„Hallo, ich bin Tom“ und „Hallo, ich bin’s, Tom“

Frage

Ich möchte gern wissen: Welcher Satz ist richtig?

Hallo, Miriam, ich bin Tom.
oder
Hallo, Miriam, ich bin’s, Tom.

Antwort

Sehr geehrte Frau E.,

beide Sätze sind richtig. Sie haben aber nicht die gleiche Bedeutung. Wenn Miriam Tom nicht kennt und Tom sich ihr vorstellt, kann er sagen:

Hallo, Miriam, ich bin Tom.

Das bedeutet dann so viel wie Ich heiße Tom oder Mein Name ist Tom.

Wenn Tom und Miriam einander kennen und Tom sich ­– zum Beispiel am Telefon – bei ihr meldet, kann er sagen:

Hallo, Miriam, ich bin’s, Tom.

Er sagt dann, dass er es ist, der anruft, und nennt dazu seinen Namen, damit sie ihn gleich erkennt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Diese Frage einer Deutschlerndenden zeigt wieder einmal, dass etwas Unbedeutendes wie das Wörtchen es sogar in der verkürzten Form ’s einer Aussage eine ganz andere Bedeutung geben kann. Sie zeigt auch, wie glücklich man sich eigentlich schätzen darf, dass man sich als geübter Sprecher einer Sprache nicht immer bewusst mit solchen subtilen „Kleinigkeiten“ abgeben muss. Das wäre anstrengend!

Die Absicht haben, etwas tun zu wollen

Ein bekanntes, schon oft beschriebenes, aber trotzdem immer wieder auftauchendes Phänomen: die Absicht, etwas tun zu wollen.

Wieder einmal hörte ich am Radio, dass jemand die Absicht habe, etwas tun zu wollen. Diesmal ging es um einen jungen Mann, der erklärte, er habe die Absicht, mit dem Glücksspiel aufhören zu wollen. Natürlich ist ganz klar, was er meint: Er will seine Spielsucht überwinden. Das formuliert er aber, wenn man ganz genau hinhört, ein bisschen zu vorsichtig. Er hat nicht direkt die Absicht mit dem Wetten aufzuhören, nein, er hat zuerst einmal die Absicht, den Willen zum Aufhören zu haben. Das Aufhören an und für sich ist dann ein weiterer Schritt. Ganz unrecht hat er ja nicht, denn wenn man nicht wirklich will, gelingt es einem bestimmt nicht, sich aus den Klauen des Wettteufels zu befreien. Das muss man zuerst einmal so richtig wollen. Ich hoffe allerdings für den jungen Mann und seine Finanzen, dass es nicht beim Aufhörenwollen bleibt.

Das Verb wollen ist ein Modalverb. Ein Modalverb drückt aus, dass das im Satz Gesagte gewollt, möglich, erwünscht, notwendig usw. ist. Mit wollen drückt man unter anderem einen Wunsch oder eine Absicht aus. Zum Beispiel:

Viele Pensionierte wollen nach Spanien umziehen.
= Viele Pensionierte haben den Wunsch/die Absicht, nach Spanien umzuziehen.

Wenn man also sagt, dass man die Absicht hat, etwas tun zu wollen, ist das „doppelt gemoppelt“ – außer wenn man wirklich sagen will, dass man die Absicht hat, eine gewisse Absicht zu haben.

Viele Pensionierte haben die Absicht, nach Spanien umziehen zu wollen.

Wörtlich genommen geht es hier um ganz, ganz vorsichtige Pensionierte, die sich vornehmen, ein romantisches Verlangen nach Spanien zu entwickeln, denen aber die spanische Sonne von vornherein zu heiß und Paella und Sangria sowieso zu fremdländisch sind, um wirklich auswandern zu wollen.

Ganz ähnlich geht es oft auch bei den andern Modalverben zu und her. Das ist der Fall, wenn:

Jugendliche die Erlaubnis haben, am Samstagabend später nach Hause kommen zu dürfen;
Kunden die Verpflichtung haben, die Rechnung innert dreißig Tagen zahlen zu müssen;
der Mensch den Auftrag hat, seinen Nächsten wie sich selbst lieben zu sollen;
Dr. Bopp die Fähigkeit hat, mit den Ohren wackeln zu können;
in Riesenlettern die einmalige Möglichkeit angepriesen wird, 100 000 Euro gewinnen zu können.

In all diesen Fällen werden Erlaubnis, Verpflichtung, Auftrag, Fähigkeit oder Möglichkeit zweimal ausgedrückt: einmal durch das Substantiv und einmal durch das Modalverb. Das ist im Normalfall einmal zu viel. Man sagt also besser dass:

Jugendliche die Erlaubnis haben, am Samstagabend später nach Hause zu kommen;
Kunden die Verpflichtung haben, die Rechnung innert dreißig Tagen zu zahlen;
der Mensch den Auftrag hat, seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben;
Dr. Bopp die Fähigkeit hat, mit den Ohren zu wackeln.

… oder oft noch ein bisschen besser, dass:

Jugendliche am Samstagabend später nach Hause kommen dürfen;
Kunden die Rechnung innert dreißig Tagen zahlen müssen;
der Mensch seinen Nächsten wie sich selbst lieben soll;
Dr. Bopp mit den Ohren wackeln kann.

Nur der noch nicht genannte Beispielsatz ist – wahrscheinlich ungewollt – auch „doppelt gemoppelt“ korrekt: Die Wahrscheinlichkeit, dass man die 100 000 Euro gewinnt ist in der Regel so gering und mit so vielen Bedingungen verknüpft, dass man zu Recht sagen könnte, dass man nur möglicherweise eine Gewinnmöglichkeit hat.

Wie viele Häuser hat der Popstar?

Frage

In einer älteren Duden-Ausgabe las ich einmal von einem „distributiven Singular“, der inhaltlich auch schon von Ihnen thematisiert wurde. Mich beschäftigen folgende Zweifelsfälle:

Die Menschen, die ein Haus besitzen …

Ohne Kontext ist der Satz scheinbar uneindeutig. Besitzen mehrere Menschen gemeinsam ein Haus oder besitzt jeder Mensch ein eigenes?

Die Menschen, die Häuser besitzen …

Besitzt jeder Mensch jeweils ein Haus oder besitzt jeder Mensch gleich mehrere Häuser?

Der Popstar besitzt ein Haus / Häuser in Italien, Deutschland und Frankreich.

Verteilt der Singular „ein Haus“ eine Immobilie auf jedes Land oder muss dazu doch der Plural gesetzt werden. Oder würde der Plural „Häuser“ mehrere Immobilien in jedes Land verorten?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

die Antwort auch diese Frage ist eigentlich ganz einfach: Es gibt keine feste Regel, ob man in diesen Fällen die Einzahl oder die Mehrzahl verwenden muss. Ein paar zusätzliche Worte sind trotzdem angebracht:

Die Menschen, die ein Haus besitzen, …

Hier können mehrere Menschen zusammen ein Haus besitzen oder es kann um ein Haus pro Person gehen. Nur der Zusammenhang oder eine klärende Erläuterung können angeben, was genau gemeint ist.

Die Menschen, die Häuser besitzen, …

Hier kann es um mehrere Häuser pro Person gehen, aber auch um ein Haus pro Person, mehrere Personen pro Haus oder mehrere Personen mit mehreren Häusern. Nur der Kontext oder eine klärende Erläuterung können angeben, was genau gemeint ist. Meistens ist das nicht nötig, denn gemeint sind oft einfach Hausbesitzer, ganz gleich ob sie ein oder mehrere Häuser besitzen und ob sie dies als Einzelperson oder gemeinsam mit anderen tun. So flexibel ist die Sprache.

Das kann, wenn man es sich recht überlegt, sehr praktisch sein. Wenn diese flexible Art etwas auszudrücken nicht erlaubt wäre und man die gleiche allgemeine Aussage machen müsste, ergäbe das eine ziemlich lange, nicht zufällig an Juristendeutsch erinnernde Formulierung:

Die Einzelpersonen oder Personengruppen, die individuell oder zusammen ein oder mehrere Häuser besitzen, …

Nun zu den Häusern des Popstars:

Der Popstar besitzt ein Haus in Italien, Deutschland und Frankreich.

Endlich ein Satz, der eindeutig ist! Es kann sich nur um drei Häuser handeln. Ein entsprechendes Dreiländereck, auf dem ein Haus stehen könnte, gibt es ja nicht. (Die Schweiz liegt „im Weg“.) Die Formulierung ist korrekt, mutet aber trotzdem irgendwie unnatürlich an. Man würde eher sagen je ein Haus in … oder ein Haus in Italien, eines in Deutschland und eines in Frankreich.

Der Popstar besitzt Häuser in Italien, Deutschland und Frankreich.

Und schon wieder ist es vorbei mit der Eindeutigkeit. Hier kann es um je ein Haus pro Land oder aber um mehrere Häuser pro Land gehen. Nur der Zusammenhang oder eine klärende Erläuterung können angeben, was genau gemeint ist.

Gerade dieser letzte Satz zeigt, dass es sehr oft gar nicht darum geht, mathematisch genaue Angaben zu machen. Ganz im Gegenteil! In einem Prominentenblatt ist vor allem wichtig, dass der Popstar mehrere [!] Häuser hat, und zwar in mehreren [!!] Ländern. Wie viele Häuser genau wo stehen, ist eher nebensächlich (insbesondere wenn es dann doch „nur“ drei sind). Wenn es wichtig ist, zählt man sie einfach auf: zwei Häuser in Italien, drei in Deutschland und eines in Frankreich.

Die Verteilung von Objekten innerhalb eines Satzes ist meistens nicht mathematisch präzise und eindeutig festgelegt. Dem verdankt die Sprache ihre große Flexibilität. Was genau gemeint ist, lässt sich meistens aus dem Kontext ermitteln. Oft ist es auch gar nicht nötig oder gewünscht, alles präzise auszudrücken. Und wenn es doch sein muss, muss man eben umformulieren oder erläutern. So viel ungeregelte Mehrdeutigkeit scheint verwirrend zu sein, das ist es aber nicht. Wir gehen täglich damit um und es funktioniert im Normalfall ausgezeichnet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mit oder ohne wen oder wem?

Frage

Heißt es in der folgenden Formulierung einem oder einen? „Sie haben das Recht, die Gesellschaft mit oder ohne einen/einem Nachfolger ihrer Wahl weiterzuführen.“

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

man sagt und schreibt normalerweise:

mit oder ohne einen Nachfolger

Die Präposition mit verlangt den Dativ: mit einem Nachfolger. Nach ohne steht der Akkusativ: ohne einen Nachfolger. Da die beiden Wortgruppen in diesen beiden Fällen nicht die gleiche Form haben, sollte man sie eigentlich nicht zusammenziehen. Es müsste also heißen: mit einem Nachfolger oder ohne einen Nachfolger. Da die Wendungen mit oder ohne und mit und ohne häufig vorkommen und ausformuliert sehr schwerfällig klingen, hat sich auch in der Standardsprache eingebürgert, sie mit dem Akkusativ zu verwenden. Da ohne der Wortgruppe näher steht, hat es sozusagen bei der Fallzuteilung gewonnen:

Wir werden die Sache mit oder ohne dich zu Ende führen.
Apfelkuchen mit oder ohne gesüßte Schlagsahne
Warum gibt es deutsche Flaggen mit und ohne den Adler?
Das Gerät kann mit und ohne einen Festnetzanschluss betrieben werden.

Dies gilt übrigens nur für die Formulierungen mit oder ohne und mit und ohne. Die nachfolgenden Formulierungen gelten zumindest standardsprachlich als unschön, auch wenn der Fall der am nächsten stehenden Präposition verwendet wird:

von und über die Leute reden
Wenn man ab oder via einen europäischen Flughafen fliegt, …
Übersetzungen aus und in die italienische Sprache

Besser – so umständlich es manchmal auch klingen mag – sind Formulierungen wie diese:

von den Leuten und über die Leute reden
Wenn ein europäischer Flughafen Abflug- oder Umsteigeort ist, …
Übersetzungen aus dem Italienischen und ins Italienische

Kein Problem ist die Zusammenziehung dann, wenn sich die Wortformen in den verschiedenen Fällen nicht voneinander unterscheiden:

viel von und über sich reden
Wenn man ab oder via Wien fliegt, …

Einen Überblick zu diesem Thema finden Sie in der LEO-Grammatik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Es schneit

Es schneit wieder einmal. In den vergangenen Jahren wurde die kalte Jahreszeit vor allem in tieferen Lagen ihrem Namen oft nicht gerecht, aber nun wintert es richtig, wie es sich gehört. Wenn Sie nun vermuten, dass ich beim heutigen Schneefall etwas über Skirennen, globale Erwärmung oder verspätete Züge schreibe, täuschen Sie sich. Mir ist das Wörtchen es aufgefallen. Es geht also um das es in zum Beispiel:

Es schneit.
Es wintert.
Es geht also um …

Wahrscheinlich wissen viele, dass dieses es ein sogenanntes unpersönliches es ist. Es gibt nichts und niemanden, der oder das schneien, wintern oder in diesem Sinne um etwas gehen würde. Dieses es hat also weder Inhalt noch Bedeutung. Wozu dient es denn, wenn es nichts bedeutet?

Das unpersönliche es hat mit dem Satzbau des Deutschen zu tun. Es gibt verschiedene Regeln, wie ein grammatisch korrekter deutscher Satz auszusehen hat. Einige dieser Regeln sind sehr stark, andere wiederum sind eher schwache Tendenzen. Eine sehr starke Regel lautet, dass ein Satz ein konjugiertes Verb und ein Subjekt haben muss, nach dem sich die Verbform richtet. Diese Regel ist so stark, dass wir ein völlig inhaltsleeres Wörtchen benutzen müssen, nur damit sie eingehalten wird. Auch wenn wir beim besten Willen nicht bestimmen können, wer oder was schneit, können wir nicht einfach das Subjekt weglassen. Nein, wir müssen ein es einfügen, weil es nun einmal keine subjektlosen Sätze geben darf.

Nun könnte man meinen, dass dies wieder so etwas typisch Deutsches sei: eine Regel, die so streng gehandhabt wird, dass man sogar Wörter für nicht Bestehendes bemüht, nur um sie einhalten zu können. Das Klischee stimmt aber insofern nicht, als das Deutsche hier unter den europäischen Sprachen nicht allein steht. Während zum Beispiel das Italienische und Spanische ohne die Nennung eines Subjekts auskommen,

Nevica.
Está nevando.

muss man z. B. im Englischen, Französischen, Niederländischen und Schwedischen wie im Deutschen ein unpersönliches Wörtchen für das Subjekt verwenden:

It is snowing.
Il neige.
Het sneeuwt.
Det snöar.

Im Weiteren gibt es „sogar“ im Deutschen Ausnahmen zu dieser Muss-Regel: Wenn man gewisse intransitive Verben im Passiv verwendet, stehen sie manchmal ganz ohne Subjekt. Nicht einmal ein es ist in ihnen zu finden:

Dem Manne kann geholfen werden.
Überall wird gelacht und gesungen.

Hier zeigt sich wieder einmal mehr, dass das Deutsche gar nicht so streng und strikt ist: keine Regel ohne Ausnahme. Mehr zum Wörtchen es finden Sie hier. Ich werde jetzt geeignetes Schuhwerk für einen Spaziergang durch den Schnee anziehen. Inzwischen hat es nämlich aufgehört zu schneien.

Vergleiche mit „als wie wenn“

Frage

Ist es grammatikalisch richtig einen Satz mit als wie wenn zu bilden? Zum Beispiel: „Du schaust, als wie wenn du gerade ein Gespenst gesehen hättest.“

Antwort

Sehr geehrte Frau B.,

so „gut geschmiert“ die Formulierung auch klingen mag, es ist standardsprachlich nicht richtig, einen Satz mit als wie wenn einzuleiten. Ihren Beispielsatz kann man in verschiedener Weise formulieren:

Du schaust, als hättest du gerade ein Gespenst gesehen.
Du schaust, als ob du gerade ein Gespenst gesehen hättest.
Du schaust, wie wenn du gerade ein Gespenst gesehen hättest.
Du schaust, als wenn du gerade ein Gespenst gesehen hättest.

Wie Sie sehen, gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wie man einen solchen irrealen Vergleichssatz einleiten kann. Die Kombination als wie wenn gehört aber nicht dazu. Das wäre wohl etwas gar viel des Guten.

Ein irrealer Vergleichssatz heiß so, weil mit ihm ein Vergleich ausgedrückt wird, der nicht wirklich ist. Man nimmt ja zum Beispiel hier nicht an, dass die angesprochene Person wirklich ein Gespenst gesehen haben könnte, so blass und verstört sie auch aussehen mag. Daneben gibt es auch „gewöhnliche“ Vergleichssätze, in denen als und wie auf wenn treffen. Zum Beispiel:

Im Standbybetrieb verbraucht das Gerät gleich viel Strom, wie wenn es eingeschaltet ist.
Im Standbybetrieb verbraucht das Gerät weniger Strom, als wenn es eingeschaltet ist.

Wenn man nicht mehr genau weiß, ob man bei einem Vergleich wie oder als verwenden sollte, wäre als wie wenn eigentlich ganz praktisch. Es enthält alles, was man so brauchen könnte. Die Standardsprache lässt diese Formulierung aber nicht zu. Man muss sich also bei einem solchen Vergleich entscheiden, ob man wie wenn (Gleichheit) oder als wenn (Ungleichheit) meint.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Warum Rotkäppchen zu seiner Großmutter ging

Wie wir wahrscheinlich alle wissen, ging Rotkäppchen zur Großmutter, um ihr ein Stück Kuchen und eine Flasche Wein zu bringen. Mit der Frage im Titel ist dann auch nicht gemeint, aus welchem Grund die junge Dame den gefährlichen Fußmarsch durch den Wald unternahm, sondern warum Rotkäppchen zu seiner und nicht zu ihrer Großmutter ging.

Frage

Warum heißt es zum Beispiel: „Rotkäppchen ging nach Hause, und niemand tat ihm etwas zuleid“? Verlangt Rotkäppchen nicht eigentlich die Form: „… und niemand tat ihr etwas zuleid“?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

Rotkäppchen ist grammatisch gesehen ein sächliches Nomen (das Rotkäppchen), auch wenn das natürliche Geschlecht weiblich ist. Bei der grammatischen Übereinstimmung richtet man sich im Deutschen in der Regel nach dem grammatischen und nicht nach dem natürlichen Geschlecht. Deshalb geht Rotkäppchen zu seiner Großmutter, nicht zu ihrer Großmutter. Dieser Besuch wird ihm beinahe fatal, weil es den Wolf für seine Großmutter hält, aber glücklicherweise rettet der wackere Jäger das Mädchen, das sonst sein Leben als Wolfsmahl hätte lassen müssen.

Wie man sieht, gilt diese Regel der grammatischen Übereinstimmung auch für  Mädchen. Ein weiteres Beispiel:

Das Mädchen, das seinen Namen verloren hatte.

Bei diesem Wort wird allerdings immer häufiger auch die weibliche Form verwendet. Dies geschieht insbesondere dann, wenn der Abstand zwischen Mädchen und dem Pronomen größer ist:

Aber Tom konnte das Mädchen nicht vergessen. Er durfte nicht mehr durch die verborgene Tür gehen, aber er musste doch versuchen, hinter ihren Namen zu kommen.

Die Formulierung „hinter seinen Namen zu kommen“ ist hier aber mindestens ebenso korrekt. Wörter wie Rotkäppchen, Mädchen und Kind bleiben eben in der Regel grammatisch sächlich, auch wenn sie weibliche Personen bezeichnen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Der Esel kommt zuerst

Eine Frage, die in einem Kommentar (statt hier) gestellt wurde:

Frage

Ist irgendwo verankert, dass man sich bei Aufzählungen nicht zuerst nennen darf, oder ist es nur eine „Anstandsregel“? Zum Beispiel: ich und meine Kinder oder
 meine Kinder und ich?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

die Grammatik des Deutschen verbietet es nicht, in Aufzählungen sich selbst an erster Stelle zu nennen. Es ist eine reine Anstandsregel. Die Formulierung ich und mein Bruder, die man mich früher häufig sagen hörte, ist grammatisch völlig korrekt. Dennoch brachte sie mir – wie vielen anderen auch – meist ein ermahnendes „Der Esel kommt zuerst“ ein. (Auch „Der Esel nennt sich selbst zuerst“ hört man oft, doch das war bei uns nicht die übliche Variante.) Es ist also keine Frage der Grammatik, sondern eine Frage des Stils.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Sie ist jemand, die – oder der?

Frage

Ich frage mich, ob auf jemand ein weibliches Relativpronomen folgen kann oder ob jemand stets als männliches Wort behandelt wird. Wie ist es zum Beispiel bei „Ich kenne jemanden, die ein gelbes Auto hat“? Ist diese Formulierung nur ungewohnt oder grammatisch falsch? Falls letzteres, wie kann ich der Tatsache Ausdruck verleihen, dass es eine Frau ist, die das gelbe Auto hat? Kann jemand dies je ausdrücken?

Antwort

Sehr geehrte Frau M.,

das Wort jemand ist eigentlich weder männlich noch weiblich, sondern unbestimmt. In der Regel nimmt man aber mit einem männlichen Pronomen Bezug auf jemand, sogar wenn die mit jemand bezeichnete Person eine Frau ist:

Ich kenne jemanden, der ein gelbes Auto hat: Hannelore.
Sie ist jemand, der sich gut zu helfen weiß.

Die männliche Form ist hier die „neutrale“ Form, die bei unbestimmten Ausdrücken verwendet wird. Im Prinzip steht jemand ja für eine unbestimmte Person. Ähnliches gilt zum Beispiel auch für man und niemand:

Man weiß gar nicht, was man mit seiner Zeit anfangen soll.
Ich kenne niemanden, der

Gelegentlich wird aber bei jemand anstelle der „neutralen“, männlichen Form die dem natürlichen Geschlecht entsprechende weibliche Form verwendet:

Ich kenne jemanden, die ein gelbes Auto hat.
Sie ist jemand, die sich gut zu helfen weiß.

Die weiblichen Formen sind hier nicht falsch, aber eher unüblich. Andere mögliche Formulierungen, wenn man sich nicht mit männlichen Pronomen auf weibliche Personen beziehen will, sind zum Beispiel:

Ich kenne eine Frau, die ein gelbes Auto hat.
Sie ist eine Person, die sich gut zu helfen weiß.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Eher wie eine Katze als wie ein Hund aussehen

Frage

Stimmt dieser Satz: „Er sieht eher aus wie eine Katze als wie ein Hund.“? Mir ist leider kein besseres Beispiel eingefallen, aber mich interessiert eigentlich nur, ob als wie richtig ist oder ob es anders geschrieben werden muss.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

der Satz ist richtig:

Er sieht eher aus wie eine Katze als wie ein Hund.

Der so bezeichnete Hund wird sich, sofern er es versteht, zwar beleidigt fühlen, aber grammatisch ist die Aussage korrekt. Das Vergleichswort als kann auch vor wie stehen, wenn mit einer mit wie anfangenden Wortgruppe verglichen wird:

Er benimmt sich eher wie ein Rüpel als wie ein Gentleman.
Du solltest besser ganz ruhig als wie ein Formel-1-Pilot fahren.

Dies gilt auch für als vor als:

Sie sieht sich eher als Performerin als als klassische Schauspielerin.
Man verdient als Chef mehr als als Hilfsarbeiter.

Hier kann zur Vermeidung von doppeltem als auf denn ausgewichen werden:

Sie sieht sich eher als Performerin denn als klassische Schauspielerin.

Das ist aber nicht zwingend. In meinen Ohren klingt es auch ein bisschen veraltet oder sehr gehoben. Wenn einen das doppelte als stört, kann man oft auch einfach eine andere Formulierung verwenden. Zum Beispiel:

Ein Chef verdient mehr als ein Hilfsarbeiter.

Standardsprachlich nicht korrekt ist es allerdings, das Vergleichswort als durch wie zu ersetzen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp