Pfingsten, Pentecôte, Pentecost

Wie man an verschiedenen Orten einfach nachlesen kann, kommt das Wort Pfingsten über einige Ecken und „unpräzise“ Aussprachen vom griechischen pentēkostē (hēméra) = fünfzigster (Tag). Diesen Ecken und Ausspracheveränderungen ist zu verdanken, dass man fast nicht mehr sehen kann, dass unser Pfingsten eng mit den Namen verwandt ist, die dieser Feiertag in anderen Sprachen trägt:

frz. Pentecôte
ital. pentecoste
span. Pentecostés
engl. Pentecost, Whitsuntide, Whitesunday

Beim Englischen hört die Gemeinsamkeit aber schnell wieder auf, denn der Weiße Sonntag bezeichnet im Deutschen einen anderen Sonntag als der Whitesunday im Englischen.

Ähnlich „schludrig“ wie bei unserem Pfingsten ging es auch in anderen germanischen Sprachen zu:

nl. Pinksteren
schwed. Pingst
norw./dän. Pinse

Wie dem auch sei: Ich wünsche schöne, geruhsame und möglichst staufreie Pfingsttage!

Genuszuteilung: warum der Superlativ und das Diminutiv?

Frage

Kennen Sie eine Erklärung dafür, dass es bspw. „der Superlativ“ heißt, aber nicht „der Diminutiv“, sondern „das Diminutiv“? Mir kommt hier die Zuordnung unterschiedlicher grammatischer Geschlechter unlogisch vor.

Antwort

Guten Tag Herr Z.,

diese Substantive sind eine besondere Art substantivierte Adjektive. Sie wurden aus dem Lateinischen übernommen, wo sie als Adjektiv zu einem bestimmten Substantiv gehören. Häufig wird das Geschlecht des betreffenden Substantivs auf das substantivierte Adjektiv übertragen:

(casus [m.]) nominativus → der Nominativ
(modus [m.]) coniunctivus → der Konjunktiv
(gradus [m.]) superlativus → der Superlativ

(nomen [n.]) substantivum → das Substantiv
(pronomen [n.]) reflexivum → das Reflexiv
(nomen [n.]) diminutivum → das Diminutiv

Die weiblichen Substantive auf -ative kommen vielfach aus dem Französischen. Auch hier kann man in der Ursprungssprache häufig ein (in diesem Fall weibliches) Wort hinzudenken, nach dem sich die Form und das Wortgeschlecht der Substantivierung richtet:

(la proposition [f.]) alternative → die Alternative
l’initiative [f.] → die Initiative
(l’assemblée [f.] ) législative → die Legislative

Ganz unlogisch und willkürlich ist die Zuteilung des Genus bei Wörtern dieser Art also nicht. So einfach oder eben komplex kann die Wortgeschichte sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Von Rumkugeln und Jamaikanern

Frage

Warum heißen Rumkugeln heutzutage Jamaicaner?

Antwort

Guten Tag J.,

Rumkugeln heißen vielerorts auch heute noch einfach Rumkugeln. Andere Bezeichnungen wie Streuselkugeln oder Jamaikaner kommen aber auch vor. Eine eindeutige Antwort, warum das so ist, muss ich Ihnen schuldig bleiben. Es gibt (mindestens) zwei Erklärungsmöglichkeiten:

Wenn die Rumkugeln Rum enthalten, kann Jamaikaner ein Kurzname für (echte) Jamaika-Rumkugeln sein. Dabei ist mit Jamaika-Rumkugeln gemeint, dass die Rumkugeln mit echtem Jamaika-Rum gemacht wurden.

Wenn die Kugeln keinen Rum enthalten, kann die Bezeichnung Jamaikaner genau aus diesem Grund gewählt worden sein. Ohne Rum ist eine Rumkugel ja eigentlich keine Rumkugel. Mit der Bezeichnung Jamaikaner (oder einem anderen „rumlosen“ Namen) wird nicht oder weniger stark der Eindruck geweckt, dass die Kugeln Rum enthalten.

Ich vermute, dass häufig die zweite Erklärung zutrifft. Nach dem deutschen Jugendschutzgesetz dürfen nämlich Rumkugeln mit mehr als einem Prozent Alkohol nicht an Jugendliche verkauft werden. Um diese Hürde zu umgehen, wird auf alkoholfreie Varianten (mit oder ohne Rumaroma) ausgewichen, die dann eigentlich einen anderen Namen tragen sollten.

Wenn Sie genau wissen wollen, ob die Süßigkeit Rum, Rumaroma oder keines von beidem enthält, informieren Sie sich am besten vor dem Kauf. Am besten schmecken meiner Meinung nach „natürlich“ die echten Rumkugeln (vorausgesetz, man hat das jeweils geltende gesetzliche Mindestalter erreicht …).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Gewöhnlich, gemein, ordinär und vulgär

Wörter können im Laufe der Zeit eine andere Bedeutung annehmen. Das kommt interessanterweise vor allem bei negativ beladenen Wörtern vor (Bedeutungsverbesserung ist seltener als Bedeutungsverschlechterung). Letzthin sind mir die beiden Wörter ordinär und vulgär wieder einmal aufgefallen.

Dank dem bisschen Latein, das mir noch aus frühen Schulzeiten geblieben ist, weiß ich, dass ordinär auf ordinarius zurückgeht, das die Bedeutung ordentlich, regelmäßig, gewöhnlich hatte (ein Blick ins Wörterbuch Latein zeigt, dass es sogar vorzüglich bedeuten konnte). Das Wort vulgär kommt weit zurück ebenfalls aus dem Lateinischen (vulgarius), wo es gewöhnlich, alltäglich, allgemein bedeutete. Es gehört zum Substantiv vulgo = Volksmasse, breite Masse, einfaches Volk.

Beide Wörter hatten also ursprünglich die Bedeutung gewöhnlich. Im heutigen Sprachgebrauch sind aber ordinäre Scherze oder ordinäre Personen nicht mehr gewöhnlich, sondern unfein und unanständig. Vulgäre Witze und vulgäre Menschen sind erst recht nicht gewöhnlich oder allgemein, sondern „auf abstoßende Weise derb und ordinär“.

Das gleiche Los war dem Wort gemein beschieden: Heute bedeutet es vor allem niederträchtig und unverschämt. Ursprünglich war seine Bedeutung u. a. gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich. Das kann man noch in gemeinsam, gemeinschaftlich und allgemein oder Gemeinde und Gemeinbesitz erkennen. Auch die Gemeine Stubenfliege und die Gemeine Grasnelke sind weder niederträchtig noch besonders unverschämt, sondern einfach gewöhnliche Vertreterinnen ihrer Art. (Die Stubenfliege kann allerdings häufig sehr nervig und unverschämt sein, aber sie hat ihren Namen nicht dieser Eigenschaft zu verdanken.)

Die Wörter ordinär, vulgär und gemein erhielten ihre negative Bedeutung, weil gewöhnlich oft als nicht gut genug oder nicht wertvoll genug gilt. Diese negative Nebenbedeutung wird dann im Laufe der Zeit zur Hauptbedeutung. Das passiert – wenn man genauer hinschaut – auch schon mit dem Wort gewöhnlich: Wenn von der neuen Freundin oder einem Heiratsakandidaten gesagt wird, sie bzw. er sei schon etwas gewöhnlich, ist das je nach Spitzzüngikeit der beurteilenden Person ein leicht negatives bis absolut vernichtendes Urteil. Gewöhnlich wird eben oft als nicht gut genug empfunden.

Fronleichnam

Heute haben viele in katholischen Gebieten frei. Man feiert Fronleichnam zum Gedenken der wirklichen Gegenwart Christi bei der Eucharistie. Man möge mir bitte verzeihen, falls ich dies nicht ganz richtig formuliere. Da ich weder aus katholischem Haus komme noch aus einer katholischen Region stamme und auch jetzt nicht in einem katholischen Gebiet wohne, ist mir dieser Feiertag eigentlich mehr oder weniger unbekannt. Ich habe heute auch keinen freien Tag. Erst wenn es hier an einem Donnerstag nach Pfingsten zu ungewöhnlichen Staus kommt und die Läden besonders voll sind, dämmert es mir jeweils: Das muss ein katholischer Feiertag sein. Heute ist dies, wie gesagt, Fronleichnam.

Um meine Unwissenheit wenigstens ein bisschen zu reduzieren, wollte ich wissen, woher dieser ungewöhnliche Name stammt. Ich kenne Fron nur im Zusammenhang mit Fronarbeit und Frondienst, also der Arbeit, die Bauern oder Leibeigene ihren Grundherren oder Feudalherren schuldig waren. Leichnam ist ein schönes Wort mit der Bedeutung Leiche, toter Körper. Da dies kaum die Bedeutungen sein können, die zusammen den Namen für dieses Kirchenfest ergeben, musste ich weitersuchen.

Der Name ist schon alt und stammt aus der Zeit, in der man das Fest zu feiern begann (seit dem 13. Jh.). Das Wort vron war eigentlich ein Adjektiv und bedeutete den geistlichen oder weltlichen Herrn betreffend, ihm gehörend. Das erklärt die Begriffe Fronarbeit und Frondienst: Arbeit bzw. Dienst für den Herrn. Das Wort Leichnam (bzw. sein Vorläufer) bezeichnete ursprünglich nicht nur den toten, sondern bis ins 17 Jahrhundert auch den lebenden Körper (wie heute noch niederländisch lichaam, isländisch líkami, norwegisch u. dänisch legeme). Kurz zusammengefasst: Fronleichnam bedeutet des Herren Körper. Und genau dies wird ja gefeiert: die wirkliche Gegenwart des Leibes (und Blutes) Christi bei der Eucharistie.

Wer frei hat, genieße den freien Tag! Und wer arbeitet, aber dies „trotzdem“ gelesen hat: Wieder etwas dazugelernt!

Zur Wortgeschichte siehe hier und hier.

Das Wort „tätowieren“ – eine englisch-französische Koproduktion aus Polynesien

Man sieht es immer Sommer noch besser als jetzt: Tätowierungen sind allgegenwärtig. Dennoch scheinen Fremdsprachige – auch wenn sie viel mit der deutschen Sprache zu tun haben – den Wörtern tätowieren und Tätowierung kaum je bewusst zu begegnen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Tätowierung heute vor allem Tattoo heißt und man sich nicht tätowieren, sondern ein Tattoo stechen lässt. Auch im Straßenbild sieht man selten etwas mit Tätowierung oder Tätowierstudio, sondern vor allem Tattoo-Shops und Tattoo-Studios.

Wie komme ich darauf: Ich wurde gefragt, was das deutsche Wort für to tattoo ist. Darüber wunderte ich mich leicht, denn ich hätte erwartet, dass dies dem Fragesteller mit seinen so guten Deutschkenntnissen bekannt ist. Noch mehr gewundert habe ich mich aber über die erste, leicht ungläubige Reaktion: „Mit ä und w?!“ Fremdsprachige stellen oft die besten Fragen. Ich hatte keine Ahnung, wie dies zu erklären ist. Inzwischen habe ich in die etymologischen Wörterbücher (vgl. hier) geschaut und Folgendes gefunden:

Dem Wort tätowieren liegt das polynesische Wort tatau für tätowieren und Tätowierung zugrunde. Dieses Wort gelangte mit den Engländern unter der Form tattow (heute: tattoo) nach Europa. Die englische Aussprache des a in tattow könnte den Umlaut ä im Deutschen erklären und auch das w kommt von dort. Wir waren natürlich nicht die Einzigen, die dieses Wort übernahmen. So gelangte es auch als tatouer ins Französische. Das französische Wort dürfte einen Einfluss auf die Schreibung im Deutschen gehabt haben.

In dieser Weise entstand aus polynesischem tatau unter gemeinsamem Einfluss des Englischen und des Französischen das deutsche Verb tätowieren.

Es gibt übrigens noch eine direktere Entlehnung: tatauieren. Dieses Wort kommt aber nur selten und vor allem in Fachsprachen vor. Vielleicht wird auch Tätowierung mit der Zeit durch Tattoo in ein Schattendasein gedrängt.

Mosaik

Der Urlaub ist vorbei. Schön war’s auf Sizilien. Wir haben unter anderem viele Mosaiken gesehen. Am eindrücklichsten fanden wir die Mosaikböden in der Villa Romana del Casale (4. Jh. n. Chr.), die ganz zu Recht ein UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Der Weg dorthin war etwas länger als geplant, weil die Navigations-App eine „schnellste“ Route vorschlug, die vieles, aber bestimmt nicht die schnellste war. Nach vielen Kurven und Schlaglöchern, aber auch bunten Blumenwiesen und schönen Landschaften trafen wir dann doch ein. Und es hat sich gelohnt!

Irgendwann tauchte zwischen all diesen Steinchenbildern die Frage auf, was Mosaik eigentlich bedeutet. Mit dem Adjektiv mosaisch (= von Moses stammend) konnte es nicht zu tun haben, aber wir wussten auch nicht, womit sonst. Ich habe es inzwischen nachgeschlagen. Das Wort Mosaik lässt sich über viele Schritte zurückführen auf griech. Mūsa (Μοῦσα), lat. Mūsa = Muse (eine der als Beschirmerinnen der Künste geltenden Göttinnen und daher Gesang, Lied, Dichtung, Kunst und Wissenschaft, feine Bildung). Eine Beschreibung dieser Schritte erspare ich uns, weil sie ziemlich komplex und nicht sehr spannend sind. Wer mehr wissen möchte, lese alles hier nach.

Ein Mosaik ist also, grob gesagt, ein musisches Werk. Nebenbei habe ich auch gelernt, dass das Wort Museum ebenfalls nach den Musen benannt ist: griech. mūsé͞ion (μουσεῖον), lat. mūsēum = Musensitz.

So viel zur Wortgeschichte. Ich kann nur noch empfehlen, die Villa Roman del Casale zu besuchen, wenn Sie einmal „zufällig“ auf Sizilien sind. Es lohnt sich unbedingt, auch wenn man nicht weiß, woher das Wort Mosaik stammt. Eindrücklich sind sie sowieso.

Und nun wieder frisch und munter an die Arbeit!

Dr. Bopp

Warum ist der Gründonnerstag grün?

Am heutige Gründonnerstag, an dem des letzten Abendmahls Jesu und seiner Jünger gedacht wird, kommt in mir wieder einmal die Frage auf, warum der Gründonnerstag eigentlich so heißt, wie er heißt. Diese Wissenslücke wollte ich endlich schließen.

Die kurze Antwort lautet: Herkunft ungewiss. Bei der längeren Antwort kommen verschiedene Erklärungsversuche zum Zug. Ich nenne hier die am häufigsten erwähnten:

Vielfach wird davon ausgegangen, dass grün in Gründonnerstag sich auf die Farbe der frischen Kräuter, Salate und Frühjahrsgemüse bezieht, die man offenbar an diesem Tag zu essen pflegte. Eine andere Erklärung führt grün auf ahd. grīnan, mhd. grînen (heute greinen) zurück, das lachend oder weinenden den Mund verziehen bedeutete. Das Wort habe sich auf die weinenden Büßer bezogen und sei dann im Volksmund zu grün uminterpretiert worden. Eine weitere Theorie führt grün auf die Farbe der liturgischen Gewänder zurück, die an diesem besonderen Tag getragen wurden. Seit langem werden aber in der katholischen Kirche am Gründonnerstag weiße Gewänder getragen. Ob sie früher (auch) grün waren, scheint nicht belegt zu sein.

Wie bei Ostern (siehe hier) gibt es also keine wirklich spannende oder wenigsten eindeutige Erklärung für den Namen Gründonnerstag. Interessanter ist vielleicht, wie der Tag in anderen Sprachen heißt:

Grün ist der Gründonnerstag auch noch im Tschechischen (Zelený čtvrtek) und Slowakischen (Zelený štvrtok), weiß ist er im Niederländischen (Witte Donderdag), groß/hoch zum Beispiel im Polnischen (Wielki Czwartek), Slowenischen (Veliki četrtek), Kroatischen (Veliki četvrtak) und Ungarischen (Nagycsütörtök), rein in den skandinavischen Sprachen (Skærtorsdag, Skärtorsdagen, Skjærtorsdag, Skírdagur) und heilig in den romanischen Sprachen (Jeudi saint, Giovedì santo, Jueves Santo, Dijous Sant, Quinta-feira Santa usw.). Im Englischen ist er neben heilig (Holy Thursday) auch der Donnerstag der Fußwaschung (Maundy Thursday).

Das ist eine breite, aber nicht vollständige Palette von Bezeichnungen.  Einigen davon begegnet man auch im Deutschen: hoher Donnerstag, heiliger Donnerstag, weißer Donnerstag und daneben auch Palmdonnerstag. Damit ist hoffentlich auch denen recht getan ist, die aus einer Gegend oder Familie stammen, in der der Gründonnerstag nicht grün ist.

Frohe Ostertage!

Warum „freventlich“ und nicht „frevlig“?

Frage

Meine Frage betrifft das Wort „freventlich“. Warum wird es nicht analog zu „Ekel – eklig“ gebildet, also „Frevel – frevlig“?

Antwort

Guten Tag Frau H.,

warum genau ein Wort so und nicht anders gebildet wurde, ist oft nicht zu sagen. Meist kann man nur versuchen, zu erklären, wie ein Wort entstanden ist, aber nicht genau sagen, warum es so passiert ist.

Bei freventlich handelt es sich um eine alte Wortbildung, die einige besondere Merkmale aufweist: eine Dissimilation, einen Gleitlaut und – wenn die Frage nach frevlig hinzukommt – Blockierung (Blocking).

Im DWDS findet man diese Angaben zur Herkunft von freventlich:

freventlich Adj. spätmhd. vrevenlich, durch Dissimilation aus mhd. vrevellich ‘mutig, verwegen, rücksichtslos’ (vgl. ahd. fravallīhho Adv. ‘unverschämt, widerspenstig, hartnäckig’, 9. Jh.) entstanden und im 16. Jh. mit Gleitlaut -t- zwischen n und l versehen.

Mit ein paar Worten mehr ausgedrückt steht dort ungefähr dies: Im Mittelhochdeutschen gab es das Adjektiv vrevellich (zu vrevel). Durch Dissimilation ist im Spätmittelhochdeutschen daraus vrevenlich geworden. Von Dissimilation spricht man, wenn einer von zwei gleichen oder ähnlichen Lauten in einem Wort sich ändert, wodurch die Laute sich stärker voneinander unterscheiden . Hier wurde das erste l zu einem n dissimiliert: vrevellich → vrevenlich.

Im 16. Jahrhundert wurde (zur Erleichterung der Aussprache) der Gleitlaut -t- zwischen das n und das l eingeschoben: vrevenlich → vreventlich. Dieser Gleitlaut findet sich auch zum Beispiel in wesentlich und versehentlich.

So viel zur Entstehung des heute eher veralteten Wortes freventlich. Nun noch zum nicht bestehenden Adjektiv frevlig:

Neben freventlich gibt es frevelhaft und frevlerisch als Adjektive zu Frevel. Das könnte erklären, warum nicht auch noch frevelig oder frevlig verwendet wird. Das Wort kann zwar gebildet werden, es ist aber neben den anderen nicht notwendig. Es wird durch die Anwesenheit von bereits drei anderen Ableitungen blockiert.

Blockierung ist übrigens keine exakte Wissenschaft, das heißt, es lassen sich keine genauen Blockierungsregeln formulieren. Zu Ekel gibt es auch ekelhaft und ekelerregend. Das ist oder war aber offenbar nicht genug, um das Wort eklig zu blockieren.

Es ist manchmal erstaunlich, wie viele Phänomene bei der Entstehung eines Wortes eine Rolle spielen. Die hier genannten zeigen aber vor allem, was vorgegangen ist. Warum genau der Wortgebrauch so und nicht anders ist, erklären sie weniger gut.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp