Auch Gedanken verdienen Anführungszeichen

Frage

Darf in folgendem Zusammenhang ein Fragezeichen stehen?

Warum hat er mich nicht eingeladen?, fragte sie sich.

Ich habe da bisher immer eins gemacht, analog zur direkten Rede:

„Warum hat er mich nicht eingeladen?“, fragte sie ihren Freund.

Habe da in diversen Foren unterschiedliche Meinungen dazu gefunden, aber keinen richtigen Hinweis auf den Duden.

Antwort

Guten Tag Frau S.,

Sie haben recht, dass ein Fragezeichen geschrieben werden sollte, Sie sollten aber auch die Anführungszeichen nicht weglassen. Nicht nur eigentliche direkte Rede, also Gesprochenes, sondern auch Geschriebenes oder Gedachtes, das wörtlich zitiert wird, setzt man in Anführungszeichen. Auch sonst werden die Satzzeichen bei wörtlich zitiertem Gedachtem gleich gesetzt wie bei wörtlich zitiertem Gesagtem. Richtig ist also:

Sie fragte: „Ist das wirklich wahr?“
Sie dachte: „Ist das wirklich wahr?“

Auch in Fällen wie diesen setzt man die Satzzeichen gleich wie bei der direkten Redewiedergabe:

„Warum hat er mich nicht eingeladen?“, fragte sie sich.
„Verdammt nochmal!“, dachte sie, ohne sich etwas anmerken zu lassen.
„Was ist denn hier los?“, wunderte er sich.

Das ergibt sich aus § 89.1 der amtlichen Rechtschreibregelung, insbesondere aus diesem Beispiel:

„Das war also Paris!“, dachte Frank.

Anführungszeichen stehen übrigens auch bei wörtlich Zitiertem, das durch Verben eingeleitet wird, die eigentlich keine Verben des Sagens sind, aber also solche gemeint sind:

„Ich bin einverstanden“, lächelte er (= sagte er lächelnd)
„Wie du meinst“, schmunzelte sie (= sagte sie schmunzelnd)
Der Hauptmann posaunte: „Mir nach!“
„Wie interessant!“, heuchelte der Vicomte.

Wichtig ist vor allem, dass Gesagtes, Geschriebenes und Gedachtes wörtlich zitiert wird, und weniger, womit das Zitierte eingeleitet wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wo das „zu“ steht, ist dem Komma egal

Frau N. stellt eine Frage, die ich mir noch nie gestellt habe, die ich mir aber bei näherer Betrachtung vielleicht doch einmal hätte stellen sollen. Dieser Fall wird nämlich kaum je ausdrücklich erwähnt: Werden Kommas bei Infinitiven mit vorangestelltem „zu“ und mit integriertem „zu“ gleich gesetzt?

Frage

Ich habe eine Frage zum Thema Komma: Wo muss eins hin, wo nicht; wo darf eins hin, muss aber nicht:

1. Sie versuchte, ihn zu küssen.
2. Sie versuchte ihn anzufassen.

Meine Kollegin sagt, dass in Satz 2 kein Komma steht und in Satz 1 ein Komma stehen darf, aber nicht muss. Wie ist es richtig?

Antwort

Guten Tag Frau N.,

in beiden Sätzen ist das Komma fakultativ, das heißt, es kann gesetzt werden, aber es muss nicht stehen:

Sie versuchte ihn zu küssen.
Sie versuchte ihn anzufassen.

oder:

Sie versuchte, ihn zu küssen.
Sie versuchte, ihn anzufassen.

Es gibt bei der Kommasetzung keinen Unterschied zwischen Verben mit vorangestelltem „zu“ und Verben mit integriertem „zu“. In beiden Fällen ist die Kommasetzung gleich (siehe Beispiele in § 75 der amtlichen Rechtschreibregelung). Zur Illustration folgen ein paar Beispielsätze verschiedener Art. Die Kommas in Klammern sind fakultativ.

  • Mit Infinitivkonjunktion:

Er drehte eine Pirouette, ohne zu fallen.
Er drehte eine Pirouette, ohne umzufallen.

Du solltest dich freuen, statt dich darüber zu ärgern.
Du solltest dich freuen, statt dich darüber aufzuregen.

  • Von Substantiv abhängig:

Hast du die Absicht(,) zu helfen?
Hast du die Absicht(,) mitzuhelfen?

Ihr Plan(,) zu verreisen(,) fiel ins Wasser.
Ihr Plan(,) auzuwandern(,) fiel ins Wasser.

Hast du die Absicht, uns bei der Arbeit zu helfen?
Hast du die Absicht, bei unserer Arbeit mitzuhelfen?

Ihr Plan, im Sommer zu verreisen, fiel ins Wasser.
Ihr Plan, nach Kanada auzuwandern, fiel ins Wasser.

  • Mit Korrelat/Verweiswort:

Sie liebt es(,) zu singen.
Was hindert dich daran(,) auszuschlafen?

Sie liebt es, gemeinsam zu singen.
Was hindert dich daran, lange auszuschlafen?

Zu singen, das war ihr größter Wunsch.
Auszuschlafen, daran sollte ihn nichts hindern.

  • Sonstige Fälle:

Er versucht(,) zu flüchten.
Er versucht(,) wegzurennen.

Sie versuchte(,) ihn auf die Wange zu küssen.
Sie versuchte(,) ihn am Arm anzufassen.

Die Kommasetzung zu verstehen(,) ist nicht immer einfach.
Die Kommasetzung aufzuzeigen(,) ist nicht immer einfach.

Dem Komma ist es also egal, ob das „zu“ vor dem Verb steht oder in die Verbform integriert ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

„Wo stehen die Kommas“ lautet die Frage „wenn das Zitat bei einem Komma unterbrochen wird?“

Heute ist der Beitrag noch etwas wortreicher als sonst. Seine Länge zeigt, dass es in gewissen Fällen schwierig ist, herauszufinden, was die Rechtschreibregelung genau meint. Wer vor allem die Antwort und weniger die Erklärung interessant findet, liest nach dem ersten Abschnitt einfach nicht weiter.

Frage

Ich bin mir unsicher, wie Kommas bei der wörtlichen Rede korrekt zu setzen sind, wenn der Begleitsatz in Zitat eingebettet ist

„Könnte es sein(,)“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“

„Als ich ein Kind war(,)“, rief Anna fröhlich, „habe ich gerne Schmetterlinge beobachtet.“

Kopfzerbrechen bereitet mir jeweils das in Klammern gesetzte Komma. Gehört es dort hin oder nicht?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

dieser Fall ist tatsächlich recht knifflig, denn in der Rechtschreibregelung ist keine Regel zu finden, die ihn ausdrücklich beschreibt. Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Wenn der Begleitsatz das Zitat bei einem Komma unterbricht, entfällt das Komma des Zitats. Es steht kein Komma vor einem abschließenden Anführungszeichen:

„Könnte es sein“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“

„Als ich ein Kind war“, rief Anna fröhlich, „habe ich gerne Schmetterlinge beobachtet.“

Doch wie komme ich zu dieser Antwort? In der amtlichen Rechtschreibregelung ist, wie gesagt, keine Regel zu finden, die diesen Fall ausdrücklich behandelt. Zum Zusammentreffen von Anführungszeichen und anderen Satzzeichen beim Zitieren steht dort zuerst ganz allgemein:

§ 90
Satzzeichen, die zum wörtlich Wiedergegebenen gehören, setzt man vor das abschließende Anführungszeichen; Satzzeichen, die zum Begleitsatz gehören, setzt man nach dem abschließenden Anführungszeichen.

Dann geht es weiter mit Angaben zu Frage- und Ausrufezeichen:

§ 91
Sowohl der angeführte Satz als auch der Begleitsatz behalten ihr Ausrufe- oder Fragezeichen.

Beispiele sind u. a.:

„Du kommst jetzt!“, rief sie.
„Kommst du morgen?“, fragte er.

Auch zum Punkt werden Angaben gemacht:

§92
Beim angeführten Satz lässt man den Schlusspunkt weg, wenn er am Anfang oder im Innern des Ganzsatzes steht.

Beispiele sind u. a.:

„Ich komme morgen“, versicherte sie.
Sie sagte: „Ich komme gleich wieder“, und holte die Unterlagen.

Bis jetzt wissen wir also, dass Frage- und Ausrufezeichen vor dem Begleitsatz stehen bleiben und der Punkt dort weggelassen wird. Das Komma wird hier nicht erwähnt.

Zum Komma bei Begleitsätzen wird hier etwas gesagt:

§93
Folgt nach dem angeführten Satz der Begleitsatz oder ein Teil von ihm, so setzt man nach dem abschließenden Anführungszeichen ein Komma.
Ist der Begleitsatz in den angeführten Satz eingeschoben, so schließt man ihn mit paarigem Komma ein.

Beispiele sind u. a.:

„Ich komme gleich wieder“, versicherte sie.
„Komm bald wieder!“, rief sie.
„Wann kommst du wieder?“, rief sie.
„Ich werde“, versicherte sie, „bald wiederkommen.“
„Kommst du wirklich“, fragte sie, „erst morgen Abend?“

Hier wird klar, dass die Kommas, die den Begleitsatz vom Zitat trennen, außerhalb der Anführungszeichen stehen. Wie aber mit einem Komma des Zitats umzugehen ist, wird auch hier nicht erwähnt.

Auch wenn man jetzt die Regeln einzeln betrachten oder sie gegeneinander abwägt, ist es schwierig, herauszufinden, wie man zu schreiben hat:

„Könnte es sein,“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“
„Könnte es sein“, widersprach er spöttisch, „dass dir sein Essen nicht bekommt?“

Für richtig halte ich, wie oben schon gesagt, die zweite Schreibweise. Als „Beweis“ kann ich nur einen Beispielsatz aus der Rechtschreibregelung anführen. Der einleitende Paragraph zu den Anführungszeichen §89(1) sagt:  „Mit Anführungszeichen schließt man etwas wörtlich Wiedergegebenes ein“, und gibt u. a. diesen Beispielsatz an:

„Wir haben die feste Absicht, die Strecke stillzulegen“, erklärte der Vertreter der Bahn, „aber die Entscheidung der Regierung steht noch aus.“

Das Komma, das ohne Begleitsatz zwischen „stillzulegen“ und „aber“ stehen muss, wird also vor dem eingeschobenem Begleitsatz weggelassen.

Der Fall, der Sie stutzen ließ, wird nicht ausdrücklich in der Rechtschreibregelung beschrieben. Man muss ziemlich genau hinschauen, um anhand eines allgemeinen Beispielsatzes herauszufinden, wie die Regelung in diesem Fall vorzugehen wünscht.

Zusammenfassend kann man sagen: Frage- und Ausrufezeichen des Zitats bleiben vor dem Begleitsatz erhalten. Punkt und Komma des Zitats fallen vor dem Begleitsatz weg.

Richtig sind die Kommas im Titel also wie folgt gesetzt:

„Wo stehen die Kommas“, lautet die Frage, „wenn das Zitat bei einem Komma unterbrochen wird?“

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

„Prost Freiheit!“ oder „Prost, Freiheit!“?

Frage

Eine Schweizer Zeitung titelt: „Prost Freiheit“. Ein Kollege und ich fragen uns, wie es hier ums Komma steht. Der Duden hat Beispiele unter „pros(i)t“ verzeichnet, etwa „prosit allerseits“ oder „prosit Neujahr“, alle ohne Komma. Aber handelt es sich beim Beispiel im Betreff um den gleichen Fall? Wir fragen uns, ob nicht nach der Grundregel (Anrede) das Komma stehen sollte.

Antwort

Guten Tag Herr F.,

ob nach „pros(i)t“ ein Komma steht oder nicht, hängt davon ab, was gemeint ist. Wenn eine Anrede folgt, steht vor ihr ein Komma:

Prost, Antoinette!
Prosit, liebe Freunde!
Prosit, sehr geehrte Damen und Herren!

Bei anderen Formulierungen hilft es, daran zu denken, dass „prosit“ eigentlich eine lateinische Verbform ist mit der Bedeutung „es möge nützen“, „es sei zuträglich“.

Prosit Neujahr!  (Das neue Jahr sei zuträglich)
Prost Mahlzeit!  (Die Mahlzeit möge zuträglich sein)
Prost allerseits!  (Es möge allerseits zuträglich sein; oder: Das Prost soll allerseits gelten)

Die „Übersetzungen“ in Klammern zeigen, weshalb in diesen Fällen besser kein Komma nach „pros(i)t“ steht.

Beim Titel, den Sie zitieren, hängt es also davon ab, ob die Freiheit angesprochen und ihr zugeprostet wird („Prost, Freiheit!“) oder ob gemeint ist, die Freiheit möge zuträglich sein („Prost Freiheit!“). Ich nehme an, dass der Artikel eine Lockerung der Coronamaßnahmen in der Schweiz behandelt, nämlich die Öffnung der Terrassen von Cafés und Restaurants. Ich denke deshalb, dass vielleich sogar beide Lesungen gemeint sein könnten. Diese Doppeldeutigkeit wäre allerdings weder mit noch ohne Komma darstellbar.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nebensätze sind nicht immer weglassbar

Immer wieder werden Fragen gestellt, die von der Annahme ausgehen, dass nur in Kommas gesetzt werden muss, kann oder darf, was weggelassen werden kann. Das ist nicht so, auch nicht bei Nebensätzen. Nebensätze können nämlich ganz verschiedene Funktionen haben und bei Weitem nicht immer weggelassen werden.

Frage

Welche Sätze in Kommas kann man weglassen? Wenn man sie weglässt, muss sich doch wohl ein sinnvoller Satz ergeben. Beispiel:

Es konnte ein Zusammenhang zwischen Eltern, die sich in der Pandemie allein mit ihren Kindern befanden, und dem wahrgenommenen Stress aufgezeigt werden.
Es konnte ein Zusammenhang zwischen Eltern und dem wahrgenommenen Stress aufgezeigt werden.

Hier geht es nicht. Aber gibt es Situationen, wo es geht?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

wenn man einen Nebensatz weglässt, muss nicht unbedingt ein vollständiger oder sinnvoller Satz übrig bleiben. Ein Nebensatz kann nämlich im übergeordneten Satz verschiedene Funktionen haben, die zum Teil obligatorisch sind. Hier ein paar Beispiele, in denen ohne Nebensatz weder grammatisch noch inhaltlich ein vollständiger Satz vorhanden ist:

– Nebensatz = Subjekt

Dass du mir zustimmst, erstaunt mich.
Erstaunt mich = kein vollständiger Satz

– Nebensatz = Objekt

Er sagt, dass du recht hast.
Er sagt = kein vollständiger Satz

– Nebensatz = obligatorische Adverbialbestimmung

Wir wohnen jetzt, wo wir schon immer wohnen wollten.
Wir wohnen jetzt = kein vollständiger Satz

– Nebensatz = Prädikativ

Werde nicht, wie dein Vater war!
Werde nicht = keine vollständiger Satz

Es gibt auch Nebensätze, die im Prinzip weggelassen werden können: Attributsätze und die Adverbialsätze. Attributsätze sind Relativsätze, die ein Wort im übergeordneten Satz näher bestimmen:

Kennst du die Frau, die dort drüben steht?
Kennst du die Frau?

Ich finde den Witz, über den ihr lacht, gar nicht lustig.
Ich finde den Witz gar nicht lustig.

Rein formal ist das Weglassen von Attributsätzen immer möglich. Bei der Bedeutung sieht es allerdings anders aus: Je nachdem wie wichtig die nähere Bestimmung für das Verständnis des Ganzsatzes ist, kann ein Relativsatz mehr oder weniger gut weggelassen werden. Wenn ein Relativsatz wichtige Informationen für das Verständnis des Ganzsatzes enthält, ist er nur schlecht weglassbar, weil dann kein allzu sinnvoller Satz mehr übrig bleibt. Das gilt auch für Ihren Beispielsatz:

Es konnte ein Zusammenhang zwischen Eltern, die sich in der Pandemie allein mit ihren Kindern befanden, und dem wahrgenommenen Stress aufgezeigt werden.

Rein formal ist der Satz auch ohne den Relativsatz „die sich in der Pandemie allein mit ihren Kindern befanden“ korrekt formuliert. Ohne den Relativsatz wird aber nur gesagt, dass ein Zusammenhang zwischen Eltern und Stress festgestellt wurde. Die meisten Mütter und Väter werden bestätigen, dass das Elterndasein mit Stress verbunden sein kann, aber die Aussage ist so zu allgemein und entspricht nicht mehr dem, was eigentlich ausgesagt werden soll.

Ähnliches gilt für die Adverbialsätze (Temporalsätze, Lokalsätze, Modalsätze, Begründungssätze usw.). Auch hier gilt: Je nachdem wie wichtig die Adverbialbestimmung für das Verständnis des Ganzsatzes ist, kann ein Adverbialsatz mehr oder weniger gut weggelassen werden.

Das bedeutet auch, dass die Weglassprobe bei der Kommasetzung nicht funktioniert. Auch wenn ein Nebensatz nicht weggelassen werden kann, muss er durch Kommas abgetrennt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Steht das Komma vor „nur wenn“ oder zwischen „nur“ und „wenn“?

Frage

Ich habe eine Frage zur Kommasetzung. Ich habe diesen Satz (etwas gekürzt):

Wählen Sie diese Option nur, wenn die Lampe grün blinkt.

Hier ist das Komma meiner Meinung nach an der richtigen Stelle. Was ist aber mit diesem Satz:

Wählen Sie diese Option, immer wenn die Lampe grün blinkt.

Muss das Komma vor oder nach dem „immer“ stehen? Mich irritiert, dass das Komma einmal direkt vor „wenn“ steht und einmal vor „immer“.

Antwort

Guten Tag Herr R.,

im ersten Satz kann das Komma nur nach „nur“ stehen, weil dieses „nur“ zum übergeordneten Satz gehören muss:

Wählen Sie diese Option nur, wenn die Lampe grün blinkt.
nicht: *Wählen Sie diese Option, nur wenn die Lampe grün blinkt.

Vergleichen Sie die beiden Sätze mit einer geänderten Wortstellung:

Sie können diese Option nur wählen, wenn die Lampe grün blinkt.
nicht: *Sie können diese Option wählen, nur wenn die Lampe grün blinkt.

Hier zeigt ist, dass „nur“ zum übergeordneten Satz gehören muss und nicht zum Nebensatz gehören kann.

Im zweiten Satz sind beide Kommasetzungen möglich, weil „immer“ sowohl zum übergeordneten Satz als auch zum Nebensatz gehören kann:

Wählen Sie diese Option immer, wenn die Lampe grün blinkt.
Wählen Sie diese Option, immer wenn die Lampe grün blinkt.
Vgl.
Sie können diese Option immer wählen, wenn die Lampe grün blinkt.
Sie können diese Option wählen, immer wenn die Lampe grün blinkt.

Andere Beispiele:

Wählen Sie diese Option nie, wenn die Lampe rot blinkt.
nicht: *Wählen Sie diese Option, nie wenn die Lampe rot blinkt.
Vgl.
Sie dürfen diese Option nie wählen, wenn die Lampe rot blinkt.
nicht: *Sie dürfen diese Option wählen, nie wenn die Lampe rot blinkt.

Wählen Sie diese Option jedes Mal, wenn die Lampe grün blinkt.
Wählen Sie diese Option, jedes Mal wenn die Lampe grün blinkt.
Vgl.
Sie sollten diese Option jedes Mal wählen, wenn die Lampe grün blinkt.
Sie sollten diese Option wählen, jedes Mal wenn die Lampe grün blinkt.

Wo das Komma gesetzt wird, wenn in einem Satzgefüge ein Adverb o. Ä. und eine Konjunktion nebeneinanderstehen, hängt davon ab, zu welchem Teilsatz das Adverb gehört. Wenn es zum Nebensatz gehört, steht das Komma vor ihm, sonst hinter ihm. Bei Zweifel kann eine Umstellung des Satzes oder das Einfügen eines Modal- oder Hilfsverbs häufig helfen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn Gedankenstriche und andere Satzzeichen aufeinandertreffen

Frage

Ich habe eine Frage zum Thema „Komma und Gedankenstrich“. Je länger ich auf folgende Sätze starre, desto unsicherer werde ich:

Die Gestaltung des Gartens – der mosaikverzierte Fischteich, das aufwändig angelegte Pflanzenrondell –,(?) beeindruckte ihn.

Thomas, der wieder bei Andrea wohnte – die ebenfalls Grüße bestellte –,(?) kündigte seinen Besuch an.

Ich weiß wirklich nicht, ob nun ein Komma nach dem letzten Strich gesetzt werden muss.

Antwort

Guten Tag Frau G.,

bei Einschüben mit Gedankenstrichen muss zwischen den Satzzeichen, die zum übergeordneten Satz gehören, und den Satzzeichen, die zum Einschub gehören, unterschieden werden.

a) Satzzeichen des übergeordneten Satzes

Bei einem Einschub mit doppelten Gedankenstrichen gilt, dass man die Satzzeichen im übergeordneten Satz gleich setzt, wie wenn der Einschub nicht stünde.

Bei Ihrem ersten Beispielsatz steht kein Komma nach dem Gedankenstrich, weil dort auch ohne Einschub kein Komma stehen würde:

Die Gestaltung des Gartens – der mosaikverzierte Fischteich, das aufwändig angelegte Pflanzenrondell beeindruckte ihn.
vgl.: Die Gestaltung des Gartens beeindruckte ihn.

Beim zweiten Satz folgt direkt nach dem abschließenden Gedankenstrich ein Komma, nämlich das Komma, das auch ohne Einschub geschrieben würde:

Thomas, der wieder bei Andrea wohnte – die ebenfalls Grüße bestellte –, kündigte seinen Besuch an.
vgl.: Thomas, der wieder bei Andrea wohnte, kündigte seinen Besuch an.

Und hier noch zwei weitere Beispiel, in denen Satzzeichen des übergeordneten Satzes nach dem schließenden Gedankenstrich stehen:

Das Problem war – schon zum x-ten Mal –, dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.
vgl.: Das Problem war, dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.

Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –: „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“
vgl.: Dann behauptete er: „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“

Die Satzzeichen des übergeordneten Satzes müssen also immer geschrieben werden. Wie sieht es aus, wenn der Einschub Satzzeichen hat?

b) Satzzeichen am Ende des Einschubes

Fragezeichen und Ausrufezeichen, die zu einem eingeschobenen Zusatz oder Nachtrag gehören, werden vor dem zweiten Gedankenstrich geschrieben:

Unser Geheimnis – du weißt doch noch welches? – bleibt weiterhin unter uns.

Das Problem war – schon wieder! –, dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.

Ein Punkt, der zu einem eingeschobenen Zusatz oder Nachtrag gehört, fällt weg, auch wenn es sich um einen vollständigen Satz handelt:

Die zwölf Punkte aus Zypern gingen auch dieses Jahr – die Festivaltradition will es so  – an Griechenland.

Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –, er habe die Frau noch nie gesehen.

Auch ein abschließendes Komma am Schluss des Einschubs wird nicht geschrieben:

Die Gestaltung des Gartens – vor allem das aufwändig angelegte Pflanzenrondell, in dem exotische Blumen gediehen – beeindruckte ihn.

Thomas, der wieder bei Andrea wohnte – seiner Freundin, die ebenfalls Grüße bestellte –, kündigte seinen Besuch an.

Zusammenfassend

Die Satzzeichen des übergeordneten Satzes werden alle geschrieben, wie wenn es keinen Einschub gäbe. Ein zum Einschub gehörendes Frage- oder Ausrufezeichen wird vor dem abschließenden Gedankenstrich geschrieben. Ein abschließender Punkt oder ein abschließendes Komma am Ende des Einschubes fällt weg.

All dies – und viele weitere Informationen zur Zeichensetzung beim Gedankenstrich! – finden Sie auch auf dieser Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Das Komma in „die Verpflichtung[,] zu helfen und zu heilen“

Frage

Ich habe folgende Frage:

Wir haben als Ärzte die Verpflichtung zu helfen.

Das ist klar: kein Komma, weil kein erweiterter Infinitiv mit „zu“.

Wir haben als Ärzte die Verpflichtung, schnell zu helfen.

Das ist mir auch klar: ein Komma, weil erweiterter Infinitiv mit „zu“.

Jetzt die Frage:

Wir haben als Ärzte die Verpflichtung, zu helfen und zu heilen.

Steht hier nach „Verpflichtung“ ein Komma, wie ich es in der Zeitung gelesen habe?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

Ihre Erklärung zu den ersten beiden Sätzen ist nicht ganz zutreffend. Nach der geltenden Rechtschreibregelungen kann eine Infinitivgruppe mit „zu“ immer durch Kommas abgetrennt werden, auch wenn sie nur aus „zu“ und einem reinen Infinitiv besteht. Es ist also immer richtig, Kommas zu setzen. Die Frage ist vielmehr, wo man das Komma weglassen darf.

In diesem Fall ist die Infinitivgruppe von „Verpflichtung“ abhängig. Wenn eine Infinitivgruppe von einem Substantiv abhängig ist, gilt nach § 75.2 der amtlichen Rechtschreibregelung, dass Kommas gesetzt werden:

der Plan, abzureisen
der Plan, heimlich abzureisen

Wir haben die Verpflichtung, zu helfen.
Wir haben die Verpflichtung, schnell zu helfen.
Wir haben die Verpflichtung, zu helfen und zu heilen.

Nach § 75 E1 können die Kommas hier weggelassen werden, wenn ein bloßer Infinitiv vorliegt und keine Missverständnisse entstehen können. Also auch:

der Plan abzureisen
Wir haben die Verpflichtung zu helfen.

Nun zum Fall, um den es Ihnen eigentlich geht: Man könnte sagen, dass zweimal ein bloßer Infinitiv vorliegt und dass deshalb das Komma auch entfallen kann. Ich interpretiere die Regel aber anders. Wir haben es nicht mit einem bloßen Infinitiv zu tun, sondern mit zwei bloßen Infinitiven und der Konjunktion „und“. Deshalb würde ich das Komma nicht weglassen. Also nur mit Komma:

Wir haben die Verpflichtung, zu helfen und zu heilen.
Sie hat die Fähigkeit, zuzuhören und zu schweigen.
Viele spüren heute die Sehnsucht, zu berühren und zu umarmen.

Und selbst wenn man diese Interpretation nicht teilt, ist gemäß den Rechtschreibregeln das Komma hier jedenfalls nicht falsch.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Plusminus, plus/minus oder plus-minus?

Frage

Mich beschäftigt die Schreibweise „plusminus/plus/minus/plus-minus“. Im Wörterbuch finde ich die Variante „plus/minus“, die mir allerdings recht eigenartig vorkommt. Können Sie helfen?

Antwort

Guten Tag Frau R.,

mit dieser Wendung ist ist in der Regel „plus X oder minus X“, „zwischen plus X und minus X“ gemeint. Am besten kann man sie, wie es in Ihrem Wörterbuch steht, mit Hilfe eines Schrägstrichs zusammenfassen. Der Schrägstrich steht bei zusammengehörenden Wörtern, Abkürzungen, Zahlen usw. Er hat die Bedeutung „und“, „oder“, „bis“ bzw. „pro“.

maximal drei Besucherinnen/Besucher
ein paar Spritzer Zitronen- und/oder Orangensaft
Ein-/Ausgang
die Kollektion Herbst/Winter 2020/21
1000 Einwohner/km²

Entsprechend passt auch hier der Schrägstrich gut:

plus/minus zwei Grad = plus oder minus zwei Grad; zwischen zwei Grad weniger und zwei Grad mehr
eine Schwankung von plus/minus 10 Prozent = eine Schwankung zwischen +10% und -10%

Weiter kommt „plus/minus“ auch noch in dieser Redewendung vor:

plus/minus null = weder mit Gewinn noch mit Verlust, unentschieden

Nebenbei sei noch erwähnt, dass „plus/minus“ eher umgangssprachlich gelegentlich auch mit der Bedeutung „ungefähr“ verwendet wird:

Sie sind plus/minus 10 Jahre alt = ungefähr zehn Jahre alt

Der Genauigkeit halber muss gesagt werden, dass in technischen und mathematischen Bereichen auch die Schreibung „plusminus“ relativ häufig vorkommt. Ich halte sie für nicht in Übereinstimmung mit der Rechtschreibregelung, aber wegen ihrer Häufigkeit würde ich sie zumindest in Fachtexten nicht als wirklich falsch bezeichnen. Ganz so eindeuig, wie ich es Ihnen gerne präsentieren würde, ist die Schreiblage hier also nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Interpunktionsparadies oder Interpunktionsinferno: doppelte und einfache Anführungszeichen am Satzende

Frage

Ich hätte eine Frage zu Zitaten oder wörtlicher Rede innerhalb der wörtlichen Rede und den dazugehörigen Satzzeichen. Folgender Satz enthält eine wörtliche Rede und innerhalb dieser eine weitere zitierte wörtliche Rede:

Sie sagte: »So hat er es immer selbst genannt: ›Bei mir ist die Körpergröße eher Körperkleine.‹«

Ich bin der Meinung, nach dem halben [oder einfachen] Ausführungszeichen müsste auch noch ein Punkt stehen, dann die [doppelten] Anführungszeichen fürs Ende der eigentlichen wörtlichen Rede. Ich bin leider wieder mal nicht fündig geworden und hoffe, Sie können mir helfen.

Antwort

Guten Tag Frau R.,

wenn ein ganzer Satz als zitierte wörtliche Rede innerhalb einer wörtlichen Rede steht und den Gesamtsatz abschließt, steht nur der Schlusspunkt des zuletzt zitierten Satzes:

Sie erwiderte: »So hat er es immer selbst genannt: ›Bei mir ist die Körpergröße eher Körperkleine.‹«

Der Punkt des übergeordneten Zitats und der Punkt des Gesamtsatzes fallen beide weg. Das ergibt sich nicht direkt aus den Angaben der amtlichen Rechtschreibregelung (sie erwähnt diesen Fall nicht ausdrücklich), es ist aber die übliche Interpretation der Regeln.

Wenn die übergeordnete wörtliche Rede weitergeführt wird, fallen der Schlusspunkt des Zitats im Zitat und der Schlusspunkt des Gesamtsatzes weg:

Sie erwiderte: »So hat er es immer selbst genannt: ›Bei mir ist die Körpergröße eher Körperkleine‹, und er hat dabei gelacht.«

Da wir uns schon mit solchen Spitzfindigkeiten der Zeichensetzung herumgeschlagen, hier noch ein paar andere Kombinationen mit verschachtelter direkter Rede, bei denen man sich leicht im »Satzzeichensalat« verlieren kann:

Sie erzählte: »Ich habe ihn nur gefragt: ›Was willst du eigentlich von mir?‹«
Sie erzählte: »Ich habe ihn nur gefragt: ›Was willst du eigentlich von mir?‹, aber er hat nicht geantwortet.«
Sie erzählte: »Ich habe ihn nur gefragt: ›Was willst du eigentlich von mir?‹«, aber das glaube ich ihr nicht.
Hat sie wirklich gesagt: »Ich habe ihn nur gefragt: ›Was willst du eigentlich von mir?‹«?

Dann noch ein paar Beispiele mit zitierten Titeln oder Wortgruppen:

Er behauptete: »Die beste Serie aller Zeiten ist ›Game of Thrones‹.«
Er fragte: »Was hältst du von der Serie ›Game of Thrones‹?«
Hat er wirklich gesagt: »Die beste Serie aller Zeiten ist ›Game of Thrones‹«?
Hast du wirklich gefragt: »Was hältst du von der Serie ›Game of Thrones‹?«?

Er frage: »Was bedeutet ›Quo vadis?‹?«
Sie antwortete: »›Quo vadis?‹ bedeutet ›Wohin gehst du?‹.«
Sie antwortete: »›Quo vadis?‹ bedeutet ›Wohin gehst du?‹, und arbeitete weiter.«

A: »Das steht so bei ›Fragen Sie Dr. Bopp!‹.«
B: »Steht das wirklich so bei ›Fragen Sie Dr. Bopp!‹?«

Und wenn die Satzzeichen bei Ihnen jetzt wie bei mir anfangen, auf dem Bildschirm herumzuschwirren, verstehen Sie, warum man solche Sätze sich selbst zuliebe auch anders formulieren darf.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp