Das Wort „tätowieren“ – eine englisch-französische Koproduktion aus Polynesien

Man sieht es immer Sommer noch besser als jetzt: Tätowierungen sind allgegenwärtig. Dennoch scheinen Fremdsprachige – auch wenn sie viel mit der deutschen Sprache zu tun haben – den Wörtern tätowieren und Tätowierung kaum je bewusst zu begegnen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Tätowierung heute vor allem Tattoo heißt und man sich nicht tätowieren, sondern ein Tattoo stechen lässt. Auch im Straßenbild sieht man selten etwas mit Tätowierung oder Tätowierstudio, sondern vor allem Tattoo-Shops und Tattoo-Studios.

Wie komme ich darauf: Ich wurde gefragt, was das deutsche Wort für to tattoo ist. Darüber wunderte ich mich leicht, denn ich hätte erwartet, dass dies dem Fragesteller mit seinen so guten Deutschkenntnissen bekannt ist. Noch mehr gewundert habe ich mich aber über die erste, leicht ungläubige Reaktion: „Mit ä und w?!“ Fremdsprachige stellen oft die besten Fragen. Ich hatte keine Ahnung, wie dies zu erklären ist. Inzwischen habe ich in die etymologischen Wörterbücher (vgl. hier) geschaut und Folgendes gefunden:

Dem Wort tätowieren liegt das polynesische Wort tatau für tätowieren und Tätowierung zugrunde. Dieses Wort gelangte mit den Engländern unter der Form tattow (heute: tattoo) nach Europa. Die englische Aussprache des a in tattow könnte den Umlaut ä im Deutschen erklären und auch das w kommt von dort. Wir waren natürlich nicht die Einzigen, die dieses Wort übernahmen. So gelangte es auch als tatouer ins Französische. Das französische Wort dürfte einen Einfluss auf die Schreibung im Deutschen gehabt haben.

In dieser Weise entstand aus polynesischem tatau unter gemeinsamem Einfluss des Englischen und des Französischen das deutsche Verb tätowieren.

Es gibt übrigens noch eine direktere Entlehnung: tatauieren. Dieses Wort kommt aber nur selten und vor allem in Fachsprachen vor. Vielleicht wird auch Tätowierung mit der Zeit durch Tattoo in ein Schattendasein gedrängt.

Ein unvollständiges Sockenpaar: eine Socke oder ein Socken

Frage

Ich habe Zweifel: Worauf bezieht sich die Form „einer“ des unbestimmten Pronomens in diesem Dialog ? Ich verstehe nicht.

  • Hier kann man ganz günstig Socken kaufen!
  • Eigentlich brauche ich keine, aber bringst du mir welche mit? Es geht mir so oft einer verloren.

Antwort

Guten Tag Frau S,,

wenn Sie sprachlich mit dem südlichen deutschen Sprachraum verbunden wären, würde Ihnen diese Form vielleicht keine Schwierigkeiten bereiten. Hier ist einer ein männlicher Nominativ Singular. Warum männlich?

Der Plural die Socken gehört standardsprachlich zum weiblichen Substantiv die Socke. Vor allem im südlichen deutschen Sprachraum (Süddeutschland, Österreich, Schweiz) gibt es daneben in der regionalen Umgangssprache auch die männliche Variante der Socken. In Ihrem Zitat wird dieses männliche Wort der Socken verwendet:

Eigentlich brauche ich keine (Socken [Plur.]), aber bringst du mir welche mit? Es geht mir so oft einer (= ein Socken [m. Sing.]) verloren.

Allgemein standardsprachlich formuliert man wie folgt:

Eigentlich brauche ich keine (Socken [Plur.]), aber bringst du mir welche mit? Es geht mir so oft eine (= eine Socke [w. Sing.]) verloren.

Es kommt immer wieder vor, dass man nach dem Waschen mit einem unvollständigen Sockenpaar konfrontiert wird. Man vermisst dann eine standardsprachliche Socke oder einen regionalsprachlichen Socken. Wo die andere Socke bzw. der andere Socken geblieben ist, bleibt meist für immer ein Rätsel.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mit jemandem kontaktieren?

Frage

Würden Sie „kontaktieren mit“ akzeptieren oder nur, wie gewohnt, mit Akkusativ, das heißt „Kontakt aufnehmen mit“? Der Duden scheint die Form mit „mit“ zu akzeptieren, was mich wundert.

Antwort

Guten Tag Frau D.,

auch mich wundert es, dass im Online-Duden und im Deutschen Universalwörterbuch desselben Verlages beim Eintrag kontaktieren u. a. die Angabe „(auch:) mit jemandem kontaktieren“ zu finden ist. Ich kenne nur das transitive jemanden kontaktieren und halte mit jemandem kontaktieren für zumindest unüblich. Hier ein paar Beispiele:

Kontaktieren Sie uns bitte, wenn Sie Fragen haben.
Er kontaktierte die Redaktionen der Lokalblätter.
Wer hat dich in dieser Sache kontaktiert?
Die Behörden seien bereits kontaktiert worden.

Mir gefällt das Verb kontaktieren nicht sehr gut und ich verwende deshalb lieber zum Beispiel mit jemandem Kontakt aufnehmen:

Nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf, wenn Sie Fragen haben.
Er nahm Kontakt mit den Redaktionen der Lokalblätter auf.
Wer hat in dieser Sache Kontakt mit dir aufgenommen?
Es sei bereits Kontakt mit den Behörden aufgenommen worden.

Ich vermute, dass unter dem Einfluss von Wendungen wie mit jemandem Kontakt aufnehmen, mit jemandem in Kontakt stehen, mit jemandem Kontakt haben auch mit jemandem kontaktieren gesagt wird.

Auch in anderen Wörterbüchern steht nur jemanden kontaktieren (zum Beispiel hier). Aber wie Dr. Bopp zu sagen pflegt: Dass ein Wort nicht im Wörterbuch steht, bedeutet nicht unbedingt, dass es das Wort nicht gibt. Aus diesem Grund habe ich in verschiedenen Textkorpora gesucht und unter hunderten von Sätzen mit kontaktieren nur eine Handvoll Beispiele für mit jemandem kontaktieren gefunden (eines sogar reflexiv: „Außerdem will die […] Stiftung sich mit Veteranenverbänden in den USA, Großbritannien und Frankreich kontaktieren“).

Ich komme deshalb zum Schluss, dass mit jemandem kontaktieren statt jemanden kontaktieren nur selten vorkommt und  dann wahrscheinlich unter dem Einfluss von mit jemandem Kontakt aufnehmen verwendet wird. Es sollte im Prinzip vermieden werden. Da es aber – warum auch immer – in Duden angegeben wird, kann man es streng genommen in z. B. Schulaufsätzen nicht rot anstreichen, sondern „nur“ als unüblich markieren. Wer Genaueres zum Wörterbucheintrag kontaktieren in Duden wissen möchte, sollte die Duden-Redaktion kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Von Superintendenten und Superintendanten

Frage

Können Sie mir den Unterschied zwischen „Superintendent“ und „Superintendant“ erklären?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

ein Superintendent ist ein evangelischer Geistlicher, der einem Kirchenkreis vorsteht (vgl. hier). Das Wort Superintendent kommt von spätlateinisch superintendens (die Aufsicht habend).

Wer englische Krimiserien mag, kennt auch zum Beispiel Detective Superintendent Stella Gibson oder Detective Superintendent Andrew Dalziel, die beide fachkundig Mörder und Mörderinnen aufspüren und überführen.

Ein Intendant ist der Leiter eines Theaters, Rundfunksenders oder Fernsehsenders (vgl. hier). Ein Generalintendant ist der Leiter eines größeren oder mehrerer Theater, Rundfunksender oder Fernsehsender. Das Wort Intendant haben wir im 18. Jahrhundert aus dem Französischen übernommen, wo es Verwaltungsleiter bedeutete. Dort lässt es sich über Umwege auf das gleiche Wort zurückführen wie superintendens. Im Französischen hat es auch sein a bekommen.

Superintendant wird meistens fälschlich anstelle von Superintendent verwendet, sei es für einen evangelischen Geistlichen oder eine britische TV-Spürnase.

Ganz ausgeschlossen ist das Wort aber nicht. Ein Superintendant kann ein besonders guter (er ist super!) oder ein besonders einflussreicher, viele Funktionen bekleidender Intendant in Theater, Oper, Rundfunk oder Fernsehen sein. (Außerdem konnte ich so schnell nicht ausschließen, dass es Superintendant nicht doch irgendwo an einem Theater, einer Oper o. Ä. als offizielle Funktionsbezeichnung gibt.)

Zusammenfassend:

  • Superintendent = evanglischer leitender Geistlicher
  • Intendant = Leiter eines Theaters, Radio- oder Fernsehsenders
  • Superintendant = sehr wahrscheinlich falsch für Superintendent

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Pünktlich zum 1. Dezember gibt es auch dieses Jahr wieder LEOs Adventskalender!

Ein Personendatum, gibt es das?

Frage

Ich wurde gefragt, ob es einen Singular für „personenbezogene Daten“ gibt und habe das verneint. Im Speziellen ging es hier darum, ob man sagen könne, ein Nachname sei ein „personenbezogenes Datum“.

Für mich klingt das absurd. Ich würde immer sagen, ein Nachname ist eine personenbezogene Information oder ähnliches. Aber vielleicht liege ich auch falsch.

Als Begründung hatte ich geantwortet, dass „Daten“ sich in diesem Kontext nicht auf die Pluralform von „Datum“ (ein Name ist kein Datum) bezieht, sondern hier gleichbedeutend mit zum Beispiel „Fakten/Angaben/Informationen“ ist. Mit dieser Bedeutung ist das Wort „Daten“ ein Pluralwort.

Antwort

Guten Tag Frau S.,

die Antwort lautete hier „Jein“. Ihre Begründung ist im Prinzip korrekt. Daten mir der Bedeutung Angaben, Informationen ist ein Pluralwort. Der Singular Datum wird im Allgemeinen nur für einen Kalendertag oder einen Zeitpunkt verwendet. Siehe zum Beispiel die Angaben in DWDS unter Daten und Datum.

So sind auch Zusammensetzungen wie Eckdaten, Konjunkturdaten, Kontaktdaten, Kundendaten, Messdaten, Nutzerdaten, Stammdaten, Unternehmensdaten, Wetterdaten, Vorratsdaten, Zugangsdaten u.v.a.m. nur im Plural gebräuchlich. Auch das Wort Personendaten und die Verbindung personenbezogene Daten werden im Allgemeinen nur im Plural verwendet. So weit herrscht Einigkeit zwischen Ihnen, mir und den Wörterbüchern.

Und nun kommt das Aber: Fachsprachlich wird selten auch der Singular Personendatum bzw. personengebundenes Datum verwendet (sagt auch ein Wörterbuch, siehe hier):

Weil die Religionszugehörigkeit aber ein besonderes Personendatum ist, ist eine unmittelbare gesetzliche Grundlage notwendig.

Am Begriff des Personendatums hat sich auch mit der DSGVO nichts geändert.

Das Landgericht Berlin hat entschieden, dass die Wohnadresse ohne Namensnennung kein personenbezogenes Datum ist.

Das Berufungsgericht hat ausgeführt, eine dynamische IP-Adresse sei in Verbindung mit dem Zeitpunkt des über sie vorgenommenen Zugriffs ein personenbezogenes Datum, sofern der Nutzer der Website während des Vorgangs seine Personalien angegeben habe […]

Ich kannte diesen Singular auch nicht und hielt ihn zunächst für falsch. Ich würde sowieso empfehlen, Personendaten und personenbezogene Daten nur im Plural zu verwenden und im Singular eine andere Formulierung zu wählen:

Der Nachname ist eine personenbezogene Angabe/Information.
Der Nachname gehört zu den personenbezogenen Daten.

In einem rein fachsprachlichen Kontext – zum Beispiel unter Datenschutzbeauftragten oder juristischen Fachleuten – ist der Singular Personendatum bzw. personenbezogenes Datum offenbar nicht völlig ungebräuchlich. Auch für andere Fachbegriffe der Form -daten kommt wahrscheinlich fachsprachlich gelegentlich der entsprechende Singular -datum vor. Außerhalb eines solchen fachlichen Kontextes wirkt ein Singular wie Personendatum oder personenbezogenes Datum aber irritierend.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kann man Wörter silbifizieren?

Frage

Gibt es den Begriff „silbifizieren“ (ein Wort in Silben zerlegen)? Ich finde (zumindest) im Duden dazu keinen Eintrag?

Antwort

Guten Tag Herr B.,

als Fachausdruck kommt seltener das Substantiv Silbifizierung vor, wenn es um die Aufteilung in Silben geht. Noch seltener wird das dazugehörende Verb silbifizieren verwendet. In einem Text, der sich nicht an linguistisch Geschulte oder stark linguistisch Interessierte richtet, würde ich den Ausdruck vermeiden oder wenigstens erklären. Im Allgemeinen passen Silbentrennung und Wendungen wie in Silben zerlegen, in Silben trennen, in Silben aufteilen, in Silben unterteilen oder in Silben gliedern problemlos.

Manchmal trifft man auch auf das Wort Syllabifikation, aber es dürfte eine direkte Übernahme aus dem Englischen sein (syllabification = Silbentrennung). Es sieht mit seinem y recht gelehrt aus, doch wenn es gelehrt sein soll, dann wählt man doch besser Silbifizierung.

Die Duden-Wörterbücher decken übrigens wie andere Wörterbücher nicht den gesamten deutschen Wortschatz ab und könnten dies auch gar nicht tun. Der Umfang und die Offenheit des sich ständig bereichernden und verändernden Wortschatzes lassen eine vollständige Auflistung aller (möglichen) Wörter gar nicht zu. Man kann also auch dann Wörter silbifizieren, wenn silbifizieren nicht im Duden steht. Meistens ist aber, wie gesagt, eine Formulierung wie in Silben zerlegen noch ein bisschen besser.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mosaik

Der Urlaub ist vorbei. Schön war’s auf Sizilien. Wir haben unter anderem viele Mosaiken gesehen. Am eindrücklichsten fanden wir die Mosaikböden in der Villa Romana del Casale (4. Jh. n. Chr.), die ganz zu Recht ein UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Der Weg dorthin war etwas länger als geplant, weil die Navigations-App eine „schnellste“ Route vorschlug, die vieles, aber bestimmt nicht die schnellste war. Nach vielen Kurven und Schlaglöchern, aber auch bunten Blumenwiesen und schönen Landschaften trafen wir dann doch ein. Und es hat sich gelohnt!

Irgendwann tauchte zwischen all diesen Steinchenbildern die Frage auf, was Mosaik eigentlich bedeutet. Mit dem Adjektiv mosaisch (= von Moses stammend) konnte es nicht zu tun haben, aber wir wussten auch nicht, womit sonst. Ich habe es inzwischen nachgeschlagen. Das Wort Mosaik lässt sich über viele Schritte zurückführen auf griech. Mūsa (Μοῦσα), lat. Mūsa = Muse (eine der als Beschirmerinnen der Künste geltenden Göttinnen und daher Gesang, Lied, Dichtung, Kunst und Wissenschaft, feine Bildung). Eine Beschreibung dieser Schritte erspare ich uns, weil sie ziemlich komplex und nicht sehr spannend sind. Wer mehr wissen möchte, lese alles hier nach.

Ein Mosaik ist also, grob gesagt, ein musisches Werk. Nebenbei habe ich auch gelernt, dass das Wort Museum ebenfalls nach den Musen benannt ist: griech. mūsé͞ion (μουσεῖον), lat. mūsēum = Musensitz.

So viel zur Wortgeschichte. Ich kann nur noch empfehlen, die Villa Roman del Casale zu besuchen, wenn Sie einmal „zufällig“ auf Sizilien sind. Es lohnt sich unbedingt, auch wenn man nicht weiß, woher das Wort Mosaik stammt. Eindrücklich sind sie sowieso.

Und nun wieder frisch und munter an die Arbeit!

Dr. Bopp

Warum ist der Gründonnerstag grün?

Am heutige Gründonnerstag, an dem des letzten Abendmahls Jesu und seiner Jünger gedacht wird, kommt in mir wieder einmal die Frage auf, warum der Gründonnerstag eigentlich so heißt, wie er heißt. Diese Wissenslücke wollte ich endlich schließen.

Die kurze Antwort lautet: Herkunft ungewiss. Bei der längeren Antwort kommen verschiedene Erklärungsversuche zum Zug. Ich nenne hier die am häufigsten erwähnten:

Vielfach wird davon ausgegangen, dass grün in Gründonnerstag sich auf die Farbe der frischen Kräuter, Salate und Frühjahrsgemüse bezieht, die man offenbar an diesem Tag zu essen pflegte. Eine andere Erklärung führt grün auf ahd. grīnan, mhd. grînen (heute greinen) zurück, das lachend oder weinenden den Mund verziehen bedeutete. Das Wort habe sich auf die weinenden Büßer bezogen und sei dann im Volksmund zu grün uminterpretiert worden. Eine weitere Theorie führt grün auf die Farbe der liturgischen Gewänder zurück, die an diesem besonderen Tag getragen wurden. Seit langem werden aber in der katholischen Kirche am Gründonnerstag weiße Gewänder getragen. Ob sie früher (auch) grün waren, scheint nicht belegt zu sein.

Wie bei Ostern (siehe hier) gibt es also keine wirklich spannende oder wenigsten eindeutige Erklärung für den Namen Gründonnerstag. Interessanter ist vielleicht, wie der Tag in anderen Sprachen heißt:

Grün ist der Gründonnerstag auch noch im Tschechischen (Zelený čtvrtek) und Slowakischen (Zelený štvrtok), weiß ist er im Niederländischen (Witte Donderdag), groß/hoch zum Beispiel im Polnischen (Wielki Czwartek), Slowenischen (Veliki četrtek), Kroatischen (Veliki četvrtak) und Ungarischen (Nagycsütörtök), rein in den skandinavischen Sprachen (Skærtorsdag, Skärtorsdagen, Skjærtorsdag, Skírdagur) und heilig in den romanischen Sprachen (Jeudi saint, Giovedì santo, Jueves Santo, Dijous Sant, Quinta-feira Santa usw.). Im Englischen ist er neben heilig (Holy Thursday) auch der Donnerstag der Fußwaschung (Maundy Thursday).

Das ist eine breite, aber nicht vollständige Palette von Bezeichnungen.  Einigen davon begegnet man auch im Deutschen: hoher Donnerstag, heiliger Donnerstag, weißer Donnerstag und daneben auch Palmdonnerstag. Damit ist hoffentlich auch denen recht getan ist, die aus einer Gegend oder Familie stammen, in der der Gründonnerstag nicht grün ist.

Frohe Ostertage!

Billig und günstig

Frage

Seit einiger Zeit wird das Wort „billig“ durch „günstig“ ersetzt, was mich jedesmal schaudern macht. Da ist dann von „günstigen Ostern“ oder „günstig serviert“ (Supermarkt-Prospekt) die Rede. […] Woher kommt diese Wortwandlung und bin ich der einzige der sich daran stört?

Antwort

Guten Tag Herr R.,

manchmal wird die Verwendung von günstig im Sinne von billig als umgangssprachlich bezeichnet. In zum Beispiel Duden werden aber keine stilistischen Angaben gemacht:

a) durch seine Art oder [zufällige] Beschaffenheit geeignet, jemandem einen Vorteil oder Gewinn zu verschaffen, die Vorzüge einer Person oder Sache zur Geltung zu bringen, ein Vorhaben oder das Gedeihen einer Sache zu fördern: […]

b) billig, preiswert:  […]

[Duden, Deutsches Universalwörterbuch, Eintrag „günstig“]

Es ist also üblich, das Wort günstig auch in Bezug auf Preise und Kosten zu verwenden. Dazu, wo genau die Bedeutung billig von günstig herkommt, finde ich leider keine Angaben. Es ist aber gut verständlich, denn ein niedriger Preis ist für Käufer und Käuferinnen oder zumindest deren Geldbeutel vorteilhaft, also günstig. In dieselbe Richtung weisen auch Wortbildungen wie preisgünstig und kostengünstig. In diesem Sinne könnte günstig auch einfach als Verkürzung dieser Begriffe angesehen werden.

Weiter umgeht günstig wie zum Beispiel auch preiswert oder preisgünstig die negative Beibedeutung, die billig haben kann. Etwas, was billig ist, kann qualitativ schlecht sein. Bei günstig schwingt diese Bedeutung nicht mit. Deshalb klingt in einen Reklamepropekt günstige Ostern besser als billige Ostern. Ersteres kostet vergleichsweise wenig, Letzteres kann auch einen eher dürftigen, ärmlichen Eindruck machen. Als Gebrauchtwagen kann eine Ferrari vielleicht günstig sein, wirklich billig wird er aber nie. Bei billigen Luxusuhren würde ich zu noch größerer Vorsicht raten als bei günstigen Angeboten. Und ich habe – vielleicht ganz zu Unrecht – mehr Vertrauen in die Qualität günstiger Schuhe als in die Qualität billiger Schuhe.

Ob Sie sich als Einziger an der Verwendung von günstig im Sinne von preislich vorteilhaft stören, weiß ich natürlich nicht, aber ich kannte diese Kritik bis jetzt nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp