Der Gedankenstrich und die anderen – nur das Wichtigste

Es folgt keine erschöpfende Darstellung aller orthografischen und typografischen Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Gedankenstrich ergeben können. Ich möchte nur kurz das Wichtigste bei der Verwendung des einfachen und des paarigen Gedankenstrichs innerhalb des Satzes aufzeigen.

Frage

Da ich Verfechterin der schönen deutschen Sprache bin, möchte ich meinem Kollegen gern mit Ihrer Hilfe seine Frage beantworten:

Im wissenschaftlichen Text hat er einige Gedanken seinerseits in Gedankenstrichen gesetzt und weiß nicht, ob sich das Komma dann generell aufheben muss oder je nach Satzbau gesetzt werden darf?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

ein einfacher Gedankenstrich in einem Satz trennt stärker als ein Komma oder ein Doppelpunkt. Er kann anstelle eines Kommas oder eines Doppelpunktes verwendet werden und ersetzt diese:

Du darfst nicht mitkommen – leider.
Sie hat es wieder getan – schon zum x-ten Mal!
Auf die Plätze – fertig – los!
Ich sah nur noch eine Möglichkeit – sofort wegrennen.

Manchmal steht der Gedankenstrich als „Pausenzeichen“ auch dort, wo sonst kein Satzzeichen steht:

Er machte mit seiner Freundin Schluss und ging – zurück zu seiner Frau.

Mit paarigen Gedankenstrichen werden Einschübe markiert.

Die Satzzeichen des Gesamtsatzes werden genau gleich gesetzt, wie wenn der Einschub nicht stehen würde. Zum Beispiel:

Das Problem war – wie immer –, dass jemand den Schlüssel nicht zurückgelegt hatte.
Der Kunde, den sie schon gut kannte – ein Stammkunde sozusagen –, begann wieder einmal sich lauthals zu beschweren.
Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –: „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“

Als Probe kann man hier einfach den ganzen Einschub mit den Gedankenstrichen wegdenken, die Satzzeichen setzen und dann den Einschub wieder einschieben.

Wie sieht es mit den Satzzeichen des Einschubes aus? Wenn ein ganzer Satz eingeschoben wird, fährt man nach dem ersten Gedankenstrich klein weiter. Der Schlusspunkt des Einschubs entfällt:

Du darfst – so ist es nun einmal – nicht mitkommen.
Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –, dass er die Frau nicht kenne.

Ein Fragezeichen oder Ausrufezeichen, das zum Einschub gehört, wird aber geschrieben, und zwar vor dem abschließenden Gedankenstrich:

Du darfst – leider! – nicht mitkommen.
Ich sage dir jetzt – hör mir gut zu! –, was du tun sollst.
Unser Geheimnis – du weißt doch noch welches? – bleibt unter uns.
Dann traf Julia sich mit dieser Frau – wie hieß sie auch wieder? –,  von der ich dir gestern schon erzählt habe.

Auch die Kommas innerhalb eines Einschubes müssen gesetzt werden. Ein abschließendes Komma vor dem Gedankenstrich fällt aber weg:

Viele Leute – zum Beispiel unsere Nachbarn, die Familie Müller – fahren jeden Sommer ans Meer.
Der Kunde, den sie schon gut kannte – viel besser, als ihr lieb war –, begann wieder einmal sich lauthals zu beschweren.
Du darfst – leider, leider! – nicht mitkommen.

Die Regeln zum Nachlesen finden Sie hier.

Es gäbe noch weitere Detailfragen zu klären – das erspare ich Ihnen und mir aber an dieser Stelle – und die Verteidiger und Verfechterinnen der Verwendung des Halbgeviertstrichs bitte ich, mir seine Nichterwähnung zu verzeihen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wie sind die Beistriche, sprich Kommas, bei »sprich« zu setzen?

Frage

Ich sitze gerade an der zweiten Runde des Lektorats einer Arbeit und leider hat die Autorin die meisten Vorschläge, die Formulierung „sprich“ zu ersetzen, abgelehnt. Das liest sich dann so:

Genauso findet die Realisation – sprich, die konkrete Ausführung – ausschließlich durch die Individuen selbst statt.

Oder so:

Daraus muss sich ergeben, dass der Andere in seiner Würde anerkannt wird; sprich, dass er sowohl …

Ich werde im Duden nicht fündig, wie man dieses „sprich“ zu behandeln hat. Ich vermute, man kann es so lassen, aber mich würde interessieren, was Sie für den satzzeichenbezogen besten Umgang damit halten?

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

wenn Sie dieses sprich stehen lassen müssen (die Kundin ist nun einmal Königin), würde ich gleich vorgehen wie bei das heißt (respektive d.h.). Wie das heißt leitet dieses sprich eine Ergänzung oder Erläuterung ein. Das bedeutet für die Zeichensetzung:

  • Die mit sprich eingeleitete Erläuterung wird durch Kommas abgetrennt (oder evtl. durch Gedankenstriche oder Klammern)
  • Folgt nach sprich ein Wort oder ein Satzteil: kein Komma nach sprich.
  • Folgt nach sprich ein nebengeordneter oder untergeordneter Satz: zusätzliches Komma nach sprich.
    (Vergleiche die Angaben zu heißen in Canoonet.)

Für Ihre Beispielsätze bedeutet dies:

Genauso findet die Realisation – sprich die konkrete Ausführung – ausschließlich durch die Individuen selbst statt.
oder
Genauso findet die Realisation, sprich die konkrete Ausführung, ausschließlich durch die Individuen selbst statt.
vgl.
Genauso findet die Realisation, das heißt die konkrete Ausführung, ausschließlich durch die Individuen selbst statt.

Daraus muss sich ergeben, dass der Andere in seiner Würde anerkannt wird, sprich, dass er sowohl …
vgl.
Daraus muss sich ergeben, dass der Andere in seiner Würde anerkannt wird, das heißt, dass er sowohl …

Und wenn wir schon dabei sind, hier gleich noch zwei Beispiele:

Man zahlt dort nur den Verzehr, sprich nur die Flaschen, die man aufmacht.
Man zahlt dort nur den Verzehr, d.h. nur die Flaschen, die man aufmacht.

Man zahlt dort nur den Verzehr, sprich, auf der Rechnung stehen nur die geöffneten Flaschen.
Man zahlt dort nur den Verzehr, d.h., auf der Rechnung stehen nur die geöffneten Flaschen.

Meine Empfehlung lautet also, dass Sie bei sprich gleich vorgehen wie bei das heißt, sprich, dass Sie die Satzzeichen in gleicher Weise setzen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Trotz der langen Adverbialbestimmung am Satzanfang steht vor »steht« kein Komma!

Konkrete Zahlen und Beweise habe ich nicht, aber ich nehme an, dass dies eine der Kommahürden ist, die am häufigsten streichende Eingriffe von Korrektor und Lektorin erfordern: Adverbialbestimmungen am Satzanfang.

Frage

Wir sind uns nicht einig, ob hier jeweils das erste Komma stehen muss:

Nicht anders als heute, war es üblich, dass sich Firmen auf Ausstellungen präsentierten.
Auf Vermittlung von A. M., kam im Sommer 1979 Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

Erläuterungen und Ergänzungen müssen resp. können durch Kommas abgetrennt werden, wenn sie eingeschoben oder nachgestellt sind:

Es war üblich, nicht anders als heute, dass Firmen sich auf Ausstellungen präsentierten.
Firmen präsentierten sich damals auf Ausstellungen, nicht anders als heute.

Im Sommer 1979 kam[,] auf Vermittlung von A.M.[,] Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen.
Im Sommer 1979 kam Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen, dies auf Vermittlung von A.M.

Siehe zum Beispiel hier.

Aber: Wenn solche Satzteile nicht eingeschoben oder nachgestellt sind, sondern am Satzanfang vor der konjugierten Verbform stehen, werden sie nicht durch ein Komma abgetrennt. Also nur ohne Komma:

Nicht anders als heute war es üblich, dass sich Firmen auf Ausstellungen präsentierten.
Auf Vermittlung von A. M. kam im Sommer 1979 Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen.

Es geht hier meist um Adverbialbestimmungen, die im Satz an erster Stelle stehen. Anders als zum Beispiel im Englischen oder Französischen werden sie im Deutschen nicht durch ein Komma abgetrennt. Weitere Beispiele, bei denen kein Komma stehen darf:

Trotz des außergewöhnlich schönen Herbstwetters ging der Umsatz zurück.
Einschließlich Mehrwertsteuer und Versandkosten liegt der Jahresbezugspreis bei 140 Euro.
Wie jeden Morgen um halb sieben riss der Wecker sie auch an diesem Tag aus dem Tiefschlaf.
Vor allem in den ersten Monaten nach dem Kriegsende war die Versorgungslage in der Stadt katastrophal.

Das letzte Beispiel fasst das oben Gesagte schön zusammen:

Anders als zum Beispiel im Englischen oder Französischen werden Adverbialbestimmungen am Satzanfang nicht durch ein Komma abgetrennt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

—–

PS: Am einfachsten wäre es natürlich, wenn man sagen könnte, dass es nie Satzteile gibt, die vor der gebeugten Verbform durch ein Komma abgetrennt werden. So einfach ist es leider wieder einmal nicht. Bekannte Ausnahmen sind Nebensätze, die mit einem Komma abgetrennt werden müssen:

Nicht anders als es heute üblich ist, präsentierten Firmen sich auch damals auf Ausstellungen
Wir er es jeden Morgen um halb sieben tat, riss der Wecker sie auch an diesem Tag aus dem Tiefschlaf.

Eine weitere Ausnahme sind die Partizipgruppen, die durch ein Komma abgetrennt werden können:

Durch A.M. vermittelt[,] kam Herr K. im Sommer 1979 als Geschäftsführer ins Unternehmen.
Das außergewöhnlich schöne Herbstwetter genießend[,] waren viele mit dem Fahrrad unterwegs.

Was, wie, wann und wo und die Kommas

Frage

Ich habe eine Kommafrage, mit der ich u. a. schon eine [bekannte Wörterbuchredaktion] nervös gemacht habe – so etwas gibt es, das hätte ich auch nicht gedacht. Es geht um folgenden Satz:

Computer schreiben den Bewohnern vor, was wie wann und wo zu tun ist.

Fraglich sind die Kommas zwischen was und wie und zwischen wie und wann.

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

ganz spontan hätte ich die Kommas wie folgt gesetzt:

Computer schreiben den Bewohnern vor, was, wie, wann und wo zu tun ist.

Es handelt sich ja um eine Aufzählung von vier Fragewörtern. Wenn man den Satz aber genauer betrachtet, fängt es an zu „klemmen“. Nach einiger Überlegung bin ich zum Schluss gekommen, dass die Kommas in diesem ziemlich kniffligen Fall so gesetzt werden sollten:

Computer schreiben den Bewohnern vor, was wie, wann und wo zu tun ist.

Meine Begründung: Das Fragewort was ist das Subjekt des Nebensatzes, denn die Verbform ist richtet sich nach was. Danach folgt eine Aufzählung von weiteren Fragewörtern mit der Funktion von Adverbialbestimmungen. Zwischen den ersten beiden Teilen dieser dreiteiligen Aufzählung steht ein Komma: wie, wann und wo. Zwischen dem Subjekt und den Adverbialbestimmungen steht normalerweise kein Komma. Deshalb steht hier zwischen was und wie auch kein Komma.

Formen wir zur Verdeutlichung den Nebensatz, um den es hier geht, einmal in einen Hauptsatz um:

Was ist wie, wann und wo zu tun?

Wenn wir diese direkte Frage nun in eine indirekte Frage resp. einen w-Satz zurückverwandeln, wird die finite Verbform ist einfach an den Schluss des Satzes verschoben, wie dies in Nebensätzen üblich ist. Dadurch stehen Subjekt und Adverbialbestimmungen nun zwar direkt nebeneinander, sie werden aber nicht durch ein Komma voneinander getrennt:

die Frage, was wie, wann und wo zu tun ist
Sie schreiben vor, was wie, wann und wo zu tun ist.

Die Folge der Fragewörter was, wie, wann und wo ist hier also nur scheinbar eine Aufzählung. Rein syntaktisch handelt es sich bei was einerseits und wie, wann und wo andererseits um verschiedene Satzteile. Da wir diese Formulierung aber bedeutungsmäßig dennoch als Aufzählung von vier Teilfragen empfinden, werden die meisten von uns (spontan) auch nach was ein Komma setzen wollen. Wer mich länger kennt, wird vielleicht nicht allzu erstaunt sein, dass ich deshalb geneigt bin, auch das Komma nach was „durchgehen zu lassen“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ein Satz mit weiß ich wie vielen Kommas

Frage

Kann man die folgenden beiden Sätze sowohl mit Kommas als auch ohne schreiben?

Er fährt für(,) was weiß ich wie lange(,) nach London.
Er hat sich mit(,) was weiß ich wem(,) getroffen.

Antwort

Guten Tag H.,

wenn man es ganz genau beschrieben haben will, lassen uns die Rechtschreibregeln hier im Stich. Es handelt sich um einen Sonderfall, der nicht detailliert behandelt wird. Ich würde wie folgt vorgehen:

Im Prinzip werden eingeschobene Sätze (Schaltsätze) durch Kommas abgetrennt (Regel):

Er fährt, ich bin sicher, für einige Tage nach London.
Er hat sich, so heißt es, mit Freunden getroffen.

Es gibt aber formelhafte Sätze, die nicht mehr als Satz, sondern als adverbiale Wendung empfunden werden und entsprechend nicht mehr immer durch Kommas abgetrennt werden. Sie können also mit oder ohne Kommas stehen:

Er fährt, wer weiß wie oft, nach London.
Er fährt wer weiß wie oft nach London.

Sie haben, weiß ich wie lange, nach einer Antwort gesucht.
Sie haben weiß ich wie lange nach einer Antwort gesucht.

Sie gibt sich, weiß Gott, viel Mühe.
Sie gibt sich weiß Gott viel Mühe.

Die Wendungen in Ihren Beispielsätzen gehören zu diesen formelhaften Wendungen. Hinzu kommt, dass sie so sehr in den Satz integriert sind, dass sie gar nicht mehr durch Kommas abgetrennt werden. Wenn die formelhafte Wendung weggelassen würde, bliebe ein unvollständiger Satz oder ein Satz mit einer anderen Bedeutung übrig:

Er fährt für was weiß ich wie lange nach London.
nicht: *Er fährt für London.

(Hier ist allerdings die Abtrennung der ganzen Präpositionalgruppe möglich:
Er fährt, für was weiß ich wie lange, nach London.)

Er hat sich mit was weiß ich wem getroffen.
nicht: *Er hat sich mit getroffen.

Ebenso besser nur ohne Kommas:

Sie wohnt wer weiß wo.
Sie würden Gott weiß was dafür gegeben.
Er hat einen Satz mit weiß ich wie vielen Kommas geschrieben!

Bevor Sie nun hieraus eine exakten Regel herzuleiten versuchen: Die Grenzen zwischen verpflichteten, fakultativen und „unmöglichen“ Kommas sind hier fließend. Als Faustregel kann bei solchen Wendungen gelten: Wenn in der gesprochenen Sprache vor und nach dem Einschub eine Pause gemacht wird, setzt man Kommas. Ich weiß nicht, ob Sie nun besser verstehen, wann man bei Formulierungen der Form weiß ich wie, wer weiß wo, weiß Gott was Kommas setzt. Vielleicht denken Sie auch nur: „Das soll weiß der Kuckuck wer begreifen!“

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kein Komma vor „und“?

Das Komma ist eines der komplexesten Phänomene der deutschen Rechtschreibung und bereitet uns entsprechend hin und wieder einiges Kopfzerbrechen. Noch nicht einmal auf eine so einfache Regel wie »Kein Komma vor und« darf man sich blind verlassen. Es ist dann auch nicht erstaunlich, dass immer wieder Fragen zu diesem Thema gestellt werden.

Frage

Hier habe ich zwei Beispielsätze, anhand derer ich ein Kommafrage klären möchte. Ich dachte immer, dass prinzipiell kein Komma vor und steht, aber nun habe ich Zweifel.

1) Mein Vater hatte das Talent, gut zu schreiben[,| und die Fähigkeit, Verlagshäuser davon zu überzeugen.
2) Er ist seit vielen Jahren krank[,] und er muss immer wieder ins Krankenhaus aufgenommen werden.

Antwort

Sehr geehrte Frau N.,

wir haben gelernt, dass vor und im Prinzip kein Komma steht. Das ist aber nicht immer der Fall.

Kein Komma vor und

Die Grundregel gilt auch bei längeren Aufzählungen sowie vor usw. und etc.:

nicht: Sie erhielt einen kleinen Globus, eine große Nussschokolade, zwei T-Shirts, ein Etui für ihr Tablet, ein Paar Ohrringe, und das lang ersehnte Hündchen.
sondern: Sie erhielt ein einen kleinen Globus, eine große Nussschokolade, zwei T-Shirts, ein Etui für ihr Tablet, ein Paar Ohrringe und das lang ersehnte Hündchen.

nicht: Er kaufte Tomaten, Zucchini, Auberginen, usw.
sondern: Er kaufte Tomaten, Zucchini, Auberginen usw.

Man trifft des Öfteren Texte an, in denen bei solchen Aufzählungen ein Komma vor und oder usw. steht. Dieses Komma könnte durch die englische Interpunktion beeinflusst sein. Im Deutschen ist es nicht korrekt.

Abschließendes Komma vor und:

Das heißt jetzt aber nicht, dass im Deutschen nie ein Komma vor und stehen darf oder muss. (Das wäre ja viel zu einfach!) Die Regeln sagen nämlich: Zu Nebensätzen, Infintivgruppen, Appositionen und Nachträgen gehörende Kommas müssen auch vor und gesetzt werden. Das klingt umständlich, ist aber relativ einfach, wie die folgenden Beispiele zeigen:

Eingeschobener Nebensatz:

Sie schaute sich um, ob sie jemanden kannte, und ging wieder weg.
vgl. Sie schaute sich um und ging wieder weg.

Wir hoffen, dass wir die Augabe zu Ihrer Zufriedenheit ausgeführt haben, und wir freuen uns auf einen neuen Auftrag.
vgl. Wir hoffen und wir freuen uns

Eingeschobene Infinitivgruppe:

Mein Vater hatte das Talent, gut zu schreiben, und die Fähigkeit, Verlagshäuser davon zu überzeugen.
vgl. Mein Vater hatte das Talent und die Fähigkeit

Wir sind davon überzeugt, Ihren Kunden interessante Alternativen anbieten zu können, und freuen uns auf ein Gespräch mit Ihnen.
vgl. Wir sind davon überzeugt und freuen uns

Apposition

Ich habe Äpfel, meine Lieblingsfrüchte, und Bananen gekauft.
vgl. Ich habe Äpfel und Bananen gekauft.

Wir grüßen Alois, unseren lieben Freund aus Klagenfurt, und auch seine Frau und Kinder.
vgl. Wir grüßen Alois und auch seine Frau und Kinder.

Selbstständige Sätze:

Ihr zweiter Beispielsatz ist ein anderer Fall. Es handelt sich um die Verbindung von zwei selbstständigen Sätzen. Dabei steht normalerweise kein Komma vor und, es kann aber zur Verdeutlichung des Gesamtsatzes gesetzt werden (Regel):

Er ist seit vielen Jahren krank und er muss immer wieder ins Krankenhaus aufgenommen werden.
Er ist seit vielen Jahren krank, und er muss immer wieder ins Krankenhaus aufgenommen werden.

Er aß nur das Brot und den Kuchen ließ er stehen.
Er aß nur das Brot, und den Kuchen ließ er stehen.

Komma vor und zwar, und das, und dies

Das ist noch nicht alles: Vor ergänzendem und zwar, und das, und dies muss ein Komma stehen:

Die Arbeit muss nächste Woche abgegeben werden, und zwar spätestens am Donnerstag.
Das ist bares Geld wert, und zwar viel.
Sie hat uns sofort geholfen, und das/dies an einem Sonntagmorgen.

—-

Im Prinzip steht vor und kein Komma. Die Beispiele zeigen aber, dass es Gründe gibt, auch vor und (oder, bzw., sowie, als auch) einen Beistrich zu setzen. Wenn Sie das Wichtigste in einer kürzeren Zusammenfassung sehen möchten, ist das möglich, und zwar hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Sondern und die Kommas

Endlich einmal eine Kommafrage, die sich ganz einfach beantworten lässt! Oder doch nicht?

Frage

Mir begegnet beim Schreiben deutscher Texte und beim Übersetzen fremdsprachiger Texte immer wieder der Ausdruck „nicht nur … sondern auch“. In dem Fall, dass zwei Substantive verbunden werden, bin ich unsicher, ob vor das Wort „sondern“ ein Komma gesetzt werden muss. Ein Beispiel:

Fritz ist nicht nur ein leidenschaftlicher Wanderer(,) sondern auch ein passionierter Angler.

Antwort

Guten Tag F.,

es ist im Zusammenhang mir einer Kommafrage kaum zu glauben, aber für einmal ist es ganz einfach: Vor der Konjunktion sondern steht immer ein Komma.

Fritz ist kein Wanderer, sondern ein Angler.
Nicht nur Fritz, sondern auch Anton ist ein leidenschaftlicher Angler.
Fritz ist nicht nur ein leidenschaftlicher Wanderer, sondern auch ein passionierter Angler.
Das ist kein Süßwasser-, sondern ein Salzwasserfisch.
Fritz fährt in den Ferien nicht in den Schwarzwald, sondern (er) bleibt zu Hause.

Siehe auch sondern in Canoonet.

Und jetzt fühle ich mich wie ein Spielverderber. Wenn Nebensätze und Infinitivgruppen ins Spiel kommen, wird es nämlich doch komplizierter – nicht vor sondern, sondern dahinter.

Bei nicht … sondern ist es noch relativ übersichtlich:

Anton fährt nicht an den See, um zu angeln, sondern um zu wandern.
Anton fährt nicht zum Angeln an den See, sondern weil er wandern möchte.
Fritz fährt nicht in den Schwarzwald, weil er wandern will, sondern weil er angeln möchte.

Bei nicht nur … sondern auch hängt die Kommasetzung davon ab, ob nicht nur und sondern auch a) zum Hauptsatz oder b) zu den Nebensätzen gehören:

a) Anton fährt nicht nur an den See, um zu angeln, sondern auch, um zu wandern.
b) Anton fährt an den See, nicht nur um zu angeln, sondern auch um zu wandern.

a) Fritz fährt nicht nur in den Schwarzwald, weil er wandern will, sondern auch, weil er angeln möchte.
b) Fritz fährt in den Schwarzwald, nicht nur weil er wandern will, sondern auch weil er angeln möchte.

Die Regel, dass vor sondern immer ein Komma steht, bleibt aber erhalten. Insofern habe ich Ihnen also oben doch nicht zu viel „versprochen“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wissen Sie(,) wie?

Frage

Kommt bei Fragewörtern ein Komma, wenn sie keinen Nebensatz bzw. einen verkürzten Nebensatz einleiten?

Zum Beispiel: „Er weiß nicht(,) warum.“

Eigentlich könnte dieser Satz ja erweitert werden: „Er weiß nicht, warum er nicht gewählt worden ist.“ In diesem Falle müsste ein Komma stehen. Gilt das denn auch für die verkürzte Variante?

Antwort

Guten Tag A.,

Ihre Frage enthält schon die meisten Elemente, die zu ihrer Beantwortung beitragen. Wenn statt eines abhängigen Fragesatzes ein einzelnes Fragewort steht, kann man es mit einem Komma abtrennen. Das Fragewort wird dann als verkürzter Nebensatz behandelt. Man kann das Fragewort aber auch als einfache Ergänzung interpretieren und kein Komma setzen. Zum Beispiel:

Er weiß nicht, warum?
Er weiß nicht warum.

Weiß er wirklich nicht, weshalb?
Weiß er wirklich nicht weshalb?

Sie kommen bestimmt. Wenn ich nur wüsste, wann!
Sie kommen bestimmt. Wenn ich nur wüsste wann!

Ich weiß nicht, wie, aber ich werde es herausfinden.
Ich weiß nicht wie, aber ich werde es herausfinden.

Repariere es! Womit ist mir egal.
Repariere es! Womit, ist mir egal.

So viel Freiheit ist ja schön und gut, aber wann soll man denn nun ein Komma setzen und wann nicht? – Das liegt ganz in Ihrem Ermessen. Als Faustregel könnte hier gelten: Das Komma steht dann, wenn Sie in der gesprochenen Sprache eine das einzelne Fragewort hervorhebende Pause machen oder machen würden.

Es ist nicht immer einfach, Kommas zu setzen. Ich hoffe, dass Sie in diesem Fall nun ein bisschen besser wissen(,) wie.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Angela Merkel mit und ohne Kommas

Frage

Ich hatte noch gelernt, dass bei Funktionsbezeichnungen wie: „Die Bundeskanzlerin, Angela Merkel, sagte …“ die Apposition mit Kommata abgetrennt wird, weil es nur eine amtierende Bundeskanzlerin gibt. Wenn man die Bezeichnung wie einen Titel gebraucht, steht kein Komma: „Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte …“

Dann hatte ich noch gelernt, dass wenn z. B. ein Amt von mehreren Personen ausgeübt wird, kein Komma steht: „Der stellvertretenden Landesvorsitzende der GdP-Saarland Ralf Porzel sagte …“

Ich bin durch die ganzen Rechtschreibreformen verunsichert und wollte deshalb wissen, ob das immer noch so ist?

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

durch die Rechtschreibreform hat sich in diesem Bereich der Kommasetzung nichts geändert. Die Regel, die Sie hantieren, führt meist zu einem korrekten Resultat, sie ist aber viel zu strikt. Es gibt oft mehr als eine Möglichkeit.

Die Kommasetzung hängt hier nämlich nicht davon ab, ob es einen oder mehrere Vertreter einer bestimmten Funktion gibt, sondern davon, ob man die Nennung des Namens als Hauptsache oder als nachgestellte Apposition (nähere Bestimmung) versteht. Im Prinzip ist es ganz einfach: Wenn man in der gesprochenen Sprache vor und nach dem Namen eine Pause macht, ist er eine Apposition, das heißt eine nähere Bestimmung, wer genau mit der genannten Funktion gemeint ist. Man setzt Kommas. Wenn man beim Sprechen keine Pausen macht, ist der Name der Kern der Wortgruppe, dem ein Titel oder eine Funktionsbezeichnung vorausgeht. Man schreibt keine Kommas. In vielen Fällen ist beides möglich, unabhängig davon, ob es mehrere Vertreter oder Vertreterinnen der genannten Funktion gibt oder nicht. Ein paar Beispiele:

Mit oder ohne Pause → mit oder ohne Komma:

Es spricht die Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Es spricht die Bundeskanzlerin, Angela Merkel.

Der Vorsitzende Hans Christoph Brummer begrüßte die Anwesenden.
Der Vorsitzende, Hans Christoph Brummer, begrüßte die Anwesenden.

Der Angeklagte sagte, dass er nicht mit seiner Verteidigerin Dr. Thekla Araneus einverstanden sei.
Der Angeklagte sagte, dass er nicht mit seiner Verteidigerin, Dr. Thekla Araneus, einverstanden sei.

Ich reiste mit meinem Nachbarn Alois Siebenpunkt nach Prag.
Ich reiste mit meinem Nachbarn, Alois Siebenpunkt, nach Prag.

Ohne Pause → ohne Komma:

Nach der Aussage der Landtagsabgeordneten Maja Apis verliefen die Unterhandlungen gut.

Mit Pause → mit Komma:

Nach der Aussage einer Landtagsabgeordneten, Maja Apis, verliefen die Unterhandlungen gut.

Mir persönlich helfen die Pausen in der gesprochenen Sprache gut bei der Entscheidung, ob ich in solchen Fällen ein Komma setzen will oder nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Komma, Ergänzungsstrich und Gazanien

Kommafragen gehören zu Ihren Lieblingsfragen. Das Wort „Lieblingsfragen“ ist wahrscheinlich falsch gewählt. Dass viele Ihrer Fragen den Beistrich betreffen, liegt wohl nicht daran, dass Sie das Komma so mögen, sondern vielmehr daran, dass die Kommasetzung im Deutschen so komplex ist. Während andere Sprachen mit dreieinhalb Regeln auskommen (Über- und Untertreibungen dieser Art sind in Blogs gestattet), benötigt die amtliche deutsche Rechtschreibregelung acht Paragraphen (§§ 71-79), um dieses Satzzeichen zu bändigen. Acht Paragraphen sind eigentlich nicht viel. Wenn man aber genauer hinschaut, sieht man, dass diese acht Paragraphen insgesamt in ungefähr vierzig(!) Abschnitte und Ausnahmebestimmungen unterteilt sind. Dann wird klarer, warum Sie – und auch ich – des Öfteren nicht mehr wissen, ob ein Komma gesetzt werden muss oder nicht. Ob die Rechtschreibreform die Kommasetzung vereinfacht hat, weiß ich nicht. Wenn ja, war es eine relative „Vereinfachung“ in dem Sinne, dass schrecklich kompliziert einfacher ist als ungeheuerlich kompliziert.

Klagen hilft nichts. Wer korrekt schreiben will, muss sich mit der Beistrichregelung herumschlagen. Irgendwie sind wir ja auch selbst schuld, denn die Deutschsprechenden und -schreibenden wollen immer ganz genau wissen, was richtig und was falsch ist. Gründlichkeit hat ihren Preis. Wären wir bereit, einen lockereren Umgang mit dem Komma zu akzeptieren, kämen vielleicht auch wir mit dreieinhalb Kommaregeln aus.

Wie dem auch sei: Falls Sie einmal nicht weiterkommen, fragen Sie Dr. Bopp! Ich werde versuchen, eine befriedigende Antwort zu finden. Das hat auch Herr W. getan. Diesmal war die Antwort sogar relativ einfach und entsprechend kurz:

Frage

Ich hätte eine Frage zur Kommasetzung an Sie. Schreibt man:

Paris ist bald nicht mehr 18 Flug- sondern nur noch vier Autostunden entfernt.

oder:

Paris ist bald nicht mehr 18 Flug-, (!) sondern nur noch vier Autostunden entfernt.

Antwort

Sehr geehrter Herr W.,

vor der Konjunktion sondern steht immer ein Komma. Das gilt auch dann, wenn vor sondern ein Wort mit einem Ergänzungsstrich steht:

Paris ist bald nicht mehr 18 Flug-, sondern nur noch vier Autostunden entfernt.

In Aufzählungen u. Ä. kann ganz allgemein ein Komma auf einen Ergänzungsstrich folgen. Zum Beispiel:

auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene
ein-, aus- und umräumen
Es gibt ein-, aber auch mehrfarbige Blüten.

Der letzte Beispielsatz stammt aus der Beschreibung einer Gazanie genannten Pflanzengattung. Ob Gazanien wirklich ein-, aber auch mehrfarbige Blüten haben, weiß ich eigentlich nicht. Ich weiß nur, dass nach ein- ein Komma stehen muss, wenn man diese Blumen so beschreibt. Rechtschreibung ist oft eine farblose Angelegenheit.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp