Bei »würde werden« steht oft ein »werden« zu viel

Frage

Kürzlich habe ich auf einem Portal eine Wortform gesehen, die ich vorher nie gehört hatte. Es ging um einen Beispielsatz wie:

Wenn er schnell schriebe, würde er das Buch bis morgen fertig geschrieben haben werden.

Es muss sich um eine seltene Form handeln. Könnten Sie mir bitte sagen, wann man diesen Konjunktiv II Futur II verwendet und woher das zusätzliche „werden“ am Schluss kommt?

Antwort

Guten Tag Frau K.,

man kann eine Form wie „würde geschrieben haben werden“ zwar bilden, sie gilt aber nicht als korrekt. Die korrekte Form kommt ohne das letzte „werden“ aus. Vergleichen Sie die folgenden Formen:

Indikativ Futur II
Wenn er schnell schreibt, wird er das Buch bis morgen fertig geschrieben haben.

Konjunktiv I Futur II
Wenn er schnell schreibe, werde er das Buch bis morgen fertig geschrieben haben.

Konjunktiv II Futur II
Wenn er schnell schriebe, würde er das Buch bis morgen fertig geschrieben haben.**

Das letzte „werden“ im Beispielsatz, den Sie zitieren, kann man dadurch erklären, dass anstelle des Konjunktivs II „würde“, die würde-Form „würde werden“ verwendet wird.

Beispiele von würde-Formen als Ersatz für den Konjunktiv II:

fände = würde finden
schlösse = würde schließen
schriebe = würde schreiben
würde = würde werden

Es ist jedoch nicht sinnvoll und nicht üblich, den Konjunktiv II „würde“ des Hilfsverbs „werden“ durch die würde-Form „würde werden“ zu ersetzen. Es gilt auch nicht als korrekt. Deshalb ist eine Form wie „würde geschrieben haben werden“ nicht als richtig anzusehen.

In der folgenden Liste stehen jeweils 1. der Indikativ, 2. der Konjunktiv II und 3. die nicht korrekte würde-Form des Hilfsverbs „werden“ im Futur und im Passiv:

a.1 Sie wird es schreiben.
a.2 Sie würde es schreiben.
a.3 nicht: *Sie würde es schreiben werden.

b.1 Sie wird es geschrieben haben.
b.2 Sie würde es geschrieben haben.
b.3 nicht: *Sie würde es geschrieben haben werden.

c.1 Das Buch wird geschrieben.
c.2 Das Buch würde geschrieben.
c.3 Das Buch würde geschrieben werden = d.2

d.1 Das Buch wird geschrieben werden.
d.2 Das Buch würde geschrieben werden.
d.3 nicht: *Das Buch würde geschrieben werden werden.

e.1 Das Buch wird bald fertig geschrieben worden sein.
e.2 Das Buch würde bald fertig geschrieben worden sein.
e.3 nicht: *Das Buch würde bald fertig geschrieben worden sein werden.

Die mehrteiligen Verbformen können im Deutschen zwar ziemlich komplex sein, aber ganz so schlimm wie „würde geschrieben haben werden“ und „würde geschrieben worden sein werden“ wird es zum Glück doch nicht!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** Häufig wird bei so komplexen Futur-II-Formen auf das „Perfekt des Zukünftigen“ ausgewichen, das dann dieselbe Bedeutung hat wie das Futur II:

Wenn er schnell schriebe, würde er das Buch bis morgen fertig geschrieben haben.
Wenn er schnell schriebe, hätte er das Buch bis morgen fertig geschrieben.

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Höflich verweisen: „siehe“ oder „sehen Sie“?

Frage

Bei uns kam die Frage auf, ob in einem Buch, das in der Sie-Form geschrieben ist, Seitenverweise mit „siehe“ eingeleitet werden dürfen. Eigentlich handelt es sich ja um den Imperativ in der Du-Form. Immer „sehen Sie Seite XX“ zu schreiben, kommt mir aber äußerst seltsam vor.

Antwort

Guten Tag Herr R.,

„siehe“ ist eine alte Form, die heute in Anweisungen wie

siehe oben/unten/S. 23/Anhang/auch/…

oder in Ausrufen wie

siehe da!

verwendet wird. Die Form „siehe“ ist hier keine eigentliche du-Form (mehr), das heißt, sie wird auch in Texten verwendet, die in der Höflichkeitsform abgefasst sind.

Als Anweisung ist „siehe X“ im heutigen Deutschen zu einer festen Wendung in Texten geworden, denn gemeint ist ja nicht „etwas sehen“ („etwas erblicken“, „etwas mit den Augen wahrnehmen“), sondern „etwas ansehen“, „etwas betrachten“. Mit der Bedeutung „ansehen“ kommt „sehen“ im heutigen Deutschen eigentlich nur noch vor, wenn es um Filme und Sendungen geht:

Hast du den neuen „James-Bond-Film“ schon gesehen?
Ich rufe dich später zurück, wir sehen gerade „Tatort“.

Man verwendet deshalb bei Verweisen in Büchern u. Ä. in der Regel nicht die sonst übliche Imperativform des Singulars „sieh“, nicht die Pluralform „seht“ und besser auch nicht die Höflichkeitsform „sehen Sie“; also besser nicht:

sieh S. 23
seht S. 23
sehen Sie S. 23

sondern in allen Fällen

siehe S. 23

Das erklärt wahrscheinlich auch, warum „sehen Sie Seite XX“ Ihnen äußerst seltsam vorkommt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Verbzeiten: Das muss/musste er damals schon gewusst haben

Frage

Wir sind unsicher, wie die richtigen Zeiten in folgendem Satz lauten:

Dass er Lehrer werden wollte, musste er schon damals gewusst haben.

Nach meiner Meinung, kann „musste“ nur im Präsens stehen, denn er „muss“ es auch aus heutiger Sicht gewusst haben:

Dass er Lehrer werden wollte, muss er schon damals gewusst haben.

Mein Freund meint, dass auch der Nebensatz im Präsens stehen sollte, denn er gebe ja den Willen von damals in die Gegenwart übertragen kund:

Dass er Lehrer werden will, muss er schon damals gewusst haben.

Antwort

Guten Tag Frau P.,

anders als in einigen anderen Sprachen, gibt es im Deutschen nur wenige Regeln im Bereich der Verbzeiten, und diese Regeln werden oft nicht eingehalten. Das bedeutet, dass vieles vorkommt und vieles möglich ist. Im Prinzip gilt für Ihre Frage Folgendes:

Mit „müssen“ wird eine hohe Wahrscheinlichkeit ausgedrückt.

Der Einbrecher muss durch das Fenster eingestiegen sein
= Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Einbrecher durch das Fenster eingestiegen ist

Er muss es damals schon gewusst haben
= Es ist sehr wahrscheinlich, dass er es schon damals gewusst hat

Wenn die hohe Wahrscheinlichkeit zum Sprechzeitpunkt ausgedrückt wird, steht „müssen“ im Präsens:

Die Kommissarin stellt fest, dass der Einbrecher durch das Fenster eingestiegen sein muss.

Jetzt wird mir klar: Dass er Lehrer werden wollte, muss er damals schon gewusst haben.

Wenn die hohe Wahrscheinlichkeit zu einem Zeitpunkt ausgedrückt wurde, der vor dem Sprechzeitpunkt liegt, steht „musste“:

Die Kommissarin stellte fest, dass der Einbrecher durch das Fenster eingestiegen sein musste.

Später wurde mir klar: Dass er Lehrer werden wollte, musste er damals schon gewusst haben.

So viel zur Zeitform des Modalverbs „müssen“. Wie steht es mit der Verbform im dass-Satz? Auch dort gibt es zwei Möglichkeiten:

Im dass-Satz steht „wollte“, wenn er Lehrer geworden ist oder wenn er jetzt nicht mehr Lehrer werden will:

Jetzt wird mir klar: Dass er Lehrer werden wollte, muss er damals schon gewusst haben.

Später wurde mir klar: Dass er Lehrer werden wollte, musste er damals schon gewusst haben.

Im dass-Satz kann auch das Präsens „will“ stehen, wenn er zum Sprechzeitpunkt noch nicht Lehrer ist und immer noch Lehrer werden will:

Dass er Lehrer werden will, muss er damals schon gewusst haben.

Dann gibt es noch eine Möglichkeit, die Verbzeiten in Neben- und Hauptsatz zu kombinieren:

Dass er Lehrer werden will, musste er damals schon gewusst haben.

Dieser Satz ist möglich, wenn die hohe Wahrscheinlichkeit vor dem Sprechzeitpunkt ausgedrückt wurde und er im Sprechzeitpunkt immer noch Lehrer werden will. Das klingt allerdings ziemlich komplex. Ich bezweifle deshalb, ob wirklich alle den letzten Satz so verstehen, ihn so meinen oder ihn überhaupt so formulieren würden.

Ich habe es am Anfang schon erwähnt: Die Regeln sind im Bereich der Verbzeiten nicht sehr streng und sie werden auch nicht streng eingehalten. Andere Formulierungen können auch vorkommen, ohne dass dies gleich grundsätzlich falsch ist und zu größeren Verständigungsproblemen führt. In der Regel ergibt sich aus dem Kontext, wie die zeitlichen Verhältnisse liegen. Falls Sie mich also einmal dabei ertappen, dass ich die Verbzeiten nicht streng nach dem oben stehenden „Schema“ verwende, seien Sie bitte nachsichtig!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Reflexive Verben im Passiv: Es darf sich gewundert werden

Frage

Könnten Sie etwas über das „Reflexivpassiv“ sagen? Ich habe zum ersten Mal davon gehört und auch Beispiele gelesen:

Um ihn wird sich gekümmert werden.

Ich dachte immer, es gebe kein Passiv bei Reflexiven!

Antwort

Guten Tag Herr N.,

es wird tatsächlich häufig gesagt und gelehrt, dass reflexive und reflexiv verwendete Verben nicht im Passiv stehen können. Im Prinzip ist das auch richtig:

Sie kümmert sich um ihn
nicht: *Um ihn wird sich von ihr gekümmert

Er wäscht sich
nicht: *Er wird von sich gewaschen

Wir beeilen uns
nicht: Von uns wird uns/sich beeilt

Das Passiv ist aber nicht gänzlich ausgeschlossen, denn ohne Ausnahmen geht es auch hier nicht:

Selten kommt das Passiv bei reflexiven Verben zum Ausdrucks eines Befehls oder einer Aufforderung vor (vgl. hier):

Jetzt wird sich hingelegt!
Bevor ihr zu Bett geht, wird sich gewaschen

Sonst ist das Reflexivpassiv nur beschränkt möglich. Man kann es nur dann bilden, wenn es unpersönlich ist, das heißt, wenn es im Aktiv einem Satz mit dem unpersönlichen Subjekt „man“ entspricht:

Um ihn wird sich gekümmert werden
Bis in den frühen Morgen wurde gelacht, getanzt und sich amüsiert
Es konnte sich darauf geeinigt werden, das Spiel zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen

Wenn Sie sich nun wundern, dass Formulierungen wie die letzten drei Beispiele möglich sein sollen, kommen Sie wahrscheinlich nicht aus dem Nordosten oder der Mitte Deutschlands. Nach den Angaben der Variantengrammatik ist dieses Reflexivpassiv vor allem im Nordosten, aber weniger im Westen und kaum im Süden des deutschen Sprachraumes üblich (siehe hier).

Sie stehen mit Ihrer Verwunderung auch nicht allein: Nach der Dudengrammatik (2016, Randnr. 800) kommen solche Passivformen vor, sie werden aber nicht von allen als korrekt akzeptiert. Ich persönlich verwende dieses Reflexivpassiv nicht und empfinde es zumindest als „auffällig“, wenn ich ihm begegne. Ich komme eben aus dem Süden.

Wenn es darum geht, ob es reflexive Verben im Passiv gibt, lautet die Antwort also ja – aber es darf sich gewundert werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Unterzeichnete, Unterzeichnende oder Unterzeichner und Unterzeichnerinnen?

Frage

Wenn in einem Vertrag auf die unterzeichnende Person verwiesen wird, heißt es dann „Der Unterzeichnete bestätigt hiermit“ oder „Der Unterzeichnende bestätigt hiermit“?

Antwort

Guten Tag Frau C.,

wenn ich mit der Tür ins Haus fallen darf: Am besten verwenden Sie hier meiner Meinung nach diese Formulierung:

Der Unterzeichner bestätigt hiermit …
Die Unterzeichnerin bestätigt hiermit …

Die beiden anderen Varianten, die Sie in Ihrer Frage nennen, sind nämlich problematisch.

Der Begriff „der/die Unterzeichnete“ wird in formeller behördlicher und juristischer Sprache verwendet. Es geht auf das veraltete reflexive Verb „sich unterzeichnen = unterschreiben“ zurück. Bei reflexiven Verben kann mit dem Perfektpartizip die Person gemeint sein, die die Verbhandlung ausgeführt hat:

sich betrinken – der/die Betrunkene
sich verlieben – der/die Verliebte
sich unterzeichnen – der/die Unterzeichnete

Der oder die Unterzeichnete ist also die Person, die sich unterzeichnet hat. Das reflexive „sich unterzeichnen“ ist aber nicht mehr gebräuchlich und vielen auch nicht mehr bekannt. Viele verbinden „unterzeichnet“ deshalb mit dem einfachen Verb „unterzeichnen“, wie es zum Beispiel in „der unterzeichnete Brief“ vorkommt. Die Formulierung „der/die Unterzeichnete“ sieht dann so aus, wie wenn etwas gemeint wäre, das unterzeichnet worden ist. Aus diesem Grund macht eine Formulierung wie

Der oder die Unterzeichnete bestätigt hiermit …

auf viele einen seltsamen Eindruck. Die Formulierung ist korrekt und in gewissen Bereichen auch üblich, aber sie ist nicht mehr allen gut verständlich.

Die Verwendung von „der/die Unterzeichnende“ ist umstritten.

Der oder die Unterzeichnende bestätigt hiermit …

Gegen diese Formulierung wird eingewandt, dass man im Prinzip nur während des Unterzeichnens der oder die Unterzeichnende sei. Während des Schreibens ist man – peinlich genau genommen – der/die unterzeichnen Werdende. Wenn jemand das unterschriebene Dokument liest, ist man der/die unterzeichnet Habende. Ich finde das eher spitzfindig. Studierende sind heutzutage ja auch dann Studierende, wenn sie nicht gerade mit Studieren beschäftigt sind. Wenn Sie aber sicher sein wollen, dass niemand Sie „korrigiert“, verwenden Sie besser nicht „der/die Unterzeichnende“.

So viel möchte der Unterzeichner/Unterzeichnete/(Unterzeichnende) hier zu diesem Thema sagen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Unterschied zwischen Staub saugen und Staub wischen – grammatisch gesehen

Frage

Es geht um den Begriff „staubsaugen“ bzw. „Staub saugen“. Wenn es um die Entfernung von Staub durch Muskelkraft und Putztuch geht, ist, wenn ich nicht irre, nur die getrennt geschriebene Variante zulässig: „Staub wischen“. Gibt es für diesen Unterschied eine Erklärung?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

es gibt tatsächlich einen orthografischen Unterschied zwischen „Staub saugen/staubsaugen“ und „Staub wischen“. Dem orthografischen Unterschied liegt allerdings auch ein grammatischer zu Grunde.

Bei den folgenden Beispielen schreibt man beide Wendungen gleich, das heißt getrennt:

Ich muss noch Staub saugen / Staub wischen
Ich habe im ganzen Haus Staub gesaugt / Staub gewischt
Vergiss nicht, in deinem Zimmer Staub zu saugen / Staub zu wischen

Man kann hier (fast) noch von einer transitiven Verwendung der Verben „saugen“ und „wischen“ sprechen, wobei „Staub“ jeweils das vom Verb abhängige Akkusativobjekt ist. Ich schreibe „(fast) noch“, weil „Staub“ hier noch als selbstständiges Substantiv erfahren wird, aber schon einen Teil seiner Selbstständigkeit eingebüßt hat. So klingt hier die bei Akkusativobjekten übliche Frage „wen oder was?“ recht sonderbar:

Wen oder was wischst du – Staub (?)
Wen oder was saugst du – Staub (?)

Wie bei zum Beispiel „Auto fahren“, „Angst machen“ oder „Karten spielen“ kann man diese Verbindungen besser nicht als Verbindungen von Verb und Akkusativobjekt interpretieren, sondern eher als komplexe Prädikate. Verb und Substantiv bilden zusammen das Prädikat des Satzes. Die Frage ist dann weniger „Wen oder was saugst/wischst du?“ als „Was tust du?“ (eine weitergehende grammatische Analyse dieser Spezialfälle muss ich an dieser Stelle schuldig bleiben).

Hiermit ist nur erläutert, dass „Staub wischen“ und „Staub saugen“ mit „Auto fahren“ und „Karten spielen“ vergleichbar sind. Bei „Staub saugen“ gibt es aber noch mehr zu sagen. Diese Wendung kann nämlich als Ganzes mit einem Akkusativobjekt stehen. Dann wird die ganze Wendung zu einer untrennbaren Verbverbindung, die zusammengeschrieben wird:

die Teppiche staubsaugen
Ich habe das ganze Haus gestaubsaugt
Vergiss nicht, dein Zimmer zu staubsaugen.

Die zusammengeschriebene Form kann auch verwendet werden, wenn das Akkusativobjekt nicht genannt wird (man achte auf die Form des Partizips resp. des Infinitivs mit „zu“):

Ich muss noch staubsaugen / Staub saugen
Ich habe im ganzen Haus gestaubsaugt / Staub gesaugt
Vergiss nicht zu staubsaugen / Staub zu saugen

Im Gegensatz dazu kann „Staub wischen“ nicht als Ganzes mit einem Akkusativobjekt stehen (nicht: „*das ganze Haus staubwischen“). Deshalb ist die Zusammenschreibung nicht vorgesehen.

Der Unterschied zwischen den beiden Verbausdrücken liegt also nicht darin, dass die eine Tätigkeit mit einem elektrischen Haushaltsgerät und die andere mit Muskelkraft und Putztuch ausgeführt wird. Der Unterschied ist grammatischer Natur und liegt in den verschiedenen Möglichkeiten, sie im Satz mit anderen Satzgliedern (einem Akkusativobjekt) zu verbinden. Doch ganz gleich, ob gestaubsaugt, Staub gesaugt oder Staub gewischt werden muss, zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört keine dieser Tätigkeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Geld überwiesen haben wollen

Die Formulierung im Titel ist zweideutig. Behauptet hier jemand, das Geld überwiesen zu haben, oder will jemand, dass das Geld überwiesen wird? Nur der Kontext kann klären, was gemeint ist.

Frage

In meinem Deutschkurs hat sich mal wieder eine Frage im Zusammenhang mit Modalverben ergeben […] In einem Text stand folgender Satz:

Man möchte die Bonuspunkte ausgezahlt haben.

Um was für eine Verwendungsform handelt es sich hier? Ein subjektiver
Gebrauch von Modalverben ist es ja nicht. Woher kommt das Partizip II?
Ist es vielleicht gar kein Infinitiv Vergangenheit, sondern ein
Adjektiv? Und man könnte es eigentlich ersetzen, zum Beispiel:

Man möchte, dass die Bonuspunkte ausgezahlt werden.

Aber warum würde dann aus einer Passivform eine Aktivform? Können Sie
mir hier weiterhelfen?

Antwort

Guten Tag Frau H.,

diese eher umgangssprachliche Formulierung habe ich noch nie genauer „analysiert“. Ohne weiter in die Tiefe zu gehen, würde ich sie als eine Passivform bezeichnen, die mit dem sogenannten bekommen-Passiv verwandt ist:

Man möchte die Bonuspunkte ausgezahlt bekommen/erhalten/kriegen.

Im Gegensatz zum bekommen-Passiv, drückt die Konstruktion mit haben mehr einen Zustand oder ein Resultat als einen Vorgang aus:

Ich will das Geld überwiesen haben.
Der Beamte möchte den Vorfall ganz genau erklärt haben.
Die Patientin trug einen Verband um den Kopf und hatte das linke Bein eingegipst.

Das ist nicht der einzige Unterschied. Das Passiv mit haben ist stärker als das bekommen-Passiv vom Satzzusammenhang abhängig. Es fällt nämlich formal mit dem „normalen“ Perfekt Aktiv zusammen:

Ich möchte das Geld überwiesen bekommen.
Ich möchte das Geld überwiesen haben.

Während die Formulierung mit bekommen eindeutig ist, könnte die Formulierung mit haben ohne weiteren Zusammenhang auch aktivisch verstanden werden, nämlich dass ich möchte, dass ich das Geld überwiesen habe.

Ohne Modalverb ist der Satz mit haben nur noch aktivisch zu verstehen:

Ich bekomme das Geld überwiesen.
*Ich habe das Geld überwiesen (nicht passivisch, nur als „normales“ Perfekt Aktiv von überweisen).

Ich bekam das Geld überwiesen.
*Ich hatte das Geld überwiesen (nicht passivisch, nur als „normales“ Plusquamperfekt Aktiv von überweisen).

Nur in wenigen Kontexten kommt das haben-Passiv auch ohne Modalverb aus:

Das Pferd lahmt und hat deshalb die Fesseln eingebunden.
Der Patient trug einen Verband um den Kopf und hatte das linke Bein eingegipst.

Ich hoffe, dass Sie diese standardsprachlich etwas zweifelhafte Form nicht genauer erklärt haben möchten, denn viel mehr kann ich an dieser Stelle nicht dazu sagen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Kongruenzfrage: Was fehlt, ist/sind ein Ball und ein Schiedsrichter

Frage

Ich habe den Grammatikduden konsultiert und finde keine Lösung für dieses doch eigentlich häufig auftretende Kongruenzproblem. Muss das Prädikat im Satz „Was fehlt, ist/sind ein Ball und ein Schiedsrichter“ im Singular oder im Plural stehen?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

man kann bei diesem Satz tatsächlich ins Zweifeln kommen. Der Singular „was“ legt die Einzahl „ist“ nahe, das mehrteilige „ein Ball und ein Schiedsrichter“ deutet auf den Plural „sind“ hin. Welche dieser beiden Sichtweisen gewinnt hier?

Wenn das Subjekt und der Gleichsetzungsnominativ (prädikativer Nominativ; siehe Beispiele) in einem Satz nicht den gleichen Numerus haben, steht das finite Verb in der Regel im Plural:

Mein größter Besitz sind meine Kinder.
Die Beduinen sind ein Nomadenvolk.
Die Guerillagruppen bleiben eine Gefahr für die Stabilität.
Wer sind diese Leute?
Das sind meine Eltern.

In Ihrem Satz haben wir es mit einer ähnlichen Konstruktion zu tun: Der Nebensatz „Was noch fehlt“ ist das Subjekt des Gesamtsatzes, die Wortgruppe „ein Ball und ein Schiedsrichter“ ist der Gleichsetzungsnominativ. Letzterer besteht aus zwei mit „und“ verbundenen Teilen und ist deshalb als pluralisch anzusehen (vgl. „Benötigt werden ein Ball und ein Schiedsrichter“). Hier werden also in einem Gleichsetzungssatz ein singularischer Nebensatz und eine pluralische Wortgruppe verbunden. Das Verb sollte deshalb, wie oben gesagt, im Plural stehen:

Was fehlt, sind Bälle.
Was fehlt, sind ein Ball und ein Schiedsrichter.

Die folgenden Beispiele sind ähnliche Gleichsetzungssätze, für die bei der Wahl der Verbform dasselbe gilt:

Was noch fehlt, sind ein Logo und ein griffiger Slogan.
Was mich interessiert, sind ein langes Leben und Weisheit.
Das Geburtsdatum und der Geburtsort sind, was noch benötigt wird.
Alles, was zählt, sind eine tolle Zeit, gute Gesellschaft und jede Menge Spaß.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Der Modus in Rezepten – Man nehme …

Und heute gleich noch einmal etwas zur Sprache in Kochrezepten:

Frage

Meine Frage dreht sich um die Stellung des Prädikats. In einem Deutschübungsbuch finden sich die folgenden Beispiele:

Bevor Sie den Teig in die Pfanne […] gießen, mischen Sie Rosinen dazu.
Nun erhitzen Sie die Pfanne.

Meines Erachtens handelt es sich bei diesen Sätzen um Aufforderungssätze (Imperativ der Höflichkeitsform), weshalb das finite Verb auch an erster Stelle stehen muss und am Ende ein Rufzeichen zu setzen ist. Also:

Mischen Sie Rosinen dazu, bevor Sie den Teig in die Pfanne geben!
Erhitzen Sie nun die Pfanne!

Sehe ich das so richtig?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

Sie hätten recht, wenn Rezepte zwingend im Imperativ geschrieben werden müssten. Das ist aber nicht so. In Rezepten wird eine erstaunliche Vielfalt von Modi verwendet!

Früher kam in Rezepten häufig der Konjunktiv I in Verbindung mit dem unpersönlichen „man“ vor:

Man erhitze das Öl in einer Bratpfanne, röste die gehackten Zwiebeln kurz an und gebe dann die Tomatenpaste und den Knoblauch hinzu.
Man wasche das Gemüse gründlich, schneide Gurke und Tomaten in Würfel und gebe diese in eine große Salatschüssel.
Man mische Rosinen zum Teig und gieße ihn in die Pfanne.
Nun erhitze man die Pfanne.

Diese Art zu formulieren macht in der heutigen Sprache einen etwas altmodischen Eindruck. Stattdessen steht nun sehr häufig der Infinitiv:

Das Öl in einer Bratpfanne erhitzen, die gehackten Zwiebeln kurz anrösten und dann die Tomatenpaste und den Knoblauch hinzugeben.
Das Gemüse gründlich waschen, Gurke und Tomaten in Würfel schneiden und diese in eine große Salatschüssel geben.
Rosinen zum Teig mischen und den Teig ihn in die Pfanne gießen.
Nun die Pfanne erhitzen.

Aber auch der Indikativ kommt hier manchmal vor, zum Beispiel im Deutschübungsbuch, aus dem Sie zitieren. Das Rezept ist dann sozusagen eine Beschreibung dessen, was getan wird:

Sie erhitzen das Öl in einer Bratpfanne, rösten die gehackten Zwiebeln kurz an und geben dann die Tomatenpaste und den Knoblauch hinzu.
Sie waschen das Gemüse gründlich, schneiden Gurke und Tomaten in Würfel und geben diese in eine große Salatschüssel.
Bevor Sie den Teig in die Pfanne gießen, mischen Sie Rosinen dazu.
Nun erhitzen Sie die Pfanne.

Der Imperativ wird ebenfalls verwendet, in der Regel aber ohne Ausrufezeichen (mit Ausrufezeichen sähe ein längeres Rezept wie eine Sammlung von Befehlen auf dem Exerzierhof einer Kaserne aus):

Erhitzen Sie das Öl in einer Bratpfanne, rösten Sie die gehackten Zwiebeln kurz an und geben Sie dann die Tomatenpaste und den Knoblauch hinzu.
Wasche das Gemüse gründlich, schneide Gurke und Tomaten in Würfel und gib diese in eine große Salatschüssel.
Mischen Sie Rosinen zum Teig und gießen Sie ihn in die Pfanne.
Erhitzen Sie nun die Pfanne.

Auch eine Mischung von Imperativ und Indikativ kommt vor:

Erhitzen Sie das Öl in einer Bratpfanne und rösten Sie die gehackten Zwiebeln kurz an [Imp]. Dann geben Sie die Tomatenpaste und den Knoblauch hinzu [Ind].
Mischen Sie Rosinen zum Teig und gießen Sie ihn in die Pfanne [Imp]. Nun erhitzen Sie die Pfanne [Ind].

Man könnte zwar sagen, dass Rezepte Aufforderungen sind, wie etwas zubereitet werden soll, sie stehen deswegen aber lange nicht immer im Imperativ. Es gibt eine erstaunliche Vielfalt: vom Konjunktiv I über den Infinitiv und den Indikativ bis hin zum ausrufezeichenlosen Imperativ. Man nehme einfach die Form, die am besten gefällt / Einfach die Form nehmen, die am besten gefällt / Sie nehmen einfach die Form, die am besten gefällt / Nehmen Sie einfach die Form, die am besten gefällt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Passiv Futur II mit Modalverb

So kompliziert sich Passiv Futur II mit Modalverb (oder wie man diese Konstruktion nennen will) anhört, so kompliziert ist es auch, die so genannte Form zu bilden.

Frage

Für das Futur II im Passiv mit Modalverb gibt es im Internet verschiedene Formangaben:

1) Der Mann wird haben operiert werden müssen.
2) Der Mann wird operiert haben werden müssen.
3) Der Mann wird operiert worden sein müssen.

Es ist mir bewusst, dass wir das Futur II im Alltag eher selten verwenden. Wir benötigen jedoch die grammatikalische Form für den Test. Könnten Sie mir bitte helfen.

Antwort

Guten Tag Frau S.,

das Passiv Futur II mit Modalverb wird im Alltag nicht „eher selten“, sondern kaum je verwendet. Entsprechend ist es meiner Meinung wenig sinnvoll, diese Form in einem Test zu verwenden. Die meisten Deutschsprechenden können sie, wenn überhaupt, nur nach langem Zögern und viel Zweifeln bilden. Um sicherzugehen, muss auch ich diese Form herleiten, denn spontan verhasple ich mich in all den Verbformen. Da Sie die Frage aber gestellt haben, versuche ich sie zu beantworten:

Das Passiv Futur II von operieren mit dem Modalverb müssen lautet:

Der Mann wird haben operiert werden müssen.

Nun zur Herleitung der Form: Bei Modalverbkonstruktionen wird ein Modalverb mit dem Infinitiv eines Vollverbs kombiniert. Fangen wir mit der Aktivform operieren an, weil das die Erklärung etwas einfacher macht:

Präsens: Er muss operieren
Perfekt: Er hat operieren müssen
Futur: Er wird operieren müssen
Futur II: Er wird haben operieren müssen

Was beim Futur II auffällt, ist die Stellung von haben am Anfang der abschließenden Verbgruppe. Sie lässt sich wie folgt erklären: Wenn eine Verbgruppe einen Ersatzinfinitiv eines Modalverbs enthält (hier müssen statt gemusst) wird das Hilfsverb haben vor die abschließende Verbgruppe gestellt:

… weil er den Mann hat operieren müssen (nicht: *operieren müssen hat)
… obwohl sie hat kommen wollen (nicht: *kommen wollen hat)
… dass ich nicht habe ausgehen dürfen (nicht: *ausgehen dürfen habe)

Das Hilfsverb haben steht auch dann vor den anderen Infinitiven, wenn es selbst ein Infinitiv ist:

… weil er den Mann wird haben operieren müssen
… obwohl sie würde haben kommen wollen
… dass ich nicht werde haben ausgehen dürfen

Das gilt auch in einem Hauptsatz:

Er wird den Mann haben operieren müssen
Sie würde haben kommen wollen
Ich werde nicht haben ausgehen dürfen

Eine Modalverbkonstruktion sieht also wie folgt aus:

Präsens: Er muss x-en
Perfekt: Er hat x-en müssen
Futur: Er wird x-en müssen
Futur II: Er wird haben x-en müssen

Weiter oben haben wir schon einmal den Infinitiv operieren für x-en eingesetzt:

Präsens: Er muss operieren
Perfekt: Er hat operieren müssen
Futur: Er wird operieren müssen
Futur II: Er wird haben operieren müssen

Das sind die Formen des Aktivs. Für die Formen des Passivs muss der Infinitiv Passiv operiert werden eingesetzt werden:

Präsens: Er muss operiert werden
Perfekt: Er hat operiert werden müssen
Futur: Er wird operiert werden müssen
Futur II: Er wird haben operiert werden müssen

Mit diesem Vorgehen lässt sich das Passiv Futur II mit Modalverb sozusagen theoretisch errechnen, denn verwendet wird es eigentlich nie. Das kann der Grund dafür sein, dass Sie im Internet auch andere Formen finden. In der Grammatik gilt letztlich, dass richtig ist, was üblich ist. Es ist nicht möglich, hier zu sagen, was wirklich üblich ist.

Üblich ist hier vielmehr (das Futur II dient ja hauptsächlich dazu, eine Vermutung auszudrücken):

Er hat wahrscheinlich operiert werden müssen
Man hat ihn vermutlich operieren müssen

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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