Ist alles total Banane oder total banane?

Frage

Kürzlich hat mich jemand darauf hingewiesen, dass […] „total Banane sein“ falsch geschrieben sei: „Banane“ werde  hier adjektivisch genutzt und sei daher kleinzuschreiben. Das ist durchaus nachvollziehbar. Er begründete dies mit „wurst / wurscht sein“, was ebenfalls kleinzuschreiben wäre. Auf duden.de sehe ich das bestätigt. Die adjektivisch genutzte „Banane“ fehlt hier allerdings.
[…]
Lange Einleitung, kurze Frage: Schreibt man „Banane/banane sein“ und „Wurst/wurst sein“ groß oder klein?

Antwort

Guten Tag Herr U.,

das Wort „Wurst“ wird im Sinne von „egal“ kleingeschrieben. Die Kleinschreibung „wurst/wurscht sein“ ergibt sich aus der zur amtlichen Rechtschreibregelung gehörenden Wörterliste. Dort steht:

wurst, wurscht [sein § 56(1)]

Obwohl hier einige Nachschlagwerke auch heute noch die Schreibung mit großen W angeben, wird also nach der amtlichen Wörterliste kleingeschrieben:

Es war ihm wurst, was wir davon hielten.
Das war und ist mir wurscht!

Nun zu „Banane/banane sein“ („dumm, verrückt, unsinnig, schlecht sein“ vgl. hier). In diesem Fall kann man darüber diskutieren, ob „Banane“ in der besagte Redewendung bereits „keine substantivischen Merkmale“ mehr aufweist, das heißt, ob „Banane“ in § 56.1 mitgemeint ist oder nicht. Ich würde die Kleinschreibung empfehlen, auch wenn sie sehr gewöhungsbedürftig aussieht:

total banane sein
Das ist total banane.
Das sieht banane aus.

Das gilt auch für zum Beispiel „klasse“, „scheiße“, „spitze“ und eben „wurst/wurscht“.

Ich würde die Großschreibung bei „Banane sein“ aber nicht rot anstreichen, weil das Wort mit dieser Verwendung noch nicht so bekannt und gebräuchlich ist wie zum Beispiel „klasse“, „spitze“ oder „wurst“ (keine substantivischen Merkmale mehr?). In der Praxis wird auch meistens großgeschrieben: „total Banane sein“. Außerdem ist es eine sehr umgangssprachliche Wendung, dann sind solche Rechtschreibfinessen ohnehin ziemlich nebensächlich. In zum Beispiel einem Schüleraufsatzes wäre aber der ganze Ausdruck anzustreichen, da er – wie gesagt – sehr umgangssprachlich ist. Dort sieht er eher banane aus.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Ein Dreiviertelkilogramm vs. eindreiviertel Kilogramm

Die Schreibung von Bruchzahlen hat ihre Tücken, jedenfalls wenn sie in Worten geschrieben werden sollen. Dass man Bruchzahlen nur selten in Worten schreibt, hilft nicht dabei, sich die Regeln wirklich eigen zu machen. Auch ich muss mich konzentrieren und sollte manchmal einfach ins Wörterbuch schauen, denn auch ich bin hier nicht ganz sattelfest (was Frau M. leider bestätigen kann).

Frage

Ich habe immer Schwierigkeiten, wenn es um Maßangaben geht.

1/2 kg ist ein halbes Kilogramm.
1/4 kg ist ein viertel Kilogramm.

aber

3/4 kg ist ein dreiviertel Kilogramm.
3/4 kg ist ein drei viertel Kilogramm.
3/4 kg ist ein drei Viertel Kilogramm.

Wie es richtig?

Antwort

Guten Tag Frau M.,

Ihre Verwirrung ist verständlich, denn die Schreibung von Bruchzahlen ist nicht ganz einfach. Die Schreibweise „dreiviertel Kilogramm“ ist nach der geltenden Rechtschreibregelung nicht korrekt. Das zusammengeschriebene „dreiviertel“ gibt es seit der Rechtschreibreform nämlich nicht mehr. Richtig sind diese Schreibungen (vgl. hier und hier):

1 kg ist ein Kilogramm.
1/2 kg ist ein halbes Kilogramm.

Komplizierter wird es, wenn man mit Vierteln rechnet:

1/4 kg ist ein viertel Kilogramm
3/4 kg sind drei viertel Kilogramm.

Wenn die Hauptbetonung auf „viertel“ liegt, haben wir es mit Viertelkilogrammen zu tun:

1/4 kg ist ein Viertelkilogramm
3/4 kg sind drei Viertelkilogramm.

Man kann sich sogar in Dreiviertelkilogrammen rechnen:

3/4 kg ist ein Dreiviertelkilogramm

In den Wörterbüchern finden Sie meistens diese Beispiele:

in drei viertel Stunden
in drei Viertelstunden
in einer Dreiviertelstunde

Und wenn es um 1,75 Kilogramm geht, schreibt man:

1,75 kg sind eindreiviertel Kilogramm
(vgl. 1,5 Stunden sind eineinhalb/anderthalb Stunden)

Schreibungen wie „eindreiviertel Kilogramm“ sind unter anderem wegen der großen Verwechslungsgefahr mit „ein Dreiviertelkilogramm“ nicht zu empfehlen:

Wir brauchen ein Dreiviertelkilogramm Mehl (= 0,75 kg)
Wir brauchen eindreiviertel Kilogramm Mehl (= 1,75 kg)

Da der Unterschied ein ganzes Kilo beträgt, ist es meist besser, echte oder Dezimalbrüche zu schreiben oder auf eine andere Formulierung auszuweichen:

3/4 Kilogramm – 0,75 Kilogramm – 750 Gramm – eineinhalb Pfund
1 3/4 Kilogramm – 1,75 Kilogramm – 1 750 Gramm – dreieinhalb Pfund

Und nun weiß ich vor lauter „ein viertel“, „ein Viertel“, „drei viertel“, „drei Viertel“, „Dreiviertel-“ und „eindreiviertel“ bald wieder nicht mehr, was richtig ist!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)

Straßennamen, wenn die amtliche Schreibung nicht mit der amtlichen Schreibung übereinstimmt

Eine Frage, die nicht sehr häufig, aber immer wieder auftaucht, betrifft Straßennamen, deren behördlich festgelegte Schreibung nicht den Regeln der amtlichen Rechtschreibregelung entspricht. Die amtliche Schreibung stimmt sozusagen nicht mit der amtlichen Schreibung überein.

Frage

Ich bin als Stammdatenpflegerin tätig und täglich verunsichert durch die offiziellen Schreibweisen der Straßen […], wie Städte und Gemeinden offiziell ihre Straßen im Internet schreiben, ohne Rücksicht auf die geltende Rechtschreibung […]:

  • Le Pavillon-Straße in Berlin
  • La Famille-Straße in Berlin
  • Dr. Elisabeth-Vomstein-Straße in Schliengen
  • immer noch Schloßstraße anstatt offiziell Schlossstraße

Auch sehe ich „Zum kleinen Feld“, obwohl im Duden steht, dass die Adjektive groß geschrieben werden? Welche Schreibweisen empfehlen Sie mir?

Antwort

Guten Tag Frau A.,

nach der Rechtschreibregelung schreibt man tatsächlich :

Le-Pavillon-Straße
La-Famille-Straße
Dr.-Elisabeth-Vomstein-Straße
Schlossstraße
Zum Kleinen Feld

Man setzt einen Bindestrich zwischen allen Bestandteilen mehrteiliger Zusammensetzungen, deren erste Bestandteile aus Eigennamen bestehen (§ 50). Nach kurzem Vokal schreibt man immer ss und nicht mehr ß (§ 2). In mehrteiligen Namen schreibt man man das erste Wort und alle weiteren Wörter außer Artikeln, Präpositionen und Konjunktionen groß (§ 60).

So viel sei zur Schreibung nach den Rechtschreibregeln gesagt. Wie Sie richtig feststellen, weichen Ortschaften und Städte im konkreten Fall nämlich häufiger von diesen Regeln ab:

Le Pavillon-Straße
La Famille-Straße
Dr. Elisabeth-Vomstein-Straße
Schloßstraße
Zum kleinen Feld

Wer hat dann „recht“? – Wenn behördlich festgelegte Schreibungen nicht mit Schreibungen übereinstimmen, die von der Rechtschreibregelung vorgesehen sind, dann gehen die behördlichen Schreibungen vor. Ich empfehle Ihnen deshalb, die von den lokalen Behörden verwendeten Schreibungen zu übernehmen, auch wenn sie nicht den amtlichen Rechtschreibregeln entsprechen. So schreibt man zum Beispiel auch:

Baslerstrasse – in Bern und Zürich
Basler Straße – in Freiburg i. Br. und München
Baseler Straße – in Frankfurt und Berlin

Man könnte hier über so viel Uneinheitlichkeit klagen, ich ziehe es aber vor, mich an der lokalen Vielfalt zu erfreuen – so weit man sich an der Schreibung von Straßennamen erfreuen kann. (Siehe auch hier zur Schreibung von Ortsnamen.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Macht Backen oder backen glücklich?

Es geht hier um Groß- oder Kleinschreibung, weniger um die therapeutische Wirkung des Backens.

Frage

Wird bei dem Satz „Backen macht glücklich” das Wort „Backen“ als Substantiv oder Verb gewertet? Warum?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

da Backen am Anfang des Satzes steht, sieht man bei Backen macht glücklich tatsächlich nicht, ob es sich a) um eine Verbform oder b) um eine Substantivierung handelt. Man schreibt sowieso ein großes B. Wenn man den Satz so umformuliert, dass der Infinitiv im Satzinneren steht, oder wenn man es einfach wissen möchte, wird es etwas komplizierter: Beides ist möglich. Das sieht man zum Beispiel dann, wenn man den Infinitiv erweitert:

a) Gemeinsam backen macht glücklich.
b) Gemeinsames Backen macht glücklich.

Ein Infinitivsatz, der die Rolle des Subjekts hat, kann ohne zu stehen:

[Zu] backen macht glücklich.
Einen Kuchen [zu] backen macht glücklich.

Andererseits kann ein substantivierter Infinitiv ohne Artikel stehen:

[Das] Backen macht glücklich.
[Das] Kuchenbacken macht glücklich.

Es ist also in Ihrem Satz nicht klar, ob vor dem Infinitiv zu oder das ergänzt werden soll. Entsprechend sind beide Interpretationen, Verbform und Substantivierung, möglich.

Ob backen/Backen wirklich glücklich macht, hängt wohl auch davon ab, wie gerne man in der Küche Teig rührt und knetet. Wenn man es mag, kann es das zurzeit dringend empfohlene Zuhausebleiben für Backende und „Bebackte“ bestimmt etwas angenehmer gestalten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Der heilige Placidus und der heilige Sigisbert sind zusammen die Heiligen Placidus und Sigisbert

Frage

Wie erkläre ich meinem Kunden, dass „die heiligen Placidus und Sigisbert“ nicht geht? Meine Änderung in „die Heiligen Placidus und Sigisbert“ wurde leider nicht akzeptiert.

Antwort

Guten Tag Frau M.,

es stimmt, dass man „heilig“ als Adjektiv kleinschreibt:

der heilige Placidus
der heilige Sigisbert

Trotzdem ist in Ihrem Beispiel tatsächlich nur die Großschreibung möglich. Das liegt daran, dass ein Artikel oder Adjektiv im Plural sich nicht auf zwei Substantive in der Einzahl beziehen kann.

Nicht:
*die festen Wille und Charakter
*die großen Burg und Kirche
*die kleinen Mark und Sophia
*die heiligen Placidus und Sigisbert

Sondern:
der feste Wille und [der feste] Charakter
die große Burg und die große Kirche
der kleine Mark und die kleine Sophia
der heilige Placidus und der heilige Sigisbert

Möglich sind allerdings Formulierungen mit einem Substantiv im Plural, dem eine zweiteilige Apposition folgt:

die Kinder Mark und Werner
die Kleinen Mark und Sophia
die Einsiedler Placidus und Sigisbert

Entsprechend muss in dieser Formulierung „Heiligen“ ein Substantiv sein und sollte großgeschrieben werden:

die Heiligen Placidus und Sigisbert

Häufig wird aber (auch in katholischen und anderen kirchlichen Kontexten) trotzdem „die heiligen Petrus und Paulus“ statt „die Heiligen Petrus und Paulus“ geschrieben. Nach der Grammatik und der Rechtschreibregelung ist diese Kleinschreibung nicht korrekt. Sie könnte höchstens als fachsprachliche Schreibung angesehen werden, aber für eine begründete Aussage kenne ich mich in dieser Fachsprache leider zu wenig gut aus.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Wenn der Bindestrich fehl am Platz ist: von der High Society bis zur Smart Factory

Heute einmal etwas Kurzes und Einfaches:

Frage

Die Wörterbücher verzeichnen die Schreibweise „Big Data“ ohne Bindestrich (z. B. hier). Kann ich dieses Muster (Big = Adjektiv; Data = Substantiv) auch auf das Wort „Smart Factory“ übertragen oder ist hier die Schreibweise mit Bindestrich korrekt?

Antwort

Guten Tag Herr R.,

hier ist der Bindestrich nach der amtlichen Regelung nicht möglich. Angebracht ist bei Verbindungen dieser Art die Getrenntschreibung und manchmal auch die Zusammenschreibung.

Substantivische Wortverbindungen aus dem Englischen, die aus einem Adjektiv und einem Substantiv bestehen, werden getrennt geschrieben:

High Society
Public Domain
Human Resources
Big Data

Dabei werden beide Teile der Verbindung mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben. Wenn das Adjektiv die Hauptbetonung trägt, kann auch zusammengeschrieben werden:

Big Band o. Bigband
Small Talk o. Smalltalk
Smart Phone o. Smartphone
Smart Factory (o. Smartfactory)

Das zusammengeschriebene „Smartfactory“ steht in Klammern, weil es zwar nach der Regel möglich ist, aber offenbar kaum vorkommt.

Die entsprechende Regel finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (3)

Wenn-Dann-Prinzip oder Wenn-dann-Prinzip: Groß und klein in Bindestrichzusammensetzungen

Frage

[…] Es geht dabei um das Wort „Wenn-dann-Prinzip“. Das Wort wird im wirtschaftswissenschaftlichen Zusammenhang verwendet: „Die Essenz der digitalen Verträge basiert auf dem Wenn-dann-Prinzip.“ Eigentlich habe ich an der Schreibweise keinen Zweifel, allerdings ist mir aus der Psychologie die sehr häufig vorkommende Schreibweise „Wenn-Dann-Beziehung bekannt“, die sich so selbst in Lexika findet. […] Ist diese Schreibweise falsch oder zumindest nicht mit den amtlichen Regeln konform?

Antwort

Guten Tag Herr R.,

Sie haben recht. Bei der Groß- und Kleinschreibung in Zusammensetzungen mit Bindestrich gelten nämlich diese Regeln:

Nomen werden in Zusammensetzungen mit Bindestrich immer großgeschrieben (§ 55.2, vgl. hier):

Mehrzweck-Eckschrank
Hochgeschwindigkeits-Internetzugang
Client-Server-Architektur
400-Meter-Lauf

Amerika-freundlich**
Fett-triefend**
UV-Strahlen-beständig**
Vitamin-C-reich**

Nicht-Nomen werden großgeschrieben, wenn sie am Anfang von Zusammensetzungen mit Bindestrich stehen, die als Ganzes Nomen sind (§ 55.1, vgl. hier)*:

Dritte-Welt-Laden
Soll-Wert (o. Sollwert)
Links-rechts-Kombination
Ad-hoc-Lösung
das Sowohl-als-auch
das In-der-Nase-Bohren (vgl. hier)

Sonst werden Nicht-Nomen in Zusammensetzungen mit Bindestrich kleingeschrieben:

Analog-digital-Konverter
Links-rechts-Kombination
Ad-hoc-Lösung
Mund-zu-Mund-Beatmung
Oben-ohne-Lokal
das Sowohl-als-auch
zum Aus-der-Haut-Fahren (vgl. hier)

Vor allem diese letzte Regel wird häufiger nicht eingehalten, wie auch das Beispiel in Ihrer Frage zeigt.

Nach der amtlichen Regelung korrekt ist somit tatsächlich:

das Wenn-dann-Prinzip
die Wenn-dann-Beziehung

Die Schreibungen „Wenn-Dann-Prinzip“ und „Wenn-Dann-Beziehung“ sind nicht regelkonform und müssten zum Beispiel in einem Schüleraufsatz rot angestrichen werden. Wenn sie in der Fachsprache üblich sind, weicht – so banal kann man es ausdrücken – die fachsprachlich übliche Schreibung von der regelkonformen Schreibung ab. Das kommt recht häufig vor, sodass Ihr aufkommender Zweifel gut verständlich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Ausnahmen:
Kleingeschriebene Abkürzungen und als Kleinbuchstaben zitierte Einzelbuchstaben bleiben auch am Wortanfang klein: pH-Wert, kg-Preis, i-Punkt, s-Genitiv, x-Achse.
Zitierte Wortformen werden in Verbindungen mit Bindestrich auch am Wortanfang kleingeschrieben: dass-Satz (o. Dasssatz), oder-Frage (o. Oderfrage).

** Wenn ohne Bindestrich geschrieben: amerikafreundlich, fetttriefend, strahlenbeständig, vitaminreich.

Kommentare (5)

Das fehlende Wort zwischen „links“ und „rechts“

Frage

Die Bildzeile unter einem Bild in einem Text enthält oft die Namen der Abgebildeten und den Zusatz (links), (rechts), (Mitte). […] Und da wundere ich mich, dass man zwar „rechts“ und „links“ kleinschreibt, aber „Mitte“ groß. Oder ist das ein Irrtum? Mir erscheint „Max (links), Tina (mitte), Svenja (rechts)“ logischer. Darf ich „mitte“ kleinschreiben?

Antwort

Guten Tag Frau R.,

die Großschreibung von „Mitte“ ist korrekt. Das sieht man etwas besser, wenn man die Zusätze ausformuliert:

Max (links) = Max, links stehend
Tina (Mitte) = Tina, in der Mitte stehend
Svenja (rechts) = Svenja, rechts stehend

Sie können deshalb „mitte“ nicht kleinschreiben. Was hier fehlt, ist ein griffiges und vor allem gebräuchliches Adverb, das die Position zwischen „links“ und „rechts“ angibt. Wir verwenden dafür meist „in der Mitte“, das vom Wortaufwand her eigentlich besser zwischen „auf der rechten Seite“ und „auf der linken Seite“ passt. Für eine konsequente Kleinschreibung könnten Sie zum Beispiel auf „mittig“ oder „dazwischen“ ausweichen, aber das erste Worte trifft nicht ganz die Bedeutung und das zweite ist bei Bildunterschriften u. Ä. einfach nicht üblich.

Das Fehlen eines gängigen Adverbs führt zu der für das Auge inkonsequenten Klein- und Großschreibung „links – Mitte – rechts“, die Sie ein wenig irritiert. Das gilt auch in der Politik, wo man ebenfalls von „links“ und „rechts“ (vgl. hier) und von „die Mitte“ spricht und wo ein Ausweichen auf „dazwischen“ gar nicht in Frage kommt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Auch politisch bleiben „links“ und „rechts“ klein

So bestimmt lässt sich das allerdings nur sagen, wenn mit klein die Kleinschreibung gemeint ist.

Frage

Ich frage mich nun schon länger, ob man im politischen Kontext die politischen Koordinaten „links“ und „rechts“ auch großschreiben kann. Wenn ich recht sehe, wäre dieses Beispiel eindeutig in der Kleinschreibung:

Die Gesellschaft rückt nach rechts.

Doch was ist mit solchen Formulierungen:

Links wie rechts bieten sich Paroli.
Viele Menschen sind gegen rechts auf die Straße gegangen.

Kann man dann auch großschreiben?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

die Adverbien links und rechts werden immer kleingeschrieben. Das gilt auch dann, wenn sie gewisse Merkmale eines Substantivs haben:

Er kann rechts und links nicht auseinanderhalten.
Der Wagen kam von rechts.
An dieser Kreuzung gilt rechts vor links.
Dort musst du nach rechts abbiegen.
Die schwarze Katze lief von links nach rechts über die Straße.
Sie schreibt mit links.

Auch im politischen Sinne sollten links und rechts kleingeschrieben werden:

Nach jeder Wahl wechselten links und rechts einander ab.
Die Gefahr kommt von rechts.
der Kampf gegen links
Links wie rechts bieten sich Paroli.
Viele Menschen sind gegen rechts auf die Straße gegangen.

Ob räumlich oder politisch gemeint, rechts und links schreibt man im Prinzip klein. – Nur mit einem Artikelwort drängt sich die Großschreibung dann doch auf:

Du weißt schon, dass dein Rechts mein Links ist?
Meinst du dein Rechts oder mein Rechts?!

Aber auch dann würde ich eher die Kleinschreibung in Anführungszeichen wählen:

Du weißt schon, dass dein „rechts“ mein „links“ ist?
Meinst du dein „rechts“ oder mein „rechts“?!

Doch wenn es um Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit rechts und links geht, ist es meist keine gute Idee, zusätzlich die Groß- und Kleinschreibung herbeizuziehen. Das Konfliktpotenzial ist auch ohne die Rechtschreibung groß genug – beim Autofahren wie in der Politik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Den richtigen oder den Richtigen finden?

Der Titel könnte missverstanden werden: Es geht leider/zum Glück nicht um Tipps für die erfolgreiche Partnersuche, sondern nur um die Antwort auf eine Frage zur Groß- und Kleinschreibung.

Frage

Ich würde gerne wissen, ob im folgenden Text die Kleinschreibung der allein stehenden Adjektive richtig ist. Ich bin mir nicht ganz sicher beim letzten „der richtige“. Eigentlich bezieht es sich doch immer noch auf „Partner“, vom Gefühl aus würde ich aber doch „der Richtige“ schreiben. Liege ich da falsch?

Nach dieser Enttäuschung habe ich einen neuen Partner gesucht. Zweimal dachte ich, einen passenden gefunden zu haben. Der erste war aus Rom und der zweite aus Florenz. Aber weder der eine noch der andere war der richtige.

Antwort

Guten Tag Frau F.,

es gibt bei der Groß- und Kleinschreibung von allein stehenden Adjektiven manchmal mehr als nur eine richtige Lösung. Das ist auch hier der Fall.

Richtig ist die Kleinschreibung bei den ersten Adjektiven, weil sie sich auf das vorhergehende Substantiv Partner beziehen (vgl. hier):

Nach meiner Trennung habe ich nach einem neuem Partner gesucht. Zweimal dachte ich, einen passenden gefunden zu haben. Der erste war aus Rom und der zweite aus Florenz.

Das letzte richtige kann kleingeschrieben werden:

Aber weder der eine noch der andere war der richtige.

Damit wird einfach ausgedrückt, dass keiner der beiden der richtige Partner war.

Sie können aber auch großschreiben:

Aber weder der eine noch der andere war der Richtige.

Das ist viel eindringlicher, denn damit ist nicht einfach der richtige Partner gemeint, sondern eben der eine Richtige, den man zu finden hofft (der Richtige = der richtige Mann/Geliebte/Lebenspartner).

Ob schlicht klein der richtige oder leidenschaftlich groß der Richtige, beides ist hier vertretbar. Sie können also Ihrem Gefühl folgen und großschreiben.

Das Gleiche gilt natürlich auch dann, wenn von einer Partnerin die Rede ist und die richtige oder eben die Richtige gefunden werden soll.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare