Wie man „intravenös“ am besten abkürzt

Frage

Meine Kolleginnen baten mich, Sie zu fragen, wie „I.v.-Injektion“ („intravenöse Injektion“) richtig geschrieben wird. Die Überlegungen gingen zum einen dahin, ob Bindestriche gesetzt werden, zum andern auch, ob das I groß geschrieben werden muss.

Wir haben in unseren Transkriptionsregeln irgendwann mal festgelegt, dass wir i.v. ohne Leerschritt schreiben wollen. Aber strenggenommen ist das ja falsch. […]

Antwort

Guten Tag Frau N.,

genaue und verbindliche Regeln, wie Wörter abzukürzen sind, gibt es kaum. Ich würde die folgenden beiden Schreibweisen empfehlen:

die iv. Injektion
die i.v. Injektion

Üblicherweise schreibt man nur am Schluss eines abgekürzten Wortes einen Abkürzungspunkt:

Ggs. = Gegensatz
Mrd. = Milliarde
ahd. = althochdeutsch
bspw. = beispielsweise
vgl. = vergleiche

Entsprechend würde ich „intravenös“ wie folgt abkürzen:

iv. = intravenös

Diese von mir bevorzugte Schreibweise scheint aber in der Fachsprache nicht oder kaum vorzukommen.

Üblicher ist die Schreibung mit zwei Punkten. Dabei muss nach dem ersten Punkt kein Leerzeichen stehen, denn es steht auch auch kein Leerzeichen vor dem v in „intravenös“. (Ein Leerzeichen sollte dann gesetzt werden, wenn auch in der nicht abgekürzten Schreibung eines steht, also bei aus mehr als einem Wort bestehenden Ausdrücken: z. B. = zum Beispiel, s. u. = siehe unten.)** Entsprechend also:

i.v. = intravenös

Dann noch zur Frage nach dem Bindestrich: Auch wenn „intravenös“ abgekürzt wird, bleibt es ein Adjektiv. Auch die Abkürzung wird deshalb kleingeschrieben (außer am Satzanfang, wo man Abkürzungen allerdings besser vermeidet) und sie bleibt vom folgenden Substantiv getrennt:

iv. Injektion
i.v. Injektion

Ob Sie die meiner Meinung nach bessere „einpunktige“ Variante oder die üblichere Schreibweise mit zwei Punkten wählen, bleibt Ihnen überlassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** Die in einigen Wörterbüchern neben „ao.“ angegebene Abkürzung „a. o.“ (mit Leerschritt) für „außerordentlich“ halte ich für zweifelhaft, denn man schreibt gemäß der Rechtschreibregelung „Abt.-Leiter“ („Abteilungsleiter“) auch ohne Leerschritt. Ich würde also „a.o.“ schreiben (oder besser „ao.“). Die beiden Fälle sind aber wegen des Bindestrichs nur schlecht vergleichbar, so dass meine Interpretation wieder einmal nicht die einzig mögliche ist.

Zum Unterschied zwischen einer Superidee und einer super Idee

Frage

Ich möchte mich mit einer Frage zur deutschen Sprache an Sie wenden. Und zwar geht es um die Verschriftlichung von Formulierungen, die man vorwiegend in der Umgangssprache antrifft. […] Kürzlich las ich folgenden Dialog, der das Problem, auf das ich hinauswill, aufzeigt:

»Ich schlafe eigentlich immer gut, ich habe nämlich ein super Bett!«
»Du Glückliche! Vielleicht schlafe ich deshalb häufig nicht gut, weil ich kein Superbett habe.«

Sie ahnen es vielleicht schon – es geht um die beiden verschiedenen Schreibweisen von „super Bett“ versus „Superbett“. Mir ist nicht klar, wieso hier überhaupt verschiedene Schreibweisen gewählt wurden – vielleicht einfach eine versehentliche Inkonsistenz? Aber wenn man sich für eine Variante entscheiden müsste, welche wäre die richtige? Ich will im Folgenden einige weitere Beispiele anführen, um die Frage noch besser zu veranschaulichen:

Ich habe eine super Idee!
Ich habe eine Superidee!
Du hast ein klasse Resultat erzielt!
Du hast ein Klasseresultat erzielt!
Das war eine mega Party.
Das war eine Megaparty.
Das ist ein riesen Problem.
Das ist ein Riesenproblem.

Welche Schreibvariante ist die korrekte? Oder hat man freie Wahl? Und falls ja: Gibt es Bedeutungsunterschiede zwischen den Schreibweisen? Und auf welche Rechtschreibregel(n) lässt sich die Entscheidung für die eine oder andere Schreibung zurückführen? […]

Antwort

Guten Tag Frau K.,

bei der Wiedergabe von umgangssprachlichen Äußerungen dieser Art ist vor allem die Betonung wichtig:

Das ist eine Súperidee
Das ist eine super Idéé

ein Súperbett
ein super Bétt

Das Affix „Super-“ trägt die Hauptbetonung in der Verbindung und wird mit dem Substantiv zusammengeschrieben. Wenn „super“ bei neutraler Aussprache nicht die Hauptbetonung trägt, wird es als unveränderliches Adjektiv angesehen und klein und vom Substantiv getrennt geschrieben. Vgl. Unterschied bei Betonung und Schreibung in:

ein Rósenstrauß
ein rosa Stráúß

Es gibt vielleicht einen leichten Bedeutungsunterschied zwischen „Super-“ und „super“: Ein super Bett ist ein großartiges Bett, ein Superbett ist ein Bett das qualitativ oder in anderem Sinne weit über einem normalen Bett steht. Ein super Mann und eine super Frau sind nicht gleich Superman und Superwomen, aber es wäre schwierig oder unmöglich, immer eine genaue Bedeutungsgrenze zwischen „Super-“ und „super“ anzugeben. So gibt es zum Beispiel außer der Betonung kaum einen Unterschied zwischen einer „Superidee” und „super Idee”.

Die Unterscheidung zwischen dem dem Affix „Super-“ und dem unveränderlichen Adjektiv „super“ ist schon so weit eingebürgert, dass sie auch in der Verschriftlichung in dieser Weise üblich geworden ist. Bei anderen Affixen, die umgangssprachlich als unveränderliche Adjektive verwendet werden, ist die Getrenntschreibung gemäß den Wörterbüchern (noch) nicht überall vorgesehen. Sie sollte aber bestimmt in Erwägung gezogen werden, wenn wirkliche Umgangssprache schriftlich wiedergegeben wird.

Es gibt manchmal – also nicht immer – einen mehr oder weniger großen Bedeutungsunterschied zwischen dem betonten Affix (resp. Erstelement einer Komposition) und dem weniger betonten unveränderlichen Adjektiv. Hier einige Beispiele:

ein Klásseresultat
ein klasse Resultát

Kein Bedeutungsunterschied Klasse-/klasse [?]

eine Mégaparty (eine sehr große Party)
eine mega Párty (eine großartige Party)

Bedeutungsunterschied: Mega- = sehr groß / mega = großartig

ein Ríésenproblem
ein riesen Problém

Kein Bedeutungsunterschied Riesen-/riesen

diese Schéíßwurst
diese scheiß Wúrst

Kein Bedeutungsunterschied Scheiß-/scheiß, außer wenn mit Scheiß- nicht schlecht, miserabel, sondern Kot- gemeint ist. Was gemeint ist, ergibt sich dabei in der Regel deutlich aus dem Kontext.

mit extra Käse (mit zusätzlichem Käse)
mit Extrakäse (mit Käse der besonderen Klasse o. Ä.)

Bedeutungsunterschied: Extra- = Sonder- o. zusätzlich / extra = zusätzlich

Die getrennt geschriebenen und entsprechend betonten gesprochenen Varianten gehören der Umgangssprache an. In der Standardsprache kommen die getrennt geschriebenen Varianten also nicht vor. Auch die meisten der oben zusammengeschriebenen Varianten gehören nur der Umgangssprache an. In formellen standardsprachlichen Texten stellt sich das hier behandelte Problem somit kaum – aber man sollte ja auch Umgangssprachliches aufschreiben können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Zu dieser Frage gibt es auch einen schon ziemlich alten Blogartikel.

Auch Gedanken verdienen Anführungszeichen

Frage

Darf in folgendem Zusammenhang ein Fragezeichen stehen?

Warum hat er mich nicht eingeladen?, fragte sie sich.

Ich habe da bisher immer eins gemacht, analog zur direkten Rede:

„Warum hat er mich nicht eingeladen?“, fragte sie ihren Freund.

Habe da in diversen Foren unterschiedliche Meinungen dazu gefunden, aber keinen richtigen Hinweis auf den Duden.

Antwort

Guten Tag Frau S.,

Sie haben recht, dass ein Fragezeichen geschrieben werden sollte, Sie sollten aber auch die Anführungszeichen nicht weglassen. Nicht nur eigentliche direkte Rede, also Gesprochenes, sondern auch Geschriebenes oder Gedachtes, das wörtlich zitiert wird, setzt man in Anführungszeichen. Auch sonst werden die Satzzeichen bei wörtlich zitiertem Gedachtem gleich gesetzt wie bei wörtlich zitiertem Gesagtem. Richtig ist also:

Sie fragte: „Ist das wirklich wahr?“
Sie dachte: „Ist das wirklich wahr?“

Auch in Fällen wie diesen setzt man die Satzzeichen gleich wie bei der direkten Redewiedergabe:

„Warum hat er mich nicht eingeladen?“, fragte sie sich.
„Verdammt nochmal!“, dachte sie, ohne sich etwas anmerken zu lassen.
„Was ist denn hier los?“, wunderte er sich.

Das ergibt sich aus § 89.1 der amtlichen Rechtschreibregelung, insbesondere aus diesem Beispiel:

„Das war also Paris!“, dachte Frank.

Anführungszeichen stehen übrigens auch bei wörtlich Zitiertem, das durch Verben eingeleitet wird, die eigentlich keine Verben des Sagens sind, aber also solche gemeint sind:

„Ich bin einverstanden“, lächelte er (= sagte er lächelnd)
„Wie du meinst“, schmunzelte sie (= sagte sie schmunzelnd)
Der Hauptmann posaunte: „Mir nach!“
„Wie interessant!“, heuchelte der Vicomte.

Wichtig ist vor allem, dass Gesagtes, Geschriebenes und Gedachtes wörtlich zitiert wird, und weniger, womit das Zitierte eingeleitet wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wo das „zu“ steht, ist dem Komma egal

Frau N. stellt eine Frage, die ich mir noch nie gestellt habe, die ich mir aber bei näherer Betrachtung vielleicht doch einmal hätte stellen sollen. Dieser Fall wird nämlich kaum je ausdrücklich erwähnt: Werden Kommas bei Infinitiven mit vorangestelltem „zu“ und mit integriertem „zu“ gleich gesetzt?

Frage

Ich habe eine Frage zum Thema Komma: Wo muss eins hin, wo nicht; wo darf eins hin, muss aber nicht:

1. Sie versuchte, ihn zu küssen.
2. Sie versuchte ihn anzufassen.

Meine Kollegin sagt, dass in Satz 2 kein Komma steht und in Satz 1 ein Komma stehen darf, aber nicht muss. Wie ist es richtig?

Antwort

Guten Tag Frau N.,

in beiden Sätzen ist das Komma fakultativ, das heißt, es kann gesetzt werden, aber es muss nicht stehen:

Sie versuchte ihn zu küssen.
Sie versuchte ihn anzufassen.

oder:

Sie versuchte, ihn zu küssen.
Sie versuchte, ihn anzufassen.

Es gibt bei der Kommasetzung keinen Unterschied zwischen Verben mit vorangestelltem „zu“ und Verben mit integriertem „zu“. In beiden Fällen ist die Kommasetzung gleich (siehe Beispiele in § 75 der amtlichen Rechtschreibregelung). Zur Illustration folgen ein paar Beispielsätze verschiedener Art. Die Kommas in Klammern sind fakultativ.

  • Mit Infinitivkonjunktion:

Er drehte eine Pirouette, ohne zu fallen.
Er drehte eine Pirouette, ohne umzufallen.

Du solltest dich freuen, statt dich darüber zu ärgern.
Du solltest dich freuen, statt dich darüber aufzuregen.

  • Von Substantiv abhängig:

Hast du die Absicht(,) zu helfen?
Hast du die Absicht(,) mitzuhelfen?

Ihr Plan(,) zu verreisen(,) fiel ins Wasser.
Ihr Plan(,) auzuwandern(,) fiel ins Wasser.

Hast du die Absicht, uns bei der Arbeit zu helfen?
Hast du die Absicht, bei unserer Arbeit mitzuhelfen?

Ihr Plan, im Sommer zu verreisen, fiel ins Wasser.
Ihr Plan, nach Kanada auzuwandern, fiel ins Wasser.

  • Mit Korrelat/Verweiswort:

Sie liebt es(,) zu singen.
Was hindert dich daran(,) auszuschlafen?

Sie liebt es, gemeinsam zu singen.
Was hindert dich daran, lange auszuschlafen?

Zu singen, das war ihr größter Wunsch.
Auszuschlafen, daran sollte ihn nichts hindern.

  • Sonstige Fälle:

Er versucht(,) zu flüchten.
Er versucht(,) wegzurennen.

Sie versuchte(,) ihn auf die Wange zu küssen.
Sie versuchte(,) ihn am Arm anzufassen.

Die Kommasetzung zu verstehen(,) ist nicht immer einfach.
Die Kommasetzung aufzuzeigen(,) ist nicht immer einfach.

Dem Komma ist es also egal, ob das „zu“ vor dem Verb steht oder in die Verbform integriert ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Faradaykäfig, Pfizervakzin, Matthäuspassion und Gangesdelta – oder doch mit Bindestrich?

Bei der Schreibung von Zusammensetzungen, die einen Eigennamen enthalten, tun sich manche manchmal schwer. Sie ist immer wieder Thema Ihrer Fragen. Dabei ist es gar nicht so kompliziert: Eigennamen werden in Zusammensetzungen gleich behandelt wie „gewöhnliche“ Substantive – außer dass man großzügiger mit Bindestrichen umgehen kann.

Frage

Beim Korrekturlesen […] habe ich bei einigen zusammengesetzten Begriffen Zweifel. Es ist doch zulässig, „Faraday-Käfig“ und „Boltzmann-Konstante“ zu schreiben? Wenn der Bindestrich auch zulässig ist, frage ich Sie, ob es davon Ausnahmen gibt, also ob der Bindestrich irgendwann wegfällt. Schreibt man „Stirlingmotor“ oder „Stirling-Motor“, „Hallsonde“ oder „Hall-Sonde“, „Lorentzkraft“ oder „Lorentz-Kraft“?

Antwort

Guten Tag Frau E.,

bei Zusammensetzungen mit einem einfachen Eigennamen an erster Stelle kann immer zusammen- oder mit Bindestrich geschrieben werden:

Faradaykäfig / Faraday-Käfig
Boltzmannkonstante / Boltzmann-Konstante
Stirlingmotor / Stirling-Motor
Hallsonde / Hall-Sonde
Lorentzkraft / Lorentz-Kraft
Pfizervakzin / Pfizer-Vakzin
Matthäuspassion / Matthäus-Passion
Pyrenäenhalbinsel / Pyrenäen-Halbinsel
Gangesdelta / Ganges-Delta

Was üblich oder üblicher ist, hängt zum Teil von der jeweiligen Fachsprache ab. Richtig ist immer beides. Siehe auch § 51 der amtlichen Rechtschreibregelung. Dort wird gesagt, dass in Fällen wie diesen ein Bindestrich gesetzt werden kann.

Das Gesagte gilt auch, wenn die Zusammensetzung ein Adjektiv ist. Zu beachten ist nur, dass der Eigenname bei Zusammenschreibung einen kleinen Anfangsbuchstaben erhält:

chinakritische / China-kritische Kommentare
italienbegeisterte / Italien-begeisterte Touristen
trumpfeindliche / Trump-feindliche Kongressabgeordnete
castrotreue / Castro-treue Milizen

Die Zusammenschreibung ist dann nicht mehr möglich, wenn der erste Teil der Zusammensetzung ein mehrteiliger Name ist oder aus mehr als einem Namen besteht. Dann kommt wie bei „gewöhnlichen“ Zusammensetzungen mit Wortgruppen oder Aneinanderreihungen nur noch die Schreibung mit Bindestrich in Frage:

die Stefan-Boltzmann-Konstante
der Hale-Bopp-Komet
das Pfizer-Biontech-Vakzin
das Ganges-Brahmaputra-Delta
die Fidel-Castro-treuen Milizen

Es ist, wie gesagt, gar nicht so kompliziert. Man muss nur wissen, wie’s geht. Vielleicht werden viele etwas unsicher, weil Begriffe dieser Art häufig in Fachsprachen vorkommen und dort immer wieder die englische Schreibweise „dazwischenfunkt“. Ich habe diese Frage deshalb vor gut fünf Jahren schon einmal behandelt und werde sie vielleicht in gut fünf Jahren noch einmal erwähnen. Hiermit sind Dr.-Bopp-treue Leser und Leserinnen, soweit es sie gibt, vorgewarnt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Graduierend oder verstärkend: hoch ansteckend oder hochansteckend?

Frage

Ich streite gerade mit einem Kollegen, und deshalb brauchen wir eine dritte Meinung. Es geht um das Wort „hochansteckend“ (ist ja gerade sehr aktuell, um nicht zu sagen hochaktuell). Er würde es „auf jeden Fall“ zusammenschreiben, weil es dasselbe bedeute wie „hochinfektiös“ […] Ich würde aber „hoch ansteckend“ eher mit solchen Wörtern wie „hoch verzinst“, „hoch kompliziert“ vergleichen und getrennt schreiben. Wie sehen Sie das?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

diesen Streit kann ich nicht eindeutig schlichten. Verbindungen von „hoch“ mit Adjektiven und Partizipien sind nämlich ein schwieriges Kapitel, wenn es um die Getrennt- und Zusammenschreibung geht. Für mich liegt die Hauptschwierigkeit in der Unterscheidung zwischen:

a) einer  „graduierenden Bestimmung“, bei der getrennt oder zusammengeschrieben werden kann [amtl. Rechtschreibregelung § 36(2.2); allgemein gültig/allgemeingültig, eng verwandt/engverwandt, schwer verständlich/schwerverständlich, schwer krank/schwerkrank]

b) einem „bedeutungsverstärkenden Bestandteil“, bei dem zusammengeschrieben wird [amtl. Rechtschreibregelung § 36(1.5); bitter- (bitterböse, bitterernst, bitterkalt), brand-, dunkel-, erz-, extra-, früh-, gemein-, grund-, hyper-, lau-, minder-, stock-, super-, tod-, ultra-, ur-, voll-].

Dann gibt es auch noch:

c) die Regel für Verbindungen mit Partizipien, nach der getrennt oder zusammengeschrieben werden kann [§ 36(2.1); die Rat suchenden/ratsuchenden Bürger, eine allein erziehende/alleinerziehende Mutter; ein klein geschnittenes/kleingeschnittenes Radieschen, selbst gebackene/selbstgebackene Kekse]

Für das Wort „hoch“ gibt die Wörterliste, die zur Rechtschreibregelung gehört, die folgenden Beispiele an:

a) hochbegabt, hoch begabt; hochkompliziert, hoch kompliziert …
b) hochaktuell, hochberühmt, hochbrisant, hochempfindlich, hochgiftig …
c) hoch dotiert, hochdotiert; hoch industrialisiert, hochindustrialisiert; hoch verschuldet, hochverschuldet … 

Ich werde daraus, ehrlich gesagt, nicht wirklich klug. Wo genau liegt zum Beispiel die Grenze zwischen „graduierend“ und „bedeutungsverstärkend“? Mir hilft häufig die Betonung: Wenn man „hoch“ und das Adjektiv resp. Partizip ungefähr gleich stark betonen kann, kann getrennt geschrieben werden. Wenn die Hauptbetonung auf „hoch“ liegt, wird zusammengeschrieben. In Zweifelsfällen gilt: am besten zusammenschreiben.

Für Ihren Fall heißt das, dass sowieso zusammengeschrieben werden kann, denn das ist in allen drei Fällen möglich. Ich halte aber auch die Getrenntschreibung für vertretbar, einerseits wegen c), andererseits aber auch, weil die fragliche Verbindung unter a) fallen kann:

hochansteckend = äußerst ansteckend; in hohem Grad ansteckend
hoch ansteckend = in hohem Grad ansteckend

Das gilt meiner Meinung nach auch in Verbindung mit „infektiös“, auch wenn ich vermute, dass hier nicht alle einverstanden sind:

hochinfektiös = äußerst infektiös; in hohem Grad infektiös
hoch infektiös = in hohem Grad infektiös

Ganz egal ob hoch ansteckend oder hochansteckend: Mögen Impfungen, angemessene Vorsicht, warmes Sommerwetter und daneben, wo nötig, eine zünftige Portion kollektives Glück dazu beitragen, dass die Ansteckungsgefahr weicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ist Ivanisavic Djokovics Trainer oder Djokovic’ Trainer?

Je nachdem wie man die Namen transkribiert, kann im Titel u. a. auch stehen:

Ist Ivanišavić Đokovićs Trainer oder Đoković’ Trainer

Die Angaben im Artikel gelten für beide Schreibweisen.

Frage

Ein Kollege hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass im Duden zum Thema Genitiv und Apostroph „neu“ das Beispiel „Andric’ Romane“ stehe. Ich habe bisher bei gesprochenem „itsch“ immer ein -s angehängt, also „Andrics Romane“ usw., und sehe das auch so bei Zeitungen wie der NZZ oder der Zeit. Wie sehen Sie das?

Antwort

Guten Tag Herr F.,

auch ich schreibe „Djokovics Trainer” und „Andrics Romane“ mit einem Genitiv-s, auch wenn im Duden etwas anderes steht.

Wenn -ic am Ende „-its“ gesprochen wird, ist der Apostroph richtig. Das „-ic“ resp. „-ić“ in vom Balkan stammenden Namen wird aber wie „-itsch“ ausgesprochen. Das ist meiner Meinung nach mittlerweile allgemein bekannt. Es gibt dann keinen Grund, das Genitiv-s durch einen Apostroph zu ersetzen. Also:

Djokovics Trainer
Miloševićs Regime
Andrićs Roman „Das Fräulein“

In Duden, „Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle“, 2016, Stichwort „Apostroph“ 4.1, steht:

Der Apostroph steht heute im Allgemeinen auch zur Kennzeichnung des Genitivs von Namen, die zwar anders geschrieben werden, aber ebenfalls auf [t͜ʃ] oder [ts] enden:

Andrić’ Romane, Cyrankiewicz’ Staatsbesuch usw.

Hier stehen zwei fragwürdige Dinge:

1) „im Allgemeinen“

Bei einer schnellen Suche in Google und in Korpora (z.B. beim DWDS) ist festzustellen, dass der Genitiv solcher Namen viel häufiger mit -s als mit Apostroph geschrieben wird.

2) „Namen, die […] ebenfalls auf [t͜ʃ] oder [ts] enden“

Die Regel, dass im Genitiv ein Apostroph geschrieben wird, gilt nach § 96(1) der amtl. Rechtschreibregelung für Namen, die auf ein gesprochenes s enden. Die Beispiele sind:

Aristoteles’ Schriften, Carlos’ Schwester, Ines’ gute Ideen, Felix’ Vorschlag, Heinz’ Geburtstag, Alice’ neue Wohnung

Das ist bei Namen auf „-ic“ nicht der Fall, weil sie in der Regel nicht auf einen s-Laut, sondern auf einen sch-Laut [ʃ] enden. Bei solchen Namen wird im Genitiv ggf. ein s gesprochen und geschrieben. Zum Beispiel:

Frischs Romane,  Milowitschs Theaterkarriere, Timothy Peachs Filmrollen

Die Apostrophregel gilt nach § 96(E2) weiter auch für Namen, deren geschriebene Form auf ein stummes -s, -z oder -x enden:

Cannes’ Filmfestspiele, Boulez’ bedeutender Beitrag, Giraudoux’ Werke.

Das ist hier aus zwei Gründen nicht der Fall: Namen auf „-ic“ enden nicht auf -s, -z oder -x und das -c am Schluss ist nicht stumm, sondern es wird wie „tsch“ ausgesprochen.

Die Schreibung „Andric’ Romane“ lässt sich also weder durch die Rechtschreibregelung noch durch die Aussprache und auch nicht durch den allgemeinen Schreibgebrauch begründen. Ich halte deshalb die Angaben in Duden in diesem Fall für nicht zutreffend, und ich schreibe und empfehle:

Andrics Romane / Andrićs Romane
Djokovics Trainer/ Đokovićs Trainer

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

„Wo stehen die Kommas“ lautet die Frage „wenn das Zitat bei einem Komma unterbrochen wird?“

Heute ist der Beitrag noch etwas wortreicher als sonst. Seine Länge zeigt, dass es in gewissen Fällen schwierig ist, herauszufinden, was die Rechtschreibregelung genau meint. Wer vor allem die Antwort und weniger die Erklärung interessant findet, liest nach dem ersten Abschnitt einfach nicht weiter.

Frage

Ich bin mir unsicher, wie Kommas bei der wörtlichen Rede korrekt zu setzen sind, wenn der Begleitsatz in Zitat eingebettet ist

„Könnte es sein(,)“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“

„Als ich ein Kind war(,)“, rief Anna fröhlich, „habe ich gerne Schmetterlinge beobachtet.“

Kopfzerbrechen bereitet mir jeweils das in Klammern gesetzte Komma. Gehört es dort hin oder nicht?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

dieser Fall ist tatsächlich recht knifflig, denn in der Rechtschreibregelung ist keine Regel zu finden, die ihn ausdrücklich beschreibt. Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Wenn der Begleitsatz das Zitat bei einem Komma unterbricht, entfällt das Komma des Zitats. Es steht kein Komma vor einem abschließenden Anführungszeichen:

„Könnte es sein“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“

„Als ich ein Kind war“, rief Anna fröhlich, „habe ich gerne Schmetterlinge beobachtet.“

Doch wie komme ich zu dieser Antwort? In der amtlichen Rechtschreibregelung ist, wie gesagt, keine Regel zu finden, die diesen Fall ausdrücklich behandelt. Zum Zusammentreffen von Anführungszeichen und anderen Satzzeichen beim Zitieren steht dort zuerst ganz allgemein:

§ 90
Satzzeichen, die zum wörtlich Wiedergegebenen gehören, setzt man vor das abschließende Anführungszeichen; Satzzeichen, die zum Begleitsatz gehören, setzt man nach dem abschließenden Anführungszeichen.

Dann geht es weiter mit Angaben zu Frage- und Ausrufezeichen:

§ 91
Sowohl der angeführte Satz als auch der Begleitsatz behalten ihr Ausrufe- oder Fragezeichen.

Beispiele sind u. a.:

„Du kommst jetzt!“, rief sie.
„Kommst du morgen?“, fragte er.

Auch zum Punkt werden Angaben gemacht:

§92
Beim angeführten Satz lässt man den Schlusspunkt weg, wenn er am Anfang oder im Innern des Ganzsatzes steht.

Beispiele sind u. a.:

„Ich komme morgen“, versicherte sie.
Sie sagte: „Ich komme gleich wieder“, und holte die Unterlagen.

Bis jetzt wissen wir also, dass Frage- und Ausrufezeichen vor dem Begleitsatz stehen bleiben und der Punkt dort weggelassen wird. Das Komma wird hier nicht erwähnt.

Zum Komma bei Begleitsätzen wird hier etwas gesagt:

§93
Folgt nach dem angeführten Satz der Begleitsatz oder ein Teil von ihm, so setzt man nach dem abschließenden Anführungszeichen ein Komma.
Ist der Begleitsatz in den angeführten Satz eingeschoben, so schließt man ihn mit paarigem Komma ein.

Beispiele sind u. a.:

„Ich komme gleich wieder“, versicherte sie.
„Komm bald wieder!“, rief sie.
„Wann kommst du wieder?“, rief sie.
„Ich werde“, versicherte sie, „bald wiederkommen.“
„Kommst du wirklich“, fragte sie, „erst morgen Abend?“

Hier wird klar, dass die Kommas, die den Begleitsatz vom Zitat trennen, außerhalb der Anführungszeichen stehen. Wie aber mit einem Komma des Zitats umzugehen ist, wird auch hier nicht erwähnt.

Auch wenn man jetzt die Regeln einzeln betrachten oder sie gegeneinander abwägt, ist es schwierig, herauszufinden, wie man zu schreiben hat:

„Könnte es sein,“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“
„Könnte es sein“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“

Für richtig halte ich, wie oben schon gesagt, die zweite Schreibweise. Als „Beweis“ kann ich nur einen Beispielsatz aus der Rechtschreibregelung anführen. Der einleitende Paragraph zu den Anführungszeichen §89(1) sagt:  „Mit Anführungszeichen schließt man etwas wörtlich Wiedergegebenes ein“, und gibt u. a. diesen Beispielsatz an:

„Wir haben die feste Absicht, die Strecke stillzulegen“, erklärte der Vertreter der Bahn, „aber die Entscheidung der Regierung steht noch aus.“

Das Komma, das ohne Begleitsatz zwischen „stillzulegen“ und „aber“ stehen muss, wird also vor dem eingeschobenem Begleitsatz weggelassen.

Der Fall, der Sie stutzen ließ, wird nicht ausdrücklich in der Rechtschreibregelung beschrieben. Man muss ziemlich genau hinschauen, um anhand eines allgemeinen Beispielsatzes herauszufinden, wie die Regelung in diesem Fall vorzugehen wünscht.

Zusammenfassend kann man sagen: Frage- und Ausrufezeichen des Zitats bleiben vor dem Begleitsatz erhalten. Punkt und Komma des Zitats fallen vor dem Begleitsatz weg.

Richtig sind die Kommas im Titel also wie folgt gesetzt:

„Wo stehen die Kommas“, lautet die Frage, „wenn das Zitat bei einem Komma unterbrochen wird?“

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die (Alternativen-)Einklammerung

Frage

Ich habe zwei Fragen. Es geht um das Einklammern einzelner Buchstaben wie zum Beispiel bei „innerhalb der Unterrichtsstunde(n)“ und „folgende Frage(n)“. Nirgendwo […] kann ich finden, ob ein Bindestrich innerhalb der Klammer nötig ist. […]

Bei der zweiten Frage geht es um „das Weiter(‑Nach‑)denken“, womit sowohl „das Weiterdenken“ als auch „das Weiternachdenken“ gemeint ist. Ist diese Schreibweise richtig oder müsste es „Weiter(-nach-)denken“ oder ganz einfach „Weiter(nach)denken“ heißen?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

wenn mit Hilfe von Klammern verkürzt angegeben wird, dass es Alternativen gibt, steht im Prinzip kein Bindestrich oder Ergänzungsstrich:

innerhalb der Unterrichtsstunde(n)
= Unterrichtsstunden o. Unterrichtsstunde
folgende Frage(n)
= folgende Fragen o. folgende Frage
Klein(st)mengen
= Kleinstmengen o. Kleinmengen
das Nudel(suppen)rezept
= das Nudelsuppenrezept o. das Nudelrezept
das Weiter(nach)denken
= das Weiternachdenken o. das Weiterdenken

Der Bindestrich muss gesetzt werden, wenn bei einer der Alternativen ohne Klammern ein Bindestrich stehen muss. Der Bindestrich steht innerhalb der Klammer, also bei dem Wortteil, mit dem zusammen er weggelassen werden kann:

ein (Damen-)T-Shirt
= ein Damen-T-Shirt o. ein T-Shirt
der (Low-Budget-)Film
= der Low-Budget-Film o. der Film

Ein Bindestrich wird häufig auch dann verwendet, wenn der zweite Teil ein Substantiv ist. Er steht dort, wo er sonst ggf. zur Verdeutlichung stehen könnte:

das (Retro-)Design
= das Retrodesign/Retro-Design o. das Design
ein (Schnell-)Lader
= ein Schnelllader/Schnell-Lader o. ein Lader
die (Wieder-)Aufnahme
= die Wiederaufnahme/Wieder-Aufnahme o. die Aufnahme

Dieser Bindestrich, wird mit dem Ziel gesetzt, die Lesbarkeit oder Erkennbarkeit zu erhöhen, wenn eine der Alternativen in der Zusammensetzung kleingeschrieben und allein stehend großgeschrieben wird. Es ist hier aber auch möglich, ohne Bindestrich zu schreiben:

das (Retro)design
ein (Schnell)lader
die (Wieder)aufnahme

Bei „Weiter(nach)denken“ und „Nudel(suppen)rezept“ ist diese Verwendung von Bindestrichen überflüssig, weil beide Alternativen mit und ohne Klammern dieselbe Groß- und Kleinschreibung haben. Von Klammern ist sogar abzuraten. Wenn man hier Klammern verwendet, wird die Sache nämlich nicht leichter lesbar, sondern kompliziert und unübersichtlicher: „Weiter-(Nach-)Denken“, „Nudel-(Suppen-)Rezept“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Empfehlen wir „gutgehen“ oder „gut gehen“?

Frage

„Ich vertraue darauf, dass am Ende alles gut geht.“ Schreibe ich in diesem Satz „gut geht“ wirklich auseinander? Der Duden empfiehlt ja auch im Wortsinne von „einen guten Verlauf nehmen“ die getrennte Schreibweise. Bei anderen habe ich die Zusammenschreibweise als empfohlen gesehen. Da würde mich jetzt Ihr Urteil noch interessieren!

Antwort

Guten Tag Frau S.,

nach § 34 E5 der amtlichen Rechtschreibregelung und den dazugehörenden Wörterlisten kann man „gutgehen“ oder „gut gehen“ schreiben (ebenso „bessergehen“ o. „besser gehen“; „schlechtgehen“ o. „schlecht gehen“). In der amtlichen Regelung stehen die beiden Varianten gleichberechtigt nebeneinander. Wenn Wörterbücher oder Wörterlisten eine von zwei Schreibungen empfehlen, heißt das, dass sie aus gewissen (oft nicht erwähnten) Gründen eine der beiden Schreibungen für besser halten. Häufig tun sie dies vor allem, um denjenigen Schreibenden entgegenzukommen, die es vorziehen, nicht selbst eine Wahl treffen zu müssen.

Ich sehe keinen Grund, eine der beiden Varianten als die bessere zu empfehlen. Beide Schreibungen entsprechen den Regeln der Rechtschreibregelung und man versteht sowohl bei zum Beispiel

Ich hoffe, dass es dir gutgeht.
Wenn das nur gutgeht!
Ich vertraue darauf, dass alles gutgeht.

als auch bei

Ich hoffe, dass es dir gut geht.
Wenn das nur gut geht!
Ich vertraue darauf, dass alles gut geht.

ohne Schwierigkeiten und Missverständnisse, was gemeint ist.

Es steht Ihnen frei, die Variante zu wählen, die Ihnen mehr zusagt, oder sich an die Empfehlungen eines Wörterbuches „Ihres Vertrauens“ zu halten. Aus der Formulierung Ihrer Frage schließe ich, dass Ihnen die Zusammenschreibung „gutgehen“ besser gefällt. Dann wählen Sie einfach diese Variante, auch wenn sie nicht von Duden bevorzugt wird. Es wird schon gutgehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp