Auch Gedanken verdienen Anführungszeichen

Frage

Darf in folgendem Zusammenhang ein Fragezeichen stehen?

Warum hat er mich nicht eingeladen?, fragte sie sich.

Ich habe da bisher immer eins gemacht, analog zur direkten Rede:

„Warum hat er mich nicht eingeladen?“, fragte sie ihren Freund.

Habe da in diversen Foren unterschiedliche Meinungen dazu gefunden, aber keinen richtigen Hinweis auf den Duden.

Antwort

Guten Tag Frau S.,

Sie haben recht, dass ein Fragezeichen geschrieben werden sollte, Sie sollten aber auch die Anführungszeichen nicht weglassen. Nicht nur eigentliche direkte Rede, also Gesprochenes, sondern auch Geschriebenes oder Gedachtes, das wörtlich zitiert wird, setzt man in Anführungszeichen. Auch sonst werden die Satzzeichen bei wörtlich zitiertem Gedachtem gleich gesetzt wie bei wörtlich zitiertem Gesagtem. Richtig ist also:

Sie fragte: „Ist das wirklich wahr?“
Sie dachte: „Ist das wirklich wahr?“

Auch in Fällen wie diesen setzt man die Satzzeichen gleich wie bei der direkten Redewiedergabe:

„Warum hat er mich nicht eingeladen?“, fragte sie sich.
„Verdammt nochmal!“, dachte sie, ohne sich etwas anmerken zu lassen.
„Was ist denn hier los?“, wunderte er sich.

Das ergibt sich aus § 89.1 der amtlichen Rechtschreibregelung, insbesondere aus diesem Beispiel:

„Das war also Paris!“, dachte Frank.

Anführungszeichen stehen übrigens auch bei wörtlich Zitiertem, das durch Verben eingeleitet wird, die eigentlich keine Verben des Sagens sind, aber also solche gemeint sind:

„Ich bin einverstanden“, lächelte er (= sagte er lächelnd)
„Wie du meinst“, schmunzelte sie (= sagte sie schmunzelnd)
Der Hauptmann posaunte: „Mir nach!“
„Wie interessant!“, heuchelte der Vicomte.

Wichtig ist vor allem, dass Gesagtes, Geschriebenes und Gedachtes wörtlich zitiert wird, und weniger, womit das Zitierte eingeleitet wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wo das „zu“ steht, ist dem Komma egal

Frau N. stellt eine Frage, die ich mir noch nie gestellt habe, die ich mir aber bei näherer Betrachtung vielleicht doch einmal hätte stellen sollen. Dieser Fall wird nämlich kaum je ausdrücklich erwähnt: Werden Kommas bei Infinitiven mit vorangestelltem „zu“ und mit integriertem „zu“ gleich gesetzt?

Frage

Ich habe eine Frage zum Thema Komma: Wo muss eins hin, wo nicht; wo darf eins hin, muss aber nicht:

1. Sie versuchte, ihn zu küssen.
2. Sie versuchte ihn anzufassen.

Meine Kollegin sagt, dass in Satz 2 kein Komma steht und in Satz 1 ein Komma stehen darf, aber nicht muss. Wie ist es richtig?

Antwort

Guten Tag Frau N.,

in beiden Sätzen ist das Komma fakultativ, das heißt, es kann gesetzt werden, aber es muss nicht stehen:

Sie versuchte ihn zu küssen.
Sie versuchte ihn anzufassen.

oder:

Sie versuchte, ihn zu küssen.
Sie versuchte, ihn anzufassen.

Es gibt bei der Kommasetzung keinen Unterschied zwischen Verben mit vorangestelltem „zu“ und Verben mit integriertem „zu“. In beiden Fällen ist die Kommasetzung gleich (siehe Beispiele in § 75 der amtlichen Rechtschreibregelung). Zur Illustration folgen ein paar Beispielsätze verschiedener Art. Die Kommas in Klammern sind fakultativ.

  • Mit Infinitivkonjunktion:

Er drehte eine Pirouette, ohne zu fallen.
Er drehte eine Pirouette, ohne umzufallen.

Du solltest dich freuen, statt dich darüber zu ärgern.
Du solltest dich freuen, statt dich darüber aufzuregen.

  • Von Substantiv abhängig:

Hast du die Absicht(,) zu helfen?
Hast du die Absicht(,) mitzuhelfen?

Ihr Plan(,) zu verreisen(,) fiel ins Wasser.
Ihr Plan(,) auzuwandern(,) fiel ins Wasser.

Hast du die Absicht, uns bei der Arbeit zu helfen?
Hast du die Absicht, bei unserer Arbeit mitzuhelfen?

Ihr Plan, im Sommer zu verreisen, fiel ins Wasser.
Ihr Plan, nach Kanada auzuwandern, fiel ins Wasser.

  • Mit Korrelat/Verweiswort:

Sie liebt es(,) zu singen.
Was hindert dich daran(,) auszuschlafen?

Sie liebt es, gemeinsam zu singen.
Was hindert dich daran, lange auszuschlafen?

Zu singen, das war ihr größter Wunsch.
Auszuschlafen, daran sollte ihn nichts hindern.

  • Sonstige Fälle:

Er versucht(,) zu flüchten.
Er versucht(,) wegzurennen.

Sie versuchte(,) ihn auf die Wange zu küssen.
Sie versuchte(,) ihn am Arm anzufassen.

Die Kommasetzung zu verstehen(,) ist nicht immer einfach.
Die Kommasetzung aufzuzeigen(,) ist nicht immer einfach.

Dem Komma ist es also egal, ob das „zu“ vor dem Verb steht oder in die Verbform integriert ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Faradaykäfig, Pfizervakzin, Matthäuspassion und Gangesdelta – oder doch mit Bindestrich?

Bei der Schreibung von Zusammensetzungen, die einen Eigennamen enthalten, tun sich manche manchmal schwer. Sie ist immer wieder Thema Ihrer Fragen. Dabei ist es gar nicht so kompliziert: Eigennamen werden in Zusammensetzungen gleich behandelt wie „gewöhnliche“ Substantive – außer dass man großzügiger mit Bindestrichen umgehen kann.

Frage

Beim Korrekturlesen […] habe ich bei einigen zusammengesetzten Begriffen Zweifel. Es ist doch zulässig, „Faraday-Käfig“ und „Boltzmann-Konstante“ zu schreiben? Wenn der Bindestrich auch zulässig ist, frage ich Sie, ob es davon Ausnahmen gibt, also ob der Bindestrich irgendwann wegfällt. Schreibt man „Stirlingmotor“ oder „Stirling-Motor“, „Hallsonde“ oder „Hall-Sonde“, „Lorentzkraft“ oder „Lorentz-Kraft“?

Antwort

Guten Tag Frau E.,

bei Zusammensetzungen mit einem einfachen Eigennamen an erster Stelle kann immer zusammen- oder mit Bindestrich geschrieben werden:

Faradaykäfig / Faraday-Käfig
Boltzmannkonstante / Boltzmann-Konstante
Stirlingmotor / Stirling-Motor
Hallsonde / Hall-Sonde
Lorentzkraft / Lorentz-Kraft
Pfizervakzin / Pfizer-Vakzin
Matthäuspassion / Matthäus-Passion
Pyrenäenhalbinsel / Pyrenäen-Halbinsel
Gangesdelta / Ganges-Delta

Was üblich oder üblicher ist, hängt zum Teil von der jeweiligen Fachsprache ab. Richtig ist immer beides. Siehe auch § 51 der amtlichen Rechtschreibregelung. Dort wird gesagt, dass in Fällen wie diesen ein Bindestrich gesetzt werden kann.

Das Gesagte gilt auch, wenn die Zusammensetzung ein Adjektiv ist. Zu beachten ist nur, dass der Eigenname bei Zusammenschreibung einen kleinen Anfangsbuchstaben erhält:

chinakritische / China-kritische Kommentare
italienbegeisterte / Italien-begeisterte Touristen
trumpfeindliche / Trump-feindliche Kongressabgeordnete
castrotreue / Castro-treue Milizen

Die Zusammenschreibung ist dann nicht mehr möglich, wenn der erste Teil der Zusammensetzung ein mehrteiliger Name ist oder aus mehr als einem Namen besteht. Dann kommt wie bei „gewöhnlichen“ Zusammensetzungen mit Wortgruppen oder Aneinanderreihungen nur noch die Schreibung mit Bindestrich in Frage:

die Stefan-Boltzmann-Konstante
der Hale-Bopp-Komet
das Pfizer-Biontech-Vakzin
das Ganges-Brahmaputra-Delta
die Fidel-Castro-treuen Milizen

Es ist, wie gesagt, gar nicht so kompliziert. Man muss nur wissen, wie’s geht. Vielleicht werden viele etwas unsicher, weil Begriffe dieser Art häufig in Fachsprachen vorkommen und dort immer wieder die englische Schreibweise „dazwischenfunkt“. Ich habe diese Frage deshalb vor gut fünf Jahren schon einmal behandelt und werde sie vielleicht in gut fünf Jahren noch einmal erwähnen. Hiermit sind Dr.-Bopp-treue Leser und Leserinnen, soweit es sie gibt, vorgewarnt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Graduierend oder verstärkend: hoch ansteckend oder hochansteckend?

Frage

Ich streite gerade mit einem Kollegen, und deshalb brauchen wir eine dritte Meinung. Es geht um das Wort „hochansteckend“ (ist ja gerade sehr aktuell, um nicht zu sagen hochaktuell). Er würde es „auf jeden Fall“ zusammenschreiben, weil es dasselbe bedeute wie „hochinfektiös“ […] Ich würde aber „hoch ansteckend“ eher mit solchen Wörtern wie „hoch verzinst“, „hoch kompliziert“ vergleichen und getrennt schreiben. Wie sehen Sie das?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

diesen Streit kann ich nicht eindeutig schlichten. Verbindungen von „hoch“ mit Adjektiven und Partizipien sind nämlich ein schwieriges Kapitel, wenn es um die Getrennt- und Zusammenschreibung geht. Für mich liegt die Hauptschwierigkeit in der Unterscheidung zwischen:

a) einer  „graduierenden Bestimmung“, bei der getrennt oder zusammengeschrieben werden kann [amtl. Rechtschreibregelung § 36(2.2); allgemein gültig/allgemeingültig, eng verwandt/engverwandt, schwer verständlich/schwerverständlich, schwer krank/schwerkrank]

b) einem „bedeutungsverstärkenden Bestandteil“, bei dem zusammengeschrieben wird [amtl. Rechtschreibregelung § 36(1.5); bitter- (bitterböse, bitterernst, bitterkalt), brand-, dunkel-, erz-, extra-, früh-, gemein-, grund-, hyper-, lau-, minder-, stock-, super-, tod-, ultra-, ur-, voll-].

Dann gibt es auch noch:

c) die Regel für Verbindungen mit Partizipien, nach der getrennt oder zusammengeschrieben werden kann [§ 36(2.1); die Rat suchenden/ratsuchenden Bürger, eine allein erziehende/alleinerziehende Mutter; ein klein geschnittenes/kleingeschnittenes Radieschen, selbst gebackene/selbstgebackene Kekse]

Für das Wort „hoch“ gibt die Wörterliste, die zur Rechtschreibregelung gehört, die folgenden Beispiele an:

a) hochbegabt, hoch begabt; hochkompliziert, hoch kompliziert …
b) hochaktuell, hochberühmt, hochbrisant, hochempfindlich, hochgiftig …
c) hoch dotiert, hochdotiert; hoch industrialisiert, hochindustrialisiert; hoch verschuldet, hochverschuldet … 

Ich werde daraus, ehrlich gesagt, nicht wirklich klug. Wo genau liegt zum Beispiel die Grenze zwischen „graduierend“ und „bedeutungsverstärkend“? Mir hilft häufig die Betonung: Wenn man „hoch“ und das Adjektiv resp. Partizip ungefähr gleich stark betonen kann, kann getrennt geschrieben werden. Wenn die Hauptbetonung auf „hoch“ liegt, wird zusammengeschrieben. In Zweifelsfällen gilt: am besten zusammenschreiben.

Für Ihren Fall heißt das, dass sowieso zusammengeschrieben werden kann, denn das ist in allen drei Fällen möglich. Ich halte aber auch die Getrenntschreibung für vertretbar, einerseits wegen c), andererseits aber auch, weil die fragliche Verbindung unter a) fallen kann:

hochansteckend = äußerst ansteckend; in hohem Grad ansteckend
hoch ansteckend = in hohem Grad ansteckend

Das gilt meiner Meinung nach auch in Verbindung mit „infektiös“, auch wenn ich vermute, dass hier nicht alle einverstanden sind:

hochinfektiös = äußerst infektiös; in hohem Grad infektiös
hoch infektiös = in hohem Grad infektiös

Ganz egal ob hoch ansteckend oder hochansteckend: Mögen Impfungen, angemessene Vorsicht, warmes Sommerwetter und daneben, wo nötig, eine zünftige Portion kollektives Glück dazu beitragen, dass die Ansteckungsgefahr weicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ist Ivanisavic Djokovics Trainer oder Djokovic’ Trainer?

Je nachdem wie man die Namen transkribiert, kann im Titel u. a. auch stehen:

Ist Ivanišavić Đokovićs Trainer oder Đoković’ Trainer

Die Angaben im Artikel gelten für beide Schreibweisen.

Frage

Ein Kollege hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass im Duden zum Thema Genitiv und Apostroph „neu“ das Beispiel „Andric’ Romane“ stehe. Ich habe bisher bei gesprochenem „itsch“ immer ein -s angehängt, also „Andrics Romane“ usw., und sehe das auch so bei Zeitungen wie der NZZ oder der Zeit. Wie sehen Sie das?

Antwort

Guten Tag Herr F.,

auch ich schreibe „Djokovics Trainer“ und „Andrics Romane“ mit einem Genitiv-s, auch wenn im Duden etwas anderes steht.

Wenn -ic am Ende „-its“ gesprochen wird, ist der Apostroph richtig. Das „-ic“ resp. „-ić“ in vom Balkan stammenden Namen wird aber wie „-itsch“ ausgesprochen. Das ist meiner Meinung nach mittlerweile allgemein bekannt. Es gibt dann keinen Grund, das Genitiv-s durch einen Apostroph zu ersetzen. Also:

Djokovics Trainer
Miloševićs Regime
Andrićs Roman „Das Fräulein“

In Duden, „Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle“, 2016, Stichwort „Apostroph“ 4.1, steht:

Der Apostroph steht heute im Allgemeinen auch zur Kennzeichnung des Genitivs von Namen, die zwar anders geschrieben werden, aber ebenfalls auf [t͜ʃ] oder [ts] enden:

Andrić’ Romane, Cyrankiewicz’ Staatsbesuch usw.

Hier stehen zwei fragwürdige Dinge:

1) „im Allgemeinen“

Bei einer schnellen Suche in Google und in Korpora (z.B. beim DWDS) ist festzustellen, dass der Genitiv solcher Namen viel häufiger mit -s als mit Apostroph geschrieben wird.

2) „Namen, die […] ebenfalls auf [t͜ʃ] oder [ts] enden“

Die Regel, dass im Genitiv ein Apostroph geschrieben wird, gilt nach § 96(1) der amtl. Rechtschreibregelung für Namen, die auf ein gesprochenes s enden. Die Beispiele sind:

Aristoteles’ Schriften, Carlos’ Schwester, Ines’ gute Ideen, Felix’ Vorschlag, Heinz’ Geburtstag, Alice’ neue Wohnung

Das ist bei Namen auf „-ic“ nicht der Fall, weil sie in der Regel nicht auf einen s-Laut, sondern auf einen sch-Laut [ʃ] enden. Bei solchen Namen wird im Genitiv ggf. ein s gesprochen und geschrieben. Zum Beispiel:

Frischs Romane,  Milowitschs Theaterkarriere, Timothy Peachs Filmrollen

Die Apostrophregel gilt nach § 96(E2) weiter auch für Namen, deren geschriebene Form auf ein stummes -s, -z oder -x enden:

Cannes’ Filmfestspiele, Boulez’ bedeutender Beitrag, Giraudoux’ Werke.

Das ist hier aus zwei Gründen nicht der Fall: Namen auf „-ic“ enden nicht auf -s, -z oder -x und das -c am Schluss ist nicht stumm, sondern es wird wie „tsch“ ausgesprochen.

Die Schreibung „Andric’ Romane“ lässt sich also weder durch die Rechtschreibregelung noch durch die Aussprache und auch nicht durch den allgemeinen Schreibgebrauch begründen. Ich halte deshalb die Angaben in Duden in diesem Fall für nicht zutreffend, und ich schreibe und empfehle:

Andrics Romane / Andrićs Romane
Djokovics Trainer/ Đokovićs Trainer

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

„Wo stehen die Kommas“ lautet die Frage „wenn das Zitat bei einem Komma unterbrochen wird?“

Heute ist der Beitrag noch etwas wortreicher als sonst. Seine Länge zeigt, dass es in gewissen Fällen schwierig ist, herauszufinden, was die Rechtschreibregelung genau meint. Wer vor allem die Antwort und weniger die Erklärung interessant findet, liest nach dem ersten Abschnitt einfach nicht weiter.

Frage

Ich bin mir unsicher, wie Kommas bei der wörtlichen Rede korrekt zu setzen sind, wenn der Begleitsatz in Zitat eingebettet ist

„Könnte es sein(,)“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“

„Als ich ein Kind war(,)“, rief Anna fröhlich, „habe ich gerne Schmetterlinge beobachtet.“

Kopfzerbrechen bereitet mir jeweils das in Klammern gesetzte Komma. Gehört es dort hin oder nicht?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

dieser Fall ist tatsächlich recht knifflig, denn in der Rechtschreibregelung ist keine Regel zu finden, die ihn ausdrücklich beschreibt. Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Wenn der Begleitsatz das Zitat bei einem Komma unterbricht, entfällt das Komma des Zitats. Es steht kein Komma vor einem abschließenden Anführungszeichen:

„Könnte es sein“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“

„Als ich ein Kind war“, rief Anna fröhlich, „habe ich gerne Schmetterlinge beobachtet.“

Doch wie komme ich zu dieser Antwort? In der amtlichen Rechtschreibregelung ist, wie gesagt, keine Regel zu finden, die diesen Fall ausdrücklich behandelt. Zum Zusammentreffen von Anführungszeichen und anderen Satzzeichen beim Zitieren steht dort zuerst ganz allgemein:

§ 90
Satzzeichen, die zum wörtlich Wiedergegebenen gehören, setzt man vor das abschließende Anführungszeichen; Satzzeichen, die zum Begleitsatz gehören, setzt man nach dem abschließenden Anführungszeichen.

Dann geht es weiter mit Angaben zu Frage- und Ausrufezeichen:

§ 91
Sowohl der angeführte Satz als auch der Begleitsatz behalten ihr Ausrufe- oder Fragezeichen.

Beispiele sind u. a.:

„Du kommst jetzt!“, rief sie.
„Kommst du morgen?“, fragte er.

Auch zum Punkt werden Angaben gemacht:

§92
Beim angeführten Satz lässt man den Schlusspunkt weg, wenn er am Anfang oder im Innern des Ganzsatzes steht.

Beispiele sind u. a.:

„Ich komme morgen“, versicherte sie.
Sie sagte: „Ich komme gleich wieder“, und holte die Unterlagen.

Bis jetzt wissen wir also, dass Frage- und Ausrufezeichen vor dem Begleitsatz stehen bleiben und der Punkt dort weggelassen wird. Das Komma wird hier nicht erwähnt.

Zum Komma bei Begleitsätzen wird hier etwas gesagt:

§93
Folgt nach dem angeführten Satz der Begleitsatz oder ein Teil von ihm, so setzt man nach dem abschließenden Anführungszeichen ein Komma.
Ist der Begleitsatz in den angeführten Satz eingeschoben, so schließt man ihn mit paarigem Komma ein.

Beispiele sind u. a.:

„Ich komme gleich wieder“, versicherte sie.
„Komm bald wieder!“, rief sie.
„Wann kommst du wieder?“, rief sie.
„Ich werde“, versicherte sie, „bald wiederkommen.“
„Kommst du wirklich“, fragte sie, „erst morgen Abend?“

Hier wird klar, dass die Kommas, die den Begleitsatz vom Zitat trennen, außerhalb der Anführungszeichen stehen. Wie aber mit einem Komma des Zitats umzugehen ist, wird auch hier nicht erwähnt.

Auch wenn man jetzt die Regeln einzeln betrachten oder sie gegeneinander abwägt, ist es schwierig, herauszufinden, wie man zu schreiben hat:

„Könnte es sein,“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“
„Könnte es sein“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“

Für richtig halte ich, wie oben schon gesagt, die zweite Schreibweise. Als „Beweis“ kann ich nur einen Beispielsatz aus der Rechtschreibregelung anführen. Der einleitende Paragraph zu den Anführungszeichen §89(1) sagt:  „Mit Anführungszeichen schließt man etwas wörtlich Wiedergegebenes ein“, und gibt u. a. diesen Beispielsatz an:

„Wir haben die feste Absicht, die Strecke stillzulegen“, erklärte der Vertreter der Bahn, „aber die Entscheidung der Regierung steht noch aus.“

Das Komma, das ohne Begleitsatz zwischen „stillzulegen“ und „aber“ stehen muss, wird also vor dem eingeschobenem Begleitsatz weggelassen.

Der Fall, der Sie stutzen ließ, wird nicht ausdrücklich in der Rechtschreibregelung beschrieben. Man muss ziemlich genau hinschauen, um anhand eines allgemeinen Beispielsatzes herauszufinden, wie die Regelung in diesem Fall vorzugehen wünscht.

Zusammenfassend kann man sagen: Frage- und Ausrufezeichen des Zitats bleiben vor dem Begleitsatz erhalten. Punkt und Komma des Zitats fallen vor dem Begleitsatz weg.

Richtig sind die Kommas im Titel also wie folgt gesetzt:

„Wo stehen die Kommas“, lautet die Frage, „wenn das Zitat bei einem Komma unterbrochen wird?“

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die (Alternativen-)Einklammerung

Frage

Ich habe zwei Fragen. Es geht um das Einklammern einzelner Buchstaben wie zum Beispiel bei „innerhalb der Unterrichtsstunde(n)“ und „folgende Frage(n)“. Nirgendwo […] kann ich finden, ob ein Bindestrich innerhalb der Klammer nötig ist. […]

Bei der zweiten Frage geht es um „das Weiter(‑Nach‑)denken“, womit sowohl „das Weiterdenken“ als auch „das Weiternachdenken“ gemeint ist. Ist diese Schreibweise richtig oder müsste es „Weiter(-nach-)denken“ oder ganz einfach „Weiter(nach)denken“ heißen?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

wenn mit Hilfe von Klammern verkürzt angegeben wird, dass es Alternativen gibt, steht im Prinzip kein Bindestrich oder Ergänzungsstrich:

innerhalb der Unterrichtsstunde(n)
= Unterrichtsstunden o. Unterrichtsstunde
folgende Frage(n)
= folgende Fragen o. folgende Frage
Klein(st)mengen
= Kleinstmengen o. Kleinmengen
das Nudel(suppen)rezept
= das Nudelsuppenrezept o. das Nudelrezept
das Weiter(nach)denken
= das Weiternachdenken o. das Weiterdenken

Der Bindestrich muss gesetzt werden, wenn bei einer der Alternativen ohne Klammern ein Bindestrich stehen muss. Der Bindestrich steht innerhalb der Klammer, also bei dem Wortteil, mit dem zusammen er weggelassen werden kann:

ein (Damen-)T-Shirt
= ein Damen-T-Shirt o. ein T-Shirt
der (Low-Budget-)Film
= der Low-Budget-Film o. der Film

Ein Bindestrich wird häufig auch dann verwendet, wenn der zweite Teil ein Substantiv ist. Er steht dort, wo er sonst ggf. zur Verdeutlichung stehen könnte:

das (Retro-)Design
= das Retrodesign/Retro-Design o. das Design
ein (Schnell-)Lader
= ein Schnelllader/Schnell-Lader o. ein Lader
die (Wieder-)Aufnahme
= die Wiederaufnahme/Wieder-Aufnahme o. die Aufnahme

Dieser Bindestrich, wird mit dem Ziel gesetzt, die Lesbarkeit oder Erkennbarkeit zu erhöhen, wenn eine der Alternativen in der Zusammensetzung kleingeschrieben und allein stehend großgeschrieben wird. Es ist hier aber auch möglich, ohne Bindestrich zu schreiben:

das (Retro)design
ein (Schnell)lader
die (Wieder)aufnahme

Bei „Weiter(nach)denken“ und „Nudel(suppen)rezept“ ist diese Verwendung von Bindestrichen überflüssig, weil beide Alternativen mit und ohne Klammern dieselbe Groß- und Kleinschreibung haben. Von Klammern ist sogar abzuraten. Wenn man hier Klammern verwendet, wird die Sache nämlich nicht leichter lesbar, sondern kompliziert und unübersichtlicher: „Weiter-(Nach-)Denken“, „Nudel-(Suppen-)Rezept“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Empfehlen wir „gutgehen“ oder „gut gehen“?

Frage

„Ich vertraue darauf, dass am Ende alles gut geht.“ Schreibe ich in diesem Satz „gut geht“ wirklich auseinander? Der Duden empfiehlt ja auch im Wortsinne von „einen guten Verlauf nehmen“ die getrennte Schreibweise. Bei anderen habe ich die Zusammenschreibweise als empfohlen gesehen. Da würde mich jetzt Ihr Urteil noch interessieren!

Antwort

Guten Tag Frau S.,

nach § 34 E5 der amtlichen Rechtschreibregelung und den dazugehörenden Wörterlisten kann man „gutgehen“ oder „gut gehen“ schreiben (ebenso „bessergehen“ o. „besser gehen“; „schlechtgehen“ o. „schlecht gehen“). In der amtlichen Regelung stehen die beiden Varianten gleichberechtigt nebeneinander. Wenn Wörterbücher oder Wörterlisten eine von zwei Schreibungen empfehlen, heißt das, dass sie aus gewissen (oft nicht erwähnten) Gründen eine der beiden Schreibungen für besser halten. Häufig tun sie dies vor allem, um denjenigen Schreibenden entgegenzukommen, die es vorziehen, nicht selbst eine Wahl treffen zu müssen.

Ich sehe keinen Grund, eine der beiden Varianten als die bessere zu empfehlen. Beide Schreibungen entsprechen den Regeln der Rechtschreibregelung und man versteht sowohl bei zum Beispiel

Ich hoffe, dass es dir gutgeht.
Wenn das nur gutgeht!
Ich vertraue darauf, dass alles gutgeht.

als auch bei

Ich hoffe, dass es dir gut geht.
Wenn das nur gut geht!
Ich vertraue darauf, dass alles gut geht.

ohne Schwierigkeiten und Missverständnisse, was gemeint ist.

Es steht Ihnen frei, die Variante zu wählen, die Ihnen mehr zusagt, oder sich an die Empfehlungen eines Wörterbuches „Ihres Vertrauens“ zu halten. Aus der Formulierung Ihrer Frage schließe ich, dass Ihnen die Zusammenschreibung „gutgehen“ besser gefällt. Dann wählen Sie einfach diese Variante, auch wenn sie nicht von Duden bevorzugt wird. Es wird schon gutgehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Rechtschreibfragen, wenn „on demand“ auf „Bibliothek“ trifft

Frage

Können Sie mir bei folgender Frage behilflich sein? Welche Variante ist korrekt:

1) On Demand Bibliothek
2) On-Demand-Bibliothek
3) On Demand-Bibliothek
4) gar keine?

Wo setzt man […] hier einen Bindestrich? Ich hätte jetzt auf die Variante 2) getippt, aber bin mir nicht ganz sicher.

Antwort

Guten Tag Frau B.,

die Frage nach den Bindestrichen ist schnell beantwortet: Zwischen allen Teilen der Zusammensetzung müssen Bindestriche gesetzt werden. Richtig ist dann tatsächlich die Variante 2), auf die Sie getippt haben:

On-Demand-Bibliothek

Eine andere Frage ist die Groß- und Kleinschreibung. Demand (Anfrage) wird hier großgeschrieben, weil es sich um ein Substantiv handelt. Substantive aus anderen Sprachen werden auch in Zusammensetzungen großgeschrieben (vgl. amtliche Rechtschreibregelung § 55(3)). Beispiele sind dort u. a. Desktop-Publishing und Full-Time-Job.

Ganz so einfach ist es aber leider nicht. In § 55(E2) der Regelung steht, dass Substantive aus fremden Sprachen ausnahmsweise kleingeschrieben werden, wenn sie Teil einer adverbialen Fügung sind, die als Ganzes ins Deutsche übernommen worden ist. Beispiele sind u. a. a cappella, in flagranti, à discrétion, de facto und – für unseren Fall hier wichtig – die Zusammensetzungen A-cappella-Chor und De-facto-Anerkennung. Die Kleinschreibung des Substantivs gilt also auch in Zusammensetzungen mit solchen Fügungen.

So klar die Regel klingt, so unklar bleibt manchmal, was genau als feste adverbiale Fügung gilt, die als Ganzes aus einer fremden Sprache entlehnt worden ist. Muss die Fügung in Wörterbüchern wie Duden, Wahrig, Pons, DWDS, LEO stehen und, wenn ja, in allen oder nur in einem? Sind zum Beispiel on demand (etwas on demand liefern), just in time (just in time produzieren) und business to business (business to business liefern) im Deutschen als feste Fügungen üblich oder nicht? Das ist je nach Ausdruck und Branche unterschiedlich und ich möchte diese Frage auch nicht weiter diskutieren. Es geht mir vor allem darum, dass es hier einen recht großen grauen Bereich gibt. Wenn man nämlich on demand als im Deutschen gebräuchliche Fügung annimmt, muss das d nicht nur in der adverbialen Fügung on demand, sondern auch in Zusammensetzungen kleingeschrieben werden:

On-demand-Bibliothek

Da feste Kriterien fehlen, sind beide Betrachtungsweisen möglich, das heißt, beide Schreibweisen können als korrekt gelten. Weitere Beispiele:

On-Demand-Lieferung / On-demand-Lieferung
On-Demand-Mobilität / On-demand-Mobilität

Ein weiteres Kriterium sollte man in Zweifelsfällen wie diesen nicht ganz außer Acht lassen: Was ist üblich(er), On-Demand-Xyz oder On-demand-Xyz? Die Schreibung mit großem D kommt viel häufiger vor. Sie scheint sich also in der  deutschen Schreibpraxis durchzusetzen.

Hier zeigt sich wieder einmal, dass die Sprache sich auch auf der Ebene der Rechtschreibung  nicht immer in einfache, alle Fälle abdeckende Regeln fassen lässt. Deshalb heißt es häufig wie hier: Beides kommt vor und beides ist vertretbar.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

„Prost Freiheit!“ oder „Prost, Freiheit!“?

Frage

Eine Schweizer Zeitung titelt: „Prost Freiheit“. Ein Kollege und ich fragen uns, wie es hier ums Komma steht. Der Duden hat Beispiele unter „pros(i)t“ verzeichnet, etwa „prosit allerseits“ oder „prosit Neujahr“, alle ohne Komma. Aber handelt es sich beim Beispiel im Betreff um den gleichen Fall? Wir fragen uns, ob nicht nach der Grundregel (Anrede) das Komma stehen sollte.

Antwort

Guten Tag Herr F.,

ob nach „pros(i)t“ ein Komma steht oder nicht, hängt davon ab, was gemeint ist. Wenn eine Anrede folgt, steht vor ihr ein Komma:

Prost, Antoinette!
Prosit, liebe Freunde!
Prosit, sehr geehrte Damen und Herren!

Bei anderen Formulierungen hilft es, daran zu denken, dass „prosit“ eigentlich eine lateinische Verbform ist mit der Bedeutung „es möge nützen“, „es sei zuträglich“.

Prosit Neujahr!  (Das neue Jahr sei zuträglich)
Prost Mahlzeit!  (Die Mahlzeit möge zuträglich sein)
Prost allerseits!  (Es möge allerseits zuträglich sein; oder: Das Prost soll allerseits gelten)

Die „Übersetzungen“ in Klammern zeigen, weshalb in diesen Fällen besser kein Komma nach „pros(i)t“ steht.

Beim Titel, den Sie zitieren, hängt es also davon ab, ob die Freiheit angesprochen und ihr zugeprostet wird („Prost, Freiheit!“) oder ob gemeint ist, die Freiheit möge zuträglich sein („Prost Freiheit!“). Ich nehme an, dass der Artikel eine Lockerung der Coronamaßnahmen in der Schweiz behandelt, nämlich die Öffnung der Terrassen von Cafés und Restaurants. Ich denke deshalb, dass vielleich sogar beide Lesungen gemeint sein könnten. Diese Doppeldeutigkeit wäre allerdings weder mit noch ohne Komma darstellbar.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp