Macht Backen oder backen glücklich?

Es geht hier um Groß- oder Kleinschreibung, weniger um die therapeutische Wirkung des Backens.

Frage

Wird bei dem Satz „Backen macht glücklich” das Wort „Backen“ als Substantiv oder Verb gewertet? Warum?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

da Backen am Anfang des Satzes steht, sieht man bei Backen macht glücklich tatsächlich nicht, ob es sich a) um eine Verbform oder b) um eine Substantivierung handelt. Man schreibt sowieso ein großes B. Wenn man den Satz so umformuliert, dass der Infinitiv im Satzinneren steht, oder wenn man es einfach wissen möchte, wird es etwas komplizierter: Beides ist möglich. Das sieht man zum Beispiel dann, wenn man den Infinitiv erweitert:

a) Gemeinsam backen macht glücklich.
b) Gemeinsames Backen macht glücklich.

Ein Infinitivsatz, der die Rolle des Subjekts hat, kann ohne zu stehen:

[Zu] backen macht glücklich.
Einen Kuchen [zu] backen macht glücklich.

Andererseits kann ein substantivierter Infinitiv ohne Artikel stehen:

[Das] Backen macht glücklich.
[Das] Kuchenbacken macht glücklich.

Es ist also in Ihrem Satz nicht klar, ob vor dem Infinitiv zu oder das ergänzt werden soll. Entsprechend sind beide Interpretationen, Verbform und Substantivierung, möglich.

Ob backen/Backen wirklich glücklich macht, hängt wohl auch davon ab, wie gerne man in der Küche Teig rührt und knetet. Wenn man es mag, kann es das zurzeit dringend empfohlene Zuhausebleiben für Backende und „Bebackte“ bestimmt etwas angenehmer gestalten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Der heilige Placidus und der heilige Sigisbert sind zusammen die Heiligen Placidus und Sigisbert

Frage

Wie erkläre ich meinem Kunden, dass „die heiligen Placidus und Sigisbert“ nicht geht? Meine Änderung in „die Heiligen Placidus und Sigisbert“ wurde leider nicht akzeptiert.

Antwort

Guten Tag Frau M.,

es stimmt, dass man „heilig“ als Adjektiv kleinschreibt:

der heilige Placidus
der heilige Sigisbert

Trotzdem ist in Ihrem Beispiel tatsächlich nur die Großschreibung möglich. Das liegt daran, dass ein Artikel oder Adjektiv im Plural sich nicht auf zwei Substantive in der Einzahl beziehen kann.

Nicht:
*die festen Wille und Charakter
*die großen Burg und Kirche
*die kleinen Mark und Sophia
*die heiligen Placidus und Sigisbert

Sondern:
der feste Wille und [der feste] Charakter
die große Burg und die große Kirche
der kleine Mark und die kleine Sophia
der heilige Placidus und der heilige Sigisbert

Möglich sind allerdings Formulierungen mit einem Substantiv im Plural, dem eine zweiteilige Apposition folgt:

die Kinder Mark und Werner
die Kleinen Mark und Sophia
die Einsiedler Placidus und Sigisbert

Entsprechend muss in dieser Formulierung „Heiligen“ ein Substantiv sein und sollte großgeschrieben werden:

die Heiligen Placidus und Sigisbert

Häufig wird aber (auch in katholischen und anderen kirchlichen Kontexten) trotzdem „die heiligen Petrus und Paulus“ statt „die Heiligen Petrus und Paulus“ geschrieben. Nach der Grammatik und der Rechtschreibregelung ist diese Kleinschreibung nicht korrekt. Sie könnte höchstens als fachsprachliche Schreibung angesehen werden, aber für eine begründete Aussage kenne ich mich in dieser Fachsprache leider zu wenig gut aus.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Wenn der Bindestrich fehl am Platz ist: von der High Society bis zur Smart Factory

Heute einmal etwas Kurzes und Einfaches:

Frage

Die Wörterbücher verzeichnen die Schreibweise „Big Data“ ohne Bindestrich (z. B. hier). Kann ich dieses Muster (Big = Adjektiv; Data = Substantiv) auch auf das Wort „Smart Factory“ übertragen oder ist hier die Schreibweise mit Bindestrich korrekt?

Antwort

Guten Tag Herr R.,

hier ist der Bindestrich nach der amtlichen Regelung nicht möglich. Angebracht ist bei Verbindungen dieser Art die Getrenntschreibung und manchmal auch die Zusammenschreibung.

Substantivische Wortverbindungen aus dem Englischen, die aus einem Adjektiv und einem Substantiv bestehen, werden getrennt geschrieben:

High Society
Public Domain
Human Resources
Big Data

Dabei werden beide Teile der Verbindung mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben. Wenn das Adjektiv die Hauptbetonung trägt, kann auch zusammengeschrieben werden:

Big Band o. Bigband
Small Talk o. Smalltalk
Smart Phone o. Smartphone
Smart Factory (o. Smartfactory)

Das zusammengeschriebene „Smartfactory“ steht in Klammern, weil es zwar nach der Regel möglich ist, aber offenbar kaum vorkommt.

Die entsprechende Regel finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Wenn-Dann-Prinzip oder Wenn-dann-Prinzip: Groß und klein in Bindestrichzusammensetzungen

Frage

[…] Es geht dabei um das Wort „Wenn-dann-Prinzip“. Das Wort wird im wirtschaftswissenschaftlichen Zusammenhang verwendet: „Die Essenz der digitalen Verträge basiert auf dem Wenn-dann-Prinzip.“ Eigentlich habe ich an der Schreibweise keinen Zweifel, allerdings ist mir aus der Psychologie die sehr häufig vorkommende Schreibweise „Wenn-Dann-Beziehung bekannt“, die sich so selbst in Lexika findet. […] Ist diese Schreibweise falsch oder zumindest nicht mit den amtlichen Regeln konform?

Antwort

Guten Tag Herr R.,

Sie haben recht. Bei der Groß- und Kleinschreibung in Zusammensetzungen mit Bindestrich gelten nämlich diese Regeln:

Nomen werden in Zusammensetzungen mit Bindestrich immer großgeschrieben (§ 55.2, vgl. hier):

Mehrzweck-Eckschrank
Hochgeschwindigkeits-Internetzugang
Client-Server-Architektur
400-Meter-Lauf

Amerika-freundlich**
Fett-triefend**
UV-Strahlen-beständig**
Vitamin-C-reich**

Nicht-Nomen werden großgeschrieben, wenn sie am Anfang von Zusammensetzungen mit Bindestrich stehen, die als Ganzes Nomen sind (§ 55.1, vgl. hier)*:

Dritte-Welt-Laden
Soll-Wert (o. Sollwert)
Links-rechts-Kombination
Ad-hoc-Lösung
das Sowohl-als-auch
das In-der-Nase-Bohren (vgl. hier)

Sonst werden Nicht-Nomen in Zusammensetzungen mit Bindestrich kleingeschrieben:

Analog-digital-Konverter
Links-rechts-Kombination
Ad-hoc-Lösung
Mund-zu-Mund-Beatmung
Oben-ohne-Lokal
das Sowohl-als-auch
zum Aus-der-Haut-Fahren (vgl. hier)

Vor allem diese letzte Regel wird häufiger nicht eingehalten, wie auch das Beispiel in Ihrer Frage zeigt.

Nach der amtlichen Regelung korrekt ist somit tatsächlich:

das Wenn-dann-Prinzip
die Wenn-dann-Beziehung

Die Schreibungen „Wenn-Dann-Prinzip“ und „Wenn-Dann-Beziehung“ sind nicht regelkonform und müssten zum Beispiel in einem Schüleraufsatz rot angestrichen werden. Wenn sie in der Fachsprache üblich sind, weicht – so banal kann man es ausdrücken – die fachsprachlich übliche Schreibung von der regelkonformen Schreibung ab. Das kommt recht häufig vor, sodass Ihr aufkommender Zweifel gut verständlich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Ausnahmen:
Kleingeschriebene Abkürzungen und als Kleinbuchstaben zitierte Einzelbuchstaben bleiben auch am Wortanfang klein: pH-Wert, kg-Preis, i-Punkt, s-Genitiv, x-Achse.
Zitierte Wortformen werden in Verbindungen mit Bindestrich auch am Wortanfang kleingeschrieben: dass-Satz (o. Dasssatz), oder-Frage (o. Oderfrage).

** Wenn ohne Bindestrich geschrieben: amerikafreundlich, fetttriefend, strahlenbeständig, vitaminreich.

Kommentare (5)

Das fehlende Wort zwischen „links“ und „rechts“

Frage

Die Bildzeile unter einem Bild in einem Text enthält oft die Namen der Abgebildeten und den Zusatz (links), (rechts), (Mitte). […] Und da wundere ich mich, dass man zwar „rechts“ und „links“ kleinschreibt, aber „Mitte“ groß. Oder ist das ein Irrtum? Mir erscheint „Max (links), Tina (mitte), Svenja (rechts)“ logischer. Darf ich „mitte“ kleinschreiben?

Antwort

Guten Tag Frau R.,

die Großschreibung von „Mitte“ ist korrekt. Das sieht man etwas besser, wenn man die Zusätze ausformuliert:

Max (links) = Max, links stehend
Tina (Mitte) = Tina, in der Mitte stehend
Svenja (rechts) = Svenja, rechts stehend

Sie können deshalb „mitte“ nicht kleinschreiben. Was hier fehlt, ist ein griffiges und vor allem gebräuchliches Adverb, das die Position zwischen „links“ und „rechts“ angibt. Wir verwenden dafür meist „in der Mitte“, das vom Wortaufwand her eigentlich besser zwischen „auf der rechten Seite“ und „auf der linken Seite“ passt. Für eine konsequente Kleinschreibung könnten Sie zum Beispiel auf „mittig“ oder „dazwischen“ ausweichen, aber das erste Worte trifft nicht ganz die Bedeutung und das zweite ist bei Bildunterschriften u. Ä. einfach nicht üblich.

Das Fehlen eines gängigen Adverbs führt zu der für das Auge inkonsequenten Klein- und Großschreibung „links – Mitte – rechts“, die Sie ein wenig irritiert. Das gilt auch in der Politik, wo man ebenfalls von „links“ und „rechts“ (vgl. hier) und von „die Mitte“ spricht und wo ein Ausweichen auf „dazwischen“ gar nicht in Frage kommt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Auch politisch bleiben „links“ und „rechts“ klein

So bestimmt lässt sich das allerdings nur sagen, wenn mit klein die Kleinschreibung gemeint ist.

Frage

Ich frage mich nun schon länger, ob man im politischen Kontext die politischen Koordinaten „links“ und „rechts“ auch großschreiben kann. Wenn ich recht sehe, wäre dieses Beispiel eindeutig in der Kleinschreibung:

Die Gesellschaft rückt nach rechts.

Doch was ist mit solchen Formulierungen:

Links wie rechts bieten sich Paroli.
Viele Menschen sind gegen rechts auf die Straße gegangen.

Kann man dann auch großschreiben?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

die Adverbien links und rechts werden immer kleingeschrieben. Das gilt auch dann, wenn sie gewisse Merkmale eines Substantivs haben:

Er kann rechts und links nicht auseinanderhalten.
Der Wagen kam von rechts.
An dieser Kreuzung gilt rechts vor links.
Dort musst du nach rechts abbiegen.
Die schwarze Katze lief von links nach rechts über die Straße.
Sie schreibt mit links.

Auch im politischen Sinne sollten links und rechts kleingeschrieben werden:

Nach jeder Wahl wechselten links und rechts einander ab.
Die Gefahr kommt von rechts.
der Kampf gegen links
Links wie rechts bieten sich Paroli.
Viele Menschen sind gegen rechts auf die Straße gegangen.

Ob räumlich oder politisch gemeint, rechts und links schreibt man im Prinzip klein. – Nur mit einem Artikelwort drängt sich die Großschreibung dann doch auf:

Du weißt schon, dass dein Rechts mein Links ist?
Meinst du dein Rechts oder mein Rechts?!

Aber auch dann würde ich eher die Kleinschreibung in Anführungszeichen wählen:

Du weißt schon, dass dein „rechts“ mein „links“ ist?
Meinst du dein „rechts“ oder mein „rechts“?!

Doch wenn es um Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit rechts und links geht, ist es meist keine gute Idee, zusätzlich die Groß- und Kleinschreibung herbeizuziehen. Das Konfliktpotenzial ist auch ohne die Rechtschreibung groß genug – beim Autofahren wie in der Politik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Den richtigen oder den Richtigen finden?

Der Titel könnte missverstanden werden: Es geht leider/zum Glück nicht um Tipps für die erfolgreiche Partnersuche, sondern nur um die Antwort auf eine Frage zur Groß- und Kleinschreibung.

Frage

Ich würde gerne wissen, ob im folgenden Text die Kleinschreibung der allein stehenden Adjektive richtig ist. Ich bin mir nicht ganz sicher beim letzten „der richtige“. Eigentlich bezieht es sich doch immer noch auf „Partner“, vom Gefühl aus würde ich aber doch „der Richtige“ schreiben. Liege ich da falsch?

Nach dieser Enttäuschung habe ich einen neuen Partner gesucht. Zweimal dachte ich, einen passenden gefunden zu haben. Der erste war aus Rom und der zweite aus Florenz. Aber weder der eine noch der andere war der richtige.

Antwort

Guten Tag Frau F.,

es gibt bei der Groß- und Kleinschreibung von allein stehenden Adjektiven manchmal mehr als nur eine richtige Lösung. Das ist auch hier der Fall.

Richtig ist die Kleinschreibung bei den ersten Adjektiven, weil sie sich auf das vorhergehende Substantiv Partner beziehen (vgl. hier):

Nach meiner Trennung habe ich nach einem neuem Partner gesucht. Zweimal dachte ich, einen passenden gefunden zu haben. Der erste war aus Rom und der zweite aus Florenz.

Das letzte richtige kann kleingeschrieben werden:

Aber weder der eine noch der andere war der richtige.

Damit wird einfach ausgedrückt, dass keiner der beiden der richtige Partner war.

Sie können aber auch großschreiben:

Aber weder der eine noch der andere war der Richtige.

Das ist viel eindringlicher, denn damit ist nicht einfach der richtige Partner gemeint, sondern eben der eine Richtige, den man zu finden hofft (der Richtige = der richtige Mann/Geliebte/Lebenspartner).

Ob schlicht klein der richtige oder leidenschaftlich groß der Richtige, beides ist hier vertretbar. Sie können also Ihrem Gefühl folgen und großschreiben.

Das Gleiche gilt natürlich auch dann, wenn von einer Partnerin die Rede ist und die richtige oder eben die Richtige gefunden werden soll.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Eine 7,5 in Worten

Nachdem vor einer Woche die Frage beantwortet wurde, wie man den 2 000 024. Besucher in Worten ausdrückt (der zweimillionenvierundzwanzigste Besucher), geht es heute noch einmal darum, wie ein bestimmter Zahlentyp in Worten geschrieben wird:

Frage

Ich habe gelesen: „Ist das eine Siebenkommafünf oder eine Acht?“ Müsste es nicht „eine sieben Komma fünf“ sein?

Antwort

Guten Tag Frau M.,

man schreibt sieben Komma fünf und acht, wenn es um die Zahlen geht (sieben Komma fünf Meter; sieben Komma fünf plus acht …). Nach § 57 (4) der amtlichen Rechtschreibregelung müssen aber substantivierte Grundzahlen als Bezeichnung von Ziffern großgeschrieben werden. Die angeführten Beispiele sind:

Er setzte alles auf die Vier. Sie fürchtete sich vor der Dreizehn. Der Zeiger nähert sich der Elf. Sie hat lauter Einsen im Zeugnis. Er würfelt eine Sechs.

Daraus ergibt sich, dass man in Ihrem Satz eine Acht großschreiben muss. Konsequenterweise ist dann auch eine 7,5 eine Substantivierung, die großgeschrieben wird. Und weil man Substantive zusammenschreibt, sollte diese Substantivierung nicht nur groß-, sondern auch in einem Wort geschrieben werden: eine Siebenkommafünf. Der Satz, den Sie anführen, ist also richtig geschrieben:

Ist das eine Siebenkommafünf oder eine Acht?

Möglich wäre auch die Schreibung mit „verdeutlichenden“ Bindestrichen (aber ob sie wirklich verdeutlichend sind?):

Ist das eine Sieben-Komma-fünf oder eine Acht?

Sie können auch die Schreibung mit Ziffern erwägen. Das ist bei komplexeren Zahlen häufig eine einfacher lesbare Variante:

Ist das eine 7,5 oder eine 8?

Ich hoffe, dass diese Antwort eine Siebenkommafünf verdient.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (1)

Quak, quak; ja, ja; nein, nein – und das laut, fröhlich oder empört

Frage

Ich bin unsicher, wie ich folgende Interjektion schreiben soll:

Am Teich hören sie ein lautes Quak, quak.

Oder müsste man dies dann wie bei einer Konjunktion handhaben, also: „ein lautes Quak-quak“?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

wie so oft, wenn man zweifelt, gibt es mehr als eine Möglichkeit. Die erste schlagen Sie in Ihrer Frage vor:

Am Teich hören sie ein lautes Quak-quak.

Sie können also „quak, quak“ als substantivierte mehrteilige Interjektion behandeln. Dabei werden die einzelnen Elemente durch einen Bindestrich verbunden, wie das ähnlich auch bei zum Beispiel das Sowohl-als-auch, das Teils-teils geschieht.

Sie könnten den Entenlaut aber auch sozusagen als direktes, in den Satz integriertes Zitat mit Anführungszeichen schreiben:

Am Teich hören sie ein lautes „quak, quak“.
Am Teich hören sie ein lautes „quak, quak!“.

Das ist die Version, die ich wählen würde, denn man geht gleich vor wie bei mehrteiligen Ausrufen wie den folgenden:

ein fröhliches „ja, ja“
mit einem empörten „nein, nein!“
ein zögerndes „so, so“
Niemand hörte sein „Hilfe! Hilfe!“
ein verzweifeltes „Nein, nein, tu das nicht!“

Und wenn Sie nun mit einem bedenklichen „hm, hm“ zum Schluss kommen, dass die Rechtschreiblage hier nicht gerade eindeutig ist, antworte ich mit einem „Ja, ja, das stimmt“. Doch Enten, Fröschen und anderen Wesen, die „quak, quak“ sagen, ist das wahrscheinlich nicht so wichtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Das neue Jahr und das Neue Jahr

Zwischen Nikolaustag und zweitem Adventssonntag komme ich wieder einmal auf eines der orthografischen Lieblingsthemen im Monat Dezember zurück. Viele machen sich derzeit ans Aufstellen und Versenden von Weihnachts- und Neujahrswünschen. Wie Sie sie versenden, das überlasse ich natürlich ganz Ihnen. Wie Sie sie verfassen übrigens auch. Nur wenn Sie Zweifel bei der richtigen Schreibung Ihrer Wünsche auf Karten oder weniger traditionell mit digitalen Mitteln haben, kann ich Ihnen eventuell eine kleine Hilfestellung leisten.

Es geht natürlich um das n oder eben N. Wünscht man alles Gute zum neuen Jahr oder alles Gute zum Neuen Jahr? Die Antwort ist einfach, der Anlauf etwas länger:

Bis zur jüngsten Anpassung der Rechtschreibregelung im letzten Jahr (vgl. hier) galt nur die Kleinschreibung als richtig:

bis 2017

Glückwünsche zum neuen Jahr
Alles Gute zum neuen Jahr!
Ein gutes neues Jahr!
Wir wünschen euch frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr

Dann hat die Regelung sich an den offenbar weitverbreiteten Rechtschreibungehorsam in diesem Bereich angepasst und eingeführt, dass das Adjektiv in festen Adjektiv-Substantiv-Verbindungen „bei Benennung für besondere Anlässe und Kalendertage“ großgeschrieben werden kann (§ 63 E4):

seit 2017

Glückwünsche zum neuen Jahr oder
Glückwünsche zum Neuen Jahr

Alles Gute zum neuen Jahr! oder
Alles Gute zum Neuen Jahr!

Ein gutes neues Jahr! oder
Ein gutes Neues Jahr!

Wir wünschen euch frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr oder
Wir wünschen euch frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr

Ob Sie Ihre Neujahrswünsche mit großem N oder kleinem n schreiben, spielt nun also keine Rolle mehr. Beides ist regelkonform. Zu beachten ist allerdings, dass die Möglichkeit der Großschreibung nur für neu/Neu gilt, nicht für andere Adjektive wie froh, gesegnet, schön, glücklich, gesund und was sonst noch an Gutem und Positivem vor Weihnachten und neues/Neues Jahr stehen kann.

Ich wünsche eine schöne und rechtschreibzweifelfreie Fortsetzung der Adventszeit!

Dr. Bopp

PS: Nach demselben neuen Paragraphen konnte ich übrigens meinen Eltern im Herbst dieses Jahres nicht nur zur diamantenen Hochzeit, sondern auch zur Diamantenen Hochzeit gratulieren. Das habe ich nicht schriftlich gemacht, und angesichts einer Ehe, die 60 Jahre hält, ist die Frage nach der Groß- und Kleinschreibung des Adjektivs ohnehin von nicht allzu großer Bedeutung.

Kommentare