3-G-Regel oder 3G-Regel: Wie viele Bindestriche hat die Regel mit den drei G?

Frage

Ist die Schreibung „2G-Regel“ und „3G-Regel“ richtig, oder sollte/muss es korrekt heißen „2‑G‑Regel“, „3‑G‑Regel“?

Antwort

Guten Tag Frau W.,

im Prinzip ist die korrekte Schreibung 2‑G‑Regel und 3‑G‑Regel. Es geht um die Regel mit den zwei bzw. drei G (geimpft, genesen, getestet), also um eine Zusammensetzung mit einer Ziffer und einem Einzelbuchstaben. Verbindungen mit Ziffern, Einzelbuchstaben und Abkürzungen werden gemäß § 40 bzw. § 44 der amtlichen Rechtschreibregelung mit Bindestrichen geschrieben (zum Beispiel 100‑m‑Lauf, 2‑kg‑Büchse).

Im allgemeinen Schreibgebrauch ist allerdings vor allem die Schreibung 2G‑Regel bzw. 3G‑Regel üblich. Man kann sie als „fachsprachlich“ akzeptieren und ich würde sie deshalb nicht als grundsätzlich falsch bezeichnen:

3-G-Regel / 3G-Regel

Auch bei den folgenden Beispielen hat sich mehr und mehr die Schreibung ohne den ersten Bindestrich eingebürgert:

3-D-Drucker / 3D-Drucker
5-G-Mobilfunk / 5G-Mobilfunk
G-8-Staaten / G8-Staaten

Ob man sie mit einem oder zwei Bindestrichen schreibt, ist nicht so wichtig. Weit wichtiger ist, dass (die Diskussion um) die Regel mit den zwei oder drei G möglichst bald der Vergangenheit angehört.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Getrennt oder zusammen: weit weg stehen oder weit wegstehen?

Frage

Nachfolgend ein Satz aus einer Autozeitschrift:

Über die Preisvorstellungen lässt sich gut unterhandeln, zumal Alternativen beim heutigen großen Angebot an Gebrauchtwagen selten weit weg stehen.

Wird das Verb „stehen“ vom Adverb „weg“ getrennt geschrieben, dem wiederum ein Adjektiv (hier: „weit“) vorangeht, oder muss hier die Zusammenschreibung erfolgen?

Antwort

Guten Tag Herr B.,

es gibt hier einen Unterschied zwischen der Standardsprache und der Umgangssprache. Das Verb wegstehen ist eher umgangssprachlich und hat die Bedeutung abstehen:

Haare, die auf allen Seiten vom Kopf wegstehen

ein Haus, das weit von der Straße wegsteht
weit von der Straße wegstehen

Wenn entfernt sein gemeint ist, formuliert man standardsprachlich eher so:

ein Haus, das weit weg von der Straße steht
weit weg von der Straße stehen

Vgl.

das Auto weit weg vom Zentrum parken
weit weg vom Dorf wohnen

Beim Satz, den Sie zitieren, kann nicht entschieden werden, ob gemeint ist, dass die Alternativen standardsprachlich

weit weg [vom vorliegenden Angebot] stehen

oder eher umgangssprachlich

weit [vom vorliegenden Angebot] wegstehen.

Wenn Sie von einer standardsprachlichen Formulierung ausgehen, ist die Getrenntschreibung weit weg stehen richtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Zusammengeschrieben oder nicht: Rumverschnitt oder Rum Verschnitt?

Frage

Vor einigen Tagen haben wir in unserem Freundeskreis über die korrekte Schreibung von „Rum Verschnitt“ bzw. „Rumverschnitt“ gesprochen. Es herrschte eine Unsicherheit, denn die Motiviertheit zur getrennten Schreibung beider Lexeme äußerte sich bei manchen u. a. bei der Betonung. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Determinativkomposita wurde die 2. Komponente genauso stark oder noch stärker betont. Dies würde darauf hindeuten, dass es sich hier um eine Aneinanderreihung handelt. […] Auch die Bedeutung lässt mehrere Interpretationen zu. Wie würden Sie sich dazu positionieren?

Antwort

Guten Tag Herr S.,

weder bei der Betonung noch bei der Bedeutung und auch nicht bei der Beugung spricht etwas gegen die Zusammenschreibung Rumverschnitt. Hier ein paar Worte zu den einzelnen Aspekten:

• Betonung: In Zusammensetzungen liegt die Hauptbetonung bei „neutraler“ Aussprache auf dem ersten Element (Tíschbein, Rásenmäher, Kúndendienst, Verkéhrsverbund). Das gilt auch bei der normalen Aussprache von Rumverschnitt. Es wird gleich betont wie zum Beispiel Rumgemisch oder Rumfabrik. Man kann anders betonen, wenn der zweite Teil besonders hervorgehoben werden soll, aber normalerweise ist es Rúmverschnitt.

• Bedeutung: In sogenannten Determinativkomposita bestimmt das erste Glied der Zusammensetzung das zweite Glied näher (Tischbein = Bein eines Tisches, Rasenmäher = Mäher für Rasen, Verkehrsverbund = Verbund im Verkehrsbereich). Ein Rumverschnitt ist ein Verschnitt (eine Mischung verschiedener Alkohole), bei dem Rum beteiligt ist und der wie Rum schmeckt oder schmecken soll. Der erste Teil der Zusammensetzung (Rum) gibt genauer an, um was für einen zweiten Teil (Verschnitt) es sich handelt. Ähnlich wird eine Mischung von Wein verschiedener Sorten, Jahrgänge oder Lagen u. a. Weinverschnitt genannt.

• Beugung: Auch die Wortbeugung zeigt, dass es sich um ein „gewöhnliches“ Kompositum handelt, bei dem nicht nur ein Teil, sondern die ganze Zusammensetzung gebeugt wird (die Tischbeine, des Rasenmähers, die Kundendienste). Der Genitiv Singular von Rumverschnitt ist des Rumverschnitts, nicht des Rums Verschnitt. Der Plural ist nicht die Rums Verschnitt oder die Rum Verschnitt, sondern die Rumverschnitte.

Substantivverbindungen, bei denen das Bestimmungswort nachgestellt ist, kommen im Deutschen nur selten vor, hauptsächlich bei Eigennamen und Ähnlichem. Sie werden in der Regel getrennt geschrieben, zum Beispiel: Bahnhof Tíérgarten – des Bahnhofs Tiergarten; der Whiskey Cóla – zwei Wiskey(s) Cola.

Wie bei allen Komposita ist bei Rumverschnitt im Prinzip auch die Schreibung mit „verdeutlichendem“ Bindestrich möglich: Rum-Verschnitt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Zum Unterschied zwischen einer Superidee und einer super Idee

Frage

Ich möchte mich mit einer Frage zur deutschen Sprache an Sie wenden. Und zwar geht es um die Verschriftlichung von Formulierungen, die man vorwiegend in der Umgangssprache antrifft. […] Kürzlich las ich folgenden Dialog, der das Problem, auf das ich hinauswill, aufzeigt:

»Ich schlafe eigentlich immer gut, ich habe nämlich ein super Bett!«
»Du Glückliche! Vielleicht schlafe ich deshalb häufig nicht gut, weil ich kein Superbett habe.«

Sie ahnen es vielleicht schon – es geht um die beiden verschiedenen Schreibweisen von „super Bett“ versus „Superbett“. Mir ist nicht klar, wieso hier überhaupt verschiedene Schreibweisen gewählt wurden – vielleicht einfach eine versehentliche Inkonsistenz? Aber wenn man sich für eine Variante entscheiden müsste, welche wäre die richtige? Ich will im Folgenden einige weitere Beispiele anführen, um die Frage noch besser zu veranschaulichen:

Ich habe eine super Idee!
Ich habe eine Superidee!
Du hast ein klasse Resultat erzielt!
Du hast ein Klasseresultat erzielt!
Das war eine mega Party.
Das war eine Megaparty.
Das ist ein riesen Problem.
Das ist ein Riesenproblem.

Welche Schreibvariante ist die korrekte? Oder hat man freie Wahl? Und falls ja: Gibt es Bedeutungsunterschiede zwischen den Schreibweisen? Und auf welche Rechtschreibregel(n) lässt sich die Entscheidung für die eine oder andere Schreibung zurückführen? […]

Antwort

Guten Tag Frau K.,

bei der Wiedergabe von umgangssprachlichen Äußerungen dieser Art ist vor allem die Betonung wichtig:

Das ist eine Súperidee
Das ist eine super Idéé

ein Súperbett
ein super Bétt

Das Affix „Super-“ trägt die Hauptbetonung in der Verbindung und wird mit dem Substantiv zusammengeschrieben. Wenn „super“ bei neutraler Aussprache nicht die Hauptbetonung trägt, wird es als unveränderliches Adjektiv angesehen und klein und vom Substantiv getrennt geschrieben. Vgl. Unterschied bei Betonung und Schreibung in:

ein Rósenstrauß
ein rosa Stráúß

Es gibt vielleicht einen leichten Bedeutungsunterschied zwischen „Super-“ und „super“: Ein super Bett ist ein großartiges Bett, ein Superbett ist ein Bett das qualitativ oder in anderem Sinne weit über einem normalen Bett steht. Ein super Mann und eine super Frau sind nicht gleich Superman und Superwomen, aber es wäre schwierig oder unmöglich, immer eine genaue Bedeutungsgrenze zwischen „Super-“ und „super“ anzugeben. So gibt es zum Beispiel außer der Betonung kaum einen Unterschied zwischen einer „Superidee” und „super Idee”.

Die Unterscheidung zwischen dem dem Affix „Super-“ und dem unveränderlichen Adjektiv „super“ ist schon so weit eingebürgert, dass sie auch in der Verschriftlichung in dieser Weise üblich geworden ist. Bei anderen Affixen, die umgangssprachlich als unveränderliche Adjektive verwendet werden, ist die Getrenntschreibung gemäß den Wörterbüchern (noch) nicht überall vorgesehen. Sie sollte aber bestimmt in Erwägung gezogen werden, wenn wirkliche Umgangssprache schriftlich wiedergegeben wird.

Es gibt manchmal – also nicht immer – einen mehr oder weniger großen Bedeutungsunterschied zwischen dem betonten Affix (resp. Erstelement einer Komposition) und dem weniger betonten unveränderlichen Adjektiv. Hier einige Beispiele:

ein Klásseresultat
ein klasse Resultát

Kein Bedeutungsunterschied Klasse-/klasse [?]

eine Mégaparty (eine sehr große Party)
eine mega Párty (eine großartige Party)

Bedeutungsunterschied: Mega- = sehr groß / mega = großartig

ein Ríésenproblem
ein riesen Problém

Kein Bedeutungsunterschied Riesen-/riesen

diese Schéíßwurst
diese scheiß Wúrst

Kein Bedeutungsunterschied Scheiß-/scheiß, außer wenn mit Scheiß- nicht schlecht, miserabel, sondern Kot- gemeint ist. Was gemeint ist, ergibt sich dabei in der Regel deutlich aus dem Kontext.

mit extra Käse (mit zusätzlichem Käse)
mit Extrakäse (mit Käse der besonderen Klasse o. Ä.)

Bedeutungsunterschied: Extra- = Sonder- o. zusätzlich / extra = zusätzlich

Die getrennt geschriebenen und entsprechend betonten gesprochenen Varianten gehören der Umgangssprache an. In der Standardsprache kommen die getrennt geschriebenen Varianten also nicht vor. Auch die meisten der oben zusammengeschriebenen Varianten gehören nur der Umgangssprache an. In formellen standardsprachlichen Texten stellt sich das hier behandelte Problem somit kaum – aber man sollte ja auch Umgangssprachliches aufschreiben können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Zu dieser Frage gibt es auch einen schon ziemlich alten Blogartikel.

Faradaykäfig, Pfizervakzin, Matthäuspassion und Gangesdelta – oder doch mit Bindestrich?

Bei der Schreibung von Zusammensetzungen, die einen Eigennamen enthalten, tun sich manche manchmal schwer. Sie ist immer wieder Thema Ihrer Fragen. Dabei ist es gar nicht so kompliziert: Eigennamen werden in Zusammensetzungen gleich behandelt wie „gewöhnliche“ Substantive – außer dass man großzügiger mit Bindestrichen umgehen kann.

Frage

Beim Korrekturlesen […] habe ich bei einigen zusammengesetzten Begriffen Zweifel. Es ist doch zulässig, „Faraday-Käfig“ und „Boltzmann-Konstante“ zu schreiben? Wenn der Bindestrich auch zulässig ist, frage ich Sie, ob es davon Ausnahmen gibt, also ob der Bindestrich irgendwann wegfällt. Schreibt man „Stirlingmotor“ oder „Stirling-Motor“, „Hallsonde“ oder „Hall-Sonde“, „Lorentzkraft“ oder „Lorentz-Kraft“?

Antwort

Guten Tag Frau E.,

bei Zusammensetzungen mit einem einfachen Eigennamen an erster Stelle kann immer zusammen- oder mit Bindestrich geschrieben werden:

Faradaykäfig / Faraday-Käfig
Boltzmannkonstante / Boltzmann-Konstante
Stirlingmotor / Stirling-Motor
Hallsonde / Hall-Sonde
Lorentzkraft / Lorentz-Kraft
Pfizervakzin / Pfizer-Vakzin
Matthäuspassion / Matthäus-Passion
Pyrenäenhalbinsel / Pyrenäen-Halbinsel
Gangesdelta / Ganges-Delta

Was üblich oder üblicher ist, hängt zum Teil von der jeweiligen Fachsprache ab. Richtig ist immer beides. Siehe auch § 51 der amtlichen Rechtschreibregelung. Dort wird gesagt, dass in Fällen wie diesen ein Bindestrich gesetzt werden kann.

Das Gesagte gilt auch, wenn die Zusammensetzung ein Adjektiv ist. Zu beachten ist nur, dass der Eigenname bei Zusammenschreibung einen kleinen Anfangsbuchstaben erhält:

chinakritische / China-kritische Kommentare
italienbegeisterte / Italien-begeisterte Touristen
trumpfeindliche / Trump-feindliche Kongressabgeordnete
castrotreue / Castro-treue Milizen

Die Zusammenschreibung ist dann nicht mehr möglich, wenn der erste Teil der Zusammensetzung ein mehrteiliger Name ist oder aus mehr als einem Namen besteht. Dann kommt wie bei „gewöhnlichen“ Zusammensetzungen mit Wortgruppen oder Aneinanderreihungen nur noch die Schreibung mit Bindestrich in Frage:

die Stefan-Boltzmann-Konstante
der Hale-Bopp-Komet
das Pfizer-Biontech-Vakzin
das Ganges-Brahmaputra-Delta
die Fidel-Castro-treuen Milizen

Es ist, wie gesagt, gar nicht so kompliziert. Man muss nur wissen, wie’s geht. Vielleicht werden viele etwas unsicher, weil Begriffe dieser Art häufig in Fachsprachen vorkommen und dort immer wieder die englische Schreibweise „dazwischenfunkt“. Ich habe diese Frage deshalb vor gut fünf Jahren schon einmal behandelt und werde sie vielleicht in gut fünf Jahren noch einmal erwähnen. Hiermit sind Dr.-Bopp-treue Leser und Leserinnen, soweit es sie gibt, vorgewarnt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Graduierend oder verstärkend: hoch ansteckend oder hochansteckend?

Frage

Ich streite gerade mit einem Kollegen, und deshalb brauchen wir eine dritte Meinung. Es geht um das Wort „hochansteckend“ (ist ja gerade sehr aktuell, um nicht zu sagen hochaktuell). Er würde es „auf jeden Fall“ zusammenschreiben, weil es dasselbe bedeute wie „hochinfektiös“ […] Ich würde aber „hoch ansteckend“ eher mit solchen Wörtern wie „hoch verzinst“, „hoch kompliziert“ vergleichen und getrennt schreiben. Wie sehen Sie das?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

diesen Streit kann ich nicht eindeutig schlichten. Verbindungen von „hoch“ mit Adjektiven und Partizipien sind nämlich ein schwieriges Kapitel, wenn es um die Getrennt- und Zusammenschreibung geht. Für mich liegt die Hauptschwierigkeit in der Unterscheidung zwischen:

a) einer  „graduierenden Bestimmung“, bei der getrennt oder zusammengeschrieben werden kann [amtl. Rechtschreibregelung § 36(2.2); allgemein gültig/allgemeingültig, eng verwandt/engverwandt, schwer verständlich/schwerverständlich, schwer krank/schwerkrank]

b) einem „bedeutungsverstärkenden Bestandteil“, bei dem zusammengeschrieben wird [amtl. Rechtschreibregelung § 36(1.5); bitter- (bitterböse, bitterernst, bitterkalt), brand-, dunkel-, erz-, extra-, früh-, gemein-, grund-, hyper-, lau-, minder-, stock-, super-, tod-, ultra-, ur-, voll-].

Dann gibt es auch noch:

c) die Regel für Verbindungen mit Partizipien, nach der getrennt oder zusammengeschrieben werden kann [§ 36(2.1); die Rat suchenden/ratsuchenden Bürger, eine allein erziehende/alleinerziehende Mutter; ein klein geschnittenes/kleingeschnittenes Radieschen, selbst gebackene/selbstgebackene Kekse]

Für das Wort „hoch“ gibt die Wörterliste, die zur Rechtschreibregelung gehört, die folgenden Beispiele an:

a) hochbegabt, hoch begabt; hochkompliziert, hoch kompliziert …
b) hochaktuell, hochberühmt, hochbrisant, hochempfindlich, hochgiftig …
c) hoch dotiert, hochdotiert; hoch industrialisiert, hochindustrialisiert; hoch verschuldet, hochverschuldet … 

Ich werde daraus, ehrlich gesagt, nicht wirklich klug. Wo genau liegt zum Beispiel die Grenze zwischen „graduierend“ und „bedeutungsverstärkend“? Mir hilft häufig die Betonung: Wenn man „hoch“ und das Adjektiv resp. Partizip ungefähr gleich stark betonen kann, kann getrennt geschrieben werden. Wenn die Hauptbetonung auf „hoch“ liegt, wird zusammengeschrieben. In Zweifelsfällen gilt: am besten zusammenschreiben.

Für Ihren Fall heißt das, dass sowieso zusammengeschrieben werden kann, denn das ist in allen drei Fällen möglich. Ich halte aber auch die Getrenntschreibung für vertretbar, einerseits wegen c), andererseits aber auch, weil die fragliche Verbindung unter a) fallen kann:

hochansteckend = äußerst ansteckend; in hohem Grad ansteckend
hoch ansteckend = in hohem Grad ansteckend

Das gilt meiner Meinung nach auch in Verbindung mit „infektiös“, auch wenn ich vermute, dass hier nicht alle einverstanden sind:

hochinfektiös = äußerst infektiös; in hohem Grad infektiös
hoch infektiös = in hohem Grad infektiös

Ganz egal ob hoch ansteckend oder hochansteckend: Mögen Impfungen, angemessene Vorsicht, warmes Sommerwetter und daneben, wo nötig, eine zünftige Portion kollektives Glück dazu beitragen, dass die Ansteckungsgefahr weicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Empfehlen wir „gutgehen“ oder „gut gehen“?

Frage

„Ich vertraue darauf, dass am Ende alles gut geht.“ Schreibe ich in diesem Satz „gut geht“ wirklich auseinander? Der Duden empfiehlt ja auch im Wortsinne von „einen guten Verlauf nehmen“ die getrennte Schreibweise. Bei anderen habe ich die Zusammenschreibweise als empfohlen gesehen. Da würde mich jetzt Ihr Urteil noch interessieren!

Antwort

Guten Tag Frau S.,

nach § 34 E5 der amtlichen Rechtschreibregelung und den dazugehörenden Wörterlisten kann man „gutgehen“ oder „gut gehen“ schreiben (ebenso „bessergehen“ o. „besser gehen“; „schlechtgehen“ o. „schlecht gehen“). In der amtlichen Regelung stehen die beiden Varianten gleichberechtigt nebeneinander. Wenn Wörterbücher oder Wörterlisten eine von zwei Schreibungen empfehlen, heißt das, dass sie aus gewissen (oft nicht erwähnten) Gründen eine der beiden Schreibungen für besser halten. Häufig tun sie dies vor allem, um denjenigen Schreibenden entgegenzukommen, die es vorziehen, nicht selbst eine Wahl treffen zu müssen.

Ich sehe keinen Grund, eine der beiden Varianten als die bessere zu empfehlen. Beide Schreibungen entsprechen den Regeln der Rechtschreibregelung und man versteht sowohl bei zum Beispiel

Ich hoffe, dass es dir gutgeht.
Wenn das nur gutgeht!
Ich vertraue darauf, dass alles gutgeht.

als auch bei

Ich hoffe, dass es dir gut geht.
Wenn das nur gut geht!
Ich vertraue darauf, dass alles gut geht.

ohne Schwierigkeiten und Missverständnisse, was gemeint ist.

Es steht Ihnen frei, die Variante zu wählen, die Ihnen mehr zusagt, oder sich an die Empfehlungen eines Wörterbuches „Ihres Vertrauens“ zu halten. Aus der Formulierung Ihrer Frage schließe ich, dass Ihnen die Zusammenschreibung „gutgehen“ besser gefällt. Dann wählen Sie einfach diese Variante, auch wenn sie nicht von Duden bevorzugt wird. Es wird schon gutgehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Substantivierte Partizipien mit „zu“: die Zubetreuenden, die Zu-Betreuenden oder die zu Betreuenden?

Frage

Wird bei substantivierten „zu-Partizipien“ (Gerundiven) das „zu“ mit in die Substantivierung integriert (und groß geschrieben) oder bleibt es klein und steht davorgestellt: „die zu Unterrichtenden“ oder „die Zuunterichtenden“ oder „die Zu-Unterrichtenden“? Anderes Beispiel:

die zu Betreuenden, die Zubetreuenden, die Zu-Betreuenden

Gibt es einen Unterschied bei vorgestelltem „zu“ und integriertem „zu“?

Antwort

Guten Tag Herr Schulz,

um mit einer eher matten scherzhaften Bemerkung anzufangen: Der Unterschied zwischen vorgestelltem „zu“ und integriertem „zu“ ist hier, dass das eine richtig und das andere falsch geschrieben ist. Ein bisschen mehr möchte ich aber doch zu dieser Frage sagen:

Richtig sind hier die folgenden Schreibungen:

die zu unterrichtenden Personen
die zu Unterrichtenden

die zu betreuenden Menschen
die zu Betreuenden

die zu bedienenden Kunden
die zu Bedienenden

Substantivierten Partizipgruppen schreibt man fast gleich, wie wenn sie vor einem Substantiv stehen. Der einzige Unterschied ist, dass das Partizip selbst großgeschrieben wird. Seine Begleiter bleiben klein (oder groß, wenn es Substantive sind):

die viel zu schnell Fahrenden
die sich die Zähne Putzende
der den Zug Nehmende
die zu Fuß Gehenden
die bunte Ostereier Suchenden

Den Versuch, die Hintergründe für diese Schreibweise substantivierter Partizipgruppen zu verstehen, finden Sie in einem älteren Blogeintrag.

Substantivierungen von Partizipgruppen können nur dann zusammengeschrieben werden, wenn sie auch bei adjektivischer Verwendung zusammengeschrieben werden können (vgl. amtl. Regelung § 36 2.1):

die Rad fahrenden Menschen / die radfahrenden Menschen
die Rad Fahrenden / die Radfahrenden

der klein gedruckte Text / der kleingedruckte Text
das klein Gedruckte / das Kleingedruckte

die Ostereier suchenden Kinder / die ostereiersuchenden Kinder
die Ostereier Suchenden / die Ostereiersuchenden

Andere zusammengeschriebene Bildungen sind keine substantivierten Partizipgruppen, sondern meist Zusammensetzungen mit einem substantivierten Partizip an zweiter Stelle:

der/die Konferenzteilnehmende (= Konferenz+Teilnehmende)
der/die Fließbandarbeitende (= Fließband+Arbeitende)
der/die Vereinsvorsitzende (= Verein+s+Vorsitzende)

Deshalb schreibt man „die zu Unterrichtenden“ und „die zu Betreuenden“.

Ich wünsche den Ostereier Suchenden, dass sie das zu Suchende finden mögen, und allen schöne Ostertage!

Dr. Bopp

Bahnbrechende Ideen und sich Bahn brechende Ideen

Frage

Ich kenne das Adjektiv „bahnbrechend“. In meiner Zeitung steht: „Er habe Verständnis, dass sich diese Emotionen haben bahnbrechen müssen, sagte der Vereinsvorsitzende.“ Das Verb „bahnbrechen“ habe ich jedoch in keinem Nachschlagewerk gefunden. Gibt es das überhaupt oder müsste es „Bahn brechen“ heißen?

Antwort

Guten Tag Herr S.,

die Wendung (die ich ehrlich gesagt in meinem ganzen Leben noch nie gebraucht und deshalb zur Sicherheit nachgeschlagen habe) lautet:

sich Bahn brechen
= sich durchsetzen
Neue Ideen brechen sich Bahn.
= Neue Ideen setzen sich durch.

Wenn man so formuliert, dass die Wendung als Partizipgruppe vor einem Substantiv steht, wird wie folgt geschrieben:

eine sich Bahn brechende Idee
= eine Idee, die sich durchsetzt

Das Adjektiv „bahnbrechend“, das Sie in Ihrer Frage anführen, hat eine eigene Bedeutung erhalten, nämlich „umwälzend“, „eine ganz neue Entwicklung einleitend“:

eine bahnbrechende Idee
= eine umwälzende Idee; eine Idee, die eine ganz neue Entwicklung einleitet

Bei bahnbrechenden Ideen ist nicht immer gesagt, dass sie sich Bahn brechen. Nicht jede umwälzende Idee setzt sich auch durch.

Zurück zu Ihrer Frage: Der im Artikel zitierte Vereinsvorsitzende meinte wahrscheinlich, dass die Emotionen sich haben durchsetzen müssen. Richtig ist dann die Getrenntschreibung:

Die Emotionen brechen sich Bahn.
= Die Emotionen setzen sich durch.
Die Emotionen haben sich Bahn brechen müssen.
Er habe Verständnis dafür, dass diese Emotionen sich Bahn haben brechen müssen.
auch: Er habe Verständnis dafür, dass diese Emotionen sich haben Bahn brechen müssen.

Sie haben also recht, dass im Artikel nicht „bahnbrechen“, sondern besser „Bahn brechen“ stehen sollte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das zweideutige „weniger Offensichtliches“

Frage

Wie wird eine Kombination aus Adjektiv/Adverb + substantiviertes Adjektiv richtig geschrieben? Bsp.: „das weniger Offensichtliche“

Die Substantivierung bezieht sich dabei auf die gesamte Konstruktion, also nicht „weniger vom Offensichtlichen“, sondern vielmehr „das, was weniger offensichtlich ist“. Die einzige alternative Schreibweise, die mir einfällt, um diesen Bedeutungsunterschied darzustellen, wäre „das Wenigeroffensichtliche“. Welche ist nun richtig?

Antwort

Guten Tag Frau G.,

richtig ist hier nur die Getrenntschreibung

das weniger Offensichtliche

wie zum Beispiel

das sehr Exotische
das heute Erreichbare
das auf den ersten Blick nicht so Interessante

Die Formulierung „weniger Offensichtliches“ ist für sich allein stehend tatsächlich zweideutig: „in geringerem Maße Offensichtliches“ oder „eine geringere Menge Offensichtliches“. Das liegt daran, dass „weniger“ hier zwei Bedeutungen haben kann:

  1. in geringerem Maße, nicht sehr, nicht so
  2. eine geringere Menge/Zahl, nicht so viel

Dieser Unterschied lässt sich nicht in der Schreibung ausdrücken, das heißt, man schreibt in beiden Fällen gleich.

Hier ist weniger Offensichtliches zu sehen =
a) Hier ist in geringerem Maße / nicht so Offensichtliches zu sehen
b) Hier ist eine geringere Menge / nicht so viel Offensichtliches zu sehen

Wir müssen mit weniger Begabten arbeiten =
a) Wir müssen mit in geringerem Maße Begabten arbeiten
b) Wir müssen mit einer kleineren Anzahl Begabten arbeiten

Oft ergibt sich aus dem Kontext, was gemeint ist. So kann „das weniger Offensichtliche“ nur „das in geringerem Maße Offensichtliche“ bedeuten. Wenn dies wie in den zwei Beispielen oben nicht unmittelbar der Fall ist und auch der weitere Zusammenhang keinen Aufschluss gibt, sollte anders formuliert werden. Je nachdem, was gemeint ist, können „in geringerem Maße“, „nicht so“ bzw. „eine kleinere Menge/Anzahl“, „nicht so viel“ oder eine andere Wortwahl dabei helfen.

Die Zweideutigkeit ergibt sich übrigens nicht aus der Substantivierung. Sie besteht auch, wenn „weniger“ mit einem nicht substantivierten Adjektiv verbunden wird:

Wir müssen mit weniger begabten Menschen arbeiten =
a) Wir müssen mit in geringerem Maße begabten Menschen arbeiten
b) Wir müssen mit einer kleineren Anzahl begabten Menschen arbeiten

weniger offensichtliche Effekte =
a) nicht so offensichtliche Effekte
b) nicht so viele offensichtliche Effekte

Manchmal wäre ich froh, wenn bei den Fragen weniger Kompliziertes vorbeikäme, aber das gilt in keinem Sinn für diese Frage.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp