Ist es „etwas, wofür“ oder „etwas, für das“?

Frage

Ein Kollege meint, in dem Satz „Kann man etwas, für das es gute Gründe gibt, trotzdem ablehnen?“ müsse „wofür“ statt „für das“ stehen. Ich finde das nicht, kann es aber nicht begründen. Was sagen Sie?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

ob man hier wofür oder für das verwendet, ist vor allem eine Frage des Stils oder der Sprachebene. In der (geschriebenen) Standardsprache, ist wofür üblich, wenn es sich um einen Relativanschluss mit Bezug auf ein unpersönliches Pronomen handelt.

alles/vieles/manches/etwas/nichts, wofür

Als (eher) umgangssprachlich gilt hier die Verwendung von für was oder für das.

alles/vieles/manches/etwas/nichts, für was/das

Duden [Grammatik, 10. Auflage, S. 805) sagt hierzu:

Bei einem Indefinitpronomen als Bezugsausdruck (alles, manches, etwas, nichts …) ist dagegen das Präpositionaladverb gebräuchlicher:
(56) Es gibt so manches, wovor sie Angst hat. Alles, worüber zu sprechen ist, soll in die Tagesordnung. Das ist etwas / nichts, worauf ich warte.

In der LEO-Grammatik steht:

Pronominaladverbien stehen für unpersönliche Pronomen, substantivierte Adjektive im Neutrum, für Sachverhalte und Sätze.
Das ist alles, worum ich Sie bitte.
Etwas / Nichts, worüber wir redeten, war wichtig.
[…]
Umgangssprachlich wird seltener auch die Fügung „Präposition + das/dem“ oder „Präposition + was“ verwendet:
Das ist alles, um das / um was ich Sie bitte.
Nichts, über das / über was wir redeten, war wichtig.
[…]

Das besagt mit so vielen Worten, dass in Ihrem Beispiel standardsprachlich besser wofür steht:

Kann man etwas, wofür es gute Gründe gibt, trotzdem ablehnen?

Nach meinem subjektiven Empfinden kommen hier die Formen ‚Präposition+das/was‘ heute allerdings immer häufiger vor. Ob das auch wirklich so ist, weiß ich so schnell leider nicht. Es könnte aber erklären, warum Sie hier etwas, für das auch für akzeptabel halten. Im Übrigen steht in Duden „gebräuchlicher“, nicht „obligatorisch“. In formelleren (schriftlichen) Kontexten würde ich wofür empfehlen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nachtrag:

Manchmal kann wofür (bzw. womit worüber usw.) allerdings unklar sein:

Ich bin mit allem einverstanden, wofür es gute Gründe gibt.

Was ist hiermit gemeint?

a) Ich bin mit allem, wofür es gute Gründe gibt, einverstanden.
b) Ich bin mit allem einverstanden und dafür gibt es gute Gründe.

Wenn a) gemeint ist und der Kontext auch keinen Aufschluss bietet, ist für das eine gute Ausweichmöglichkeit:

Ich bin allem einverstanden, für das es gute Gründe gibt.

Ähnlich zweideutig ist zum Beispiel:

Er sagt nichts, womit ich nicht einverstanden bin.

Bin ich a) nicht damit einverstanden, dass er nichts sagt, oder bin ich b) mit allem einverstanden, was er sagt?

Stilistisch weniger gelungen, aber dafür etwas deutlicher:

a) Er sagt nichts und damit bin ich nicht einverstanden.

beziehungsweise:

b) Er sagt nichts, mit dem ich nicht einverstanden bin.

Allzu streng sollte man hier aber nicht urteilen. Eine Formulierung steht selten allein und dann ergibt sich oft aus dem Zusammenhang, was genau gemeint ist.

 

Heißt es „der Grund, warum“ oder „der Grund, aus dem“?

Frage

Kann man sagen: „Das ist der Grund, aus dem ich gekommen bin“, oder geht nur: „Das ist der Grund, warum ich gekommen bin“?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

rein grammatisch gesehen geht beides. Man kann nach Grund einen indirekten Fragesatz anschließen. Dann steht warum. Man kann aber auch einen Relativsatz verwenden. Dann steht aus dem.

Was ist besser? – Üblich ist vor allem der Grund, warum. Die Formulierung der Grund, aus dem kommt seltener vor, sie ist aber nicht falsch. Am besten wählen Sie also:

Das ist der Grund, warum ich gekommen bin.

Weniger üblich, aber nicht falsch:

Das ist der Grund, aus dem ich gekommen bin.

Beim Plural Gründe kommt der Relativsatz übrigens häufiger vor als im Singular. Dann sind beide Formulierungen üblich:

Das sind die Gründe, warum ich gekommen bin.
Das sind die Gründe, aus denen ich gekommen bin.

Dann sei hier noch eine weitere Formulierung erwähnt:

Das ist der Grund dafür, dass ich gekommen bin.
Das sind die Gründe dafür, dass ich gekommen bin.

So gibt es auch hier mehr als eine Möglichkeit, sich auszudrücken.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nicht unbedingt falsch: eine Grammatikübung, wo …

Frage

Bei einem der Beiträge hieß es in der Fragestellung: „Es handelt sich um eine Grammatikübung, wo jeweils das Adjektiv zu deklinieren ist.“ Wo wird also als Relativpronomen verwendet. Von einem Lehrer ganz offensichtlich. Nehmen Sie daran keinen Anstoß?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

der Relativanschluss wo ist standardsprachlich nicht richtig, wenn wo anstelle des einfachen Relativpronomens verwendet wird:

nicht: das Buch, *wo ich gelesen habe
sondern nur: das Buch, das ich gelesen habe

nicht: die Grammatikübung, *wo ich gemacht habe
sondern nur: die Grammatikübung, die ich gemacht habe

Man kann aber wo dann relativisch verwenden, wenn eine Ortsangabe gemacht wird. Dann steht wo für eine Verbindung von Präposition und Relativpronomen:

der Ort, wo ich sie getroffen habe
oder: der Ort, an dem ich sie getroffen habe

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen?
oder: Kennst du das Land, in dem die Zitronen blühen?

Das ist die Stelle im Text, wo das Rätsel gelöst wird.
oder: Das ist die Stelle im Text, an der das Rätsel gelöst wird.

Das gilt auch dann, wenn die Ortsangabe in übertragenem Sinne zu verstehen ist:

ein fester Freundeskreis, wo neue Gesichter nicht gerne gesehen werden
oder: ein fester Freundeskreis, in dem neue Gesichter nicht gerne gesehen werden

eine Grammatikübung, wo das Adjektiv zu deklinieren ist
oder: eine Grammatikübung, in der das Adjektiv zu deklinieren ist

Anders und etwas vereinfacht gesagt: Wenn man mit wo fragen kann, ist wo auch als Relativpronomen möglich.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Es muss nicht unbedingt „zu der Zeit, zu der“ sein

Frage

Ich frage mich schon länger, ob man „zu der Zeit, als/wenn“ sagen kann oder ob man „zu der Zeit, zu der“ sagen muss?

Antwort

Guten Tag Frau E.,

man kann zu der Zeit, zu der sagen, es ist aber wegen der Wiederholung von zu der nicht die schönste Formulierung, die das Deutsche je hervorgebracht hat:

zu der Zeit, zu der die Müllabfuhr noch mit Pferdewagen unterwegs war
zu dem Zeitpunkt, zu dem  er verhaftet wurde

Es gibt daneben zum Glück noch verschieden andere Möglichkeiten:

Mit zu der Zeit ist meistens ein Zeitpunkt in der Vergangenheit gemeint (zu der Zeit = damals). Dann ist ein Anschluss mit als sehr gebräuchlich, aber auch da, in der und wo sind möglich:

zu der Zeit, als die Müllabfuhr noch mit Pferdewagen unterwegs war
zu der Zeit, da die Müllabfuhr noch mit Pferdewagen unterwegs war
zu der Zeit, in der die Müllabfuhr noch mit Pferdewagen unterwegs war
(zu der Zeit, wo die Müllabfuhr noch mit Pferdewagen unterwegs war)

zu dem Zeitpunkt, als er verhaftet wurde
zu dem Zeitpunkt, da er verhaftet wurde
zu dem Zeitpunkt, an dem er verhaftet wurde
zu dem Zeitpunkt, in dem er verhaftet wurde
(zu dem Zeitpunkt, wo er verhaftet wurde)

Dabei gehört da eher zum gehobenen Sprachgebrauch. Bei wo scheiden sich die Geister. Es ist im Prinzip auch standardsprachlich akzeptiert, aber manche schließen wo aus, wenn es sich auf eine Zeitangabe bezieht. Sie müssen deshalb auf mögliche Kritik mehr oder weniger wohlwollender Mitmenschen gefasst sein, wenn Sie hier wo verwenden.

Mit zu der Zeit kann seltener auch ein allgemeiner Zeitpunkt oder ein gegenwärtiger oder zukünftiger Zeitpunkt gemeint sein (zu der Zeit = dann). Dann kann mit wenn oder wie oben mit da, in der oder wo angeschlossen werden:

zu der Zeit, wenn die Rosen blühen
zu der Zeit, da die Rosen blühen
zu der Zeit, in der die Rosen blühen
(zu der Zeit, wo die Rosen blühen)

bis zu dem Zeitpunkt, wenn der Vertrag aufgelöst wird
bis zu dem Zeitpunkt, da der Vertrag aufgelöst wird
bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Vertrag aufgelöst wird
bis zu dem Zeitpunkt, in dem der Vertrag aufgelöst wird
(bis zu dem Zeitpunkt, wo der Vertrag aufgelöst wird)

Man muss also nicht unbedingt zu der Zeit, zu der sagen. Es gibt eine Auswahl an Alternativen für zu der: allgemein übliches als oder wenn, eher gehobenes da, neutrales in der und „urtümliches“, aber nicht von allen gleichermaßen akzeptiertes wo.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Heißt es „etwas, was“ oder „etwas, das“?

Frage

Ich beziehe mich auf die Diskussion über etwas das/was in diesem Blogartikel. Vor Jahrzehnten hatte ich fast schon Streit darüber mit einem meiner Übersetzer. — In meiner kleinen Welt (bin Autor) ist das eine Relativkonstruktion, daher nehme ich mir heraus, das Relativpronomen zu verwenden. Das kann doch so falsch nicht sein. Was sagen Sie?

Antwort

Guten Tag Herr L.,

Sie machen nichts falsch, ob Sie nun das Relativpronomen das oder das Relativpronomen was verwenden (hier ist beides ein Relativpronomen). Wie im zitierten Artikel steht, gilt sowohl etwas, was als auch etwas, das als korrekt – dies auch standardsprachlich.

Das ist etwas, was ich nicht verstehe.
Das ist etwas, das ich nicht verstehe.

Gemäß der „Grammatikregel“ steht das Relativpronomen was nach sächlichen Demonstrativ- und Indefinitpronomen wie zum Beispiel das, dasjenige, dasselbe; alles, einiges, nichts, vieles, manches, weniges, etwas u. a.

Das, was du hier siehst …
Ihr habt alles, was man sich nur wünschen kann.
Es gibt einiges, was ich nicht verstehe.
Du sagst dasselbe, was du gestern schon behauptet hast.

Das gilt im Prinzip auch für das Indefinitpronomen etwas. Hier wird dennoch häufig das verwendet. Dies geschieht unter anderem aus stilistischen Gründen, weil dadurch die Wiederholung von was verhindert wird:

Das ist etwas, was nicht alle akzeptieren.
Das ist etwas, das nicht alle akzeptieren.

Wer es strengen Grammatikerinnen recht machen will, nimmt etwas, was. Wer es strengen Stilisten recht machen will, wählt etwas, das. Alle anderen nehmen das, was ihnen besser gefällt. Es geht hier also nicht um etwas, was oder das zu Streit führen sollte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der ausgelagerte Relativsatz

Frage

In einem italienischen Sprachengymnasium bin ich folgender Regel begegnet: „Bei Relativsätzen darf das Prädikat nicht geschieden werden.“

Richtig: Ein Passant hat dem Kind geholfen, das von einem großen Hund angegriffen wurde.

Falsch: Ein Passant hat dem Kind, das von einem großen Hund angegriffen wurde, geholfen

Aber gibt es in der deutschen Grammatik eine solche Regel?

Antwort

Guten Tag Frau V.,

die „Regel“, die Sie zitieren, gibt es so nicht. Statt „darf nicht geschieden werden“ müsste stehen, „sollte nicht geschieden werden“ oder „wird heute üblicherweise nicht geschieden“. Für Ihr Beispiel bedeutet dies:

  • Üblich:

Ein Passant hat dem Kind geholfen, das von einem großen Hund angegriffen wurde.

  • Weniger üblich / besser nicht:

Ein Passant hat dem Kind, das von einem großen Hund angegriffen wurde, geholfen.

Der zweite Satz ist also nicht falsch oder ungrammatisch. Er ist im heutigen Sprachgebrauch nur weniger üblich und weniger leicht verständlich. Stilistisch ist der erste Satz besser. Hier noch zwei Beispiele:

  • Üblich / besser:

Ich habe mir endlich das Smartphone gekauft, das ich schon lange wollte.
Ich will darauf neue Applikationen installieren, die ich noch nicht hatte.

Weniger üblich / besser nicht (aber nicht falsch):

Ich habe mir endlich das Smartphone, das ich schon lange wollte, gekauft.
Ich will darauf neue Applikationen, die ich noch nicht hatte, installieren.

Die „Regel“ ist auch aus einem weiteren Grund viel zu generalisierend. Bei nichtrestriktiven (appositiven, explikativen) Relativsätzen ist die Stellung zwischen den Prädikatsteilen sogar üblicher als die Auslagerung an den Schluss:

  • Üblich:

Er hat Max, den er [übrigens] schon lange kennt, bei der Arbeit geholfen.
Sie hat in Boppard, das am Rhein liegt, gewohnt.

Auch möglich, aber nicht bzw. weniger üblich:

Er hat Max bei der Arbeit geholfen, den er [übrigens] schon lange kennt. [?]
Sie hat in Boppard gewohnt, das am Rhein liegt.

Ob der Relativsatz an den Schluss gestellt wird oder nicht, hat oft auch mit seiner Länge zu tun: Je länger er ist, desto stärker die Tendenz, ihn nach hinten auszulagern. Siehe hierzu auch diese Angaben in der LEO-Grammatik.

Für den Sprachunterricht ist dies alles wahrscheinlich etwas zu kompliziert. Sie könnten deshalb erwägen, die „Regel“ abzuschwächen (statt sie ganz zu streichen):

Bei Relativsätzen sollte das Prädikat nicht geschieden werden.
Bei Relativsätzen wird das Prädikat besser nicht geschieden.

Das ergibt in den meisten Fällen stilistisch bessere Sätze. Wo dies nicht der Fall ist (z.B. bei kürzeren nichtrestriktiven Relativsätzen), kann diese Faustregel zu unüblichen Formulierungen führen. Dafür werden Lernende aber nicht verunsichert, wenn sie in deutschen Texten Relativsätzen begegnen, die nicht nach hinten ausgelagert sind. Sie kommen auch vor und sind nicht falsch.

Die deutsche Wortstellung hat es auch hier in sich: Es gibt keine oder kaum feste Regeln, nur mehr oder weniger starke Tendenzen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kongruenz: Frau M., Sie sind es, die verwirrt sind/ist?

Frage

Ich habe kürzlich folgenden Satz gelesen: „Frau Meier, Sie sind es, die verwirrt sind“. Ist „sind“ hier korrekt oder müsste es nicht vielmehr „ist“ heißen?

Antwort

Guten Tag Frau P.,

richtig ist hier tatsächlich die dritte Person Einzahl:

Frau Meier, Sie sind es, die verwirrt ist.

Das Verb des Relativsatzes richtet sich nach dem Relativpronomen die (das hier ein Singular ist), nicht nach dem Sie im übergeordneten Satz. Dass hier sind nicht allzu falsch klingt, hat wahrscheinlich damit zu tun, dass die Form die auch ein Plural sein kann, der zur Pluralform sein passt:

Meine Damen und Herren, Sie sind es, die verwirrt sind.

In Ihrem Beispielsatz ist die aber eine weibliche Singularform. Das sieht man gut, wenn man nicht Frau Meier, sondern Herrn Meier Verwirrtheit unterstellt:

Herr Meier, Sie sind es, der verwirrt ist.

Wenn in einem Relativsatz das Relativpronomen Subjekt ist und sich auf ein Personalpronomen der 1. oder der 2. Person oder die Höflichkeitsform Sie bezieht, richtet sich das Verb des Relativsatzes nach dem Relativpronomen und nicht nach dem Bezugswort im übergeordneten Satz. Also auch zum Beispiel:

Ich bin es, der /die es zuerst gesehen hat.
Du bist es, der/die immer alles besser weiß.

Wenn dies einmal holprig klingt oder einfach nicht gefällt, kann das Personalpronomen wiederholt und in den Relativsatz „eingebaut“ werden. Dann richtet sich das Verb nach dem Personalpronomen:

Wie geht es dir, der/die so krank gewesen ist?
→ Wie geht es dir, der/die du so krank gewesen bist?

Ich, der/die sich nie geweigert hat …
→ Ich, der/die ich mich nie geweigert habe …

Das verstehen Sie, Herr M., der schon lange hier wohnt, besser als wir.
→ Das verstehen Sie, Herr M., der Sie schon lange hier wohnen, besser als wir.

Das verstehen Sie, Frau M., die schon lange hier wohnt, besser als wir.
→ Das verstehen Sie, Frau M., die Sie schon lange hier wohnen, besser als wir.

Ich hoffe nur, dass Sie, Frau P., die diese Frage gestellt hat / die Sie diese Frage gestellt haben, nach dieser Erklärung nicht verwirrter sind als vorher.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Die vielen Male, die oder dass?

Frage

Was ist korrekt: „die vielen Male, wo …“, „die vielen Male, dass …“ oder „die vielen Male, die …“ – oder sonst etwas? Ich bin ratlos und finde nirgends etwas, das mir weiterhilft.

Antwort

Guten Tag Frau S.,

am besten wählen Sie hier dass:

Die vielen Male, dass ich das getan habe.

Ebenso wie:

Das erste/zweite/einzige/letzte/sovielte Mal, dass ich das getan habe.

Die Verwendung von wo gilt hier als umgangssprachlich und das Relativpronomen die bzw. im Singular das passt hier nicht.

Warum steht hier nicht das Relativpronomen das oder die, sondern die Konjunktion dass? Dafür gibt es zwei Erklärungsmöglichkeiten. Die erste lautet, dass man das Relativpronomen das immer durch welches und die durch welche ersetzen kann. Die zweite geht mehr auf die Funktion des Wörtchens ein:

Wenn man das Relativpronomen wählt, muss es im Relativsatz eine Funktion haben. Das ist zum Beispiel in seltenen Fällen wie diesen so:

Das ist das eine Mal, das mir noch in Erinnerung geblieben ist.
das = Subjekt; durch „welches“ ersetzbar

Das ist das einzige Mal, das ich hier erwähnen will.
das = Akkusativobjekt; durch „welches“ ersetzbar

Ebenso (die ist durch welche ersetzbar):

die vielen Male, die mir in Erinnerung geblieben sind
die wenigen Male, die ich hier erwähnen will

Die Sätze klingen zum Teil etwas ungewöhnlich.

In den meisten Fällen folgt aber auf Mal kein Relativsatz, sondern ein dass-Satz. Die Konjunktion dass hat keine andere Funktion, als den Nebensatz einzuleiten. Sie hat im Nebensatz selbst keine Funktion:

Das ist das einzige Mal, dass ich das getan habe.
dass = Konjunktion; nicht durch „welches“ ersetzbar
(nicht: Das ist das einzige Mal, *das ich das getan habe.)

die vielen Male, dass ich das getan habe
dass = Konjunktion; nicht  durch „welche“ ersetzbar
(nicht: die vielen Male, *die ich das getan habe)

die wenigen Male, dass sie ihre Eltern besucht haben
dass = Konjunktion; nicht  durch „welche“ ersetzbar
(nicht: die wenigen Male, *die sie ihre Eltern besucht haben)

Sie kommen nicht häufig vor, aber es gibt auch andere Konstruktionen, in denen ein dass-Satz von einem (nicht von einem Verb abgeleiteten) Substantiv abhängig ist:

Es ist (höchste) Zeit, dass ihr geht.
Das Problem, dass die beiden Wörter gleich klingen, macht das Schreiben nicht einfacher.

Im letzten Beispielsatz steht der Grund, weshalb das und dass manchmal zu Unsicherheiten und Zweifeln führen – und häufig auch einfach zu Flüchtigkeitsfehlern.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Diejenigen oder jene, die …?

Frage

Leider tauchen immer wieder Fragen zur deutschen Grammatik auf, bei denen die eigene Internetrecherche und der Blick in Nachschlagewerke und Sprachratgeber zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis führt. […] Ich wende mich also wieder an Sie. Im Duden, Bd. 9 heißt es:

3. jener / der[jenige]: Es ist nicht korrekt, „jener“ anstelle von „derjenige“ oder hinweisendem „der“ zu gebrauchen. Also nicht: „Jener, der das getan hat …“ Sondern: „Derjenige, der das getan hat …“ Oder: „Der, der das getan hat …“

Vor dem Hintergrund dieser Dudenregel leuchtet mir der Gebrauch von „jener“ eigentlich nur noch bei „dieser/jener“ ein. Um die Sache an Beispielen zu verhandeln:

Sie sprach über jene, die nur Fahrrad fahrend kochen.
Sie sprach über all jene, die nur Fahrrad fahrend kochen.
Sie sprach über jene Paradiesvögel, die nur Fahrrad fahrend kochen.

Diese Sätze müssten nach dem Obigen falsch sein. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich darüber aufklären könnten, 1) welcher Gebrauch vom Duden als korrekt angesehen wird, 2) welcher Gebrauch Ihnen sinnvoll erscheint. Ich gehe davon aus, dass der De-facto-Sprachgebrauch in diesem Fall stark von der Dudenregel abweicht. In der österreichischen Zeit im Bild geht es beispielsweise allabendlich um „jene, die geimpft oder genesen sind“.

Antwort

Guten Tag Herr K.,

Sie verwenden wahrscheinlich eine ältere Ausgabe von Duden Bd. 9, Richtiges und gutes Deutsch. In der 8. Auflage, 2016, steht die zitierte „Regel“ nämlich in etwas abgeschwächter Form:

3. jener / der[jenige]: Es ist nicht sinnvoll, „jener“ anstelle von „derjenige“ oder hinweisendem „der“ zu gebrauchen, weil mit „jener“ auf etwas Fernes verwiesen wird. Also nicht: „Jener, der das getan hat …“ Sondern: „Derjenige, der das getan hat …“ Oder: „Der, der das getan hat …“ Nicht: „Das sind meine Absichten und jene meiner Kollegen.“ Sondern: „Das sind meine Absichten und die meiner Kollegen.“

Die Angabe nicht korrekt wurde zu nicht sinnvoll heruntergestuft. Als Begründung wird angegeben, dass mit jener auf etwas Fernes verwiesen werde. Das ist dann richtig, wenn jener nur als Gegensatz zu dieser verwendet werden kann. Ist das wirklich so? Das hängt davon ab, wo man sich befindet. Nach den Angaben der Variantengrammatik zu diesem Thema wird – etwas vereinfacht ausgedrückt – in Deutschland vor allem derjenige, der verwendet, während in der Schweiz und vor allem in Österreich jener, der vorherrscht. Besser wäre es also, zu sagen, dass es in Deutschland nicht üblich ist, jener, der zu verwenden, dies aber in Österreich und der Schweiz – auch in der Standardsprache – gebräuchlich ist.

Diese Sicht wurde inzwischen auch von der Duden-Redaktion übernommen. In der 9. Auflage von Duden Bd. 9, 2021, steht nun:

3. jener / der[jenige]: Als Demonstrativpronomen wird „derjenige (dasjenige, diejenige)“ in Deutschland klar gegenüber „jener (jenes, jene)“ bevorzugt: „Die Zahl derjenigen, die beim Sozialamt Hilfe zur Pflege beantragen, nimmt seit Jahren zu“ (Hessische/Niedersächsische Allgemeine). In Österreich und der Schweiz hingegen wird häufiger „jener“ verwendet: „Er […] werde sich mit der ganzen Energie für jene einsetzen, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind“ (Salzburger Nachrichten).

Die „teutonozentrische“ Sichtweise wurde hier also zugunsten einer Sichtweise verlassen, die regionale Unterschiede respektiert.

Zu Ihren Beispielen: Wenn ich die Angaben in Variantengrammatik und Duden richtig verstehe, heißt es in Deutschland vor allem:

Sie sprach über die[jenigen], die nur Fahrrad fahrend kochen.
Sie sprach über all die[jenigen], die nur Fahrrad fahrend kochen.
Sie sprach über die[jenigen] Paradiesvögel, die nur Fahrrad fahrend kochen.

In Österreich und in der Schweiz (sowie in Liechtenstein und in Südtirol) eher:

Sie sprach über jene, die nur Fahrrad fahrend kochen.
Sie sprach über all jene, die nur Fahrrad fahrend kochen.
Sie sprach über jene/die Paradiesvögel, die nur Fahrrad fahrend kochen.

All denjenigen oder all jenen, die glauben, dass Regeln in Grammatik- und Stilbüchern unverrückbar feststehen, möge dies ein Beispiel für das Gegenteil sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Tief Bernd, der oder das große Schäden verursacht hat?

Frage

das Wetter in den jüngsten Tagen und Wochen hat für mich viele Fragen ausgeworfen, nicht nur zum Klimawandel, sondern auch einige, welche die Sprache betreffen.

Worauf bezieht sich zum Beispiel ein Relativpronomen, wenn es um Wetterphänomene geht, die mit einem Namen versehen sind? Hängt die Antwort davon ab, ob ein Artikel verwendet wird? Zum Beispiel: „Hurrikan Elsa, die über der Karibik wütet… “ gegenüber „Der Hurrikan Elsa, der über der Karibik wütet…“. Oder ganz aktuell und ziemlich erschütternd: „Tief Bernd, der große Schäden angerichtet hat…“ gegenüber „Das Tief Bernd, das große Schäden angerichtet hat… “.

Antwort

Guten Tag Herr M.,

die Antwort hat tatsächlich mit dem Artikel zu tun, aber ich muss ein bisschen ausholen. Bei Personenbezeichnungen, die aus einem Titel und einem Namen bestehen, gilt das Folgende:

  1. Mit Artikel ist der Titel Wortgruppenkern und der Name Apposition (nähere Bestimmung)
  2. Ohne Artikel ist der Name Wortgruppenkern und der Titel Apposition

Den Unterschied kann man bei Personenbezeichnungen nicht am Geschlecht sehen (Titel und Name haben das gleiche Geschlecht), sondern an der Endung im Genitiv. Gebeugt wird jeweils der Wortgruppenkern:

a. das Auto des Onkels Anton
a. die Regierung des Präsidenten Biden
b. Onkel Antons Auto
b. Präsident Bidens Regierung

Bei Nichtpersonen ist die Lage unklarer, weil hier die artikellose Variante, also Fall b, selten ist. Im Genitiv werden sie im Prinzip gleich behandelt wie Personenbezeichnungen:

a. die Stärke des Hurrikans Elsa
a. die Auswirkungen des Tiefs Bernd
b. Hurrikan Elsas Stärke
b. Tief Bernds Auswirkungen

Bei den jeweiligen Verweiswörtern – darum geht es eigentlich in Ihrer Frage – ist die Lage anders: Verwiesen wird mit Pronomen, die im Genus mit dem Wetterphänomen und nicht mit dessen Namen übereinstimmen. Die Wetterphänomene tragen zwar einen weiblichen oder männlichen Namen, werden aber offensichtlich nicht als weiblich oder männlich empfunden – noch nicht einmal rein grammatisch. Für Ihre Beispiele bedeutet dies:

Hurrikan Elsa, der über der Karibik wütet
Sturmtief Elsa hat auf seinem Weg große Schäden angerichtet
Tief Bernd, das große Schäden angerichtet hat

Formulierungen dieser Art, also ohne Artikel, sind hier aber selten, so selten, dass kaum sichere Aussagen gemacht werden können. Üblicher ist zum Beispiel:

der Hurrikan Elsa, der über der Karibik wütet
„Elsa“, der Hurrikan, der über der Karibik wütet
Das Sturmtief Elsa hat auf seinem Weg große Schäden angerichtet
„Bernd“, das Tief, das große Schäden angerichtet hat

Angesichts des Leids und der Schäden ist die Frage nach Artikel und grammatischem Geschlecht allerdings nicht wichtig. Möge alles schnell wieder trocken, aufgeräumt und sicher aufgebaut sein!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp