Hat der Hund mich oder mir in den Fuß gebissen?

Eine regelmäßig vorkommende Frage ist, ob man jemanden oder jemandem an den Haaren zieht, auf die Schulter klopft, in die Hand sticht, auf den Fuß tritt, in die Wade beißt usw.

Frage

Mich würde interessieren, ob man sagt: „Der Hund hat mich in den Fuß gebissen“ oder „Der Hund hat mir in den Fuß gebissen“?

Antwort

Guten Tag L.,

beide Formulierungen sind richtig:

Der Hund beißt mich in den Fuß.
Der Hund beißt mir in den Fuß.

Bei Konstruktionen mit einem Verb, das im weiteren Sinne ein Berühren ausdrückt, und einem Körperteil, der als Adverbialbestimmung den Ort der Berührung angibt, kann häufig sowohl der Dativ als auch der Akkusativ stehen. Zum Beispiel:

Er zog mir/mich an den Haaren.
Die Wespe stach ihm/ihn in die Hand.
Er klopfte seinem/seinen Freund auf die Schulter.
Hast du dir/dich in den Finger geschnitten?
Sie hat ihr/sie ins Schienbein getreten.

Wenn man den Akkusativ verwendet, ist mich das Akkusativobjekt zu beißen. Wenn man den Dativ verwendet, ist mir ein Dativ, der angibt, zu wessen „Ungunsten“ das In-den Fuß-Beißen geschieht resp. in wessen Fuß da gebissen wird. Es ist ein Dativ wie derjenige, den man verwendet, wenn ein Sohn seinem Vater einen Kratzer ins Auto macht, die Katze ihrem Frauchen das Sofa zerkratzt oder ein Mädchen dem kleinen Bruder heimlich Salz in den Sirup schüttet.

Wie so oft muss ich auch hier davor warnen, dies als strikte Regel anzusehen. So drücken zum Beispiel die Verben küssen und streicheln eine Berührung aus, deren Ziel ein Körperteil sein kann. Dennoch ist bei ihnen fast nur der Akkusativ beziehungsweise der Dativ üblich:

Sie küsste ihn auf die Wange.
Sie streichelte ihm über die Wange.

Da das Wetter es wieder einmal zulässt, werde ich mir noch ein Gläschen unter freiem Himmel genehmigen – und dabei aufpassen dass mir/mich keine Wespe in den Mund sticht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Es schneit

Es schneit wieder einmal. In den vergangenen Jahren wurde die kalte Jahreszeit vor allem in tieferen Lagen ihrem Namen oft nicht gerecht, aber nun wintert es richtig, wie es sich gehört. Wenn Sie nun vermuten, dass ich beim heutigen Schneefall etwas über Skirennen, globale Erwärmung oder verspätete Züge schreibe, täuschen Sie sich. Mir ist das Wörtchen es aufgefallen. Es geht also um das es in zum Beispiel:

Es schneit.
Es wintert.
Es geht also um …

Wahrscheinlich wissen viele, dass dieses es ein sogenanntes unpersönliches es ist. Es gibt nichts und niemanden, der oder das schneien, wintern oder in diesem Sinne um etwas gehen würde. Dieses es hat also weder Inhalt noch Bedeutung. Wozu dient es denn, wenn es nichts bedeutet?

Das unpersönliche es hat mit dem Satzbau des Deutschen zu tun. Es gibt verschiedene Regeln, wie ein grammatisch korrekter deutscher Satz auszusehen hat. Einige dieser Regeln sind sehr stark, andere wiederum sind eher schwache Tendenzen. Eine sehr starke Regel lautet, dass ein Satz ein konjugiertes Verb und ein Subjekt haben muss, nach dem sich die Verbform richtet. Diese Regel ist so stark, dass wir ein völlig inhaltsleeres Wörtchen benutzen müssen, nur damit sie eingehalten wird. Auch wenn wir beim besten Willen nicht bestimmen können, wer oder was schneit, können wir nicht einfach das Subjekt weglassen. Nein, wir müssen ein es einfügen, weil es nun einmal keine subjektlosen Sätze geben darf.

Nun könnte man meinen, dass dies wieder so etwas typisch Deutsches sei: eine Regel, die so streng gehandhabt wird, dass man sogar Wörter für nicht Bestehendes bemüht, nur um sie einhalten zu können. Das Klischee stimmt aber insofern nicht, als das Deutsche hier unter den europäischen Sprachen nicht allein steht. Während zum Beispiel das Italienische und Spanische ohne die Nennung eines Subjekts auskommen,

Nevica.
Está nevando.

muss man z. B. im Englischen, Französischen, Niederländischen und Schwedischen wie im Deutschen ein unpersönliches Wörtchen für das Subjekt verwenden:

It is snowing.
Il neige.
Het sneeuwt.
Det snöar.

Im Weiteren gibt es „sogar“ im Deutschen Ausnahmen zu dieser Muss-Regel: Wenn man gewisse intransitive Verben im Passiv verwendet, stehen sie manchmal ganz ohne Subjekt. Nicht einmal ein es ist in ihnen zu finden:

Dem Manne kann geholfen werden.
Überall wird gelacht und gesungen.

Hier zeigt sich wieder einmal mehr, dass das Deutsche gar nicht so streng und strikt ist: keine Regel ohne Ausnahme. Mehr zum Wörtchen es finden Sie hier. Ich werde jetzt geeignetes Schuhwerk für einen Spaziergang durch den Schnee anziehen. Inzwischen hat es nämlich aufgehört zu schneien.

Was „ein Buch geschenkt bekommen“ mit „eine geklebt kriegen“ zu tun hat

Gestern fiel mir in einem älteren Film eine Drohung auf, die ich schon länger nicht mehr gehört hatte: „Gleich kriegst du eine geklebt!“ Sie hat mich an eine Frage erinnert, die M. schon vor einiger Zeit gestellt hatte:

Frage

Ich lese soeben von dem sogenannten Dativpassiv: etwas geschenkt bekommen oder geholfen bekommen. Letzteres klingt total falsch. Ersteres ist meinen Ohren gar nicht mal so suspekt […] Ist Ihnen das Dativpassiv ein Begriff?

Antwort

Guten Tag M.,

den Begriff Dativpassiv kenne ich eher als bekommen-Passiv. Ich habe mich aber nie eingehend damit beschäftig. Ich kenne das bekommen-Passiv im Zusammenhang mit Alternativen zum „normalen“ Passiv. Es kann mit bekommen, erhalten und kriegen gebildet werden.

Ich habe ein Buch geschenkt bekommen.
Sie erhalten das Formular per Post zugeschickt.
Du kriegst gleich eine geklebt!

Normalerweise muss das Hauptverb mit einem Dativ und einem Akkusativ verbunden sein, wobei der Dativ eine Person und der Akkusativ eine Sache bezeichnet. Dies ist bei Ich bekomme ein Buch geschenkt der Fall: jemandem (Dativ) etwas (Akkusativ) schenken. Die Formulierung kommt Ihnen deshalb auch vertraut vor. Die gleiche Verteilung von Dativ und Akkusativ findet sich auch bei jemandem etwas zuschicken und jemandem eine kleben.

Anders sieht es bei geholfen bekommen aus. Das Verb helfen hat zwar einen Dativ der Person, aber der Akkusativ fehlt (jemandem helfen). Die Formulierung Ich bekomme geholfen klingt deshalb auch in meinen Ohren falsch. Hier kann man nur das werden-Passiv verwenden: Mir wird geholfen.

Das bekommen-Passiv gilt bis auf wenige Ausnahmen wie etwas geschenkt bekommen und ein Schreiben zugeschickt erhalten als umgangs- oder regionalsprachlich. So sind zum Beispiel Er hat sein Auto repariert bekommen und Du kriegst gleich eine geklebt nur umgangssprachlich akzeptabel.

Sehen Sie hierzu auch diese Angaben in der CanooNet-Grammatik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Daten vom Laptop auf den Klapprechner migrieren

In der vergangenen Woche gab es in diesem Blog recht wenig zu lesen. Das lag unter anderem daran, dass ich einen neuen Rechner erhalten habe; so einen schönen metallfarbenen mit einem Apfel auf dem Deckel (ich will ja keine Reklame machen). Einen solchen tragbaren Rechner, den man auf- und zuklappen kann, nennt man im Allgemeinen einen Laptop oder ein Notebook. Mit dem neuen Gegenstand kamen neue Wörter auf, denn das Ding musste ja einen Namen haben. Nun sind weder der tragbare Rechner noch sein Name wirklich neu: Laptop und Notebook stehen schon in vielen deutschen Wörterbüchern. Die beiden Wörter sind klassische Beispiele dafür, wie neue Wörter in eine Sprache aufgenommen werden: Ein neues Phänomen taucht auf und muss benannt werden. Oft wird dabei wie in diesem Fall der Name von dort übernommen, wo das Phänomen herkommt.

Es gibt Leute, die es schade, schädlich oder sogar schändlich finden, dass zurzeit so viele neue englische Wörter aufkommen. Der Verein Deutsche Sprache will dieser Tendenz entgegenwirken, indem er unter anderem deutsche Übersetzungen oder Entsprechungen für „unnötige“ Anglizismen vorschlägt. Die meisten dieser Vorschläge sind zwar gut gemeint, haben aber meiner Meinung nach keine allzu großen Überlebenschancen. Die Sprachgemeinschaft lässt sich in der Regel nichts aufdrängen. Anders als viele der bekritisierten Anglizismen haben es, wenn überhaupt, nur sehr wenige der Gegenvorschläge in ein Wörterbuch geschafft.

Ein Vorschlag aber hat es mir angetan. Für Laptop und Notebook schlägt der VDS Klapprechner vor. Auch dieser Vorschlag ist nicht mehr ganz taufrisch, aber ich möchte ihn Ihnen doch noch einmal vorlegen, weil das Wort so schön ist. Es klingt gut und bezeichnet genau das, was ein Laptop ist: ein Rechner den man auf- und zuklappen kann. Schoßcomputer oder Mobilrechner können mich nicht begeistern, aber Klapprechner verdient es, in die deutsche Sprache aufgenommen zu werden. Deshalb will ich den VDS mit diesem Aufruf für einmal in seinem Bestreben unterstützen: Wenn Sie alle dieses Wort von jetzt an in Wort und Schrift verwenden, kann Klapprechner vielleicht schon bei der nächsten oder übernächsten Datenaktualisierung im CanooNet-Wörterbuch aufgenommen werden!

Neben diesen sofort als neu erkennbaren Wörtern, gibt es noch viel subtilere neue Wörter. Ein solches habe ich beim Übertragen der Daten vom alten auf den neuen Rechner entdeckt: migrieren. Dieses Verb gibt es fachsprachlich im Deutschen schon lange: Tierische Parasiten migrieren von einem Wirt auf den anderen; Erdöl oder Erdgas migriert vom Mutter- ins Speichergestein; halb Europa migrierte während der Völkerwanderungen von einem Ort zum anderen. In all diesen Anwendungen bedeutet migrieren so etwas wie wandern. Wie wandern ist es ist ein intransitives Verb, das heißt, es hat kein Akkusativobjekt (man kann nicht fragen: wen oder was migrieren?).

Beim Übertragen der Daten und Einstellungen habe ich festgestellt, dass man diesen Vorgang Migration nennt. Die Daten werden migriert. Man migriert die Daten. Das Erstaunliche und Neue daran ist, dass migrieren ein transitives Verb geworden ist: „Wen oder was migriert man?“ Hier hat sich ein neues Verb mit einer neuen Bedeutung und einer neuen Konstruktion „eingeschlichen“. Da es unter dem Deckmantel eines bestehenden Verbs auftritt, bemerkt man diesen Neuankömmling nämlich kaum. Es könnte sogar ein Anglizismus sein.

Neue Wörter können also in verschiedenster Weise auftauchen. Drei Beispiele haben wir gesehen: der Direktimport bei Laptop und Notebook, die Übersetzung oder Neuschöpfung bei Klapprechner und die Wiederverwendung von bestehendem Material mit neuer Funktion bei migrieren. Was man nicht alles entdeckt, wenn man Daten vom alten Laptop auf den neuen Klapprechner migriert!

Autos als Lebensinhalt und Deutschland als Weltmeisterin

Es geht hier nicht um die Frage, ob die Deutschen ihr Auto mehr lieben als der Rest der Welt.

Frage

Wie erklärt der Sprachwissenschafler das Besondere folgender Opel-Werbung: „Wir leben Autos“ (FAS 13.9.09)? Wodurch entsteht grammatikalisch die Wirkung? Und wie ist es bei der folgenden Mercedes-Werbung: „Deutschland ist Weltmeisterin“ (FAZ 12.9.09)?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

beide Werbesprüche haben das wichtigste Ziel erreicht: Sie fallen auf. Das beweisen nur schon Ihre Frage und meine Antwort. Doch wie fallen Sie auf? Am besten fällt man auf, indem man abweicht. In beiden Werbeslogans steht eine Formulierung, die vom normalen Sprachgebrauch abweicht.

Wir leben Autos

In der Opelwerbung fällt die Verwendung des Wortes Autos als Akkusativobjekt bei leben auf. Normalerweise sagt man einfach leben, gut leben, an einem Ort leben, für etwas leben, von etwas leben, mit etwas leben usw. usw. Man sagt praktisch nie etwas leben. Dies ist nur üblich, wenn es um Begriffe geht, die man durchleben, vorleben oder im Leben praktizieren kann. Zum Beispiel: ein einfaches Leben leben, Demokratie leben, seinen Glauben leben, seine eigene Geschichte leben u. Ä. Es geht also um abstrakte Begriffe. Autos hingegen sind konkrete Dinge, die man im Prinzip nicht leben kann. Durch den Werbeslogan wird etwas Konkretes wie Autos zu etwas Abstraktem, zu so etwas wie einer Weltanschauung, einem Lebensinhalt. Das fällt auf.

Deutschland ist Weltmeisterin

Der Mercedes-Slogan knüpft an den Weltmeistertitel der deutschen Fußballfrauen an. Mercedes-Benz war ja der Generalsponsor der deutschen Frauen-Fußballnationalelf. Hier fällt auf, dass die weibliche Form Weltmeisterin sich auf Deutschland bezieht. Man kann sich zwar mit weiblichen Personenbezeichnungen auf eine Sache, Institution usw. beziehen, aber das ist nur dann möglich, wenn es sich um ein weibliches Wort handelt:

Antragstellerin ist die Universität
Die Firma AX ist Lieferantin des Produktes.

Bei männlichen und sächlichen Wörtern ist dies im Prinzip nicht möglich. Trotzdem bezieht sich im Mercedes-Slogan die weibliche Personenbezeichnung Weltmeisterin auf das sächliche Wort Deutschland. Obwohl es Frauen waren, die den Weltmeister(innen)titel errungen haben, ist das grammatisch gesehen eigentlich falsch und fällt deshalb entsprechend auf.

Sehen Sie hierzu auch diesen und diesen älteren Blogeintrag.

Werbesprüche können also mit Hilfe „grammatischer Vergehen“ auffallen und dadurch wirkungsvoll sein. Bei Opel und Mercedes hat das jedenfalls insofern gut funktioniert, dass die Markennamen einige Male in diesem Blog genannt werden …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Sich von jemandem scheiden – lassen

Frage

Man hört immer häufiger: „Ich scheide mich von dir!“ Ist dies einfach nur bedauerlich oder auch grammatikalisch falsch? Kann man sich also aktiv von jemandem scheiden oder muss man sich scheiden lassen?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

wenn es um eine Ehescheidung geht, ist die scheidende Instanz (= das Subjekt der Verbhandlung) eine Richterin, ein Richter, das Gericht o. Ä. Man kann deshalb in der deutschen Sprache nicht sagen: „Ich scheide mich von dir!“ Das würde bedeuten, dass man die Scheidung selbst aussprechen kann. Man kann es natürlich versuchen, aber eine solche Scheidung ist noch nicht einmal dann rechtsgültig, wenn ein Richter seine eigene Ehe in dieser Weise beenden will.

Wenn man seinem Gatten oder seiner Gattin eine Ehescheidung ankündigt, stehen einem eine Reihe anderer, korrekter Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung. Zum Beispiel:

Ich lasse mich von dir scheiden.
Ich will von dir geschieden werden.
Ich reiche die Scheidung ein.
Du hörst noch von meinen Anwalt.

Man kann im Deutschen auch sagen: „Ich scheide von dir.“ Das bedeutet aber nicht, dass eine Ehescheidung ansteht, sondern nur, dass man jemanden verlässt, bei jemandem weggeht. Außerdem klingt diese Formulierung recht veraltet oder sehr gehoben. Auch sich scheiden gibt es, aber dann geht es zum Beispiel um Wege, die sich scheiden, oder um einen Meeresstrom, der sich in mehrere Arme teilt.

Die richtige Formulierung lautet also: „Ich lasse mich von dir scheiden!“ Auch eine grammatisch korrekte Ausdrucksweise macht aber leider eine Scheidung kein bisschen einfacher.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Willkommen „zu“ meiner Webseite?

Frage

In letzter Zeit fällt mir immer öfter das Wort zu im Zusammenhang mit willkommen auf. Heißt es tatsächlich willkommen zu meiner Webseite? Und heißt es willkommen bei der Eröffnung oder auf der Eröffnung? Wann benutze ich auf, bei oder zu und gibt es dazu eine Regel?

Antwort

Sehr geehrte Frau O.,

auch meine Ohren stören sich an der Formulierung willkommen zu meiner Webseite. Woran könnte das liegen? Eine genaue Regel zu dieser Frage kenne ich nicht, aber im Allgemeinen kann ich die folgenden Tendenzen beobachten:

Wenn man an einem Ort willkommen geheißen wird, wählt man die Präposition, die man bei der betreffenden Ortsbezeichnung auf die Frage wo? verwendet:

willkommen in Innsbruck (wo? – in Innsbruck)
willkommen auf dem Reiterhof
willkommen am Niederrhein
willkommen bei Canoo
Seid hoch willkommen unter meinem Dach! (Schiller: Willhelm Tell, 1. Akt, 4. Szene)

Man wählt zu, wenn man jemanden zu einem Geschehen, einem Ereignis u. Ä. willkommen heißt:

willkommen zur Eröffnung der Ausstellung
willkommen zur Konferenz
willkommen zum 60. ordentlichen Kreisparteitag
willkommen zu unserem Gartenfest

Hier sind auch andere Formulierungen möglich. Zum Beispiel:

willkommen bei der Eröffnung der Ausstellung
willkommen bei der Konferenz
willkommen auf unserem Gartenfest

Formulierungen wie die folgenden klingen deshalb nicht richtig, weil es sich nicht um ein Ereignis oder Geschehen, sondern (im weiteren Sinne) um einen Ort handelt:

willkommen zu meiner Webseite
willkommen zur Homepage der Familie X
willkommen zur Firma Y
willkommen zum Hotel California

Viel besser klingt:

willkommen auf meiner Webseite
willkommen auf der Hompage der Familie X
willkommen bei der Firma Y
willkommen im Hotel California

Das gilt auch dann, wenn die Homepage dynamisch so gut durchdesignt ist, dass sich alles auf ihr irgendwie bewegt. Es gilt auch trotz der Tatsache, dass die Eagles singen „Welcome to the Hotel California“. Letzteres soll nur ein leiser Hinweis darauf sein, dass viele der weniger gut klingenden willkommen zu dem Einfluss des Englischen zuzuschreiben sein könnten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Jemanden oder jemandem das Leben kosten?

Frage

Ich bin irritiert. Ich habe mir vor einigen Tagen ein Magazin gekauft. Die Artikel sind toll, leider habe ich einige grammatische Fehler gefunden. Ein Beispiel:

Dass die Archäologen etwas übersehen hatten, kam erst Monate später ans Licht, als es mehrere Menschen das Leben kostete.

Muss es nicht vielmehr folgendermaßen lauten:

Dass die Archäologen etwas übersehen hatten, kam erst Monate später ans Licht, als es mehreren Menschen das Leben kostete.

Google findet zum Suchbegriff „mehrere Menschen das Leben kostete“ vier Ergebnisse und zum Suchbegriff „mehreren Menschen das Leben kostete“ vierundzwanzig Ergebnisse. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Mehrheit ist für „mehreren Menschen das Leben kostete“.

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

ich weiß nicht, ob Ihr Magazin an anderer Stelle grammatikalische Fehler enthält, aber in diesem Fall stimmt die Formulierung. Das Verb kosten gehört zu den wenigen Verben, die mit einem doppelten Akkusativ stehen:

Das kostet dich einen Euro.
Das kostet mich nur eine kleine Mühe.
Die Umfrage kostet Sie höchstens fünf Minuten Zeit.

In diesen Fällen kann die Bedeutung von kosten wie folgt umschrieben werden: „von jemandem einen bestimmten Preis fordern”. Das Verb kosten kann auch „jemanden um etwas bringen“ bedeuten. Auch dann steht es mit zwei Akkusativen:

Es kostete mehrere Menschen das Leben.
Das kostete das Team den Sieg.

In dieser zweiten Bedeutung wird aber – wie Sie ja auch festgestellt haben – häufig auch der Dativ verwendet:

Es kostet mehreren Menschen das Leben.
Das kostete dem Team den Sieg.

Achtung: Strengere Grammatiker behaupten, diese Konstruktion sei falsch. Sie kommt aber recht häufig vor und wird zum Beispiel auch im Duden und im DWDS erwähnt. Ich finde deshalb, dass auch die Formulierungen mit dem Dativ als korrekt anzuschauen sind. Sehen Sie hierzu auch die entsprechende Grammatikseite auf Canoonet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Soll man sich auf oder über etwas freuen?

Es ist vielleicht keine besonders originelle Frage, aber sie wird oft von Deutschlernenden gestellt. Und als Muttersprachige haben wir dann spontan ein kleines Problem: Es gibt eindeutig einen Unterschied, aber wie erkäre ich ihn?

Frage

Wie heißt es richtig: Wir freuen uns über Ihre Nachricht oder Wir freuen uns auf Ihre Nachricht?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

ob man sich auf etwas oder über etwas freut, hängt davon ab, was gemeint ist. Der Unterschied zwischen sich freuen über und sich freuen auf lässt sich relativ einfach mit dem Zeitpunkt erklären, zu dem das Sichfreuen stattfindet. Das klingt relativ kompliziert, aber mit Hilfe einiger Beispiele sollte es einfacher werden:

Wenn man sich auf etwas freut, dann weiß man, dass es geschehen wird, aber es hat zum Zeitpunkt, an dem man sich freut, noch nicht stattgefunden. Man empfindet Vorfreude:

  • Ich freue mich auf deinen Besuch.
    Der Besuch ist angekündigt, muss aber noch stattfinden.
  • Ich freue mich auf die Geburtstagsgeschenke.
    Ich habe die Geschenke noch nicht erhalten.

Wenn man sich über etwas freut, dann hat es zum Zeitpunkt, an dem man sich freut, bereits stattgefunden oder findet dann gerade statt:

  • Ich freue mich über deinen Besuch.
    Der Besuch findet gerade statt.
  • Ich freue mich über die Geburtstagsgeschenke.
    Ich habe die Geschenke bereits erhalten.

Für Ihre Beispielsätze bedeutet dies:

  • Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.
    Wir habe die Nachricht noch nicht erhalten, nehmen aber an, dass wir sie erhalten werden. Wir empfinden Vorfreude.
  • Wir freuen uns über Ihre Nachricht.
    Wir haben die Nachricht bereits erhalten. Sie bereitet uns Freude.

Für die Liebhaber der gehobenen Sprache hält das Deutsche noch eine dritte Variante bereit: Neben sich über etwas freuen kann man auch sich einer Sache freuen sagen. Zum Beispiel:

Wir freuen uns des sonnigen Wetters.
Ich freue mich Ihres Besuches, meine liebe Komtess.
Freut euch des Lebens!
(ein Volkslied)

Auch wenn das Deutsche nicht des Genitivs verlustig gehen sollte, empfehle ich Deutschlernenden und eigentlich auch Muttersprachigen diese Form nur dann zu verwenden, wenn man höhere literarische Ambitionen hat, regelmäßigen Umgang mit Komtessen und Grafen der alten Schule pflegt oder das erwähnte Volkslied singt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kann ich Sie zurückrufen?

Frage

Ich muss öfter Telefonnotizen schreiben. Dabei kommt es häufig zu folgender Formulierung: Frau R., bitte Herrn P. zurückrufen/zurück rufen. Welche Schreibweise ist die Richtige?

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

man schreibt zurückrufen auch im Sinne von bei jemandem wieder anrufen, der angerufen hat zusammen: bitte zurückrufen.

Etwas anderes ist, dass man im Standarddeutschen in diesem Sinne eigentlich nicht jemanden zurückrufen kann. Nach zum Beispiel Duden und Wahrig verwendet man zurückrufen in dieser Bedeutung nur ohne Ergänzung:

Frau R., Herr P. hat angerufen, bitte zurückrufen.

Andere Formulierungen:
Frau R., Herr P. bittet um Rückruf.
Frau R., bitte Herrn P. anrufen.

Wendungen wie Frau R., bitte Herrn P. zurückrufen oder Kann ich Sie in 10 Minuten zurückrufen? gelten als umgangssprachlich oder als „Jargon im Bürowesen“. Sie werden allerdings häufig und auch außerhalb des Bürowesens verwendet. Wenn Sie also ein eher ungezwungenes Verhältnis zu Ihren Kollegen und Kolleginnen haben, ist eine als umgangssprachlich geltende Formulierung aus dem Jargon sicher nicht völlig fehl am Platz. Und wenn Sie jemand deswegen kritisiert, sind Sie jetzt gewappnet.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp