Hat der bayerische Ministerpräsident ein großes B?

Frage

Es geht um die Großschreibung von Adjektiven bei Eigennamen und Titeln, z.B. der Heilige Vater. Wie schreibt man nun der bayerische Ministerpräsident richtig? Bayerische groß oder klein? Ich habe bisher verschiedene Schreibweisen gesehen.

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

nach den amtlichen Rechtschreibregeln richtig ist:

der bayerische Ministerpräsident

Im Gegensatz zu Heilig in der Heilige Vater gehört bayerisch nicht zum Titel oder zur Amtsbezeichnung des Ministerpräsidenten. Es ist ein ganz „normales“ Adjektiv, das angibt, dass es sich um den Ministerpräsidenten Bayerns und nicht etwa um seinen baden-württembergischen oder thüringischen Amtskollegen handelt. (Amtskolleginnen hat er ja zurzeit wieder einmal keine, aber das ist eine ganz andere Frage.)

Man schreibt bayerisch dann groß, wenn es Bestandteil eines Eigennamens ist. Zum Beispiel: der Bayerische Rundfunk (BR), der Bayerische Wald (Gebirgszug in Ostbayern).

Oft wird bayerisch auch deshalb großgeschrieben (vielleicht in Anlehnung an das Englische), weil es ein geographisches Adjektiv ist. Von Eigennamen abgeleitete Adjektive werden im Deutschen aber im Prinzip kleingeschrieben: wienerisch, mecklenburgisch, schweizerisch, europäisch, ägyptisch, amerikanisch usw. Weitere Informationen und die unvermeidlichen Ausnahmen finden Sie auf den folgenden Rechtschreibseiten:

Dr. Bopp

Alle Jahre wieder …

… taucht aus begreiflichen Gründen die gleiche Frage auf: In Weihnachtsgrüßen und guten Wünschen zum neuen Jahr schreibt man Adjektive klein – außer ganz am Anfang. Zum Beispiel:

Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr.
Wir wünschen fröhliche Weihnachten und alles Gute im neuen Jahr.

Sehen Sie hierzu auch den entsprechenden Beitrag vom letzten Jahr.

Liebe Freundinnen und Freunde

Frage

Kann man anstatt Liebe Freundinnen und Freunde kürzer Liebe FreundInnen (mit großem I) schreiben? Die gleiche Frage stellt sich auch für RätInnen, GenossInnen usw.

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

nach der amtlichen Rechtschreibung ist diese Verwendung eines Großbuchstabens im Wortinnern nicht vorgesehen. Es gibt aber verschiedene Alternativen, wie man Frauen und Männer in einem Ausdruck erwähnen kann. Am besten finde ich, wenn möglich nicht abzukürzen:

Liebe Kolleginnen und Kollegen
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gesucht
die Rätinnen und Räte
Freundinnen und Freunde

Wenn Sie zum Beispiel aus Platzgründen abkürzen müssen oder wollen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Schrägstrich

    Liebe Kolleginnen/Kollegen
    Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen gesucht
    die Rätinnen/Räte
    Freundinnen/Freunde

  • Schrägstrich und Ergänzungsstrich

    Mitarbeiter/-innen gesucht
    250 Schüler/-innen

    Diese Schreibweise sollte nur dann verwendet werden, wenn das erste Wort keine Endung hat. Also besser nicht:

    Kollegen/-innen
    Räte/-innen
    Freunde/-innen

  • Klammern

    Liebe Kolleg(inn)en
    Mitarbeiter(innen) gesucht

    Diese Schreibweise verwenden Sie der Lesbarkeit zuliebe besser nicht, wenn die Wörter unterschiedliche Endungen haben. Also besser nicht:

    Rät(inn)e(n)
    Freund(inn)e(n)

  • Großes I im Wortinnern
    Diese Variante ist, wie bereits gesagt, offiziell nicht anerkannt. Sie sollte vor allem dann nicht verwendet werden, wenn die Wörter wie z.B. Freund-e und Freundinn-en unterschiedliche Endungen haben.

