Die 60-Jährige

Gestern, am 23. Mai, wurde sie sechzig. Jetzt ist sie sechzig Jahre alt. Eine sechzigjährige (60-jährige), quicklebendige Dame. Es ist eine ungewöhnliche Sechzigjährige (60-Jährige). Sie hat zum Beispiel keine Privatadresse, an die man die Karte mit der großen goldenen Sechzig schicken könnte. Ich weiß darum gar nicht so recht, ob und wie ich ihr zum Sechzigsten gratulieren soll. Mit oder ohne Gratulationen: es ist ein schönes Jubiläum. Ihrem sechsundsechzigjährigen (66-jährigen) Präsidenten kann man übrigens ganz ohne Ob und Wie zur Wiederwahl gratulieren.

Es geht hier natürlich auch ein ganz kleines bisschen um die Wörter sechzig und sechzigjährig.

Ein norwegischer Sänger in der russischen Hauptstadt

Wie es sich für einen seriösen Sprachwissenschaftler nicht gehört, habe ich auch dieses Jahr wieder mit viel Vergnügen, einem Gläschen Wein und etwas zum Knabbern den Liederwettbewerb der Eurovision am Fernsehen verfolgt. Die deutschsprachigen Länder waren dabei ziemlich untervertreten, da gar kein österreichisches Lied angemeldet worden war, es noch nie einen liechtensteinischen Beitrag gegeben hat und die schweizerischen musikalischen Abgesandten im Halbfinale völlig zu Unrecht nicht genügend Stimmen für die Teilnahme am Finale für sich gewinnen konnten. Für die anderen Länder, in denen Deutsch eine Amtssprache ist, gilt, dass die letzten italienischen und luxemburgischen Teilnahmen schon Jahre zurückliegen und der belgische Elvis-Imitator es etwas weniger unerwartet als der Schweizer Beitrag nicht ins Finale geschafft hatte.

Als großer Geldgeber der Eurovision konnte nur Deutschland, ohne eine Vorrunde durchstehen zu müssen, direkt am Finale in der russischen Hauptstadt teilnehmen. Es gab dann also doch einen Beitrag aus deutschsprachigen Landen. Allerdings stand (oder besser: wand sich) dort ein amerikanischer Sänger mit einem englisch gesungenen Lied, aber im Rahmen des europäischen Gedankens und der gesamteuropäischen Unterhaltung sei dies zugestanden. Den Erfolg des deutschen Beitrags kann man, gelinde gesagt, mit mäßig umschreiben, was – nichts für ungut – die Qualität des Songs recht gut widerspiegelt.

Überwältigend gewonnen hat dann in der osteuropäischen Metropole ein junger norwegischer Sänger mit weißrussischen Wurzeln und einem so entwaffnenden Lächeln, dass es ihm europaweit gelingen würde, selbst die strengsten und misstrauischsten zukünftigen Schwiegervater- und Schwiegermutterherzen im Nu zu erobern.

Fans und Verächter des Eurovision Song Contests ebenso wie die große Gruppe derer, denen diese Veranstaltung und der Zirkus darum herum ziemlich gleichgültig sind, fragen sich vielleicht, was dies alles in einem Sprachblog zu suchen hat. Die Antwort lautet: im Prinzip gar nichts. Ich wollte nur wieder einmal darauf hinweisen, dass von geographischen (und anderen) Namen abgeleitete Adjektive im Deutschen anders als zum Beispiel im Englischen kleingeschrieben werden:

ein österreichisches Lied, ein liechtensteinischer Beitrag, die schweizerischen Abgesandten, die luxemburgische Teilnahme, ein belgischer Elvis-Imitator, die russische Hauptstadt, die osteuropäische Metropole, der norwegische Sänger usw.

Was eignet sich besser als ein internationales Ereignis wie dieses, um das mit vielen Beispielen zu illustrieren.

Ausnahmen sind die unveränderlichen Adjektive auf -er wie Schweizer in Schweizer Beitrag und Moskauer in das Moskauer Stadtzentrum. Auch die Adjektive, die Teil eines Eigennamens sind, schreibt man groß: die Deutsche Bahn, der Österreichische Rundfunk (ORF), die Schweizerische Eidgenossenschaft, die Europäische Union.

Wer mich besser kennt, wird nun vermuten, dass ich nicht das Festival dazu verwende, um etwas über die Rechtschreibung zu schreiben, sondern umgekehrt die Rechtschreibung als Ausrede missbrauche, um auch einmal etwas über das Eurovisionsfestival schreiben zu können. Wer mir solches unterstellt, hat nicht ganz unrecht.

Seit Längerem und seit langem – groß, klein oder was?

Frage

Zwei nacheinanderfolgende Sätze mit unterschiedlichen Schreibvarianten:

Dies wird in der amerikanischen Sonderpädagogik seit Längerem diskutiert.
Dies ist seit langem ein zentrales Thema.

Wird nun wirklich seit Längerem groß- und seit langem kleingeschrieben?

Antwort

Sehr geehrte Frau T.,

bei beiden Wendungen ist sowohl die Groß- als auch die Kleinschreibung möglich:

seit längerem o. seit Längerem
seit langem o. seit Langem

Es geht hier um eine der Regeln, die ich auch immer wieder nachschlagen muss, wenn ich ganz sicher sein will:

In festen Wendungen, die aus einer Präposition und einem artikellosen gebeugten Adjektiv bestehen, kann das Adjektiv klein- oder großgeschrieben werden. Zum Beispiel:

Kleinschreibung  oder  Großschreibung
seit kurzem seit Kurzem
von nahem von Nahem
von neuem von Neuem
seit neuestem seit Neuestem
bei weitem bei Weitem
bis auf weiteres bei auf Weiteres
ohne weiteres ohne Weiteres
 
und eben:
seit langem seit Langem
seit längerem seit Längerem

Für den Fall, dass Sie wie ich Mühe damit haben, sich dies auf längere Zeit zu merken, gibt es praktischerweise Canoonet. Solche Informationen zur Rechtschreibung finden Sie zum Beispiel hier und hier.

Die Schreibweisen in Ihren Zitaten sind also korrekt. Stilistisch gesehen wäre es allerdings besser, innerhalb eines Textes nur eine Variante zu verwenden (entweder seit längerem und seit langem oder seit Längerem und seit Langem).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wie sehen Anführungszeichen aus?

Frage

Leider habe ich vergessen, wie Anführungszeichen in deutschen Texten zu setzen sind. Bei Ihren Rechtschreibregeln ist dazu auch nichts zu finden.

Das Musical „Rocky Horror Picture Show“ ist echt der Hammer.
oder
Das Musical “Rocky Horror Picture Show? ist echt der Hammer.

Vielleicht ist das Beispiel jetzt nicht so gut, weil es ein Eigenname ist, aber mir fällt gerade nichts besseres ein. Schön wäre es, wenn Sie dann auch die Regeln um das Thema ergänzen könnten.

Antwort

Guten Tag T.,

auf Canoonet finden Sie zurzeit „nur“ Angaben zur Rechtschreibung. Das bedeutet für die Satzzeichen, dass wir angeben, welche Satzzeichen man setzen muss, aber nicht, wie diese Satzzeichen aussehen müssen. Dazu macht auch die amtliche Rechtschreibregelung keine Angaben.

Ob Sie die Anführungszeichen „so“ oder „so“ oder anders schreiben, ist eine Frage der Typografie. Dazu gibt es verschiedene, im Prinzip unverbindliche Regelungen. Angaben dazu finden Sie zum Beispiel hier.

In Deutschland und Österreich sind diese Varianten üblich:

Das Musical „Rocky Horror Picture Show“ ist echt der Hammer.
Das Musical »Rocky Horror Picture Show« ist echt der Hammer.

In der Schweiz und in Liechtenstein werden im Allgemeinen diese beiden Varianten verwendet:

Das Musical „Rocky Horror Picture Show“ ist echt der Hammer.
Das Musical «Rocky Horror Picture Show» ist echt der Hammer.

Die Zeichen „“ werden im Prinzip nur dann verwendet, wenn die anderen Zeichen nicht zur Verfügung stehen:

Das Musical „Rocky Horror Picture Show“ ist echt der Hammer.

Da diese typografischen Regeln nicht verbindlich sind und man die „-Zeichen am schnellsten getippt hat, verwende ich sie oft zum Beispiel in E-Mails (aber nicht in Briefen u. Ä.).

Wir planen, auf Canoonet auch Angaben zu typografischen Fragen anzubieten. Da die Regelungen und Empfehlungen zum Teil recht widersprüchlich sein können, ist dies aber nicht ganz unproblematisch und entsprechend aufwendig.  Es könnte also leider noch ein Weilchen dauern.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Angaben dazu, wann man Anführungszeichen setzen muss, finden Sie hier.

Torten und die Rechtschreibung

Ganz unpassend zur Zeit nach Ostern – wenn man wieder einmal zu viel gegessen und genascht hat und sich deshalb vielleicht etwas zurückhalten sollte – eine Frage zur Benennung von Torten:

Frage

Ich arbeite in einer Bäckerei und habe Probleme mit zusammengesetzten Wörtern. Wie schreibt man es richtig? Himbeerkäsesahnetorte oder Himbeerkäsesahne-Torte? Schwarzwälderkirschtorte? Schokoquarktorte?

Antwort

Sehr geehrter Herr Z.,

Namen von Torten schreiben Sie gleich wie andere zusammengesetzte Wörter, nämlich im Prinzip zusammen:

Himbeerkäsesahnetorte
Schokoquarktorte
Aprikosentorte
Dipolmaten Diplomatentorte
Schwedentorte
Sachertorte
Blaubeereistorte

Auch sonst gelten die gleichen Regeln wie für „gewöhnliche“ Zusammensetzungen. Wenn der Name lang oder kompliziert ist, können zur Verdeutlichung auch Bindestriche verwendet werden:

Himbeer-Käsesahnetorte (Käsesahnetorte mit Himbeeren)
Blaubeer-Eistorte (Eistorte mit Blaubeeren)

Dies gilt insbesondere, wenn verschiedene Zutaten im Namen genannt werden:

Zwetschgen-Nuss-Torte (Torte mit Zwetschgen und Nüssen)
Erdbeer-Kokos-Torte (Torte mit Erdbeeren und Kokos)
Buttermilch-Pfirsich-Torte (Torte mit Buttermilch und Pfirsichen)
Lauch-Schinken-Torte (Torte mit Lauch und Schinken; Die Regeln gelten auch für Salziges!)

Häufig kann die gleiche Torte unterschiedlich geschrieben werden. Dann können Sie selber entscheiden, was Ihnen besser gefällt:

Erdbeer-Mascarponetorte (Mascarponetorte mit Erdbeeren)
Erdbeer- Mascarpone-Torte (Torte mit Erdbeeren und Mascarpone)

Spezialfall mit Bindestrichen, wenn ein Teil des Tortennamens sonst getrennt geschrieben wird:

Crème-brûlée-Torte (Torte mit Crème brûlée)
Rote-Grütze-Torte (Torte mit roter Grütze)
Piña-Colada-Torte (Torte mit/wie Piña Colada)

Getrennt schreibt man Tortennamen, die ein gebeugtes Adjektiv enthalten:

Amerikanische Käsetorte
Römische Erdbeertorte
Cremige Nusstorte
Gebackene Quarktorte

Die gilt auch, wenn ein mit -er von einem geografischen Namen abgeleitetes Wort verwendet wird:

Schwarzwälder Kirschtorte
Augsburger Apfeltorte
Engadiner Nusstorte

Ebenfalls getrennt schreibt man, wenn die genauere Angabe hinter der Torte steht:

Torte mit Himbeergrütze
Torte Napoleon
Torte Hawaii
Torte Schöne Helene

Auch für Tortenbäcker und -bäckerinnen hat die Rechtschreibung also ihre Feinheiten. Doch bevor Sie gleich den Teigschaber ins Mehl werfen: Es ist weniger kompliziert, als es auf den ersten Blick aussieht. Und wenn Sie einmal einen Bindestrich zu viel oder zu wenig verwenden oder ein Leerzeichen steht, wo keines stehen sollte, wird Ihnen das kaum jemand übelnehmen. Man sollte auch als Konditor oder als Bäckerin der Rechtschreibung nicht allzu viel Gewalt antun, doch es ist immer, aber auch wirklich immer viel wichtiger, wie eine Torte schmeckt!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Straßennamen

Frage

Wann schreibe ich –str. zusammen, und wann – Str. getrennt? Und wann kommt ein Bindestrich dazu und wann nicht? Gelten diese Regeln dann auch für Alleen, Wege und Chausseen?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

nach den amtlichen Rechtschreibregeln schreibt man Straßennamen grundsätzlich gleich wie „gewöhnliche“ Zusammensetzungen:

Im Prinzip zusammen:

Bahnhofstraße
Goethestraße
Fleischergasse
Langgasse
Eichenweg
Donauallee    

Ist der erste Teil ein gebeugtes Adjektiv, schreibt man den Namen getrennt und das Adjektiv groß:

Breite Straße
Lange Gasse
Neue Gasse

Man schreibt ebenfalls getrennt, wenn der erste Teil ein mit -er von einem geographischen Namen abgeleitetes unveränderliches Adjektiv ist:

Bielefelder Straße
Innsbrucker Straße
Königsberger Allee
Berliner Chaussee
(aber: Hannoverstraße)

Bindestriche werden dann verwendet, wenn der erste Teil aus einer Wortgruppe wie zum Beispiel einem mehrteiligen Eigennamen besteht:

Heinrich-Heine-Straße
Van-Gogh-Straße
Heinrich-von-Kleist-Weg
General-Guisan-Quai

ABER: Dies sind die allgemeinen Regeln. Im konkreten Fall weichen Ortschaften und Städte von diesen Regeln ab. So schreibt man in der Schweiz Genferstrasse und Baslerstrasse statt Genfer Straße und Baseler Straße, und auch in Österreich findet man des Öfteren die Schreibung Innsbruckerstraße statt der amtlich empfohlenen Schreibung Innsbrucker Straße. Diese lokal festgelegten Schreibweisen gehen den amtlichen Rechtschreibregeln vor!

Abgekürzt wird genau gleich. Also zum Beispiel:

Bahnhofstr.
Breite Str.
Bielefelder Str.
Heinrich-Heine-Str.

Noch viel mehr Informationen zur Schreibung von Eigennamen finden sie auf dieser Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Hin und her schieben oder hin- und herschieben?

Frage

Ich habe wieder einmal eine Frage, zu der ich keine eindeutige Klärung finden konnte.

Eine Bindehautentzündung kündigt sich durch Jucken, Reiben, Brennen und ein gerötetes Auge an, wobei ein Gefühl entsteht, als würden bei jedem Lidschlag Sandkörner hin und her geschoben.

Oder schreibt man hier hin- und hergeschoben?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

ob Sie hin und her schieben oder hin- und herschieben schreiben, hängt davon ab, was genau gemeint ist. Man schreibt hin und her getrennt vom Verb, wenn es ohne bestimmte Richtung, kreuz und quer bedeutet. Es kann dann durch herum- ersetzt werden. Man schreibt hin- und her…, wenn damit eine Bewegung an einen bestimmten Ort und zurück gemeint ist:

hin und her fahren = ziellos herumfahren
hin- und herfahren = hin- und zurückfahren

hin und her schieben = herumschieben
hin- und herschieben = hinschieben und zurückschieben

Hier ist im Prinzip beides möglich (bei einem Lidschlag gibt es ja eine Bewegung hin und zurück), aber es ist wohl eher gemeint, dass die Sandkörner im Auge herumgeschoben werden. Deshalb:

…, als würden bei jedem Lidschlag Sandkörner hin und her geschoben.

Man kann also einen Schrank im ganzen Zimmer hin und her schieben und ihn dabei dreimal zwischen der Tür und dem Sofa hin- und herschieben. Das ist aber innenarchitektonisch sehr ineffizient und rechtschreiblich ziemlich spitzfindig.

Auch im übertragenen Sinne schreibt man hin und her getrennt vom Verb:

hin und her reden = reden, ohne zu einem Ergebnis zu kommen
hin und her überlegen = alle Aspekte berücksichtigend überlegen

Weitere Beispiele finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Vom Verbreitungsgebiet des Emus und dem Gehege der Gnus

Gestern war ich wieder einmal im Zoo. Ein Tiergarten im Winter hat ja auch so seine Reize. Abgesehen davon, dass viele schreiende Kinder ihr Schreien zurzeit nicht dort, sondern auf Skiliften und Skipisten zum Besten geben, sind bei kaltem Nordwind für mich die geheizten Tierhäuser einer dieser Reize. Das nennt sich dann „geheheizt spazieren gehen“. Als ein solcher „Kälteflüchter“ habe mich dann auch darüber gewundert, welche Tiere trotz Kälte draußen anzutreffen sind. Bei Eisbären, Schneeleoparden und Steinböcken erstaunt einen das ja nicht. Diese Tiere sind sozusagen dafür geschaffen. Löwen, Zebras und Flamingos hingegen sind für mich eindeutig in flimmernder Hitze zu Hause und sollten deshalb tiefe Temperaturen nicht ertragen oder zumindest nicht ausstehen können. Ich habe mich wieder einmal eines Besseren belehren lassen müssen: Die Löwen lagen, die Zebras trotteten und die Flamingos standen einfach draußen herum, Leztere sogar mit den Füßen im Wasser!

Sprachlich oder besser gesagt orthografisch gesehen fiel mir positiv auf, dass der Tiergarten, in dem ich war, nicht von der „Apostrophitis“ befallen ist. An Orten mit exotischen Tieren gibt es nämlich viele auf a, i, o oder u endende Wörter. Bei den Vögeln findet man zum Beispiel die Aras, die Emus, die Flamingos, die Kolibris, die Marabus und die Nandus (die Uhus sind ja keine Exoten). Auch bei den Huftieren gibt es viele solche Namen: z. B. die Gnus, die Impalas, die Kudus, die Lamas, die Vikunjas und die Zebras. Andere Beispiele aus anderen Tiergattungen sind die Capybaras, die Gorillas, die Kängurus, die Pandas, aber auch die Boas und die Geckos.

Unter „Apostrophitis“ ist die Tendenz zu verstehen, bei solchen Wörtern vor dem s des Genitivs oder dem s der Mehrzahl einen Apostroph zu verwenden. Das ist nach den geltenden Rechtschreibregeln falsch, sogar bei ganz kurzen Wörtern wie Ara, Emu und Gnu. Also:

Richtig Falsch
das Verbreitungsgebiet des Emus   das Verbreitungsgebiet des Emu’s
das Federkleid des Aras das Federkleid des Ara’s
das Futter der Flamingos das Futter der Flamingo’s
das Gehege der Gnus das Gehege der Gnu’s

Und genau so wird das in „meinem“ Zoo auch getan. Alle Schilder, Beschriftungen und Hinweistafeln sind perfekt apostrophfrei. Da soll also keiner behaupten, ich hätte immer nur etwas zu bemängeln.

Gerne hätte ich auch etwas über meine Lieblingstiere geschrieben, aber die geben in dieser Hinsicht nichts her: Giraffen und Seekühe schreibt auch während des schlimmsten Apostrophitisanfalls niemand mit Apostroph.

Ski fahren und Skifahren

In Val d’Isère streiten die Skifahrerinnen und Skifahrer zurzeit gerade um die Weltmeistertitel in der Abfahrt, im Super-G, im Riesenslalom, im Slalom und in der Superkombination. Vier verschiedene Arten (plus eine Kombination), auf zwei langen Latten den Hang hinunterzugleiten: da sage mir keiner, Skifahren sei einfach Skifahren! Der Februar ist auch der Monat des Skiurlaubs. Die Staus in Richtung Wintersportgebiete halten sich zwar noch in Grenzen (die Holländer sind noch nicht unterwegs), aber auch dieses Jahr – Krise hin oder her – werden sich Unzählige wieder auf den Weg machen, um sich eine Woche lang Skier und Snowboards unterzubinden und je nach Lust und Wesensart eher Tiroler Knödeln und Käsefondue oder vor allem dem feuchtfröhlichen Après-Ski zu frönen.

Das heutige Thema ist also das Skifahren. Wenn es um meine Skikünste geht, kann ich mich kurzfassen: Ich komme irgendwie, meist sogar ohne zu stürzen, den Hang hinunter, aber nur schon beim Anblick von Welcup-Abfahrtspisten packt mich kaltes Grauen, und wenn mir Zehnjährige elegant um die Ohren sausen, muss ich blanken Neid unterdrücken. Dass ich weiß, wann man Ski fahren und wann Skifahren schreibt, ist dann natürlich ein äußerst schwacher Trost. Es ist auch nicht allzu spannend. Deshalb nur kurz:

Im Prinzip schreibt man Ski fahren (wie Rad fahren und Auto fahren) getrennt:

Ich fahre Ski.
…, dass ich unheimlich gut Ski fahre.
…, dass ich nicht so gut Ski fahren kann.
Ich bin gestern den ganzen Tag Ski gefahren.
Wohin fährt fahrt ihr, um Ski zu fahren?

Wenn man aber das Skifahren meint, das heißt die Handlung als Substantiv verwendet, schreibt man zusammen:

Das Skifahren gefällt mir gut.
Er hat sich beim Skifahren das Bein gebrochen.
Ich freue mich aufs Skifahren.
Wohin fährt fahrt ihr zum Skifahren?

Dann gibt es auch noch die Formulierungen, bei denen man nicht entscheiden kann, ob es sich um einen verbalen Ausdruck oder um ein Substantiv handelt. Zum Beispiel (Regel):

Ist snowboarden populärer als Ski fahren?
Ist Snowboarden populärer als Skifahren?

Das war noch nicht alles: Neben Ski kann man auch Schi schreiben und statt Ski fahren kann man auch Ski laufen sagen. Ob sie nun Ski fahren, Schi fahren, Ski laufen oder Schi laufen, seien Sie vorsichtig und brechen Sie sich nichts!

PS: Auch über das Snowboarden gäbe es einiges zu sagen, doch das kommt vielleicht ein andermal.

Groß- und Kleinschreibung nach Aufzählungsstrichen

Frage

Wenn man im Brief eine Aufzählung hat, wird das Wort nach dem Aufzählungsstrich immer groß geschrieben?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

hierzu gibt es meines Wissens keine verbindlichen Regeln. Ich möchte aber trotzdem ein paar Hinweise geben:

Wenn die Aufzählung gewissermaßen in den Text integriert ist, sollte nicht großgeschrieben werden. Zum Beispiel:

Es ist erforderlich, dass
– alle Nachbarn informiert werden,
– eventuelle Beschwerden berücksichtigt werden,
– die Lärmbelästigung möglichst gering ist.

Mitnehmen sollten Sie:

  • leichte Kleidung
  • gutes Schuhwerk
  • Regenschutz
  • Kopfbedeckung

Wenn es sich um eine Aufzählung von Titeln, Überschriften, ganzen Sätzen u. Ä. handelt, sollte immer großgeschrieben werden. Beispiele:

Inhalt:
– Ein Wort vorab
– Erstes Kapitel
– Zweites Kapitel
– Abschließende Bemerkungen

Bevor Sie abschließen:

  • Haben alle das Gebäude verlassen?
  • Sind die Fenster geschlossen?
  • Sind alle Lichter gelöscht?

Sonst bleibt es in den meisten Fällen Ihrem eigenen Ermessen (oder eventuellen typographischen Hausregeln) überlassen, ob Sie Nichtsubstantive nach einem Aufzählungsstrich groß- oder kleinschreiben. Wichtig ist vielleicht nur noch, dass Sie innerhalb einer Liste unbedingt das gleiche Prinzip beibehalten sollten. Auch sonst empfiehlt es sich für Vielschreiber(innen), sich so weit wie möglich immer an die gleichen Kriterien zu halten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp