Großes Du in E-Mails?

Wenn wir schon beim Thema Anreden in Briefen sind (siehe den vorhergehenden Eintrag), hier eine weiter Frage in diesem Zusammenhang:

Frage

In einem großen Internetforum kam die Frage eines älteren Mitglieds auf, ob die Anrede du nicht großgeschrieben werde. Es entfachte eine kleine Diskussion, die sich auf die folgende Frage reduzieren lässt: Kann die Sonderregel in §66 der amtlichen Rechtschreibregelung auch auf andere Dinge als den klassischen Brief erweitert werden oder ist es auch nach diesen Regeln zwingend notwendig, Forenanreden (hinzu kommen vielleicht sogar noch Chats und sogar E-Mails?) kleinzuschreiben?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

es steht zu befürchten, dass ich die Diskussion nicht endgültig beschließen kann. Die Frage lautet, was die amtliche Regelung genau meint:

§ 66: Die Anredepronomen du und ihr, die entsprechenden Possessivpronomen dein und euer sowie das Reflexivpronomen sich schreibt man klein.

E: In Briefen können die Anredepronomen du und ihr mit ihren Possessivpronomen auch großgeschrieben werden

Wenn man sich buchstäblich an den Text hält  (es gibt nun einmal Leute, die das immer tun …), ist die Großschreibung von du nur in Briefen möglich. Doch was ist mit „in Briefen“ gemeint? Ich und andere interpretieren es so, dass damit nicht nur klassische Briefe, sondern schriftliche Äußerungen aller Art gemeint sind, in denen sich du oder ihr direkt an jemanden richtet. Es kann sich also auch um Widmungen, interne Memos, E-Mails, Forenbeiträge usw. handeln. Warum?

Es geht um die Möglichkeit (also nicht um die Verpflichtung), die Anrede du oder ihr als Ausdruck der Höflichkeit großzuschreiben. Diese Möglichkeit sollte einem in allen schriftlichen Äußerungen zur Verfügung stehen. Außerdem ist es in der heutige Zeit recht schwierig zu definieren, was genau ein Brief ist. Muss er zum Beispiel unbedingt auf Papier geschrieben sein? Muss er in einem Umschlag stecken? Hat nicht unter anderem die E-Mail in vielen Bereichen die Rolle des Briefes übernommen?

Es ist also eine Frage der Interpretation. Ist mit „in Briefen“ nur der klassische Brief gemeint – oder einfach eine direkt an jemanden gerichtet schriftliche Äußerung? Meine Interpretation kennen Sie nun. Ich bin halt auch schon ein bisschen älter …

Mit freundlichen Grüßen

Stephan Bopp

Vom Wissenwollen und dem Nicht-begreifen-Können

Manchmal kommen bestimmte Fragen wie in Wellen auf. In letzter Zeit war die Frage nach der Schreibung von substantivierten Infinitivgruppen Ihr großer Favorit. Keine Angst, substantivierte Infinitivgruppe klingt „gefährlicher“ als es ist.

Fragen

  • Schreibt man das Wissen wollen oder das Wissenwollen, das Verzeihen können oder das Verzeihenkönnen?
  • Bei der Suche nach Regeln für die Schreibweise des folgenden Ausdrucks bin ich leider nicht fündig geworden: das Gefundenwerden?
  • Wie werden im folgenden Satz die Worte Erwachsen werden geschrieben: „Es gehört zum Erwachsen werden, dass man Verantwortung übernimmt“?
  • Wie schreibt man vom Gefüttertwerden bis zum allein Essen?
  • Könnten Sie mir bitte sagen, wie man das unter Druck setzen richtig schreibt, d.h. welche Wörter groß, welche klein, wo Bindestrich?
  • Wie wird das Folgende geschrieben:  ein Gefühl des Nicht begreifen könnens?

Antwort

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn ein Infinitiv, das heißt die Grundform eines Verbs, als Substantiv verwendet wird, schreibt man groß:

das Lesen
beim Stricken einnicken
zum schnellen Aufwärmen
die Zeit mit Spielen und Fernsehen verbringen

Wenn man statt eines allein stehenden Infinitivs eine Infinitivgruppe als Substantiv verwendet, schreibt man ebenfalls groß. Bei einfacheren, in der Regel aus zwei Teilen bestehenden Gruppen schreibt man zusammen:

das Bücherlesen
beim Winterpulloverstricken einnicken
zum schnellen Selbstaufwärmen

Das bedeutet für die Beispiele in Ihren Fragen:

das Wissenwollen
das Verzeihenkönnen
das Gefundenwerden
das Erwachsenwerden
vom Gefüttertwerden bis zum Alleinessen

Bei komplexeren Infinitivgruppen verwendet man Bindestriche. Weiter schreibt man das erste Wort, den (letzten) Infinitiv und ggf. Substantive groß. Das führt dann zu solchen Schreibungen:

das Dicke-Bücher-Lesen
beim Für-die-ganze-Familie-Pullover-Stricken
zum schnellen In-der-Mikrowelle-Aufwärmen

Sie schreiben also auch:

das Unter-Druck-Setzen
ein Gefühl des Nicht-begreifen-Könnens

Es gäbe wahrscheinlich noch einiges zu sagen. Ich glaube aber, dass die Beispiele zeigen, wie es im Allgemeinen gemacht wird. Sie zeigen auch, dass man mit solchen Formulierungen vorsichtig und sparsam umgehen sollte. Sie sind nämlich schwerfällig und – vor allem wenn sie länger sind – nicht gerade einfach zu verstehen. Meist ist eine andere Formulierung vielleicht etwas länger, dafür eleganter und lesefreundlicher. Das war zwar nicht die Frage, aber ich möchte nicht, dass man mir noch den Vorwurf des Den-stilistischen-Aspekt-völlig-außer-Acht-Lassens macht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Wenn Sie sich die entsprechenden Rechtschreibregeln ansehen möchten, finden Sie sie hier:

Leuchtendes Blau und blaues Leuchten

Passend zum für viele nicht mehr allzu weit entfernten Anfang der Sommerferien eine Frage im Zusammenhang mit der Farbe des Meeres:

Frage

Welche Form stimmt?

Das Blau des Meeres leuchtet.
Das blau des Meeres leuchtet.

In der Schule gab es verschiedene Auffassungen!

Blau: Gemeint ist die Farbe, also ein Nomen (das).
blau: Wir fragen „Wie leuchtet das Meer?“ – „blau“, also ein Adjektiv.

Wer hat Recht?

Antwort

Sehr geehrter Herr A.,

richtig ist hier die Großschreibung:

Das Blau des Meeres leuchtet.

Das Adjektiv blau wird in diesem Satz als Substantiv verwendet. Das erkennt man unter anderem daran, dass es alleine nach dem Artikel das steht. Als Substantiv verwendete Adjektive schreibt man groß. Sehen Sie hierzu diese Rechtschreibregel.

Sinngemäß stimmt es, dass das Meer blau leuchtet. Konkret wird aber etwas anderes gesagt, nämlich dass das Blau des Meeres leuchtet. Nicht das Meer, sondern dessen Farbe leuchtet. Wichtig für die Groß- und Kleinschreibung ist nicht der tiefere Sinn, sondern die konkrete Satzkonstruktion. Man fragt deshalb in diesem Satz nicht mit wie?, sondern mit wer oder was? nach Blau:

Wer oder was leuchtet? – Das Blau des Meeres leuchtet.

Klein schreibt man blau in anderen Satzkonstruktionen wie zum Beispiel :

Wie leuchtet das Meer? – Das Meer leuchtet blau.

Wenn Sie bald ans Meer fahren und schönes Wetter mögen, kann es Ihnen aber ziemlich egal sein, ob man blau oder Blau schreibt. Hauptsache ist, dass Sie dort blaues Leuchten oder leuchtendes Blau antreffen. Dies gilt übrigens auch bei Bächen, Seen und Flüssen, falls Sie andere Landschaftstypen bevorzugen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die 60-Jährige

Gestern, am 23. Mai, wurde sie sechzig. Jetzt ist sie sechzig Jahre alt. Eine sechzigjährige (60-jährige), quicklebendige Dame. Es ist eine ungewöhnliche Sechzigjährige (60-Jährige). Sie hat zum Beispiel keine Privatadresse, an die man die Karte mit der großen goldenen Sechzig schicken könnte. Ich weiß darum gar nicht so recht, ob und wie ich ihr zum Sechzigsten gratulieren soll. Mit oder ohne Gratulationen: es ist ein schönes Jubiläum. Ihrem sechsundsechzigjährigen (66-jährigen) Präsidenten kann man übrigens ganz ohne Ob und Wie zur Wiederwahl gratulieren.

Es geht hier natürlich auch ein ganz kleines bisschen um die Wörter sechzig und sechzigjährig.

Ein norwegischer Sänger in der russischen Hauptstadt

Wie es sich für einen seriösen Sprachwissenschaftler nicht gehört, habe ich auch dieses Jahr wieder mit viel Vergnügen, einem Gläschen Wein und etwas zum Knabbern den Liederwettbewerb der Eurovision am Fernsehen verfolgt. Die deutschsprachigen Länder waren dabei ziemlich untervertreten, da gar kein österreichisches Lied angemeldet worden war, es noch nie einen liechtensteinischen Beitrag gegeben hat und die schweizerischen musikalischen Abgesandten im Halbfinale völlig zu Unrecht nicht genügend Stimmen für die Teilnahme am Finale für sich gewinnen konnten. Für die anderen Länder, in denen Deutsch eine Amtssprache ist, gilt, dass die letzten italienischen und luxemburgischen Teilnahmen schon Jahre zurückliegen und der belgische Elvis-Imitator es etwas weniger unerwartet als der Schweizer Beitrag nicht ins Finale geschafft hatte.

Als großer Geldgeber der Eurovision konnte nur Deutschland, ohne eine Vorrunde durchstehen zu müssen, direkt am Finale in der russischen Hauptstadt teilnehmen. Es gab dann also doch einen Beitrag aus deutschsprachigen Landen. Allerdings stand (oder besser: wand sich) dort ein amerikanischer Sänger mit einem englisch gesungenen Lied, aber im Rahmen des europäischen Gedankens und der gesamteuropäischen Unterhaltung sei dies zugestanden. Den Erfolg des deutschen Beitrags kann man, gelinde gesagt, mit mäßig umschreiben, was – nichts für ungut – die Qualität des Songs recht gut widerspiegelt.

Überwältigend gewonnen hat dann in der osteuropäischen Metropole ein junger norwegischer Sänger mit weißrussischen Wurzeln und einem so entwaffnenden Lächeln, dass es ihm europaweit gelingen würde, selbst die strengsten und misstrauischsten zukünftigen Schwiegervater- und Schwiegermutterherzen im Nu zu erobern.

Fans und Verächter des Eurovision Song Contests ebenso wie die große Gruppe derer, denen diese Veranstaltung und der Zirkus darum herum ziemlich gleichgültig sind, fragen sich vielleicht, was dies alles in einem Sprachblog zu suchen hat. Die Antwort lautet: im Prinzip gar nichts. Ich wollte nur wieder einmal darauf hinweisen, dass von geographischen (und anderen) Namen abgeleitete Adjektive im Deutschen anders als zum Beispiel im Englischen kleingeschrieben werden:

ein österreichisches Lied, ein liechtensteinischer Beitrag, die schweizerischen Abgesandten, die luxemburgische Teilnahme, ein belgischer Elvis-Imitator, die russische Hauptstadt, die osteuropäische Metropole, der norwegische Sänger usw.

Was eignet sich besser als ein internationales Ereignis wie dieses, um das mit vielen Beispielen zu illustrieren.

Ausnahmen sind die unveränderlichen Adjektive auf -er wie Schweizer in Schweizer Beitrag und Moskauer in das Moskauer Stadtzentrum. Auch die Adjektive, die Teil eines Eigennamens sind, schreibt man groß: die Deutsche Bahn, der Österreichische Rundfunk (ORF), die Schweizerische Eidgenossenschaft, die Europäische Union.

Wer mich besser kennt, wird nun vermuten, dass ich nicht das Festival dazu verwende, um etwas über die Rechtschreibung zu schreiben, sondern umgekehrt die Rechtschreibung als Ausrede missbrauche, um auch einmal etwas über das Eurovisionsfestival schreiben zu können. Wer mir solches unterstellt, hat nicht ganz unrecht.

Seit Längerem und seit langem – groß, klein oder was?

Frage

Zwei nacheinanderfolgende Sätze mit unterschiedlichen Schreibvarianten:

Dies wird in der amerikanischen Sonderpädagogik seit Längerem diskutiert.
Dies ist seit langem ein zentrales Thema.

Wird nun wirklich seit Längerem groß- und seit langem kleingeschrieben?

Antwort

Sehr geehrte Frau T.,

bei beiden Wendungen ist sowohl die Groß- als auch die Kleinschreibung möglich:

seit längerem o. seit Längerem
seit langem o. seit Langem

Es geht hier um eine der Regeln, die ich auch immer wieder nachschlagen muss, wenn ich ganz sicher sein will:

In festen Wendungen, die aus einer Präposition und einem artikellosen gebeugten Adjektiv bestehen, kann das Adjektiv klein- oder großgeschrieben werden. Zum Beispiel:

Kleinschreibung  oder  Großschreibung
seit kurzem seit Kurzem
von nahem von Nahem
von neuem von Neuem
seit neuestem seit Neuestem
bei weitem bei Weitem
bis auf weiteres bei auf Weiteres
ohne weiteres ohne Weiteres
 
und eben:
seit langem seit Langem
seit längerem seit Längerem

Für den Fall, dass Sie wie ich Mühe damit haben, sich dies auf längere Zeit zu merken, gibt es praktischerweise Canoonet. Solche Informationen zur Rechtschreibung finden Sie zum Beispiel hier und hier.

Die Schreibweisen in Ihren Zitaten sind also korrekt. Stilistisch gesehen wäre es allerdings besser, innerhalb eines Textes nur eine Variante zu verwenden (entweder seit längerem und seit langem oder seit Längerem und seit Langem).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Straßennamen

Frage

Wann schreibe ich –str. zusammen, und wann – Str. getrennt? Und wann kommt ein Bindestrich dazu und wann nicht? Gelten diese Regeln dann auch für Alleen, Wege und Chausseen?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

nach den amtlichen Rechtschreibregeln schreibt man Straßennamen grundsätzlich gleich wie „gewöhnliche“ Zusammensetzungen:

Im Prinzip zusammen:

Bahnhofstraße
Goethestraße
Fleischergasse
Langgasse
Eichenweg
Donauallee    

Ist der erste Teil ein gebeugtes Adjektiv, schreibt man den Namen getrennt und das Adjektiv groß:

Breite Straße
Lange Gasse
Neue Gasse

Man schreibt ebenfalls getrennt, wenn der erste Teil ein mit -er von einem geographischen Namen abgeleitetes unveränderliches Adjektiv ist:

Bielefelder Straße
Innsbrucker Straße
Königsberger Allee
Berliner Chaussee
(aber: Hannoverstraße)

Bindestriche werden dann verwendet, wenn der erste Teil aus einer Wortgruppe wie zum Beispiel einem mehrteiligen Eigennamen besteht:

Heinrich-Heine-Straße
Van-Gogh-Straße
Heinrich-von-Kleist-Weg
General-Guisan-Quai

ABER: Dies sind die allgemeinen Regeln. Im konkreten Fall weichen Ortschaften und Städte von diesen Regeln ab. So schreibt man in der Schweiz Genferstrasse und Baslerstrasse statt Genfer Straße und Baseler Straße, und auch in Österreich findet man des Öfteren die Schreibung Innsbruckerstraße statt der amtlich empfohlenen Schreibung Innsbrucker Straße. Diese lokal festgelegten Schreibweisen gehen den amtlichen Rechtschreibregeln vor!

Abgekürzt wird genau gleich. Also zum Beispiel:

Bahnhofstr.
Breite Str.
Bielefelder Str.
Heinrich-Heine-Str.

Noch viel mehr Informationen zur Schreibung von Eigennamen finden sie auf dieser Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ski fahren und Skifahren

In Val d’Isère streiten die Skifahrerinnen und Skifahrer zurzeit gerade um die Weltmeistertitel in der Abfahrt, im Super-G, im Riesenslalom, im Slalom und in der Superkombination. Vier verschiedene Arten (plus eine Kombination), auf zwei langen Latten den Hang hinunterzugleiten: da sage mir keiner, Skifahren sei einfach Skifahren! Der Februar ist auch der Monat des Skiurlaubs. Die Staus in Richtung Wintersportgebiete halten sich zwar noch in Grenzen (die Holländer sind noch nicht unterwegs), aber auch dieses Jahr – Krise hin oder her – werden sich Unzählige wieder auf den Weg machen, um sich eine Woche lang Skier und Snowboards unterzubinden und je nach Lust und Wesensart eher Tiroler Knödeln und Käsefondue oder vor allem dem feuchtfröhlichen Après-Ski zu frönen.

Das heutige Thema ist also das Skifahren. Wenn es um meine Skikünste geht, kann ich mich kurzfassen: Ich komme irgendwie, meist sogar ohne zu stürzen, den Hang hinunter, aber nur schon beim Anblick von Welcup-Abfahrtspisten packt mich kaltes Grauen, und wenn mir Zehnjährige elegant um die Ohren sausen, muss ich blanken Neid unterdrücken. Dass ich weiß, wann man Ski fahren und wann Skifahren schreibt, ist dann natürlich ein äußerst schwacher Trost. Es ist auch nicht allzu spannend. Deshalb nur kurz:

Im Prinzip schreibt man Ski fahren (wie Rad fahren und Auto fahren) getrennt:

Ich fahre Ski.
…, dass ich unheimlich gut Ski fahre.
…, dass ich nicht so gut Ski fahren kann.
Ich bin gestern den ganzen Tag Ski gefahren.
Wohin fährt fahrt ihr, um Ski zu fahren?

Wenn man aber das Skifahren meint, das heißt die Handlung als Substantiv verwendet, schreibt man zusammen:

Das Skifahren gefällt mir gut.
Er hat sich beim Skifahren das Bein gebrochen.
Ich freue mich aufs Skifahren.
Wohin fährt fahrt ihr zum Skifahren?

Dann gibt es auch noch die Formulierungen, bei denen man nicht entscheiden kann, ob es sich um einen verbalen Ausdruck oder um ein Substantiv handelt. Zum Beispiel (Regel):

Ist snowboarden populärer als Ski fahren?
Ist Snowboarden populärer als Skifahren?

Das war noch nicht alles: Neben Ski kann man auch Schi schreiben und statt Ski fahren kann man auch Ski laufen sagen. Ob sie nun Ski fahren, Schi fahren, Ski laufen oder Schi laufen, seien Sie vorsichtig und brechen Sie sich nichts!

PS: Auch über das Snowboarden gäbe es einiges zu sagen, doch das kommt vielleicht ein andermal.

Groß- und Kleinschreibung nach Aufzählungsstrichen

Frage

Wenn man im Brief eine Aufzählung hat, wird das Wort nach dem Aufzählungsstrich immer groß geschrieben?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

hierzu gibt es meines Wissens keine verbindlichen Regeln. Ich möchte aber trotzdem ein paar Hinweise geben:

Wenn die Aufzählung gewissermaßen in den Text integriert ist, sollte nicht großgeschrieben werden. Zum Beispiel:

Es ist erforderlich, dass
– alle Nachbarn informiert werden,
– eventuelle Beschwerden berücksichtigt werden,
– die Lärmbelästigung möglichst gering ist.

Mitnehmen sollten Sie:

  • leichte Kleidung
  • gutes Schuhwerk
  • Regenschutz
  • Kopfbedeckung

Wenn es sich um eine Aufzählung von Titeln, Überschriften, ganzen Sätzen u. Ä. handelt, sollte immer großgeschrieben werden. Beispiele:

Inhalt:
– Ein Wort vorab
– Erstes Kapitel
– Zweites Kapitel
– Abschließende Bemerkungen

Bevor Sie abschließen:

  • Haben alle das Gebäude verlassen?
  • Sind die Fenster geschlossen?
  • Sind alle Lichter gelöscht?

Sonst bleibt es in den meisten Fällen Ihrem eigenen Ermessen (oder eventuellen typographischen Hausregeln) überlassen, ob Sie Nichtsubstantive nach einem Aufzählungsstrich groß- oder kleinschreiben. Wichtig ist vielleicht nur noch, dass Sie innerhalb einer Liste unbedingt das gleiche Prinzip beibehalten sollten. Auch sonst empfiehlt es sich für Vielschreiber(innen), sich so weit wie möglich immer an die gleichen Kriterien zu halten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der Blaue Wiener und das Kaninchenessen

Vorgestern fühlte ich mich schon fast ein bisschen schuldig. Ein junger, sehr netter und manchmal etwas naiver Kollege erzählte wieder einmal von seinem kleinen Kaninchen. Er hat nämlich seit noch nicht allzu langer Zeit ein Kaninchen. Ich war gerade dabei, die Frage eines Canoonet-Benutzers zu beantworten, und hörte deshalb nur mit einem halben Ohr zu. Ein relativ geringes Interesse an Hauskaninchen mag auch eine Rolle gespielt haben, dass ich nicht gebannt an seinen Lippen hing. Das Kaninchen war krank gewesen, hatte aber dank tierärztlicher Hilfe und liebevoller Pflege die Krankheit gut überstanden.

Ob Mathieu, unser französische Mitarbeiter, Fotos des kleinen Blauen Wieners sehen wolle, war die Frage, die mich dann doch aufhorchen ließ. Ich wusste bereits aus früheren Erzählungen, dass Blauer Wiener der Name einer Kaninchenrasse ist. Was ich nicht erwartet hatte, waren die Fotos. Dass man manchmal Fotos von Kindern anderer Leute bewundern darf, ist bekannt und auch gut verständlich. Wenn sie das Babyalter hinter sich gelassen haben, ist es sogar interessant, die Kleinformatausgaben von Freunden, Bekannten und Kollegen zu sehen. Aber Fotos eines jungen Kaninchens?! Ich verbarg mich also noch etwas besser hinter meinem Bildschirm, bearbeitete gespielt konzentriert die Tastatur und wartete auf die Reaktion. „Aber natürlich“, antwortete Mathieu, „sehr gerne.“ Nach einer gebührenden Betrachtungspause meinte er dann trocken: „So was essen wir bei uns als Sonntagsbraten.“ Die Reaktion unseres Kaninchenvaters war nicht etwa Empörung, sondern ungläubigstes Erstaunen. Konzepte wie das Kaninchenzüchten und das Kaninchenhalten waren ihm natürlich bekannt, aber vom Kaninchenessen hatte er noch nie gehört.

Er schaute sich hilfesuchend um und ich wäre beinahe über der Tastatur erstickt. Ich wollte den armen Jungen ja nicht auslachen. Kann man denn von einem Franzosen eine andere Reaktion erwarten? Französische Tierliebe geht nun einmal wörtlich durch den Magen, denn die französische Küche bringt alles, aber auch alles, was irgendwie für den menschlichen Konsum geeignet sein könnte, auf den Teller. Außerdem hatte ich – auch wenn ich kein Franzose bin – zufälligerweise zwei Tage zuvor mit Weißwein, Schalotten und Salbei geschmortes Kaninchen gegessen. Unser junger Kollege hat sich glücklicherweise schnell wieder beruhigt und die Tatsache zur Kenntnis genommen, dass es offenbar solche herzlosen Barbaren gibt, die so etwas Kleines, Süßes, Niedliches wie ein Kaninchen aufessen.

Das mag vielleicht eine nette kleine Andekdote sein, doch was lernen wir in diesem Blogeintrag? Folgendes:

  • Man schreibt das Adjektiv in Bezeichnungen von Tierfamilien, -gattungen und -rassen groß. Ein Blauer Wiener ist ein Kaninchen, ein blauer Wiener ein frierender oder betrunkener Einwohner der österreichischen Hauptstadt. (Regel)
  • Als Substantiv verwendete erweiterte Infinitive, die aus zwei Teilen bestehen, werden zusammen- und großgeschrieben: das Kaninchenzüchten, das Kaninchenhalten, das Kaninchenessen. (Regel)
  • Dr. Bopp isst Kaninchen.
  • Franzosen essen alles.

Kaninchenzüchter, Kaninchenbesitzer und Franzosen bitte ich, diesen Beitrag nicht allzu ernst zu nehmen.