    Liebe KollegInnen
    MitarbeiterInnen gesucht

Bei Freundinnen und Freunde gibt es also nur eine gute Möglichkeit, abzukürzen:

   Liebe Freundinnen/Freunde

Eine Anrede wie Liebe Freundinnen und Freunde würde ich persönlich aber immer ausschreiben. Das sieht irgendwie viel höflicher, netter oder respektvoller aus. Und wenn man sieht, wie kompliziert das Abkürzen sein kann, ist Ausschreiben ohnehin zu empfehlen …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

zum einen – zum anderen

Frage

Schreibt man die Wendung zum einen – zum anderen jeweils klein oder gilt nach der neuen Rechtschreibung zum Einen – zum Anderen?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

die Pronomen eine und andere werden im Prinzip immer kleingeschrieben. Nach der Reform darf man sie aber neu auch großschreiben, wenn damit unterstrichen werden soll, dass es sich um Substantive handelt.

Der Ausdruck, um den es hier geht, bedeutet etwas Ähnliches wie einerseit – andererseits. Ich empfehle deshalb, einen und anderen kleinzuschreiben:

Damit soll zum einen die Wettbewerbsfähigkeit erhöht, zum anderen die Entwicklung neuer Technologien gefördert werden.

Die Möglichkeit der Großschreibung ist eher für Fälle wie den folgenden vorgesehen:

Er erzählt niemanden die gleiche Geschichte. Zum Einen sagt er dies, zum Anderen wieder das.

Aber auch hier ist die Kleinschreibung korrekt:

Er erzählt niemanden die gleiche Geschichte. Zum einen sagt er dies, zum anderen wieder das.

Nur in der Wendung sein Ein und Alles muss immer großgeschrieben werden. Sehen Sie hierzu auch die Angaben zur Rechtschreibung von andere und eine.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die goldene Hochzeit

Am heutigen 20. September 2008 habe ich etwas ganz Besonderes, wenn auch wieder einmal eher Persönliches zu melden: Ich gratuliere meinen Eltern ganz herzlich zur goldenen Hochzeit! Schon fünfzig Jahre ist die Hochzeit her und immer noch sind sie ein Ehepaar. Das ist doch bestimmt erwähnenswert!

Damit auch die Sprach- und Rechtschreibfanaten unter Ihnen etwas davon haben: Warum man die goldene und nicht die Goldene Hochzeit schreibt, sehen Sie hier und hier.

Wenn Banken Bankrott … oder bankrott …?

Heute wieder einmal etwas Aktuelles: die Bankenkrise. Keine Angst, ich werde sie weder genauestens analysieren, noch haarfein darlegen, wer die Schuld daran trägt und wie sie hätte vermieden werden können. Auch Prognosen über Dauer, Ausmaß und mögliche weitere „Opfer“ dürfen Sie von mir nicht erwarten. Das überlasse ich Finanzexperten und anderen Wahrsagern. Nein, da ich Sprachler bin (und über keine nennenswerten risikovollen Finanzanlagen verfüge), ist mir beim Lesen der Zeitung heute Morgen das folgende Wort aufgefallen: Bankrott.

Warum Bankrott? – Weil es auch bankrott gibt und ich mich an seine Entstehungsgeschichte erinnerte. Doch der Reihe nach: Neben dem großgeschriebenen Substantiv Bankrott gibt es auch das kleinzuschreibende Adjektiv bankrott. Das führt vorerst zu keinen größeren Schwierigkeiten:

Die Bank steht vor dem Bankrott.
Sie mussten den Bankrott anmelden.
Er wird des betrügerischen Bankrotts beschuldigt.

Die Bank ist bankrott.
Diese Politik wird das Geschäftsleben noch bankrott machen.
Der bankrotte Giftmüllbetrieb gefährdet das Grundwasser.

Nun gibt es aber auch feste Wendungen, bei denen man tief nachdenken muss, ob man nun ein großes B oder ein kleine b schreiben muss. Bankrott gilt in den folgenden Wendungen als Substantiv:

Bankrott machen
Bankrott anmelden
seinen Bankrott erklären.

Und in diesen Wendungen ist es ein Adjektiv:

bankrott sein
sich bankrott erklären
sich für bankrott erklären

Das ist aber noch nicht alles: In Verbindung mit gehen muss bankrott klein- und wo nötig mit dem Verb zusammengeschrieben werden:

bankrottgehen
Die Bank ging bankrott.
Sie spekulierten so lange, bis sie bankrottgingen.
Das Geschäft ist bankrottgegangen.
Der Konzern drohte bankrottzugehen.

Wenn Sie einen Artikel über Zahlungsunfähigkeit schreiben wollen, wissen Sie nun, wann Sie Bankrott und wann bankrott schreiben müssen. Und wenn Sie bei dieser Variantenfülle wie ich nach spätestens einer Viertelstunde den Bankrott Ihres Erinnerungsvermögens anmelden müssen, dann gibt es zum Glück noch Canoonet. Sehen Sie hier.

Viel wichtiger als die Groß- und Kleinschreibung ist natürlich, dass in nächster Zeit nicht allzu viele Banken bankrott machen, bankrottgehen oder Bankrott anmelden müssen.

Nun noch kurz zur Herkunft des Wortes: Wie das Wort Bank für das Finanzinstitut kommt auch Bankrott aus dem Italienischen: banco rotto = gebrochene Bank. Die Bank war früher vor allem in Italien ein Tisch auf dem Markt, auf dem die ersten Bankiers ihr Geld ausliehen, ihre Wechsel schrieben usw. Wenn ein solcher Banker nun zahlungsunfähig war, wurde sein Tisch gebrochen (ob buchstäblich oder in irgendeinem übertragenen Sinne, das konnte ich leider nicht herausfinden), um anzugeben, dass er nicht mehr in der Lage war, seine Geschäfte zu führen.

Ich wiederhole es in entsprechend historisierenden Worten: Es ist zu hoffen, dass in näherer Zukunft nicht allzu viele Bänke gebrochen werden.

Ein Eis zu viert

Frage

Ich möchte eine kleine Zeitungsanzeige schalten und würde gerne wissen, ob so alles richtig geschrieben ist – insbesondere das zu Viert. Gekürzte Version:

Hallo! Wir haben uns im Tiergarten gesehen. Du warst mit deiner Tochter da, ich mit meiner. Lust auf ein Eis zu Viert? Oder seid ihr schon vergeben?

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

bis auf das Wort, bei dem Sie schon zweifelten, ist Ihre Anzeige richtig geschrieben. Die endungslosen Formen der Ordnungszahlen kommen nur in Verbindung mit zu vor und werden dann kleingeschrieben: zu zweit, zu dritt usw. Richtig ist also:

Lust auf ein Eis zu viert?

Sehen Sie hierzu auch diese Seite.

Viel Glück beim Eisessen und freundliche Grüße

Dr. Bopp

Die Zeit mit Singen, Spielen, Tanzen und Lesen verbringen.

Frage

Werden die Verben im folgenden Satz groß- oder kleingeschrieben?

Ich verbringe viel Zeit mit singen, spielen, tanzen und lesen.

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

viele von uns wissen, dass man Verben großschreiben muss, wenn sie als Substantive verwendet werden. Oft sind solche substantivierten Verben relativ leicht daran zu erkennen, dass ein Artikel (das, ein) oder ein anderes Artikelwort (zum Beispiel alles, kein, dieses, jedes, sein) vor ihnen steht:

Das Schwimmen ist hier verboten.
Ich finde das nicht zum Lachen.
Dort war nur ein Flüstern zu hören.
Alles Bitten war vergeblich, kein Betteln half.
Dieses Ausbleiben jeglichen Kommentars erstaunt mich.
Was findest du von seinem Schweigen?
(siehe aber unten unter ***)

Wie steht es jetzt mit dem Beispielsatz in der obenstehenden Frage? Wie schreibt man ein Verb, wenn es direkt nach einer Präposition wie mit, in, auf usw. steht? Ehrlich gesagt musste ich das sicherheitshalber auch nachschauen, damit ich Ihnen sicher nichts Falsches erzähle. Die Antwort lautet: Auch dann wird großgeschrieben. Das Verb gilt dann als „kasusbestimmter Satzteil“ und als solches ist es wie ein Substantiv zu behandeln. Das hat sogar etwas für sich, denn die Präpositionen bestimmen ja in der Regel den Fall des Wortes, das von ihnen abhängig ist, und „echte“ Verben haben keinen Fall. Richtig ist also:

Ich verbringe viel Zeit mit Singen, Spielen, Tanzen und Lesen

Vergleichen Sie hierzu:

Ich verbringe viel Zeit mit Musik, Fußball, Ballett und Büchern.

Ich wollte eigentlich weitere Beispiele in eine kleine Erzählung einflechten. So etwas wie: „Er wollte auf Biegen und Brechen durch Joggen und Schwimmen abnehmen. Aber wegen Ausbleiben jeglichen Erfolges brach er wider Erwarten in Weinen aus.“ Doch wie Sie sehen, gelingt mir das heute (noch) weniger gut als sonst. Es klingt alles viel zu forciert. Deshalb hier nur eine kurze, langweilige Liste mit weiteren Beispielen:

auf Biegen und Brechen
durch Joggen, Schwimmen und gesündere Ernährung
in Weinen ausbrechen
mit Hoffen und Bangen
ohne Zaudern
trotz intensiven Suchens oder intensivem Suchen
wegen Ausbleiben(s) des Angeklagten
wider Erwarten

Die Regeln finden Sie in § 57 und § 57.2 der amtlichen Rechtschreibregelung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

***
Die Großschreibung gilt natürlich nur, wenn diese Wörter auch wirklich als Artikelwörter verwendet werden. In anderen Fällen schreibt man klein:

Ich müsste das wissen.
Du kannst mich um alles bitten.
Solange dies ausbleiben wird, …

Schweizer, schweizerisch, eidgenössisch

Die drei Wörter Schweizer, schweizerisch, eidgenössisch hören sich zwar fast wie Steigerungsformen an, aber sie sind keine Gradangaben für die Intensität des Schweizerischseins. Das müsste man eher mit schweizerisch, schweizerischer, am schweizerischsten ausdrücken. Schweizer, schweizerisch und eidgenössisch sind drei Adjektive, die sich in unterschiedlicher Weise auf die Schweiz beziehen.

Mit eidgenössisch meint man die Schweiz als Staat. Wie Sie wahrscheinlich wissen heißt die Schweiz ja offiziell die Schweizerische Eidgenossenschaft. Es gibt zum Beispiel eidgenössische Wahlen, eidgenössische Politik und eidgenössisch diplomierte Apotheker und Apothekerinnen. In Eigennamen aller Art wird das Adjektiv großgeschrieben: das Eidgenössische Departement des Inneren, die Eidgenössische Technische Hochschule ETH und (wenigstens ein Klischee sei mir hier gegönnt) das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest.

Nicht immer wird aber bei die gesamte Eidgenossenschaft Betreffendem das Wort eidgenössisch verwendet. Auch wenn die Armee in der Schweiz eine gesamtschweizerische Staatsangelegenheit ist, kommt in ihrem Namen das Wort eidgenössisch nicht vor. Sie heißt offiziell die Schweizer Armee. Und hiermit sind wir bei einem weiteren Adjektiv: Schweizer. Wir kennen es (ich kann es doch nicht nur bei einem Klischee lassen) vom Schweizer Käse, der Schweizer Schokolade, den Schweizer Alpen und dem Schweizer Franken. Das Adjektiv wird immer großgeschrieben, ist unveränderlich und kann nur vor dem Nomen stehen. Wenn es gebeugt oder an einer anderen Stelle stehen soll, muss auf schweizerisch ausgewichen werden: Die beste Schokolade ist die schweizerische.

Gibt es darüber hinaus noch einen Unterschied zwischen Schweizer und schweizerisch? – Nicht wirklich. Es gibt unter anderem eine Tendenz, dass Schweizer eher in feststehenden Bergriffen Begriffen verwendet wird. So gibt es nur den Schweizer Franken, nicht aber den schweizerischen Franken. Schweizer Käse ist schon fast eine Art Institution oder Appellation contrôlée, während schweizerischer Käse einfach nur nach Käse aus der Schweiz klingt. Schon bei der Schweizer Uhrenindustrie und der schweizerischen Uhrenindustrie ist es aber kaum mehr möglich, einen Bedeutungsunterschied zu entdecken. Auch Namen von Instituten, Organisationen u.Ä. folgen dieser Tendenz nicht: Es heißt zwar offiziell die Schweizer Armee, aber es ist das Schweizerische Rote Kreuz; und ausgerechnet die Bezeichnung des Landes lautet nicht die Schweizer Eidgenossenschaft, sondern die Schweizerische Eidgenossenschaft.

Dieser Beitrag ist der Tatsache zu verdanken, dass der heutige 1. August – wie schon vor einem Jahr erwähnt – der schweizerische oder Schweizer Nationalfeiertag ist.

Die Rotschnäblige Spitzschwanzamandine

Heute war ich im Zoo. Keine Angst, es war ein Zoo ohne Eisbärennachwuchs. Es folgt also keine verspätete Kolumne zu Jungtierhysterie und erfolgreichem Tiergartenmarketing. Nein, es war ein Zoo ganz ohne Eisbären, aber mit allem was sonst so dazu gehört, einschließlich schreiender Kinderhorden auf den Spielplätzen. Ich wundere mich immer wieder darüber, dass so kleine Geschöpfe so viel Lärm produzieren können. Papageienkolonien und Brüllaffengruppen sollen allerdings noch schlimmer sein. Außderdem gab es noch kleinerer Exemplare der Spezies Homo sapiens, die entweder unbedingt nicht in den Kinderwagen oder unbedingt aus dem Kinderwagen wollten, sowie natürlich die dazugehörenden Eltern in den verschiedensten Stadien der Entnervung.

Es geht also um einen ganz gewöhnlichen Sonntagnachmittag im Zoo. Aber wie kriege ich jetzt die Kurve zu Sprache oder Rechtschreibung? Ganz einfach: Bei jedem Gehege gibt es Tafeln mit wissenswerter Information über die Tiere. Dazu gehört auch der deutsche und der lateinische Name. Und dabei hat der Tiergarten, dessen Namen ich jetzt nicht verraten will, oft die amtliche Rechtschreibung nicht ganz eingehalten. Das fiel Dr. Bopp auf, weil er a) wie schon mehrmals erwähnt an Berufsdeformation leidet und b) keine Kinder bei sich hatte und deshalb auf solche Kleinigkeiten achten konnte. Es wäre eigentlich gar nicht so schwierig, denn es gelten ein bis zwei allgemeine Regeln plus eine Ausnahme:

Zusammensetzungen werden zusammengeschrieben:

der Brüllaffe
der Graupapagei

Auch wenn die Zusammensetzung länger wird, schreibt man sie einfach zusammen. Wie ich des Öfteren schon sagte: Dem Leser und der Leserin kann man meistens viel längere Wörter zumuten, als man denkt:

der Rothandbrüllaffe
der Guatemalabrüllaffe
der Rotbauchpapagei
der Kongograupapagei

Wenn geographische Namen verwendet werden, ist oft auch der verdeutlichende Bindestrich üblich. Er kann auch dann verwendet werden, wenn es um wirklich lange oder unübersichtliche Namensgebilde geht:

der Guatemala-Brüllaffe
der Kongo-Graupapagei
der Neuguinea-Edelpapagei
der Schwarzschulter-Edelpapagei

Soweit steht hier eigentlich nichts Besonderes, denn diese Regeln gelten für alle Zusammensetzungen. Nun zur Ausnahme: In zoologischen und botanischen Bezeichnungen von Arten und Unterarten schreibt man auch Adjektive groß:

der Schwarze Brüllaffe
der Amazonische Schwarze Brüllaffe
der Westafrikanische Graupapagei
der Hellrote Ara

Viel mehr gibt es eigentlich für den zoologischen Durchschnittsverbraucher nicht zu sagen. Ich möchte Sie deshalb nur noch dazu auffordern, im Zoo (oder im Botanikbüchlein) einmal auf die oft beinahe märchenhaft-poetischen Wortschöpfungen zu achten:

die Salbeiwühlmaus
die Gemeine Höckerechse
das Echte Dornschwanzhörnchen
die Östliche Purpurzungenschlange
der Karibische Halsband-Soldatenfisch
die Chinesische Pfauenaugenschildkröte
die Rotschnäblige Spitzschwanzamandine

Ganze Märchenbücher und Fantasyromane könnte man mit solchen Namen füllen!