Es ist nur eine Frage der Zeit, bis/wann/dass/ob …

Frage

Ich bin gerade über die Frage gestolpert, wie es nach der Formulierung „Es ist nur eine Frage der Zeit, …“ sprachlich eigentlich weitergeht: mit „ob“, „dass“, „bis“ – oder ganz anders. Zum Beispiel: „Es ist nur eine Frage der Zeit, xxx es an dieser Stelle zu einem Unfall kommt.“

Das „ob“ kommt mir unplausibel vor, da die Formulierung „nur eine Frage der Zeit“ ja gerade zum Ausdruck bringt, dass es nicht darum geht, ob ein Unfall passiert oder nicht, sondern nur darum, wann er passiert. […]

Ich wäre sehr dankbar, Ihre Meinung zu dieser Frage kennen zu lernen.

Antwort

Guten Tag Herr Z.,

der üblichste, das heißt am häufigsten vorkommende Anschluss ist bis. Weniger häufig ist wann, noch weniger häufig ist dass. Für alle drei Varianten gibt es eine plausible Erklärung.

Mit es ist nur eine Frage der Zeit wird gesagt, dass etwas sicher eintreffen wird, dass nur noch nicht klar ist, zu welchem Zeitpunkt dies geschehen wird. Deshalb ist ob hier tatsächlich keine gute Wahl, denn ob leitet einen indirekten Fragesatz ein, der Ungewissheit oder Zweifel ausdrückt. Mit nur eine Frage der Zeit wird aber Gewissheit ausgedrückt.

Für die anderen drei Varianten könnte man wie folgt „argumentieren“:

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis/wann/dass es dort zu einem Unfall kommt

Es ist nur die Frage, wie viel Zeit vergeht, BIS es dort zu einem Unfall kommt.
Es ist nur die Frage, WANN es dort zu einem Unfall kommt.
Es ist nur die Frage, wann die Zeit da ist, DASS es dort zu einem Unfall kommt.

Am besten wählen Sie hier das allgemein übliche bis:

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es dort zu einem Unfall kommt

Aber auch das weniger häufige wann und das noch seltener vorkommende dass sind vertretbar.

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann es dort zu einem Unfall kommt.
Es ist nur eine Frage der Zeit, dass es dort zu einem Unfall kommt

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Punkt oder oder nur Komma zwischen „zwar“ und „jedoch“?

Frage

Was halten Sie von folgendem Satz: „Wenn Sie das Limit erreichen, bleiben Ihre Alben zwar bestehen. Sie erhalten jedoch eine Fehlermeldung beim Versuch, neue Fotos hinzuzufügen“?

Es geht um „zwar“ und „jedoch“. Ist es sprachlich falsch oder vielleicht nur stilistisch unschön oder stellt es sogar in manchen Fällen eine gute stilistische Option dar, solche nebenordnenden paarigen Konjunktionen – hier „zwar“ und „jedoch“ – auf zwei Sätze zu verteilen und diese Sätze wie oben durch einen Punkt zu trennen? Wenn das eine oder das andere, warum?

Die Frage interessiert mich auch in Bezug auf solche Konjunktionen allgemein – also auch, ob es in Ordnung ist, zum Beispiel „nicht nur … sondern“ in dieser Weise „auseinanderzureißen“ („Das ist nicht nur unnötig. Sondern es ärgert manche Leute regelrecht“) oder „weder … noch“ usw. Zu lesen ist so etwas ja öfter.

Antwort

Guten Tag Herr K.,

es ist nicht üblich und in der Regel stilistisch auch nicht empfehlenswert, mehrteilige Konjunktoren wie nicht nur – sondern auch, weder – noch, entweder – oder, sowohl – als/wie auch auf zwei durch einen Punkt getrennte Sätze zu verteilen. Also besser wie folgt:

Das ist nicht nur unnötig, sondern es ärgert manche Leute regelrecht.
Es ist weder üblich noch ist es stilistisch empfehlenswert.
Entweder erscheint eine Fehlermeldung oder das Programm stürzt einfach ab.

Ich kenne keine Regel, die exakt diesen Fall beschreibt. Als Grund könnte man anführen, dass zwei Teilsätze durch mehrteilige Konjunktionen so eng miteinander verbunden (nebengeordnet) werden, dass man sie nicht durch einen Punkt voneinander trennt oder trennen sollte.

Das gilt weniger stark auch für Verbindungen mit zwar – aber/jedoch. Deshalb besser:

Wenn Sie das Limit erreichen, bleiben Ihre Alben zwar bestehen, Sie erhalten jedoch/aber eine Fehlermeldung beim Versuch, neue Fotos hinzuzufügen.
Wenn Sie das Limit erreichen, bleiben Ihre Alben zwar bestehen, aber Sie erhalten beim Versuch, neue Fotos hinzuzufügen, eine Fehlermeldung.
Dein Vorschlag ist zwar gut, nur kommt er viel zu spät.
Zwar weiß ich viel, doch möcht’ ich alles wissen [Goethe, Faust, V. 601]

Insbesondere bei längeren oder komplexeren Sätzen mit zwar wird gelegentlich auch der Punkt gewählt. Hier ein Beispiel aus der Duden-Grammatik:

Aufgrund der Tatsache, dass in (70 c) ein Objektsatz das Nachfeld besetzt, erscheint das finite Verb „hat“ zwar nicht ganz am Ende des gesamten Satzes. Wenn man aber einen Verbletztsatz nicht mittels der oberflächlichen Abfolgeverhältnisse, sondern aufgrund der Position des finiten Verbs in der rechten Satzklammer definiert, gelangt man auch hier zum richtigen Ergebnis. [Duden, Die Grammatik, 10. Auflage, 2022, S. 47]

Es ist also nicht grundsätzlich falsch, einen Punkt zu verwenden:

Wenn Sie das Limit erreichen, bleiben Ihre Alben zwar bestehen. Sie erhalten jedoch eine Fehlermeldung beim Versuch, neue Fotos hinzuzufügen.

Ich würde hier das Komma wählen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nebenordnendes „weil“ – vielleicht etwas verwirrend, weil eher selten

NB: Es geht hier nicht um das eher umgangssprachliche weil zwischen Hauptsätzen (Ich komme nicht, weil ich habe keine Zeit), sondern um standardsprachliches weil zwischen Adjektiven.

Frage

Vor kurzem habe ich Folgendes auf der Zeitung gelesen:

Sie bemühen sich weiterhin, ein missratenes, weil der Zukunft abgewandtes Rentenpaket zu retten.

Was für eine Funktion erfüllt „weil“ in diesem Satz? Warum steht es zusammen mit einer Infinitivkonstruktion?

Antwort

Guten Tag N.,

in diesem Satz hat weil eine Funktion, die es eher selten hat. In der Regel leitet weil unterordnend einen Nebensatz ein.

Das Rentenpaket ist missraten, weil es der Zukunft abgewandt ist.

Seltener kann weil nebenordnend zwischen zwei Adjektiven oder adjektivisch verwendeten Partizipien stehen. Es verbindet dann zwei Attribute (nähere Bestimmungen) miteinander, von denen das zweite das erste begründet:

ein missratenes, weil der Zukunft abgewandtes Rentenpaket

In Ihrem Satz fügt weil das Attribut der Zukunft abgewandtes an, und zwar als Begründung für missratenes. Etwas ist missraten, weil es der Zukunft abgewandt ist. Dieses weil leitet also nicht einen Begründungssatz ein, sondern es verbindet begründend zwei Adjektive miteinander.

Diese Verwendung von weil wird nicht in allen Wörterbüchern und Grammatiken angegeben und kann insbesondere bei Deutschlernenden für Verwirrung sorgen.

Weitere Beispiele:

eine schlechte, weil lückenhafte Darstellung
uninteressante, weil irrelevante Informationen
die empfehlenswerte, weil sehr abwechslungsreiche Wanderung

Auch begründendes da kann so verwendet werden:

ein missratenes, da der Zukunft abgewandtes Rentenpaket
eine schlechte, da lückenhafte Darstellung
uninteressante, da irrelevante Informationen

So viel zu diesem anfangs vielleicht etwas verwirrenden, weil eher selten vorkommenden nebenordnenden weil. (Den vorhergehenden schwer verständlichen, weil komplizierten Satz formuliert man besser anders, wenn man auf Anhieb verstanden werden möchte – und diesen auch.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wortstellung: „außer du hast keine Zeit“

Frage

in LEOs deutsche Grammatik: 3.6.3.3.3 Modalsatz findet sich dieser Satz als Variante zu den Subjunktionen „außer dass“ und „außer wenn“:

Wir kommen zu dir, außer du hast keine Zeit.

Beim Lesen dieses Satzes stutzte ich, denn der außer-Satz ist aufgrund der Verbstellung kein Nebensatz, sondern ein nebengeordneter Hauptsatz […] Aber in dieser Funktion wird sie in keiner mir vorliegenden Grammatik erwähnt. Die Konstruktion erinnert mich an ähnliche mit „weil“, die als umgangssprachlich gelten: „Wir sollten jetzt reingehen, weil es regnet ziemlich stark.“ […] Also scheint mir Ihr Beispielsatz eher aus dem umgangssprachlichen Bereich zu sein.

Antwort

Guten Tag Herr H.,

für weil gilt tatsächlich, dass es standardsprachlich nur unterordnend verwendet werden sollte:

… weil es ziemlich stark regnet.
besser nicht: … weil es regnet ziemlich stark.

Das gilt nicht für außer. So schrieb zum Beispiel Erich Kästner diesen berühmten Satz:

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Aber auch zum Beispiel in Grammis oder in den Wörterbüchern und der Grammatik von Duden finden sich Beispielsätze wie die folgenden (wobei keine stilistischen Angaben wie umgangssprachlich oder Ähnliches gemachtwerden):

Im Falle einer Scheidung bekommt das Sorgerecht die Mutter, außer der Richter entscheidet anders.
Morgen fahre ich in die Berge, außer das Wetter spielt nicht mit.

ich komme, außer es regnet, außer wenn es regnet;
Er muss zu dem Termin erscheinen, außer er ist wirklich krank.
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Die Verwendung von außer mit dieser Wortstellung kommt also nicht nur in unserer Grammatik vor.

Es gibt somit vier verschiedene Möglichkeiten, mit Hilfe von außer Teilsätze miteinander zu verbinden:

außer dass
außer zu
außer wenn
außer

Dabei haben außer dass und außer zu die gleiche Bedeutung: ausgenommen dass.

Ich habe nichts erfahren können, außer dass sie abgereist ist.

Es gibt keinen Ausweg, außer dass wir ihn um Hilfe bitten.
Es gibt keinen Ausweg, außer ihn um Hilfe zu bitten.

Und das allein stehende außer hat die gleiche Bedeutung wie außer wenn: ausgenommen wenn.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
Es gibt nichts Gutes, außer wenn man es tut.

Im Falle einer Scheidung bekommt das Sorgerecht die Mutter, außer der Richter entscheidet anders.
Im Falle einer Scheidung bekommt das Sorgerecht die Mutter, außer wenn der Richter anders entscheidet.

Wir kommen zu dir, außer du hast keine Zeit.
Wir kommen zu dir, außer wenn du keine Zeit hast.

Bei außer haben wir es also mit einem recht flexibel einsetzbaren Wörtchen zu tun. Und was hier beschrieben wird, ist noch nicht alles, wie dieser ältere Blogartikel zeigt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Gleiche Funktion, andere Wortstellung: denn ich bin / deshalb bin ich

Frage

Ich habe eine Frage zu den Konjunktionen „denn“ und „deshalb“. Die Konjunktion „denn“ leitet einen Hauptsatz ein. In der Regel steht das konjugierte Verb an zweiter Stelle.

Ich gehe schlafen, denn ich bin müde.

Mit „deshalb“ wird ebenfalls einen Hauptsatz eingeleitet. Jedoch folgt nach der Konjunktion das Verb und nicht das Personalpronomen:

Ich bin müde, deshalb gehe ich zu Bett.

Gibt es eine Erklärung, weshalb bei den genannten Konjunktionen die Syntax anders ist?

Antwort

Guten Tag Herr M.,

die beiden Wörter haben die gleiche oder eine ähnliche Funktion. Sie verbinden Sätze miteinander. Sie gehören aber nicht der gleichen Wortklasse an: denn ist eine Konjunktion, deshalb ist ein Konjunktionaladverb.

Nebenordnende Konjunktionen stehen zwischen den Teilsätzen die sie verbinden und gehören zu keinem von ihnen. Sie haben keinen Einfluss auf die Wortstellung des ihnen folgenden Hauptsatzes:

Ich gehe zu Bett.
Ich bin müde
→ Ich gehe zu Bett, denn ich bin müde.

Konjunktionaladverbien verbinden ebenfalls Sätze miteinander. Im Gegensatz zu den Konjunktionen gehören sie aber zu einem der beiden verbundenen Sätze. Wenn sie am Anfang des Satzes stehen, besetzen sie die erste Position im Satz. Unmittelbar darauf folgt dann also das Verb:

Ich bin müde.
Ich gehe zu Bett.
→ Ich bin müde, deshalb gehe ich zu Bett.

Wie andere Adverbien bzw. Adverbialbestimmungen können Konjunktionaladverbien auch im Innern des Teilsatzes stehen:

Ich bin müde.
Ich gehe zu Bett.
→ Ich bin müde; ich gehe deshalb zu Bett.

Sie können „sogar“ zusammen mit einer Konjunktion stehen:

→ Ich bin müde und deshalb gehe ich zu Bett.

Hier noch ein paar Beispiele:

Konjunktion damit:
Hilf mir bitte, damit ich mit der Arbeit fertig werde.

Konjunktionaladverb sonst:
Hilf mir bitte, sonst werde ich nicht mit der Arbeit fertig.
Hilf mir bitte, ich werde sonst nicht mit der Arbeit fertig.
Hilf mir bitte, denn sonst werde ich nicht mit der Arbeit fertig.

Konjunktion jedoch:
Es gibt also einen Unterschied, jedoch man muss ihn kennen.

Konjunktionaladverb jedoch:
Es gibt also einen Unterschied, jedoch muss man ihn kennen.
Es gibt also einen Unterschied, man muss ihn jedoch kennen.

Das letzte Beispiel zeigt, dass es auch Wörter gibt, die beide Rollen erfüllen können. Mehr zu dieser Frage finden Sie auf dieser Seite der LEO-Grammatik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp