Am Beispiel Nigeria, Nigerias oder von Nigeria?

Frage

Welche der folgenden drei Varianten empfehlen Sie? Sind alle korrekt?

Der Text gibt den Schülern am Beispiel Nigeria einen Einblick in …
Der Text gibt den Schülern am Beispiel Nigerias einen Einblick in …
Der Text gibt den Schülern am Beispiel von Nigeria einen Einblick in …

Antwort

Guten Tag Herr T.,

die Formulierungen sind alle korrekt:

a) am Beispiel Nigeria
b) am Beispiel Nigerias
c) am Beispiel von Nigeria

Diese Variantenvielfalt ist darauf zurückzuführen, dass „Nigeria“ und „Beispiel“ hier in unterschiedlichen Verhältnissen zueinander stehen können.

In a) ist „Nigeria“ eine enge Apposition zu „Beispiel“. Weitere Beispiele für enge Appositionen sind:

mein Onkel Anton, die Opernsängerin Cecilia Bartoli, die Stadt Frankfurt, der Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“, das Thema Rechtschreibung, das Beispiel Österreich, am Beispiel Schweiz

In b) ist „Nigeria“ ein Genitivattribut zu „Beispiel“. Weitere Beispiele:

der Garten meines Onkels, Cecilia Bartolis Erfolge, der Bürgermeister Frankfurts, das Thema der Rechtschreibung, das Beispiel Österreichs, am Beispiel der Schweiz

In c) steht „Nigeria“ in einer von-Gruppe, die statt des Genitivattributs verwendet wird. Der Ersatz des Genitivattributs durch eine von-Gruppe ist hier (bei einem Eigennamen ohne Artikel) auch standardsprachlich akzeptiert. Weitere Beispiele:

der Garten von Onkel Anton, die Basis von Cecilia Bartolis Erfolgen, im Zentrum von Frankfurt, das Thema von Márquez’ „Hundert Jahre Einsamkeit“, das Beispiel von Österreich [standardsprachlich nicht: am Beispiel von der Schweiz]

Ich halte keine der drei Varianten für besser als die anderen. Wer unter der Leserschaft Genitiv-Fans vermutet und diesen entgegenkommen will, wählt b) „am Beispiel Nigerias“. Ansonsten nehmen Sie, was Ihnen jeweils am besten zusagt oder zuerst aus der Tastatur fließt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Eine ähnliche Frage gab es kürzlich schon einmal im Blog; siehe hier.

Kommentare

Eine Art großes Fragezeichen, eine Art von großem Fragezeichen oder eine Art großen Fragezeichens?

Frage

Was ist korrekt, bitte?

Wird hier Isaak zu einer Art jüdischem Erlöser?
Wird hier Isaak zu einer Art jüdischer Erlöser?
Wird hier Isaak zu einer Art jüdischen Erlösers?

Ihre Auskunft wäre sehr hilfreich für mich.

Antwort

Die Frage kann tatsächlich zu Zweifeln führen. Es gibt nach „eine Art“ nämlich nicht nur eine, sondern bis zu drei Möglichkeiten, eine Substantivgruppe anzuschließen:

a) eine Art + Apposition mit Kasusangleichung

Das Substantiv steht im gleichen Fall wie „Art“:

Nominativ und Akkusativ
eine Art Kuchen
eine Art Verwicklungen
eine Art süßer Kuchen
eine Art politische Verwicklungen
Dativ
mit einer Art Kuchen
mit einer Art Verwicklungen
mit einer Art süßem Kuchen
mit einer Art politischen Verwicklungen
Genitiv
das Rezept einer Art süßen Kuchens
das Opfer einer Art politischer Verwicklungen

b) eine Art + von …

Auch standardsprachlich immer möglich:

Nominativ und Akkusativ
eine Art von (süßem) Kuchen
eine Art von (politischen) Verwicklungen
Dativ
mit einer Art von (süßem) Kuchen
mit einer Art von (politischen) Verwicklungen
Genitiv
das Rezept einer Art von (süßem) Kuchen
das Opfer einer Art von (politischen) Verwicklungen

c) eine Art + Genitiv

Das Substantiv steht im Genitiv:

Nominativ und Akkusativ
eine Art süßen Kuchens (selten)
eine Art politischer Verwicklungen
Dativ
mit einer Art süßen Kuchens (selten)
mit einer Art politischer Verwicklungen
Genitiv
das Rezept einer Art süßen Kuchens
das Opfer einer Art politischer Verwicklungen

Diese Formulierung kommt nur selten vor und klingt gehoben, wenn eine Substantivgruppe im Singular steht. Sie kommt gar nicht vor, wenn das Substantiv allein steht. Man weicht dann in der Regel auf eine der beiden anderen Formulierungen aus:

nicht c)
*eine Art Kuchens
mit *einer Art Kuchens
das Rezept *einer Art Kuchens
sondern a) oder b)
eine Art Kuchen / eine Art von Kuchen
mit einer Art Kuchen / mit einer Art von Kuchen
– / das Rezept einer Art von Kuchen


So viel zu dem, was alles möglich ist. Was bedeutet dies für Ihr Beispiel? – Es gibt die oben genannten drei Möglichkeiten:

a) Wird hier Isaak zu einer Art jüdischem Erlöser?
b) Wird hier Isaak zu einer Art von jüdischem Erlöser?
c) Wird hier Isaak zu einer Art jüdischen Erlösers? (selten, gehoben)

Die Präposition „zu“ verlangt oben den Dativ „einer Art“. Ohne „zu“ steht „eine Art“ im Nominativ:

a) Wird hier Isaak eine Art jüdischer Erlöser?
b) Wird hier Isaak eine Art von jüdischem Erlöser?
c) Wird hier Isaak eine Art jüdischen Erlösers? (selten, gehoben)

Bei so vielen Möglichkeiten können die Formen schon einmal durcheinandergeraten, so dass man gar nicht mehr weiß, was eigentlich richtig ist. Dann hilft nur: sich zurücklehnen, dreimal tief durchatmen, die Textstelle überspringen und es später noch einmal versuchen – und wenn Sie dann immer noch eine Art großes Fragezeichen oder eine Art von großem Fragezeichen vor sich haben, einfach „Fragen Sie Dr. Bopp!“ konsultieren.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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