Wieder einmal „einschließlich“ und der Genitiv

Heute wieder einmal „einschließlich“, weil’s so schön komplex ist:

Frage

Ich habe gerade folgenden Satz übersetzt: 

Es handelt sich bei dieser Versicherung um eine kombinierte Reiserücktritt- und Abbruchversicherung einschl. ärztlichem Notdienst.

Normalerweise muss bei „einschließlich“ ja der Genitiv stehen und der Dativ lediglich in gewissen Fällen im Plural. Dennoch scheint mir der Dativ in diesem Fall vom Gefühl her richtig zu sein. Was ist richtig, Dativ oder Genitiv?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

man hört und liest zwar häufig andere Formulierungen, aber standardsprachlich gilt in Ihrem Satz nur der Genitiv als richtig:

Es handelt sich bei dieser Versicherung um eine kombinierte Reiserücktritt- und Abbruchversicherung einschl. ärztlichen Notdienstes.

Das macht irgendwie einen sehr gehobenen oder gezierten Eindruck. Die Formulierung klingt vielleicht etwas natürlicher, wenn Sie den Artikel einfügen:

Es handelt sich bei dieser Versicherung um eine kombinierte Reiserücktritt- und Abbruchversicherung einschl. des ärztlichen Notdienstes.

Warum wird häufig anders formuliert und warum sind wir häufig unsicher? Es könnte damit zu tun haben, dass standardsprachliches „einschließlich“ im Prinzip zwar den Genitiv verlangt:

die Versandkosten einschließlich des Portos
Catering einschließlich aller Getränke
Reise- und Abbruchversicherung einschließlich [des] ärztlichen Notdienstes

… dass dem aber auch standardsprachlich nicht immer so ist. Die wichtigsten Ausnahmen sind:

Ein allein stehendes Substantiv (ohne vorhergehendes gebeugtes Artikelwort oder Adjektiv) im Singular wird in der Regel nicht gebeugt:

die Versandkosten einschließlich Porto
die Seitenzahl einschließlich Inhaltsverzeichnis
Reise- und Abbruchversicherung einschließlich Notdienst

Ein Substantiv im Plural, das nicht von „der“ und oder einem anderen Wort mit der Genitivendung -er begleitet wird, steht im Dativ:

Catering einschließlich Getränken
zehn Personen einschließlich Familienmitgliedern und Freunden
LED-Lichtpaket einschließlich vier Rückfahrscheinwerfern

Und damit es so richtig schön kompliziert wird, sei noch erwähnt, dass die Eigennamen sich sich zum Teil anders verhalten:

viele Länder einschließlich Italien/Italiens
alle Gemeinden einschließlich Wien/Wiens
fünf Personen einschließlich Peter
die Vorstandsmitglieder einschließlich Sandra Meier

Ist es verwunderlich, dass uns bei so vielen Sonderregeln nach „einschließlich“ (und übrigens auch „ausschließlich“, „inklusive“ und „exklusive“) hin und wieder die Fälle durcheinandergeraten?! Eine kurze Zusammenfassung für „Notfälle“ finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (5)

Viele oder viel Möglichkeiten: Wann bleiben „viel“ und „wenig“ ungebeugt?

Frage

Ich möchte Sie fragen, ob das Adjektiv „viel“ im folgenden Satz dekliniert wird. Es handelt sich um eine Grammatikübung, wo jeweils das Adjektiv zu deklinieren ist.

Natürlich gibt es dort manchmal auch –viel– Regen.

[…] Die gleiche Frage habe ich auch, wenn statt „viel“ das Wort „wenig“ stehen würde?

Antwort

Guten Tag Herr S.,

üblich ist hier die ungebeugte Form „viel“ resp. „wenig“:

Natürlich gibt es manchmal auch viel Regen.
Natürlich gibt es manchmal nur wenig Regen.

Im Singular bleiben „viel“ und „wenig“ vor einem Substantiv meistens ungebeugt, wenn sie ohne Artikel stehen.

Viel Arbeit wurde verrichtet.
Da hilft auch viel Zureden nichts.
Sie haben nur wenig Geld dafür ausgegeben.
Man findet hier wenig Nützliches.

Im Dativ und im Genitiv kommen seltener auch die gebeugten Formen vor:

Sie reisten mit viel Gepäck – selten: mit vielem Gepäck
Es ist mit wenig Aufwand verbunden – selten: mit wenigem Aufwand
Es bedurfte viel Zuredens – auch: vielen Zuredens

Das ist aber noch nicht alles, was sich zur Beugung oder Nichtbeugung von „viel“ und „wenig“ sagen lässt.

Im Plural werden „viel“ und „wenig“ häufig gebeugt, im Genitiv sogar immer:

Auf dem Regal standen nur wenige Bücher – selten: wenig Bücher
Sie haben sich viele Gedanken gemacht – selten: viel Gedanken
Die Preise sind dort mit wenigen Ausnahmen höher – selten: mit wenig Ausnahmen
Nach Ansicht vieler Leute ist dies falsch.

Wenn ein Artikelwort vorausgeht, werden „viel“ und „wenig“ immer gebeugt:

Die viele Arbeit hat sich gelohnt.
Sie haben dieses viele Geld dafür ausgegeben.
Wohin mit ihrem vielen Gepäck?
Sie wollten trotz der vielen Kritik nicht zurücktreten.

Auf dem Regal standen die wenigen Bücher, die sie noch besaß.
Du solltest deine vielen Gedanken aufschreiben.
Anhand dieser wenigen Daten lässt sich keine fundierte Aussage machen.

Bei so vielen/viel Möglichkeiten kann man schon einmal ins Zweifeln geraten, insbesondere bei isolierten Sätze in Grammatikübungen u. Ä. Allzu viele/viel Sorgen sollte man sich deswegen aber nicht machen, denn es geht auch ohne viel Nachdenken meistens gut.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Sich wenigem/wenig/??? bewusst sein

Frage

In einem Text steht der Satz: „So wenigem ist man sich bewusst.“ Ich weiß, dass „sich bewusst sein“ den Genitiv erfordert, aber das klingt dann irgendwie schräg. Lasse ich „wenig“ unflektiert?

Antwort

Guten Tag Frau W.,

die Wendung „sich einer Sache bewusst sein“ verlangt tatsächlich ein Genitivobjekt:

eine Frau, die sich ihres Erfolgs bewusst war
Ich bin mir dessen bewusst.

Die Dativform „wenigem“ gilt deshalb als nicht korrekt.

nicht: *So wenigem ist man sich bewusst.

Das Problem ist hier wieder einmal die sogenannte Genitivregel:

Eine Wortgruppe kann nur dann im Genitiv stehen, wenn diese zwei Bedingungen erfüllt sind:
1) Die Wortgruppe enthält mindestens ein gebeugtes Artikelwort oder Adjektiv.
2) Die Wortgruppe enthält mindestens ein Wort mit Endung -es/-s oder -er.

Zum ersten Teil der Regel gibt es ein paar wenige Ausnahmen** (wie könnte es auch anders sein!). Der zweite Teil der Regel muss fast immer erfüllt sein (Ausnahme: „dessen/derer/deren“). Die allein stehenden Genitivform „wenigen“ erfüllt keine der beiden Bedingungen. Das ist der Grund, weshalb der Satz mit „wenigen“ schräg oder falsch klingt.

nicht: *So wenigen ist man sich bewusst.

Auch der ungebeugten Form „wenig“ fehlt eine entsprechende Genitivendung:

nicht: *So wenig ist man sich bewusst.

Damit kann nur gemeint sein: „In so geringem Maße (= so wenig) ist man sich bewusst“. Außerdem fehlt das Genitivobjekt, das heißt die Sache, derer man sich wenig bewusst ist.

Was ist also die Lösung, wenn der Genitiv verlangt wird, dieser aber nicht passt und man auch nicht auf den Dativ ausweichen darf? – Man muss anders formulieren. Man kann die Wortgruppe so anpassen, dass sie die Bedingungen der Genitivregel erfüllt:

So weniger Dinge ist man sich bewusst.

Es ist aber auch möglich, die Formulierung so zu ändern, dass kein Genitivobjekt mehr Schwierigkeiten macht:

So wenig ist einem bewusst.
So wenige Dinge sind uns bewusst.

Die oben genannte Genitivregel ist übrigens außerhalb der Grammatikwelt nicht sehr bekannt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass man Fälle wie diesen meistens mehr oder weniger bewusst vermeidet und „automatisch“ anders formuliert. Ihre Frage zeigt aber, dass bewusste Sprachbenutzerinnen und -benutzer doch hin und wieder auf diese Grammatikhürde stoßen und es dann hilfreich sein kann, einmal etwas von der Genitivregeln gehört zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** In gewissen Fällen kann auch ein allein stehendes Substantiv im Genitiv stehen. Zum Beispiel:

Sandros Ferienpläne
das Wahrzeichen Wiens (auch: das Wahrzeichen von Wien)
wegen Umbaus geschlossen (meist: wegen Umbau geschlossen)

Kommentare (1)

Ungebeugtes ein: die ein oder andere Strahlungsquelle

Frage

Ich habe eine Frage zur Formulierung „die ein- oder andere Strahlungsquelle“. Ist mein gefühlsmäßig gewählter Bindestrich nach „ein“ (wegen Auslassung der Endung „e“ bei ein[e]) richtig oder ist „die ein oder andere Strahlungsquellen“ die richtige Schreibweise? […]

Antwort

Guten Tag Frau S.,

das Zahlwort „ein“ bleibt häufig ungebeugt, wenn es durch zum Beispiel „oder“,  „bis“ oder „und“ mit „zwei“ oder „andere“ verbunden ist:

mit ein oder zwei Freunden (auch: mit einem oder zwei Freunden)
die ein oder andere Frage (auch: die eine oder andere Frage)
für ein bis zwei Personen (selten: für eine bis zwei Personen)
das ein und andere Mal (selten: das eine und andere Mal)
ein um das andere Mal (selten: eines um das andere Mal)

Das gilt auch für die Wendung „ein und dasselbe“:

ein und dieselbe Ursache (selten: eine und dieselbe Ursache)
aus ein und derselben Quelle (selten: aus einer und derselben Quelle)
mit ein und demselben Partner (selten: mit einem und demselben Partner)

Auch wenn diese Formulierungen streng „logisch-grammatisch“ gesehen falsch sind – „ein“ müsste eigentlich gebeugt werden –, sind sie auch standardsprachlich sehr üblich und gelten entsprechend als korrekt.

Da das endungslose „ein“ hier als ungebeugt angesehen wird, fehlt ihm nichts. Es ist deshalb nicht notwendig, einen Auslassungsstrich oder einen Apostroph zu schreiben. Richtig ist hier also weder „ein- oder andere“ noch „ein’ oder andere“, sondern einfach „ein oder andere“:

die ein oder andere Strahlungsquelle

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Smartwatch, Crash und Sandwich und ihr (deutscher) Plural

Frage

Ich habe mich gefragt, wie wohl die Mehrzahl von „Smartwatch“ heißen könnte: laut Regel eigentlich „Smartwatchs“ oder füge ich aufgrund der Endung auf -ch noch ein e ein: „Smartwatches“?

Antwort

Guten Tag Frau H.,

beim Wort „Smartwatch“ o. „Smart Watch“ wird der Plural (ungefähr) wie in der Ursprungssprache, dem Englischen, ausgesprochen, also mit is am Schluss. Entsprechend wird der Plural auch gleich wie im Englischen geschrieben: „Smartwatches“ o. „Smart Watches“.

Die  Schreibung der Pluralform richtet sich hier also nach der Aussprache. Vielleicht dachten Sie an den deutschen Plural „Ladys“ oder „Babys“ statt englisch „ladies“ und „babies“. Dieser Fall ist insofern anders, als es in der Aussprache keinen Unterschied zwischen „Ladys“ und „Ladies“ gibt. Dann „gewinnt“ sozusagen die deutsche Schreibung. Das Wort „Smartwatch“ hat auch im gesprochenen Deutschen die englische Pluralendung /is/. Da es keine deutsche Pluralendung „-is“ gibt, bleibt hier auch die englische Schreibung erhalten. Ungefähr so könnte man die Pluralschreibung „Smartwatches“ erklären.

Ähnliches gilt zum Beispiel für „Anchorwoman–Anchorwomen“, „Stuntman–Stuntmen“, „Foot–Feet“ (engl. Längenmaß) u. a. m.

Einheitlich ist die Lage nicht. Besser eingebürgert sind zum Beispiel „Crash“ (beim Autorennen und auf der Börse) und „Sandwich“. Man kann ihnen noch einen englisch ausgesprochenen und geschriebenen Plural geben: „die Crashes“ bzw. „die Sandwiches“. Sie können aber auch mit einem einfachen Plural-s auskommen, und zwar in der gesprochenen und der geschriebenen Sprache: „die Crashs“ bzw. „die Sandwichs“. Die aufeinandergelegten Brotscheiben mit Inhalt kann man sogar noch mehr eindeutschen und „die Sandwiche“ sagen und schreiben.

Ob es auch bei der Smartwatch je so weit kommen wird, dass man „Smartwatchs“ oder sogar „Smartwatche“ sagt und schreibt, wage ich insbesondere bei der Form mit Plural-e zu bezweifeln. Ausschließen will ich es aber keinesfalls, denn humorvoll gemeintes „die Smartwatsche[n]“ ist bestimmt schon hie und da vernommen worden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)

Ist der Anmeldeschluss ein oder einen Monat vor Kursbeginn?

Frage

Ich habe eine Frage bezüglich des richtigen Falles bei „sein“ mit einer Zeitangabe. Was ist richtig: „Der Anmeldeschluss ist spätestens ein Monat vor Kursbeginn“, weil „sein“ zum Nominativ zwingt, oder „Der Anmeldeschluss ist spätestens einen Monat vor Kursbeginn“, weil es eine Zeitangabe im Akkusativ ist?

Antwort

Guten Tag Frau K.,

hier sollten Sie den Akkusativ wählen, weil es sich um eine Zeitangabe handelt. Zeitangaben ohne Präposition stehen im Akkusativ:

Ich habe sie letzten Freitag gesehen.
Es hat den ganzen Tag geregnet.
Man kann sich frühestens einen Monat vorher anmelden.

Entsprechend auch:

Anmeldeschluss ist spätestens einen Monat vor Kursbeginn.
(Wann ist Anmeldeschluss? – spätestens einen Monat vor Kursbeginn)

Dass es eine Zeitangabe und kein Gleichsetzungsnominativ ist, zeigt sich auch, wenn man „einen Monat“ durch „zwei Monate“ ersetzt. Das Verb bleibt dann in der Einzahl:

Anmeldeschluss ist spätestens zwei Monate vor Kursbeginn.
(nicht: *Anmeldeschluss sind spätestens zwei Monate vor Kursbeginn.)

Hier „gewinnt“ also – zumindest in der Standardsprache** – der Akkusativ.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

**Regional- und umgangssprachlich kommt hier auch „ein Monat“ vor, wahrscheinlich vor allem dort, wo ein Baby „ein Monat alt“ statt wie standardsprachlich üblich „einen Monat alt“ sein kann.

Kommentare (2)

Der Genitiv substantivierter Adverbien: des Nirgendwos oder des Nirgendwo?

Frage

Ich habe neulich im Internet nach einer Regel recherchiert, die etwas darüber aussagt, ob substantivierte Adverbien dekliniert werden müssen oder nicht. […] In meinem Fall geht es um „das Nirgendwo“ und die Frage, ob es im Genitiv „des Nirgendwos“ heißen müsste. Ich habe mich dagegen entschieden, weil „des Nirgendwo“ mehr (hochwertige) Google-Treffer ergeben hat. […]

Antwort

Guten Tag Herr K.,

spontan würde ich sagen, dass beides möglich ist: „des Nirgendwo“ und „des Nirgendwos“. Da ich mich aber nicht nur auf das „Sprachgefühl“ verlassen möchte, habe ich auch ein bisschen recherchiert und bin zum gleichen Schluss gekommen wie Sie: Grammatiken und Wörterbücher lassen uns hier im Stich, das heißt, es gibt kaum Angaben dazu, wie man substantivierte Adverbien und Konjunktionen dekliniert.

Ein paar Ausnahmen gibt es: Nach Duden ist es zum Beispiel „des Wenns“, „des Aber/Abers“, „des Miteinander/Miteinanders“. Nach DWDS und PONS ist es jedoch nur „des Abers“. Zu den anderen Wörtern gibt es dort keine Angaben. Wenn man also überhaupt Angaben findet, sind sie widersprüchlich.

Es bleibt also nur noch, sich auf Korpora (große Textsammlungen wie zum Beispiel diese) und das „allwissende“ Google zu stützen. Vor allem bei Letzterem ist dabei große Vorsicht in Acht zu nehmen, denn nicht alles, was man findet, ist, was man wirklich sucht. So ergibt die Suche nach „des Abers“ viele Fundstellen im Netz, es geht dabei aber sehr häufig um das Pays des Abers, eine wahrscheinlich sehr schöne Landschaft in der französischen Bretagne. Ein guter Ferientipp, aber für unsere Zwecke nicht geeignet. Bei der Suche „des Oder“ findet man vor allem Verweise auf Textstellen wie „des oder der Vorsitzenden“. Auch das ist nicht, wonach wir suchen.

Die Suche in Wörterbüchern, in Korpora und im Internet hat trotzdem ziemlich „eindeutig“ ergeben, dass meistens beides vorkommt. Substantivierte Adverbien und Konjunktionen haben im Genitiv ein s oder sie sind endungslos:

des Miteinanders o. des Miteinander
des Warums o. des Warum
des Untens und des Obens o. des Unten und des Oben
des Abers o. des Aber
des Wenns o. des Wenn (entgegen der Dudenangabe häufig auch ohne s)
des Irgendwos o. des Irgendwo
des Nirgendwos o. des Nirgendwo

Je häufiger oder gebräuchlicher eine Substantivierung dieser Art ist, desto mehr wird sie zu einem „gewöhnlichen“ Wort und desto stärker scheint die Tendenz zu einem Genitiv mit s zu sein. So findet sich zum Beispiel für das nicht sehr gebräuchliche „das Warum“ im DWDS-Korpus häufiger „des Warum“ als „des Warums“. Umgekehrt kommt das als Substantivierung gut etablierte „das Durcheinander“ im Genitiv fast nur als „des Durcheinanders“ vor.

Eine feste Regel gibt es hier nicht (sie befindet sich sozusagen im Reich des Nirgendwo[s]). In diesen Fällen können Sie also wählen, was Ihnen besser zusagt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)

Welcher Fall steht nach „darunter“?

Frage

Verwendet man in diesem Satz nach „darunter“ den Nominativ oder den Dativ?

Das Land hat bisher die Mitgliedschaft an verschiedenen Organisationen, darunter die/der Asian Development Bank und die/der Welthandelsorganisation, erreichen können.

Antwort

Guten Tag Herr J.,

das Wort „darunter“ hat keinen Einfluss auf den Fall des folgenden Wortes oder der folgenden Wortgruppe. Der Fall wird also anders bestimmt. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten, die beide als korrekt gelten.

  1. Nominativ:

    Das Land hat bisher die Mitgliedschaft an verschiedenen internationalen Organisationen, darunter die Asian Development Bank und die Welthandelsorganisation, erreichen können.

    Hier steht „darunter“ am Anfang eines Auslassungssatzes, das heißt, es leitet einen unvollständigen Satz ein, der so lauten könnte:

    Das Land hat bisher die Mitgliedschaft an verschiedenen internationalen Organisationen, darunter [sind] die Asian Development Bank und die Welthandelsorganisation, erreichen können.

  2. Dativ:

    Das Land hat bisher die Mitgliedschaft an verschiedenen internationalen Organisationen, darunter der Asian Development Bank und der Welthandelsorganisation, erreichen können.

    Hier steht „darunter“ am Anfang einer Erläuterung oder Ergänzung, die die Satzkonstruktion weiterführt. Dabei wird die Präposition „an“ weggelassen:

    Das Land hat bisher die Mitgliedschaft an verschiedenen internationalen Organisationen, darunter [an] der Asian Development Bank und [an] der Welthandelsorganisation, erreichen können.

Und hier zur Verdeutlichung noch drei weitere Beispiele, bei denen nach „darunter“ jeweils a) ein Auslassungssatz und b) eine Weiterführung der Satzkonstruktion folgt:

  1. Wir haben auch viele Nachbarn, darunter Herr Mahler und sein Sohn, zu unserem Fest eingeladen.
    (darunter sind …)
  2. Wir haben auch viele Nachbarn, darunter Herrn Mahler und seinen Sohn, zu unserem Fest eingeladen.
    (darunter … eingeladen)
  1. Die Fahndung mit Streifenwagen, darunter auch mehrere Fahrzeuge aus benachbarten Bezirken, brachte keinen Erfolg.
    (darunter waren auch …)
  2. Die Fahndung mit Streifenwagen, darunter auch mehreren Fahrzeugen aus benachbarten Bezirken, brachte keinen Erfolg.
    (darunter auch mit …)
  1. Die Maßnahme soll dem Bedarf verschiedener Bereiche, darunter der öffentliche Dienst, ausgewogen gerecht werden.
    (darunter ist der …)
  2. Die Maßnahme soll dem Bedarf verschiedener Bereiche, darunter des öffentlichen Dienstes, ausgewogen gerecht werden.
    (darunter dem Bedarf des …)

Die Wahl zwischen a) und b) liegt jeweils bei Ihnen. Was Ihnen mehr zusagt oder als Erstes aus der Tastatur fließt, ist hier richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Sei es ein(en) oder ein(en) …?

Frage

Eine Frage zur Kongruenz: „Einen Fachmann sollten Sie aber in jedem Fall zu Rate ziehen, sei es ein Architekt oder ein Bauingenieur“. Oder muss es ebenfalls im Akkusativ heißen: „… sei es einen Architekten oder einen Bauingenieur“?

Antwort

Guten Tag Frau V.,

den Nominativ halte ich hier für die bessere Wahl:

Einen Fachmann sollten Sie aber in jedem Fall zu Rate ziehen, sei es ein Architekt oder ein Bauingenieur.

Der zweite Teilsatz kann so analysiert werden:

es = Subjekt
sei = Kopula (verbindendes Verb)
ein Architekt = Prädikativ zum Subjekt

Es [= was Sie suchen sollten] ist ein Architekt oder ein Bauingenieur.
Es sei ein Architekt oder Bauingenieur.
Sei es ein Architekt oder Bauingenieur.

Die Wortgruppe „ein Architekt oder Bauingenieur“ ist so gesehen nicht von „suchen“, sondern von „sein“ abhängig und steht deshalb im Nominativ.

Es gibt aber noch eine andere Interpretation: Man kann „sei es … oder …“ auch als eine Art Konjunktion wie „entweder … oder …“ verstehen. Dann wird die Konstruktion des ersten Satzes weitergeführt, das heißt, die Wortgruppe „einen Architekten oder einen Bauingenieur“ ist immer noch von „suchen“ abhängig und steht im Akkusativ:

Einen Fachmann sollten Sie aber in jedem Fall zu Rate ziehen, sei es einen Architekten oder einen Bauingenieur.

Einen Fachmann sollten Sie aber in jedem Fall zu Rate ziehen, entweder einen Architekten oder einen Bauingenieur.

Sie können hier m. M. n. also zwei verschiedene Fälle verwenden, sei es der/den Nominativ oder der/den Akkusativ.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Das Wörtchen „zwischen“ und die Fälle: „zwischen 40 und 50 Zentimeter[n]“

Frage

Zu folgendem Satz habe ich eine Frage:

In diesem Fall waren es zwischen 40 und 50 Zentimeter, was für kleine Pflanzen nicht ausreicht.

Ist „Zentimeter“ bzw. „40 Zentimeter“ und so weiter ein Prädikatsnomen o. Gleichsetzungsnominativ? Was ist in diesem Fall „zwischen“? […]

Antwort

Guten Tag Herr S.,

das Wörtchen „zwischen“ macht es uns nicht immer einfach. Die meisten Präpositionen stehen fest mit einem Kasus. So verlangt „mit“ den Dativ, steht „für“ mit dem Akkusativ und kann „während“ am besten mit dem Genitiv verwendet werden. Das ist oft schon kompliziert genug. Geduld und Durchhaltevermögen Deutschlernender werden weiter auf die Probe gestellt, wenn es um die sogenannten Wechselpräpositionen geht, die mit dem Akkusativ oder dem Dativ stehen können:

Die Lehrerin setzt sich zwischen die Kinder (wohin?)
Die Lehrerin sitzt zwischen den Kindern (wo?)

Dass die Unterscheidung zwischen „wohin = Akkusativ“ und „wo = Dativ“ nicht immer so einfach und eindeutig ist, wie sie klingt, merkt man in der Praxis meist schon beim dritten Beispiel.

Ich habe das Auto zwischen die Bäume geparkt (wohin?)
Ich habe das Auto zwischen den Bäumen geparkt (wo?)

der Unterschied zwischen einem Hotel und einer Pension (??)

Auch bei Zahlenangaben der Art „zwischen … und“, um die es in Ihrer Frage geht, hilft die „Regel“ überhaupt nicht weiter. Hier wird es sogar noch ein bisschen komplizierter, denn bei solchen Angaben hat „zwischen“ sehr häufig keinen Einfluss auf den Kasus des nachfolgenden Substantivs.

Wenn die Angabe „zwischen … und“ durch eine einfache Zahlenangabe ersetzt werden kann, steht nach „zwischen“ der gleiche Kasus wie bei der einfachen Zahlenangabe:

Sie registrieren täglich zwischen 80 und 100 neue Anmeldungen
wie: Sie registrieren täglich 100 neue Anmeldungen

Die Tests werden zwischen zwei und vier Jahre dauern
wie: Die Tests werden vier Jahre dauern

Für Kinder im Alter von zwischen acht und zehn Jahren
wie: Für Kinder im Alter von zehn Jahren

Mit zwischen 40 und 50 Zentimetern sind die Abstände zu klein
wie: Mit 40 Zentimetern sind die Abstände zu klein

Das sind zwischen 40 und 50 Zentimeter
wie: Das sind 50 Zentimeter

Im letzten Satz, Ihrem Beispiel, ist „zwischen 40 und 50 Zentimeter“ wie einfaches „50 Zentimeter“  ein Prädikativ zum Subjekt. Entsprechend steht „zwischen 40 und 50 Zentimeter“ im Nominativ.

In Formulierungen dieser Art kann man „zwischen“ als Adverb bezeichnen, da es hier nicht kasusbestimmend ist.

Um die ganze Sache noch etwas komplizierter zu machen, sei noch Folgendes erwähnt. Wenn die Formulierung mit „zwischen … und“ nicht durch eine einfache Angabe ersetzt werden kann, steht der Dativ. Dann muss man „zwischen“ also wieder als Präposition verstehen:

Dies betrifft vor allem Männer zwischen 45 und 55 Jahren
ein Spielplatz für Kinder zwischen 3 und 12 Jahren

Wie ganz am Anfang gesagt: Das Wörtchen „zwischen“ macht es uns nicht einfach!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Siehe auch hier.

Kommentare