Archiv für Wortschatz

Ist alles total Banane oder total banane?

Frage

Kürzlich hat mich jemand darauf hingewiesen, dass […] „total Banane sein“ falsch geschrieben sei: „Banane“ werde  hier adjektivisch genutzt und sei daher kleinzuschreiben. Das ist durchaus nachvollziehbar. Er begründete dies mit „wurst / wurscht sein“, was ebenfalls kleinzuschreiben wäre. Auf duden.de sehe ich das bestätigt. Die adjektivisch genutzte „Banane“ fehlt hier allerdings.
[…]
Lange Einleitung, kurze Frage: Schreibt man „Banane/banane sein“ und „Wurst/wurst sein“ groß oder klein?

Antwort

Guten Tag Herr U.,

das Wort „Wurst“ wird im Sinne von „egal“ kleingeschrieben. Die Kleinschreibung „wurst/wurscht sein“ ergibt sich aus der zur amtlichen Rechtschreibregelung gehörenden Wörterliste. Dort steht:

wurst, wurscht [sein § 56(1)]

Obwohl hier einige Nachschlagwerke auch heute noch die Schreibung mit großen W angeben, wird also nach der amtlichen Wörterliste kleingeschrieben:

Es war ihm wurst, was wir davon hielten.
Das war und ist mir wurscht!

Nun zu „Banane/banane sein“ („dumm, verrückt, unsinnig, schlecht sein“ vgl. hier). In diesem Fall kann man darüber diskutieren, ob „Banane“ in der besagte Redewendung bereits „keine substantivischen Merkmale“ mehr aufweist, das heißt, ob „Banane“ in § 56.1 mitgemeint ist oder nicht. Ich würde die Kleinschreibung empfehlen, auch wenn sie sehr gewöhungsbedürftig aussieht:

total banane sein
Das ist total banane.
Das sieht banane aus.

Das gilt auch für zum Beispiel „klasse“, „scheiße“, „spitze“ und eben „wurst/wurscht“.

Ich würde die Großschreibung bei „Banane sein“ aber nicht rot anstreichen, weil das Wort mit dieser Verwendung noch nicht so bekannt und gebräuchlich ist wie zum Beispiel „klasse“, „spitze“ oder „wurst“ (keine substantivischen Merkmale mehr?). In der Praxis wird auch meistens großgeschrieben: „total Banane sein“. Außerdem ist es eine sehr umgangssprachliche Wendung, dann sind solche Rechtschreibfinessen ohnehin ziemlich nebensächlich. In zum Beispiel einem Schüleraufsatzes wäre aber der ganze Ausdruck anzustreichen, da er – wie gesagt – sehr umgangssprachlich ist. Dort sieht er eher banane aus.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das fehlende Wort zwischen „links“ und „rechts“

Frage

Die Bildzeile unter einem Bild in einem Text enthält oft die Namen der Abgebildeten und den Zusatz (links), (rechts), (Mitte). […] Und da wundere ich mich, dass man zwar „rechts“ und „links“ kleinschreibt, aber „Mitte“ groß. Oder ist das ein Irrtum? Mir erscheint „Max (links), Tina (mitte), Svenja (rechts)“ logischer. Darf ich „mitte“ kleinschreiben?

Antwort

Guten Tag Frau R.,

die Großschreibung von „Mitte“ ist korrekt. Das sieht man etwas besser, wenn man die Zusätze ausformuliert:

Max (links) = Max, links stehend
Tina (Mitte) = Tina, in der Mitte stehend
Svenja (rechts) = Svenja, rechts stehend

Sie können deshalb „mitte“ nicht kleinschreiben. Was hier fehlt, ist ein griffiges und vor allem gebräuchliches Adverb, das die Position zwischen „links“ und „rechts“ angibt. Wir verwenden dafür meist „in der Mitte“, das vom Wortaufwand her eigentlich besser zwischen „auf der rechten Seite“ und „auf der linken Seite“ passt. Für eine konsequente Kleinschreibung könnten Sie zum Beispiel auf „mittig“ oder „dazwischen“ ausweichen, aber das erste Worte trifft nicht ganz die Bedeutung und das zweite ist bei Bildunterschriften u. Ä. einfach nicht üblich.

Das Fehlen eines gängigen Adverbs führt zu der für das Auge inkonsequenten Klein- und Großschreibung „links – Mitte – rechts“, die Sie ein wenig irritiert. Das gilt auch in der Politik, wo man ebenfalls von „links“ und „rechts“ (vgl. hier) und von „die Mitte“ spricht und wo ein Ausweichen auf „dazwischen“ gar nicht in Frage kommt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Côte d’Ivoire und Eswatini oder Elfenbeinküste und Swasiland

Kommentar

[…] So wird [in Wikipedia] seid 15 Jahren hartnäckigst das Lemma „Elfenbeinküste“ durchgeboxt, statt den offiziellen und auch in Deutschland amtlichen Namen „Côte d’Ivoire“ zu verwenden, zumal Präsident Houphouët-Boigny Ende 1985 verfügte, dass der Landesname nur noch mit dem französischen Namen Côte d’Ivoire geführt und nicht in andere Sprachen übersetzt werden darf. Genauso verbohrt wird am Namen Swasiland festgehalten, obwohl der Staat seit eineinhalb Jahren offiziell und auch amtlich in den D-A-CH-Ländern „Eswatini“ heißt. […]

Reaktion

Guten Tag Herr E.,

wenn Wörterbücher und Enzyklopädien sich nicht an die offizielle Namensgebung halten, ist das meist nicht „falsch“ oder „xenophob“, sondern die Darstellung dessen, was in der Sprache üblich und gebräuchlich ist. Im Deutschen werden außer im amtlichen und diplomatischen Verkehr meistens die Namen Elfenbeinküste und Swasiland verwendet. Die offiziellen Namen Republik Côte d’Ivoire und Königreich Eswatini kommen im allgemeinen Sprachgebrauch kaum vor. Letzterer ist den meisten Menschen sogar noch völlig unbekannt. Ähnliches gilt für zum Beispiel Südkorea (offiziell Republik Korea), Nordkorea (offiziell Demokratische Volksrepublik Korea) oder Tschechien (offiziell Tschechische Republik). Es spricht natürlich nichts dagegen, jeweils beide Bezeichnungen mit entsprechenden Angaben aufzunehmen.

Auch bei der Verwendung von Ländernamen in der Allgemeinsprache gilt, dass sich die Allgemeinsprache nicht unbedingt an die Terminologien der Fachsprachen zu halten hat. Man kann die offiziellen und amtlichen Listen des Auswärtigen Amtes (D), des Außenministeriums (A) bzw. des Departementes für auswärtige Angelegenheiten (CH) oder die entsprechende DIN (DIN EN ISO 3166-1) als solche fachsprachliche Listen bezeichnen. Wer sich daran halten will oder muss, sollte dies tun. Allgemein verbindlich sind diese Listen nicht, vor allem dann nicht, wenn im allgemeinen Sprachgebrauch eine andere Form üblich ist.

Offizielle oder fachsprachliche und gebräuchliche Bezeichnungen stimmen auch in anderen Bereichen nicht immer überein, sonst gäbe es nur noch Schraubendreher und keine Schraubenzieher mehr (vgl. hier).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Warum „unverzeihlicherweise“ verzeihlicherweise nicht im Wörterbuch steht

Bemerkung

Danke für die schnelle Antwort. Übrigens steht Ihr „unverzeihlicherweise“ nicht in der Canoo-Liste, auch „verzeihlicherweise“ nicht.

Reaktion

Guten Tag Herr S.,

man kann von vielen Adjektiven ein mehr oder weniger übliches Adverb auf –erweise bilden. Dies geschieht häufig auch ad hoc, das heißt ganz spontan während des Sprechens oder Schreibens. Deshalb listen Canoonet und andere Wörterbücher lange nicht alle möglichen Ableitungen mit –erweise auf. Dies nicht nur wegen Platzmangels, was ja in der heutigen digitalen Welt viel weniger ein Problem ist als in der Zeit der dicken, vielbändigen Wörterbücher, die noch auf Papier gedruckt und gebunden werden mussten. Es ist auch nicht möglich und nicht sinnvoll, alle Ableitungen zu erfassen, die schon einmal verwendet worden sind oder einmal verwendet werden könnten. Hier ein paar Beispiele möglicher Bildungen, die nicht in (allen) Wörterbüchern zu finden sind:

abartigerweise, blamablerweise, cholerischerweise, diabolischerweise, enttäuschenderweise, fahrlässigerweise, grinsenderweise

… und viele andere mehr – auch mit positiver Bedeutung. Diese Ableitungen sind lange nicht alle stilistische Meisterwerke, aber das bedeutet natürlich nicht, dass sie nicht möglich sind.

Das Gesagte gilt nicht nur für die Adverbbildung mit -erweise, sondern auch für andere Worbildungsarten, mit denen noch neue Wörter gebildet werden können. Beispiele sind Ableitungen von Verben mit den Suffixen -bar und -ung und ganz besonders die Substantivzusammensetzungen, die in unendlicher Zahl bildbar sind.

Ich nenne hier deshalb wieder einmal einen wichtigen Grundsatz: Dass ein Wort nicht in den Wörterbüchern steht, heißt noch lange nicht, dass es das Wort nicht gibt oder nicht geben kann!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Hat das neue Jahrzehnt schon angefangen?

Alle zehn, hundert und tausend Jahre wieder:

Frage

Aktuell hört und liest man, dass mit dem Jahr 2020 eine neue Dekade angefangen hat. Dekade bedeutet 10 Tage, 10 Jahre etc. Kann dann die alte Dekade vom Jahr 2010 bis zum Jahr 2019 gerechnet werden oder müsste vielmehr diese Dekade ab dem Jahr 2011 bis zum Jahr 2020 gehen. Es wäre so ähnlich wie der Jahrtausendwechsel, der irrtümlich bereits 1999/2000 gefeiert wurde.

Antwort

Guten Tag Herr R.,

eine Dekade, ein Dezennium oder ein Jahrzehnt dauert zehn Jahre. Wann genau diese Periode anfängt und endet, ist dabei nicht relevant. Jeder zehn Jahre dauernde Zeitabschnitt kann im Prinzip Dekade, Dezennium oder Jahrzehnt sein.

Bei der Zeitrechnung kann man die „historisch-mathematische“ Zählung verwenden, die davon ausgeht, dass es das Jahr null nach der traditionellen christlichen Zeitrechnung nicht gibt und entsprechend vom 1. Januar des Jahres 1 an rechnet. Das erste Jahrzent ist dann am Ende des Jahres 10 vorbei und das zweite beginnt am 1. Januar des Jahres 11. Nach dieser Methode fängt ein Jahrzehnt also am Anfang eines auf 1 endenden Jahres an und dauert bis zum Ende des darauffolgenden auf 0 endenden Jahres. Demzufolge sind wir noch im Dezennium, das am 1. Januar 2011 angefangen hat und bis zum 31. Dezember 2020 dauert.

Viel üblicher ist hier aber die „dezimale“ Zählung, bei der alle mit derselben Zehnerzahl beginnenden Jahre zu einem Jahrzehnt zusammengefasst werden. Dann fängt ein Jahrzehnt am Anfang eines auf 0 endenden Jahres an und dauert bis zum Ende des darauffolgenden auf 9 endenden Jahres. Nach dieser Methode war am vergangenen 31. Dezember das Dezennium 2010–2019 zu Ende und hat am vergangenen 1. Januar 2020 ein neues Jahrzehnt angefangen, das bis zum Ende des Jahres 2029 dauert.

Eine entsprechende Begründung gilt auch für Jahrhunderte und Jahrtausende. Nach der „historisch-mathematischen“ Zählung hat dieses Millennium am 1. Januar 2001 angefangen, nach der viel gebräuchlicheren „dezimalen“ Zählung aber schon am 1. Januar 2000.

Beide Zählarten haben ihre eigene Begründung und keine von beiden ist grundsätzlich falsch.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Kakophonie – Pubertäres Grinsen liegt doch nicht ganz daneben

Heute bin ich wieder einmal dem Wort Kakophonie (o. Kakofonie) begegnet. Das schöne bildungssprachliche Wort, das Kindern bis hin zu Spätpubertierenden jeden Alters ein Lachen bzw. Grinsen entlockt, bedeutet Missklang, hässlicher Klang, Dissonanz. Es kommt von griechisch kakos (schlecht, schlimm, böse) und ebenfalls griechisch phon (Ton, Klang). Es gibt eigentlich nichts, worüber man lächeln, lachen oder grinsen könnte, denn mit dem gleich klingenden derben deutschen Wort hat es nichts zu tun. Wirklich?

Der erste Teil kak(o)- kommt auch in anderen schönen Fachwörtern wie Kakogeusie (alle Geschmacksreize als unangenehm empfinden), Kakosmie (Gerüche fälschlich als unangenehm empfinden) und Kakostomie (übler Mundgeruch) vor. Es geht, wie bereits gesagt, auf das griechische Adjektiv kakos (κακός = schlecht, übel, böse) zurück. Die Wortherkunft dieses Adjektivs ist ungeklärt, aber es wird allgemein davon ausgegangen, dass es auf einen Wortstamm kak(k)a mit der Bedeutung den Darm entleeren zurückgeht.

Das kako- in Kakophonie hat also indirekt doch etwas mit Kacke (ich muss das Wort hier doch einmal erwähnen) zu tun. Die Wörter sind „weit hinten“ miteinander verwandt. Die beiden Verwandten gehören aber unterschiedlichen Sprachebenen an. Während im Griechischen κακός zum normalen Sprachgebrauch gehört und man ungeniert von zum Beispiel einer κακή ιδέα (kaki idea) reden kann, ist Kackidee im Deutschen ein derbes Wort, bei dem man sich zweimal überlegen sollte, ob man es wirklich verwenden möchte. Das eingangs erwähnte (spät)pubertäre Grinsen beim Wort Kakophonie ist aber nicht nur klanglich, sondern auch wortgeschichtlich nicht ganz unbegründet.

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„Wenn“ und „als“ und warum „als der Korb voll ist“ doch nicht falsch ist

Frage

Ist als in diesem Satz korrekt?

Sie sammeln Beeren. Als der Korb voll ist, kehren sie zurück.

Die ganze Erzählung ist in der Gegenwart gehalten.

Antwort

Guten Tag Herr G.

bei Zeitsätzen dieser Art gilt im Prinzip, dass man wenn verwendet, wenn Gleichzeitigkeit in der Gegenwart oder der Zukunft ausgedrückt wird, und als, wenn es um Gleichzeitigkeit in der Vergangenheit geht:

Du darfst gehen, wenn du fertig bist.
Wir werden euch besuchen, wenn wir Ferien haben.

Du durftest gehen, als du fertig warst.
Wir wollten euch besuchen, als wir Ferien hatten.

Wahrscheinlich führt diese „Grundregel“ zu Ihrem Zweifel. Sie sagt nämlich, dass wenn steht, wenn Gleichzeitigkeit in der Gegenwart ausgedrückt wird. Sie sagt nicht, dass wenn steht, wenn Gleichzeitigkeit im Präsens ausgedrückt wird. Präsens und Gegenwart sind in der Sprache oft nicht dasselbe. Das ist auch in Ihrem Beispiel der Fall.

Man kann eine Erzählung, die sich in der Vergangenheit abspielt, ganz oder teilweise im Präsens ausdrücken. Das ist das Erzählpräsens oder historische Präsens. Dann steht trotz des Präsens als und nicht wenn. Die Wahl der Konjunktion richtet sich also nach der Bedeutung (Vergangenheit) und nicht nach der Form (Präsens):

Wir schreiben das Jahr 1492, als Kolumbus Amerika entdeckt.
Als Sherlock Holmes den Auftrag erhält, verlängert er seinen Aufenthalt in …

Wenn Ihre Erzählung sich in der Vergangenheit abspielt, aber im Präsens geschrieben ist, heißt es somit richtig:

Sie sammeln Beeren im Wald. Als der Korb voll ist, kehren sie zurück.
= Sie sammelten Beeren im Wald. Als der Korb voll war, kehrten sie zurück.

Dieses als ist nur dann richtig, wenn es sich beim Präsens um ein Erzählpräsens handelt. Ist es ein „echtes“ Präsens, kann nur wenn verwendet werden:

nicht: Sie sammeln jetzt Beeren im Wald. *Als der Korb voll ist, kehren sie zurück.
sondern: Sie sammeln jetzt Beeren im Wald. *Wenn der Korb voll ist, kehren sie zurück.

Dies ist kein welterschütternd kompliziertes Phänomen, aber es zeigt schön, dass Form und Bedeutung in der Sprache nicht immer parallel verlaufen und dann um den Vorrang streiten können.

Mit freundlichen Grüßen

Stephan Bopp

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Die Walnuss und der Walfisch

Auch diesen Herbst sind zwei Eichhörnchen fleißig damit beschäftigt, auf einer erstaunlich geraden Linie über eine Hecke, einen Felsenbirnenbaum, einen japanischen Ahorn und das Garagendach des einen Nachbarn, Walnüsse vom Walnussbaum des anderen Nachbarn in den Wald zu befördern, wo sie ihre Beute wahrscheinlich irgendwo als Wintervorrat vergraben. Das hat dieses Jahr bei mir nicht nur zu amüsiert-bewunderndem Zuschauen, sondern auch zur folgenden Frage geführt: Woher kommt das Wal- in Walnuss?

Der Name hat mir der Herkunft der Nuss zu tun: Sie ist aus Italien und/oder Frankreich zu uns gelangt und wurde im Unterschied zur einheimischen Haselnuss *walhnut genannt. Ins heutige Deutsch übertragen bedeutet dies welsche Nuss oder Welschnuss. Das Adjektiv welsch wird heute in der Schweizer Alltagssprache noch für aus dem Welschland, das heißt aus der französischen Schweiz Stammende und Stammendes verwendet. Allgemeindeutsch bedeutete es aus dem romanischen Bereich (insbesondere Italien, Frankreich und Spanien) stammend. Ursprünglich ist das Adjektiv eine Ableitung vom Namen eines keltischen Stammes (Volcae/*Walhos). Zuerst wurden damit die Kelten bezeichnet und nach der Eroberung durch die Römer die romanische Bevölkerung Galliens, aber auch die Bewohner Italiens. Der langen Erklärung Höhepunkt: Sprachgeschichtlich ist die Walnuss mit Namen wie Wales, Cornwall, Wallonien und Welschland verwandt.

Hat die Walnuss auch etwas mit dem Wal oder umgangssprachlich auch Walfisch genannten Meeressäugetier zu tun? Höchstwahrscheinlich nicht. Der genaue Ursprung des Wortes Wal ist zwar ungewiss, aber die Erklärungen haben alle etwas mit Fischnamen und nichts mit welsch zu tun. Und auch der Name des Schweizer Kantons Wallis hat eine andere Herkunft. Er liegt zwischen den Bergen und leitet seinen Namen von vallis, dem lateinischen Wort für Tal, ab.

Wenn die Walnuss auch nichts mit dem Walfisch zu tun hat, war ich doch überrascht, dass ihre historische Wortverwandtschaft von Wales über Wallonien bis ins Welschland anzutreffen ist. Den Eichhörnchen wird das allerdings eher egal sein.

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Von Hannoveranern, Frankfurtern, Persern und Weimar(an)ern

Frage

[…] Ich möchte meine Frage an Sie auf die von Ortsbezeichnungen abgeleiteten Namen der Bewohner zuspitzen. Oft genügt das Suffix „er“ zur Ableitung des Einwohnernamens. Es gibt aber auch Namensbildungen, bei denen die Ableitung mit „er“ zungenbrecherisch wirkt und keine geschmeidige Aussprache zulässt. Der Münsterer, der Jeverer, der Hanoverer, der Kasseler und auch der Weimarer – und selbstverständlich auch die Weimarerin – klingen nun wirklich nicht besonders gut. So hat man schon in alten Zeiten Münsteraner, Jeveraner, Kasselaner und selbstverständlich auch Weimaraner als Bezeichnung für die Einwohner verwendet.

Dass „Hannoveraner“ auch eine Pferderasse ist, stört offenbar niemanden; aber in Weimar will man seit geraumer Zeit den traditionellen Einwohnernamen Weimaraner nicht mehr gelten lassen, weil hier Ende des 19. Jahrhunderts eine Hunderasse – ein Vorstehhund – gezüchtet worden ist, der man den Namen „Weimaraner“ gegeben hat. Deswegen verkünden seit einiger Zeit übereifrige „Sprachhüter“ die Auffassung, man müsse Weimarer sagen, um nicht mit dem Hund verwechselt zu werden. In der Presse findet man lediglich noch die Schreibweise Weimarer für die Einwohner von Weimar. Und die Stadtführer getrauen es sich auch nicht mehr, Weimaraner zu sagen, weil sie angeblich von den Touristen nicht verstanden werden. Was sagt der Linguist zu dieser […] Meinung? […]

Antwort

Guten Tag Herr W.,

es gibt bei der Bildung von Einwohnernamen keine festen Regeln. Deshalb gilt: Richtig ist, was üblich ist.

Üblich scheint heutzutage vor allem (oder fast nur noch?) Weimarer zu sein. Da ich aus einer ganz anderen Gegend komme und leider noch nie auch nur in der Nähe von Weimar gewesen bin, kenne ich das Wort vor allem als Adjektiv in Weimarer Republik. Das heißt aber nicht, dass Weimaraner falsch ist. Es ist nur nicht mehr so gebräuchlich.

Das Argument, Weimaraner sei falsch, weil dieses Wort eine Hunderasse bezeichne und deshalb nicht auch Einwohnername sein könne, ist nicht sehr schlagkräftig. Schließlich sind nicht alle Rottweiler Hunde, nicht alle Hannoveraner Pferde, nicht alle Berliner Pfannkuchen, nicht alle Frankfurter Würstchen und nicht alle Perser Teppiche. Dass eine Einwohnerbezeichnung auch für etwas anderes verwendet wird, schließt also keineswegs aus, dass sie weiterhin auch als Einwohnerbezeichnung dienen kann.

Das gilt auch dann, wenn es für einen Ort mehr als nur eine Einwohnerbezeichnung gibt. So gibt es den Steinhäger, einen Wachholderschnaps, der aus Steinhagen kommt, einem Ort, in dem Steinhagener und Steinhagenerinnen oder eben Steinhäger und Steinhägerinnen wohnen.

Kurzum, in Weimar wohnen Weimaraner und Weimaranerinnen, die heutzutage allerdings meistens Weimarer und Weimarerinnen genannt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Viel Wohnen und wenig Essen: Unterkunft und Logis

Den meisten ist die Wendung Kost und Logis wahrscheinlich bekannt, trotzdem liest man immer wieder auch Unterkunft und Logis. Das hat im DaF-Unterricht (DaF = Deutsch als Fremdsprache) von Frau K. zu Fragen geführt.

Frage

Im Lehrbuch […] steht folgender Satz: „… sie bekam Unterkunft und Logis und ein monatliches Taschengeld.“

Gestern habe ich mit meinen Schülern diesen Satz in einem Artikel über Au-pair-Mädchen im Ausland gelesen und da hat jemand gefragt, was der Unterschied zwischen Unterkunft und Logis ist. Ich war ganz perplex und konnte im Moment nichts Vernünftiges antworten. […] In allen Wörterbüchern steht, dass Logis ein Synonym für Unterkunft ist. […] Dass es sich in einem Lehrbuch um einen Fehler handelt, kommt eigentlich nicht in Frage. Also zerbreche ich mir den Kopf und hoffe sehr, dass Sie mich retten.

Antwort

Guten Tag Frau K.,

auch Lehrbücher sind nicht unfehlbar. Die Lösung des „Rätsels“ ist nämlich, dass im Lehrbuch, das Sie zitieren, ein sonderbarer Satz steht. Sie haben richtig recherchiert: Logis und Unterkunft sind hier dasselbe.

Das Wort Logis kommt aus dem Französischen, wo es eine alte Ableitung von loge ist, das wiederum mit unserem Wort Laube verwandt ist. Das erklärt vielleicht auch, warum eine Loge meist nur klein und das Logis häufig nicht besonders fürstlich ist. Logis wird im Deutschen mit der Bedeutung Unterkunft verwendet.

Eine feste Wendung ist Kost und Logis, womit Verpflegung und Unterkunft gemeint ist. Es geht dann meist darum, ob Angestellte, Untermieterinnen, Reiseteilnehmer, Au-pairs, auswärts wohnende Neffen usw. selbst für Verpflegung und Unterkunft aufkommen müssen oder nicht.

Sie hatte freie Kost und Logis
Er war bei seinem Onkel in Kost und Logis

Im Lehrbuch müsste also eigentlich stehen:

… sie bekam Kost und Logis und ein monatliches Taschengeld

oder:

… sie bekam Unterkunft und Verpflegung und ein monatliches Taschengeld

Natürlich sind auch die Kombinationen Kost und Unterkunft oder Verpflegung und Logis möglich, aber bei der Verbindung Unterkunft und Logis wird eigentlich nur ausgiebig gewohnt und wenig gegessen. Wenn man ihr begegnet, kann man deshalb davon ausgehen, dass es sich um eine falsche Zusammenziehung handelt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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