Klammern bei Alternativen: (Beton-)Konstruktionen,(Beton)konstruktionen oder (Beton)Konstruktionen?

Frage

Ich habe eine Frage zur Schreibweise eines Buchtitels. Es geht um die Klammer- und Bindestrichsetzung bei folgendem Titel:

Untersuchung nachhaltiger (Beton)Konstruktionen

Das Wort „Betonkonstruktion“ wird regulär ohne Bindestrich geschrieben. Fällt bei dieser Alternativformulierung bzw. näheren Erläuterung dann auch der Bindestrich in der Klammer weg? Folgt nach der Klammer die Groß- oder Kleinschreibung? Im DUDEN habe ich auch Schreibweisen mit eckiger Klammer gefunden. Was ist richtig:

(Beton-)Konstruktionen
(Beton)Konstruktionen
(Beton)konstruktionen
[Beton]konstruktionen

Vielleicht sind mehrere oder alle Schreibweisen korrekt?

Antwort

Guten Tag Frau P.,

wenn man Klammern verwendet, um verschiedene Lesarten bei einem Wort anzugeben, gilt Folgendes:

  • Wenn man die Klammern weglässt, muss das Verbleibende korrekt geschrieben sein.
  • Wenn man das Eingeklammerte mit den Klammern weglässt, muss das Verbleibende korrekt geschrieben sein.

Das steht ungefähr so in der Rechtschreibregelung § 76(E4).

Das bedeutet, dass Sie wie folgt vorgehen sollten:

Untersuchung nachhaltiger (Beton-)Konstruktionen

Wen man die Klammern oder den ganzen Klammerausdruck weglässt, ist das Verbleibende korrekt geschrieben:

Untersuchung nachhaltiger Beton-Konstruktionen
Untersuchung nachhaltiger Konstruktionen

Normalerweise ist die Schreibung ohne Bindestrich vorgesehen: Betonkonstruktionen. Die Schreibung mit Bindestrich ist aber nicht falsch (verdeutlichender Bindestrich) und hier sogar notwendig: (Beton-)Konstruktionen. Warum? – Bei den anderen Schreibweisen führt das Weglassen der Klammern bzw. des ganzen Klammerausdrucks zu diesen Falschschreibungen:

*Untersuchung nachhaltiger BetonKonstruktionen
*Untersuchung nachhaltiger konstruktionen

Nach §76(E4) der Rechtschreibregelung sind (Beton)konstruktionen, [Beton]konstruktionen und  (Beton)Konstruktionen also nicht korrekt.

Wir haben es hier mit einem Fall zu tun, der erst in der neuesten Version der Rechtschreibregelung beschrieben wird, die seit dem 1. Juni 2024 für Schule und Verwaltung verbindlich ist. Vorher gab es keine Regelung für die Verwendung von Klammern zur Angabe von verschiedenen Lesarten. Deshalb kamen zum Beispiel in älteren Duden-Werken Schreibungen wie die folgenden vor:

(Wieder)eintritt
[Gewebe]streifen

Diese Schreibungen sind nach dem neuen Paragraphen 76(E4) der Rechtschreibregelung nicht mehr korrekt. Deshalb steht nun in der neuesten Version der Rechtschreibregeln im Duden bei der Regel D 98:

(Wieder-)Eintritt, nicht (Wieder)eintritt

Richtig ist also nur die Schreibung mit einem Bindestrich:

(Wieder-)Eintritt
(Gewebe-)Streifen
(Beton-)Konstruktion

sowie (diese Beispiele kommen aus der Rechtschreibregelung):

(Schul-)Bildung
O(riginal)-Ton
Gewinn(anteil) oder Gewinn(-Anteil)

Die genaue Interpretation der letzten beiden Beispiele überlasse ich Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen Ihres (Lieblings-)Sprachdoktors

Dr. Bopp

Buchstaben im Genitiv: A’s Haus, As Haus oder das Haus von A?

Frage

Ich würde gerne wissen, wie der Genitiv bei Einzelbuchstaben korrekt lautet. Es geht um ein Beispiel mit zwei Personen A und B und deren Besitz, also zum Beispiel „A’s Haus“. Ist hier der Apostroph korrekt?

Antwort

Guten Tag Frau M.,

wenn Sie sich strikt an die Rechtschreibregelung halten wollen oder müssen, schreiben Sie diese Genitivformen ohne Apostroph:

As Haus
Ist dies As oder Bs Haus?
Das ist weder in As noch in Bs oder Cs Interesse.

Ohne Zusammenhang sieht dies ungewöhnlicher aus als in einem Zusammenhang, in dem klar ist, dass die Buchstaben A, B und C stellvertretend für jemanden oder etwas gemeint sind. Wenn es auch mit einem entsprechenden Zusammenhang nicht ganz deutlich ist oder wenn Sie an der Deutlichkeit zweifeln, können Sie auch auf eine (weniger elegante) Formulierung mit von ausweichen:

das Haus von A
Ist dies das Haus von A, B oder C?
Das ist weder im Interesse von A noch von B oder C.

Die Schreibung mit Apostroph ist nach der Rechtschreibregelung nicht vorgesehen. Siehe hierzu das Kapitel zum Apostroph in der Rechtschreibregelung. Ohne Apostroph schreibt man auch zum Beispiel des Pkws (oder des Pkw), das Erlernen des Abcs (oder des Abc), H&Ms Bademode.

Etwas anders sieht es aus, wenn A eine Abkürzung für einen mit A beginnenden Namen ist. Dann steht das Genitiv-s üblicherweise nach dem Abkürzungspunkt:

A.s Haus
Ist dies A.s oder M.s Haus?
Das ist weder in A.s noch in F.s oder M.s Interesse.

Zu guter Letzt noch dies: Wenn der Buchstabe gemeint ist, ist der Genitiv normalerweise endungslos:

die Großschreibung des A
die Kleinschreibung des b

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

„Kiwi schälen und schneiden“ oder „Kiwischälen und -schneiden“?

Frage

In einem Videoclip las ich gerade: „So einfach war Kiwi schälen und schneiden noch nie!“ Meiner Meinung nach müsste es heißen: „So einfach war Kiwischälen und -schneiden noch nie!“ Oder ist beides richtig?

Antwort

Guten Tag Herr A.,

hier kann man sowohl groß- als auch kleinschreiben. Man schreibt groß, wenn man die Verbgruppe als substantivierte Infinitivgruppe ansieht:

So einfach war Kiwischälen und -schneiden noch nie.
= das Kiwischälen und -schneiden.

Man schreibt klein, wenn man die Verbgruppe als Subjektsinfinitiv ohne „zu“ interpretiert:

So einfach war Kiwi schälen und schneiden noch nie.
= Kiwi zu schälen und zu schneiden

Beides ist möglich und korrekt.

Ebenso zum Beispiel:

Kuchenbacken macht glücklich (das Kuchenbacken)
Kuchen backen macht glücklich (Kuchen zu backen)

Neinsagen will gelernt sein (das Neinsagen)
Nein sagen will gelernt sein (Nein zu sagen)

Je länger die Infinitivgruppe ist, desto üblicher ist die Kleinschreibung:

So einfach war reife Kiwi schälen und schneiden noch nie.
Selbst Kuchen backen macht glücklich.
Im richtigen Moment Nein sagen will gelernt sein.

Und wenn ein gebeugtes Adjektiv oder ein Attribut beim Infinitiv steht, kommt nur die Großschreibung in Frage:

Schälen und Schneiden von Kiwis war noch nie so einfach.
Gemeinsames Kuchenbacken macht glücklich,
Dein Neinsagen nervt.

Zum Glück geht es wenigsten bei dieser letzten Gruppe (meistens) automatisch gut.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der Mond ist nicht aufgegangen, sondern unter – oder unter-?

Frage

In einem Beitrag schreiben Sie hier «klein» ohne Ergänzungsstrich:

Nicht-Substantive werden in Zusammensetzungen mit Bindestrich nur am Wortanfang großgeschrieben, sonst klein.

Früher hätte ich in so einem Fall einen Ergänzungsstrich verwendet, da es vollständig «kleingeschrieben» heißt. Andererseits deutet die Reihenfolge auf eine gewisse Selbständigkeit des Verbzusatzes hin, wir würden schließlich nicht sagen: «Das ist nicht zweiwertig, sondern drei-.» […] Was würden Sie sagen: Mit Ergänzungsstrich oder nicht?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

Ihre Frage weist mich auf eine stilistisch nicht allzu schöne Formulierung hin. Da sie aber so im Artikel steht, sollte sie doch richtig geschrieben werden. Doch was ist richtig?

Wenn man den Satz einfach zu sonst kleingeschrieben erweitert, müsste tatsächlich ein Ergänzungsstrich stehen:

Nicht-Substantive werden nur dann großgeschrieben, sonst klein-.

Das sieht aber sehr gewöhnungsbedürftig aus. Ergänzungsstriche am Satzende sind zumindest unüblich.

Lässt man den Ergänzungsstrich weg, muss man den Satz ungefähr so ergänzen: sonst [schreibt man sie] klein:

Nicht-Substantive werden nur dann großgeschrieben, sonst klein.

Man kann auch sagen, dass diese Konstruktion (nur?) dann möglich ist, wenn der abtrennbare eines trennbaren Verbs noch eine relativ eigenständige Bedeutung hat und allein im Vorfeld stehen kann (vgl. hier):

Klein schreibt man Nicht-Substantive, wenn …

Diese Eigenständigkeit kann man dem abtrennbaren Teil auch in der Konstruktion zugestehen, um die es hier geht. Deshalb würde ich eher für die Schreibung ohne Ergänzungsstrich plädieren.

Am besten formuliert man ohnehin anders. Zum Beispiel:

Nicht-Substantive werden nur dann groß- und sonst kleingeschrieben.
Nicht-Substantive werden nur dann großgeschrieben, sonst kleingeschrieben.
Nicht-Substantive werden nur dann großgeschrieben. Sonst schreibt man sie klein.

Ebenso schreibt man besser nicht:

Der Mond ist nicht aufgegangen, sondern unter(-).
Sie hat den Fernseher nicht eingeschaltet, sonder aus(-).

sondern:

Der Mond ist nicht auf-, sondern untergegangen.
Sie hat den Fernseher nicht ein-, sondern ausgeschaltet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ist man aufs Tiefste oder aufs tiefste getroffen?

Frage

Schreibt man „aufs Tiefste (tiefste) getroffen“ groß oder klein?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

hier ist beides richtig, und zwar ohne jeglichen Bedeutungsunterschied:

aufs Tiefste getroffen
aufs tiefste getroffen

In festen Wendungen mit aufs oder auf das und einem Superlativ KANN das Adjektiv groß- oder kleingeschrieben werden, wenn man mit wie? fragen kann (siehe §58(E1) der Rechtschreibregelung). Folgendes ist also auch möglich:

auf das Tiefste getroffen
auf das tiefste getroffen

Hier noch ein paar Beispiele:

Sie haben sich aufs / auf das Köstlichste amüsiert.
Sie haben sich aufs / auf das köstlichste amüsiert.

Alles ist aufs / auf das Beste geregelt. (wie?)
Alles ist aufs / auf das beste geregelt. (wie?)

Wir heißen Sie aufs / auf das Herzlichste willkommen.
Wir heißen Sie aufs / auf das herzlichste willkommen.

Und damit Sie sich nicht aufs Höchste/höchste wundern, warum beides möglich ist, sei noch dies gesagt:

Die Großschreibung kann man damit erklären, dass das gesteigerte Adjektiv durch den Artikel das, mit dem es steht, substantiviert ist und somit großgeschrieben wird. Vgl.:

Wir hoffen aufs / auf das Beste. (worauf?)

Die Kleinschreibung lässt sich dadurch rechtfertigen, dass man diese Form wie den Superlativ mit am als eine Steigerungsform (einen absoluten Superlativ) interpretieren kann:

gut – besser – am besten / aufs beste

Beide Schreibweisen sind gut vertretbar – offenbar so gut, dass die Rechtschreibregelung die Wahl uns Schreibenden überlässt. Wählen Sie einfach, was Ihnen besser gefällt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mit oder ohne Komma: „Journalisten[,] aufgepasst!“?

Frage

Ich frage mich, ob hier ein Komma hinmuss:

Journalisten aufgepasst!

Eine Untersuchung bei Google zeigt, dass sich viel mehr Treffer für die Variante ohne Komma finden lassen. Ich war vor der Google-Suche fest davon überzeugt, dass nur die Variante mit Komma richtig ist.

Was ist nun richtig? Und um welche Wortart handelt es sich bei „aufgepasst“? […]

Antwort

Guten Tag Herr B.,

nach § 72 der Rechtschreibregelung werden u. A. durch Komma abgetrennt:

Ausdrücke als Zusätze mit besonderer kommunikativer Funktion (z. B. Anreden, Ausrufe)

Kinder, hört doch mal zu. Hört doch mal zu, Kinder. Hört, Kinder, doch mal zu. Du, stell dir vor, was mir passiert ist! Klaus, kommst du mit ins Kino? Heute wünsche ich dir, liebe Mama, alles Gute zum Geburtstag.

Das gilt nach meiner Interpretation auch für Ihr Beispiel:

Journalisten, aufgepasst!
= Journalisten, passt auf!

Die Form aufgepasst! ist ein Satzäquivalent, das für Passt auf! steht. Die Anrede Journalisten ist nicht von aufpassen abhängig, sondern eine direkte Anrede, die außerhalb der Aufforderung steht.

Die Wortform aufgepasst ist ein Partizip II (Partizp Perfekt). Bei einigen wenigen trennbaren Verben wird auch das Partizip II als Aufforderung verwendet (vgl. hier):

Weggetreten!
Stillgestanden!
Hereinspaziert!
Aufgepasst!

Wenn nun angegeben wird, an wen die Aufforderung oder das Kommando sich richtet, ist dies eine Anrede, die durch ein Komma abgetrennt werden sollte:

Abteilung, weggetreten!
Kompanie, stillgestanden!
Meine Damen und Herren, hereinspaziert!
Hereinspaziert, meine Damen und Herren!
Journalisten, aufgepasst!
Aufgepasst, liebe Kinder!

In der freien Sprachwildbahn wird das Komma bei dieser Art von Aufforderung allerdings häufig weggelassen. Es sollte aber aus den oben genannten Gründen gesetzt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Besondere Steigerungsformen: tiefer gehende oder tiefgehendere Gedanken

Frage

Bei einem Satz wie:

Du solltest nicht davon ausgehen, dass er sich über jedes Detail tiefergehende Gedanken gemacht hat.

Müsste man hier „tiefer gehende“ schreiben? Nach meinem Sprachgefühl ist es so etwas wie eine feste Wendung, die nicht getrennt werden sollte. Aber vielleicht liege ich mit diesem Gefühl ja falsch.

Antwort

Guten Tag Frau G.,

hier ist die Getrenntschreibung zu empfehlen:

Du solltest nicht davon ausgehen, dass er sich über jedes Detail tiefer gehende Gedanken gemacht hat.

Bei der Erklärung muss ich ein bisschen ausholen: Es geht hier um die Verbindung von einem Adjektiv und einem Partizip. Dann kann man getrennt oder zusammenschreiben, wenn die zugrundeliegende Verbverbindung getrennt geschrieben wird. Hier haben wir es mit einer Verbindung zu tun, die in der Regel getrennt geschrieben wird:

Gedanken, die tief gehen

Nach dem oben Gesagten kann man also sowohl getrennt als auch zusammenschreiben:

tief gehende Gedanken
tiefgehende Gedanken

Ebenso zum Beispiel:

ein schwer wiegender Vorfall
ein schwerwiegender Vorfall

eine Zeit sparende Lösung
eine zeitsparende Lösung

In Ihrer Frage geht es aber eigentlich um die gesteigerte Form. Wie geht man dann vor?

Wenn der erste Teil der Verbindung gesteigert bzw. erweitert wird, schreibt man getrennt:

tiefer gehende Gedanken
ein schwerer wiegender Vorfall
eine mehr Zeit sparende Lösung

Wenn die Verbindung als Ganzes gesteigert wird, schreibt man zusammen:

tiefgehendere Gedanken
ein schwerwiegenderer Vorfall
eine zeitsparendere Lösung

Steigerungsformen der zweiten Art werden manchmal als falsch bezeichnet, sie kommen aber bei einigen Verbindungen auch standardsprachlich häufig vor und sind dann bei Zusammenschreibung gut vertretbar.

Siehe hierzu auch die Rechtschreibregelung § 36 (2.1) und (E3).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Groß oder klein: Hat Wollen/wollen mit Haben/haben zu tun?

Frage

In unserem Team gibt’s unterschiedliche Meinungen zu nachfolgendem Satz:

Wollen hat immer mit Haben zu tun, und die meisten Menschen wollen nur haben.

Wollen hat immer mit haben zu tun, und die meisten Menschen wollen nur haben.

Ist die Groß- oder Kleinschreibung richtig?

Antwort

Guten Tag Frau P.,

hier kann ich die Antwort wieder einmal kurz halten:  Beide Schreibweisen sind möglich.

Großschreibung der Infinitive:

Wollen hat immer mit Haben zu tun, und die meisten Menschen wollen nur haben.
So hat Wollen immer mit Haben zu tun, und die meisten Menschen wollen nur haben.

Kleinschreibung der Infinitive:

Wollen hat immer mit haben zu tun, und die meisten Menschen wollen nur haben.
So hat wollen immer mit haben zu tun, und die meisten Menschen wollen nur haben.

Ich schließe dies aus dem Beispiel

Doch geht Probieren/probieren über Studieren/studieren

in §57(E3) der amtlichen Rechtschreibregelung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Groß oder klein am Satzanfang? – „der“/„Der“, „die“ und „das“ sind bestimmte Artikel

Frage

Welche Schreibweise ist hier jeweils richtig?

„obligatorisch“ ist ein anderes Wort für „verpflichtend“.
„Obligatorisch“ ist ein anderes Wort für „verpflichtend“.

„der“, „die“ und „das“ sind bestimmte Artikel.
„Der“, „die“ und „das“ sind bestimmte Artikel.

Die Frage ist, ob das erste Wort eines Satzes wirklich immer großzuschreiben ist. Oder wird es kleingeschrieben, wenn es in Anführungsstrichen steht (z. B. weil es als Begriff erklärt wird) und gleichzeitig einer kleinzuschreibenden Wortart angehört?

Mein Verständnis ist, dass in diesem Fall die Anführungsstriche den Satzanfang einnehmen, das dann folgende Wort eben nicht mehr den Satzanfang darstellt und somit gemäß seiner Wortartregeln klein- oder großzuschreiben ist. […]

Antwort

Guten Tag Frau S.,

dieser Fall ist nicht ausdrücklich geregelt. Sowohl die Groß- als auch die Kleinschreibung haben Vor- und vor allem Nachteile.

„obligatorisch“ ist ein anderes Wort für „verpflichtend“.
„der“, „die“ und „das“ sind bestimmte Artikel.

Ich würde die Kleinschreibung nicht empfehlen, weil das einleitende Anführungszeichen sonst nie als Satzanfang gilt. Ausnahmen sind gemäß §52(6) der Rechtschreibreglung:

Auslassungspunkte, Apostroph oder Zahlen zu Beginn eines Ganzsatzes gelten als Satzanfang; entsprechend bleibt die Schreibung des folgenden Wortes unverändert. Dies gilt auch für Überschriften, Werktitel und dergleichen. Beispiele:

… und gab keine Antwort.

’s ist schade um sie.
52 volle Wochen hat das Jahr.

Wenn am Satzanfang, dann also eher mit Großschreibung. Das kann aber recht verwirrend aussehen:

„Obligatorisch“ ist ein anderes Wort für „verpflichtend“.
„Der“, „die“ und „das“ sind bestimmte Artikel.

Keine der Lösungen ist wirklich befriedigend. Es empfiehlt sich deshalb immer, so zu formulieren, dass das zitierte Wort nicht am Satzanfang steht. Zum Beispiel:

Das Wort „obligatorisch“ ist ein anderes Wort für „verpflichtend“.
Die Bedeutung von „obligatorisch“ ist „verpflichtend“.

Die Wörter „der“, „die“ und „das“ sind bestimmte Artikel.
Die bestimmten Artikel sind „der“, „die“ und „das“.

Kurzum, in solchen Fällen besser groß oder am besten gar nicht am Satzanfang.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Eine halb wahre Geschichte oder eine halbwahre Geschichte?

Frage

Können Sie mir die richtige Schreibweise von halbwahr/halb wahr mitteilen?

Antwort

Guten Tag Frau P.,

bei Adjektivverbindungen mit halb an erster Stelle gibt es verschiedene Schreibweisen, die zum Teil von der jeweiligen Bedeutung von halb abhängig sind. Ich werde jedenfalls häufig unsicher, wie es genau sein sollte.

Wenn halb die Bedeutung nicht ganz hat, können Sie getrennt oder zusammenschreiben. Beides ist richtig:

das Glas ist halb voll / das Glas ist halbvoll
ein halb automatisches Dosiersystem / ein halbautomatisches Dosiersystem
eine halb wahre Geschichte / eine halbwahre Geschichte

Das Glas ist nicht ganz voll, das Dosiersystem nicht vollständige automatisch und die Geschichte nicht ganz wahr.

Wenn halb die abschwächende Bedeutung nicht sehr hat, schreibt man nur zusammen:

halbgebildetes Gerede
ein halblautes Gespräch
halblanges Haar

Das Gerede beruht auf mangelhaftem Wissen, das Gespräch ist nicht sehr laut und das Haar nicht sehr lang.

Aber schon bei diesen Beispielen ist zu sehen, dass es nicht immer ganz klar ist, wo der Übergang zwischen abstufendem nicht ganz und abschwächendem nicht sehr ist. Ist zum Beispiel halbfetter Käse nicht ganz fett oder nicht sehr fett? → Im Zweifelsfall eher zusammen (siehe aber unten).

Immer zusammen ist dann zu schreiben, wenn der zweite Teil der Zusammensetzung [so] allein nicht vorkommt:

nur halbherzig mitmachen
eine halbseitige Anzeige
zwei halbwüchsige Kinder

Und in diesen Fällen wird nur getrennt geschrieben:

In Verbindung mit einem zweiten halb (Bedeutung: teils) schreibt man nur getrennt:

halb lachend, halb ernst
ein halb wollenes, halb seidenes Gewebe
eine halb wahre, halb erlogene Geschichte

So viele Worte – und wirklich eindeutig ist es immer noch nicht. So könnte man zum Beispiel hierüber halb wahnsinnig werden, aber nicht halbwahnsinnig …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp