Noch einmal bis einschließlich

Frage

Heute bin ich beim Verfassen einer Nachricht über folgenden Satz gestolpert: „Ich bin bis einschließlich nächste(r) Woche im Urlaub.“ Wie heißt es richtig? Den Genitiv findet man häufig, der Akkusativ scheint mir jedoch logischer – es heißt ja auch „bis einschließlich nächsten Freitag/fünfzehnten Oktober“.

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

es heißt üblicherweise tatsächlich:

bis einschließlich nächsten Freitag
bis einschließlich fünfzehnten Oktober

In der Verbindung bis einschließlich wird einschließlich nicht als Präposition, sondern als Adverb verwendet. Als solches hat es keinen Einfluss auf den Fall des nachfolgenden Substantivs. Den Fall bestimmt hier also bis, das den Akkusativ verlangt. Wenn dies bei nächsten Freitag und fünfzehnten Oktober der Fall ist, wählt man auch bei einer weiblichen Zeitangabe besser den Akkusativ:

Ich bin bis einschließlich nächste Woche im Urlaub.

Etwas ganz anderes ist, dass die Wendung bis einschließlich zumindest in meinen Ohren recht unschön klingt (Papierdeutsch). Besser wäre zum Beispiel:

bis nächsten Freitag
bis zum 15. Oktober

Sehr oft ist nämlich die Bedeutung bis einschließlich in einem einfachen bis enthalten. Wenn ich für einen Artikel bis nächsten Freitag Zeit habe, kann ich ihn nach dem allgemeinen Verständnis auch noch am Freitag abgeben. Mehr dazu lesen Sie hier.

Auch bei Angaben, bei denen bis weniger deutlich ist, kann man mit etwas schöneren Formulierungen als mit bis einschließlich Klarheit schaffen:

Ich bin bis Ende nächster Woche im Urlaub.

Wenn Sie wollen, können Sie natürlich auch bis einschließlich verwenden. Falsch ist es nicht. Und für den Fall, dass es sich nicht nur um einen Beispielsatz handelt, wünsche ich Ihnen, dass Sie bis Ende nächster Woche eine schöne Urlaubszeit verbringen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Es tut mir leid wegen …

Frage

Ich such die deutsche Entsprechung für folgenden Satz „I’m sorry about last Saturday“:

Es tut mir leid wegen letztem Samstag.            .
Es tut mir leid wegen letzten Samstags.

Beides klingt immer komischer, je länger ich draufschaue. Was schlagen Sie vor? Ginge auch „Tut mir leid wegen letzten Samstag“?

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

eine nicht umgangssprachliche Übersetzung von I’m sorry about last Saturday ist etwas wortreicher als das englische Original. Je nachdem, was genau gemeint ist, zum Beispiel:

Der Vorfall von letztem Samstag tut mir leid.
Ich bedauere, was letzen Samstag geschehen ist.
Ich möchte mich für den letzten Samstag entschuldigen.

Die Formulierung (es) tut mir leid wegen etwas ist umgangssprachlich. Standardsprachlich heißt es eher: etwas tut mir leid. Deshalb will der „hehre“ Genitiv hier nicht passen, auch wenn er grammatikalisch noch zu verteidigen wäre. So spricht niemand:

nicht: Es tut mir leid wegen letzten Samstags.

In einer umgangssprachlichen Formulierung klingt der nach wegen standardsprachlich bei vielen so verpönte Dativ – zumindest in meinen Ohren – etwas besser:

Es tut mir leid wegen letztem Samstag.

Auch der Akkusativ kommt vor. Die Zeitangabe letzten Samstag bleibt dann als adverbiale Bestimmung ähnlich wie unflektierbare Adverbien (gestern, damals) „ungebeugt“:

Es tut mir leid wegen letzen Samstag.

Diese Verwendung eines „unveränderlichen Akkusativs“ nach einer Präposition ist aber standardsprachlich ebenfalls nicht üblich.

Wenn Sie in der deutschen Übersetzung eine standardsprachliche Formulierung wählen müssen, sollten Sie umformulieren (Beispiele oben). Nur dann, wenn eine umgangssprachliche Übersetzung passend ist, können Sie hier auch (es) tut mir leid wegen mit dem Dativ (letztem Samstag) oder sogar mit dem Akkusativ (letzten Samstag) wählen.

Wieder einmal gibt es nicht nur „eindeutig richtig“ und „grundsätzlich falsch“. Es ist also nicht erstaunlich, dass Sie bei der Übersetzung von I’m sorry about last Saturday ein bisschen ins Zweifeln gekommen sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Entgegen der Regel nicht wiederholen

Frage

Wie verhält es sich mit Sätzen wie:

Ich bin nachhause gefahren und jetzt sehr müde.
Ich bin (metaphorisch) gestorben und jetzt im Paradies.

Muss „bin“ wiederholt werden, weil es bei der ersten Aussage als Hilfsverb fungiert (von „gefahren“ bzw. „gestorben“), aber bei der zweiten als Kopulaverb resp. als Vollverb?

Ich bin nachhause gefahren und bin jetzt sehr müde.
Ich bin (metaphorisch) gestorben und bin jetzt im Paradies.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

in den meisten Grammatiken steht – wenn überhaupt etwas zu diesem Thema –, dass man wiederholte gebeugte Verbformen nicht weglassen kann, wenn sie unterschiedliche Funktionen haben (Vollverb, Hilfsverb, Kopulaverb, Modalverb, Teil einer festen Wendung; für Genaueres siehe hier). Zum Beispiel:

Nicht: Sie hat ein Auto und uns schon oft damit nach Hause gebracht.
Nicht: Die Stimmung drohte umzuschlagen und die Präsidentin mit dem Rücktritt.
Nicht: Er nahm auf niemanden Rücksicht und den ganzen Kuchen für sich allein.
Nicht: Er lebt in München und auf großem Fuß.

Man muss hier die kursiv geschriebene Verbform wiederholen oder den Satz umformulieren.

Dies ist eine Regel, die es sich zu merken lohnt, vor allem wenn man gerne (zu) kurz und bündig formuliert.

So weit, so gut. Nun kommen wir zu Ihren Beispielen. Nach der genannten Regel sind auch Ihre Sätze nicht korrekt, denn bin hat tatsächlich jeweils eine andere Funktion (Hilfsverb/Kopulaverb resp. Hilfsverb/Vollverb):

Ich bin nachhause gefahren und jetzt sehr müde.
Ich bin gestorben und jetzt im Paradies.

Die Beispiele zeigen aber, dass die Regel in dieser Form keine eiserne Regel ist. Ihre Sätze kommen mir nämlich (wie Ihnen?) recht akzeptabel vor. Je nachdem, wie groß der Unterschied zwischen Funktion oder Bedeutung ist, scheint ein Verstoß gegen die Grundregel zumindest bei haben und sein mehr oder weniger „schlimm“ zu sein:

sicher nicht: Ich habe einen Hund und ihn sehr gern.
nicht?: Ich habe gegessen und jetzt keinen Hunger mehr.

sicher nicht: Ich bin aus Hamburg angereist und ein Staubsaugervertreter.
nicht?: Ich bin aus Hamburg angereist und jetzt sehr müde.

Die mit nicht? markierten Sätze halte ich spontan für richtig. Wenn ich sie als falsch bezeichnen würde, dann vor allem, weil mir die oben genannte Grundregel bekannt ist, und nicht etwa, weil mir mein Sprachgefühl dies eingeben würde.

Es scheint also in diesem Bereich zumindest für haben und sein keine haarscharfe Grenze zwischen korrekten und falschen Formulierungen zu geben. Liebhabern und Liebhaberinnen strenger Regeln kann ich an dieser Stelle leider nicht weiterhelfen: Ich kenne keine genaueren Untersuchungen in diesem Bereich – und mir fehlt leider die Zeit dazu.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Stilistisches zur Freien und Hansestadt

Frage

Hamburg, seit ein paar Jahren meine Wahlheimatstadt, bezeichnet sich immer gerne als „Freie und Hansestadt Hamburg“. Jedes Mal, wenn ich dies lese, frage ich mich, ob man wirklich ein Adjektiv und ein Substantiv auf diese Weise verbinden kann. Müsste es nicht heißen „Freie Hansestadt Hamburg“ oder höchstens „Freie hanseatische Stadt Hamburg“?

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

es zeigt sich hier wieder einmal, dass man Regeln nicht überstrapazieren sollte. Im Prinzip haben Sie recht. Zusammenziehungen wie die folgenden sind grammatisch möglich, gelten aber stilistisch als unschön:

Fliegen- und andere Pilze
öffentliche und Privatmittel
das freiwillige und Ehrenamt

Man formuliert hier besser zum Beispiel:

Fliegenpilze und andere Pilze
öffentliche und private Mittel
das freiwillige Ehrenamt

Vgl. auch diese Grammatikseite (insbesondere unter „Einschränkungen“).

Freie und Hansestadt Hamburg ist ebenfalls eine solche Formulierung. Die Adjektiv-Substantiv-Gruppe freie Stadt wird mit der Zusammensetzung Hansestadt zusammengezogen. Es handelt sich also um eine Art Zusammenziehung, die eigentlich vermieden werden sollte. Dieser Name ist aber so sehr eingebürgert (und, soweit ich weiß, sogar eine offizielle Bezeichnung), dass man nicht mehr von einem stilistischen Fehler sprechen kann. Man sagt und schreibt deshalb problemlos:

Freie und Hansestadt Hamburg

Anders sieht es in Bremen aus. Dort heißt es normalerweise:

Freie Hansestadt Bremen

Ob man daraus schließen kann, dass die Bremer die deutsche Sprache stilsicherer verwend(et)en als die Hamburger, wage ich nicht zu beurteilen. In diese interhanseatischen Nesseln will ich mit nicht setzen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

In dieser Weise und auf diese Weise

Frage

Ich habe eine Frage zu folgendem Satz: „Man könne sehen, in welcher Weise alles miteinander verbunden ist.“ Wie muss man sich das r in „in welcher Weise“ erklären? Man schreibt doch „auf diese Weise“ und nicht „auf dieser Weise“.

Antwort

Sehr geehrter Herr M.,

eine schöne, rundum schließende Erklärung für den Unterschied zwischen in dieser Weise und auf diese Weise muss ich Ihnen schuldig bleiben. Das r in dieser gehört zur weiblichen Dativendung er. Nach in steht dieser Weise im Dativ und nach auf steht diese Weise im Akkusativ:

auf diese Weise; auf welche Weise; auf meine Weise; auf eine bestimmte Weise; auf keine andere Weise
in dieser Weise; in welcher Weise; in meiner Weise; in einer bestimmten Weise; in keiner anderen Weise

Das erklärt aber noch nicht viel. Schließlich können sowohl in also auch auf mit dem Dativ oder dem Akkusativ stehen. Es sind sogenannte Wechselpräpositionen. Bei einer Richtungsangabe (wohin?) stehen sie mit dem Akkusativ, bei einer statischen Ortsangabe (wo?) mit dem Dativ:

Sie steigt auf den Berg. ­– Sie wohnt auf dem Berg.
Sie steigt in den Wagen. – Sie sitzt im Wagen.

Bei Ihrer Frage geht es aber nicht um eine konkrete räumliche Verwendung von in und auf. Warum man bei nicht räumlicher Verwendung einer Wechselpräposition einen bestimmten Fall wählt, ist oft nicht oder nicht einfach zu erklären.

Nach auf steht bei einer nicht räumlichen Verwendung meistens der Akkusativ (auf keinen Fall, auf den Cent genau; siehe hier). Dies gilt auch für auf eine bestimmte Weise.

Nach in steht bei nicht räumlicher und nicht zeitlicher Verwendung der Akkusativ, wenn die Bedeutung „dynamisch“ ist (ins Gespräch kommen, in einen Frosch verwandeln), und der Dativ, wenn die Bedeutung „statisch“ ist (im Gespräch sein, im Notfall; siehe hier). In übertragenem Sinne tut man etwas nicht in eine bestimmte Weise hinein, sondern innerhalb einer bestimmten Weise. Deshalb sagt man in einer bestimmen Weise.

Bei der Wechselpräposition in hat der Unterschied zwischen statisch und dynamisch also bei nicht räumlicher Verwendung einen größeren Einfluss auf die Wahl des Falles als bei auf.

Warum dies so ist, weiß ich nicht. Das bisher Gesagte taugt noch nicht einmal als strenge Regel. Schwierig ist hier nämlich, dass es keine genaue Grenze zwischen räumlicher und nicht räumlicher Verwendung gibt. In den folgenden Redewendungen ist das räumliche Bild nämlich noch so gut erkennbar, dass auch nach auf der Unterschied zwischen dynamisch und statisch durch den Kasus angegeben wird:

auf großem Fuß leben
jemanden auf die Folter spannen

Deutschlernenden bleibt also nichts anderes übrig, als sich dies mühsam zu erarbeiten. Muttersprachige sollten sich entsprechend darüber freuen, dass ihnen meist nicht einmal auffällt, dass hier etwas schwierig sein könnte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mit frischem Bärlauch

Passend zur Saison (oder ist sie schon wieder vorbei?) gibt es heute eine Bärlauchfrage:

Frage

Wie heißt es richtig: „Frischkäsecreme mit frischem Bärlauch“ oder „Frischkäsecreme mit frischen Bärlauchblättern“? Bitte bedenken Sie, dass in die Frischkäsecreme mehrere Bärlauchblätter reinkommen 🙂

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

richtig ist beides, häufiger kommt vor:

Frischkäsecreme mit frischem Bärlauch

Man kann Bärlauch als Stoffbezeichnung wie zum Beispiel Kaffee, Weizen, Kohlrabi, Feldsalat, Spinat, Brunnenkresse usw. verwenden. Es steht dann in der Einzahl und hier ohne Artikel. Ob Sie die Frischkäsecreme mit einem halben, einem ganzen oder mehreren Bärlauchblättern zubereiten, spielt dabei keine Rolle. Letzteres gilt natürlich nur für die sprachliche Formulierung, nicht für den Geschmack!

Ihre Frage bringt mich auf die Idee, dieses Wochenende wieder einmal etwas mit Bärlauch zu essen. Mir gefällt der Knoblauchgeschmack der jungen Bärlauchblätter auch zum Beispiel im Salat zusammen mit jungem Spinat, an einer Vinaigrette, dazu frisches Brot – ich komme ganz vom Thema ab … Vielen Dank für diese Frage!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Im Gegensatz zu im Gegenteil

Heute wieder einmal eine Frage, über die Muttersprachige sich kaum je Gedanken machen. Entsprechend muss man zuerst einmal gut nachdenken, wenn Deutschlernende sie stellen:

Frage

Ich würde gern wissen, wie ich meinen kanadischen Deutschschülern den Unterschied zwischen „im Gegenteil“ und „im Gegensatz“ erklären kann.

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

auf der Bedeutungsebene gibt es zwischen den gegenüberstellenden Wendungen im Gegenteil und im Gegensatz kaum einen merkbaren Unterschied. Das gilt nicht bei ihrer Verwendung im Satz.

Die Wendung im Gegenteil wird allein stehend verwendet, das heißt, das Gegenteilige wird nicht mehr genannt. Mit im Gegenteil wird angegeben, dass etwas vorher Gesagtes (ganz und gar) nicht zutrifft:

Gestern war das Wetter schön, aber heute nicht mehr. Heute hat es im Gegenteil den ganzen Tag geregnet.
Ich bin nicht unzufrieden, ganz im Gegenteil.

Bei im Gegensatz wird die Person oder Sache, der etwas gegenübergestellt wird, mit zu angefügt. Eine vorher genannte Sache oder ein vorher genannter Umstand erscheint oft als dazu oder hierzu:

Gestern war das Wetter schön. Heute hat es im Gegensatz dazu den ganzen Tag geregnet.
Du bist unzufrieden. Ich bin im Gegensatz zu dir sehr zufrieden.
Im Gegensatz zu seiner Schwester ist er nicht sehr sportlich.

Mit der üblichen Vorsicht können Sie den Unterschied für Ihre kanadischen Schüler wie folgt auf das Englische und Französische übertragen:

im Gegenteil = on the contrary, au contraire
im Gegensatz zu = in contrast to, contrairement à

Einfach die Übersetzung anzubieten ist im Fremdsprachenunterricht nicht die eleganteste Methode, aber in diesem Fall vielleicht doch die effizienteste.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Vor, während und nach dem Spiel

Frage

Bekanntlich ist ja nach dem Spiel vor dem Spiel. Während man aber vor und nach dem Spiel den Dativ zu benutzen hat, ist während des Spiels der Genitiv angesagt […]. Wenn ich immer den richtigen Fall benutzen möchte, also „vor dem Spiel“, „während des Spiels“ und „nach dem Spiel“, darf ich dann sagen „vor, während und nach dem Spiel“? Oder fühlt sich der Genitiv da vernachlässigt? Gibt es dazu eine Regel? Und gilt diese Regel dann nur auf dem Platz oder auch außerhalb des Platzes? Oder sowohl auf dem als auch außerhalb des Platzes?

Antwort

Sehr geehrter Herr K.,

Die Grundregel sieht recht kompliziert aus:

Wenn

  • mehr als eine Präposition vor einem Nomen (oder Pronomen) steht,
  • die Präpositionen nicht den gleichen Fall fordern,
  • das Nomen in den unterschiedlichen Fällen unterschiedliche Formen hat,

dann richtet sich das Nomen nach dem Fall der letzten Präposition.

Nach dieser allgemeinen Regel kann man also sagen und schreiben:

vor, während und nach dem Spiel
Die Regel gilt auf und außerhalb des Platzes.
Du redest viel von und über dich.

Nun kommt wohl nicht ganz überraschend das ABER: Solche Zusammenziehungen gelten stilistisch als unschön. Es empfiehlt sich deshalb, das Nomen in solchen Fällen zu wiederholen oder – das ist oft noch besser – eine andere Formulierung zu wählen:

vor dem Spiel, während des Spiels und nach dem Spiel
Die Regel gilt auf dem Platz und außerhalb des Platzes.
Du redest viel von dir und viel über dich.

Wenn ein Wort in den verschiedenen Fällen die gleiche Form hat, ist die Zusammenziehung übrigens stilistisch meist unbedenklich:

vor, während und nach der Feier
Die Regel gilt auf und außerhalb der Spielfläche.
Er redet viel von und über sich.

Eine besondere Stellung haben mit und ohne und mit oder ohne. Die Zusammenziehung ist in diesem Fall standardsprachlich auch dann üblich, wenn ein Wort im Dativ und Akkusativ unterschiedliche Formen hat:

Wir werden die Sache mit oder ohne dich zu Ende führen.
Apfelkuchen mit und ohne gesüßte Schlagsahne

(Siehe auch hier. Mehr Informationen zu dieser Frage finden Sie auf dieser Seite in der Canoonet-Grammatik)

Soweit die grammatischen und stilistischen Grundsätze. Nun noch ein kleiner persönlicher Zweifel (auch Sprachler zweifeln, wenn es um Sprache geht): Bin ich der Einzige, dem vor, während und nach dem Spiel trotz des oben Gesagten auch stilistisch nicht verunglückt vorkommt? Es mag daran liegen, dass meine Wiege im südlichen deutschen Sprachraum stand, in dem der Dativ nach während gang und gäbe ist. Es könnte aber auch sein, dass es eine allgemein akzeptierte Formulierung ist, die erst dann als „stilistisch unschön“ abgetan wird, wenn man bewusst auf den Erhalt des Genitivs nach während achtet. Kurzum: Gleitet man ins Umgangssprachliche ab, wenn man vor, während und nach dem Spiel akzeptabel findet, oder macht man sich anderseits der stilistischen Prinzipienreiterei schuldig, wenn man diese Formulierung für inakzeptabel hält? Wie so oft bei stilistischen Fragen liegt die Antwort wohl irgendwo dazwischen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

In oder auf Highheels gehen?

Frage

Heißt es korrekt: „auf Highheels (o. Stöckelschuhen) gehen“ oder „in Highheels gehen“? Ich finde das nirgends und es sind beide Varianten zahlreich vertreten.

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

beide Varianten kommen häufig vor, weil beide Varianten möglich sind:

in Highheels/Stöckelschuhen gehen
auf Highheels/Stöckelschuhen gehen.

Man geht in Stöckelschuhen, wie man auch in „normalen“ Schuhen, Wanderschuhen, Stiefeln usw. geht. Man geht auf Stöckelschuhen, wie man auch auf anderen erhöhten „Untersätzen“ geht und steht: auf Stelzen, Rollschuhen, Schlittschuhen.

Highheels vereinigen zwei Aspekte in sich, von denen der eine (Fußbekleidung) mit in und der andere (hohe Absätze) mit auf verwendet werden kann. Es gibt deshalb, wie so oft in der Sprache, mehr als eine korrekte Ausdrucksweise.

Vor einiger Zeit waren wir mit unserer Nachbarstocher und ihrem Freund im übrigens ausgezeichneten italienischen Restaurant ganz in der Nähe essen. Das junge Paar hatte sich zu diesem Anlass fein gemacht. Dazu gehörten bei ihr Highheels, die ihrem Namen alle Ehre machten: bestimmt 15 cm. Obwohl man zu Fuß gerade so schnell ist, wie man ein Auto aus- und wieder einparkt, hätte sie sich wohl doch lieber zum Restaurant chauffieren lassen. Sie bestritt es tapfer, aber es war offensichtlich, dass man weder in noch auf Highheels dieser Höhe wirklich gehen kann. Sie sind vielleicht zum Stehen, aber kaum zum Gehen geeignet. Wirklich neu ist diese Erkenntnis natürlich nicht. Neu war für mich dank unserer Highheels-Debütantin das Folgende: Sitzen mit 15 Zentimeter Absatz am Fuß hat auch so seine Tücken. An manchen Restauranttischen geht das nämlich nur mit eher undamenhaft unter dem Tisch ausgesteckten Beinen oder mit sittlich seitlich geneigten Unterschenkeln. Frau kriegt sonst die Knie nicht unter den Tisch.

Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Grammatisch gesehen kann man also in oder auf Highheels gehen. Ob man darin oder darauf wirklich gehen kann, müssen die Trägerinnen (und vereinzelten Träger) allerdings selbst entscheiden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

20 Minuten Zeit, (um) 100 000 Mark zu besorgen

Frage

Auf der Rückseite der DVD „Lola rennt“ aus 1998, steht: „Nur 20 Minuten Zeit, um 100 000 Mark zu besorgen. Nur 20 Minuten Zeit, Mannis Leben zu retten.“ Frage: Warum steht nicht in beiden Sätzen „um zu“ oder nur „um“?

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

ohne Ihre Frage hätte ich wohl einfach über diesen kleinen Unterschied hinweggelesen. Es handelt sich hier um zwei verschiedene Konstruktionen, die in diesem Fall ungefähr die gleiche Bedeutung haben.

20 Minuten Zeit, um 100 000 Mark zu besorgen.

Die Infinitivkonstruktion mit um zu entspricht hier einem Zwecksatz. Sie hat im Satz die Rolle einer adverbialen Bestimmung des Zwecks.

– Wofür/wozu hat Lola (nur 20 Minuten) Zeit?
– Lola hat nur 20 Minuten Zeit, um 100 000 Mark zu besorgen.

Im ersten Satz gibt die Infinitivgruppe an, welchem Zweck die 20 Minuten Zeit dienen. Nun zum zweiten Satz:

20 Minuten Zeit, Mannis leben zu retten

Die Infinitivkonstruktion ohne um hat hier die Funktion eines Attributs. Sie ist im Satz Teil der Wortgruppe mit dem Kern Zeit und bestimmt diesen näher.

– Welche (nur 20 Minuten) Zeit hat Lola?
– Lola hat nur 20 Minuten Zeit, Mannis Leben zu retten.

Im zweiten Satz gibt die Infinitivgruppe an, um welche Art zwanzig Minuten Zeit es sich handelt.

In diesem Fall kann also dasselbe (Zeit für etwas) mit einem finalen Adverbialsatz (d. h. die Zeit, um etwas zu tun) oder mit einem Attribut (d. h. die Zeit, etwas zu tun) ausgedrückt werden. Der Text auf der Rückseite der DVD hätte also zum Beispiel auch wie folgt formuliert werden können:

Nur 20 Minuten Zeit, um 100 000 Mark zu besorgen. Nur 20 Minuten Zeit, um Mannis Leben zu retten.
Nur 20 Minuten Zeit, 100 000 Mark zu besorgen. Nur 20 Minuten Zeit, Mannis Leben zu retten.

Es gibt hier, wenn überhaupt, kaum einen Bedeutungsunterschied zwischen dem Attribut mit zu und dem Zwecksatz mit um zu. Das ist aber meistens nicht so:

Lisa benutzt ihre Fähigkeit, andere zu überzeugen.

Hier wird gesagt, dass Lisa die Fähigkeit hat, andere zu überzeugen, und dass sie diese Fähigkeit (zu einem nicht genannten Zweck) einsetzt. Die Infinitivkonstruktion bestimmt als Attribut die Fähigkeit, die benutzt wird, näher. Der Zweck wird nicht genannt.

Lisa benutzt ihre Fähigkeit, um andere zu überzeugen.

Hier wird gesagt, dass Lisa ihre (nicht näher bestimmte) Fähigkeit einsetzt und dass sie dies tut, um andere zu überzeugen. Die Infinitivkonstruktion gibt als Adverbialbestimmung den Zweck an, für den die Fähigkeit eingesetzt wird. Die Art der Fähigkeit wird nicht näher bestimmt. Vgl.:

Lisa benutzt ihre Fähigkeit, deutlich zu formulieren, um andere zu überzeugen.
Lisa benutzt ihre Fähigkeit, andere zu überzeugen, um ihre Pläne zu realisieren.

Dass die Unterscheidung wichtig sein kann, zeigt das letzte Beispiel:

Ich bin gegen ihren Plan, dir zu schaden.
Ich bin gegen ihren Plan, um dir zu schaden.

Wäre die erste Aussage an mich gerichtet, wäre ich über die freundliche Unterstützung erfreut. Bei der zweiten würde mich die feindliche Absicht betrüben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp