ bei transitiven Verben

Frage

Was ist die Regel zu:

Ich habe das Auto gefahren
Ich bin das Auto gefahren

Es steht die Behauptung im Raum, dass man mit „haben“ konjugiert, wenn ein Akkusativobjekt da ist. Somit müsste es heissen:

Ich habe den Weg entlanggegangen

Dem kann ich nicht zustimmen.

Antwort

Guten Tag Frau R.,

im Prinzip bilden transitive Verben, das heißt Verben mit einem Akkusativobjekt, das Perfekt mit „haben“. Deshalb steht auch zum Beispiel „fahren“ mit „haben“, wenn es transitiv verwendet wird:

intransitiv: Ich bin mit dem Auto gefahren.
transitiv: Ich habe das Auto in die Garage gefahren.

Zu der Regel, dass transitive Verben mit „haben“ konjugiert werden, gibt es natürlich auch ein paar Ausnahmen: Einige wenige transitive Verben, die von einem mit „sein“ konjugierten Verb abgeleitet sind, bilden die Vergangenheit mit „sein“. Beispiele sind:

etwas eingehen: Er ist einen Pakt mit dem Teufel eingegangen.
jemanden/etwas loswerden: Ich bin die Sachen nicht losgeworden.
etwas durchgehen: Sie ist die Arbeit mit den Schülern durchgegangen.

Siehe auch hier.

Zu diesen Verben gehören auf den ersten Blick auch „entlanggehen“, „entlanglaufen“, „entlangfahren“ usw.:

Ich bin den Weg entlanggegangen.
Sie ist mit dem Finger die Linie entlanggefahren.

Auf den zweiten Blick muss man allerdings sagen, dass es sich bei diesen Verben, wenn überhaupt, um ein ungewöhnliches Akkusativobjekt handelt. Es ist nämlich eher ein Akkusativ, der von „entlang“ abhängig ist, als ein Objekt. Wenn „entlang“ nachgestellt ist, verlangt es üblicherweise den Akkusativ (siehe hier):

den Weg entlang hinaufsteigen
die Straße entlang weiterfahren

Bei einfachen Verben wird dieses „entlang“ mit dem Verb zusammengeschrieben. Der von „entlang“ abhängige Akkusativ sieht dann aus wie ein Akkusativobjekt:

den Weg entlanggehen
die Straße entlangfahren

Das ist eine weitere Erklärung dafür, warum Verben wie „entlanglaufen“, „entlanggehen“ und „entlangfahren“ mit „sein“ konjugiert werden, obwohl sie ein Akkusativobjekt bei sich zu haben scheinen. Es zeigt sich hier wieder einmal, dass man darauf achten sollte, Regeln nicht allzu strikt anzuwenden. Es gibt immer Ausnahmen und Sonderfälle. Sie hatten also recht: Das Perfekt von „entlanggehen“ wird mit dem Hilfsverb „sein“ gebildet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Beide oder beides? – Plural oder Singular?

Frage

[…] Sie haben am Ende einer Erklärung mit zwei Beispielen das Folgende geschrieben: „Beides ist hier möglich“:

Mit „sein würde“ wird ein Zustand angegeben. Mit „werden würde“ wird ein Vorgang angegeben. Beides ist hier möglich.

Wäre nicht logischer und damit (stilistisch) besser „Beide sind hier möglich“?

Antwort

Guten Tag Herr J.,

das Wort „beide“ kommt tatsächlich sehr häufig im Plural vor. Das ist dann der Fall, wenn es sich auf zwei Personen oder auf zwei gleichartige Dinge bezieht:

Meine Mutter und mein Vater, beide kommen aus dem Schwarzwald.
Zwei Stühle zu verkaufen, beide in gutem Zustand
Ich kenne die erste und die zweite Strophe. Ich finde beide schön.
Du hattest zwei Versuche. Beide sind missglückt.

Nur allein stehend kommen die Singularformen „beides“ (Nominativ und Akkusativ) und „beidem“ (Dativ) vor. Sie beziehen sich auf zwei verschiedenartige Dinge, Eigenschaften oder Vorgänge:

Kuckucksuhr und Kirschtorte, beides gehört zu den Schwarzwälder Klischees.
Tisch und vier Stühle zu verkaufen, beides in gutem Zustand
Rot oder Grün? – Mir gefällt beides.
Hierbleiben oder mitkommen, ich bin mit beidem einverstanden.

In der zitierten Antwort halte ich nur den Singular für richtig:

Mit „sein würde“ wird ein Zustand angegeben. Mit „werden würde“ wird ein Vorgang angegeben. Beides ist hier möglich.

Erst wenn man „sein würde“ und „werden würde“ durch das Hinzufügen von z. B. „Form“ zu gleichartigen Elementen macht, ist auch der Plural möglich:

Mit der Form „sein würde“ wird ein Zustand angegeben. Mit der Form „werden würde“ wird ein Vorgang angegeben. Beide sind hier möglich.
(beide Formen)

Der Singular ist dann aber nicht ausgeschlossen:

Mit der Form „sein würde“ wird ein Zustand angegeben. Mit der Form „werden würde“ wird ein Vorgang angegeben. Beides ist hier möglich.
(Zustand angeben mit „sein würde“ + Vorgang angeben mit „werden würde“)

Dieses Beispiel zeigt, dass die Grenzen manchmal fließend sind. Das liegt daran, dass eine eindeutige Abgrenzung zwischen gleichartigen und verschiedenartigen Dingen nicht immer möglich ist.

Ich habe einen Tisch und einen Stuhl neu gestrichen, beides hellblau.
(Tisch und Stuhl = zwei verschiedene Dinge)
Ich habe einen Tisch und einen Stuhl gekauft, beide in der Höhe verstellbar.
(Tisch und Stuhl = zwei Möbelstücke)

Kurz zusammengefasst: Bei Personen und gleichartigen Dingen heißt es „beide“, bei verschiedenartigen Dingen heißt es „beides“ – und manchmal ist beides möglich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ein wenig, ein bisschen und der Genitiv

Frage

Ich habe eine Frage zu „ein wenig“ und „ein bisschen“ in Bezug auf den Genitiv. Sind folgende Formulierungen korrekt?

wegen ein wenig Wein/Milch
wegen ein bisschen Wein/Milch

Ist auch der Genitiv möglich?

wegen ein wenig Weins/Milchs
wegen ein bisschen Weins/Milchs

Antwort

Guten Tag Herr H.,

wenn auf „ein wenig“ und „ein bisschen“ ein allein stehendes Substantiv folgt, kann es nicht im Genitiv stehen. Im Singular ist dann die ungebeugte Form (Nominativ) üblich, wie Sie dies in Ihren ersten Beispielen getan haben:

wegen ein wenig Wein
wegen ein bisschen Milch

So weit, so einfach. Die Beugung bei „ein wenig“ und insbesondere bei „ein bisschen“ hat aber noch ein paar Finessen bereit:

Wenn das Substantiv mit einem gebeugten Adjektiv o. Ä. steht, kommt doch der Genitiv zum Zug:

wegen ein wenig roten Weins
wegen ein bisschen frischer Milch

Bei „ein bisschen“ bleibt „bisschen“ immer ungebeugt, aber der unbestimmte Artikel kann gebeugt werden. Wenn man sich für die Beugung des Artikels entscheidet, steht auch das Substantiv im Genitiv (auch wenn mir das irgendwie nicht „logisch“ vorkommt):

wegen eines bisschen Weins
wegen eines bisschen Stoffs

Mit einem gebeugten Adjektiv:

wegen eines bisschen roten Weins
wegen eines bisschen frischer Milch

Und wenn wir schon dabei sind: Wie sieht es diesbezüglich im Dativ aus? – Ganz ähnlich, das heißt, „ein wenig“ bleibt ungebeugt und bei „ein bisschen“ kann der unbestimmte Artikel gebeugt werden:

mit ein wenig [rotem] Wein
mit ein/einem bisschen [frischer] Milch

Und nun „zusammenfassend“ für die Liebhaber und Liebhaberinnen von Tabellen und Ähnlichem

ein wenig Wein/Milch
für ein wenig Wein/Milch
mit ein wenig Wein/Milch
wegen ein wenig Wein/Milch

ein wenig roter Wein/frische Milch
für ein wenig roten Wein/frische Milch
mit ein wenig rotem Wein/frischer Milch
wegen ein wenig roten Weins/frischer Milch

ein bisschen Wein/Milch
für ein bisschen Wein/Milch
mit ein/einem bisschen Wein/Milch
wegen ein bisschen Wein/Milch
wegen eines bisschen Weins/Milch

ein bisschen roter Wein/frische Milch
für ein bisschen roten Wein/frische Milch
mit ein/einem bisschen rotem Wein/frischer Milch
wegen ein/eines bisschen roten Weins/frischer Milch

Mit der Bitte um ein wenig Nachsicht, weil es ein bisschen viel Information geworden ist, und mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

———

Nachtrag für „unverbesserliche“ Genitivfans:

Nach „ein wenig“ und „ein bisschen“ ist der partitive Genitiv nicht gebräuchlich. Es heißt also nicht:

Ein wenig/Ein bisschen frischer Luft tut gut.
für ein wenig/ein bisschen roten Weins
mit ein wenig/ein[em] bisschen guten Willens

sondern wie nach zum Beispiel „viel“ oder „wenig“:

Ein wenig/Ein bisschen frische Luft tut gut.
für ein wenig/ein bisschen roten Wein
mit ein wenig/ein[em] bisschen gutem Willen

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Sowohl der Plural als auch der Singular sind/ist hier richtig

Frage

Verwendet man nach „sowohl – als auch“ die Singular- oder die Pluralform? Beispiel: „Sowohl er als auch sein Chef vertreten/vertritt die gleiche Meinung.“

Antwort

Guten Tag J.,

wenn zwei Subjektteile im Singular durch „sowohl – als auch“ verbunden sind, steht das Verb häufig im Plural, es kann aber auch im Singular stehen. Beides gilt als richtig:

Sowohl er als auch sein Chef vertreten die gleiche Meinung.
Sowohl er als auch sein Chef vertritt die gleiche Meinung.

Sowohl der Plural als auch der Singular gelten hier als richtig.
Sowohl der Plural als auch der Singular gilt hier als richtig.

Sowohl Glück als auch Gesundheit sollen dich im neuen Jahr begleiten!
Sowohl Glück als auch Gesundheit soll dich im neuen Jahr begleiten!

Wenn einer der beiden Subjektteile im Plural steht, ist nur der Plural für das Verb üblich, insbesondere dann, wenn der Subjektteil im Plural näher beim Verb steht:

Sowohl der Chef als auch seine Mitarbeiter vertreten die gleiche Meinung.

Etwas komplizierter wird es im nicht sehr häufig vorkommenden Fall, dass „sowohl – als auch“ Subjektteile verbindet, die nicht in der gleichen Person stehen. Dann gelten im Prinzip diese Regeln:

Wenn eine 1. Person mit einer 2. oder 3. Person verbunden wird, steht das Verb in der 1. Person Plural. Man kann die Subjektteile mit „wir“ zusammenfassen:

Sowohl du als auch ich [= wir] fahren heute nach Hamburg.
Sowohl ich als auch ihr haben den Film bereits gesehen.
Sowohl wir als auch ihr sollten stolz auf unsere Herkunft sein.

Sowohl meine Schwester als auch ich [= wir] wissen es noch gut.
Sowohl ich als auch meine Mitarbeiter haben uns die größte Mühe gegeben.
Sowohl die Nachbarn als auch ich waren mit der Mietpreiserhöhung einverstanden.

Wenn eine 2. Person mit einer 3. Person verbunden wird, steht das Verb in der 2. Person Plural. Man kann die Subjektteile mit „ihr“ zusammenfassen:

Sowohl er als auch du [= ihr] seid heute aus Hamburg angekommen.
Sowohl ihr als auch eure Freunde dürft euch über diesen Erfolg freuen.
Sowohl ihr als auch euer Vater habt sie schlecht behandelt.

Die Regeln sind einfach, aber wenn man hier doch einmal unsicher wird oder wenn eine Formulierung irgendwie sonderbar anmutet**, kann man zur Sicherheit das Pronomen „wir“ oder „ihr“ einfügen:

Sowohl meine Schwester als auch ich, wir wissen es noch gut.
Sowohl er als auch du, ihr seid heute aus Hamburg angekommen.

Sowohl die Kongruenz im Numerus als auch die Kongruenz in der Person können/kann zu Unsicherheiten führen. Zum Glück geht es aber meistens gut – wenn man nicht zu viel darüber nachdenkt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** Es gibt eine Tendenz, das Verb mit der Person des ihm am nächsten stehenden Subjektteils übereinstimmen zu lassen:

Sowohl ich als auch ihr habt den Film bereits gesehen.
Sowohl ihr als auch eure Freunde dürfen sich über diesen Erfolg freuen.

Diese Formulierungen gelten aber nicht allgemein als korrekt.

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„Ein Becher edler Weisheit“ – Die Bedeutung des Genitivs

Frage

Meine Frage bezieht sich auf den Genitivus Qualitatis, der, so der Duden, eine Eigenschaft oder Beschaffenheit des im Bezugswort Genannten bezeichnet. Auf das Problem gestoßen bin ich bei der Übersetzung des Satzteils „A cup of noble wisdom“ mit „ein Becher edler Weisheit“. Diese Übersetzung lehnt sich an bekannte Beispiele dieses Genitivus an, z. B. „ein Glas köstlichen Weins“ usw.

Das Problem ist nun folgendes: Im Fall von Behältnissen wie „Glas“, „Becher“, „Tasse“ o. ä. muss ja der Unterschied kenntlich gemacht werden zwischen dem Inhalt und der Eigenschaft bzw. Beschaffenheit des Gefäßes. Ein Becher reinen Goldes bezeichnet laut obiger Dudendefinition eben nicht einen Becher angefüllt mit reinem Gold, sondern einen Becher aus reinem Gold.

Auf obige Übersetzung bezogen eröffnet sich nun die Bredouille: Ist schon der englische Satz falsch (oder zumindest zweideutig) oder nur die deutsche Übersetzung, und falls Letzteres der Fall ist, wären dann auch gängige Sätze wie „ein Glas köstlichen Weins“ oder „eine Flasche reinsten Wassers“ falsch?

Antwort

Guten Tag Herr S.,

alle Formulierungen, um die es in Ihrer Frage geht, sind korrekt. Das liegt daran, dass der Genitiv mehr als eine Funktion haben kann.

Mit Genitivattributen können sehr verschiedene Verhältnisse ausgedrückt werden. Es ist deshalb nicht immer eindeutig, welche Art des Verhältnisses gemeint ist. In der Regel ergibt sich aus der Wortbedeutung und dem weiteren Kontext, was genau gesagt wird. Hier ein paar Beispiele, in denen ohne Kontext nicht klar ist, was genau ausgedrückt werden soll:

die Beschreibung des Angeklagten
= die Beschreibung durch den Angeklagten (Genitivus subiectivus)
= der Angeklagte wird beschrieben (Genitivus obiectivus)

das Foto meiner Schwester
= meine Schwester hat das Foto gemacht (Genitivus Auctoris)
= das Foto gehört meiner Schwester (Genitivus possessivus)
= meine Schwester ist auf dem Foto abgebildet

eine Kiste edlen Holzes*
= eine Kiste gefüllt mit edlem Holz (Genitivus partitivus)
= eine Kiste aus edlem Holz (Genitivus Qualitatis)

Bei Ihrem Beispiel „ein Becher reinen Goldes“ ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich um einen Becher aus reinem Gold handelt und nicht um einen Becher voll (flüssigen?) reinen Goldes:

ein Becher reinen Goldes* (= Genitivus Qualitatis)
= ein Becher aus reinem Gold

Bei „ein Glas köstlichen Weines“ hingegen ergibt sich aus der Bedeutung der Wörter, dass es sich nicht um ein Glas aus köstlichem Wein, sondern um ein Glas voll köstlichen Weines handeln muss:

ein Glas köstlichen Weins* (= Genitivus partitivus)
= ein Glass gefüllt mit köstlichem Weins; ein Glas köstlicher Wein

Bei Gefäßen kann ein Genitivattribut also (unter anderem) die Beschaffenheit, aber auch den Inhalt angeben. In der Regel ergibt sich wie bei zum Beispiel „Becher–Gold“ und „Glas–Wein“ aus der Wortbedeutung, was gemeint ist. Wenn dem nicht so ist und auch der weitere Kontext keine Klarheit schafft, sollte umformuliert werden: „eine Kiste gefüllt mit edlem Holz“ bzw. „eine Kiste aus edlem Holz“.

Bei „a cup of noble wisdom“ und „ein Becher edler Weisheit“ ist es wegen der übertragenen Bedeutung weniger sicher, dass es sich um einen Becher voll edler Weisheit (Genitivus partitivus) handelt. Es könnte sich auch um einen Becher aus edler Weisheit (Genitivus Qualitatis) handeln. Aber selbst oder gerade wenn sich aus dem weiteren Kontext nicht erschließt, was genau gemeint ist, können Sie Ihre Übersetzung so stehen lassen – die gleiche Unsicherheit besteht ja auch bei „a cup of noble wisdom“.
Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Heute wird hier außer in poetischer oder gehobener Sprache anders formuliert:

eine Kiste edles Holz (statt: eine Kiste edlen Holzes)
ein Glas köstlicher Wein (statt: ein Glas köstlichen Weins)
eine Kiste aus edlem Holz (statt: eine Kiste edlen Holzes)
ein Becher aus reinem Gold (statt: ein Becher reinen Goldes)

———–

Möge auf das Jahr der Pandemie ein Jahr der Wiederaufnahme des „normalen“ Lebens folgen! Ich wünsche ein gutes, glückliches und gesundes neues Jahr!

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Wieder einmal „einschließlich“ und der Genitiv

Heute wieder einmal „einschließlich“, weil’s so schön komplex ist:

Frage

Ich habe gerade folgenden Satz übersetzt: 

Es handelt sich bei dieser Versicherung um eine kombinierte Reiserücktritt- und Abbruchversicherung einschl. ärztlichem Notdienst.

Normalerweise muss bei „einschließlich“ ja der Genitiv stehen und der Dativ lediglich in gewissen Fällen im Plural. Dennoch scheint mir der Dativ in diesem Fall vom Gefühl her richtig zu sein. Was ist richtig, Dativ oder Genitiv?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

man hört und liest zwar häufig andere Formulierungen, aber standardsprachlich gilt in Ihrem Satz nur der Genitiv als richtig:

Es handelt sich bei dieser Versicherung um eine kombinierte Reiserücktritt- und Abbruchversicherung einschl. ärztlichen Notdienstes.

Das macht irgendwie einen sehr gehobenen oder gezierten Eindruck. Die Formulierung klingt vielleicht etwas natürlicher, wenn Sie den Artikel einfügen:

Es handelt sich bei dieser Versicherung um eine kombinierte Reiserücktritt- und Abbruchversicherung einschl. des ärztlichen Notdienstes.

Warum wird häufig anders formuliert und warum sind wir häufig unsicher? Es könnte damit zu tun haben, dass standardsprachliches „einschließlich“ im Prinzip zwar den Genitiv verlangt:

die Versandkosten einschließlich des Portos
Catering einschließlich aller Getränke
Reise- und Abbruchversicherung einschließlich [des] ärztlichen Notdienstes

… dass dem aber auch standardsprachlich nicht immer so ist. Die wichtigsten Ausnahmen sind:

Ein allein stehendes Substantiv (ohne vorhergehendes gebeugtes Artikelwort oder Adjektiv) im Singular wird in der Regel nicht gebeugt:

die Versandkosten einschließlich Porto
die Seitenzahl einschließlich Inhaltsverzeichnis
Reise- und Abbruchversicherung einschließlich Notdienst

Ein Substantiv im Plural, das nicht von „der“ und oder einem anderen Wort mit der Genitivendung -er begleitet wird, steht im Dativ:

Catering einschließlich Getränken
zehn Personen einschließlich Familienmitgliedern und Freunden
LED-Lichtpaket einschließlich vier Rückfahrscheinwerfern

Und damit es so richtig schön kompliziert wird, sei noch erwähnt, dass die Eigennamen sich sich zum Teil anders verhalten:

viele Länder einschließlich Italien/Italiens
alle Gemeinden einschließlich Wien/Wiens
fünf Personen einschließlich Peter
die Vorstandsmitglieder einschließlich Sandra Meier

Ist es verwunderlich, dass uns bei so vielen Sonderregeln nach „einschließlich“ (und übrigens auch „ausschließlich“, „inklusive“ und „exklusive“) hin und wieder die Fälle durcheinandergeraten?! Eine kurze Zusammenfassung für „Notfälle“ finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (5)

Viele oder viel Möglichkeiten: Wann bleiben „viel“ und „wenig“ ungebeugt?

Frage

Ich möchte Sie fragen, ob das Adjektiv „viel“ im folgenden Satz dekliniert wird. Es handelt sich um eine Grammatikübung, wo jeweils das Adjektiv zu deklinieren ist.

Natürlich gibt es dort manchmal auch –viel– Regen.

[…] Die gleiche Frage habe ich auch, wenn statt „viel“ das Wort „wenig“ stehen würde?

Antwort

Guten Tag Herr S.,

üblich ist hier die ungebeugte Form „viel“ resp. „wenig“:

Natürlich gibt es manchmal auch viel Regen.
Natürlich gibt es manchmal nur wenig Regen.

Im Singular bleiben „viel“ und „wenig“ vor einem Substantiv meistens ungebeugt, wenn sie ohne Artikel stehen.

Viel Arbeit wurde verrichtet.
Da hilft auch viel Zureden nichts.
Sie haben nur wenig Geld dafür ausgegeben.
Man findet hier wenig Nützliches.

Im Dativ und im Genitiv kommen seltener auch die gebeugten Formen vor:

Sie reisten mit viel Gepäck – selten: mit vielem Gepäck
Es ist mit wenig Aufwand verbunden – selten: mit wenigem Aufwand
Es bedurfte viel Zuredens – auch: vielen Zuredens

Das ist aber noch nicht alles, was sich zur Beugung oder Nichtbeugung von „viel“ und „wenig“ sagen lässt.

Im Plural werden „viel“ und „wenig“ häufig gebeugt, im Genitiv sogar immer:

Auf dem Regal standen nur wenige Bücher – selten: wenig Bücher
Sie haben sich viele Gedanken gemacht – selten: viel Gedanken
Die Preise sind dort mit wenigen Ausnahmen höher – selten: mit wenig Ausnahmen
Nach Ansicht vieler Leute ist dies falsch.

Wenn ein Artikelwort vorausgeht, werden „viel“ und „wenig“ immer gebeugt:

Die viele Arbeit hat sich gelohnt.
Sie haben dieses viele Geld dafür ausgegeben.
Wohin mit ihrem vielen Gepäck?
Sie wollten trotz der vielen Kritik nicht zurücktreten.

Auf dem Regal standen die wenigen Bücher, die sie noch besaß.
Du solltest deine vielen Gedanken aufschreiben.
Anhand dieser wenigen Daten lässt sich keine fundierte Aussage machen.

Bei so vielen/viel Möglichkeiten kann man schon einmal ins Zweifeln geraten, insbesondere bei isolierten Sätze in Grammatikübungen u. Ä. Allzu viele/viel Sorgen sollte man sich deswegen aber nicht machen, denn es geht auch ohne viel Nachdenken meistens gut.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ungebeugtes ein: die ein oder andere Strahlungsquelle

Frage

Ich habe eine Frage zur Formulierung „die ein- oder andere Strahlungsquelle“. Ist mein gefühlsmäßig gewählter Bindestrich nach „ein“ (wegen Auslassung der Endung „e“ bei ein[e]) richtig oder ist „die ein oder andere Strahlungsquellen“ die richtige Schreibweise? […]

Antwort

Guten Tag Frau S.,

das Zahlwort „ein“ bleibt häufig ungebeugt, wenn es durch zum Beispiel „oder“,  „bis“ oder „und“ mit „zwei“ oder „andere“ verbunden ist:

mit ein oder zwei Freunden (auch: mit einem oder zwei Freunden)
die ein oder andere Frage (auch: die eine oder andere Frage)
für ein bis zwei Personen (selten: für eine bis zwei Personen)
das ein und andere Mal (selten: das eine und andere Mal)
ein um das andere Mal (selten: eines um das andere Mal)

Das gilt auch für die Wendung „ein und dasselbe“:

ein und dieselbe Ursache (selten: eine und dieselbe Ursache)
aus ein und derselben Quelle (selten: aus einer und derselben Quelle)
mit ein und demselben Partner (selten: mit einem und demselben Partner)

Auch wenn diese Formulierungen streng „logisch-grammatisch“ gesehen falsch sind – „ein“ müsste eigentlich gebeugt werden –, sind sie auch standardsprachlich sehr üblich und gelten entsprechend als korrekt.

Da das endungslose „ein“ hier als ungebeugt angesehen wird, fehlt ihm nichts. Es ist deshalb nicht notwendig, einen Auslassungsstrich oder einen Apostroph zu schreiben. Richtig ist hier also weder „ein- oder andere“ noch „ein’ oder andere“, sondern einfach „ein oder andere“:

die ein oder andere Strahlungsquelle

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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