Wie Cary Grant in einem Wort: Cary-Grant-haft

Frage

Wie schreibe ich Namen in Verbindung mit dem Suffix -haft? Zum Beispiel Cary Grant-haft (so steht es in einem Text). Ich würde alles kleinschreiben, weil es ein Adjektiv ist.

Antwort

Guten Tag Frau W.,

es geht hier um eine Zusammensetzung von einem mehrteiligen Eigennamen und einem Adjektiv, die als Ganzes ein Adjektiv ist. In Zusammensetzungen mit einer Wortgruppe muss zwischen allen Teilen ein Bindestrich stehen (§ 44 der Rechtschreibregelung). Großgeschrieben Wörter bleiben groß, auch wenn die Zusammensetzung ein Adjektiv ist (vgl. § 55(2)):

Ruhe-vor-dem-Sturm-artig
Fata-Morgana-ähnlich
Social-Media-süchtig

Das gilt auch für Adjektivzusammensetzungen mit mehrteiligen Eigennamen an erster Stelle. Siehe die folgenden Beispiel aus § 50 der Rechtschreibregelung:

am Lago-di-Como-seitigen Abhang
Fidel-Castro-freundlich

Ebenso zum Beispiel:

ein Vincent-van-Gogh-artiger Stil
die Marilyn-Monroe-ähnliche junge Frau
sein Cary-Grant-haft verlebtes Gesicht

Am besten schreiben Sie also Cary-Grant-haft.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Man könnte streng genommen auch für cary-granthaft plädieren. Siehe Kommentar unten.

PS: Für Fälle wie die „Piraten der Karibik“-Filme und der „Staatliche Schulen testen Einheitskleidung“-Artikel siehe diesen Blogartikel.

LEOs Sprachblog zeigt es:
Vorangestellte Firmen- und Markennamen im Genitiv

Frage

Könnten Sie mir bitte sagen, ob es korrekt ist, Firmennamen als vorangestellte Genitivattribute zu verwenden und z.B. zu sagen: Googles KI-Suchmaschine (statt die KI-Suchmaschine von Google)? Mir widerstrebt das irgendwie …

Antwort

Guten Tag Frau F.,

manche Marketingbüros und Werbeabteilungen sind vielleicht nicht damit einverstanden, aber man kann Firmen-, Marken- und Produktnamen problemlos mit einer Genitivendung verwenden. Das ist korrekt und kommt auch recht häufig vor. Zum Beispiel:

Audis neustes Modell
BMWs Aufsichtsrat
Lidl ist Aldis größter Konkurrent
Coca-Colas Werbebudget
Apples Jahresgewinn
Googles KI-Suchmaschine

Siehe auch diesen schon etwas älteren Blogartikel. Er zeigt, dass diese Frage immer wieder auftaucht.

Wenn Ihnen der Genitiv dennoch nicht so richtig gefallen will, können Sie auch auf andere Formulierungen ausweichen. Zum Beispiel:

der Jahresgewinn von Apple / des Apple-Konzerns
das neueste Audi-Modell
das Werbebudget der Coca-Cola Company
die KI-Suchmaschine von Google

Bei Formulierungen mit von rümpfen echte Genitivfans vielleicht die Nase, aber sie sind gerade bei Namen auch standardsprachlich nicht unüblich.

Nicht in Frage kommt hier übrigens der Apostroph:

nicht: Audi’s neuestes Modell
nicht: BMW’s Aufsichtsrat
nicht: Google’s KI-Suchmaschine
nicht: LEO’s Sprachblog

Die Verwendung des Apostrophs ist in diesen Fällen nach der Rechtschreibregelung nicht richtig und führt auch bei Dr. Bopp von LEOs Fragendienst zu Nasenrümpfen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Punkt oder oder nur Komma zwischen „zwar“ und „jedoch“?

Frage

Was halten Sie von folgendem Satz: „Wenn Sie das Limit erreichen, bleiben Ihre Alben zwar bestehen. Sie erhalten jedoch eine Fehlermeldung beim Versuch, neue Fotos hinzuzufügen“?

Es geht um „zwar“ und „jedoch“. Ist es sprachlich falsch oder vielleicht nur stilistisch unschön oder stellt es sogar in manchen Fällen eine gute stilistische Option dar, solche nebenordnenden paarigen Konjunktionen – hier „zwar“ und „jedoch“ – auf zwei Sätze zu verteilen und diese Sätze wie oben durch einen Punkt zu trennen? Wenn das eine oder das andere, warum?

Die Frage interessiert mich auch in Bezug auf solche Konjunktionen allgemein – also auch, ob es in Ordnung ist, zum Beispiel „nicht nur … sondern“ in dieser Weise „auseinanderzureißen“ („Das ist nicht nur unnötig. Sondern es ärgert manche Leute regelrecht“) oder „weder … noch“ usw. Zu lesen ist so etwas ja öfter.

Antwort

Guten Tag Herr K.,

es ist nicht üblich und in der Regel stilistisch auch nicht empfehlenswert, mehrteilige Konjunktoren wie nicht nur – sondern auch, weder – noch, entweder – oder, sowohl – als/wie auch auf zwei durch einen Punkt getrennte Sätze zu verteilen. Also besser wie folgt:

Das ist nicht nur unnötig, sondern es ärgert manche Leute regelrecht.
Es ist weder üblich noch ist es stilistisch empfehlenswert.
Entweder erscheint eine Fehlermeldung oder das Programm stürzt einfach ab.

Ich kenne keine Regel, die exakt diesen Fall beschreibt. Als Grund könnte man anführen, dass zwei Teilsätze durch mehrteilige Konjunktionen so eng miteinander verbunden (nebengeordnet) werden, dass man sie nicht durch einen Punkt voneinander trennt oder trennen sollte.

Das gilt weniger stark auch für Verbindungen mit zwar – aber/jedoch. Deshalb besser:

Wenn Sie das Limit erreichen, bleiben Ihre Alben zwar bestehen, Sie erhalten jedoch/aber eine Fehlermeldung beim Versuch, neue Fotos hinzuzufügen.
Wenn Sie das Limit erreichen, bleiben Ihre Alben zwar bestehen, aber Sie erhalten beim Versuch, neue Fotos hinzuzufügen, eine Fehlermeldung.
Dein Vorschlag ist zwar gut, nur kommt er viel zu spät.
Zwar weiß ich viel, doch möcht’ ich alles wissen [Goethe, Faust, V. 601]

Insbesondere bei längeren oder komplexeren Sätzen mit zwar wird gelegentlich auch der Punkt gewählt. Hier ein Beispiel aus der Duden-Grammatik:

Aufgrund der Tatsache, dass in (70 c) ein Objektsatz das Nachfeld besetzt, erscheint das finite Verb „hat“ zwar nicht ganz am Ende des gesamten Satzes. Wenn man aber einen Verbletztsatz nicht mittels der oberflächlichen Abfolgeverhältnisse, sondern aufgrund der Position des finiten Verbs in der rechten Satzklammer definiert, gelangt man auch hier zum richtigen Ergebnis. [Duden, Die Grammatik, 10. Auflage, 2022, S. 47]

Es ist also nicht grundsätzlich falsch, einen Punkt zu verwenden:

Wenn Sie das Limit erreichen, bleiben Ihre Alben zwar bestehen. Sie erhalten jedoch eine Fehlermeldung beim Versuch, neue Fotos hinzuzufügen.

Ich würde hier das Komma wählen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wies’n/Wiesn, g’suffa/gsuffa: Bairisch kommt oft auch ohne Apostrophe aus

Frage

Der Apostroph steht ja immer dann, wenn etwas ausgelassen wird. In der Mundart wird er gern weggelassen, etwa bei „Wiesn“ oder „gsuffa“. Aber wie ist das bei Franz Beckenbauers Spruch „Geht(s) raus und spielt(s) Fußball“? Hier wird meiner Meinung nach nichts weggelassen, weswegen ich finde, dass die Apostrophe dort nicht hingehören. Was meinen Sie?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

wenn bairisch geschrieben wird, kann auf diese Apostrophe verzichtet werden. Die Endung en und die Vorsilbe ge gibt es im Bairischen (fast) nicht, so dass, wie Sie richtig bemerken, eigentlich gar nichts weggelassen wird:

Wiesn
Wörta san de Quelln vo olln Missvaständnissn
de feschn Buam
lesn und schreim (lesen und schreiben)
glesn und gschriem (gelesen und geschrieben)
oans, zwoa, gsuffa

Auch bei den Verbformen der zweiten Person Plural braucht es keinen Apostroph. Sie haben im Bairischen in der Regel eine längere Endung als im Standarddeutschen, nämlich ts statt nur t:

ia gehts
ia habts
machts weida so!
gehts raus uns spielts Fußball!

Wenn man bairische Wörter und Ausdrücke in standarddeutschen Texten verwendet, kann es aber manchmal nützlich sein, der besseren Lesbarkeit zuliebe doch Apostrophe zu verwenden. Die Schreibweise der Mundarten und Dialekte ist ja nicht standardisiert.

Und außerdem gibt es nicht nur ein Bairisch, sondern viele verschiedene bairische Mundarten. Es wird also auch abgesehen vom Apostroph häufig anders geschrieben und gesprochen, als es hier oben steht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Groß und klein: auf Rot springen und auf leise drehen

Frage

Die in allen möglichen einschlägigen Ratgebern (so auch hier am 14.10.2014) zu findende allgemeine Auffassung zur Groß- und Kleinschreibung von Farbwörtern beinhaltet, dass in folgenden Fällen die Farbwörter substantiviert und damit großzuschreiben sind:

Die Ampel springt auf Rot.
Nach dem Schlüpfen wechselt der Marienkäfer seine Farbe von Gelb auf Rot.
Die Ampel wechselt von Grün zu/auf Rot.

Da die Farbwörter in diesen Beispielen jeweils auf Präpositionen folgen, werden sie als Substantivierungen angesehen. Ich sehe es im Grunde genauso – dennoch lese ich immer wieder Sätze wie:

Die Ampel wechselt von rot auf grün.
Die LED wechselt von orange auf grün.

Wenn ich nun länger darüber nachdenke, tue ich mich schwer damit, einen Unterschied zu analogen Sätzen zu finden wie:

Der Ton wechselt von leise auf laut.
Der Abstand [z. B. von sich wiederholenden Ereignissen] ändert sich von lang zu kurz.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier Substantivierungen vorliegen („das Laut“, „das Kurz“?) und stelle mir also die Frage, ob […] in den genannten Beispielen mit Farbwörtern diese dann nicht auch als Adjektive aufgefasst und dementsprechend kleingeschrieben werden können.

Antwort

Guten Tag Herr L.,

es liegt hier nicht nur an der Präposition, dass großeschrieben wird. Ungebeugte Adjektive werden nach einer Präposition dann großgeschrieben, wenn sie auch sonst als Substantive üblich sind:

für Jung und Alt (vgl. Jung und Alt sind eingeladen)
etwas auf Deutsch sagen (vgl. Deutsch ist eine Sprache, die Sprache Deutsch)
die Ampel springt auf Rot (vgl. Rot ist eine Farbe, die Farbe Rot)

die Ampel wechselt von Grün auf Rot
die LED wechselt von Orange auf Grün

Das ergibt sich aus § 58 E2 der Rechtschreibregelung, siehe hier.

Sonst wird in der Regel kleingeschrieben:

den Ton auf leise drehen
der Abstand ändert sich von lang zu kurz

Ganz so eindeutig ist es aber nicht immer – mehr dazu hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Auch ein angeführtes Einzelwort hat ein Anrecht auf seinen Schlusspunkt

Frage

Ich habe […] schon öfter Formulierungen wie diese gelesen:

„Gut.“ Er wirkte beleidigt. „Du wirst sehen, was du davon hast.“
„Niemals.“ Sie verschränkte die Arme, um ihre Ablehnung zu unterstreichen.

Ich bin unsicher, wie ich den Punkt hinter einem einzelnen Wort handhaben soll. Gehört der da hin oder nicht? Streng genommen ist ein einzelnes Wort ja kein Satz, aber ohne Punkt sieht es für mich jedenfalls „falsch“ aus. Leider finde ich im Netz keine klare Regelung zu einem Satzzeichen an dieser Stelle.

Antwort

Guten Tag Frau H.,

auch ein einzelnes Wort kann die Funktion eines Satzes haben. Es ist dann ein sogenanntes Satzäquivalent. In § 61 der Rechtschreibregelung steht:

Der Punkt kennzeichnet in fortlaufenden Texten den vollständigen Abschluss eines selbstständigen Satzes oder Satzäquivalents.
[…]
Selbstständige Satzäquivalente
Die Maurer also nicht. Auch der Gärtner nicht. Schade. Ja. Finde ich auch. Na dann. Morgen vielleicht.

Das gilt auch in Fällen wie diesen:

Ich habe sie auch eingeladen. Gut? – Ja, gut.
Gut. Du wirst schon sehen, was du davon hast.
Bist du einverstanden? – Niemals!

Das Satzschlusszeichen bleibt auch dann erhalten, wenn das Satzäquivalent als Zitat in Anführungszeichen steht:

„Gut.“ Er wirkte beleidigt. „Du wirst schon sehen, was du davon hast.“
„Niemals.“ Sie verschränkte ihre Arme …
„Niemals!“ Sie verschränkte ihre Arme …

Ohne Punkt sehen Ihre Beispiele für Sie deshalb falsch aus, weil sie es ohne Punkt auch wären. Mit Punkt wirken sie wegen der vielen Satzzeichen auf engem Raum vielleicht ein bisschen ungewohnt, aber auch ein Einzelwort hat als Satzäquivalent ein Anrecht auf sein Satzschlusszeichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Teilsätze und Kommas

Frage

Ich habe eine Frage zur Kommasetzung in diesem Satz:

Man wählt das Element, das man bearbeiten möchte[,] an[,] und sucht die gewünschte Farbe aus.

Mir ist bewusst, dass das kein guter Satz ist; es geht lediglich um die Vorgehensweise vor und nach dem Wörtchen „an“. Ich wäre geneigt, alle Kommas zu setzen. Chat-GPT hat sich massiv gegen das Komma nach „möchte“ gesträubt. Nun ist mir klar, dass das keine seriöse Quelle ist. Aber ich habe leider nirgendwo anders eine Erläuterung gefunden. Daher würde ich mich sehr freuen, wenn Sie Licht ins Dunkel bringen könnten.

Antwort

Guten Tag Frau M.,

das Komma nach möchte muss stehen, das Komma vor und sollte weggelassen werden.

Hier muss der Relativsatz das man bearbeiten möchte vorn und hinten durch ein Komma abgetrennt werden. Es steht also auch ein Komma nach möchte:

Man wählt das Objekt, das man bearbeiten möchte, an.

Das Komma nach an darf nicht gesetzt werden. Das und verbindet zwei nebengeordnete Teilsätze miteinander. Dann steht kein Komma vor und*:

Man wählt das Objekt an und sucht die gewünschte Farbe aus.

Wenn wir nun den Relativsatz wieder hinzufügen, sieht das Ganze so aus:

Man wählt das Objekt, das man bearbeiten möchte, an und sucht die gewünschte Farbe aus.

Sie haben recht, dass dieser Satz kein stilistisches Meisterwerk ist. Deutlicher wird der Satz zum Beispiel dann, wenn man den Relativsatz an den Schluss des ersten Satzes stellt:

Man wählt das Objekt an, das man bearbeiten möchte, und sucht die gewünschte Farbe aus.

Es steht dann ein Komma vor und, aber das schließt hier den Relativsatz ab.

Auch in Fragen der Rechtschreibung und der Grammatik ist KI nicht immer zuverlässig. Die Begründungen klingen immer gut, nach meiner Erfahrung sind sie aber des Öfteren unzulänglich oder sogar falsch.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Ein Komma kann optional dann stehen, wenn der zweite Satz ausformuliert ist, das heißt, wenn er auch allein stehen kann (vgl. §71(3) der Rechtschreibregelung):

Man wählt das Objekt, das man bearbeiten möchte, an[,] und man sucht die gewünschte Farbe aus.

Bindestriche in Zusammensetzungen mit Anführungszeichen oder Kursivierung: der „Jugend und Bewegung“-Unterricht

Frage

Bei meiner Frage handelt es sich um die Nutzung von Bindestrichen bei hervorgehobenen Wortgruppen. Laut Duden ist eine komplette Durchkoppelung mit Bindestrichen ja nicht nötig, wenn Teile des Begriffs in Anführungszeichen stehen, z. B. die »25 Jahre CCI«-Feier.

Wenn nun in einem Text ein fester Begriff durch Kursivierung hervorgehoben ist (z. B. das Unterrichtsfach Sport und Bewegung), würde diese Regelung auch mit kursiv geschriebenen Begriffen gehen (der Sport und Bewegung-Unterricht) oder müsste hier komplett mit Bindestrichen geschrieben werden (der Sport-und-Bewegung-Unterricht)?

Antwort

Guten Tag Frau B.,

wenn man die Angaben in der Dudenregel D26 wörtlich nimmt, kann die Durchkoppelung nur bei Anführungszeichen unterlassen werden. Von anderen Kennzeichnungen wie der Kursivierung wird nichts gesagt.

Die Dudenangabe stützt sich auf § 79(2) der Rechtschreibregelung. Dort steht dazu:

[…] Erwähnte Ausdrücke sind formal autonom und in sich abgeschlossen. In Fällen wie die dritte „Game of Thrones“-Staffel oder der „Staatliche Schulen testen Einheitskleidung“-Artikel werden die Bestandteile des angeführten Ausdrucks deshalb nicht mit dem Bindestrich durchgekoppelt.

§ 79 behandelt die Anführungszeichen und auch die Beispiele sind mit Anführungszeichen. Das würde heißen, dass die Nichtdurchkoppelung nur bei der Verwendung von Anführungszeichen gilt.

Ebenfalls in § 79(2) steht weiter unten allerdings auch:

Um Werktitel zu markieren, sind auch andere Auszeichnungen möglich (z. B. Kursivierung oder Fettung).

Ob das Nichtdurchkoppeln auch hier gilt, wird nicht erwähnt. Im Rechtschreibduden wird bei den Anführungszeichen (D6 u. D7) erwähnt, dass Zitate und Werktitel auch durch Kursivierung gekennzeichnet werden können. Bei der Duchkoppelung steht aber nichts darüber.

[Nachtrag 10. April 2026: Die unten genannte Interpretationsfreiheit ist geringer, als ich beim Schreiben des Artikels annahm. Ich hatte § 81 (2) zum Divis übersehen. Dort steht ausdrücklich:

Bei Wortgruppen, die in Anführungszeichen stehen, wird der Durchkoppelungsbindestrich nicht gesetzt: „Die Piraten der Karibik“-Filme

Wenn man auch bei kursivierten Wortgruppen auf die Durchkoppelung verzichtet, ist das also eine sehr freie Interpretation der Regeln.]

Man hat hier also eine gewisse Interpretationsfreiheit. Ich würde sagen, dass man – wenn konsequent durch Kursivierung statt mit Anführungszeichen gekennzeichnet wird – auch dann nicht durchkoppelt:

die dritte „Game of Thrones“-Staffel
die dritte Game of Thrones-Staffel

der „Staatliche Schulen testen Einheitskleidung“-Artikel
der Staatliche Schulen testen Einheitskleidung-Artikel

der „Jugend und Bewegung“-Unterricht
der Jugend und Bewegung-Unterricht

Ich finde solche Wortbildungen allerdings stilistisch ziemlich unschön. Viel besser sind meiner Meinung nach häufig Formulierungen wie diese:

die dritte Staffel von „Game of Thrones“
die dritte Staffel von Game of Thrones

der Artikel „Staatliche Schulen testen Einheitskleidung“
der Artikel Staatliche Schulen testen Einheitskleidung

der Unterricht „Jugend und Bewegung“
der Unterricht im Fach „Jugend und Bewegung“
der Unterricht Jugend und Bewegung
der Unterricht im Fach Jugend und Bewegung

So vermeidet man nicht nur die Frage nach der Durchkoppelung, sondern auch eher unschöne Wortungetüme.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Ohne Kennzeichnung sollte durchgekoppelt werden:

die dritte Game-of-Thrones-Staffel
der Sport-und-Bewegung-Unterricht

Von irgendwo nach nirgendwo und von Irgendwo nach Nirgendwo

Frage

Es geht „von nirgendwo nach nirgendwo“. Ist das eine Substantivierung, also „von Irgendwo nach Nirgendwo“? Es handelt sich um eine Geschichte:

„Ich suche das Land Nirgendwo“, sagte der Junge.

Hier schreibt man „Nirgendwo“ groß, das ist klar. Aber eine andere, gebildete Person erwidert in der Geschichte:

„Ich will auch dorthin. Ich komme von Irgendwo und möchte nach Nirgendwo. Und woher kommst du?“
„Auch von Irgendwo.“

Dann geht der Text so weiter:

So gingen die beiden weiter – von Irgendwo nach Nirgendwo.

Es ist kein Phantasieroman oder Märchen, sondern spielt in einer realen Zeit. Der Junge glaubt an das Land Nirgendwo, die andere Person weiß, dass es diesen Ort nicht gibt. Schreibe ich hier groß oder klein?

Antwort

Guten Tag Frau G.,

im Prinzip schreibt man diese Adverbien klein:

von irgendwo nach nirgendwo
Sie gingen von irgendwo nach nirgendwo.

Wenn man allerdings einen fiktiven Ort meint, der den Namen Nirgendwo oder Irgendwo trägt, schreibt man groß*:

der Ort Irgendwo im Land Nirgendwo

Ihr Rechtschreibproblem entsteht dadurch, dass in diesem Fall mit zwei Bedeutungen gespielt wird: einerseits das Land Nirgendwo und vielleicht auch der Ort Irgendwo, andererseits gleichzeitig die unbestimmten Ortsadverbien nirgendwo und irgendwo.

Wenn es das Land Nirgendwo nicht gibt, liegt es nirgendwo. Der Ort Irgendwo liegt irgendwo. Im Text, um den es Ihnen geht, wird offenbar mit dieser Zweideutigkeit gespielt. Entsprechend wären beide Schreibweisen gleichzeitig die beste Lösung. Während man die Zweideutigkeit in der gesprochenen Sprache bestehen lassen kann, ist dies in der geschriebenen Sprache aber nicht möglich. Eine Lösung könnte sein, den Jungen Ortsnamen und die andere Person Adverbien verwenden zu lassen:

„Ich möchte in das Land Nirgendwo.“
„Ich will auch dorthin. Ich komme von irgendwo und möchte nach nirgendwo. Und woher kommst Du?“
„Auch von Irgendwo.“ (o. ggf. „Auch von irgendwo.“)

So gingen die beiden weiter – von irgendwo nach Nirgendwo.

Damit könnten Sie versuchen, die Einstellung und das Wissen der jeweils sprechenden Person zum Ausdruck zu bringen. Das ist aber nicht die einzig mögliche Lösung. Es gibt keine Regel, die hier eine eindeutige Entscheidung erlaubt. Es liegt an Ihnen, wie Sie mit dieser Zweideutigkeit schriftlich umgehen oder eben damit spielen möchten. Die „optimale“ Lösung gibt es meiner Meinung nach nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Ebenfalls großgeschrieben nach Artikelwörtern u. Ä.:

aus dem Irgendwo ins Nirgendwo

Groß oder klein? Wenn der oberste Gerichtshof Oberster Gerichtshof heißt

Frage

In den Medien lese ich „oberstes Gericht“, „Oberster Gerichtshof“ der USA (Supreme Court) mal mit kleinem o, mal mit großen O. Die amerikanische Demokratische Partei würde ich selbstverständlich mit großem D schreiben, denn das ist ja die direkte Übersetzung, aber „oberst“ ist nicht die exakte Übersetzung von „Supreme“, weswegen ich dazu tendieren würde, den Supreme Court mit „oberster Gerichtshof“ zu übersetzen. Was meinen Sie?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

ob man oberster Gerichtshof oder Oberster Gerichtshof schreibt, hängt davon ab, ob man über eine gewisse Art Institution schreibt (den obersten Gerichtshof) oder ob man den Namen einer bestimmten Institution meint (den Obersten Gerichtshof).

Der Supreme Court der USA in Washington heißt in deutscher Übersetzung Oberster Gerichtshof der USA (man kann supreme hier „einfach“ mit oberste übersetzen). Es ist der Name des obersten, das heißt des höchsten, in letzter Instanz urteilenden Gerichtes der Vereinigten Staaten. Sich in Wortspielen verlierend könnte man sagen, dass der Oberste Gerichtshof der oberste Gerichtshof oder das oberste Gericht des Landes ist.

Es ist auch nicht der einzige oberste Gerichtshof. So gibt es auf der Ebene der einzelnen Bundesstaaten zum Beispiel den Obersten Gerichtshof von Kalifornien (Supreme Court of California), den Obersten Gerichtshof von Texas (Supreme Court of Texas) und in vielen anderen US-Bundesstaaten oberste Gerichte (state supreme courts), die den Namen Oberster Gerichtshof tragen. Wie Sie richtig erwähnen, heißt das höchste oder oberste Gericht Österreichs ebenfalls Oberster Gerichtshof (OGH). Name und Funktion sind hier jeweils bis auf den Anfangsbuchstaben des Adjektivs identisch.

Vor ein paar Tagen hat also der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten (Supreme Court of the United States) als oberstes Gericht dieses Landes die Zollentscheidungen des Präsidenten „gekippt“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp