„Wo stehen die Kommas“ lautet die Frage „wenn das Zitat bei einem Komma unterbrochen wird?“

Heute ist der Beitrag noch etwas wortreicher als sonst. Seine Länge zeigt, dass es in gewissen Fällen schwierig ist, herauszufinden, was die Rechtschreibregelung genau meint. Wer vor allem die Antwort und weniger die Erklärung interessant findet, liest nach dem ersten Abschnitt einfach nicht weiter.

Frage

Ich bin mir unsicher, wie Kommas bei der wörtlichen Rede korrekt zu setzen sind, wenn der Begleitsatz in Zitat eingebettet ist

„Könnte es sein(,)“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“

„Als ich ein Kind war(,)“, rief Anna fröhlich, „habe ich gerne Schmetterlinge beobachtet.“

Kopfzerbrechen bereitet mir jeweils das in Klammern gesetzte Komma. Gehört es dort hin oder nicht?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

dieser Fall ist tatsächlich recht knifflig, denn in der Rechtschreibregelung ist keine Regel zu finden, die ihn ausdrücklich beschreibt. Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Wenn der Begleitsatz das Zitat bei einem Komma unterbricht, entfällt das Komma des Zitats. Es steht kein Komma vor einem abschließenden Anführungszeichen:

„Könnte es sein“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“

„Als ich ein Kind war“, rief Anna fröhlich, „habe ich gerne Schmetterlinge beobachtet.“

Doch wie komme ich zu dieser Antwort? In der amtlichen Rechtschreibregelung ist, wie gesagt, keine Regel zu finden, die diesen Fall ausdrücklich behandelt. Zum Zusammentreffen von Anführungszeichen und anderen Satzzeichen beim Zitieren steht dort zuerst ganz allgemein:

§ 90
Satzzeichen, die zum wörtlich Wiedergegebenen gehören, setzt man vor das abschließende Anführungszeichen; Satzzeichen, die zum Begleitsatz gehören, setzt man nach dem abschließenden Anführungszeichen.

Dann geht es weiter mit Angaben zu Frage- und Ausrufezeichen:

§ 91
Sowohl der angeführte Satz als auch der Begleitsatz behalten ihr Ausrufe- oder Fragezeichen.

Beispiele sind u. a.:

„Du kommst jetzt!“, rief sie.
„Kommst du morgen?“, fragte er.

Auch zum Punkt werden Angaben gemacht:

§92
Beim angeführten Satz lässt man den Schlusspunkt weg, wenn er am Anfang oder im Innern des Ganzsatzes steht.

Beispiele sind u. a.:

„Ich komme morgen“, versicherte sie.
Sie sagte: „Ich komme gleich wieder“, und holte die Unterlagen.

Bis jetzt wissen wir also, dass Frage- und Ausrufezeichen vor dem Begleitsatz stehen bleiben und der Punkt dort weggelassen wird. Das Komma wird hier nicht erwähnt.

Zum Komma bei Begleitsätzen wird hier etwas gesagt:

§93
Folgt nach dem angeführten Satz der Begleitsatz oder ein Teil von ihm, so setzt man nach dem abschließenden Anführungszeichen ein Komma.
Ist der Begleitsatz in den angeführten Satz eingeschoben, so schließt man ihn mit paarigem Komma ein.

Beispiele sind u. a.:

„Ich komme gleich wieder“, versicherte sie.
„Komm bald wieder!“, rief sie.
„Wann kommst du wieder?“, rief sie.
„Ich werde“, versicherte sie, „bald wiederkommen.“
„Kommst du wirklich“, fragte sie, „erst morgen Abend?“

Hier wird klar, dass die Kommas, die den Begleitsatz vom Zitat trennen, außerhalb der Anführungszeichen stehen. Wie aber mit einem Komma des Zitats umzugehen ist, wird auch hier nicht erwähnt.

Auch wenn man jetzt die Regeln einzeln betrachten oder sie gegeneinander abwägt, ist es schwierig, herauszufinden, wie man zu schreiben hat:

„Könnte es sein,“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“
„Könnte es sein“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“

Für richtig halte ich, wie oben schon gesagt, die zweite Schreibweise. Als „Beweis“ kann ich nur einen Beispielsatz aus der Rechtschreibregelung anführen. Der einleitende Paragraph zu den Anführungszeichen §89(1) sagt:  „Mit Anführungszeichen schließt man etwas wörtlich Wiedergegebenes ein“, und gibt u. a. diesen Beispielsatz an:

„Wir haben die feste Absicht, die Strecke stillzulegen“, erklärte der Vertreter der Bahn, „aber die Entscheidung der Regierung steht noch aus.“

Das Komma, das ohne Begleitsatz zwischen „stillzulegen“ und „aber“ stehen muss, wird also vor dem eingeschobenem Begleitsatz weggelassen.

Der Fall, der Sie stutzen ließ, wird nicht ausdrücklich in der Rechtschreibregelung beschrieben. Man muss ziemlich genau hinschauen, um anhand eines allgemeinen Beispielsatzes herauszufinden, wie die Regelung in diesem Fall vorzugehen wünscht.

Zusammenfassend kann man sagen: Frage- und Ausrufezeichen des Zitats bleiben vor dem Begleitsatz erhalten. Punkt und Komma des Zitats fallen vor dem Begleitsatz weg.

Richtig sind die Kommas im Titel also wie folgt gesetzt:

„Wo stehen die Kommas“, lautet die Frage, „wenn das Zitat bei einem Komma unterbrochen wird?“

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

„Prost Freiheit!“ oder „Prost, Freiheit!“?

Frage

Eine Schweizer Zeitung titelt: „Prost Freiheit“. Ein Kollege und ich fragen uns, wie es hier ums Komma steht. Der Duden hat Beispiele unter „pros(i)t“ verzeichnet, etwa „prosit allerseits“ oder „prosit Neujahr“, alle ohne Komma. Aber handelt es sich beim Beispiel im Betreff um den gleichen Fall? Wir fragen uns, ob nicht nach der Grundregel (Anrede) das Komma stehen sollte.

Antwort

Guten Tag Herr F.,

ob nach „pros(i)t“ ein Komma steht oder nicht, hängt davon ab, was gemeint ist. Wenn eine Anrede folgt, steht vor ihr ein Komma:

Prost, Antoinette!
Prosit, liebe Freunde!
Prosit, sehr geehrte Damen und Herren!

Bei anderen Formulierungen hilft es, daran zu denken, dass „prosit“ eigentlich eine lateinische Verbform ist mit der Bedeutung „es möge nützen“, „es sei zuträglich“.

Prosit Neujahr!  (Das neue Jahr sei zuträglich)
Prost Mahlzeit!  (Die Mahlzeit möge zuträglich sein)
Prost allerseits!  (Es möge allerseits zuträglich sein; oder: Das Prost soll allerseits gelten)

Die „Übersetzungen“ in Klammern zeigen, weshalb in diesen Fällen besser kein Komma nach „pros(i)t“ steht.

Beim Titel, den Sie zitieren, hängt es also davon ab, ob die Freiheit angesprochen und ihr zugeprostet wird („Prost, Freiheit!“) oder ob gemeint ist, die Freiheit möge zuträglich sein („Prost Freiheit!“). Ich nehme an, dass der Artikel eine Lockerung der Coronamaßnahmen in der Schweiz behandelt, nämlich die Öffnung der Terrassen von Cafés und Restaurants. Ich denke deshalb, dass vielleich sogar beide Lesungen gemeint sein könnten. Diese Doppeldeutigkeit wäre allerdings weder mit noch ohne Komma darstellbar.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nebensätze sind nicht immer weglassbar

Immer wieder werden Fragen gestellt, die von der Annahme ausgehen, dass nur in Kommas gesetzt werden muss, kann oder darf, was weggelassen werden kann. Das ist nicht so, auch nicht bei Nebensätzen. Nebensätze können nämlich ganz verschiedene Funktionen haben und bei Weitem nicht immer weggelassen werden.

Frage

Welche Sätze in Kommas kann man weglassen? Wenn man sie weglässt, muss sich doch wohl ein sinnvoller Satz ergeben. Beispiel:

Es konnte ein Zusammenhang zwischen Eltern, die sich in der Pandemie allein mit ihren Kindern befanden, und dem wahrgenommenen Stress aufgezeigt werden.
Es konnte ein Zusammenhang zwischen Eltern und dem wahrgenommenen Stress aufgezeigt werden.

Hier geht es nicht. Aber gibt es Situationen, wo es geht?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

wenn man einen Nebensatz weglässt, muss nicht unbedingt ein vollständiger oder sinnvoller Satz übrig bleiben. Ein Nebensatz kann nämlich im übergeordneten Satz verschiedene Funktionen haben, die zum Teil obligatorisch sind. Hier ein paar Beispiele, in denen ohne Nebensatz weder grammatisch noch inhaltlich ein vollständiger Satz vorhanden ist:

– Nebensatz = Subjekt

Dass du mir zustimmst, erstaunt mich.
Erstaunt mich = kein vollständiger Satz

– Nebensatz = Objekt

Er sagt, dass du recht hast.
Er sagt = kein vollständiger Satz

– Nebensatz = obligatorische Adverbialbestimmung

Wir wohnen jetzt, wo wir schon immer wohnen wollten.
Wir wohnen jetzt = kein vollständiger Satz

– Nebensatz = Prädikativ

Werde nicht, wie dein Vater war!
Werde nicht = keine vollständiger Satz

Es gibt auch Nebensätze, die im Prinzip weggelassen werden können: Attributsätze und die Adverbialsätze. Attributsätze sind Relativsätze, die ein Wort im übergeordneten Satz näher bestimmen:

Kennst du die Frau, die dort drüben steht?
Kennst du die Frau?

Ich finde den Witz, über den ihr lacht, gar nicht lustig.
Ich finde den Witz gar nicht lustig.

Rein formal ist das Weglassen von Attributsätzen immer möglich. Bei der Bedeutung sieht es allerdings anders aus: Je nachdem wie wichtig die nähere Bestimmung für das Verständnis des Ganzsatzes ist, kann ein Relativsatz mehr oder weniger gut weggelassen werden. Wenn ein Relativsatz wichtige Informationen für das Verständnis des Ganzsatzes enthält, ist er nur schlecht weglassbar, weil dann kein allzu sinnvoller Satz mehr übrig bleibt. Das gilt auch für Ihren Beispielsatz:

Es konnte ein Zusammenhang zwischen Eltern, die sich in der Pandemie allein mit ihren Kindern befanden, und dem wahrgenommenen Stress aufgezeigt werden.

Rein formal ist der Satz auch ohne den Relativsatz „die sich in der Pandemie allein mit ihren Kindern befanden“ korrekt formuliert. Ohne den Relativsatz wird aber nur gesagt, dass ein Zusammenhang zwischen Eltern und Stress festgestellt wurde. Die meisten Mütter und Väter werden bestätigen, dass das Elterndasein mit Stress verbunden sein kann, aber die Aussage ist so zu allgemein und entspricht nicht mehr dem, was eigentlich ausgesagt werden soll.

Ähnliches gilt für die Adverbialsätze (Temporalsätze, Lokalsätze, Modalsätze, Begründungssätze usw.). Auch hier gilt: Je nachdem wie wichtig die Adverbialbestimmung für das Verständnis des Ganzsatzes ist, kann ein Adverbialsatz mehr oder weniger gut weggelassen werden.

Das bedeutet auch, dass die Weglassprobe bei der Kommasetzung nicht funktioniert. Auch wenn ein Nebensatz nicht weggelassen werden kann, muss er durch Kommas abgetrennt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Verkaufspreis [Komma?] netto

Frage

Ein Kunde hat mich letzte Woche gefragt, ob er vor „brutto“ und „netto“ jeweils ein Komma setzen solle oder nicht:

Verkaufspreis brutto
Verkaufspreis netto

Geläufig ist es wohl ohne, was meine Recherchen gezeigt haben, aber streng genommen müsste es ja, da nachgestellt, eigentlich mit Komma abgetrennt werden. Wie sehen Sie das?

Antwort

Guten Tag Herr F.,

wieder einmal ist es schwierig bis unmöglich, eine eindeutige Antwort zu geben. In Listen u. Ä. kann „Verkaufspreis netto/brutto“ ohne Komma stehen. Das kommt in Listen, Tabellen, Katalogen usw. häufig vor, auch dann, wenn streng genommen ein Komma stehen müsste:

Jeansjacke blau
Herrenhemd schmale Passform
Schrauben verzinkt 4,8×35 mm
Verkaufspreis netto

Ich halte die kommalose Schreibung in solchen Kontexten für vertretbar. Die Schreibweise mit Komma nach dem Substantiv ist hier natürlich auch möglich (und zu empfehlen), denn sie entspricht den Regeln der Rechtschreibregelung (§ 77.7):

Jeansjacke, blau
Herrenhemd, schmale Passform
Schrauben, verzinkt, 4,8×35 mm
Verkaufspreis, netto

Anders sieht es für solche Verbindungen im durchlaufenden Text aus, wo die Regeln der Zeichensetzung im Allgemeinen etwas weniger flexibel interpretierbar sind. Die Wörter „brutto“ und „netto“ sind Adverbien und sollten im Text auch so verwendet werden:

Der Nettoverkaufspreis beträgt € 78,90 (o. evtl. Netto-Verkaufspreis)
Der Verkaufspreis beträgt netto € 78,90
Der Verkaufspreis (netto) beträgt € 78,90
Der Verkaufspreis, netto, beträgt € 78,90

Den letzten Satz halte ich für weniger gelungen, außer wenn man „netto“ als Verkürzung von zum Beispiel „netto gerechnet“ ansieht.

Man könnte sogar argumentieren, dass „Verkaufspreis netto“ und „Verkaufspreis brutto“ zumindest fachsprachlich feste Verbindungen geworden sind, die ähnlich wie „Forelle blau“ und „Whisky pur“ ohne Komma geschrieben werden (vgl. amtl. Regelung § 77 E3). Selbst für ein so kleines und übersichtliches Phänomen gibt es mehrere Interpretationsmöglichkeiten!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Steht das Komma vor „nur wenn“ oder zwischen „nur“ und „wenn“?

Frage

Ich habe eine Frage zur Kommasetzung. Ich habe diesen Satz (etwas gekürzt):

Wählen Sie diese Option nur, wenn die Lampe grün blinkt.

Hier ist das Komma meiner Meinung nach an der richtigen Stelle. Was ist aber mit diesem Satz:

Wählen Sie diese Option, immer wenn die Lampe grün blinkt.

Muss das Komma vor oder nach dem „immer“ stehen? Mich irritiert, dass das Komma einmal direkt vor „wenn“ steht und einmal vor „immer“.

Antwort

Guten Tag Herr R.,

im ersten Satz kann das Komma nur nach „nur“ stehen, weil dieses „nur“ zum übergeordneten Satz gehören muss:

Wählen Sie diese Option nur, wenn die Lampe grün blinkt.
nicht: *Wählen Sie diese Option, nur wenn die Lampe grün blinkt.

Vergleichen Sie die beiden Sätze mit einer geänderten Wortstellung:

Sie können diese Option nur wählen, wenn die Lampe grün blinkt.
nicht: *Sie können diese Option wählen, nur wenn die Lampe grün blinkt.

Hier zeigt ist, dass „nur“ zum übergeordneten Satz gehören muss und nicht zum Nebensatz gehören kann.

Im zweiten Satz sind beide Kommasetzungen möglich, weil „immer“ sowohl zum übergeordneten Satz als auch zum Nebensatz gehören kann:

Wählen Sie diese Option immer, wenn die Lampe grün blinkt.
Wählen Sie diese Option, immer wenn die Lampe grün blinkt.
Vgl.
Sie können diese Option immer wählen, wenn die Lampe grün blinkt.
Sie können diese Option wählen, immer wenn die Lampe grün blinkt.

Andere Beispiele:

Wählen Sie diese Option nie, wenn die Lampe rot blinkt.
nicht: *Wählen Sie diese Option, nie wenn die Lampe rot blinkt.
Vgl.
Sie dürfen diese Option nie wählen, wenn die Lampe rot blinkt.
nicht: *Sie dürfen diese Option wählen, nie wenn die Lampe rot blinkt.

Wählen Sie diese Option jedes Mal, wenn die Lampe grün blinkt.
Wählen Sie diese Option, jedes Mal wenn die Lampe grün blinkt.
Vgl.
Sie sollten diese Option jedes Mal wählen, wenn die Lampe grün blinkt.
Sie sollten diese Option wählen, jedes Mal wenn die Lampe grün blinkt.

Wo das Komma gesetzt wird, wenn in einem Satzgefüge ein Adverb o. Ä. und eine Konjunktion nebeneinanderstehen, hängt davon ab, zu welchem Teilsatz das Adverb gehört. Wenn es zum Nebensatz gehört, steht das Komma vor ihm, sonst hinter ihm. Bei Zweifel kann eine Umstellung des Satzes oder das Einfügen eines Modal- oder Hilfsverbs häufig helfen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn Gedankenstriche und andere Satzzeichen aufeinandertreffen

Frage

Ich habe eine Frage zum Thema „Komma und Gedankenstrich“. Je länger ich auf folgende Sätze starre, desto unsicherer werde ich:

Die Gestaltung des Gartens – der mosaikverzierte Fischteich, das aufwändig angelegte Pflanzenrondell –,(?) beeindruckte ihn.

Thomas, der wieder bei Andrea wohnte – die ebenfalls Grüße bestellte –,(?) kündigte seinen Besuch an.

Ich weiß wirklich nicht, ob nun ein Komma nach dem letzten Strich gesetzt werden muss.

Antwort

Guten Tag Frau G.,

bei Einschüben mit Gedankenstrichen muss zwischen den Satzzeichen, die zum übergeordneten Satz gehören, und den Satzzeichen, die zum Einschub gehören, unterschieden werden.

a) Satzzeichen des übergeordneten Satzes

Bei einem Einschub mit doppelten Gedankenstrichen gilt, dass man die Satzzeichen im übergeordneten Satz gleich setzt, wie wenn der Einschub nicht stünde.

Bei Ihrem ersten Beispielsatz steht kein Komma nach dem Gedankenstrich, weil dort auch ohne Einschub kein Komma stehen würde:

Die Gestaltung des Gartens – der mosaikverzierte Fischteich, das aufwändig angelegte Pflanzenrondell beeindruckte ihn.
vgl.: Die Gestaltung des Gartens beeindruckte ihn.

Beim zweiten Satz folgt direkt nach dem abschließenden Gedankenstrich ein Komma, nämlich das Komma, das auch ohne Einschub geschrieben würde:

Thomas, der wieder bei Andrea wohnte – die ebenfalls Grüße bestellte –, kündigte seinen Besuch an.
vgl.: Thomas, der wieder bei Andrea wohnte, kündigte seinen Besuch an.

Und hier noch zwei weitere Beispiel, in denen Satzzeichen des übergeordneten Satzes nach dem schließenden Gedankenstrich stehen:

Das Problem war – schon zum x-ten Mal –, dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.
vgl.: Das Problem war, dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.

Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –: „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“
vgl.: Dann behauptete er: „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“

Die Satzzeichen des übergeordneten Satzes müssen also immer geschrieben werden. Wie sieht es aus, wenn der Einschub Satzzeichen hat?

b) Satzzeichen am Ende des Einschubes

Fragezeichen und Ausrufezeichen, die zu einem eingeschobenen Zusatz oder Nachtrag gehören, werden vor dem zweiten Gedankenstrich geschrieben:

Unser Geheimnis – du weißt doch noch welches? – bleibt weiterhin unter uns.

Das Problem war – schon wieder! –, dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.

Ein Punkt, der zu einem eingeschobenen Zusatz oder Nachtrag gehört, fällt weg, auch wenn es sich um einen vollständigen Satz handelt:

Die zwölf Punkte aus Zypern gingen auch dieses Jahr – die Festivaltradition will es so  – an Griechenland.

Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –, er habe die Frau noch nie gesehen.

Auch ein abschließendes Komma am Schluss des Einschubs wird nicht geschrieben:

Die Gestaltung des Gartens – vor allem das aufwändig angelegte Pflanzenrondell, in dem exotische Blumen gediehen – beeindruckte ihn.

Thomas, der wieder bei Andrea wohnte – seiner Freundin, die ebenfalls Grüße bestellte –, kündigte seinen Besuch an.

Zusammenfassend

Die Satzzeichen des übergeordneten Satzes werden alle geschrieben, wie wenn es keinen Einschub gäbe. Ein zum Einschub gehörendes Frage- oder Ausrufezeichen wird vor dem abschließenden Gedankenstrich geschrieben. Ein abschließender Punkt oder ein abschließendes Komma am Ende des Einschubes fällt weg.

All dies – und viele weitere Informationen zur Zeichensetzung beim Gedankenstrich! – finden Sie auch auf dieser Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das Komma in „die Verpflichtung[,] zu helfen und zu heilen“

Frage

Ich habe folgende Frage:

Wir haben als Ärzte die Verpflichtung zu helfen.

Das ist klar: kein Komma, weil kein erweiterter Infinitiv mit „zu“.

Wir haben als Ärzte die Verpflichtung, schnell zu helfen.

Das ist mir auch klar: ein Komma, weil erweiterter Infinitiv mit „zu“.

Jetzt die Frage:

Wir haben als Ärzte die Verpflichtung, zu helfen und zu heilen.

Steht hier nach „Verpflichtung“ ein Komma, wie ich es in der Zeitung gelesen habe?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

Ihre Erklärung zu den ersten beiden Sätzen ist nicht ganz zutreffend. Nach der geltenden Rechtschreibregelungen kann eine Infinitivgruppe mit „zu“ immer durch Kommas abgetrennt werden, auch wenn sie nur aus „zu“ und einem reinen Infinitiv besteht. Es ist also immer richtig, Kommas zu setzen. Die Frage ist vielmehr, wo man das Komma weglassen darf.

In diesem Fall ist die Infinitivgruppe von „Verpflichtung“ abhängig. Wenn eine Infinitivgruppe von einem Substantiv abhängig ist, gilt nach § 75.2 der amtlichen Rechtschreibregelung, dass Kommas gesetzt werden:

der Plan, abzureisen
der Plan, heimlich abzureisen

Wir haben die Verpflichtung, zu helfen.
Wir haben die Verpflichtung, schnell zu helfen.
Wir haben die Verpflichtung, zu helfen und zu heilen.

Nach § 75 E1 können die Kommas hier weggelassen werden, wenn ein bloßer Infinitiv vorliegt und keine Missverständnisse entstehen können. Also auch:

der Plan abzureisen
Wir haben die Verpflichtung zu helfen.

Nun zum Fall, um den es Ihnen eigentlich geht: Man könnte sagen, dass zweimal ein bloßer Infinitiv vorliegt und dass deshalb das Komma auch entfallen kann. Ich interpretiere die Regel aber anders. Wir haben es nicht mit einem bloßen Infinitiv zu tun, sondern mit zwei bloßen Infinitiven und der Konjunktion „und“. Deshalb würde ich das Komma nicht weglassen. Also nur mit Komma:

Wir haben die Verpflichtung, zu helfen und zu heilen.
Sie hat die Fähigkeit, zuzuhören und zu schweigen.
Viele spüren heute die Sehnsucht, zu berühren und zu umarmen.

Und selbst wenn man diese Interpretation nicht teilt, ist gemäß den Rechtschreibregeln das Komma hier jedenfalls nicht falsch.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

(K)ein schließendes Komma am Ende eines Zitats?

Frage

Ich habe eine Frage zur Kommasetzung, zu der ich auch im »Interpunktionsduden« keine Antwort finde. Vielleicht wissen Sie ja Rat. Es geht um Sätze, in denen entweder ein Zitat oder ein Werktitel enthalten ist, der mit einem Nebensatz endet. Also zum Beispiel:

Der Roman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ spielt unter anderem in Aserbaidschan.

Oder der Satz:

Für sie mache eher „das Gefühl der Überlegenheit, insbesondere gepaart mit Dummheit“ das Feindbild aus.

Würden Sie jeweils ein Komma hinter das Zitat bzw. den Romantitel setzen?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

in Fällen wie diesen würde ich wie Sie das abschließende Komma nicht setzen:

Der Roman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ spielt unter anderem in Aserbeidschan.
Für sie mache eher „das Gefühl der Überlegenheit, insbesondere gepaart mit Dummheit“ das Feindbild aus.

In einem Titel wird das abschließende Komma eines Nebensatzes oder Nachtrags sowieso nicht gesetzt:

Der Spion, der mich liebte
Nachts, wenn der Teufel kam
Sara, die kleine Prinzessin
Der Russe ist einer, der Birken liebt

Man würde also ein Komma setzen, das es im zitierten Titel gar nicht gibt. Außerdem gilt auch das Folgende:

Bei einem Nebensatz oder einem Nachtrag steht das abschließende Komma nur dann, wenn der Satz weitergeführt wird. Ist dies nicht der Fall, übernimmt der Schlusspunkt die Funktion des schließenden Kommas:

Carmen war die Rolle, die sie am meisten liebte.
Mich interessiert hier nur eine Person, nämlich der Barmann.
Das Feindbild ist für sie das Gefühl der Überlegenheit, insbesondere gepaart mit Dummheit.

In Ihrem Beispiel steht der Einschub/Nachtrag am Ende des Zitats. Dann übernimmt das abschließende Anführungszeichen die Funktion des schließenden Kommas:

Nach der Biografie sei Carmen „die Rolle, die sie am meisten liebte gewesen.
Er kokettierte damit, dass ihn „nur eine Person, nämlich der Barmann interessiert habe.
Für sie mache eher „das Gefühl der Überlegenheit, insbesondere gepaart mit Dummheit das Feindbild aus.

Es ist also in Ihren Sätzen nicht notwendig, ein Komma zu setzen, das den Nebensatz oder Nachtrag am Ende des Zitats abschließt – wodurch sich angenehmerweise auch die Frage erübrigt, ob dieses Komma vor oder nach dem abschließenden Anführungszeichen stehen müsste.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Es ist nicht immer einfach[,] zu entscheiden, ob man ein Komma setzen muss

Frage

In welchem der folgenden Sätze muss/kann ein Komma vor dem Infinitiv stehen:

Er hat es versäumt(,) nachzufragen.
Er hat es versäumt(,) sofort nachzufragen.
Er hat es versäumt(,) nachzufragen, ob das korrekt ist.

Antwort

Guten Tag Frau W.,

das Komma bei Infinitivgruppen ist im Allgemeinen eine nicht allzu komplizierte Angelegenheit. Sie haben aber ein Beispiel gefunden, bei dem man doch etwas länger nachdenken kann.

Im zweiten Satz muss das Komma stehen. Die Infinitivgruppe wird durch das Verweiswort es angekündigt. Dann gilt als Grundregel, dass man ein Komma setzen muss:

Er hat es versäumt, sofort nachzufragen.

Zu dieser Grundregel gibt es die Ausnahme, dass das Komma fakultativ ist, das heißt nicht gesetzt werden muss, wenn der bloße Infinitiv mit zu steht. Im ersten Satz ist das Komma deshalb fakultativ:

Er hat es versäumt, nachzufragen.
Er hat es versäumt nachzufragen.

Das alles kann man hier Nachlesen [Abschnitt c) und unter Ausnahme zu b) und c)].

Nicht ganz so einfach ist es beim dritten Satz.

Er hat es versäumt(,) nachzufragen, ob das korrekt ist.

Wenn man genauer hinschaut, ist nämlich nicht ganz klar, ob wir es mit einem „bloßen Infinitiv“ zu tun haben oder nicht. Man kann argumentieren, dass nachzufragen allein steht, weil der Rest zu einem anderen Nebensatz gehört. Das Komma vor nachzufragen ist dann fakultativ. Man kann aber auch grammatisch strenger argumentieren, dass der ob-Satz eine Erweiterung des Infinitivs ist. Das Komma vor nachzufragen ist dann obligatorisch. (Das Komma vor ob muss sowieso stehen.)

Wer auf Nummer ganz sicher gehen will, wählt hier die Schreibung mit Komma, die ja immer richtig ist. Ich halte aber die Schreibung ohne Komma nicht für falsch, denn es liegt hier meiner Meinung nach ein „bloßer Infinitiv“ vor.

Er hat es versäumt, nachzufragen, ob das korrekt ist.
Er hat es versäumt nachzufragen, ob das korrekt ist.

Ebenso zum Beispiel:

Es ist gut, zu wissen, dass es auch anders geht.
Es ist gut zu wissen, dass es auch anders geht.

Natürlich freut es mich, zu hören, dass alles geklappt hat.
Natürlich freut es mich zu hören, dass alles geklappt hat.

Sie warteten ungeduldig darauf, zu erzählen, wie viel Stress sie hatten.
Sie warteten ungeduldig darauf zu erzählen, wie viel Stress sie hatten.

Es ist nicht immer einfach[,] zu entscheiden, ob man ein Komma setzen muss!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das Komma, wenn der Nebensatz Subjekt ist

Eigentlich ist das Komma bei Nebensätzen ganz einfach. Dennoch kommen in bestimmten Fällen manche ins Zweifeln:

Frage

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie wieder einmal einen Knoten lösen könnten: Ist hier ein Komma nach „produzieren“ zwingend erforderlich?

Wie wir produzieren(,) ist vor allem auch eine Frage der unternehmerischen Haltung.

Antwort

Guten Tag Herr V.,

das Komma nach produzieren muss stehen. Es trennt den mit wie eingeleiteten Nebensatz ab. Nebensätze werden auch dann durch ein Komma abgetrennt, wenn sie wie hier im übergeordneten Satz die Rolle des Subjekt haben (Wer oder was ist eine Frage der unternehmerischen Haltung?):

Wie wir produzieren, ist vor allem auch eine Frage der unternehmerischen Haltung.

Hier weitere Beispiele von Satzgefügen mit einem Subjektnebesatz:

Dass er gekommen ist, erstaunt uns.
Ob er die Wahrheit sagt, wird bezweifelt.
Wann sie aus den Ferien zurückkommen, ist unbekannt.
Wer nicht mitkommt, verpasst viel.

Vor allem wenn Subjektnebensätze wie hier an erster Stelle stehen, zweifeln manche, ob ein Komma stehen muss. Das liegt wahrscheinlich daran, dass der verbleibende Satz aussieht, als würde ihm etwas fehlen, nämlich das Subjekt. Hier kommt aber eine Kommaregel zur Anwendung, die eigentlich ganz einfach und sehr stark ist: Nebensätze werden durch Kommas abgetrennt. Das gilt unabhängig davon, welche Rolle der Nebensatz im Gesamtsatz hat – und Nebensätze können viele verschiedene Funktionen haben:

Akkusativobjekt: Sie lernen, wie sie ein Dokument sichern müssen.
Dativobjekt: Ich verrate das Geheimnis nur, wem ich wirklich vertraue. (selten)
Genitivobjekt: Sind Sie sich (dessen) bewusst, dass Rauchen schädlich ist?
Präpositionalobjekt: Wir zweifeln (daran), ob dies die richtige Lösung ist.
Adverbialbestimmung: Wenn es regnet, spielen die Kinder spielen im Haus.
Attribut: Hunde, die bellen, beißen nicht.
Prädikativ: Alles bleibt, wie es ist.
Subjekt: Wie wir produzieren, ist eine Frage der unternehmerischen Haltung.

Dass der Nebensatz Subjekt ist, befreit uns nicht von der Kommapflicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp