Archiv für Rechtschreibung

Verbinden und trennen zugleich: wenn der Bindestrich auch Trennstrich ist

Selbst in der Rechtschreibwelt ist es keine weltbewegende Frage, weil man es erstaunlicherweise meist kaum oder gar nicht bemerkt. Frau A. hat sich die Frage dennoch gestellt:

Frage

Ich habe Frage zur Trennung einer Zusammensetzung mit Bindestrich, in der der zweite Teil kleingeschrieben wird wie zum Beispiel in „deutsch-polnische Grenze“. Wenn „deutsch“ am Zeilenende steht und als letztes Zeichen in der Zeile der Bindestrich erscheint, riskiert man dann nicht, dass er wie ein Trennstrich betrachtet wird und das Ganze als „deutschpolnische“ ohne Bindestrich verstanden werden kann?

Antwort

Guten Tag Frau A.,

das Risiko besteht tatsächlich, aber das ist nicht weiter schlimm. Wenn ein Wort wie „deutsch-polnische“ am Zeilenende getrennt wird, gibt es keine Möglichkeit, anzugeben, dass es nicht als „deutschpolnische“ gelesen werden sollte. Man trennt

süßsauer
mathematisch-technisch

am Zeilenende in gleicher Weise, nämlich:

… gebackenes Scheinefleisch mit einer süß-
sauren Sauce …
… Schüler und Schülerinnen des mathematisch-
technischen Gymnasiums …

Bei „süßsauer“ wird ein Trennstrich eingefügt, bei „mathematisch-technisch“ erfüllt der Bindestrich am Zeilenende auch die Funktion des Trennstriches. Dieser Unterschied ist den Strichen nicht anzusehen.

In der Regel führt dies nicht zu Unklarheiten. In Ihrem Beispiel gibt es keine Möglichkeit „deutschpolnische“ zu schreiben, so dass „deutsch-polnische“ gemeint sein muss. Auch in einem Fall wie „deutsch-schweizerisch“ („zwischen Deutschland und der Schweiz“; z. B. „die deutsch-schweizerische Grenze“) und „deutschschweizerisch“ („die deutschsprachige Schweiz betreffend“; z. B. „die deutschschweizerischen Schulen“) verdeutlicht normalerweise der Kontext, was genau gemeint ist.

So gegensätzlich „(ver)binden“ und „trennen“ auch sind, am Zeilenende wird der Bindestrich zugleich ein Trennstrich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (3)

Der Unterschied zwischen Staub saugen und Staub wischen – grammatisch gesehen

Frage

Es geht um den Begriff „staubsaugen“ bzw. „Staub saugen“. Wenn es um die Entfernung von Staub durch Muskelkraft und Putztuch geht, ist, wenn ich nicht irre, nur die getrennt geschriebene Variante zulässig: „Staub wischen“. Gibt es für diesen Unterschied eine Erklärung?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

es gibt tatsächlich einen orthografischen Unterschied zwischen „Staub saugen/staubsaugen“ und „Staub wischen“. Dem orthografischen Unterschied liegt allerdings auch ein grammatischer zu Grunde.

Bei den folgenden Beispielen schreibt man beide Wendungen gleich, das heißt getrennt:

Ich muss noch Staub saugen / Staub wischen
Ich habe im ganzen Haus Staub gesaugt / Staub gewischt
Vergiss nicht, in deinem Zimmer Staub zu saugen / Staub zu wischen

Man kann hier (fast) noch von einer transitiven Verwendung der Verben „saugen“ und „wischen“ sprechen, wobei „Staub“ jeweils das vom Verb abhängige Akkusativobjekt ist. Ich schreibe „(fast) noch“, weil „Staub“ hier noch als selbstständiges Substantiv erfahren wird, aber schon einen Teil seiner Selbstständigkeit eingebüßt hat. So klingt hier die bei Akkusativobjekten übliche Frage „wen oder was?“ recht sonderbar:

Wen oder was wischst du – Staub (?)
Wen oder was saugst du – Staub (?)

Wie bei zum Beispiel „Auto fahren“, „Angst machen“ oder „Karten spielen“ kann man diese Verbindungen besser nicht als Verbindungen von Verb und Akkusativobjekt interpretieren, sondern eher als komplexe Prädikate. Verb und Substantiv bilden zusammen das Prädikat des Satzes. Die Frage ist dann weniger „Wen oder was saugst/wischst du?“ als „Was tust du?“ (eine weitergehende grammatische Analyse dieser Spezialfälle muss ich an dieser Stelle schuldig bleiben).

Hiermit ist nur erläutert, dass „Staub wischen“ und „Staub saugen“ mit „Auto fahren“ und „Karten spielen“ vergleichbar sind. Bei „Staub saugen“ gibt es aber noch mehr zu sagen. Diese Wendung kann nämlich als Ganzes mit einem Akkusativobjekt stehen. Dann wird die ganze Wendung zu einer untrennbaren Verbverbindung, die zusammengeschrieben wird:

die Teppiche staubsaugen
Ich habe das ganze Haus gestaubsaugt
Vergiss nicht, dein Zimmer zu staubsaugen.

Die zusammengeschriebene Form kann auch verwendet werden, wenn das Akkusativobjekt nicht genannt wird (man achte auf die Form des Partizips resp. des Infinitivs mit „zu“):

Ich muss noch staubsaugen / Staub saugen
Ich habe im ganzen Haus gestaubsaugt / Staub gesaugt
Vergiss nicht zu staubsaugen / Staub zu saugen

Im Gegensatz dazu kann „Staub wischen“ nicht als Ganzes mit einem Akkusativobjekt stehen (nicht: „*das ganze Haus staubwischen“). Deshalb ist die Zusammenschreibung nicht vorgesehen.

Der Unterschied zwischen den beiden Verbausdrücken liegt also nicht darin, dass die eine Tätigkeit mit einem elektrischen Haushaltsgerät und die andere mit Muskelkraft und Putztuch ausgeführt wird. Der Unterschied ist grammatischer Natur und liegt in den verschiedenen Möglichkeiten, sie im Satz mit anderen Satzgliedern (einem Akkusativobjekt) zu verbinden. Doch ganz gleich, ob gestaubsaugt, Staub gesaugt oder Staub gewischt werden muss, zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört keine dieser Tätigkeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)

Ist alles total Banane oder total banane?

Frage

Kürzlich hat mich jemand darauf hingewiesen, dass […] „total Banane sein“ falsch geschrieben sei: „Banane“ werde  hier adjektivisch genutzt und sei daher kleinzuschreiben. Das ist durchaus nachvollziehbar. Er begründete dies mit „wurst / wurscht sein“, was ebenfalls kleinzuschreiben wäre. Auf duden.de sehe ich das bestätigt. Die adjektivisch genutzte „Banane“ fehlt hier allerdings.
[…]
Lange Einleitung, kurze Frage: Schreibt man „Banane/banane sein“ und „Wurst/wurst sein“ groß oder klein?

Antwort

Guten Tag Herr U.,

das Wort „Wurst“ wird im Sinne von „egal“ kleingeschrieben. Die Kleinschreibung „wurst/wurscht sein“ ergibt sich aus der zur amtlichen Rechtschreibregelung gehörenden Wörterliste. Dort steht:

wurst, wurscht [sein § 56(1)]

Obwohl hier einige Nachschlagwerke auch heute noch die Schreibung mit großen W angeben, wird also nach der amtlichen Wörterliste kleingeschrieben:

Es war ihm wurst, was wir davon hielten.
Das war und ist mir wurscht!

Nun zu „Banane/banane sein“ („dumm, verrückt, unsinnig, schlecht sein“ vgl. hier). In diesem Fall kann man darüber diskutieren, ob „Banane“ in der besagte Redewendung bereits „keine substantivischen Merkmale“ mehr aufweist, das heißt, ob „Banane“ in § 56.1 mitgemeint ist oder nicht. Ich würde die Kleinschreibung empfehlen, auch wenn sie sehr gewöhungsbedürftig aussieht:

total banane sein
Das ist total banane.
Das sieht banane aus.

Das gilt auch für zum Beispiel „klasse“, „scheiße“, „spitze“ und eben „wurst/wurscht“.

Ich würde die Großschreibung bei „Banane sein“ aber nicht rot anstreichen, weil das Wort mit dieser Verwendung noch nicht so bekannt und gebräuchlich ist wie zum Beispiel „klasse“, „spitze“ oder „wurst“ (keine substantivischen Merkmale mehr?). In der Praxis wird auch meistens großgeschrieben: „total Banane sein“. Außerdem ist es eine sehr umgangssprachliche Wendung, dann sind solche Rechtschreibfinessen ohnehin ziemlich nebensächlich. In zum Beispiel einem Schüleraufsatzes wäre aber der ganze Ausdruck anzustreichen, da er – wie gesagt – sehr umgangssprachlich ist. Dort sieht er eher banane aus.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Ein Dreiviertelkilogramm vs. eindreiviertel Kilogramm

Die Schreibung von Bruchzahlen hat ihre Tücken, jedenfalls wenn sie in Worten geschrieben werden sollen. Dass man Bruchzahlen nur selten in Worten schreibt, hilft nicht dabei, sich die Regeln wirklich eigen zu machen. Auch ich muss mich konzentrieren und sollte manchmal einfach ins Wörterbuch schauen, denn auch ich bin hier nicht ganz sattelfest (was Frau M. leider bestätigen kann).

Frage

Ich habe immer Schwierigkeiten, wenn es um Maßangaben geht.

1/2 kg ist ein halbes Kilogramm.
1/4 kg ist ein viertel Kilogramm.

aber

3/4 kg ist ein dreiviertel Kilogramm.
3/4 kg ist ein drei viertel Kilogramm.
3/4 kg ist ein drei Viertel Kilogramm.

Wie es richtig?

Antwort

Guten Tag Frau M.,

Ihre Verwirrung ist verständlich, denn die Schreibung von Bruchzahlen ist nicht ganz einfach. Die Schreibweise „dreiviertel Kilogramm“ ist nach der geltenden Rechtschreibregelung nicht korrekt. Das zusammengeschriebene „dreiviertel“ gibt es seit der Rechtschreibreform nämlich nicht mehr. Richtig sind diese Schreibungen (vgl. hier und hier):

1 kg ist ein Kilogramm.
1/2 kg ist ein halbes Kilogramm.

Komplizierter wird es, wenn man mit Vierteln rechnet:

1/4 kg ist ein viertel Kilogramm
3/4 kg sind drei viertel Kilogramm.

Wenn die Hauptbetonung auf „viertel“ liegt, haben wir es mit Viertelkilogrammen zu tun:

1/4 kg ist ein Viertelkilogramm
3/4 kg sind drei Viertelkilogramm.

Man kann sich sogar in Dreiviertelkilogrammen rechnen:

3/4 kg ist ein Dreiviertelkilogramm

In den Wörterbüchern finden Sie meistens diese Beispiele:

in drei viertel Stunden
in drei Viertelstunden
in einer Dreiviertelstunde

Und wenn es um 1,75 Kilogramm geht, schreibt man:

1,75 kg sind eindreiviertel Kilogramm
(vgl. 1,5 Stunden sind eineinhalb/anderthalb Stunden)

Schreibungen wie „eindreiviertel Kilogramm“ sind unter anderem wegen der großen Verwechslungsgefahr mit „ein Dreiviertelkilogramm“ nicht zu empfehlen:

Wir brauchen ein Dreiviertelkilogramm Mehl (= 0,75 kg)
Wir brauchen eindreiviertel Kilogramm Mehl (= 1,75 kg)

Da der Unterschied ein ganzes Kilo beträgt, ist es meist besser, echte oder Dezimalbrüche zu schreiben oder auf eine andere Formulierung auszuweichen:

3/4 Kilogramm – 0,75 Kilogramm – 750 Gramm – eineinhalb Pfund
1 3/4 Kilogramm – 1,75 Kilogramm – 1 750 Gramm – dreieinhalb Pfund

Und nun weiß ich vor lauter „ein viertel“, „ein Viertel“, „drei viertel“, „drei Viertel“, „Dreiviertel-“ und „eindreiviertel“ bald wieder nicht mehr, was richtig ist!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)

Straßennamen, wenn die amtliche Schreibung nicht mit der amtlichen Schreibung übereinstimmt

Eine Frage, die nicht sehr häufig, aber immer wieder auftaucht, betrifft Straßennamen, deren behördlich festgelegte Schreibung nicht den Regeln der amtlichen Rechtschreibregelung entspricht. Die amtliche Schreibung stimmt sozusagen nicht mit der amtlichen Schreibung überein.

Frage

Ich bin als Stammdatenpflegerin tätig und täglich verunsichert durch die offiziellen Schreibweisen der Straßen […], wie Städte und Gemeinden offiziell ihre Straßen im Internet schreiben, ohne Rücksicht auf die geltende Rechtschreibung […]:

  • Le Pavillon-Straße in Berlin
  • La Famille-Straße in Berlin
  • Dr. Elisabeth-Vomstein-Straße in Schliengen
  • immer noch Schloßstraße anstatt offiziell Schlossstraße

Auch sehe ich „Zum kleinen Feld“, obwohl im Duden steht, dass die Adjektive groß geschrieben werden? Welche Schreibweisen empfehlen Sie mir?

Antwort

Guten Tag Frau A.,

nach der Rechtschreibregelung schreibt man tatsächlich :

Le-Pavillon-Straße
La-Famille-Straße
Dr.-Elisabeth-Vomstein-Straße
Schlossstraße
Zum Kleinen Feld

Man setzt einen Bindestrich zwischen allen Bestandteilen mehrteiliger Zusammensetzungen, deren erste Bestandteile aus Eigennamen bestehen (§ 50). Nach kurzem Vokal schreibt man immer ss und nicht mehr ß (§ 2). In mehrteiligen Namen schreibt man man das erste Wort und alle weiteren Wörter außer Artikeln, Präpositionen und Konjunktionen groß (§ 60).

So viel sei zur Schreibung nach den Rechtschreibregeln gesagt. Wie Sie richtig feststellen, weichen Ortschaften und Städte im konkreten Fall nämlich häufiger von diesen Regeln ab:

Le Pavillon-Straße
La Famille-Straße
Dr. Elisabeth-Vomstein-Straße
Schloßstraße
Zum kleinen Feld

Wer hat dann „recht“? – Wenn behördlich festgelegte Schreibungen nicht mit Schreibungen übereinstimmen, die von der Rechtschreibregelung vorgesehen sind, dann gehen die behördlichen Schreibungen vor. Ich empfehle Ihnen deshalb, die von den lokalen Behörden verwendeten Schreibungen zu übernehmen, auch wenn sie nicht den amtlichen Rechtschreibregeln entsprechen. So schreibt man zum Beispiel auch:

Baslerstrasse – in Bern und Zürich
Basler Straße – in Freiburg i. Br. und München
Baseler Straße – in Frankfurt und Berlin

Man könnte hier über so viel Uneinheitlichkeit klagen, ich ziehe es aber vor, mich an der lokalen Vielfalt zu erfreuen – so weit man sich an der Schreibung von Straßennamen erfreuen kann. (Siehe auch hier zur Schreibung von Ortsnamen.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Macht Backen oder backen glücklich?

Es geht hier um Groß- oder Kleinschreibung, weniger um die therapeutische Wirkung des Backens.

Frage

Wird bei dem Satz „Backen macht glücklich” das Wort „Backen“ als Substantiv oder Verb gewertet? Warum?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

da Backen am Anfang des Satzes steht, sieht man bei Backen macht glücklich tatsächlich nicht, ob es sich a) um eine Verbform oder b) um eine Substantivierung handelt. Man schreibt sowieso ein großes B. Wenn man den Satz so umformuliert, dass der Infinitiv im Satzinneren steht, oder wenn man es einfach wissen möchte, wird es etwas komplizierter: Beides ist möglich. Das sieht man zum Beispiel dann, wenn man den Infinitiv erweitert:

a) Gemeinsam backen macht glücklich.
b) Gemeinsames Backen macht glücklich.

Ein Infinitivsatz, der die Rolle des Subjekts hat, kann ohne zu stehen:

[Zu] backen macht glücklich.
Einen Kuchen [zu] backen macht glücklich.

Andererseits kann ein substantivierter Infinitiv ohne Artikel stehen:

[Das] Backen macht glücklich.
[Das] Kuchenbacken macht glücklich.

Es ist also in Ihrem Satz nicht klar, ob vor dem Infinitiv zu oder das ergänzt werden soll. Entsprechend sind beide Interpretationen, Verbform und Substantivierung, möglich.

Ob backen/Backen wirklich glücklich macht, hängt wohl auch davon ab, wie gerne man in der Küche Teig rührt und knetet. Wenn man es mag, kann es das zurzeit dringend empfohlene Zuhausebleiben für Backende und „Bebackte“ bestimmt etwas angenehmer gestalten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Wenn Klammern und andere Satzzeichen aufeinandertreffen

Frage

Ich benötige Ihren Rat zum abschließenden Punkt innerhalb einer Klammer. Anbei ein konkretes Beispiel:

An welchen Dienstleistungen wären Sie zusätzlich interessiert? (Bitte markieren Sie alle zutreffenden Antworten.)

Antwort

Guten Tag Frau M.,

wenn ein ganzer Satz eingeklammert wird und er nicht in einen anderen Satz eingebettet ist, wird der Schlusspunkt innerhalb der Klammer geschrieben:

An welchen Dienstleistungen wären Sie zusätzlich interessiert? (Bitte markieren Sie alle zutreffenden Antworten.)

Ihr Beispiel ist der Fall, bei dem das Eingeklammerte am wenigsten mit einem anderen Satz zu tun hat. Häufig sind Zusätze oder Nachträge in Klammern enger in einen übergeordneten Satz eingebettet. Wie steht es dann mit den Klammern und den anderen Satzzeichen? Es folgt eine kurze Übersicht über die verschiedenen Möglichkeiten:

  • Wenn das Eingeklammerte eine Frage oder ein Ausruf ist, wird das Frage- oder Ausrufezeichen vor der abschließenden Klammer geschrieben:

Ich weiß, dass ich das Buch noch habe (bloß wo?) und werde es dir zurückgeben, sobald ich es gefunden habe.
Unser Geheimnis (du weißt doch noch welches?) bleibt weiterhin unter uns.
Das Problem war (schon wieder!), dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.
Dann habe ich mir (Mann, das tat weh!) mit dem Hammer auf den Daumen gehauen.

  • Ein abschließender Punkt wird innerhalb der Klammern nicht geschrieben, wenn das Eingeklammerte in einen anderen Satz eingebettet ist:

Dann behauptete er (niemand glaubte ihm), er habe die Frau noch nie gesehen.
Die Schlussfolgerungen der Kommission sind sehr interessant (der vollständige Kommissionsbericht ist in der Beilage zu finden). Wir sind der Meinung, dass wir sie übernehmen sollten.

  • Wenn der Zusatz oder Nachtrag als selbstständige Texteinheit aufgefasst wird und nicht in einen anderen Satz eingebettet ist, schreibt man den Punkt innerhalb der Klammern. Das ist der Fall, der in Ihrer Frage vorkommt:

Die Schlussfolgerungen der Kommission sind sehr interessant. (Der vollständige Kommissionsbericht ist in der Beilage zu finden.) Wir sind der Meinung, dass wir sie übernehmen sollten.
An welchen Dienstleistungen wären Sie zusätzlich interessiert? (Bitte markieren Sie alle zutreffenden Antworten.)

  • Zum Schluss noch die Satzzeichen, die zum übergeordneten Satz gehören. Das ist im Prinzip ganz einfach: Man setzt sie gleich, wie wenn das Eingeklammerte nicht stünde:

Das Problem war (schon wieder!), dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.
vgl. Das Problem war, dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.
Dann behauptete er (niemand glaubte ihm): „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“
vgl. Dann behauptete er: „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“

Kurz zusammengefasst: Sowohl innerhalb als außerhalb der Klammern werden alle Satzzeichen geschrieben. Eine Ausnahme gibt es allerdings (sonst wäre es ja viel zu einfach!): Der Schlusspunkt vor der abschließenden Klammer fällt weg, wenn das Eingeklammerte in einen anderen Satz eingebettet ist.

So viel zu den Klammern und den anderen Satzzeichen. (Hier können Sie alles noch einmal nachlesen.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Der heilige Placidus und der heilige Sigisbert sind zusammen die Heiligen Placidus und Sigisbert

Frage

Wie erkläre ich meinem Kunden, dass „die heiligen Placidus und Sigisbert“ nicht geht? Meine Änderung in „die Heiligen Placidus und Sigisbert“ wurde leider nicht akzeptiert.

Antwort

Guten Tag Frau M.,

es stimmt, dass man „heilig“ als Adjektiv kleinschreibt:

der heilige Placidus
der heilige Sigisbert

Trotzdem ist in Ihrem Beispiel tatsächlich nur die Großschreibung möglich. Das liegt daran, dass ein Artikel oder Adjektiv im Plural sich nicht auf zwei Substantive in der Einzahl beziehen kann.

Nicht:
*die festen Wille und Charakter
*die großen Burg und Kirche
*die kleinen Mark und Sophia
*die heiligen Placidus und Sigisbert

Sondern:
der feste Wille und [der feste] Charakter
die große Burg und die große Kirche
der kleine Mark und die kleine Sophia
der heilige Placidus und der heilige Sigisbert

Möglich sind allerdings Formulierungen mit einem Substantiv im Plural, dem eine zweiteilige Apposition folgt:

die Kinder Mark und Werner
die Kleinen Mark und Sophia
die Einsiedler Placidus und Sigisbert

Entsprechend muss in dieser Formulierung „Heiligen“ ein Substantiv sein und sollte großgeschrieben werden:

die Heiligen Placidus und Sigisbert

Häufig wird aber (auch in katholischen und anderen kirchlichen Kontexten) trotzdem „die heiligen Petrus und Paulus“ statt „die Heiligen Petrus und Paulus“ geschrieben. Nach der Grammatik und der Rechtschreibregelung ist diese Kleinschreibung nicht korrekt. Sie könnte höchstens als fachsprachliche Schreibung angesehen werden, aber für eine begründete Aussage kenne ich mich in dieser Fachsprache leider zu wenig gut aus.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Wenn der Bindestrich fehl am Platz ist: von der High Society bis zur Smart Factory

Heute einmal etwas Kurzes und Einfaches:

Frage

Die Wörterbücher verzeichnen die Schreibweise „Big Data“ ohne Bindestrich (z. B. hier). Kann ich dieses Muster (Big = Adjektiv; Data = Substantiv) auch auf das Wort „Smart Factory“ übertragen oder ist hier die Schreibweise mit Bindestrich korrekt?

Antwort

Guten Tag Herr R.,

hier ist der Bindestrich nach der amtlichen Regelung nicht möglich. Angebracht ist bei Verbindungen dieser Art die Getrenntschreibung und manchmal auch die Zusammenschreibung.

Substantivische Wortverbindungen aus dem Englischen, die aus einem Adjektiv und einem Substantiv bestehen, werden getrennt geschrieben:

High Society
Public Domain
Human Resources
Big Data

Dabei werden beide Teile der Verbindung mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben. Wenn das Adjektiv die Hauptbetonung trägt, kann auch zusammengeschrieben werden:

Big Band o. Bigband
Small Talk o. Smalltalk
Smart Phone o. Smartphone
Smart Factory (o. Smartfactory)

Das zusammengeschriebene „Smartfactory“ steht in Klammern, weil es zwar nach der Regel möglich ist, aber offenbar kaum vorkommt.

Die entsprechende Regel finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (3)

Wenn-Dann-Prinzip oder Wenn-dann-Prinzip: Groß und klein in Bindestrichzusammensetzungen

Frage

[…] Es geht dabei um das Wort „Wenn-dann-Prinzip“. Das Wort wird im wirtschaftswissenschaftlichen Zusammenhang verwendet: „Die Essenz der digitalen Verträge basiert auf dem Wenn-dann-Prinzip.“ Eigentlich habe ich an der Schreibweise keinen Zweifel, allerdings ist mir aus der Psychologie die sehr häufig vorkommende Schreibweise „Wenn-Dann-Beziehung bekannt“, die sich so selbst in Lexika findet. […] Ist diese Schreibweise falsch oder zumindest nicht mit den amtlichen Regeln konform?

Antwort

Guten Tag Herr R.,

Sie haben recht. Bei der Groß- und Kleinschreibung in Zusammensetzungen mit Bindestrich gelten nämlich diese Regeln:

Nomen werden in Zusammensetzungen mit Bindestrich immer großgeschrieben (§ 55.2, vgl. hier):

Mehrzweck-Eckschrank
Hochgeschwindigkeits-Internetzugang
Client-Server-Architektur
400-Meter-Lauf

Amerika-freundlich**
Fett-triefend**
UV-Strahlen-beständig**
Vitamin-C-reich**

Nicht-Nomen werden großgeschrieben, wenn sie am Anfang von Zusammensetzungen mit Bindestrich stehen, die als Ganzes Nomen sind (§ 55.1, vgl. hier)*:

Dritte-Welt-Laden
Soll-Wert (o. Sollwert)
Links-rechts-Kombination
Ad-hoc-Lösung
das Sowohl-als-auch
das In-der-Nase-Bohren (vgl. hier)

Sonst werden Nicht-Nomen in Zusammensetzungen mit Bindestrich kleingeschrieben:

Analog-digital-Konverter
Links-rechts-Kombination
Ad-hoc-Lösung
Mund-zu-Mund-Beatmung
Oben-ohne-Lokal
das Sowohl-als-auch
zum Aus-der-Haut-Fahren (vgl. hier)

Vor allem diese letzte Regel wird häufiger nicht eingehalten, wie auch das Beispiel in Ihrer Frage zeigt.

Nach der amtlichen Regelung korrekt ist somit tatsächlich:

das Wenn-dann-Prinzip
die Wenn-dann-Beziehung

Die Schreibungen „Wenn-Dann-Prinzip“ und „Wenn-Dann-Beziehung“ sind nicht regelkonform und müssten zum Beispiel in einem Schüleraufsatz rot angestrichen werden. Wenn sie in der Fachsprache üblich sind, weicht – so banal kann man es ausdrücken – die fachsprachlich übliche Schreibung von der regelkonformen Schreibung ab. Das kommt recht häufig vor, sodass Ihr aufkommender Zweifel gut verständlich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Ausnahmen:
Kleingeschriebene Abkürzungen und als Kleinbuchstaben zitierte Einzelbuchstaben bleiben auch am Wortanfang klein: pH-Wert, kg-Preis, i-Punkt, s-Genitiv, x-Achse.
Zitierte Wortformen werden in Verbindungen mit Bindestrich auch am Wortanfang kleingeschrieben: dass-Satz (o. Dasssatz), oder-Frage (o. Oderfrage).

** Wenn ohne Bindestrich geschrieben: amerikafreundlich, fetttriefend, strahlenbeständig, vitaminreich.

Kommentare (5)