Zweimal, 2-mal, 2 x

Für Liebhaber rechtschreiblicher Haarspaltereien:

Frage

Man sieht häufig in Listen oder in Aufzählungen, dass für einmal, zweimal usw. 1 x, 2 x usw. verwendet wird. Wird das „x“ nun mit Abstand zur Zahl gesetzt oder ohne Abstand? Es ist ja kein Rechenzeichen, sondern ersetzt eine Silbe. Können Sie es mir vielleicht genau sagen und begründen?

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

die Abkürzung 2 x für zweimal ist weder in der Rechtschreibregelung noch in typografischen oder anderen Richtlinien vorgesehen. Ich kann Ihnen deshalb nicht genau sagen und begründen, wie Sie die Abkürzung schreiben müssen. An eine Empfehlung möchte ich mich aber trotzdem wagen:

Davon ausgehend, dass x für mal steht, sehe ich verschiedene Argumentationsmöglichkeiten:

a) 2x

Die Ziffer 2 steht für zwei, der Buchstabe x steht für mal, also kürzt man zweimal ohne Leerschritt ab.

b) 2-x

Es handelt sich um eine Zusammensetzung mit einer Ziffer und einem Einzelbuchstaben. Zusammensetzungen mit Ziffern und Einzelbuchstaben werden mit Bindestrich geschrieben (vgl. 2-mal, x-mal; Regel).

Entsprechend ist die Schreibung a) 2x eigentlich falsch. Allerdings darf man 2-fach (für zweifach) auch zusammenschreiben: 2fach. Wenn man nun beschließt, diese Ausnahme auch für 2-x zuzulassen, sind wir wieder bei a).

c) 2 x

Man kann zweimal bei besonderer Betonung auch getrennt schreiben: zwei Mal. Die Abkürzung orientiert sich außerdem an der mathematischen Schreibweise (wobei das x nur ein Ersatz für das eigentliche Malzeichen, den mittigen Punkt, ist). Bei Gleichungen setzt man vor und nach dem x ein Leerzeichen: 2 x 5 = zwei mal fünf.

Alle Begründungen sind möglich und vertretbar. Bindende Richtlinien gibt es nicht. Wenn Sie diese Art der Abkürzung überhaupt verwenden wollen, würde ich persönlich empfehlen, die Schreibung c) zu verwenden. Sie folgt dem Gebrauch der Schreibung, von der die Abkürzung abgeleitet ist (Mathematik) und sie wird häufig verwendet. Schreibung a) ist bei strenger Anwendung der amtl. Rechtschreibregeln eigentlich falsch (nur durch Einführung einer neuen Ausnahme zu rechtfertigen) und Schreibung b) kommt schlicht kaum vor. Also:

Die Eingabe muss 2 x bestätigt werden.
Wir verlosen 5 x 2 Freikarten!

Andere Schreibungen sind aber, wie gesagt, ebenfalls vertretbar.

Am besten gefallen mir außerhalb von mathematischen Gleichungen die ausgeschriebenen Formen zweimal und fünfmal. Über zwei Freikarten würde ich mich allerdings auf jeden Fall freuen, gleichgültig, ob sie nun 5x, 5-x, 5 x, 5-mal oder fünfmal verlost werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Auf der Hinreise zur Fortsetzung der Rückreise

Schon wieder auf deutschen Autobahnen unterwegs, diesmal bei viel schlechterem Hersbstwetter. Nach dem Knall-schepper-knatter-dröhn-Erlebnis am letzten Wochenende ist es nämlich Zeit, unser vor einer deutschen Autowerkstätte hinterlassenes Auto wieder abzuholen. Wir sind sozusagen auf der Hinreise zur Fortsetzung der eigentlichen Rückreise.

Ach ja, diese Rückreise! Ich habe zwar im ersten Blogbeitrag geschrieben, dass ich Sie nicht mit weiteren Details langweilen möchte, aber auf vielfachen Wunsch (na ja, zwei waren es bestimmt) folgt hier doch noch eine Art Fortsetzung:

Das Auto hatte eine Geräuschpalette von sich gegeben, die nicht viel Gutes erahnen ließ, und der Pannendienst hatte festgestellt, dass die Reparatur nicht an Ort und Stelle durchgeführt werden konnte. Der nette junge Mann vom ADAC (er war wirklich sehr nett, fährt ein altes Sammlerstück, aber nur bei schönem Wetter, bei Regen und Schnee den Corsa seiner Freundin, arbeitet nur in Teilzeit im Auftrag des ADAC und studiert sonst in Esslingen – kurzum ein geselliger Mensch) dieser junge Mann vom ADAC also schleppte unser Auto zuerst zur Markenvertretung, die wegen Fortbildung der Mitarbeiter die ganze folgende Woche geschlossen sein würde, danach zu einer anderen Garage, und bestellte in der Zwischenzeit einen Mietwagen zu dieser zweiten Werkstätte. Der Mietwagen kam dann auch prompt. Er hat uns hier schön vorgezeigt hat, wie man servicegerichtet, unkompliziert und freundlich handelt. Wir sind wirklich sehr zufrieden. So etwas darf man ja auch einmal erwähnen.

Die Rückreise, inklusive Baustellen und Staus, haben wir also im Mietwagen gemacht. Der stand in der Zwischenzeit bei uns vor der Tür und einige Nachbarn wunderten sich wahrscheinlich schon, wo denn der Deutsche herkomme. Zurzeit (ich tippe dies im Auto auf dem Schoßrechner) fahren wir die gut 500 km zurück, um  das reparierte Auto abzuholen. Dann gibt es noch ein bisschen Sightseeing, ein gutes deutsches Essen (saisongerecht etwas mit Pfifferlingen, hoffe ich) und eine Hotelübernachtung. 500 km hin und 500 km zurück am selben Tag, das muss  wirklich nicht sein!

Was das alles kostet! Aber was soll’s. Es ist nichts Ernstes passiert und vielleicht zahlt ja meine Reiseversicherung noch etwas. Letzteres ist allerdings alles andere als sicher, doch das ist eine Geschichte,  mit der ich Sie – großes Linguistenehrenwort! – bestimmt nicht behelligen werde.

Eine kleine Ergänzung für diejenigen, denen die obengengenannte Abkürzung wenig sagt: ADAC steht für Allgemeiner Deutscher Automobil-Club und entspricht ungefähr dem Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring-Club ÖAMTC bzw. dem Touring-Club der Schweiz TCS. Damit wäre an dieser Stelle doch noch etwas im weitesten Sinne Sprachliches gesagt. Es soll hier ja um die deutsche Sprach und Rechtschreibung gehen.

Nachtrag

Noch etwas Regionales: Der Pfifferling heißt in der Schweiz und in Österreich Eierschwamm und Eierschwammerl. Ob Sie nun Pfifferlinge, Eierschwämme oder Eierschwammerln genannt werden, sie schmecken überall gleich gut.

KMUs?

Heute wieder einmal etwas ziemliche Trockenes zum Thema Abkürzungen:

Frage

Ich bin beauftragt, ein Kundenmagazin anzufertigen. Der Kunde nutzt in diesem Magazin die Bezeichnungen „KMU“ und „KMUs“. Die Abkürzung bedeutet ausgeschrieben „klein- und mittelständische Unternehmen“. Ist „KMUs“ als Schreibweise für den Plural grundsätzlich zulässig?

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

im Prinzip ist KMU mit der Bedeutung kleine und mittlere Unternehmen bereits ein Plural. Es ist deshalb nicht notwendig, ein Plural-s anzufügen. Richtig ist also:

die KMU
viele KMU
KMU liefern einen wichtigen Beitrag …

Das bedeutet auch, dass man KMU nicht in der Einzahl verwenden sollte. Die Frage lautet also nicht Was ist ein KMU?, sondern Was sind KMU?

Soweit die grundsätzliche „Regel“. Immer häufiger wird allerdings ein KMU gesagt. Damit ist ein Vertreter der KMU oder einfach ein kleines oder mittleres Unternehmen gemeint. Dann kann man die Einzahl verwenden (Was ist ein KMU?, dieses KMU usw.). Es ist dann auch möglich, aber nicht zwingend, den Plural mit s zu bilden: die KMUs (die kleinen oder mittleren Unternehmen; die zu den KMU gehörenden Unternehmen).

Eine solche Bedeutungserweiterung ist weder ungebräuchlich noch grundsätzlich falsch. So steht BMW für Bayerische Motorenwerke, also eindeutig einen Plural. Trotzdem ist es allgemein üblich und akzeptiert von einem BMW und mehreren BMWs zu sprechen, wenn es sich um Autos dieses Herstellers handelt.

Ich kann hier leider nicht beurteilen, inwieweit diese Einzahl-Verwendung von KMU sich eingebürgert hat und akzeptiert ist. Sie ist aber erklärbar, da KMU im Sinne von kleine und mittlere Unternehmen eigentlich nicht auf individuelle Unternehmen bezogen werden kann. Ein Unternehmen ist klein oder mittelgroß, nicht klein und mittelgroß. Daher stammt wohl die Neigung, KMU und KMUs im Sinne von Vertreter der KMU zu verwenden, wenn einzelne Unternehmen gemeint sind.

Ich empfehle Ihnen, KMU nur im Plural und ohne die Endung s zu verwenden. Die derzeitige „offizielle“ Bedeutung von KMU ist kleine und mittlere Unternehmen. Falls Sie aber doch lieber von einem KMU und mehreren KMUs sprechen, geben Sie vorläufig am besten noch ausdrücklich an, dass mit KMU kleines oder mittleres Unternehmen gemeint ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn der Fahrstuhl das 1. UG nicht erreicht

Frage

Was ist richtig?

Der Fahrstuhl scheint kurz vor dem vollständigen Erreichen der 1.UG zu klemmen.
oder
Der Fahrstuhl scheint kurz vor dem vollständigen Erreichen des 1.UG´s zu klemmen.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

richtig ist:

Der Fahrstuhl scheint kurz vor dem vollständigen Erreichen des 1. UG zu klemmen.
oder
Der Fahrstuhl scheint kurz vor dem vollständigen Erreichen des 1. UGs zu klemmen.

Die Abkürzung UG steht für Untergeschoss. Es heißt deshalb das 1. UG und das Erreichen des 1. UG/UGs.

UG kann wie viele männliche und sächliche Abkürzungen mit oder ohne Genitiv-s verwendet werden: des UG oder des UGs. Das Genitiv-s wird OHNE Apostroph direkt an die Abkürzung angehängt. Mehr zum Thema Genitiv und Mehrzahl von Abkürzungen finden Sie hier.

Ich hoffe, dass der Fahrstuhl mittlerweile nicht mehr klemmt!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die USA und die Mehrzahl

Frage

Heißt es „Die USA versinken im Chaos“ oder „Die USA versinkt im Chaos“? Klar, die Abkürzung steht für United States of America (also Plural), und somit ist wohl der Plural richtig. Des ungeachtet finde ich die Formulierung irgendwie ungewöhnlich und holprig. Auch treffe ich häufig auf die genau gegenteilige Wendung, zum Beispiel: „Die USA ist ein beliebtes Reiseziel.“ Was nun?

Antwort

Guten Tag H.,

den US-Amerikanern wünsche ich, dass ihr Land nicht wirklich im Chaos versinken möge und dass entsprechend nur die Form und nicht auch die Bedeutung des folgenden Satzes korrekt ist:

Die USA versinken im Chaos.

Standardsprachlich verwendet man die Länderbezeichnung USA mit dem Plural. Weitere Beispiele:

Die USA sind ein beliebtes Reiseziel.
Studieren in den USA
Obama und die neuen USA

Für die Verwendung des Plurals sprechen zwei Gründe: Wie sie richtig bemerken, ist die Bezeichnung, für die die Abkürzung USA steht, im Prinzip pluralisch: United States of America.** Auch die deutsche Übersetzung wird in der Mehrzahl verwendet: die Vereinigten Staaten [von Amerika]. Weil sowohl das Grundwort in der Ursprungssprache als auch die Übersetzung ins Deutsche pluralisch sind, hat hier der Plural eindeutig die besseren Karten. Die Verwendung in der Einzahl sieht man zwar auch manchmal, sie gilt aber standardsprachlich als nicht korrekt.

Das ist aber noch nicht ganz alles: Die Abkürzung USA wird im Deutschen immer mit dem bestimmten Artikel verwendet;

Sind die USA ein guter Bündnispartner?
Wir sind quer durch die USA gereist.
Chaos in den USA
die Regierung der USA

Es heißt also im Standarddeutschen nicht Chaos in USA oder Reise quer durch USA.

Es mag in Ihren Ohren ungewöhnlich oder sogar holprig klingen, doch wenn Sie es standardsprachlich richtig machen wollen, verwenden Sie die USA immer im Plural und mit Artikel, so wie dies zum Beispiel auch für die Niederlande, die Philippinen, die Malediven oder die Vereinigten Arabischen Emirate üblich ist.

Falls sich Ihre Ohren trotz alledem nicht an die USA im Plural gewöhnen wollen, sagen und schreiben Sie doch einfach:

Die Vereinigten Staaten sind ein beliebtes Reiseziel.

Das klingt überhaupt nicht holprig und es herrschen hier, soweit ich weiß, auch keinerlei Zweifel darüber, ob man den Plural verwenden soll.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** Man muss hier präzisieren, dass USA und vor allem U.S. im Englischen manchmal auch als Singular behandelt werden. Die zugrundeliegende Wortgruppe, so wie wir sie als durchschnittliche Englischkönner kennen, ist aber eindeutig pluralisch.

Wenn alle nur noch Hbf. verstehen

Frage

In einem Forum kam die Frage auf, warum das Wort Hauptbahnhof mit HBF und nicht z. B. mit HBH oder nur BF oder BH abgekürzt wird. Vielleicht können Sie uns ja ein bisschen Licht ins Dunkle bringen, da es leider so viele Vermutungen gibt. Und mittlerweile verstehen alle nur noch Bahnhof …

Antwort

Sehr geehrter Frau R.,

warum etwas so und nicht anders abgekürzt wird, ist oft nicht eindeutig zu sagen. Es gibt nämlich keine festen Regeln, wie etwas abgekürzt werden muss. Oft verwendet man die Anfangsbuchstaben des Wortes, eines Wortteils oder einer Silbe, manchmal aber auch Endbuchstaben (z.B. Ltg. = Leitung, lt. = laut, Bgld. = Bargeld). Da es keine festen, allgemeingültigen Regeln gibt, ist  für viele Begriffe mehr als eine Abkürzung üblich. Wichtig ist eigentlich nur, dass eine Abkürzung im Zusammenhang, in dem sie verwendet wird, möglichst eindeutig ist.

Nun zum konkreten Fall: Die im Bahnwesen übliche Abkürzung für Bahnhof ist Bf. In der Allgemeinsprache wird auch Bhf. abgekürzt. Die Abkürzung Bh. kommt ebenfalls vor. Warum das Bahnwesen nicht Bh. oder BH verwendet, ist schwer zu sagen. Vielleicht war die Abkürzung schon „bahnintern“ besetzt. Es könnte auch sein, dass Verwechslungen mit anderen BHs (u. a. Bezirkshauptmannschaft, Bundesheer, Büstenhalter) vermieden werden sollten.

Die im Bahnwesen übliche Abkürzung für Bahnhof ist also Bf. Die Abkürzung für Hauptbahnhof ist entsprechend Hbf.:

Hbf. Leipzig
Leipzig Hbf.

In der Schweiz ist allerdings die Abkürzung HB üblich:

HB Zürich
Zürich HB

Und auch hier kennt die Allgemeinsprache zusätzlich eine andere Abkürzung: Hbhf.

Ich kann also mit einiger Sicherheit sagen, dass die „offiziellen“ Abkürzungen Bf. und Hbf. (HB) sind. Ich kann nur darüber mutmaßen, warum im Bahnwesen diese und nicht andere Abkürzungen üblich sind (Abkürzung schon „besetzt“, Vermeidung von Verwechslungen). Es ist übrigens nicht falsch, in der Allgemeinsprache andere Abkürzungen wie zum Beispiel  Bhf., Bh. Hbhf. zu verwenden. Genießen Sie diese „Freiheit“! Wichtig ist, dass deutlich ist, was Sie meinen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

GmbHs oder GmbHen? Die Mehrzahl von Abkürzungen

Frage

Mich beschäftigt schon seit geraumer Zeit eine Frage, die Sie mir hoffentlich beantworten können: Wie wird der Plural von Abkürzungen gebildet?

Es ist sehr oft zu hören, dass an die Abkürzung ein s gehängt wird wie z.B. GmbHs. Wenn man das Wort nun komplett ausschreiben bzw. -sprechen würde, dann wird man feststellen, dass das s irgendwie fehl am Platz ist. Demnach müsste es bei diesem Wort ja eigentlich GmbHen heißen. Diese Regelung trifft dann aber auch nicht auf alle Abkürzungen zu. Wie wäre dann nämlich der Plural von z.B. Demo? Gibt es dafür überhaupt eine Regelung?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

es gibt keine allgemeingültige Regel, wie Abkürzungen gebeugt werden. Die Pluralformen von Abkürzungen werden nicht von den Wörtern bestimmt, für die sie stehen. Bei GmbH müsste die Mehrzahl dann ja ganz genau genommen nicht GmbHen, sondern GenbH heißen. Es sind ja Gesellschaften mit beschränkter Haftung und nicht etwa Gesellschaft mit beschränkten Haftungen.

Die meisten Abkürzungen haben die Neigung, den Plural und (wenn sie männlich oder sächlich sind) den Genitiv mit der Endung s zu bilden. Zum Beispiel:

die WGs (Wohngemeinschaften)
die GmbHs (Gesellschaften mit beschränkter Haftung)

Dies gilt auch für viele Kurzwörter:

die Krimis (Kriminalromane)
die Demos (Demonstrationen)

Die Tendenz zur Pluralbildung mit s ist am stärksten bei

  • Abkürzungswörtern: Unis, Krimis, Demos, Loks
  • weiblichen Abkürzungen: WGs, GmbHs, LPs, CDs

Bei weiblichen Abkürzungen ist die Tendenz, ein Plural-s zu verwenden, wahrscheinlich so stark, weil dadurch die Mehrzahl von der Einzahl unterschieden werden kann: die AG – die AGs. Bei männlichen und sächlichen Abkürzungen ist dieser Unterschied dank des Artikels im Prinzip auch ohne Endung deutlich: das KKW – die KKW.

Sächliche und männliche Abkürzungen bilden den Genitiv Singular und den Plural sowohl mit s als auch ohne s. Je gebräuchlicher eine Abkürzung ist, desto stärker ist im Allgemeinen (vor allem im Plural) die Tendenz zur Endung s:

des KKWs oder des KKW
die KKWs oder die KKW

des PCs oder des PC
die PCs oder (selten) die PC

Man kann also sagen, dass das geschriebene und gesprochene s bei zum Beispiel die GmbHs und die PCs eine im Deutschen allgemein übliche und akzeptierte Form der Pluralbildung bei Abkürzungen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Kein Apostroph!!! Siehe hier.

Mikro, mükro, mü und My

Frage

Schon seit Jahren muss ich mich mit dem Wörtchen mikro herumschlagen. Immer wieder begegne ich (ausgesprochenen) Mükrometer oder Mükroliter ohne mich intellektuell und sprachlich fundiert verteidigen zu können.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

das Wortelement mikro wird tatsächlich mit i und nicht mit ü ausgesprochen. Man spricht also nicht von einem Mükrometer oder der Mükrowelle, sonder von einem Mikrometer und der Mikrowelle.

Im Standarddeutschen wird das y in aus dem Griechischen stammenden Wörtern als ü ausgesprochen:

hypermodern = hüpermodern
mythisch = mütisch
Thymian = Tümian
Ypsilon = Üpsilon

Das Wortelement mikro stammt zwar aus dem Griechischen (µικ?òς, mikròs = klein), aber es wird mit einem i geschrieben und mit einem i ausgesprochen. Woher kommt dann die Aussprache mit ü?

In technischen Bereichen bedeutet mikro vor Maßeinheiten Millionstel. Ein Mikrometer ist ein Millionstelmeter, ein Mikroliter ist ein Millionstelliter. Dieses mikro wird mit dem griechischen Buchstaben µ abgekürzt.

ein Mikrometer = 1 µm
ein Mikroliter = 1 µl

Der Buchstabe µ entspricht dem deutschen m und wird als ausgesprochen (und als My ausgeschrieben). Abkürzungen wie µm und µl werden deshalb manchmal als Mümeter und Müliter ausgesprochen. Wenn mikro als mükro ausgesprochen wird, könnte es also gut sein, dass dies in falscher Analogie mit der Aussprache Müliter für µl geschieht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Liebe Freundinnen und Freunde

Frage

Kann man anstatt Liebe Freundinnen und Freunde kürzer Liebe FreundInnen (mit großem I) schreiben? Die gleiche Frage stellt sich auch für RätInnen, GenossInnen usw.

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

nach der amtlichen Rechtschreibung ist diese Verwendung eines Großbuchstabens im Wortinnern nicht vorgesehen. Es gibt aber verschiedene Alternativen, wie man Frauen und Männer in einem Ausdruck erwähnen kann. Am besten finde ich, wenn möglich nicht abzukürzen:

Liebe Kolleginnen und Kollegen
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gesucht
die Rätinnen und Räte
Freundinnen und Freunde

Wenn Sie zum Beispiel aus Platzgründen abkürzen müssen oder wollen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Schrägstrich

    Liebe Kolleginnen/Kollegen
    Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen gesucht
    die Rätinnen/Räte
    Freundinnen/Freunde

  • Schrägstrich und Ergänzungsstrich

    Mitarbeiter/-innen gesucht
    250 Schüler/-innen

    Diese Schreibweise sollte nur dann verwendet werden, wenn das erste Wort keine Endung hat. Also besser nicht:

    Kollegen/-innen
    Räte/-innen
    Freunde/-innen

  • Klammern

    Liebe Kolleg(inn)en
    Mitarbeiter(innen) gesucht

    Diese Schreibweise verwenden Sie der Lesbarkeit zuliebe besser nicht, wenn die Wörter unterschiedliche Endungen haben. Also besser nicht:

    Rät(inn)e(n)
    Freund(inn)e(n)

  • Großes I im Wortinnern
    Diese Variante ist, wie bereits gesagt, offiziell nicht anerkannt. Sie sollte vor allem dann nicht verwendet werden, wenn die Wörter wie z.B. Freund-e und Freundinn-en unterschiedliche Endungen haben.

    Liebe KollegInnen
    MitarbeiterInnen gesucht

Bei Freundinnen und Freunde gibt es also nur eine gute Möglichkeit, abzukürzen:

   Liebe Freundinnen/Freunde

Eine Anrede wie Liebe Freundinnen und Freunde würde ich persönlich aber immer ausschreiben. Das sieht irgendwie viel höflicher, netter oder respektvoller aus. Und wenn man sieht, wie kompliziert das Abkürzen sein kann, ist Ausschreiben ohnehin zu empfehlen …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Okay: all correct oder Otto Kowalski?

Frage

Woher kommt eigentlich der Ausdruck o. k.?

Antwort

Auf diese Frage gibt es viele Antworten, denn niemand scheint es genau zu wissen. Der Duden zum Beispiel beschränkt sich auf ein einfaches H. u. (Herkunft unbekannt). Das ist gut verständlich, denn die große Anzahl der Theorien lässt sich kaum in einem Wörterbuchartikel zusammenfassen.

Da es sich um einen Ausdruck aus dem amerikanischen Englisch handelt, habe ich auch in DEM amerikanischen Online-Wörterbuch, dem Merriam-Webster, nachgeschaut. Es soll sich bei O.K. um eine absichtlich falsch geschriebene Abkürzung für all correct handeln. Das ist plausibel, denn man spricht das ja ungefähr als ool korrekt aus, so dass o. k. sicher als gesprochene Abkürzung viel besser passt als a. c. Außerdem soll es in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in Boston und Umgebung Mode sein gewesen, solche falsch oder phonetisch geschriebenen Abkürzungen zu verwenden. Der Ausdruck kommt dann auch zum ersten Mal im Frühjahr 1839 in der Boston Morning Post“ nachweislich in gedruckter Form vor.

Viel interessanter und zum Teil lustiger sind aber andere Erklärungen und Erklärungsversuche. Hier ein Griff aus der Wundertüte:

Eine Erklärung greift auf das Griechische zurück: o. k. soll auf ‚olos kalos (alles gut) zurückgehen. Eine andere These besagt, dass okay von den Siedlern aus der Sprache der Choctaw-Indianer übernommen worden sei. Dort bedeutet der Begriffe okeh so viel wie in der Tat.

Aus der Armeewelt stammt die Erklärung, es sei eine Abkürzung für den Ausdruck order known, mit dem ein Befehl quittiert wurde, oder eine Abkürzung für zero killed (0k, keiner tot), was man wirklich als äußerst okay ansehen darf.

Am besten gefallen mir aber die Erklärungen, die mit Initialen zu tun haben. Zum Teil sind sie nur schon deshalb nicht plausibel, weil sie die Entstehung der Abkürzung auf eine Zeitpunkt nach 1839 festlegen. Hier eine kurze Auswahl:

  • Orrin Kendall & Sons, ein Biskuithersteller, der während des amerikanischen Bürgerkrieges Kekse an die Armee lieferte. Ob diese Kekse so gut waren?
  • Oswald Kowalski (oder Otto Kaiser, Otto Krause u.a.), der Leiter der Qualitätssicherung bei den Ford-Werken in Detroit. Jedes Auto, das das Band verließ, hatte ein Prüfzertifikat, das er mit dem Kürzel OK unterzeichnete.
  • Oskar Keller, ein Kartoffelzüchter, der auf jede Kiste seine Initialen stempelte und immer gleichbleibend hohe Qualität geliefert haben soll.

Noch mehr Theorien finden Sie auf Wikipedia oder zum Beispiel auch hier.

Und weil ich es wieder einmal nicht lassen kann, hier noch etwas zur Rechtschreibung: Man schreibt den ausgeschriebenen Ausdruck als Adjektiv und Adverb klein und als Substantiv groß. Bei der Abkürzung hat man etwas mehr Freiheit:

Alles ist okay.
sein Okay geben

Alles ist o. k. oder O. K.
sein O. K. geben