Liebe Auszubildende(n)?

Frage

Ich habe eine Frage zur Flexion von substantivisch verwendeten Partizipien: Wenn ich meine Azubis anschreiben möchte, heißt es dann Liebe Auszubildende oder Liebe Auszubildenden?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.

Die richtige Anrede lautet in diesem Fall:

Liebe Auszubildende

Das Partizip wird hier wie ein substantiviertes Adjektiv verwendet. Es muss deshalb wie ein ohne Artikelwort stehendes Adjektiv gebeugt werden. Es hat die gleiche Endung wie das vor ihm stehende Adjektiv liebe.

Ohne Artikelwort stehende Adjektive werden stark gebeugt und Anreden stehen im Nominativ. Daraus folgt, dass die beiden Wörter in der Anrede die folgende Form haben müssen: Nominativ Plural starke Flexion.

  • Die Endug des Nominativ Plural der starken Flexion ist -e (vgl. Sie sind auszubildende Jugendliche)
    => Auszubildende
  • Die Regeln zur Deklination von substantivieren Adjektiven, die einem deklinierten Adjektiv folgen, stehen hier.
    => Liebe Auszubildende

Andere Beispiele sind:

Lieber Auszubildender
Liebe Studierende
Sehr geehrte Beamtinnen und Beamte

Die Anrede mit der Endung en (Liebe Auszubildenden) wird wohl in Anlehnung an die Pluralform mit Artikelwort (die Auszubildenden) oder Anreden mit anderen Wörter (zum Beispiel Liebe Kollegen) gebildet. Sie kommt recht häufig vor, ist aber als falsch anzusehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Jeder Onkel und jede Tante hat/haben nette Verwandte?

Frage

Nach mehrtägigem „Streit“ an meiner Schule und einer Wette um eine Flasche Champagner wende ich mich nun an Sie in der Hoffnung, dass Sie bei folgenden Sätzen weiterhelfen können. Es geht in den Beispielsätzen um die Verbbildung (Singular oder Plural):

Vater und Mutter geht/gehen ins Kino.
Fritz und Hans läuft/laufen Marathon.
Der Turner und die Turnerin übt/üben ihre Kür.
Jeder Schüler und jede Schülerin hat/haben ein Recht auf Unterricht.
Jede Frau und jeder Mann läuft/laufen lange Strecken.
Jeder Onkel und jede Tante hat/haben nette Verwandte.

Diese Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Mir geht es darum: Gibt es bei solchen Satzbildungen feste Regeln (welche?) oder kann man die Singular- oder Pluralform nach eigenem Ermessen bzw. Empfinden ausdrücken.

Antwort

Sehr geehter Herr M.,

in Ihren Beispielsätzen geht es immer um ein mehrteiliges Subjekt, dessen Teile mit und verbunden sind. Die Grundregel lautet, dass das Verb dann im Plural steht:

Vater und Mutter gehen ins Kino.
Fritz und Hans laufen Marathon.
Der Turner und die Turnerin üben ihre Kür.

Es gibt allerdings Ausnahmen, bei denen von dieser Regel abgewichen wird. Eine Ausnahmeregel lautet, dass das Verb im Singular steht, wenn beide Subjektteile in der Einzahl stehen und kein, jeder oder mancher vor ihnen steht.

Jeder Schüler und jede Schülerin hat Recht auf Unterricht.
Jede Pflanze und jedes Tier ist schützenswert.
Jeder Onkel und jede Tante hat nette Verwandte.
Kein Onkel und keine Tante hat nette Verwandte.
Mancher Onkel und manche Tante hat nette Verwandte.

Ebenso:

Jede und jeder hat Recht auf Unterricht.

Weshalb wird hier der Singular gewählt? Im Gegensatz zu alle, das sich auf sämtliche Individuen einer Gruppe bezieht, gibt jeder an, dass immer jeweils ein einzelnes Individuum aus einer Gruppe gemeint ist. Deshalb steht das Verb in der Einzahl:

Jede Schülerin hat …
= Jedes Individuum aus der Gruppe „Schülerinnen“ hat …

Bei jedes A und jedes B fasst das und die beiden Gruppen A und B zusammen. Obwohl jedes zweimal vorkommt, ist der Nachdruck auf einzelnes Individuum aus der Gesamtgruppe A und B so stark, dass das Verb in der Einzahl bleibt:

Jeder Schüler und jede Schülerin hat
= Jedes Individuum aus der Gesamtgruppe „Schüler und Schülerinnen“ hat

Wenn Sie mich zum Schiedsrichter machen würden, hätten also diejenigen, die auf den Plural in allen Beispielsätzen gewettet haben, die Flasche Champagner – so leid es mir tut – verloren. Mögen die Sieger den Verlierern auch ein Gläschen gönnen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche(n?) Post AG

Das liechtensteinische Bankgeheimnis und die deutsche Steuerhinterziehungsaffäre haben mich an eine schon etwas weiter zurückliegende Frage erinnert. Dabei geht es nicht darum, wie man die Bank nennt, die Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein „mitbesitzt“: Erbprinz Alois’ Bank, Erbprinzen Aloisens Bank oder dem Erbpinz Alois seine Bank? (Die erste Version ist die richtige; auch im Deutschen kann oder muss man manchmal im Genitiv einen Apostroph verwenden.) Nein, es geht hier um den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post AG – oder heißt es der Deutsche Post AG?

Frage

Bei meinen Kollegen ist folgende Diskussion aufgekommen: Heißt es

die Aktien der Deutsche Post AG
die Aktien der Deutschen Post AG
die Aktien von der Deutsche Post AG
die Aktien von Deutsche Post AG

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

die beiden folgenden Varianten sind korrekt:

die Aktien der Deutschen Post AG
die Aktien der Deutsche Post AG

Im Allgemeinen gelten Abkürzungen wie AG und GmbH in Firmennamen als Zusätze (fachsprachlich: Appositionen) zum eigentlichen Firmennamen. Für die Deutsche Post AG heißt das, dass Deutsche Post der Kern des Namens ist, der auch dekliniert wird:

die Aktien der Deutschen Post AG

Wenn aber die Rechtsform der Firma betont wird, dann ist AG resp. GmbH der Kern des Namens und bleibt Deutsche Post ungebeugt:

die Aktien der Deutsche Post Aktiengesellschaft

oder eben

die Aktien der Deutsche Post AG

Beide Varianten werden allgemein verwendet und kommen auch auf den Webseiten der Deutschen Post vor (mit n, ohne n). Die Formulierungen mit von anstelle des Genitivs sind stilistisch sehr unschön resp. falsch.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nachtrag:

Die Antwort auf die am Anfang gestellte Frage lautet also, dass beides möglich ist:

der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post AG
der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Post AG

Die gebeugte Variante gefällt mir persönlich allerdings besser. Weil ich mich nicht so viel mit Aktien, Aktiengesellschaften und Ähnlichem beschäftige, ist das AG für mich eben doch nur ein Anhängsel.

Hompage des Musikverein Eintracht – Wo bleibt das s?

Frage

Gibt es irgend einen Grund, warum man sehr häufig schreibt: „Konzert des Musikverein XXX“ ohne dabei ein s nach Musikverein anzuhängen?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

in mehrteiligen Namen von Institutionen, Betrieben, Vereinigungen usw. wird das zentrale Wort manchmal ohne Endung verwendet, auch wenn es im Genitiv steht und eigentlich eine Endung haben müsste. Zum Beispiel:

auf der Homepage des Musikverein Eintracht
die Präsidentin des Verband der Deutschen Möbelindustrie
im Auftrag des Zweiten Deutschen Fernsehen

Das hat vielleicht damit zu tun, dass man sich scheut, einen „feststehenden“ Namen durch die Verwendung einer Endung zu „verändern“. Eine andere mögliche Erklärung ist, dass die Endung weggelassen wird, wie dies bei mit Artikel stehenden Personennamen geschehen muss:

Johann Sebastian Bachs Kompositionen
aber endungslos: die Kompositionen des Johann Sebastian Bach
(Siehe Regel)

Ob dies die Gründe sind oder ob es eine weitere Erklärung gibt, müssten genauere Untersuchungen ausweisen. Die Endungslosigkeit gilt hier in jedem Fall standardsprachlich als nicht korrekt. Richtig muss es also bei dieser Art von Eigennamen immer heißen:

auf der Homepage des Musikvereins Auenberg
die Präsidentin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie
im Auftrag des Zweiten Deutschen Fernsehens

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Frohe Weihnachten!

Wie man Weihnachtswünsche in korrekter Groß- und Kleinschreibung verfasst, habe ich hier schon erwähnt. Wie es sich genau mit dem Nikolaus, dem Weihnachtsmann, dem Christkind und den Geschenken verhält, wurde an anderen Orten bereits ausführlich beschrieben: zum Beispiel hier, hier und hier. Und auch die Herkunft des Wortes Weihnachten gibt nicht wirklich viel Spannendes her (die heiligen Nächte, wahrscheinlich zurückgehend auf die heiligen Mittwinternächte). Deshalb hier nur kurz, aber nicht weniger wohlgemeint:

Ich wünsche allen treuen, gelegentlichen und zufälligen Besuchern dieses Blogs und insbesondere auch allen „Canooeys“ wunderschöne Weihnachtstage!

Dr. Bopp

zu durchforsten oder durchzuforsten?

Nein, es geht nicht darum, den Wald sogenannt zu „durchforsten“ oder „durchzuforsten“, um sich auf das Portemonnaie schonende Weise einen Weihnachtsbaum zu verschaffen. Außer bei Waldbesitzern und anderen dazu berechtigten Personen würde man das nämlich nicht durchforsten, sondern ganz unweihnächtlich und mit einem nicht präfigierten Verb stehlen nennen. Die Fragestellerin möchte vielmehr eine Bibliothek auf Vordermann bringen.

Frage

Ich habe Canoonet gerade zu Rate ziehen wollen, um zu klären, ob man um (die Bibliothek) zu durchforsten oder um (die Bibliothek) durchzuforsten sagt. Sie haben das Verb zweifach in Ihrer Liste, einmal soll das Präfix untrennbar und einmal trennbar sein. Welchen Schluss soll ich nun daraus ziehen? Sind beide Möglichkeiten gleichwertig? Das kommt mir seltsam vor.

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

beides ist ohne Bedeutungsunterschied möglich; zu durchforsten scheint allerdings üblicher zu sein als durchzuforsten.

Ich kannte eigentlich nur die untrennbare Variante durchfórsten. Nicht nur in Canoonet, sondern auch gemäß zum Beispiel Duden gibt es aber daneben die trennbare Variante dúrchforsten, die allerdings seltener sein soll. Entsprechend sind immer beide Varianten möglich.

gebräuchlicher:

Ich durchforste das Archiv:
Ich habe das Archiv durchforstet.
das Archiv zu durchforsten

seltener:

Ich forste das Archiv durch.
Ich habe das Archiv durchgeforstet.
das Archiv durchzuforsten

Dass ein trennbares Verb (auf der Vorsilbe betont) und ein untrennbares Verb (auf dem Verbstamm betont) ohne eigentlichen Bedeutungsunterschied nebeneinanderstehen, kommt nicht allzu häufig vor. Das Verb durchforsten ist aber nicht der einzige Fall. Zum Beispiel:

Ich durchtrenne das Kabel.
Ich trenne das Kabel durch.

Man überführte ihn in ein anderes Krankenhaus.
Man führte ihn in ein anderes Krankenhaus über.

Weitere Informationen zu den trennbaren Verben gibt es in diesem Blogeintrag.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Meine Haarfarbe ist braun/Braun?

Frage

Wie schreibt man den folgenden Satz (Groß- und Kleinschreibung) richtig?

Meine Haarfarbe ist Braun.
Meine Haarfarbe ist braun.

Antwort

Sehr geehrte Frau C.,

beide Schreibungen sind möglich und korrekt, da bei dieser Formulierung zwei verschiedene Interpretationen möglich sind. Die Wörter Haarfarbe und braun/Braun lassen sich nämlich auf zweierlei Weise miteinander kombinieren:

die Haarfarbe Braun (wie die Farbe Blau)
die braune Haarfarbe (wie die blaue Farbe)

Das hat für Ihren Beispielsatz die folgende Konsequenz:

Meine Haarfarbe ist Braun bezieht sich auf Haarfarbe Braun.
Meine Haarfarbe ist braun bezieht sich auf braune Haarfarbe.

Da beide Interpretationen möglich sind und es kaum einen merkbaren Unterschied gibt, können Sie frei wählen, welche Variante Sie bevorzugen. Wie immer gilt aber, dass man innerhalb eines Textes immer die gleiche Variante wählen sollte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der Mercedes/die Mercedizes? Plural von Autonamen

Frage

[…] Die allerletzte Frage, die leider auch Canoo nicht beantworten konnte, ist die Frage, ob der Plural von Mercedes in nachfolgendem Beispielsatz korrekt ist:

Sie parkten ihre Mercedizes, um im benachbarten Freizeitpark zu grillieren.

Antwort

Sehr geehrter Herr D.,

Mercedizes klingt zwar ausgesprochen wissenschaftlich und gebildet, lässt sich aber weder durch historische noch durch moderne Wortbeugung erklären.

Der Autoname Mercedes geht auf Mercédès Jellinek, die Tochter des Geschäftsmannes und Autoliebhabers Emil Jellinek, zurück. Er ließ Anfang des letzten Jahrhunderts bei Daimler mehrere Autos bauen und verlangte, dass die Modelle nach dem Kosenamen seiner Tochter Mercedes genannt würden. Gehen wir noch weiter zurück: Der Name Mercedes ist spanisch. Es ist der Plural von merced, das unter anderem Gnade, Gunst bedeutet. Das spanische Wort wiederum geht auf das lateinische merces, mercedis zurück. Etymologisch gesehen handelt es sich also um einen Mädchennamen und weiter zurück um eine spanische Pluralform. Hier findet sich somit keine Begründung für eine Pluralform auf -izes. Im Deutschen kommt diese Pluralform eigentlich nur bei Fremdwörtern vor, die im Lateinischen einen Plural auf -ices haben.

Zurück in die Moderne: Im modernen Sprachgebrauch werden Pluralformen von Autonamen vielfach mit -s gebildet: Audis, BMWs, Smarts, Peugeots, Toyotas, Alfa Romeos usw. Andere wiederum sind endungslos: die Chrysler, die Rover, die Opel. Letzteres ist wohl so, weil männliche Wörter auf unbetontes -el und -er im deutschen meist einen endungslosen Plural haben (vgl. die Bäcker, die Computer, die Esel). Und bei Mercedes wird – wohl in Anlehnung an Busse, Ibisse, Atlasse usw. – häufig die Pluralform Mercedesse verwendet. Diese Form halte ich auch für die beste, da sie sich naht- und mühelos in die Sprachsystematik des Deutschen einordnet. In meinen Augen weniger schön aber ebenfalls recht häufig ist die blässliche, jegliches Risiko scheuende Pluralvariante ohne Endung: die Mercedes.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wie konjugiert man englische Verben im Deutschen?

Heute geht es um eine Frage, die hin und wieder im Zusammenhang mit aus dem Englischen übernommenen Verben gestellt wird: Wie schreibt man die konjugierten Formen solcher Verben? Es geht also NICHT um die Frage, inwieweit solche Verben aus stilistischen Gründen vermieden und durch deutsche Verben ersetzt werden sollten. Diese Diskussion ist absolut sinnvoll, aber darum geht es mir heute nicht.

Aus dem Englischen übernommene Verben werden wie deutsche Verben konjugiert: Man nehme die Grundform (den Infinitiv) des Verbs, schneide -en ab und hänge die regelmäßigen deutschen Verbendungen an. Welche Endungen das sind, sehen Sie in der Grammatik oder bei jedem beliebigen regelmäßigen Verb in der Wortformentabelle im Wörterbuch. Und jetzt kommt etwas Wichtiges: Mit englischen Rechtschreibkonventionen muss und darf man sich dabei nicht abgeben.

Mit diesen Angaben lassen sich Verben wie die folgenden problemlos durchkonjugieren:

surfen, du surfst, surfte, hat gesurft
bluffen, du bluffst, bluffte, hat geblufft
checken, du checkst, checkte, hat gecheckt
designen, du designst, designte, hat designt (nicht *designed!)

Bei auf -d und -t endenden Verbstämmen geht es auch gut (e-Erweiterung):

fighten, fightest, fightete, hat gefightet
fitten, fittest, fittete, hat gefittet
daten, datest, datetet, hat gedatet

Auch -s und -x sind problemlos (s-Verschmelzung)

dissen, du disst, disste, hat gedisst
leasen, du least, leaste, hat geleast
relaxen, du relaxt, relaxte, hat relaxt

Auch wenn der Stammauslaut wie ein sch ausgesprochen wird, gibt es keine Probleme:

switchen, du switchst, switchte, hat geswitcht
crashen, du crashst, crashte, ist gecrasht

Ebenfalls problemlos sind:

sprayen, du sprayst, sprayte, hat gesprayt
reviewen, du reviewst, reviewte, hat reviewt.

Bei den obenstehenden Fällen wird einigen die Form des Perfektpartizips seltsam vorkommen, aber englische Verben bilden es nur im Englischen mit -ed. Wenn man sie ins Deutsche importiert, muss ihr Partizip mit einem -t gebildet werden. Das geschieht leider sehr oft nicht. Am unschönsten finde ich Mischformen mit deutschem ge- und englischem -ed: *gedated, *gedissed, *gecrashed.

Noch schwieriger für das die englische Rechtschreibung gewohnte Auge sind die folgenden Fälle. Aber auch sie müssen nach der deutschen Rechtschreibung so geschrieben werden:

Doppelkonsonant auch wenn kein e folgt:

bloggen, du bloggst, bloggte, hat gebloggt
joggen, du joggst, joggte, hat gejoggt.
shoppen, du shoppst, shoppte, hat geshoppt

Ein -e fällt weg, auch wenn es im Englischen für die Aussprache wichtig ist (und auch hier gilt: Perfektpartizip -t, nicht -ed):

stylen, du stylst, stylte, hat gestylt (weder *gestyled noch *gestylet)
saven, du savst, savte, hat gesavt (weder *gesaved noch *gesavet)
biken, du bikst, bikte, hat gebikt
dopen, du dopst, dopte, hat gedopt

Ebenso:

managen, managst, managte, hat gemanagt
loungen, loungst, loungte, hat geloungt

Und trotz empörtem Aufschnauben manches Anglophilen:

piercen, du pierct, piercte, hat gepierct
outsource, du outsourct oder sourct out, outsourcte oder sourcte out, hat outgesourct

Gerade die letzten Formen zeigen, dass es oft besser und sogar einfacher wäre, Importverben durch im Deutschen etabliertere Verben zu ersetzen. Aber – wie eingangs gesagt – diese Diskussion möchte ich hier nicht führen. Der heutige Beitrag ist ohnehin schon viel zu lang.

Du und er seid oder sind?

Frage

Was ist richtig?

Peter und du sind doof! oder
Peter und du seid doof!

Antwort

Sehr geehrter Herr J.,

die Bedeutung des Satzes ist wohl in beiden Varianten eindeutig: Ein gewisser Peter und die angesprochene Person stehen zum Sprechzeitpunkt auf einer eher niedrigen Sprosse der Sympathieleiter des oder der Sprechenden. Soweit zum Inhalt. Nun zur Form. Die entsprechende Regel lautet:

Sind eine 2. Person (du) und eine 3. Person (Peter) mit und verbunden, richtet sich das Verb nach der 2. Person Plural. Die beiden Subjekte können durch ihr zusammengefasst werden.

Richtig ist demnach:

Peter und du seid doof.

Für mehr Informationen hierzu siehe diese Grammatikseite.

Ihre Frage zeigt aber, dass der Satz irgendwie nicht so richtig gut läuft. Auch ich musste bei der Wahl der Verbform zuerst überlegen. Es ist deshalb zwar nicht notwendig, aber auch nicht übertrieben, hier ein ihr einzufügen.

Peter und du, ihr seid doof.

Der Satz lässt sich dadurch besser, das heißt ohne Zweifel über die Verbform aussprechen und interpetieren. Und in diesem Fall kann man vor dem ihr auch noch eine kleine „Kunstpause“ einfügen. Dadurch wird die Gesamtaussage noch prägnanter:

Peter und Du – ihr seid doof!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp