Auch ein angeführtes Einzelwort hat ein Anrecht auf seinen Schlusspunkt

Frage

Ich habe […] schon öfter Formulierungen wie diese gelesen:

„Gut.“ Er wirkte beleidigt. „Du wirst sehen, was du davon hast.“
„Niemals.“ Sie verschränkte die Arme, um ihre Ablehnung zu unterstreichen.

Ich bin unsicher, wie ich den Punkt hinter einem einzelnen Wort handhaben soll. Gehört der da hin oder nicht? Streng genommen ist ein einzelnes Wort ja kein Satz, aber ohne Punkt sieht es für mich jedenfalls „falsch“ aus. Leider finde ich im Netz keine klare Regelung zu einem Satzzeichen an dieser Stelle.

Antwort

Guten Tag Frau H.,

auch ein einzelnes Wort kann die Funktion eines Satzes haben. Es ist dann ein sogenanntes Satzäquivalent. In § 61 der Rechtschreibregelung steht:

Der Punkt kennzeichnet in fortlaufenden Texten den vollständigen Abschluss eines selbstständigen Satzes oder Satzäquivalents.
[…]
Selbstständige Satzäquivalente
Die Maurer also nicht. Auch der Gärtner nicht. Schade. Ja. Finde ich auch. Na dann. Morgen vielleicht.

Das gilt auch in Fällen wie diesen:

Ich habe sie auch eingeladen. Gut? – Ja, gut.
Gut. Du wirst schon sehen, was du davon hast.
Bist du einverstanden? – Niemals!

Das Satzschlusszeichen bleibt auch dann erhalten, wenn das Satzäquivalent als Zitat in Anführungszeichen steht:

„Gut.“ Er wirkte beleidigt. „Du wirst schon sehen, was du davon hast.“
„Niemals.“ Sie verschränkte ihre Arme …
„Niemals!“ Sie verschränkte ihre Arme …

Ohne Punkt sehen Ihre Beispiele für Sie deshalb falsch aus, weil sie es ohne Punkt auch wären. Mit Punkt wirken sie wegen der vielen Satzzeichen auf engem Raum vielleicht ein bisschen ungewohnt, aber auch ein Einzelwort hat als Satzäquivalent ein Anrecht auf sein Satzschlusszeichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Teilsätze und Kommas

Frage

Ich habe eine Frage zur Kommasetzung in diesem Satz:

Man wählt das Element, das man bearbeiten möchte[,] an[,] und sucht die gewünschte Farbe aus.

Mir ist bewusst, dass das kein guter Satz ist; es geht lediglich um die Vorgehensweise vor und nach dem Wörtchen „an“. Ich wäre geneigt, alle Kommas zu setzen. Chat-GPT hat sich massiv gegen das Komma nach „möchte“ gesträubt. Nun ist mir klar, dass das keine seriöse Quelle ist. Aber ich habe leider nirgendwo anders eine Erläuterung gefunden. Daher würde ich mich sehr freuen, wenn Sie Licht ins Dunkel bringen könnten.

Antwort

Guten Tag Frau M.,

das Komma nach möchte muss stehen, das Komma vor und sollte weggelassen werden.

Hier muss der Relativsatz das man bearbeiten möchte vorn und hinten durch ein Komma abgetrennt werden. Es steht also auch ein Komma nach möchte:

Man wählt das Objekt, das man bearbeiten möchte, an.

Das Komma nach an darf nicht gesetzt werden. Das und verbindet zwei nebengeordnete Teilsätze miteinander. Dann steht kein Komma vor und*:

Man wählt das Objekt an und sucht die gewünschte Farbe aus.

Wenn wir nun den Relativsatz wieder hinzufügen, sieht das Ganze so aus:

Man wählt das Objekt, das man bearbeiten möchte, an und sucht die gewünschte Farbe aus.

Sie haben recht, dass dieser Satz kein stilistisches Meisterwerk ist. Deutlicher wird der Satz zum Beispiel dann, wenn man den Relativsatz an den Schluss des ersten Satzes stellt:

Man wählt das Objekt an, das man bearbeiten möchte, und sucht die gewünschte Farbe aus.

Es steht dann ein Komma vor und, aber das schließt hier den Relativsatz ab.

Auch in Fragen der Rechtschreibung und der Grammatik ist KI nicht immer zuverlässig. Die Begründungen klingen immer gut, nach meiner Erfahrung sind sie aber des Öfteren unzulänglich oder sogar falsch.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Ein Komma kann optional dann stehen, wenn der zweite Satz ausformuliert ist, das heißt, wenn er auch allein stehen kann (vgl. §71(3) der Rechtschreibregelung):

Man wählt das Objekt, das man bearbeiten möchte, an[,] und man sucht die gewünschte Farbe aus.

Bindestriche in Zusammensetzungen mit Anführungszeichen oder Kursivierung: der „Jugend und Bewegung“-Unterricht

Frage

Bei meiner Frage handelt es sich um die Nutzung von Bindestrichen bei hervorgehobenen Wortgruppen. Laut Duden ist eine komplette Durchkoppelung mit Bindestrichen ja nicht nötig, wenn Teile des Begriffs in Anführungszeichen stehen, z. B. die »25 Jahre CCI«-Feier.

Wenn nun in einem Text ein fester Begriff durch Kursivierung hervorgehoben ist (z. B. das Unterrichtsfach Sport und Bewegung), würde diese Regelung auch mit kursiv geschriebenen Begriffen gehen (der Sport und Bewegung-Unterricht) oder müsste hier komplett mit Bindestrichen geschrieben werden (der Sport-und-Bewegung-Unterricht)?

Antwort

Guten Tag Frau B.,

wenn man die Angaben in der Dudenregel D26 wörtlich nimmt, kann die Durchkoppelung nur bei Anführungszeichen unterlassen werden. Von anderen Kennzeichnungen wie der Kursivierung wird nichts gesagt.

Die Dudenangabe stützt sich auf § 79(2) der Rechtschreibregelung. Dort steht dazu:

[…] Erwähnte Ausdrücke sind formal autonom und in sich abgeschlossen. In Fällen wie die dritte „Game of Thrones“-Staffel oder der „Staatliche Schulen testen Einheitskleidung“-Artikel werden die Bestandteile des angeführten Ausdrucks deshalb nicht mit dem Bindestrich durchgekoppelt.

§ 79 behandelt die Anführungszeichen und auch die Beispiele sind mit Anführungszeichen. Das würde heißen, dass die Nichtdurchkoppelung nur bei der Verwendung von Anführungszeichen gilt.

Ebenfalls in § 79(2) steht weiter unten allerdings auch:

Um Werktitel zu markieren, sind auch andere Auszeichnungen möglich (z. B. Kursivierung oder Fettung).

Ob das Nichtdurchkoppeln auch hier gilt, wird nicht erwähnt. Im Rechtschreibduden wird bei den Anführungszeichen (D6 u. D7) erwähnt, dass Zitate und Werktitel auch durch Kursivierung gekennzeichnet werden können. Bei der Duchkoppelung steht aber nichts darüber.

[Nachtrag 10. April 2026: Die unten genannte Interpretationsfreiheit ist geringer, als ich beim Schreiben des Artikels annahm. Ich hatte § 81 (2) zum Divis übersehen. Dort steht ausdrücklich:

Bei Wortgruppen, die in Anführungszeichen stehen, wird der Durchkoppelungsbindestrich nicht gesetzt: „Die Piraten der Karibik“-Filme

Wenn man auch bei kursivierten Wortgruppen auf die Durchkoppelung verzichtet, ist das also eine sehr freie Interpretation der Regeln.]

Man hat hier also eine gewisse Interpretationsfreiheit. Ich würde sagen, dass man – wenn konsequent durch Kursivierung statt mit Anführungszeichen gekennzeichnet wird – auch dann nicht durchkoppelt:

die dritte „Game of Thrones“-Staffel
die dritte Game of Thrones-Staffel

der „Staatliche Schulen testen Einheitskleidung“-Artikel
der Staatliche Schulen testen Einheitskleidung-Artikel

der „Jugend und Bewegung“-Unterricht
der Jugend und Bewegung-Unterricht

Ich finde solche Wortbildungen allerdings stilistisch ziemlich unschön. Viel besser sind meiner Meinung nach häufig Formulierungen wie diese:

die dritte Staffel von „Game of Thrones“
die dritte Staffel von Game of Thrones

der Artikel „Staatliche Schulen testen Einheitskleidung“
der Artikel Staatliche Schulen testen Einheitskleidung

der Unterricht „Jugend und Bewegung“
der Unterricht im Fach „Jugend und Bewegung“
der Unterricht Jugend und Bewegung
der Unterricht im Fach Jugend und Bewegung

So vermeidet man nicht nur die Frage nach der Durchkoppelung, sondern auch eher unschöne Wortungetüme.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Ohne Kennzeichnung sollte durchgekoppelt werden:

die dritte Game-of-Thrones-Staffel
der Sport-und-Bewegung-Unterricht

Von irgendwo nach nirgendwo und von Irgendwo nach Nirgendwo

Frage

Es geht „von nirgendwo nach nirgendwo“. Ist das eine Substantivierung, also „von Irgendwo nach Nirgendwo“? Es handelt sich um eine Geschichte:

„Ich suche das Land Nirgendwo“, sagte der Junge.

Hier schreibt man „Nirgendwo“ groß, das ist klar. Aber eine andere, gebildete Person erwidert in der Geschichte:

„Ich will auch dorthin. Ich komme von Irgendwo und möchte nach Nirgendwo. Und woher kommst du?“
„Auch von Irgendwo.“

Dann geht der Text so weiter:

So gingen die beiden weiter – von Irgendwo nach Nirgendwo.

Es ist kein Phantasieroman oder Märchen, sondern spielt in einer realen Zeit. Der Junge glaubt an das Land Nirgendwo, die andere Person weiß, dass es diesen Ort nicht gibt. Schreibe ich hier groß oder klein?

Antwort

Guten Tag Frau G.,

im Prinzip schreibt man diese Adverbien klein:

von irgendwo nach nirgendwo
Sie gingen von irgendwo nach nirgendwo.

Wenn man allerdings einen fiktiven Ort meint, der den Namen Nirgendwo oder Irgendwo trägt, schreibt man groß*:

der Ort Irgendwo im Land Nirgendwo

Ihr Rechtschreibproblem entsteht dadurch, dass in diesem Fall mit zwei Bedeutungen gespielt wird: einerseits das Land Nirgendwo und vielleicht auch der Ort Irgendwo, andererseits gleichzeitig die unbestimmten Ortsadverbien nirgendwo und irgendwo.

Wenn es das Land Nirgendwo nicht gibt, liegt es nirgendwo. Der Ort Irgendwo liegt irgendwo. Im Text, um den es Ihnen geht, wird offenbar mit dieser Zweideutigkeit gespielt. Entsprechend wären beide Schreibweisen gleichzeitig die beste Lösung. Während man die Zweideutigkeit in der gesprochenen Sprache bestehen lassen kann, ist dies in der geschriebenen Sprache aber nicht möglich. Eine Lösung könnte sein, den Jungen Ortsnamen und die andere Person Adverbien verwenden zu lassen:

„Ich möchte in das Land Nirgendwo.“
„Ich will auch dorthin. Ich komme von irgendwo und möchte nach nirgendwo. Und woher kommst Du?“
„Auch von Irgendwo.“ (o. ggf. „Auch von irgendwo.“)

So gingen die beiden weiter – von irgendwo nach Nirgendwo.

Damit könnten Sie versuchen, die Einstellung und das Wissen der jeweils sprechenden Person zum Ausdruck zu bringen. Das ist aber nicht die einzig mögliche Lösung. Es gibt keine Regel, die hier eine eindeutige Entscheidung erlaubt. Es liegt an Ihnen, wie Sie mit dieser Zweideutigkeit schriftlich umgehen oder eben damit spielen möchten. Die „optimale“ Lösung gibt es meiner Meinung nach nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Ebenfalls großgeschrieben nach Artikelwörtern u. Ä.:

aus dem Irgendwo ins Nirgendwo

Groß oder klein? Wenn der oberste Gerichtshof Oberster Gerichtshof heißt

Frage

In den Medien lese ich „oberstes Gericht“, „Oberster Gerichtshof“ der USA (Supreme Court) mal mit kleinem o, mal mit großen O. Die amerikanische Demokratische Partei würde ich selbstverständlich mit großem D schreiben, denn das ist ja die direkte Übersetzung, aber „oberst“ ist nicht die exakte Übersetzung von „Supreme“, weswegen ich dazu tendieren würde, den Supreme Court mit „oberster Gerichtshof“ zu übersetzen. Was meinen Sie?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

ob man oberster Gerichtshof oder Oberster Gerichtshof schreibt, hängt davon ab, ob man über eine gewisse Art Institution schreibt (den obersten Gerichtshof) oder ob man den Namen einer bestimmten Institution meint (den Obersten Gerichtshof).

Der Supreme Court der USA in Washington heißt in deutscher Übersetzung Oberster Gerichtshof der USA (man kann supreme hier „einfach“ mit oberste übersetzen). Es ist der Name des obersten, das heißt des höchsten, in letzter Instanz urteilenden Gerichtes der Vereinigten Staaten. Sich in Wortspielen verlierend könnte man sagen, dass der Oberste Gerichtshof der oberste Gerichtshof oder das oberste Gericht des Landes ist.

Es ist auch nicht der einzige oberste Gerichtshof. So gibt es auf der Ebene der einzelnen Bundesstaaten zum Beispiel den Obersten Gerichtshof von Kalifornien (Supreme Court of California), den Obersten Gerichtshof von Texas (Supreme Court of Texas) und in vielen anderen US-Bundesstaaten oberste Gerichte (state supreme courts), die den Namen Oberster Gerichtshof tragen. Wie Sie richtig erwähnen, heißt das höchste oder oberste Gericht Österreichs ebenfalls Oberster Gerichtshof (OGH). Name und Funktion sind hier jeweils bis auf den Anfangsbuchstaben des Adjektivs identisch.

Vor ein paar Tagen hat also der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten (Supreme Court of the United States) als oberstes Gericht dieses Landes die Zollentscheidungen des Präsidenten „gekippt“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Groß oder klein: von aus zu an / von Aus zu An?

Frage

Würden Sie in der folgenden Formulierung „an“ und „aus“ groß- oder kleinschreiben?

Von Aus zu An: Forschende haben beobachtet, wie sich Medikamente mit Licht umschalten lassen.

Falls Kleinschreibung, dann könnte man ja vielleicht auch „an“ und „aus“ auch in Anführungszeichen setzen, um es zu betonen:

Von „aus“ zu „an“: Forschende haben beobachtet, wie sich Medikamente mit Licht umschalten lassen.

Antwort

Guten Tag Herr H.,

hier würde ich die Kleinschreibung wählen, und zwar ohne Anführungszeichen:

Von aus zu an: Forschende haben beobachtet, wie sich Medikamente mit Licht umschalten lassen.

Es steht nach meiner Interpretation kurz für von aus sein zu an sein. Aber auch der Vergleich mit anderen Formulierungen ähnlicher Form wie zum Beispiel von oben nach unten oder für draußen und drinnen legt die Kleinschreibung nahe.

Großschreiben würde ich dann, wenn es sich um einen Schalter, einen Druckknopf oder etwas Ähnliches mit einer Aufschrift mit Großbuchstaben handelt. Dann passen Anführungszeichen oder eine andere Kennzeichnung:

Drehen Sie den Schalter von „Aus“ auf „An“.
Die Anzeige wechselt von AN zu AUS.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mit oder ohne Bindestrich:
Geisterbahn-ähnlich oder
geisterbahnähnlich?

Frage

Von zwei Korrektoren haben wir zwei verschiedene Antworten erhalten. Welche stimmt? Oder gibt es gar eine dritte Lösung?

Aufgehängt an Haken treten die Beutel eine Geisterbahn-ähnliche Fahrt an.
Aufgehängt an Haken treten die Beutel eine geisterbahnähnliche Fahrt an.

Ich nehme an, dass es sich um den gleichen Fall wie „butterweich“ oder „knochentrocken“ handelt und daher klein und zusammengeschrieben wird.

Antwort

Guten Tag Herr K.,

im Prinzip schreibt man hier tatsächlich nach § 36(1.1) der Rechtschreibregelung zusammen. Wenn das erste Glied der Zusammensetzung einer Wortgruppe entspricht, wird zusammengeschrieben:

abbruchreif = reif für den Abbruch
sauerstoffarm = arm an Sauerstoff
windgeschützt = vor dem Wind geschützt
algorithmusgesteuert = durch einen Algorithmus gesteuert

und ebenso:

geisterbahnähnlich = einer Geisterbahn ähnlich
eine geisterbahnähnliche Fahrt = eine einer Geisterbahn ähnliche Fahrt

Wie fast immer bei Zusammensetzungen kann man nach § 45(2) derselben Regelung auch einen „verdeutlichenden“ Bindestrich verwenden:

Geisterbahn-ähnlich
eine Geisterbahn-ähnliche Fahrt

Dabei ist die Großschreibung des Substantivs zu beachten, siehe § 55(2) der Rechtschreibregelung.

Beide Varianten sind also korrekt. Ich würde hier die zusammengeschriebene Variante geisterbahnähnlich empfehlen, denn ich halte diese Zusammensetzung nicht für unübersichtlich.

Ähnliches gilt auch für Zusammensetzungen wie diese:

eine rollstuhlgerechte Wohnung
eine hochseetaugliche Jacht
das datenbankbasierte Engineering
die algorithmusgesteuerte Nachrichtenauswahl

Man kann sie auch mit Bindestrich schreiben, aber sind diese Varianten wirklich besser lesbar?1

eine Rollstuhl-gerechte Wohnung
eine Hochsee-taugliche Jacht
das Datenbank-basierte Engineering
die Algorithmus-gesteuerte Nachrichtenauswahl

Kurzum: Meiner Meinung nach am besten eine geisterbahnähnliche Fahrt, aber eine Geisterbahn-ähnliche Fahrt geht auch. Nur *eine Geisterbahn ähnlich Fahrt ist wirklich falsch, auch wenn man solchem häufiger begegnet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

1 Der Bindestrich bei Zusammensetzungen wird häufig zu Recht für Texte in Leichter Sprache empfohlen. Zusammensetzungen wie die obenstehenden sollte man aber in solchen Texten auch dann vermeiden, wenn man sie mit Bindestrich schreibt.

(Von) anderswoher und (von) woandersher

Frage

Ich denke über das Wort „woanders“ nach. Ich möchte damit ausdrücken, dass jemand von einem anderen Ort kommt. Sind die folgenden Sätze grammatisch? Würden Sie Satz 1 oder Satz 2 bevorzugen?

Satz 1: Er kommt von woanders her.
Satz 2: Er kommt woanders her.

Antwort

Guten Tag Herr M.,

hier passt am besten „woandersher“ oder „anderswoher“:

Er kommt woandersher.
Er kommt anderswoher.

(In den Wörterbüchern werden diese Adverbien zum Teil als „umgangssprachlich“ bezeichnet, aber das soll uns hier nicht weiter stören.)

Man schreibt also zusammen. Das gilt auch für zum Beispiel irgendwoher, nirgendwoher bzw. woandershin*, anderswohin*, irgendwohin*, nirgendwohin*:

Irgendwoher klang leise Musik.
Als er sie hereinkommen sah, blickte er schnell woandershin.
Wir gehen nirgendwohin.

Die Kombination mit von – also von woandersher, von anderswoher oder von woher – kommt auch vor, sie ist aber eigentlich redundant, denn woher und woandersher drücken ja schon VON einer (anderen) Stelle aus. Dennoch begegnet man dieser Kombination sehr häufig, so dass man sie kaum als falsch bezeichnen kann. Interessant ist hier, dass die entsprechende Verbindung nach woandershin bzw. nach anderswohin nur sehr selten vorkommt.

Meine Empfehlung: statt von woher/von woandersher/von anderswoher besser einfach woher/woandersher/anderswoher und am besten nie nach woandershin/nach anderswohin, sondern nur woandershin/anderswohin.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Hier ist manchmal je nach Bedeutung auch eine andere Schreibung möglich:

Wollen wir uns anderswohin setzen? (an einen anderen Ort setzen)
Wollen wir uns anderswo hinsetzen? (an einem anderen Ort hinsetzen)

etwas achtlos irgendwohin legen (an irgendeinen Ort legen)
etwas achtlos irgendwo hinlegen (an irgendeinem Ort hinlegen)

Mit oder ohne Komma: „Ohne Daten[,] keine KI“

Frage

Ich habe hier eine kleine Frage zur Kommasetzung und hoffe, dass Sie mir dabei helfen können.

So ist der aktuelle Stand: Ohne Daten[,] keine Bestätigung. Ohne Bestätigung[,] keine Anhörung.

Gefühlt würde ich denken, dass kein Komma stehen sollte.

Antwort

Guten Tag Frau B.,

Ihr Gefühl täuscht Sie nicht. Man setzt die Kommas bei verkürzten Sätzen im Prinzip gleich, wie wenn sie vollständig sind. Hier handelt es sich um Sätze, bei denen in der ausformulierten Form keine Kommas stehen. Sie kommen deshalb auch in der verkürzten Form ohne Kommas aus:

Ohne Daten gibt es keine Bestätigung. Ohne Bestätigung gibt es keine Anhörung.

Ohne Daten keine Bestätigung. Ohne Bestätigung keine Anhörung.

Hier noch ein paar Beispiele:

Ohne Zustimmung keine Werbung
Ohne Vorauszahlung kein Versand
Ohne Arbeit kein Geld, ohne Geld keine Wohnung, ohne Wohnung keine Arbeit
Ohne Daten keine KI

So unkompliziert kann es manchmal sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wie man „Neunzehnhundertsechziger- und Neunzehnhundertsiebzigerjahre“ abkürzen kann

Wer diesen Blog häufiger liest, hat wahrscheinlich schon festgestellt, dass es oft mehr als nur eine korrekte Schreib- oder Formulierungsweise gibt. Diesmal ist es aber fast ein bisschen übertrieben.

Frage

Ich habe einen Text, bei dem die Schreibung der Jahreszahlen unterschiedlich ist: zum Beispiel „in den 1960er-/70er-Jahren“ und „in den 1960er-/1970er-Jahren“. Diese Begriffe kommen im gesamten Text sehr oft vor. Welche Schreibweise ist regelkonform oder gehen evtl. beide? Wenn ja, welche Version würden Sie empfehlen?

Antwort

Guten Tag Frau W.,

eine „offizielle“ Regel hierzu gibt es nicht. Ähnlich wie es in der gesprochenen Sprache verschiedene Möglichkeiten gibt, so gibt es auch verschiedene geschriebene Varianten, die als korrekt gelten können. Je nachdem, wie stark man abkürzen muss oder will, sind dies mehr oder weniger empfehlenswerte Schreibweisen:

in den Neunzehnhundertsechziger- und Neunzehnhundertsiebzigerjahren
in den 1960er- und 1970er-Jahren
in den 1960er-/1970er-Jahren
in den 1960er/1970er-Jahren
in den 1960er-/70er-Jahren
in den 1960er/70er-Jahren
in den 1960/70er-Jahren

Auch ohne Bindestrich:

in den neunzehnhundertsechziger und neunzehnhundertsiebziger Jahren
in den 1960er und 1970er Jahren
in den 1960er/1970er Jahren
in den 1960er/70er Jahren
in den 1960/70er Jahren

Die Schreibung ganz ohne Ziffern bleibt literarischen Texten vorbehalten und ist auch dort kein Wunder der Lesbarkeit. Ich würde hier die zweitlängste Variante wählen, wenn der Platz es zulässt:

in den 1960er- und 1970er-Jahren

Wenn abgekürzt werden soll, dann würde ich es nach dem Motto „Wenn schon, denn schon“ tun:

in den 1960/70er-Jahren

Alle anderen Varianten sind aber auch mehr oder weniger gut vertretbar. Von den beiden Schreibweisen in Ihrer Frage gefällt mir in den 1960er-/1970er-Jahren besser.

Es gibt also weit mehr als nur eine akzeptable Möglichkeit. Es ist allerdings zu empfehlen, innerhalb eines Textes möglichst konsequent die gleiche Schreibweise zu verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp