Rechtschreibfragen, wenn „on demand“ auf „Bibliothek“ trifft

Frage

Können Sie mir bei folgender Frage behilflich sein? Welche Variante ist korrekt:

1) On Demand Bibliothek
2) On-Demand-Bibliothek
3) On Demand-Bibliothek
4) gar keine?

Wo setzt man […] hier einen Bindestrich? Ich hätte jetzt auf die Variante 2) getippt, aber bin mir nicht ganz sicher.

Antwort

Guten Tag Frau B.,

die Frage nach den Bindestrichen ist schnell beantwortet: Zwischen allen Teilen der Zusammensetzung müssen Bindestriche gesetzt werden. Richtig ist dann tatsächlich die Variante 2), auf die Sie getippt haben:

On-Demand-Bibliothek

Eine andere Frage ist die Groß- und Kleinschreibung. Demand (Anfrage) wird hier großgeschrieben, weil es sich um ein Substantiv handelt. Substantive aus anderen Sprachen werden auch in Zusammensetzungen großgeschrieben (vgl. amtliche Rechtschreibregelung § 55(3)). Beispiele sind dort u. a. Desktop-Publishing und Full-Time-Job.

Ganz so einfach ist es aber leider nicht. In § 55(E2) der Regelung steht, dass Substantive aus fremden Sprachen ausnahmsweise kleingeschrieben werden, wenn sie Teil einer adverbialen Fügung sind, die als Ganzes ins Deutsche übernommen worden ist. Beispiele sind u. a. a cappella, in flagranti, à discrétion, de facto und – für unseren Fall hier wichtig – die Zusammensetzungen A-cappella-Chor und De-facto-Anerkennung. Die Kleinschreibung des Substantivs gilt also auch in Zusammensetzungen mit solchen Fügungen.

So klar die Regel klingt, so unklar bleibt manchmal, was genau als feste adverbiale Fügung gilt, die als Ganzes aus einer fremden Sprache entlehnt worden ist. Muss die Fügung in Wörterbüchern wie Duden, Wahrig, Pons, DWDS, LEO stehen und, wenn ja, in allen oder nur in einem? Sind zum Beispiel on demand (etwas on demand liefern), just in time (just in time produzieren) und business to business (business to business liefern) im Deutschen als feste Fügungen üblich oder nicht? Das ist je nach Ausdruck und Branche unterschiedlich und ich möchte diese Frage auch nicht weiter diskutieren. Es geht mir vor allem darum, dass es hier einen recht großen grauen Bereich gibt. Wenn man nämlich on demand als im Deutschen gebräuchliche Fügung annimmt, muss das d nicht nur in der adverbialen Fügung on demand, sondern auch in Zusammensetzungen kleingeschrieben werden:

On-demand-Bibliothek

Da feste Kriterien fehlen, sind beide Betrachtungsweisen möglich, das heißt, beide Schreibweisen können als korrekt gelten. Weitere Beispiele:

On-Demand-Lieferung / On-demand-Lieferung
On-Demand-Mobilität / On-demand-Mobilität

Ein weiteres Kriterium sollte man in Zweifelsfällen wie diesen nicht ganz außer Acht lassen: Was ist üblich(er), On-Demand-Xyz oder On-demand-Xyz? Die Schreibung mit großem D kommt viel häufiger vor. Sie scheint sich also in der  deutschen Schreibpraxis durchzusetzen.

Hier zeigt sich wieder einmal, dass die Sprache sich auch auf der Ebene der Rechtschreibung  nicht immer in einfache, alle Fälle abdeckende Regeln fassen lässt. Deshalb heißt es häufig wie hier: Beides kommt vor und beides ist vertretbar.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

„Prost Freiheit!“ oder „Prost, Freiheit!“?

Frage

Eine Schweizer Zeitung titelt: „Prost Freiheit“. Ein Kollege und ich fragen uns, wie es hier ums Komma steht. Der Duden hat Beispiele unter „pros(i)t“ verzeichnet, etwa „prosit allerseits“ oder „prosit Neujahr“, alle ohne Komma. Aber handelt es sich beim Beispiel im Betreff um den gleichen Fall? Wir fragen uns, ob nicht nach der Grundregel (Anrede) das Komma stehen sollte.

Antwort

Guten Tag Herr F.,

ob nach „pros(i)t“ ein Komma steht oder nicht, hängt davon ab, was gemeint ist. Wenn eine Anrede folgt, steht vor ihr ein Komma:

Prost, Antoinette!
Prosit, liebe Freunde!
Prosit, sehr geehrte Damen und Herren!

Bei anderen Formulierungen hilft es, daran zu denken, dass „prosit“ eigentlich eine lateinische Verbform ist mit der Bedeutung „es möge nützen“, „es sei zuträglich“.

Prosit Neujahr!  (Das neue Jahr sei zuträglich)
Prost Mahlzeit!  (Die Mahlzeit möge zuträglich sein)
Prost allerseits!  (Es möge allerseits zuträglich sein; oder: Das Prost soll allerseits gelten)

Die „Übersetzungen“ in Klammern zeigen, weshalb in diesen Fällen besser kein Komma nach „pros(i)t“ steht.

Beim Titel, den Sie zitieren, hängt es also davon ab, ob die Freiheit angesprochen und ihr zugeprostet wird („Prost, Freiheit!“) oder ob gemeint ist, die Freiheit möge zuträglich sein („Prost Freiheit!“). Ich nehme an, dass der Artikel eine Lockerung der Coronamaßnahmen in der Schweiz behandelt, nämlich die Öffnung der Terrassen von Cafés und Restaurants. Ich denke deshalb, dass vielleich sogar beide Lesungen gemeint sein könnten. Diese Doppeldeutigkeit wäre allerdings weder mit noch ohne Komma darstellbar.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nebensätze sind nicht immer weglassbar

Immer wieder werden Fragen gestellt, die von der Annahme ausgehen, dass nur in Kommas gesetzt werden muss, kann oder darf, was weggelassen werden kann. Das ist nicht so, auch nicht bei Nebensätzen. Nebensätze können nämlich ganz verschiedene Funktionen haben und bei Weitem nicht immer weggelassen werden.

Frage

Welche Sätze in Kommas kann man weglassen? Wenn man sie weglässt, muss sich doch wohl ein sinnvoller Satz ergeben. Beispiel:

Es konnte ein Zusammenhang zwischen Eltern, die sich in der Pandemie allein mit ihren Kindern befanden, und dem wahrgenommenen Stress aufgezeigt werden.
Es konnte ein Zusammenhang zwischen Eltern und dem wahrgenommenen Stress aufgezeigt werden.

Hier geht es nicht. Aber gibt es Situationen, wo es geht?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

wenn man einen Nebensatz weglässt, muss nicht unbedingt ein vollständiger oder sinnvoller Satz übrig bleiben. Ein Nebensatz kann nämlich im übergeordneten Satz verschiedene Funktionen haben, die zum Teil obligatorisch sind. Hier ein paar Beispiele, in denen ohne Nebensatz weder grammatisch noch inhaltlich ein vollständiger Satz vorhanden ist:

– Nebensatz = Subjekt

Dass du mir zustimmst, erstaunt mich.
Erstaunt mich = kein vollständiger Satz

– Nebensatz = Objekt

Er sagt, dass du recht hast.
Er sagt = kein vollständiger Satz

– Nebensatz = obligatorische Adverbialbestimmung

Wir wohnen jetzt, wo wir schon immer wohnen wollten.
Wir wohnen jetzt = kein vollständiger Satz

– Nebensatz = Prädikativ

Werde nicht, wie dein Vater war!
Werde nicht = keine vollständiger Satz

Es gibt auch Nebensätze, die im Prinzip weggelassen werden können: Attributsätze und die Adverbialsätze. Attributsätze sind Relativsätze, die ein Wort im übergeordneten Satz näher bestimmen:

Kennst du die Frau, die dort drüben steht?
Kennst du die Frau?

Ich finde den Witz, über den ihr lacht, gar nicht lustig.
Ich finde den Witz gar nicht lustig.

Rein formal ist das Weglassen von Attributsätzen immer möglich. Bei der Bedeutung sieht es allerdings anders aus: Je nachdem wie wichtig die nähere Bestimmung für das Verständnis des Ganzsatzes ist, kann ein Relativsatz mehr oder weniger gut weggelassen werden. Wenn ein Relativsatz wichtige Informationen für das Verständnis des Ganzsatzes enthält, ist er nur schlecht weglassbar, weil dann kein allzu sinnvoller Satz mehr übrig bleibt. Das gilt auch für Ihren Beispielsatz:

Es konnte ein Zusammenhang zwischen Eltern, die sich in der Pandemie allein mit ihren Kindern befanden, und dem wahrgenommenen Stress aufgezeigt werden.

Rein formal ist der Satz auch ohne den Relativsatz „die sich in der Pandemie allein mit ihren Kindern befanden“ korrekt formuliert. Ohne den Relativsatz wird aber nur gesagt, dass ein Zusammenhang zwischen Eltern und Stress festgestellt wurde. Die meisten Mütter und Väter werden bestätigen, dass das Elterndasein mit Stress verbunden sein kann, aber die Aussage ist so zu allgemein und entspricht nicht mehr dem, was eigentlich ausgesagt werden soll.

Ähnliches gilt für die Adverbialsätze (Temporalsätze, Lokalsätze, Modalsätze, Begründungssätze usw.). Auch hier gilt: Je nachdem wie wichtig die Adverbialbestimmung für das Verständnis des Ganzsatzes ist, kann ein Adverbialsatz mehr oder weniger gut weggelassen werden.

Das bedeutet auch, dass die Weglassprobe bei der Kommasetzung nicht funktioniert. Auch wenn ein Nebensatz nicht weggelassen werden kann, muss er durch Kommas abgetrennt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wie man Botschafter/-innen am Zeilenende trennt

Heute gleich noch einmal die Worttrennung am Zeilendende:

Frage

Ich habe eine Frage rund ums Gendern und rund um den Bindestrich am Ende der Zeile. Wie ist die korrekte Schreibweise, wenn ich zum Beispiel „Botschafter/-innen“ schreibe und das „-innen“ nun auf die neue Zeile gesetzt werden muss. Folgt der Bindestrich dann noch auf der vorhergehenden Zeile oder gehört er zur weiblichen Schreibweise auf die neue Zeile?

Antwort

Guten Tag Frau H.,

zuerst eine allgemeine Bemerkung: Verbindungen mit Schrägstrich sollten der Lesefreundlichkeit zuliebe am Zeilenende möglichst nicht getrennt werden. „Notfalls“ kann man häufig besser umformulieren. Wenn es sich wirklich nicht vermeiden lässt, beim Schrägstrich zu trennen, dann steht nach dem Schrägstrich kein Trennstrich. Der Schrägstrich hat ja schon die Funktion eines Trennzeichens:

… … die Kollektion Frühling/
Sommer 2021 … … … … …

… … … … für alle Kollegen/
Kolleginnen … … … … … …

Ein Ergänzungsstrich bleibt bei der Trennung am Zeilenende bei dem Wort, zu dem er gehört. Wenn er am Anfang des Wortes steht, wird er also mit ihm auf die neue Zeile genommen:

… … … … Blumenimport und
-export … … … … … … …

… … … … Softwareentwicklung,
-verkauf und -wartung … … …

Das ergibt für Ihren und andere Fälle mit Schräg- und Ergänzungsstrich diese Trennung:

… … … … Botschafter/
-innen … … … … … …

… … Mietpreis exkl. Heiz-/
Nebenkosten … … … …

Wie am Anfang erwähnt, wäre zu erwägen, den Schrägstrich hier durch „und“ oder ein „oder“ zu ersetzen:

… … … … Botschafter
und Botschafterinnen …

… … Mietpreis exkl. Heiz-
und Nebenkosten … … …

Mir gefiele das besser, aber wenn Sie nicht dieser Meinung sind oder die Umstände es einfach nicht zulassen, sollten Sie Verbindungen mit Schräg- und Ergänzungsstrich wie oben beschrieben trennen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Substantivierte Partizipien mit „zu“: die Zubetreuenden, die Zu-Betreuenden oder die zu Betreuenden?

Frage

Wird bei substantivierten „zu-Partizipien“ (Gerundiven) das „zu“ mit in die Substantivierung integriert (und groß geschrieben) oder bleibt es klein und steht davorgestellt: „die zu Unterrichtenden“ oder „die Zuunterichtenden“ oder „die Zu-Unterrichtenden“? Anderes Beispiel:

die zu Betreuenden, die Zubetreuenden, die Zu-Betreuenden

Gibt es einen Unterschied bei vorgestelltem „zu“ und integriertem „zu“?

Antwort

Guten Tag Herr Schulz,

um mit einer eher matten scherzhaften Bemerkung anzufangen: Der Unterschied zwischen vorgestelltem „zu“ und integriertem „zu“ ist hier, dass das eine richtig und das andere falsch geschrieben ist. Ein bisschen mehr möchte ich aber doch zu dieser Frage sagen:

Richtig sind hier die folgenden Schreibungen:

die zu unterrichtenden Personen
die zu Unterrichtenden

die zu betreuenden Menschen
die zu Betreuenden

die zu bedienenden Kunden
die zu Bedienenden

Substantivierten Partizipgruppen schreibt man fast gleich, wie wenn sie vor einem Substantiv stehen. Der einzige Unterschied ist, dass das Partizip selbst großgeschrieben wird. Seine Begleiter bleiben klein (oder groß, wenn es Substantive sind):

die viel zu schnell Fahrenden
die sich die Zähne Putzende
der den Zug Nehmende
die zu Fuß Gehenden
die bunte Ostereier Suchenden

Den Versuch, die Hintergründe für diese Schreibweise substantivierter Partizipgruppen zu verstehen, finden Sie in einem älteren Blogeintrag.

Substantivierungen von Partizipgruppen können nur dann zusammengeschrieben werden, wenn sie auch bei adjektivischer Verwendung zusammengeschrieben werden können (vgl. amtl. Regelung § 36 2.1):

die Rad fahrenden Menschen / die radfahrenden Menschen
die Rad Fahrenden / die Radfahrenden

der klein gedruckte Text / der kleingedruckte Text
das klein Gedruckte / das Kleingedruckte

die Ostereier suchenden Kinder / die ostereiersuchenden Kinder
die Ostereier Suchenden / die Ostereiersuchenden

Andere zusammengeschriebene Bildungen sind keine substantivierten Partizipgruppen, sondern meist Zusammensetzungen mit einem substantivierten Partizip an zweiter Stelle:

der/die Konferenzteilnehmende (= Konferenz+Teilnehmende)
der/die Fließbandarbeitende (= Fließband+Arbeitende)
der/die Vereinsvorsitzende (= Verein+s+Vorsitzende)

Deshalb schreibt man „die zu Unterrichtenden“ und „die zu Betreuenden“.

Ich wünsche den Ostereier Suchenden, dass sie das zu Suchende finden mögen, und allen schöne Ostertage!

Dr. Bopp

Amerika-freundlich und fetttriefend am Zeilenende

Frage

Ich habe eine Frage zur Silbentrennung am Zeilenende bei aus Nomen und Adjektiv zusammengesetzten Wörtern, beispielsweise für den Begriff „wirkstofffreisetzendes Implantat“. Wenn man das Wort „wirkstofffreisetzende“ am Ende einer Zeile aus Platzgründen trennen möchte, behält man die Schreibweise „wirkstoff-freisetzende“ bei (also Kleinschreibung am Wortanfang, da Adjektivierung) oder muss man es dann „Wirkstoff-freisetzende“ schreiben (Großschreibung am Wortanfang, da es eigentlich ein Nomen ist)? Ich tendiere zur Beibehaltung der Kleinschreibung trotz Silbentrennung […]

Antwort

Guten Tag Frau K.,

der Bindestrich und der Trennstrich haben unterschiedliche Funktionen, aber sie sehen gleich aus. Wenn die beiden Zeichen aufeinandertreffen, schreibt man nur einen Strich. Wie geht man dann bei einem Wort wie „wirkstofffreisetzend“ resp. „Wirkstoff-freisetzend“ am Zeilenende vor? Wie beim Bindestrich oder wie beim Trennstrich? Ob man in diesen Fällen bei der Trennung am Zeilenende groß- oder kleinschreibt, hängt davon ab, wie man die Zusammensetzung schreibt, wenn sie ungetrennt auf einer Zeile steht.

Zusammensetzungen, die aus einem Substantiv und einem Adjektiv bestehen, schreibt man im Prinzip zusammen und mit kleinem Anfangsbuchstaben:

amerikafreundlich
fetttriefend
schadstofffrei
wirkstofffreisetzend

Bei unübersichtlichen Zusammensetzungen, bei Zusammensetzungen mit Eigennamen und beim Aufeinandertreffen dreier gleicher Buchstaben kann man auch mit Bindestrich schreiben. Das Substantiv in der Zusammensetzung wird dann großgeschrieben:

Amerika-freundlich
Fett-triefend
Schadstoff-frei
Wirkstoff-freisetzend

Werden solche Verbindungen am Zeilenende getrennt, schreibt man sie gleich, wie sie im Rest des Textes geschrieben werden oder wie man sie im Rest des Textes schreiben würde.

a) Bei Zusammenschreibung bleibt der Anfangsbuchstabe klein:

… eine sehr amerikafreundliche Politik

… eine sehr amerika-
freundliche Politik

… einige dieser wirkstofffreisetzenden Implantate

… einige dieser wirkstoff-
freisetzenden Implantate

b) Bei Schreibung mit Bindestrich bleibt der Anfangsbuchstabe groß:

… eine sehr Amerika-freundliche Politik

… eine sehr Amerika-
freundliche Politik

… einige dieser Wirkstoff-freisetzenden Implantate

… einige dieser Wirkstoff-
freisetzenden Implantate

Der Bindestrich und der Trennungsstrich fallen am Zeilenende zu einem Strich zusammen. Wenn eine solche Zusammensetzung in einem Text nur einmal vorkommt, hat man deshalb beim Trennen am Zeilenende die Wahl, wie man schreiben möchte, je nachdem wie man das Wort schreiben würde, wenn es nicht am Zeilenende stünde. Da Sie in Ihrer Frage die Schreibung ohne Bindestrich vorziehen, können Sie entsprechend bei der Trennung am Zeilenende den kleinen Anfangsbuchstaben solcher Zusammensetzungen beibehalten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Verkaufspreis [Komma?] netto

Frage

Ein Kunde hat mich letzte Woche gefragt, ob er vor „brutto“ und „netto“ jeweils ein Komma setzen solle oder nicht:

Verkaufspreis brutto
Verkaufspreis netto

Geläufig ist es wohl ohne, was meine Recherchen gezeigt haben, aber streng genommen müsste es ja, da nachgestellt, eigentlich mit Komma abgetrennt werden. Wie sehen Sie das?

Antwort

Guten Tag Herr F.,

wieder einmal ist es schwierig bis unmöglich, eine eindeutige Antwort zu geben. In Listen u. Ä. kann „Verkaufspreis netto/brutto“ ohne Komma stehen. Das kommt in Listen, Tabellen, Katalogen usw. häufig vor, auch dann, wenn streng genommen ein Komma stehen müsste:

Jeansjacke blau
Herrenhemd schmale Passform
Schrauben verzinkt 4,8×35 mm
Verkaufspreis netto

Ich halte die kommalose Schreibung in solchen Kontexten für vertretbar. Die Schreibweise mit Komma nach dem Substantiv ist hier natürlich auch möglich (und zu empfehlen), denn sie entspricht den Regeln der Rechtschreibregelung (§ 77.7):

Jeansjacke, blau
Herrenhemd, schmale Passform
Schrauben, verzinkt, 4,8×35 mm
Verkaufspreis, netto

Anders sieht es für solche Verbindungen im durchlaufenden Text aus, wo die Regeln der Zeichensetzung im Allgemeinen etwas weniger flexibel interpretierbar sind. Die Wörter „brutto“ und „netto“ sind Adverbien und sollten im Text auch so verwendet werden:

Der Nettoverkaufspreis beträgt € 78,90 (o. evtl. Netto-Verkaufspreis)
Der Verkaufspreis beträgt netto € 78,90
Der Verkaufspreis (netto) beträgt € 78,90
Der Verkaufspreis, netto, beträgt € 78,90

Den letzten Satz halte ich für weniger gelungen, außer wenn man „netto“ als Verkürzung von zum Beispiel „netto gerechnet“ ansieht.

Man könnte sogar argumentieren, dass „Verkaufspreis netto“ und „Verkaufspreis brutto“ zumindest fachsprachlich feste Verbindungen geworden sind, die ähnlich wie „Forelle blau“ und „Whisky pur“ ohne Komma geschrieben werden (vgl. amtl. Regelung § 77 E3). Selbst für ein so kleines und übersichtliches Phänomen gibt es mehrere Interpretationsmöglichkeiten!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Abkürzungen als Namen – und dann im Genitiv: ABCs, ABC’s oder ABC’ Produkte?

Frage

Ich habe hier den Firmennamen ABC, der also auf C endet. Gilt das C als Zischlaut und heißt es dann im Genitiv „von ABC‘ Produkten“ (also von den Produkten der Firma ABC) oder „von ABCs Produkten“?

Antwort

Guten Tag Frau F.,

richtig ist hier die Schreibung mit einem Genitiv-s:

von ABCs Produkten

Entscheidend ist hier die Aussprache. Der Name ABC wird als „abeezee“ gesprochen, der Genitiv als „abezes“. Entsprechend erhält der Genitiv auch in der geschriebenen Form ein -s. Das gilt auch für Abkürzungsnamen mit einem Z [zet] am Schluss:

ein Pass von FCZs Mittelstürmer Alhassane Keita

Bei anderen Buchstaben gibt es kaum Probleme:

BASFs neuer Betriebsstandort
BMWs teuerstes Modell
IBMs Geschäftsleitung
RWEs Kraftwerke
H&Ms Bademode

Nur wenn Namen Abkürzungen sind, die mit einem als Buchstaben gesprochenen S [es] oder X [iks] enden, verzichtet man am besten auf eine Formulierung, die ein Genitiv-s oder einen Apostroph verlangt:

die Versanddienste von GLS (statt GLS’ Versanddienste)
der Geschäftserfolg von THX (statt THX’ Geschäftserfolg)

Bei Namen dieser Art, die mit Artikel verwendet werden, stellt sich wie bei Abkürzungen, die keine Namen sind, die Frage nach dem Apostroph nicht. Sie stehen je nach Aussprache mit einem Genitiv-s oder ohne Endung:

die Programme des ZDFs o. des ZDF
das Erlernen des Abcs o. des Abc
der Mittelstürmer des FCZs o. des FCZ
die Vorteile des ABS

Vielleicht ist Ihnen auch aufgefallen, dass die Kombination von Apostroph und s nicht vorkommt. Man schreibt tatsächlich nicht ABC’s, BMW’s, RWE’s oder GLS’s – jedenfalls nicht, wenn man sich an die Rechtschreibregelung halten möchte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Steht das Komma vor „nur wenn“ oder zwischen „nur“ und „wenn“?

Frage

Ich habe eine Frage zur Kommasetzung. Ich habe diesen Satz (etwas gekürzt):

Wählen Sie diese Option nur, wenn die Lampe grün blinkt.

Hier ist das Komma meiner Meinung nach an der richtigen Stelle. Was ist aber mit diesem Satz:

Wählen Sie diese Option, immer wenn die Lampe grün blinkt.

Muss das Komma vor oder nach dem „immer“ stehen? Mich irritiert, dass das Komma einmal direkt vor „wenn“ steht und einmal vor „immer“.

Antwort

Guten Tag Herr R.,

im ersten Satz kann das Komma nur nach „nur“ stehen, weil dieses „nur“ zum übergeordneten Satz gehören muss:

Wählen Sie diese Option nur, wenn die Lampe grün blinkt.
nicht: *Wählen Sie diese Option, nur wenn die Lampe grün blinkt.

Vergleichen Sie die beiden Sätze mit einer geänderten Wortstellung:

Sie können diese Option nur wählen, wenn die Lampe grün blinkt.
nicht: *Sie können diese Option wählen, nur wenn die Lampe grün blinkt.

Hier zeigt ist, dass „nur“ zum übergeordneten Satz gehören muss und nicht zum Nebensatz gehören kann.

Im zweiten Satz sind beide Kommasetzungen möglich, weil „immer“ sowohl zum übergeordneten Satz als auch zum Nebensatz gehören kann:

Wählen Sie diese Option immer, wenn die Lampe grün blinkt.
Wählen Sie diese Option, immer wenn die Lampe grün blinkt.
Vgl.
Sie können diese Option immer wählen, wenn die Lampe grün blinkt.
Sie können diese Option wählen, immer wenn die Lampe grün blinkt.

Andere Beispiele:

Wählen Sie diese Option nie, wenn die Lampe rot blinkt.
nicht: *Wählen Sie diese Option, nie wenn die Lampe rot blinkt.
Vgl.
Sie dürfen diese Option nie wählen, wenn die Lampe rot blinkt.
nicht: *Sie dürfen diese Option wählen, nie wenn die Lampe rot blinkt.

Wählen Sie diese Option jedes Mal, wenn die Lampe grün blinkt.
Wählen Sie diese Option, jedes Mal wenn die Lampe grün blinkt.
Vgl.
Sie sollten diese Option jedes Mal wählen, wenn die Lampe grün blinkt.
Sie sollten diese Option wählen, jedes Mal wenn die Lampe grün blinkt.

Wo das Komma gesetzt wird, wenn in einem Satzgefüge ein Adverb o. Ä. und eine Konjunktion nebeneinanderstehen, hängt davon ab, zu welchem Teilsatz das Adverb gehört. Wenn es zum Nebensatz gehört, steht das Komma vor ihm, sonst hinter ihm. Bei Zweifel kann eine Umstellung des Satzes oder das Einfügen eines Modal- oder Hilfsverbs häufig helfen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn Gedankenstriche und andere Satzzeichen aufeinandertreffen

Frage

Ich habe eine Frage zum Thema „Komma und Gedankenstrich“. Je länger ich auf folgende Sätze starre, desto unsicherer werde ich:

Die Gestaltung des Gartens – der mosaikverzierte Fischteich, das aufwändig angelegte Pflanzenrondell –,(?) beeindruckte ihn.

Thomas, der wieder bei Andrea wohnte – die ebenfalls Grüße bestellte –,(?) kündigte seinen Besuch an.

Ich weiß wirklich nicht, ob nun ein Komma nach dem letzten Strich gesetzt werden muss.

Antwort

Guten Tag Frau G.,

bei Einschüben mit Gedankenstrichen muss zwischen den Satzzeichen, die zum übergeordneten Satz gehören, und den Satzzeichen, die zum Einschub gehören, unterschieden werden.

a) Satzzeichen des übergeordneten Satzes

Bei einem Einschub mit doppelten Gedankenstrichen gilt, dass man die Satzzeichen im übergeordneten Satz gleich setzt, wie wenn der Einschub nicht stünde.

Bei Ihrem ersten Beispielsatz steht kein Komma nach dem Gedankenstrich, weil dort auch ohne Einschub kein Komma stehen würde:

Die Gestaltung des Gartens – der mosaikverzierte Fischteich, das aufwändig angelegte Pflanzenrondell beeindruckte ihn.
vgl.: Die Gestaltung des Gartens beeindruckte ihn.

Beim zweiten Satz folgt direkt nach dem abschließenden Gedankenstrich ein Komma, nämlich das Komma, das auch ohne Einschub geschrieben würde:

Thomas, der wieder bei Andrea wohnte – die ebenfalls Grüße bestellte –, kündigte seinen Besuch an.
vgl.: Thomas, der wieder bei Andrea wohnte, kündigte seinen Besuch an.

Und hier noch zwei weitere Beispiel, in denen Satzzeichen des übergeordneten Satzes nach dem schließenden Gedankenstrich stehen:

Das Problem war – schon zum x-ten Mal –, dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.
vgl.: Das Problem war, dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.

Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –: „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“
vgl.: Dann behauptete er: „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“

Die Satzzeichen des übergeordneten Satzes müssen also immer geschrieben werden. Wie sieht es aus, wenn der Einschub Satzzeichen hat?

b) Satzzeichen am Ende des Einschubes

Fragezeichen und Ausrufezeichen, die zu einem eingeschobenen Zusatz oder Nachtrag gehören, werden vor dem zweiten Gedankenstrich geschrieben:

Unser Geheimnis – du weißt doch noch welches? – bleibt weiterhin unter uns.

Das Problem war – schon wieder! –, dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.

Ein Punkt, der zu einem eingeschobenen Zusatz oder Nachtrag gehört, fällt weg, auch wenn es sich um einen vollständigen Satz handelt:

Die zwölf Punkte aus Zypern gingen auch dieses Jahr – die Festivaltradition will es so  – an Griechenland.

Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –, er habe die Frau noch nie gesehen.

Auch ein abschließendes Komma am Schluss des Einschubs wird nicht geschrieben:

Die Gestaltung des Gartens – vor allem das aufwändig angelegte Pflanzenrondell, in dem exotische Blumen gediehen – beeindruckte ihn.

Thomas, der wieder bei Andrea wohnte – seiner Freundin, die ebenfalls Grüße bestellte –, kündigte seinen Besuch an.

Zusammenfassend

Die Satzzeichen des übergeordneten Satzes werden alle geschrieben, wie wenn es keinen Einschub gäbe. Ein zum Einschub gehörendes Frage- oder Ausrufezeichen wird vor dem abschließenden Gedankenstrich geschrieben. Ein abschließender Punkt oder ein abschließendes Komma am Ende des Einschubes fällt weg.

All dies – und viele weitere Informationen zur Zeichensetzung beim Gedankenstrich! – finden Sie auch auf dieser Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp