Die (Alternativen-)Einklammerung

Frage

Ich habe zwei Fragen. Es geht um das Einklammern einzelner Buchstaben wie zum Beispiel bei „innerhalb der Unterrichtsstunde(n)“ und „folgende Frage(n)“. Nirgendwo […] kann ich finden, ob ein Bindestrich innerhalb der Klammer nötig ist. […]

Bei der zweiten Frage geht es um „das Weiter(‑Nach‑)denken“, womit sowohl „das Weiterdenken“ als auch „das Weiternachdenken“ gemeint ist. Ist diese Schreibweise richtig oder müsste es „Weiter(-nach-)denken“ oder ganz einfach „Weiter(nach)denken“ heißen?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

wenn mit Hilfe von Klammern verkürzt angegeben wird, dass es Alternativen gibt, steht im Prinzip kein Bindestrich oder Ergänzungsstrich:

innerhalb der Unterrichtsstunde(n)
= Unterrichtsstunden o. Unterrichtsstunde
folgende Frage(n)
= folgende Fragen o. folgende Frage
Klein(st)mengen
= Kleinstmengen o. Kleinmengen
das Nudel(suppen)rezept
= das Nudelsuppenrezept o. das Nudelrezept
das Weiter(nach)denken
= das Weiternachdenken o. das Weiterdenken

Der Bindestrich muss gesetzt werden, wenn bei einer der Alternativen ohne Klammern ein Bindestrich stehen muss. Der Bindestrich steht innerhalb der Klammer, also bei dem Wortteil, mit dem zusammen er weggelassen werden kann:

ein (Damen-)T-Shirt
= ein Damen-T-Shirt o. ein T-Shirt
der (Low-Budget-)Film
= der Low-Budget-Film o. der Film

Ein Bindestrich wird häufig auch dann verwendet, wenn der zweite Teil ein Substantiv ist. Er steht dort, wo er sonst ggf. zur Verdeutlichung stehen könnte:

das (Retro-)Design
= das Retrodesign/Retro-Design o. das Design
ein (Schnell-)Lader
= ein Schnelllader/Schnell-Lader o. ein Lader
die (Wieder-)Aufnahme
= die Wiederaufnahme/Wieder-Aufnahme o. die Aufnahme

Dieser Bindestrich, wird mit dem Ziel gesetzt, die Lesbarkeit oder Erkennbarkeit zu erhöhen, wenn eine der Alternativen in der Zusammensetzung kleingeschrieben und allein stehend großgeschrieben wird. Es ist hier aber auch möglich, ohne Bindestrich zu schreiben:

das (Retro)design
ein (Schnell)lader
die (Wieder)aufnahme

Bei „Weiter(nach)denken“ und „Nudel(suppen)rezept“ ist diese Verwendung von Bindestrichen überflüssig, weil beide Alternativen mit und ohne Klammern dieselbe Groß- und Kleinschreibung haben. Von Klammern ist sogar abzuraten. Wenn man hier Klammern verwendet, wird die Sache nämlich nicht leichter lesbar, sondern kompliziert und unübersichtlicher: „Weiter-(Nach-)Denken“, „Nudel-(Suppen-)Rezept“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Rechtschreibfragen, wenn „on demand“ auf „Bibliothek“ trifft

Frage

Können Sie mir bei folgender Frage behilflich sein? Welche Variante ist korrekt:

1) On Demand Bibliothek
2) On-Demand-Bibliothek
3) On Demand-Bibliothek
4) gar keine?

Wo setzt man […] hier einen Bindestrich? Ich hätte jetzt auf die Variante 2) getippt, aber bin mir nicht ganz sicher.

Antwort

Guten Tag Frau B.,

die Frage nach den Bindestrichen ist schnell beantwortet: Zwischen allen Teilen der Zusammensetzung müssen Bindestriche gesetzt werden. Richtig ist dann tatsächlich die Variante 2), auf die Sie getippt haben:

On-Demand-Bibliothek

Eine andere Frage ist die Groß- und Kleinschreibung. Demand (Anfrage) wird hier großgeschrieben, weil es sich um ein Substantiv handelt. Substantive aus anderen Sprachen werden auch in Zusammensetzungen großgeschrieben (vgl. amtliche Rechtschreibregelung § 55(3)). Beispiele sind dort u. a. Desktop-Publishing und Full-Time-Job.

Ganz so einfach ist es aber leider nicht. In § 55(E2) der Regelung steht, dass Substantive aus fremden Sprachen ausnahmsweise kleingeschrieben werden, wenn sie Teil einer adverbialen Fügung sind, die als Ganzes ins Deutsche übernommen worden ist. Beispiele sind u. a. a cappella, in flagranti, à discrétion, de facto und – für unseren Fall hier wichtig – die Zusammensetzungen A-cappella-Chor und De-facto-Anerkennung. Die Kleinschreibung des Substantivs gilt also auch in Zusammensetzungen mit solchen Fügungen.

So klar die Regel klingt, so unklar bleibt manchmal, was genau als feste adverbiale Fügung gilt, die als Ganzes aus einer fremden Sprache entlehnt worden ist. Muss die Fügung in Wörterbüchern wie Duden, Wahrig, Pons, DWDS, LEO stehen und, wenn ja, in allen oder nur in einem? Sind zum Beispiel on demand (etwas on demand liefern), just in time (just in time produzieren) und business to business (business to business liefern) im Deutschen als feste Fügungen üblich oder nicht? Das ist je nach Ausdruck und Branche unterschiedlich und ich möchte diese Frage auch nicht weiter diskutieren. Es geht mir vor allem darum, dass es hier einen recht großen grauen Bereich gibt. Wenn man nämlich on demand als im Deutschen gebräuchliche Fügung annimmt, muss das d nicht nur in der adverbialen Fügung on demand, sondern auch in Zusammensetzungen kleingeschrieben werden:

On-demand-Bibliothek

Da feste Kriterien fehlen, sind beide Betrachtungsweisen möglich, das heißt, beide Schreibweisen können als korrekt gelten. Weitere Beispiele:

On-Demand-Lieferung / On-demand-Lieferung
On-Demand-Mobilität / On-demand-Mobilität

Ein weiteres Kriterium sollte man in Zweifelsfällen wie diesen nicht ganz außer Acht lassen: Was ist üblich(er), On-Demand-Xyz oder On-demand-Xyz? Die Schreibung mit großem D kommt viel häufiger vor. Sie scheint sich also in der  deutschen Schreibpraxis durchzusetzen.

Hier zeigt sich wieder einmal, dass die Sprache sich auch auf der Ebene der Rechtschreibung  nicht immer in einfache, alle Fälle abdeckende Regeln fassen lässt. Deshalb heißt es häufig wie hier: Beides kommt vor und beides ist vertretbar.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Amerika-freundlich und fetttriefend am Zeilenende

Frage

Ich habe eine Frage zur Silbentrennung am Zeilenende bei aus Nomen und Adjektiv zusammengesetzten Wörtern, beispielsweise für den Begriff „wirkstofffreisetzendes Implantat“. Wenn man das Wort „wirkstofffreisetzende“ am Ende einer Zeile aus Platzgründen trennen möchte, behält man die Schreibweise „wirkstoff-freisetzende“ bei (also Kleinschreibung am Wortanfang, da Adjektivierung) oder muss man es dann „Wirkstoff-freisetzende“ schreiben (Großschreibung am Wortanfang, da es eigentlich ein Nomen ist)? Ich tendiere zur Beibehaltung der Kleinschreibung trotz Silbentrennung […]

Antwort

Guten Tag Frau K.,

der Bindestrich und der Trennstrich haben unterschiedliche Funktionen, aber sie sehen gleich aus. Wenn die beiden Zeichen aufeinandertreffen, schreibt man nur einen Strich. Wie geht man dann bei einem Wort wie „wirkstofffreisetzend“ resp. „Wirkstoff-freisetzend“ am Zeilenende vor? Wie beim Bindestrich oder wie beim Trennstrich? Ob man in diesen Fällen bei der Trennung am Zeilenende groß- oder kleinschreibt, hängt davon ab, wie man die Zusammensetzung schreibt, wenn sie ungetrennt auf einer Zeile steht.

Zusammensetzungen, die aus einem Substantiv und einem Adjektiv bestehen, schreibt man im Prinzip zusammen und mit kleinem Anfangsbuchstaben:

amerikafreundlich
fetttriefend
schadstofffrei
wirkstofffreisetzend

Bei unübersichtlichen Zusammensetzungen, bei Zusammensetzungen mit Eigennamen und beim Aufeinandertreffen dreier gleicher Buchstaben kann man auch mit Bindestrich schreiben. Das Substantiv in der Zusammensetzung wird dann großgeschrieben:

Amerika-freundlich
Fett-triefend
Schadstoff-frei
Wirkstoff-freisetzend

Werden solche Verbindungen am Zeilenende getrennt, schreibt man sie gleich, wie sie im Rest des Textes geschrieben werden oder wie man sie im Rest des Textes schreiben würde.

a) Bei Zusammenschreibung bleibt der Anfangsbuchstabe klein:

… eine sehr amerikafreundliche Politik

… eine sehr amerika-
freundliche Politik

… einige dieser wirkstofffreisetzenden Implantate

… einige dieser wirkstoff-
freisetzenden Implantate

b) Bei Schreibung mit Bindestrich bleibt der Anfangsbuchstabe groß:

… eine sehr Amerika-freundliche Politik

… eine sehr Amerika-
freundliche Politik

… einige dieser Wirkstoff-freisetzenden Implantate

… einige dieser Wirkstoff-
freisetzenden Implantate

Der Bindestrich und der Trennungsstrich fallen am Zeilenende zu einem Strich zusammen. Wenn eine solche Zusammensetzung in einem Text nur einmal vorkommt, hat man deshalb beim Trennen am Zeilenende die Wahl, wie man schreiben möchte, je nachdem wie man das Wort schreiben würde, wenn es nicht am Zeilenende stünde. Da Sie in Ihrer Frage die Schreibung ohne Bindestrich vorziehen, können Sie entsprechend bei der Trennung am Zeilenende den kleinen Anfangsbuchstaben solcher Zusammensetzungen beibehalten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Bindestrich nach Fugen-s:
Ausführungsbestimmungs-konform oder ausführungsbestimmungskonform?

Frage

Wegen des Fugen-s besteht Unsicherheit, welche Möglichkeiten man hat, folgende Wortzusammensetzung zu schreiben.

1) Ausführungsbestimmungs-konform
2) ausführungsbestimmungskonform

Falls beide Möglichkeiten gehen, was ist die Empfehlung?

Antwort

Guten Tag A.,

die Rechtschreibregelung „verbietet“ es nicht, einen Bindestrich auf ein Fugenelement folgen zu lassen. Stilistisch ist es meist nicht sehr überzeugend, direkt nach einem Fugenelement einen Bindestrich zu schreiben. Schließlich gibt ja das Fugenelement schon an, wo die Trennstelle zwischen den beiden Wortteilen liegt. Bei unübersichtlichen und sehr (oder viel zu) langen Zusamensetzungen ist dennoch die Bindestrichschreibung anzuraten:

Hochgeschwindigkeits-Internetzugang
(oder: Hochgeschwindigkeitsinternetzugang)

Manchmal ist der Bindestrich auch obligatorisch, zum Beispiel in Zusammensetzungen mit Abkürzungen:

Installations-ID
Fugen-s

Für das Wort in Ihrer Frage sind somit beide Schreibungen möglich. Ich neige allgemein dazu, die Schreibungen mit „verdeutlichendem“ Bindestrich für gar nicht so verdeutlichend zu halten und die Zusammenschreibung zu wählen:

ausführungsbestimmungskonform
die ausführungsbestimmungskonforme Verarbeitung personengebundener Daten

Hier kommt hinzu, dass der Bindestrich bei Substantiv-Adjektiv-Zusammensetzungen bewirkt, dass das Gesamtwort einen großen Anfangsbuchstaben erhält, obwohl es ein Adjektiv ist. Das macht nach meinem Empfinden die durch den Bindestrich gewonnene Verdeutlichung wieder zunichte:

Ausführungsbestimmungs-konform
die Ausführungsbestimmungs-konforme Verarbeitung personengebundener Daten

In diesem Fall würde ich – wenn irgendwie möglich – sowieso eine weniger „bürokratische“, lesefreundlichere Variante wählen wie zum Beispiel:

den Ausführungsbestimmungen konform
mit den Ausführungsbestimmungen konform

eine [mit] den Ausführungsbestimmungen konforme Verarbeitung personengebundener Daten
personengebundene Daten in Übereinstimmung mit den Ausführungsbestimmungen [zu] verarbeiten

Formulierungen dieser Art sind zwar länger, aber für das nicht an Behördendeutsch gewöhnte Auge wahrscheinlich schneller und einfacher zu verstehen. Meine Empfehlung, allzu lange Wörter zu vermeiden, ist letztlich aber Ansichts- oder Geschmackssache. Streng nach Regeln sind, wie gesagt, sowohl „ausführungsbestimmungskonform“ als auch „Ausführungsbestimmungs‑konform“ mögliche Schreibungen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das bis-Zeichen und seine Länge

Frage

Ich habe eine Frage zur Rechtschreibung bezüglich Bindestrich und Gedankenstrich. Auf Ihrer Seite finde ich in den Verweisen auf die amtliche Regelungen keinen Hinweis darauf, welchen Strich ich schreiben sollte, wenn ich „bis“ ausdrücken möchte, also z. B. in einer Literaturangabe „S. 10-20 oder S. 10–20“ […].

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

auf unseren Seiten finden Sie tatsächlich keine ausdrücklichen Angaben zum Aussehen der verschiedenen horizontalen Striche. Unsere Seiten behandeln wie die amtlichen Rechtschreibregeln „nur“ die Rechtschreibung. Die Bestimmungen über zum Beispiel die Länge des Gedankenstrichs und des bis-Zeichens gehören aber nicht zur Rechtschreibung, sondern in den Bereich der Typografie und Textverarbeitung.

Nach den allgemein gebräuchlichen typographischen Regeln verwendet man den Halbgeviertstrich (auch Langstrich genannt) für das bis-Zeichen und den Gedankenstrich. Das ist – in „Laiensprache“ ausgedrückt – ein Strich, der doppelt so lang ist wie der gewöhnliche Bindestrich. Wenn Sie ihn gebrauchen wollen oder müssen, hängt es von Ihrem Tippgerät und dessen Tastaturbelegung ab, wie sie ihn erzeugen können. Vor und nach dem bis-Zeichen steht gemäß zum Beispiel Duden kein Leerzeichen:

24.–25. Oktober
die Buchstaben A–F
S. 10–20

Ganz so eindeutig ist die Lage aber nicht: Nach DIN 5008 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung, herausgegeben vom Deutschen Institut für Normung) wird für das bis-Zeichen ein Gedankenstrich mit Leerzeichen verwendet:

24. – 25. Oktober
die Buchstaben A – F
S. 10 – 20

Nach der allgemeinen Schreibkonvention steht übrigens kein Strich, sondern immer „bis“, wenn auch „von“ steht:

vom 24. bis 25. Oktober
die Buchstaben von A bis F
von Seite 10 bis Seite 20

Dann noch zur Strichlänge: Wenn Sie nicht von Berufs wegen oder aus anderen Gründen mit typografischen Anforderungen zu tun haben, steht es Ihnen frei, wie Sie den bis-Strich genau verwenden wollen. „Normalverbraucher“ und „Normalverbraucherinnen“ können von den (anders als viele meinen) nicht allgemein verbindlichen typografischen Regeln resp. der DIN 5008 abweichen. Dies gilt auch, wenn der Halbgeviertstrich nicht zur Verfügung steht oder man (noch) nicht weiß, wie man ihn der Tastatur entlocken kann. Die folgenden Schreibungen sind also nicht grundsätzlich falsch:

25.-25. Oktober / 24. ‑ 25. Oktober
die Buchstaben A-F / die Buchstaben A ‑ F
S. 10-20 / S. 10 ‑ 20

Zu empfehlen ist aber doch, wenn möglich den allgemein üblicheren längeren Gedankenstrich zu wählen – dies nur schon, um eventuellen Bemerkungen kritischer Zeitgenossen vorzubeugen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Hot Pants aus Jeans in einem Wort: wie viele Bindestriche?

Frage

Aus dem Englischen stammende Substantive, die aus einem Adjektiv und einem Substantiv bestehen, schreibt man ja getrennt und groß, zum Beispiel „Heavy Metal“, „Hot Pants“ oder „High Heels“.

Erweitert man diese Begriffe wird m. E. nach den deutschen Regeln durchgekoppelt. Es heißt dann „Heavy-Metal-Band“. Folglich müsste es „Hot-Pants-Trägerin“ heißen. Aber wie verhält es sich, wenn die heißen Hosen aus Jeansstoff bestehen? Heißen sie dann „Jeans-Hot-Pants“? Und trägt die Dame hohe Hacken, ist sie dann eine „High-Heels-Trägerin“?

Antwort

Guten Tag Herr R.,

in einer Zusammensetzung mit einer Wortgruppe dieser Art muss immer durchgekoppelt werden, egal ob sie in der Zusammensetzung an erster oder an letzter Stelle steht (vgl. amtliche Rechtschreibregelung § 44.1).

Englische Adjektiv-Substantiv-Verbindung an erster Stelle:

Heavy-Metal-Band
Big-Band-Leiterin*
Smart-Phone-Kamera*
Public-Relations-Abteilung
High-Society-Magazin

Englische Adjektiv-Substantiv-Verbindung an letzter Stelle:

Lieblings-Big-Band*
Senioren-Smart-Phone*
Kunden-Public-Relations
Möchtegern-High-Society

Entsprechend heißt es also, wie Sie richtig annehmen:

High-Heels-Trägerin*
Jeans-Hot-Pants*

Nicht ganz recht haben Sie mit der Aussage, dass Adjektiv-Substantiv-Zusammensetzungen aus dem Englischen getrennt geschrieben werden müssen. Dieses „müssen“ gilt nur dann, wenn die Hauptbetonung der Verbindung nicht auf dem ersten Wort liegt, also bei zum Beispiel „Heavy Metal“, „Public Relations“ und „High Society“. Wenn die Hauptbetonung auf dem Adjektiv liegt, kann auch zusammengeschrieben werden: „Big Band/Bigband“, „Long Drink/Longdrink“, „High Heels/Highheels“„Hot Pants/Hotpants“. Daraus ergeben sich für die oben mit einem Sternchen gekennzeichneten Beispiele die folgenden Schreibungen:

Big-Band-Leiterin / Bigband-Leiterin / Bigbandleiterin
Lieblings-Big-Band / Lieblings-Bigband/ Lieblingsbigband
Smart-Phone-Kamera / Smartphone-Kamera / Smartphonekamera
Senioren-Smart-Phone / Senioren-Smartphone / Seniorensmartphone
High-Heels-Trägerin / Highheels-Trägerin / Highheelsträgerin
Jeans-Hot-Pants / Jeans-Hotpants / Jeanshotpants

Es steht Ihnen frei, hier die Schreibweise zu wählen, die Ihnen am besten zusagt – eine Multiple-Choice-Liste, in der alle Antworten richtig sind! Die Getrenntschreibung ohne Bindestrich ist in diesen Zusammensetzungen übrigens nicht möglich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mit neunundneunzigkommaneunprozentiger Sicherheit?

Frage

Meine Frage:

… mit neunundneunzig Komma neun prozentiger Sicherheit …

Wenn man das nicht mit Zahlen, sondern mit Worten schreibt, wäre das dann richtig so? Oder muss es durchgekoppelt werden: „mit neunundneunzig-Komma-neun-prozentiger Sicherheit“? […]

Antwort

Guten Tag Frau S.,

die Getrenntschreibung ist nicht korrekt. Wie bei zum Beispiel „vierstöckig“, „Fünfeinhalbzimmerwohnung“ und „sechszylindrig“ ist hier die Zusammenschreibung vorgesehen:

mit neunundneunzigkommaneunprozentiger Sicherheit

Ein Wort dieser Länge ist allerdings nicht sehr lesefreundlich. Sie könnten deshalb tatsächlich die Verwendung von Bindestrichen erwägen:

mit neunundneunzig-Komma-neun-prozentiger Sicherheit

Das ist schon etwas übersichtlicher. Wie oft bei komplexeren Zahlen ist hier aber doch die Schreibung mit Ziffern etwas einfacher für die Leserschaft (vgl. amtl. Regelung § 40.3 und § 41):

mit 99,9-prozentiger Sicherheit
mit 99,9%iger Sicherheit

Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, Verbindungen dieser Art zu schreiben:

zweieinhalbprozentig
2,5-prozentig
2,5%ig

mit fünfzigprozentiger Wahrscheinlichkeit
mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit
mit 50%iger Wahrscheinlichkeit

Wenn die Zahlen komplexer werden, empfiehlt es sich meiner Meinung nach auch in nicht technischen Texten, Ziffern statt Worte zu verwenden:

7,25-prozentig
7,25%ig

eine 0,9-prozentige Kochsalzlösung
eine 0,9%ige Kochsalzlösung

Es gibt hier also keine Schreiblösung, die immer hundert- oder 99,9-prozentig zufriedenstellend ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn 100, g und Tafel zusammen ein Wort bilden: eine 100 g Tafel, 100g-Tafel oder 100-g-Tafel?

Frage

Wie werden Komposita korrekt geschrieben, die aus Zahl, abgekürzter Maßeinheit und Wort bestehen? Beispiel Schokolade: „eine 100-g-Tafel“ oder „eine 100g-Tafel“ oder ganz anders?

Antwort

Eigentlich ist es ganz einfach, aber die Schreibung dieser Art von Zusammensetzungen gehört zu den Bereichen, in denen die Rechtschreibregelung sehr häufig nicht eingehalten wird.

Nach § 44.1 der amtlichen Rechtschreibregelung, aus der die folgenden drei Beispiele  stammen, werden hier Bindestriche verwendet, und zwar zwischen allen Elementen der Zusammensetzung:

400-m-Lauf
2-kg-Büchse
1/2-kg-Packung

Entsprechend schreiben Sie also auch:

eine 100-g-Tafel
ein 20-€-Schein
eine 1,5-l-Flasche

Häufig wird aber, wie gesagt, anders geschrieben. Hier die häufigsten Schreibungen, die NICHT der Rechtschreibregelung entsprechen:

100 g Tafel, 2 kg Büchse, 20 € Schein
100 g-Tafel, 2 kg-Büchse, 20 €-Schein
100g-Tafel, 2kg-Büchse, 20€-Schein

Bindestriche stehen auch dann, wenn die Maßeinheit oder das Gezählte nicht abgekürzt wird:

20-Euro-Schein
5-Cent-Münze
100-Gramm-Tafel
40-Stunden-Woche
6-Zylinder-Motor
3-Zimmer-Wohnung

Das müsste diejenigen ansprechen, die der Bindestrichschreibung sehr zugetan sind. Weniger gefallen wird den Bindestrichfans aber die folgende Schreibung, die anzuwenden ist, wenn auch die Zahlen in Worten geschrieben werden*:

Zwanzigeuroschein
Fünfcentmünze
Vierzigstundenwoche
Sechszylindermotor
Dreizimmerwohnung

Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, eine Tafel von hundert Gramm in einem Wort zu schreiben, je nachdem wie stark man abkürzen will:

eine 100-g-Tafel
eine 100-Gramm-Tafel
eine Hundertgrammtafel*

Warum so häufig anders geschrieben wird, weiß ich eigentlich nicht. Wahrscheinlich sträubt sich die Tastatur, der Stift oder die Feder vieler, wenn zwischen einer Ziffer und einer Abkürzung ein Bindestrich gesetzt werden soll.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Wie immer ist auch hier die Schreibung mit „verdeutlichenden“ Bindestrichen möglich:

Zwanzig-Euro-Schein
Zehn-Cent-Münze
Vierzig-Stunden-Woche
Sechs-Zylinder-Motor
Drei-Zimmer-Wohnung
Hundert-Gramm-Tafel

Sie ist aber in der Rechtschreibregelung nicht vorgesehen. Ich finde sie auch unschön und nicht sehr verdeutlichend, doch das ist natürlich kein allzu stichhaltiges Argument.

Verbinden und trennen zugleich: wenn der Bindestrich auch Trennstrich ist

Selbst in der Rechtschreibwelt ist es keine weltbewegende Frage, weil man es erstaunlicherweise meist kaum oder gar nicht bemerkt. Frau A. hat sich die Frage dennoch gestellt:

Frage

Ich habe Frage zur Trennung einer Zusammensetzung mit Bindestrich, in der der zweite Teil kleingeschrieben wird wie zum Beispiel in „deutsch-polnische Grenze“. Wenn „deutsch“ am Zeilenende steht und als letztes Zeichen in der Zeile der Bindestrich erscheint, riskiert man dann nicht, dass er wie ein Trennstrich betrachtet wird und das Ganze als „deutschpolnische“ ohne Bindestrich verstanden werden kann?

Antwort

Guten Tag Frau A.,

das Risiko besteht tatsächlich, aber das ist nicht weiter schlimm. Wenn ein Wort wie „deutsch-polnische“ am Zeilenende getrennt wird, gibt es keine Möglichkeit, anzugeben, dass es nicht als „deutschpolnische“ gelesen werden sollte. Man trennt

süßsauer
mathematisch-technisch

am Zeilenende in gleicher Weise, nämlich:

… gebackenes Scheinefleisch mit einer süß-
sauren Sauce …
… Schüler und Schülerinnen des mathematisch-
technischen Gymnasiums …

Bei „süßsauer“ wird ein Trennstrich eingefügt, bei „mathematisch-technisch“ erfüllt der Bindestrich am Zeilenende auch die Funktion des Trennstriches. Dieser Unterschied ist den Strichen nicht anzusehen.

In der Regel führt dies nicht zu Unklarheiten. In Ihrem Beispiel gibt es keine Möglichkeit „deutschpolnische“ zu schreiben, so dass „deutsch-polnische“ gemeint sein muss. Auch in einem Fall wie „deutsch-schweizerisch“ („zwischen Deutschland und der Schweiz“; z. B. „die deutsch-schweizerische Grenze“) und „deutschschweizerisch“ („die deutschsprachige Schweiz betreffend“; z. B. „die deutschschweizerischen Schulen“) verdeutlicht normalerweise der Kontext, was genau gemeint ist.

So gegensätzlich „(ver)binden“ und „trennen“ auch sind, am Zeilenende wird der Bindestrich zugleich ein Trennstrich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Straßennamen, wenn die amtliche Schreibung nicht mit der amtlichen Schreibung übereinstimmt

Eine Frage, die nicht sehr häufig, aber immer wieder auftaucht, betrifft Straßennamen, deren behördlich festgelegte Schreibung nicht den Regeln der amtlichen Rechtschreibregelung entspricht. Die amtliche Schreibung stimmt sozusagen nicht mit der amtlichen Schreibung überein.

Frage

Ich bin als Stammdatenpflegerin tätig und täglich verunsichert durch die offiziellen Schreibweisen der Straßen […], wie Städte und Gemeinden offiziell ihre Straßen im Internet schreiben, ohne Rücksicht auf die geltende Rechtschreibung […]:

  • Le Pavillon-Straße in Berlin
  • La Famille-Straße in Berlin
  • Dr. Elisabeth-Vomstein-Straße in Schliengen
  • immer noch Schloßstraße anstatt offiziell Schlossstraße

Auch sehe ich „Zum kleinen Feld“, obwohl im Duden steht, dass die Adjektive groß geschrieben werden? Welche Schreibweisen empfehlen Sie mir?

Antwort

Guten Tag Frau A.,

nach der Rechtschreibregelung schreibt man tatsächlich :

Le-Pavillon-Straße
La-Famille-Straße
Dr.-Elisabeth-Vomstein-Straße
Schlossstraße
Zum Kleinen Feld

Man setzt einen Bindestrich zwischen allen Bestandteilen mehrteiliger Zusammensetzungen, deren erste Bestandteile aus Eigennamen bestehen (§ 50). Nach kurzem Vokal schreibt man immer ss und nicht mehr ß (§ 2). In mehrteiligen Namen schreibt man man das erste Wort und alle weiteren Wörter außer Artikeln, Präpositionen und Konjunktionen groß (§ 60).

So viel sei zur Schreibung nach den Rechtschreibregeln gesagt. Wie Sie richtig feststellen, weichen Ortschaften und Städte im konkreten Fall nämlich häufiger von diesen Regeln ab:

Le Pavillon-Straße
La Famille-Straße
Dr. Elisabeth-Vomstein-Straße
Schloßstraße
Zum kleinen Feld

Wer hat dann „recht“? – Wenn behördlich festgelegte Schreibungen nicht mit Schreibungen übereinstimmen, die von der Rechtschreibregelung vorgesehen sind, dann gehen die behördlichen Schreibungen vor. Ich empfehle Ihnen deshalb, die von den lokalen Behörden verwendeten Schreibungen zu übernehmen, auch wenn sie nicht den amtlichen Rechtschreibregeln entsprechen. So schreibt man zum Beispiel auch:

Baslerstrasse – in Bern und Zürich
Basler Straße – in Freiburg i. Br. und München
Baseler Straße – in Frankfurt und Berlin

Man könnte hier über so viel Uneinheitlichkeit klagen, ich ziehe es aber vor, mich an der lokalen Vielfalt zu erfreuen – so weit man sich an der Schreibung von Straßennamen erfreuen kann. (Siehe auch hier zur Schreibung von Ortsnamen.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp