Ist es ebenso richtig, das Komma vor „wie“ zu setzen(,) wie es wegzulassen?

Gleich noch einmal das Komma bei Infinitivgruppen. Heute ein anderer Spezialfall:

Frage

Der folgende Satz löste diese Frage bei mir aus: Ist das Komma nach ist ein Pflicht- oder ein Kann-Komma?

Falsches Motoröl einzufüllen[,] ist[,] wie ein Ersatzteil einzubauen, das nicht passt.

Nun habe ich mich auf die Suche gemacht und fand dabei u. a. diese Angaben:

Die Duden Rechtschreibregel D 128 sagt, dass ein Komma steht, wenn als oder wie einen Nebensatz einleiten [siehe auch hier]. In diesem Satz leitet wie aber keinen Nebensatz, sondern eine Infinitivgruppe ein.

Im amtlichen Regelwerk, Paragraf 75 (1) heißt es, dass ein Komma gesetzt werden muss, wenn die Infinitivgruppe mit um, ohne, statt, anstatt, außer, als eingeleitet ist.

Im Zeichensetzungs-Buch von Duden steht unter Abschnitt 185 (5) folgende Erklärung: „Die Konjunktion »wie« leitet eine Infinitivgruppe ein, die (analog zu »als«) durch Komma abgetrennt wird“ […]

Kann man aus den oben genannten Fundstellen ableiten, dass bei satzwertigen Infinitivgruppen mit wie ein Komma fakultativ gesetzt werden kann, während bei satzwertigen Infinitivgruppen mit als ein Komma notwendig ist? Oder gilt die Angaben, dass auch mit wie eingeleitete Infintivgruppen durch ein Komma abgetrennt werden? […]

Ich frage mich auch: Welches Regelwerk ist schließlich bei Interpunktionsfragen und -unsicherheiten maßgebend? Das amtliche Regelwerk, das Duden-ZS-Buch oder beides gleichermaßen?

Antwort

Guten Tag Herr B.,

maßgebend bei Rechtschreibfragen ist die amtliche Rechtschreibregelung, aber im Prinzip nur für Schulen und den amtlichen Gebrauch. Ansonsten ist verbindlich, was ein Institut, ein Betrieb, eine (Chef)redakteurin, ein Auftraggeber usw. oder Sie selbst für verbindlich erklären. Häufig ist dies u. a. aus Traditionsgründen der Duden, aber das ist nicht zwingend. Die Angaben der Dudenredaktion sind eine Wiedergabe der amtlichen Regelung und eine Interpretation für Fälle, die in der Regelung nicht oder nicht explizit genannt werden. Auch bei z. B. PONS, Wahrig oder LEO finden Sie Übersichten zur Rechtschreibregelung.

Auch ich empfehle, eine mit wie eingeleitete Infinitivgruppe mit Kommas abzutrennen. Das Wörtchen wie kommt zwar in der amtlichen Rechtschreibregelung an der entsprechenden Stelle nicht vor, ich gehe aber davon aus, dass analog zu als vorgegangen werden sollte:

Ist es besser, ein Komma vor „wie“ zu setzen, als es wegzulassen?
Ist es ebenso richtig, ein Komma vor „wie“ zu setzen, wie es wegzulassen?

Nichts war ihnen wichtiger, als ihre Kinder zu unterstützen.
Nichts war ihnen so wichtig, wie ihre Kinder zu unterstützen.

Das Zelt wieder abzubrechen(,) ging schneller, als es aufzubauen.
Das Zelt wieder abzubrechen(,) ging ebenso schnell, wie es aufzubauen.

Falsches Motoröl einzufüllen(,) ist anders, als ein Ersatzteil einzubauen, das nicht passt.
Falsches Motoröl einzufüllen(,) ist gleich, wie ein Ersatzteil einzubauen, das nicht passt.

Für Ihren Satz ergibt sich entsprechend:

Falsches Motoröl einzufüllen, ist, wie ein Ersatzteil einzubauen, das nicht passt.
Falsches Motoröl einzufüllen ist, wie ein Ersatzteil einzubauen, das nicht passt.

Da aber – wie gesagt – mit wie eingeleitete Infinitivgruppen in der Rechtschreibregelung nicht ausdrücklich bei den obligatorischen Kommas erwähnt werden, sind sie streng genommen ein Fall, in dem das Komma fakultativ ist. Die kommalose Schreibung kann deshalb nicht als grundsätzlich falsch angesehen werden. Wer die Rechtschreibregelung ganz genau befolgt, akzeptiert (theoretisch) auch diese Zeichensetzung:

Falsches Motoröl einzufüllen ist wie ein Ersatzteil einzubauen, das nicht passt.

Ich empfehle dennoch, bei mit wie eingeleitete Infintivgruppen gleich vorzugehen wie bei mit als eingeleitete Infinitivgruppen und sie mit Kommas abzutrennen. Das erscheint mir einfacher und überzeugender, als die eng verwandten Konstruktionen unterschiedlich zu behandeln.

Sie können das Problem auch umgehen, indem Sie ohne zu formulieren. Dann darf kein Komma stehen:

Falsches Motoröl einfüllen ist wie ein Ersatzteil einbauen, das nicht passt.

Dieses „Ausweichmanöver“ funktioniert aber lange nicht immer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das knifflige Komma bei Infinitivgruppen: „das Maximum, das ich bereit war,[?] monatlich zu zahlen“

Frage

Ist das Komma nach „bereit war“ korrekt bzw. erlaubt?

Vor Beginn des Auslandsemesters hatte ich mir ein Maximum von 500 Euro gesetzt, das ich bereit war, monatlich für die Miete zu zahlen.

Antwort

Guten Tag Herr T.,

die Infinitivgruppe sollte hier nicht durch ein Komma abgetrennt werden, weil sie den übergeordneten Satz umschließt. Das „das“ gehört nämlich auch zur Infinitivgruppe:

Vor Beginn des Auslandsemesters hatte ich mir ein Maximum von 500 Euro gesetzt, das ich bereit war monatlich für die Miete zu zahlen.

Infinitivgruppen können (resp. müssen, siehe hier) durch Kommas abgetrennt werden, wenn sie nach oder vor dem übergeordneten Satz stehen:

Ich war bereit(,) 500 Euro monatlich für die Miete zu zahlen.
500 Euro monatlich für die Miete zu Zahlen(,) war ich bereit.

Die Infinitivgruppe und der übergeordnete Satz sind aber nicht immer so schön „sauber“ voneinander getrennt. Dann steht in der Regel kein Komma. In Fällen wie den folgenden ist das Komma ausgeschlossen:

Kein Komma kann gesetzt werden, wenn die Infinitivgruppe durch die Satzklammer des übergeordneten Satzes umschlossen wird. Das ist vor allem bei kürzeren Infinitivgruppen üblich, aber auch bei längeren möglich:

Ich habe versucht(,) dich zu verstehen.
Ich habe dich zu verstehen versucht.

Der Gemeinderat hat beschlossen(‚) die Brückensanierung durchzuführen.
Der Gemeinderat hat die Brückensanierung durchzuführen beschlossen.

Ich war bereit(,) 500 Euro Miete monatlich für die Miete zu zahlen.
Ich war 500 Euro Miete monatlich für die Miete zu zahlen bereit.

Kein Komma kann gesetzt werden, wenn die Infinitivgruppe und der übergeordnete Satz ineinander verschlungen sind. Formulierungen dieser Art sind nicht immer auf Anhieb leicht zu verstehen:

Dich und deine Ideen zu verstehen(,) will ich versuchen.
Dich und deine Ideen will ich zu verstehen versuchen.

Die Brückensanierung durchzuführen(,) hat der Gemeinderat beschlossen.
Die Brückensanierung hat der Gemeinderat durchzuführen beschlossen.

500 Euro monatlich für die Miete zu bezahlen(,) war ich bereit.
500 Euro monatlich war ich für die Miete zu bezahlen bereit.

Kein Komma kann gesetzt werden, wenn die Infinitivgruppe den übergeordneten Satz umschließt. Diese Art der Formulierung dient dazu, den erstgenannten Satzteil besonders hervorzuheben. Im Allgemeinen sollte sie der Verständlichkeit zuliebe nur zurückhaltend verwendet werden.

Dich und deine Ideen will ich versuchen zu verstehen.
Die Brückensanierung hat der Gemeinderat beschlossen durchzuführen.
500 Euro monatlich war ich bereit für die Miete zu bezahlen.

Auch in Ihrem Beispiel umschließt die Infinitivgruppe den übergeordneten Satz. Hier geht es aber nicht um Hervorhebung, sondern darum, dass das Relativpronomen, das zur Infinitivgruppe gehört, im Relativsatz an erster Stelle steht.

Das sind deine Ideen, die ich versuche zu verstehen.
Es geht um die Brückensanierung, die der Gemeinderat beschlossen hat unverzüglich durchzuführen.
Vor Beginn des Auslandsemesters hatte ich mir ein Maximum von 500 Euro gesetzt, das ich bereit war monatlich für die Miete zu zahlen.

Nicht weniger kompliziert und auch möglich:

Das sind deine Ideen, die ich zu verstehen versuche.
Es geht um die Brückensanierung, die der Gemeinderat unverzüglich durchzuführen beschlossen hat.
Vor Beginn des Auslandsemesters hatte ich mir ein Maximum von 500 Euro gesetzt, das ich monatlich für die Miete zu zahlen bereit war.

Zusammenfassend kann man faustregelartig sagen: Vor- und nachgestellte Infinitivgruppen können oder müssen mit Kommas abgetrennt werden. Infinitivgruppen, die in den übergeordneten Satz integriert, mit im verschlungen oder um ihn herum drapiert sind, stehen ohne Komma.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp