Archiv für Rechtschreibung

Wenn Gedankenstriche und andere Satzzeichen aufeinandertreffen

Frage

Ich habe eine Frage zum Thema „Komma und Gedankenstrich“. Je länger ich auf folgende Sätze starre, desto unsicherer werde ich:

Die Gestaltung des Gartens – der mosaikverzierte Fischteich, das aufwändig angelegte Pflanzenrondell –,(?) beeindruckte ihn.

Thomas, der wieder bei Andrea wohnte – die ebenfalls Grüße bestellte –,(?) kündigte seinen Besuch an.

Ich weiß wirklich nicht, ob nun ein Komma nach dem letzten Strich gesetzt werden muss.

Antwort

Guten Tag Frau G.,

bei Einschüben mit Gedankenstrichen muss zwischen den Satzzeichen, die zum übergeordneten Satz gehören, und den Satzzeichen, die zum Einschub gehören, unterschieden werden.

a) Satzzeichen des übergeordneten Satzes

Bei einem Einschub mit doppelten Gedankenstrichen gilt, dass man die Satzzeichen im übergeordneten Satz gleich setzt, wie wenn der Einschub nicht stünde.

Bei Ihrem ersten Beispielsatz steht kein Komma nach dem Gedankenstrich, weil dort auch ohne Einschub kein Komma stehen würde:

Die Gestaltung des Gartens – der mosaikverzierte Fischteich, das aufwändig angelegte Pflanzenrondell beeindruckte ihn.
vgl.: Die Gestaltung des Gartens beeindruckte ihn.

Beim zweiten Satz folgt direkt nach dem abschließenden Gedankenstrich ein Komma, nämlich das Komma, das auch ohne Einschub geschrieben würde:

Thomas, der wieder bei Andrea wohnte – die ebenfalls Grüße bestellte –, kündigte seinen Besuch an.
vgl.: Thomas, der wieder bei Andrea wohnte, kündigte seinen Besuch an.

Und hier noch zwei weitere Beispiel, in denen Satzzeichen des übergeordneten Satzes nach dem schließenden Gedankenstrich stehen:

Das Problem war – schon zum x-ten Mal –, dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.
vgl.: Das Problem war, dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.

Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –: „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“
vgl.: Dann behauptete er: „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“

Die Satzzeichen des übergeordneten Satzes müssen also immer geschrieben werden. Wie sieht es aus, wenn der Einschub Satzzeichen hat?

b) Satzzeichen am Ende des Einschubes

Fragezeichen und Ausrufezeichen, die zu einem eingeschobenen Zusatz oder Nachtrag gehören, werden vor dem zweiten Gedankenstrich geschrieben:

Unser Geheimnis – du weißt doch noch welches? – bleibt weiterhin unter uns.

Das Problem war – schon wieder! –, dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.

Ein Punkt, der zu einem eingeschobenen Zusatz oder Nachtrag gehört, fällt weg, auch wenn es sich um einen vollständigen Satz handelt:

Die zwölf Punkte aus Zypern gingen auch dieses Jahr – die Festivaltradition will es so  – an Griechenland.

Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –, er habe die Frau noch nie gesehen.

Auch ein abschließendes Komma am Schluss des Einschubs wird nicht geschrieben:

Die Gestaltung des Gartens – vor allem das aufwändig angelegte Pflanzenrondell, in dem exotische Blumen gediehen – beeindruckte ihn.

Thomas, der wieder bei Andrea wohnte – seiner Freundin, die ebenfalls Grüße bestellte –, kündigte seinen Besuch an.

Zusammenfassend

Die Satzzeichen des übergeordneten Satzes werden alle geschrieben, wie wenn es keinen Einschub gäbe. Ein zum Einschub gehörendes Frage- oder Ausrufezeichen wird vor dem abschließenden Gedankenstrich geschrieben. Ein abschließender Punkt oder ein abschließendes Komma am Ende des Einschubes fällt weg.

All dies – und viele weitere Informationen zur Zeichensetzung beim Gedankenstrich! – finden Sie auch auf dieser Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Bindestrich nach Fugen-s:
Ausführungsbestimmungs-konform oder ausführungsbestimmungskonform?

Frage

Wegen des Fugen-s besteht Unsicherheit, welche Möglichkeiten man hat, folgende Wortzusammensetzung zu schreiben.

1) Ausführungsbestimmungs-konform
2) ausführungsbestimmungskonform

Falls beide Möglichkeiten gehen, was ist die Empfehlung?

Antwort

Guten Tag A.,

die Rechtschreibregelung „verbietet“ es nicht, einen Bindestrich auf ein Fugenelement folgen zu lassen. Stilistisch ist es meist nicht sehr überzeugend, direkt nach einem Fugenelement einen Bindestrich zu schreiben. Schließlich gibt ja das Fugenelement schon an, wo die Trennstelle zwischen den beiden Wortteilen liegt. Bei unübersichtlichen und sehr (oder viel zu) langen Zusamensetzungen ist dennoch die Bindestrichschreibung anzuraten:

Hochgeschwindigkeits-Internetzugang
(oder: Hochgeschwindigkeitsinternetzugang)

Manchmal ist der Bindestrich auch obligatorisch, zum Beispiel in Zusammensetzungen mit Abkürzungen:

Installations-ID
Fugen-s

Für das Wort in Ihrer Frage sind somit beide Schreibungen möglich. Ich neige allgemein dazu, die Schreibungen mit „verdeutlichendem“ Bindestrich für gar nicht so verdeutlichend zu halten und die Zusammenschreibung zu wählen:

ausführungsbestimmungskonform
die ausführungsbestimmungskonforme Verarbeitung personengebundener Daten

Hier kommt hinzu, dass der Bindestrich bei Substantiv-Adjektiv-Zusammensetzungen bewirkt, dass das Gesamtwort einen großen Anfangsbuchstaben erhält, obwohl es ein Adjektiv ist. Das macht nach meinem Empfinden die durch den Bindestrich gewonnene Verdeutlichung wieder zunichte:

Ausführungsbestimmungs-konform
die Ausführungsbestimmungs-konforme Verarbeitung personengebundener Daten

In diesem Fall würde ich – wenn irgendwie möglich – sowieso eine weniger „bürokratische“, lesefreundlichere Variante wählen wie zum Beispiel:

den Ausführungsbestimmungen konform
mit den Ausführungsbestimmungen konform

eine [mit] den Ausführungsbestimmungen konforme Verarbeitung personengebundener Daten
personengebundene Daten in Übereinstimmung mit den Ausführungsbestimmungen [zu] verarbeiten

Formulierungen dieser Art sind zwar länger, aber für das nicht an Behördendeutsch gewöhnte Auge wahrscheinlich schneller und einfacher zu verstehen. Meine Empfehlung, allzu lange Wörter zu vermeiden, ist letztlich aber Ansichts- oder Geschmackssache. Streng nach Regeln sind, wie gesagt, sowohl „ausführungsbestimmungskonform“ als auch „Ausführungsbestimmungs‑konform“ mögliche Schreibungen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Komma in „die Verpflichtung[,] zu helfen und zu heilen“

Frage

Ich habe folgende Frage:

Wir haben als Ärzte die Verpflichtung zu helfen.

Das ist klar: kein Komma, weil kein erweiterter Infinitiv mit „zu“.

Wir haben als Ärzte die Verpflichtung, schnell zu helfen.

Das ist mir auch klar: ein Komma, weil erweiterter Infinitiv mit „zu“.

Jetzt die Frage:

Wir haben als Ärzte die Verpflichtung, zu helfen und zu heilen.

Steht hier nach „Verpflichtung“ ein Komma, wie ich es in der Zeitung gelesen habe?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

Ihre Erklärung zu den ersten beiden Sätzen ist nicht ganz zutreffend. Nach der geltenden Rechtschreibregelungen kann eine Infinitivgruppe mit „zu“ immer durch Kommas abgetrennt werden, auch wenn sie nur aus „zu“ und einem reinen Infinitiv besteht. Es ist also immer richtig, Kommas zu setzen. Die Frage ist vielmehr, wo man das Komma weglassen darf.

In diesem Fall ist die Infinitivgruppe von „Verpflichtung“ abhängig. Wenn eine Infinitivgruppe von einem Substantiv abhängig ist, gilt nach § 75.2 der amtlichen Rechtschreibregelung, dass Kommas gesetzt werden:

der Plan, abzureisen
der Plan, heimlich abzureisen

Wir haben die Verpflichtung, zu helfen.
Wir haben die Verpflichtung, schnell zu helfen.
Wir haben die Verpflichtung, zu helfen und zu heilen.

Nach § 75 E1 können die Kommas hier weggelassen werden, wenn ein bloßer Infinitiv vorliegt und keine Missverständnisse entstehen können. Also auch:

der Plan abzureisen
Wir haben die Verpflichtung zu helfen.

Nun zum Fall, um den es Ihnen eigentlich geht: Man könnte sagen, dass zweimal ein bloßer Infinitiv vorliegt und dass deshalb das Komma auch entfallen kann. Ich interpretiere die Regel aber anders. Wir haben es nicht mit einem bloßen Infinitiv zu tun, sondern mit zwei bloßen Infinitiven und der Konjunktion „und“. Deshalb würde ich das Komma nicht weglassen. Also nur mit Komma:

Wir haben die Verpflichtung, zu helfen und zu heilen.
Sie hat die Fähigkeit, zuzuhören und zu schweigen.
Viele spüren heute die Sehnsucht, zu berühren und zu umarmen.

Und selbst wenn man diese Interpretation nicht teilt, ist gemäß den Rechtschreibregeln das Komma hier jedenfalls nicht falsch.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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„X ist das neue Y“ und die Großschreibung

„X ist das neue Y“ – Es geht hier nicht um die Frage der Originalität solcher Formulierungen, sondern nur um die Groß- oder Kleinschreibung.

Frage

„Regional ist das neue international“ im Sinne von „Rot ist das neue Grün“ oder so ähnlich. Schreibt man „international“ groß oder klein?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

der Artikel „das“ und das gebeugte Adjektiv zeigen an, dass es sich hier um eine Substantivierung handelt. Richtig ist deshalb die Großschreibung. Das gilt nicht nur für Serientitel wie„Orange ist das neue Schwarz“ oder das zurzeit häufig strapazierte „das neue Normal“, sondern auch für:

Regional ist das neue International

Und weil es so schön unkompliziert ist, hier noch ein paar Beispiele:

Analog ist das neue Digital
Doof ist das neue Schlau
Freaky ist das neue Cool
Getrennt ist das neue Zusammen
Langsam ist das bessere Schnell

Wie man sieht, muss es nicht immer kompliziert sein. Mit einem „neuen Einfach“ kann ich aber leider nicht aufwarten, dafür gibt zu viele alte und neue Tücken der Rechtschreibung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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(K)ein schließendes Komma am Ende eines Zitats?

Frage

Ich habe eine Frage zur Kommasetzung, zu der ich auch im »Interpunktionsduden« keine Antwort finde. Vielleicht wissen Sie ja Rat. Es geht um Sätze, in denen entweder ein Zitat oder ein Werktitel enthalten ist, der mit einem Nebensatz endet. Also zum Beispiel:

Der Roman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ spielt unter anderem in Aserbaidschan.

Oder der Satz:

Für sie mache eher „das Gefühl der Überlegenheit, insbesondere gepaart mit Dummheit“ das Feindbild aus.

Würden Sie jeweils ein Komma hinter das Zitat bzw. den Romantitel setzen?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

in Fällen wie diesen würde ich wie Sie das abschließende Komma nicht setzen:

Der Roman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ spielt unter anderem in Aserbeidschan.
Für sie mache eher „das Gefühl der Überlegenheit, insbesondere gepaart mit Dummheit“ das Feindbild aus.

In einem Titel wird das abschließende Komma eines Nebensatzes oder Nachtrags sowieso nicht gesetzt:

Der Spion, der mich liebte
Nachts, wenn der Teufel kam
Sara, die kleine Prinzessin
Der Russe ist einer, der Birken liebt

Man würde also ein Komma setzen, das es im zitierten Titel gar nicht gibt. Außerdem gilt auch das Folgende:

Bei einem Nebensatz oder einem Nachtrag steht das abschließende Komma nur dann, wenn der Satz weitergeführt wird. Ist dies nicht der Fall, übernimmt der Schlusspunkt die Funktion des schließenden Kommas:

Carmen war die Rolle, die sie am meisten liebte.
Mich interessiert hier nur eine Person, nämlich der Barmann.
Das Feindbild ist für sie das Gefühl der Überlegenheit, insbesondere gepaart mit Dummheit.

In Ihrem Beispiel steht der Einschub/Nachtrag am Ende des Zitats. Dann übernimmt das abschließende Anführungszeichen die Funktion des schließenden Kommas:

Nach der Biografie sei Carmen „die Rolle, die sie am meisten liebte gewesen.
Er kokettierte damit, dass ihn „nur eine Person, nämlich der Barmann interessiert habe.
Für sie mache eher „das Gefühl der Überlegenheit, insbesondere gepaart mit Dummheit das Feindbild aus.

Es ist also in Ihren Sätzen nicht notwendig, ein Komma zu setzen, das den Nebensatz oder Nachtrag am Ende des Zitats abschließt – wodurch sich angenehmerweise auch die Frage erübrigt, ob dieses Komma vor oder nach dem abschließenden Anführungszeichen stehen müsste.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Pronomen „solches“ wird als solches immer kleingeschrieben

Heute geht es ausnahmsweise einmal um eine Frage, auf die eine kurze, eindeutige Antwort ohne Ausnahmen möglich ist. So etwas gibt es zum Glück ja auch.

Frage

Gibt es Fälle bei denen man „solchen“, „solches“ großschreibt? Ein Beispiel:

Das Geld kann aus einer kriminellen Tätigkeit oder der Beteiligung an einer solchen/Solchen stammen.

Wird „solchen“ groß- oder kleingeschrieben?

Antwort

Guten Tag Herr D.,

das Pronomen „solcher/solche/solches“ wird immer kleingeschrieben:

solch eine Frechheit
Wer solches behauptet, …
Es gibt immer solche und solche.
Einen solchen will ich nicht.
der Bürger als solcher / die Bürgerin als solche
das Dasein als solches
die Bedeutung des Staates als eines solchen

Auch in Ihrem Satz ist also die Kleinschreibung richtig:

Das Geld kann aus einer kriminellen Tätigkeit oder der Beteiligung an einer solchen stammen.

So einfach kann es manchmal sein! Leider ist nicht alles, was mit „solch“ verbunden ist, ganz so unproblematisch; siehe zum Beispiel hier und hier (falls Lesezeit und -lust vorhanden).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ungebeugtes ein: die ein oder andere Strahlungsquelle

Frage

Ich habe eine Frage zur Formulierung „die ein- oder andere Strahlungsquelle“. Ist mein gefühlsmäßig gewählter Bindestrich nach „ein“ (wegen Auslassung der Endung „e“ bei ein[e]) richtig oder ist „die ein oder andere Strahlungsquellen“ die richtige Schreibweise? […]

Antwort

Guten Tag Frau S.,

das Zahlwort „ein“ bleibt häufig ungebeugt, wenn es durch zum Beispiel „oder“,  „bis“ oder „und“ mit „zwei“ oder „andere“ verbunden ist:

mit ein oder zwei Freunden (auch: mit einem oder zwei Freunden)
die ein oder andere Frage (auch: die eine oder andere Frage)
für ein bis zwei Personen (selten: für eine bis zwei Personen)
das ein und andere Mal (selten: das eine und andere Mal)
ein um das andere Mal (selten: eines um das andere Mal)

Das gilt auch für die Wendung „ein und dasselbe“:

ein und dieselbe Ursache (selten: eine und dieselbe Ursache)
aus ein und derselben Quelle (selten: aus einer und derselben Quelle)
mit ein und demselben Partner (selten: mit einem und demselben Partner)

Auch wenn diese Formulierungen streng „logisch-grammatisch“ gesehen falsch sind – „ein“ müsste eigentlich gebeugt werden –, sind sie auch standardsprachlich sehr üblich und gelten entsprechend als korrekt.

Da das endungslose „ein“ hier als ungebeugt angesehen wird, fehlt ihm nichts. Es ist deshalb nicht notwendig, einen Auslassungsstrich oder einen Apostroph zu schreiben. Richtig ist hier also weder „ein- oder andere“ noch „ein’ oder andere“, sondern einfach „ein oder andere“:

die ein oder andere Strahlungsquelle

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das bis-Zeichen und seine Länge

Frage

Ich habe eine Frage zur Rechtschreibung bezüglich Bindestrich und Gedankenstrich. Auf Ihrer Seite finde ich in den Verweisen auf die amtliche Regelungen keinen Hinweis darauf, welchen Strich ich schreiben sollte, wenn ich „bis“ ausdrücken möchte, also z. B. in einer Literaturangabe „S. 10-20 oder S. 10–20“ […].

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

auf unseren Seiten finden Sie tatsächlich keine ausdrücklichen Angaben zum Aussehen der verschiedenen horizontalen Striche. Unsere Seiten behandeln wie die amtlichen Rechtschreibregeln „nur“ die Rechtschreibung. Die Bestimmungen über zum Beispiel die Länge des Gedankenstrichs und des bis-Zeichens gehören aber nicht zur Rechtschreibung, sondern in den Bereich der Typografie und Textverarbeitung.

Nach den allgemein gebräuchlichen typographischen Regeln verwendet man den Halbgeviertstrich (auch Langstrich genannt) für das bis-Zeichen und den Gedankenstrich. Das ist – in „Laiensprache“ ausgedrückt – ein Strich, der doppelt so lang ist wie der gewöhnliche Bindestrich. Wenn Sie ihn gebrauchen wollen oder müssen, hängt es von Ihrem Tippgerät und dessen Tastaturbelegung ab, wie sie ihn erzeugen können. Vor und nach dem bis-Zeichen steht gemäß zum Beispiel Duden kein Leerzeichen:

24.–25. Oktober
die Buchstaben A–F
S. 10–20

Ganz so eindeutig ist die Lage aber nicht: Nach DIN 5008 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung, herausgegeben vom Deutschen Institut für Normung) wird für das bis-Zeichen ein Gedankenstrich mit Leerzeichen verwendet:

24. – 25. Oktober
die Buchstaben A – F
S. 10 – 20

Nach der allgemeinen Schreibkonvention steht übrigens kein Strich, sondern immer „bis“, wenn auch „von“ steht:

vom 24. bis 25. Oktober
die Buchstaben von A bis F
von Seite 10 bis Seite 20

Dann noch zur Strichlänge: Wenn Sie nicht von Berufs wegen oder aus anderen Gründen mit typografischen Anforderungen zu tun haben, steht es Ihnen frei, wie Sie den bis-Strich genau verwenden wollen. „Normalverbraucher“ und „Normalverbraucherinnen“ können von den (anders als viele meinen) nicht allgemein verbindlichen typografischen Regeln resp. der DIN 5008 abweichen. Dies gilt auch, wenn der Halbgeviertstrich nicht zur Verfügung steht oder man (noch) nicht weiß, wie man ihn der Tastatur entlocken kann. Die folgenden Schreibungen sind also nicht grundsätzlich falsch:

25.-25. Oktober / 24. ‑ 25. Oktober
die Buchstaben A-F / die Buchstaben A ‑ F
S. 10-20 / S. 10 ‑ 20

Zu empfehlen ist aber doch, wenn möglich den allgemein üblicheren längeren Gedankenstrich zu wählen – dies nur schon, um eventuellen Bemerkungen kritischer Zeitgenossen vorzubeugen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Nicht alles kann Redebegleitung sein

Frage

Hier eine Frage zu Redebegleitsätzen: Die Regeln sind einfach im Internet nachzulesen. Meine Frage bezieht sich auf den Inhalt der Redebegleitsätze.
Solange der Redebegleitsatz Wörter wie „fragt“, „sagt“, „antwortet“, „erwidert“ usw. enthält, ist alles einfach. Kann man Redebegleitsätze bilden, die in keinem direkten Zusammenhang stehen mit dem Gesagten? Beispiele:

„Gehen wir heute schwimmen?“, Mark schaute verdutzt.
„Wann war das?“, sie nippte an ihren Kaffee.
„Das Schloss ist offen“, keiner traute sich die Tür zu öffnen.

Antwort

Guten Tag Herr oder Frau G.,

Redebegleitsätze enthalten ein Verb, das eine mündliche, schriftliche oder gedachte Äußerung einleitet:

Sie sagte/schrieb/dachte: „Wir leben in einer seltsamen Zeit.“
„Wir leben in einer seltsamen Zeit“, sagte/schrieb/dachte sie.

Ein solches redeeinleitendes Verb muss nicht unbedingt ein Verb des Sagens sein, es kann auch ein Verb sein, das „nur“ als solches verwendet wird:

„Schon wieder daneben“, schmunzelte er.
„Beim nächsten Mal wird es gelingen“, lachte sie.
„Meinst du wirklich?“, witzelte Hans.
„Immer diese Kommentare!“, seufzte sie.

Gemeint ist hier jeweils „sage er schmunzelnd“, „erwiderte sich lachend“ usw. Auch in den folgenden Sätzen ist die direkte Rede vom Verb abhängig. Das zeigt sich bei einem nachgestellten Begleitsatz u. a. daran, dass das Verb unmittelbar auf die direkte Rede folgt:

„Sie haben viel für mich getan“, dankte er ihr.
„Ich konnte nicht anders!“, verteidigte sie sich.
„Ja, so muss man es sehen“, gab er uns recht.
„Betreten verboten!“, steht auf dem Schild.
„Das Schloss ist offen“, stellte jemand fest.

In Ihren Beispielsätzen hingegen können die Verben „schauen“, „sich trauen“ und „nippen“ nicht als redeeinleitend interpretiert werden. Die direkte Rede ist nicht von ihnen abhängig. Das sieht man u. a. daran, dass die konjugierte Verbform nicht unmittelbar der direkten Rede folgt. Diese Verben gehören zu einem Satz, der etwas anderes ausdrückt, sei es ein Begleitumstand oder etwas Nachfolgendes.

Es ist dann möglich, die direkte Rede uneingeleitet zu lassen, das heißt, sie ohne Redebegleitsatz im Text aufzunehmen:

„Gehen wir heute schwimmen?“ Mark schaute verdutzt.
„Wann war das?“ Sie nippte an ihren Kaffee.
„Das Schloss ist offen.“ Keiner traute sich die Tür zu öffnen.

„Sie haben viel für mich getan.“ Er dankte ihr und verließ den Saal.
„Ich konnte nicht anders!“ Erschöpft sank sie auf den Stuhl.
„Betreten verboten!“ Das Schild, auf dem dies stand, war verrostet.

Meistens ergibt sich auch ohne Einleitung aus dem Zusammenhang, wer etwas sagt. Wenn nicht und wenn es dennoch wichtig ist, muss etwas Redebegleitendes ergänzt werden. Zum Beispiel

„Das Schloss ist offen“, flüsterte sie / stammelte Mark / krächzte eine Stimme. Keiner traute sich die Tür zu öffnen.

Natürlich ist die Grenze nicht immer so klar wie in den obenstehenden Beispielen. Deutlich sollte aber sein, dass nicht alles als Redebegleitung interpetiert werden kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Plusminus, plus/minus oder plus-minus?

Frage

Mich beschäftigt die Schreibweise „plusminus/plus/minus/plus-minus“. Im Wörterbuch finde ich die Variante „plus/minus“, die mir allerdings recht eigenartig vorkommt. Können Sie helfen?

Antwort

Guten Tag Frau R.,

mit dieser Wendung ist ist in der Regel „plus X oder minus X“, „zwischen plus X und minus X“ gemeint. Am besten kann man sie, wie es in Ihrem Wörterbuch steht, mit Hilfe eines Schrägstrichs zusammenfassen. Der Schrägstrich steht bei zusammengehörenden Wörtern, Abkürzungen, Zahlen usw. Er hat die Bedeutung „und“, „oder“, „bis“ bzw. „pro“.

maximal drei Besucherinnen/Besucher
ein paar Spritzer Zitronen- und/oder Orangensaft
Ein-/Ausgang
die Kollektion Herbst/Winter 2020/21
1000 Einwohner/km²

Entsprechend passt auch hier der Schrägstrich gut:

plus/minus zwei Grad = plus oder minus zwei Grad; zwischen zwei Grad weniger und zwei Grad mehr
eine Schwankung von plus/minus 10 Prozent = eine Schwankung zwischen +10% und -10%

Weiter kommt „plus/minus“ auch noch in dieser Redewendung vor:

plus/minus null = weder mit Gewinn noch mit Verlust, unentschieden

Nebenbei sei noch erwähnt, dass „plus/minus“ eher umgangssprachlich gelegentlich auch mit der Bedeutung „ungefähr“ verwendet wird:

Sie sind plus/minus 10 Jahre alt = ungefähr zehn Jahre alt

Der Genauigkeit halber muss gesagt werden, dass in technischen und mathematischen Bereichen auch die Schreibung „plusminus“ relativ häufig vorkommt. Ich halte sie für nicht in Übereinstimmung mit der Rechtschreibregelung, aber wegen ihrer Häufigkeit würde ich sie zumindest in Fachtexten nicht als wirklich falsch bezeichnen. Ganz so eindeuig, wie ich es Ihnen gerne präsentieren würde, ist die Schreiblage hier also nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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