Der Liter Benzin kostet einen Euro und zwanzig Cent.

Frage

Im Radio hörte ich vor kurzem Folgendes: „Der Liter Benzin kostet heute einen Euro und 20 Cent.“ Meine Frage dazu: Heißt es wirklich kostet EINEN Euro, oder ist kostet EIN Euro richtig? Ich tendiere zu Letzterem, aber mein Bekannter ist der festen Meinung, das Radio habe richtig gesprochen. Was sagen Sie?

Antwort

Sehr geehrter Herr W.,

in der Standardsprache verlangt das Verb kosten den Akkusativ. Etwas kostet einen Euro, einen Euro und zwanzig Cent, einen Euro dreißig, einen Franken sechzig Rappen, einen Dollar, einen Rubel und fünfzig Kopeken usw. Ihr Bekannter und die Radiostimme haben also recht.

Eher umgangssprachlich gibt es noch eine andere Variante: „Der Liter Bezin kostet heute eins zwanzig.“ Das geht aber nur, wenn nach eins ein Centbetrag (in der Schweiz ein Rappenbetrag) folgt und die Währungseinheit nicht genannt wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Zum Verb kosten gab es schon einmal einen Blogeintrag.

Ein solcher guter, solch ein guter, ein solch guter

Nachdem ich kürzlich darauf hinweisen konnte, dass einem das Wort jeder manchmal eine recht große Freiheit lässt, folgen ein paar Hinweise zu einem anderen Wort, das noch „flexibler“ ist: solcher.

Frage

Heißt es:

Einen solchen guten Freund hätte ich auch gerne.
Einen solch guten Freund hätte ich auch gerne.
Solch einen guten Freund hätte ich auch gerne.
Einen so guten Freund hätte ich auch gerne.

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

alle Sätze sind korrekt. Es gibt aber kleine Bedeutungsunterschiede. Bei „zählbaren“ Substantiven verwendet man solch- meistens mit dem unbestimmten Artikel ein. Er kann dann vor dem gebeugten solch- oder nach der ungebeugten Form solch stehen:

einen solchen guten Freund
solch einen guten Freund

Es gibt hier keinen wirklichen Bedeutungsunterschied. In beiden Fällen ist einen guten Freund wie diesen gemeint. Dann gibt es noch die Möglichkeit, die ungebeugte Form direkt vor einem Adjektiv zu verwenden:

einen solch guten Freund

Und hier kommt dann der kleine Bedeutungsunterschied zum Zug. Diese Formulierung bedeutet nämlich: einen derart/so guten Freund. Wenn man die vier Wendungen in Ihrer Frage nimmt, gibt es also diese Entsprechungen:

ein solcher guter Freund = solch ein guter Freund
und
ein solch guter Freund = ein so guter Freund

Das ist aber noch nicht alles. Bei nicht zählbaren Substantiven gibt es sogar noch die Möglichkeit, den Artikel wegzulassen:

solche große Freude = eine solche große Freude = solch eine große Freude
und
solch große Freude = eine solch große Freude = [eine] so große Freude

Diese Angaben finden Sie auch auf dieser Grammatikseite. Zum Glück hilft einem auch hier meistens das Sprachgefühl, denn sonst könnte man bei solcher/solch einer/einer solchen Variantenvielfalt ganz unsicher werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Patienten jedes/jeden/eines jeden Alters?

Frage

Ich bin mir bei der folgenden Formulierung nicht sicher: Heißt es Patienten jeden Alters können davon profitieren oder Patienten jedes Alters oder Patienten eines jeden Alters?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

es mag vielleicht erstaunen, aber das Deutsche lässt uns hier wieder einmal eine unerwartet große Freiheit. Alle Formulierungen sind korrekt:

Patienten jedes Alters
Patienten jeden Alters
Patienten eines jeden Alters

Im Genitiv kann nämlich statt jedes auch jeden verwendet werden, wenn das nachfolgende Nomen eine eindeutige Genitivform mit der Endung s oder es hat.

der Traum jedes oder jeden Kindes
der Auschluss jedes oder jeden Risikos

Aber nur:

im Leben jedes Menschen

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

Neben jeder wird auch die Wendung ein jeder verwendet. Sie gehört eher zum gehobenen Sprachgebrauch. Im Genitiv wird nach eines nur die Form jeden verwendet:

der Traum eines jeden Kindes
der Ausschluss eines jeden Risikos
im Leben eines jeden Menschen

Wenn Sie noch mehr zu jeder wissen möchten, klicken Sie einfach hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Des Kanton Zürichs, des Bezirk Rostocks, des Land Kärntens: immer dieser Genitiv!

Frage

Was ist richtig: des Kantons Zürich oder des Kanton Zürichs? Im Internet finde ich beide Schreibweisen – oft sogar im gleichen Dokument.

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

richtig ist des Kantons Zürich. Der sogenannte Kern der Wortgruppe ist hier Kanton. Zürich ist eine genauere Bestimmung (hier: Apposition), die hinter diesem Kern steht. Bei dieser Art geographischer Bezeichnungen wird nur der Kern der Wortgruppe gebeugt:

der Kanton Zürich – des Kantons Zürich

Andere Beispiele:

der Stadtteil St. Pauli  –  des Stadtteils St. Pauli (nicht: des Stadtteil St. Paulis)
der Weiler Heuberg  –  des Weilers Heuberg (nicht: des Weiler Heubergs)
der Bezirk Rostock  –  des Bezirks Rostock (nicht: des Bezirk Rostocks)
das Land Kärnten  –  des Landes Kärnten (nicht: des Land Kärntens)
die Stadt New York  – der Stadt New York (nicht: der Stadt New Yorks)

Sehen Sie hierzu auch diese Grammatikangaben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Am Montag, dem/den 12. Januar 2009

Hier wieder einmal ein Anwärter auf einen Platz ganz oben in der Liste der meistgestellten Fragen:

Frage

Ich habe eine grammatikalische Frage zu einer Einladung. Heißt es: am Montag, dem 12. Januar 2009 oder am Montag, den 12. Januar 2009?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

beide Formulierungen sind möglich und gebräuchlich:

am Montag, dem 12. Januar 2009
am Montag, den 12. Januar 2009

Wenn das Datum nach dem Wochentag genannt wird, steht es meistens im gleichen Fall wie der Wochentag:

Heute ist Montag, der 12. Januar 2009.
Die Sitzung ist für den Montag, den 12. Januar(,) geplant.
Basel, Montag, den 12. Januar
am Abend des Montags, des 12. Januars

Im Dativ (nach am) wird die Datumsangabe aber oft auch im Akkusativ verwendet:

Die Sitzung findet am Montag, dem 12. Januar(,) statt. oder
Die Sitzung findet am Montag, den 12. Januar(,) statt.

Die Formulierung mit den wird nicht von allen als stilistisch gut akzeptiert. Diese Meinung teile ich nicht, aber es gilt wie so oft: Wenn Sie ganz sicher sein wollen, dass niemand etwas an Ihrer Formulierung auszusetzen hat, verwenden Sie am besten am Montag, dem …

Hier noch ein Verweis auf die Grammatik und die Kommaregeln.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Am Ende dieses Jahres

Passend zum näherrückenden Jahresende und als Vorbereitung auf den Jahresbeginn ein weiterer Dauerbrenner bei den Anfragen:

Frage

Heißt es zu Beginn dieses Jahres oder zu Beginn diesen Jahres?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

auch wenn man es sehr häufig anders hört und liest, gilt im Standarddeutschen nur die folgende Form als korrekt:

zu Beginn dieses Jahres

Die sächliche Genitivform der Einzahl von dies… lautet immer dieses. Vergleichen Sie hierzu:

am Ende dieses Schreibens
die Eltern dieses Kindes
die Bewältigung dieses Problems

Die Formulierung zu Beginn diesen Jahres wird wahrscheinlich in Analogie mit zu Beginn nächsten Jahres, zu Beginn jeden Jahres u. Ä. gebildet, aber im Standardeutschen gilt sie (vorläufig noch?) als nicht korrekt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die Beugung der Bartagame

Frage

Wie dekliniert man Bartagame?

Antwort

Guten Tag M.,

die Bartagame gehört zur -/en-Klasse. Das Wort wird demnach wie folgt gebeugt:

Einzahl Mehrzahl
Nominativ die Bartagame die Bartagamen
Akkusativ die Bartagame die Bartagamen
Dativ der Bartagame den Bartagamen
Genitiv der Bartagame der Bartagamen

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nachtrag für die zoologisch etwas weniger gut bewanderte Leserschaft

Ich habe es auch nachschlagen müssen: Bartagamen sind eine Art von Agamen, die als Schuppenechsen zu den Reptilien gehören. Warum erwähne ich das? Weil ich Ihnen die wunderschönen Namen anderer Agamenarten, auf die ich gestoßen bin, nicht vorenthalten möchte. Hier ein paar Beispiele:

die Schönechse
die Segelechse
die Krötenkopfagame
der Nackenstachler
der Flugdrache
der Dornteufel

Hiermit lässt sich schon ein halber Fantasyroman füllen; und bei einer Verfilmung dieses Romans hätte die Bartagame mit ihrem Aussehen bestimmt Aussicht auf eine tragende Rolle:

bartagame

Weiter Kandidaten für Haupt- und Nebenrollen in diesem literarischen und filmischen Meisterwerk finden Sie hier.

Die aktuellsten Nachrichten

Wieder einmal zu einem „Dauerbrenner im Grammatikland“:

Frage

Nach Zwiebelfisch [= Kolumnist Bastian Sick] „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ kann man optimal und aktuell nicht steigern. Wenn etwas aktuell ist, dann ist das andere eben nicht aktuell. Auf Canoonet werden diese Wörter aber mit Steigerungsformen angegeben. Wer liegt hier richtig?

Antwort

Sehr geehrte Frau F.,

wenn man die wörtliche Definition solcher „absoluter“ Adjektive nimmt, hat Herr Sick natürlich recht. Wenn etwas aktuell ist, dann kann etwas anderes nur ebenfalls aktuell oder nicht (mehr) aktuell sein. Das Optimale ist das Bestmögliche, besser geht also nicht mehr. Und absolut bedeutet ja, dass es darüber hinaus nichts mehr geben kann. Steigerungsformen sind also bei der wörtlichen Bedeutung solcher Adjektive nicht möglich.

Das ist aber ein wenig flexible und sehr einengende Sicht auf die Möglichkeiten der Sprache. Nehmen wir zum Beispiel aktuell: Wenn die aktuellen Nachrichten der ARD eine halbe Stunde älter sind als die aktuellen Nachrichten des ZDF, darf ich dann nicht sagen, dass die Nachrichten des ZDF aktueller sind als diejenigen der ARD? Und wenn die Nachrichten von SAT und RTL usw. noch älter sind, hat dann das ZDF in diesem Moment nicht die aktuellsten Nachrichten? Nach der strengen, wörtlichen Auslegung der Bedeutung von aktuell stimmt das vielleicht nicht: Nur das ZDF hat aktuelle Nachrichten, alle anderen nicht mehr, obwohl sie behaupten, dass Sie aktuellen Nachrichten hätten. Ich glaube aber nicht, dass – außer strengen Grammatikern und deren Anhänger –  jemand hier einen Fehler entdecken kann. Die Steigerungsformen aktueller und aktuellste drücken hier genau aus, was gemeint ist, nämlich dass alle Fernsehstationen aktuelle Meldungen haben und dass diejenigen des ZDF die neuesten oder eben die aktuellsten sind.

Im Allgemeinen gilt, dass man absolute Adjektive auch in einem übertragenen Sinne oder bewusst übertreibend verwenden kann – und wie ich finde auch darf. Wenn es neben beste auch allerbeste gibt, weshalb darf es dann neben optimal im verstärkenden oder übertreibenden Sinne nicht auch optimalste geben? Diese Steigerungsform verdient zugegebenermaßen meistens nicht den Schönheitspreis, aber sie ist nach der Grammatik des Deutschen möglich, weil das Deutsche die bewusste Übertreibung und die Verstärkung des Superlativs (z.B. allerbeste) kennt und zulässt. Die Frage lautet meistens nicht, ob solche Steigerungsformen korrekt sind, sondern vielmehr, ob man sie stilistisch schön, gut oder akzeptabel findet. Man sollte also ihren Gebrauch nicht, wie Herr Sick es tut, von vornherein verurteilen.

Das schönste Beispiel einer solchen Übertreibung habe ich einmal von einer englischsprachigen Linguistin gelesen, an deren Namen ich mich leider nicht erinnere. Sie schrieb sinngemäß das Folgende:

Wer einmal im neunten Monat mit Drillingen schwanger war, wird nie mehr behaupten, dass eine Frau nicht schwangerer sein kann als eine andere.

Ganz so weit würde ich nicht gehen, aber das Beispiel zeigt, dass Wörter nicht nur im engen Käfig ihrer wörtlichen Definition benutzt werden, sondern auch in vielen anderen Kontexten und Bedeutungen.

Sehen Sie hierzu auch einen früheren Blogeintrag und diese Grammatikseite zu den absoluten Adjektiven.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wegen jedes?

Frage

Wie drückt man das umgangssprachliche wegen jedem standardsprachlich aus, wenn jedem als Stellvertreter eines Nomens steht? Die Formulierung wegen jedes klingt so sehr aufgesetzt und unnatürlich, obwohl es stimmen müsste. Bei wegen jedes Einzelnen ist das schon wieder ganz anders.

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

wenn Sie den Dativ nach wegen vermeiden und den von bestimmt niemandem kritisierten Genitiv verwenden wollen, haben Sie mit dem Pronomen jeder tatsächlich ein Problem. Die Genitivform jedes kann nämlich aus mir übrigens völlig unerklärlichen Gründen nicht alleine stehen. Man kann also nicht sagen:

nach der Meinung jedes

In diesem Fall muss man auf andere Formulierungen ausweichen. Zum Beispiel:

nach der Meinung eines jeden
nach der Meinung aller

Die Formulierung wegen jedes klingt also deshalb so unnatürlich, weil sie nicht richtig ist. Man muss das aber eigentlich umgekehrt ausdrücken: wegen jedes ist nicht richtig, weil es so unnatürlich klingt. Wie dem auch sei, Sie sollten hier wegen eines jeden oder wegen jedes Einzelnen verwenden oder den Satz ganz umformulieren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Mehr Informationen zum Pronomen jeder/jede/jedes finden Sie hier und hier.

Entsprechend dem Urteil oder des Urteils?

Ein Dauerbrenner in der Fragerubrik: Genitiv oder Dativ?

Frage

Ich streite seit geraumer Zeit mit Freunden darüber, was richtig ist:

entsprechend dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts …
entsprechend des Urteils des Bundesverfassungsgerichts …

Antwort

Sehr geehrte Frau A.,

standardsprachlich richtig ist:

entsprechend dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts …

Das Gleiche gilt für:

außer einem kleinen Beitrag
entgegen meinem ausdrücklichen Wunsch
entsprechend deinem Vorschlag
fern allem Zynismus
gegenüber dem Restaurant
gemäß diesem Urteil
nahe dem Zentrum
samt allem Inhalt
vis-à-vis dem Restaurant

All diese Präpositionen werden häufig mit dem Genitiv verwendet, obwohl sie standardsprachlich mit dem Dativ stehen müssten. Dann gibt es auch noch Präpositionen, die sowohl mit Genitiv als auch mit dem Dativ verwendet werden können:

binnen einem Monat/eines Monats
dank deinem Einsatz/deines Einsatzes
laut einem Pressebericht/eines Presseberichtes

Auch hier wird man aber hin und wieder von wohlmeinenden Mitmenschen korrigiert, wenn man die Dativvariante wählt.

Man hört zwar seit einiger Zeit oft, dass „der Dativ dem Genitiv sein Tod“ sei, aber wenn man es allzu ernst nimmt, kann sich diese „Warnung“ ins Gegenteil verkehren. Es gibt nun einmal auch Präpositionen, die mit dem Dativ stehen müssen oder können – sogar solche, die wie der Genitiv so richtig schön gehoben klingen. Eine Liste der Präpositionen mit Dativ finden sie hier.

Man sieht: Ähnlich dem Genitiv hat es der Dativ manchmal schwer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp