Es muss nicht unbedingt „zu der Zeit, zu der“ sein

Frage

Ich frage mich schon länger, ob man „zu der Zeit, als/wenn“ sagen kann oder ob man „zu der Zeit, zu der“ sagen muss?

Antwort

Guten Tag Frau E.,

man kann zu der Zeit, zu der sagen, es ist aber wegen der Wiederholung von zu der nicht die schönste Formulierung, die das Deutsche je hervorgebracht hat:

zu der Zeit, zu der die Müllabfuhr noch mit Pferdewagen unterwegs war
zu dem Zeitpunkt, zu dem  er verhaftet wurde

Es gibt daneben zum Glück noch verschieden andere Möglichkeiten:

Mit zu der Zeit ist meistens ein Zeitpunkt in der Vergangenheit gemeint (zu der Zeit = damals). Dann ist ein Anschluss mit als sehr gebräuchlich, aber auch da, in der und wo sind möglich:

zu der Zeit, als die Müllabfuhr noch mit Pferdewagen unterwegs war
zu der Zeit, da die Müllabfuhr noch mit Pferdewagen unterwegs war
zu der Zeit, in der die Müllabfuhr noch mit Pferdewagen unterwegs war
(zu der Zeit, wo die Müllabfuhr noch mit Pferdewagen unterwegs war)

zu dem Zeitpunkt, als er verhaftet wurde
zu dem Zeitpunkt, da er verhaftet wurde
zu dem Zeitpunkt, an dem er verhaftet wurde
zu dem Zeitpunkt, in dem er verhaftet wurde
(zu dem Zeitpunkt, wo er verhaftet wurde)

Dabei gehört da eher zum gehobenen Sprachgebrauch. Bei wo scheiden sich die Geister. Es ist im Prinzip auch standardsprachlich akzeptiert, aber manche schließen wo aus, wenn es sich auf eine Zeitangabe bezieht. Sie müssen deshalb auf mögliche Kritik mehr oder weniger wohlwollender Mitmenschen gefasst sein, wenn Sie hier wo verwenden.

Mit zu der Zeit kann seltener auch ein allgemeiner Zeitpunkt oder ein gegenwärtiger oder zukünftiger Zeitpunkt gemeint sein (zu der Zeit = dann). Dann kann mit wenn oder wie oben mit da, in der oder wo angeschlossen werden:

zu der Zeit, wenn die Rosen blühen
zu der Zeit, da die Rosen blühen
zu der Zeit, in der die Rosen blühen
(zu der Zeit, wo die Rosen blühen)

bis zu dem Zeitpunkt, wenn der Vertrag aufgelöst wird
bis zu dem Zeitpunkt, da der Vertrag aufgelöst wird
bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Vertrag aufgelöst wird
bis zu dem Zeitpunkt, in dem der Vertrag aufgelöst wird
(bis zu dem Zeitpunkt, wo der Vertrag aufgelöst wird)

Man muss also nicht unbedingt zu der Zeit, zu der sagen. Es gibt eine Auswahl an Alternativen für zu der: allgemein übliches als oder wenn, eher gehobenes da, neutrales in der und „urtümliches“, aber nicht von allen gleichermaßen akzeptiertes wo.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Heißt es „etwas, was“ oder „etwas, das“?

Frage

Ich beziehe mich auf die Diskussion über etwas das/was in diesem Blogartikel. Vor Jahrzehnten hatte ich fast schon Streit darüber mit einem meiner Übersetzer. — In meiner kleinen Welt (bin Autor) ist das eine Relativkonstruktion, daher nehme ich mir heraus, das Relativpronomen zu verwenden. Das kann doch so falsch nicht sein. Was sagen Sie?

Antwort

Guten Tag Herr L.,

Sie machen nichts falsch, ob Sie nun das Relativpronomen das oder das Relativpronomen was verwenden (hier ist beides ein Relativpronomen). Wie im zitierten Artikel steht, gilt sowohl etwas, was als auch etwas, das als korrekt – dies auch standardsprachlich.

Das ist etwas, was ich nicht verstehe.
Das ist etwas, das ich nicht verstehe.

Gemäß der „Grammatikregel“ steht das Relativpronomen was nach sächlichen Demonstrativ- und Indefinitpronomen wie zum Beispiel das, dasjenige, dasselbe; alles, einiges, nichts, vieles, manches, weniges, etwas u. a.

Das, was du hier siehst …
Ihr habt alles, was man sich nur wünschen kann.
Es gibt einiges, was ich nicht verstehe.
Du sagst dasselbe, was du gestern schon behauptet hast.

Das gilt im Prinzip auch für das Indefinitpronomen etwas. Hier wird dennoch häufig das verwendet. Dies geschieht unter anderem aus stilistischen Gründen, weil dadurch die Wiederholung von was verhindert wird:

Das ist etwas, was nicht alle akzeptieren.
Das ist etwas, das nicht alle akzeptieren.

Wer es strengen Grammatikerinnen recht machen will, nimmt etwas, was. Wer es strengen Stilisten recht machen will, wählt etwas, das. Alle anderen nehmen das, was ihnen besser gefällt. Es geht hier also nicht um etwas, was oder das zu Streit führen sollte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der ausgelagerte Relativsatz

Frage

In einem italienischen Sprachengymnasium bin ich folgender Regel begegnet: „Bei Relativsätzen darf das Prädikat nicht geschieden werden.“

Richtig: Ein Passant hat dem Kind geholfen, das von einem großen Hund angegriffen wurde.

Falsch: Ein Passant hat dem Kind, das von einem großen Hund angegriffen wurde, geholfen

Aber gibt es in der deutschen Grammatik eine solche Regel?

Antwort

Guten Tag Frau V.,

die „Regel“, die Sie zitieren, gibt es so nicht. Statt „darf nicht geschieden werden“ müsste stehen, „sollte nicht geschieden werden“ oder „wird heute üblicherweise nicht geschieden“. Für Ihr Beispiel bedeutet dies:

  • Üblich:

Ein Passant hat dem Kind geholfen, das von einem großen Hund angegriffen wurde.

  • Weniger üblich / besser nicht:

Ein Passant hat dem Kind, das von einem großen Hund angegriffen wurde, geholfen.

Der zweite Satz ist also nicht falsch oder ungrammatisch. Er ist im heutigen Sprachgebrauch nur weniger üblich und weniger leicht verständlich. Stilistisch ist der erste Satz besser. Hier noch zwei Beispiele:

  • Üblich / besser:

Ich habe mir endlich das Smartphone gekauft, das ich schon lange wollte.
Ich will darauf neue Applikationen installieren, die ich noch nicht hatte.

Weniger üblich / besser nicht (aber nicht falsch):

Ich habe mir endlich das Smartphone, das ich schon lange wollte, gekauft.
Ich will darauf neue Applikationen, die ich noch nicht hatte, installieren.

Die „Regel“ ist auch aus einem weiteren Grund viel zu generalisierend. Bei nichtrestriktiven (appositiven, explikativen) Relativsätzen ist die Stellung zwischen den Prädikatsteilen sogar üblicher als die Auslagerung an den Schluss:

  • Üblich:

Er hat Max, den er [übrigens] schon lange kennt, bei der Arbeit geholfen.
Sie hat in Boppard, das am Rhein liegt, gewohnt.

Auch möglich, aber nicht bzw. weniger üblich:

Er hat Max bei der Arbeit geholfen, den er [übrigens] schon lange kennt. [?]
Sie hat in Boppard gewohnt, das am Rhein liegt.

Ob der Relativsatz an den Schluss gestellt wird oder nicht, hat oft auch mit seiner Länge zu tun: Je länger er ist, desto stärker die Tendenz, ihn nach hinten auszulagern. Siehe hierzu auch diese Angaben in der LEO-Grammatik.

Für den Sprachunterricht ist dies alles wahrscheinlich etwas zu kompliziert. Sie könnten deshalb erwägen, die „Regel“ abzuschwächen (statt sie ganz zu streichen):

Bei Relativsätzen sollte das Prädikat nicht geschieden werden.
Bei Relativsätzen wird das Prädikat besser nicht geschieden.

Das ergibt in den meisten Fällen stilistisch bessere Sätze. Wo dies nicht der Fall ist (z.B. bei kürzeren nichtrestriktiven Relativsätzen), kann diese Faustregel zu unüblichen Formulierungen führen. Dafür werden Lernende aber nicht verunsichert, wenn sie in deutschen Texten Relativsätzen begegnen, die nicht nach hinten ausgelagert sind. Sie kommen auch vor und sind nicht falsch.

Die deutsche Wortstellung hat es auch hier in sich: Es gibt keine oder kaum feste Regeln, nur mehr oder weniger starke Tendenzen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kongruenz: Frau M., Sie sind es, die verwirrt sind/ist?

Frage

Ich habe kürzlich folgenden Satz gelesen: „Frau Meier, Sie sind es, die verwirrt sind“. Ist „sind“ hier korrekt oder müsste es nicht vielmehr „ist“ heißen?

Antwort

Guten Tag Frau P.,

richtig ist hier tatsächlich die dritte Person Einzahl:

Frau Meier, Sie sind es, die verwirrt ist.

Das Verb des Relativsatzes richtet sich nach dem Relativpronomen die (das hier ein Singular ist), nicht nach dem Sie im übergeordneten Satz. Dass hier sind nicht allzu falsch klingt, hat wahrscheinlich damit zu tun, dass die Form die auch ein Plural sein kann, der zur Pluralform sein passt:

Meine Damen und Herren, Sie sind es, die verwirrt sind.

In Ihrem Beispielsatz ist die aber eine weibliche Singularform. Das sieht man gut, wenn man nicht Frau Meier, sondern Herrn Meier Verwirrtheit unterstellt:

Herr Meier, Sie sind es, der verwirrt ist.

Wenn in einem Relativsatz das Relativpronomen Subjekt ist und sich auf ein Personalpronomen der 1. oder der 2. Person oder die Höflichkeitsform Sie bezieht, richtet sich das Verb des Relativsatzes nach dem Relativpronomen und nicht nach dem Bezugswort im übergeordneten Satz. Also auch zum Beispiel:

Ich bin es, der /die es zuerst gesehen hat.
Du bist es, der/die immer alles besser weiß.

Wenn dies einmal holprig klingt oder einfach nicht gefällt, kann das Personalpronomen wiederholt und in den Relativsatz „eingebaut“ werden. Dann richtet sich das Verb nach dem Personalpronomen:

Wie geht es dir, der/die so krank gewesen ist?
→ Wie geht es dir, der/die du so krank gewesen bist?

Ich, der/die sich nie geweigert hat
→ Ich, der/die ich mich nie geweigert habe

Das verstehen Sie, Herr M., der schon lange hier wohnt, besser als wir.
→ Das verstehen Sie, Herr M., der Sie schon lange hier wohnen, besser als wir.

Das verstehen Sie, Frau M., die schon lange hier wohnt, besser als wir.
→ Das verstehen Sie, Frau M., die Sie schon lange hier wohnen, besser als wir.

Ich hoffe nur, dass Sie, Frau P., die diese Frage gestellt hat / die Sie diese Frage gestellt haben, nach dieser Erklärung nicht verwirrter sind als vorher.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die vielen Male, die oder dass?

Frage

Was ist korrekt: „die vielen Male, wo …“, „die vielen Male, dass …“ oder „die vielen Male, die …“ – oder sonst etwas? Ich bin ratlos und finde nirgends etwas, das mir weiterhilft.

Antwort

Guten Tag Frau S.,

am besten wählen Sie hier dass:

Die vielen Male, dass ich das getan habe.

Ebenso wie:

Das erste/zweite/einzige/letzte/sovielte Mal, dass ich das getan habe.

Die Verwendung von wo gilt hier als umgangssprachlich und das Relativpronomen die bzw. im Singular das passt hier nicht.

Warum steht hier nicht das Relativpronomen das oder die, sondern die Konjunktion dass? Dafür gibt es zwei Erklärungsmöglichkeiten. Die erste lautet, dass man das Relativpronomen das immer durch welches und die durch welche ersetzen kann. Die zweite geht mehr auf die Funktion des Wörtchens ein:

Wenn man das Relativpronomen wählt, muss es im Relativsatz eine Funktion haben. Das ist zum Beispiel in seltenen Fällen wie diesen so:

Das ist das eine Mal, das mir noch in Erinnerung geblieben ist.
das = Subjekt; durch „welches“ ersetzbar

Das ist das einzige Mal, das ich hier erwähnen will.
das = Akkusativobjekt; durch „welches“ ersetzbar

Ebenso (die ist durch welche ersetzbar):

die vielen Male, die mir in Erinnerung geblieben sind
die wenigen Male, die ich hier erwähnen will

Die Sätze klingen zum Teil etwas ungewöhnlich.

In den meisten Fällen folgt aber auf Mal kein Relativsatz, sondern ein dass-Satz. Die Konjunktion dass hat keine andere Funktion, als den Nebensatz einzuleiten. Sie hat im Nebensatz selbst keine Funktion:

Das ist das einzige Mal, dass ich das getan habe.
dass = Konjunktion; nicht durch „welches“ ersetzbar
(nicht: Das ist das einzige Mal, *das ich das getan habe.)

die vielen Male, dass ich das getan habe
dass = Konjunktion; nicht  durch „welche“ ersetzbar
(nicht: die vielen Male, *die ich das getan habe)

die wenigen Male, dass sie ihre Eltern besucht haben
dass = Konjunktion; nicht  durch „welche“ ersetzbar
(nicht: die wenigen Male, *die sie ihre Eltern besucht haben)

Sie kommen nicht häufig vor, aber es gibt auch andere Konstruktionen, in denen ein dass-Satz von einem (nicht von einem Verb abgeleiteten) Substantiv abhängig ist:

Es ist (höchste) Zeit, dass ihr geht.
Das Problem, dass die beiden Wörter gleich klingen, macht das Schreiben nicht einfacher.

Im letzten Beispielsatz steht der Grund, weshalb das und dass manchmal zu Unsicherheiten und Zweifeln führen – und häufig auch einfach zu Flüchtigkeitsfehlern.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Diejenigen oder jene, die …?

Frage

Leider tauchen immer wieder Fragen zur deutschen Grammatik auf, bei denen die eigene Internetrecherche und der Blick in Nachschlagewerke und Sprachratgeber zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis führt. […] Ich wende mich also wieder an Sie. Im Duden, Bd. 9 heißt es:

3. jener / der[jenige]: Es ist nicht korrekt, „jener“ anstelle von „derjenige“ oder hinweisendem „der“ zu gebrauchen. Also nicht: „Jener, der das getan hat …“ Sondern: „Derjenige, der das getan hat …“ Oder: „Der, der das getan hat …“

Vor dem Hintergrund dieser Dudenregel leuchtet mir der Gebrauch von „jener“ eigentlich nur noch bei „dieser/jener“ ein. Um die Sache an Beispielen zu verhandeln:

Sie sprach über jene, die nur Fahrrad fahrend kochen.
Sie sprach über all jene, die nur Fahrrad fahrend kochen.
Sie sprach über jene Paradiesvögel, die nur Fahrrad fahrend kochen.

Diese Sätze müssten nach dem Obigen falsch sein. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich darüber aufklären könnten, 1) welcher Gebrauch vom Duden als korrekt angesehen wird, 2) welcher Gebrauch Ihnen sinnvoll erscheint. Ich gehe davon aus, dass der De-facto-Sprachgebrauch in diesem Fall stark von der Dudenregel abweicht. In der österreichischen Zeit im Bild geht es beispielsweise allabendlich um „jene, die geimpft oder genesen sind“.

Antwort

Guten Tag Herr K.,

Sie verwenden wahrscheinlich eine ältere Ausgabe von Duden Bd. 9, Richtiges und gutes Deutsch. In der 8. Auflage, 2016, steht die zitierte „Regel“ nämlich in etwas abgeschwächter Form:

3. jener / der[jenige]: Es ist nicht sinnvoll, „jener“ anstelle von „derjenige“ oder hinweisendem „der“ zu gebrauchen, weil mit „jener“ auf etwas Fernes verwiesen wird. Also nicht: „Jener, der das getan hat …“ Sondern: „Derjenige, der das getan hat …“ Oder: „Der, der das getan hat …“ Nicht: „Das sind meine Absichten und jene meiner Kollegen.“ Sondern: „Das sind meine Absichten und die meiner Kollegen.“

Die Angabe nicht korrekt wurde zu nicht sinnvoll heruntergestuft. Als Begründung wird angegeben, dass mit jener auf etwas Fernes verwiesen werde. Das ist dann richtig, wenn jener nur als Gegensatz zu dieser verwendet werden kann. Ist das wirklich so? Das hängt davon ab, wo man sich befindet. Nach den Angaben der Variantengrammatik zu diesem Thema wird – etwas vereinfacht ausgedrückt – in Deutschland vor allem derjenige, der verwendet, während in der Schweiz und vor allem in Österreich jener, der vorherrscht. Besser wäre es also, zu sagen, dass es in Deutschland nicht üblich ist, jener, der zu verwenden, dies aber in Österreich und der Schweiz – auch in der Standardsprache – gebräuchlich ist.

Diese Sicht wurde inzwischen auch von der Duden-Redaktion übernommen. In der 9. Auflage von Duden Bd. 9, 2021, steht nun:

3. jener / der[jenige]: Als Demonstrativpronomen wird „derjenige (dasjenige, diejenige)“ in Deutschland klar gegenüber „jener (jenes, jene)“ bevorzugt: „Die Zahl derjenigen, die beim Sozialamt Hilfe zur Pflege beantragen, nimmt seit Jahren zu“ (Hessische/Niedersächsische Allgemeine). In Österreich und der Schweiz hingegen wird häufiger „jener“ verwendet: „Er […] werde sich mit der ganzen Energie für jene einsetzen, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind“ (Salzburger Nachrichten).

Die „teutonozentrische“ Sichtweise wurde hier also zugunsten einer Sichtweise verlassen, die regionale Unterschiede respektiert.

Zu Ihren Beispielen: Wenn ich die Angaben in Variantengrammatik und Duden richtig verstehe, heißt es in Deutschland vor allem:

Sie sprach über die[jenigen], die nur Fahrrad fahrend kochen.
Sie sprach über all die[jenigen], die nur Fahrrad fahrend kochen.
Sie sprach über die[jenigen] Paradiesvögel, die nur Fahrrad fahrend kochen.

In Österreich und in der Schweiz (sowie in Liechtenstein und in Südtirol) eher:

Sie sprach über jene, die nur Fahrrad fahrend kochen.
Sie sprach über all jene, die nur Fahrrad fahrend kochen.
Sie sprach über jene/die Paradiesvögel, die nur Fahrrad fahrend kochen.

All denjenigen oder all jenen, die glauben, dass Regeln in Grammatik- und Stilbüchern unverrückbar feststehen, möge dies ein Beispiel für das Gegenteil sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Tief Bernd, der oder das große Schäden verursacht hat?

Frage

das Wetter in den jüngsten Tagen und Wochen hat für mich viele Fragen ausgeworfen, nicht nur zum Klimawandel, sondern auch einige, welche die Sprache betreffen.

Worauf bezieht sich zum Beispiel ein Relativpronomen, wenn es um Wetterphänomene geht, die mit einem Namen versehen sind? Hängt die Antwort davon ab, ob ein Artikel verwendet wird? Zum Beispiel: „Hurrikan Elsa, die über der Karibik wütet… “ gegenüber „Der Hurrikan Elsa, der über der Karibik wütet…“. Oder ganz aktuell und ziemlich erschütternd: „Tief Bernd, der große Schäden angerichtet hat…“ gegenüber „Das Tief Bernd, das große Schäden angerichtet hat… “.

Antwort

Guten Tag Herr M.,

die Antwort hat tatsächlich mit dem Artikel zu tun, aber ich muss ein bisschen ausholen. Bei Personenbezeichnungen, die aus einem Titel und einem Namen bestehen, gilt das Folgende:

  1. Mit Artikel ist der Titel Wortgruppenkern und der Name Apposition (nähere Bestimmung)
  2. Ohne Artikel ist der Name Wortgruppenkern und der Titel Apposition

Den Unterschied kann man bei Personenbezeichnungen nicht am Geschlecht sehen (Titel und Name haben das gleiche Geschlecht), sondern an der Endung im Genitiv. Gebeugt wird jeweils der Wortgruppenkern:

a. das Auto des Onkels Anton
a. die Regierung des Präsidenten Biden
b. Onkel Antons Auto
b. Präsident Bidens Regierung

Bei Nichtpersonen ist die Lage unklarer, weil hier die artikellose Variante, also Fall b, selten ist. Im Genitiv werden sie im Prinzip gleich behandelt wie Personenbezeichnungen:

a. die Stärke des Hurrikans Elsa
a. die Auswirkungen des Tiefs Bernd
b. Hurrikan Elsas Stärke
b. Tief Bernds Auswirkungen

Bei den jeweiligen Verweiswörtern – darum geht es eigentlich in Ihrer Frage – ist die Lage anders: Verwiesen wird mit Pronomen, die im Genus mit dem Wetterphänomen und nicht mit dessen Namen übereinstimmen. Die Wetterphänomene tragen zwar einen weiblichen oder männlichen Namen, werden aber offensichtlich nicht als weiblich oder männlich empfunden – noch nicht einmal rein grammatisch. Für Ihre Beispiele bedeutet dies:

Hurrikan Elsa, der über der Karibik wütet
Sturmtief Elsa hat auf seinem Weg große Schäden angerichtet
Tief Bernd, das große Schäden angerichtet hat

Formulierungen dieser Art, also ohne Artikel, sind hier aber selten, so selten, dass kaum sichere Aussagen gemacht werden können. Üblicher ist zum Beispiel:

der Hurrikan Elsa, der über der Karibik wütet
„Elsa“, der Hurrikan, der über der Karibik wütet
Das Sturmtief Elsa hat auf seinem Weg große Schäden angerichtet
„Bernd“, das Tief, das große Schäden angerichtet hat

Angesichts des Leids und der Schäden ist die Frage nach Artikel und grammatischem Geschlecht allerdings nicht wichtig. Möge alles schnell wieder trocken, aufgeräumt und sicher aufgebaut sein!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Eines der besten, schönsten, ersten X, die/das ich je …

Heute geht es um die Wahl des Relativpronomens bei Heraushebung eines Einzelnen aus einer Menge.

Frage

Gelegentlich lese ich diese Formulierung: „einer der schönsten Filme, den ich je gesehen habe“ oder „eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe“. Meine Vorgesetzte ist der Meinung, das sei richtig. Ich denke jedoch, dass es heißen müsste „einer der schönsten Filme, die ich je gesehen habe“ und „eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe“. Oder ist beides möglich? Kann man sich aussuchen, auf welches Substantiv sich der Relativsatz beziehen soll?

Antwort

Guten Tag Herr S.,

bei dieser Frage muss ich wieder einmal eine eindeutige Antwort schuldig bleiben. Genau genommen sollte hier der Plural stehen:

einer der schönsten Filme, die ich je gesehen habe
eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe
einer der interessantesten Menschen, die ich kenne
eine der ersten Frauen, die sich dagegen aussprachen

Es wurden mehrere Filme gesehen. Von diesen Filmen ist der besagte Film einer der schönsten. Die Verbform „gesehen habe“ richtet sich auf eine Mehrzahl. Entsprechend sollte das Relativpronomen im Plural stehen. Vgl.:

Von den Filmen, die ich je gesehen habe, ist dieser einer der schönsten.
Von den Büchern, die ich je gelesen habe, ist dieses eines der besten.
Von den Menschen, die ich kenne, ist er/sie einer der klügsten.
Von den Frauen, die sich dagegen aussprachen, war sie eine der ersten.

(Und nun zum Grund, weshalb meine Antwort doch nicht ganz so eindeutig ausfallen kann:) Dennoch wird hier sehr häufig mit einem Relativpronomen in der Einzahl angeschlossen. Es bezieht sich dann auf „einer“ resp. „eines“ o. „eine“:

einer der schönsten Filme, den ich je gesehen habe [?]
eines der besten Bücher, das ich je gelesen habe [?]
einer der interessantesten Menschen, den ich kenne [??]
eine der ersten Frauen, die sich dagegen aussprach [?]

Die Fragezeichen in eckigen Klammern sollen angeben, dass ich diese Formulierungen eigentlich nicht für richtig halte und nur den Anschluss mit „die“ (und ggf. einem Verb im Plural) empfehle. Aber wie so oft, wenn es um Sprache geht, sind nicht alle dieser Meinung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Vor ein paar Jahren vfiel meine Antwort noch eindeutiger aus (siehe hier). Meine persönliche Meinung dazu hat sich nicht geändert, aber ich musste die allgemeine Antwort in der Zwischenzeit etwas revidieren.