Kinder bis 14 Jahre sind hiervon ausgenommen – Was ist dann mit den 14-Jährigen?

Um allzu großer Enttäuschung vorzubeugen, sei gleich gesagt: Eine eindeutige Antwort kann der folgende Artikel nicht geben.

Frage

Wenn es heißt „Kinder bis 6 Jahre“ oder jetzt bei den Coronamaßnahmen „Kinder bis 14 Jahre werden nicht mitgezählt“, wie alt exakt darf die Person dann sein? Meiner Meinung nach 6 bzw. 14 Jahre und 364 Tage. Liege ich da richtig oder falsch?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

bei Angaben der Art „bis x Jahre“ ist häufig gemeint: „bis einschließlich x Jahre“. Mit „Kinder bis 6 Jahre“ sind somit Kinder bis zum letzten Tag vor ihrem 7. Geburtstag, also auch alle Sechsjährigen gemeint. Ebenso schließt „Kinder bis 14 Jahre“ häufig auch die 14-Jährigen mit ein.

ABER: Es ist zwar häufig so gemeint, aber nicht alle sind damit einverstanden. Neben den Leuten, die „bis x Jahre“ so verstehen, gibt es andere, die sagen, „bis x Jahre“ bedeute „bis zum x-ten Geburtstag“. Kinder bis 14 Jahre sind also alle Kinder bis zu ihrem 14. Geburtstag. Die 14-Jährigen gehören bei dieser Interpretation nicht mehr dazu, denn sie sind ja erst von ihrem 14. Geburtstag an 14-jährig.

Wer hier recht hat, darüber könnte man endlos diskutieren. Eine offizielle, allgemein anerkannte Interpretation gibt es nicht. Bei zum Beispiel der Deutschen Bahn kann man Fahrkarten für Kinder von 6 bis 14 Jahren kaufen, und damit sind Kinder von 6 bis einschließlich 14 Jahren gemeint (also auch die 14-Jährigen), wie man auf derselben Webseite lesen kann.

Ein weniger „eindeutiges“ Beispiel sind die Coronaregeln, die am vergangenen 13. Dezember beschlossen worden sind. Im Beschluss der Bundeskanzlerin und der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder steht im Zusammenhang mit der Gruppengröße bei privaten Zusammenkünften:

Kinder bis 14 Jahre sind hiervon ausgenommen.

Sind die 14-Jährigen nach dieser Formulierung ausgenommen oder müssen sie mitgezählt werden? Wie unterschiedlich man das sehen kann, zeigt ein (kurzer und nicht sehr systematischer) Blick auf die Webseiten der verschiedenen Bundesländer. Man könnte annehmen, dass alle Bundesländer diese Altersgrenze gleich interpretieren, dem ist aber nicht so:

In Bayern und Niedersachsen sind „Kinder unter 14 Jahren“ ausgenommen, das heißt, die 14-Jährigen sind nicht mehr ausgenommen und werden mitgezählt.

In Berlin, Brandenburg, Hamburg, Sachsen und Thüringen sind „Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres“ ausgenommen, das heißt, auch hier sind die 14-Jährigen nicht mehr ausgenommen und werden mitgezählt. (Das 14. Lebensjahr wird mit dem 14. Geburtstag vollendet, so wie das 1. Lebensjahr mit dem 1. Geburtstag vollendet wird, das 2. Lebensjahr mit dem 2. Geburtstag usw.)

Anders sieht es in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen aus. Dort sind „Kinder bis einschließlich 14 Jahre“ ausgenommen, das heißt, auch die 14-Jährigen sind hier ausgenommen und werden nicht mitgezählt.

Meiner Meinung nach unklar, ob die 14-Jährigen ausgenommen sind oder nicht, ist es in Bremen („ausgenommen sind Kinder bis zu einem Alter von 14 Jahren“), Mecklenburg-Vorpommern („Kinder, die das Alter von 14 Jahren noch nicht überschritten haben“), Sachsen-Anhalt („bis 14-jährige Kinder“) sowie im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Schleswig-Holstein („Kinder bis 14 Jahre“).

Ziel dieser kleinen und wahrscheinlich stellenweise ungenauen Übersicht ist es nicht, den Behörden irgendwelche Unzulänglichkeiten nachzuweisen. Ob die 14-Jährigen bei der Größe von Privatgruppen mitzählen oder nicht, ist eines der kleineren Probleme, die wir zur Zeit haben (außer vielleicht in Familien mit 14-jährigen Zwillingen und Drillingen). Ich möchte hier nur aufzeigen, dass keine Einigkeit darüber herrscht, wie Angaben der Art „Kinder bis x Jahre“ genau zu verstehen ist. Nicht alle verstehen darunter dasselbe und eine allgemeingültige Definition gibt es nicht.

Es ist deshalb besser, anders zu formulieren, wenn die Altersgrenze wichtig ist und Konflikte vermieden werden sollen. Wenn die 14-Jährigen mitgemeint sind, sagt man statt „Kinder bis 14 Jahre“ (oder „Kinder bis 15 Jahre“) besser zum Beispiel:

Kinder bis einschließlich 14 Jahre
Kinder unter 15 Jahren
Kinder bis zum vollendeten 15. Lebensjahr

Wie immer es formuliert ist und gemeint sein möge, ich wünsche allen, auch den 14-Jährigen, ganz gleich ob sie für die Gruppengröße mitgezählt werden müssen oder nicht, eine gute und gesunde Zeit.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ungebeugtes ein: die ein oder andere Strahlungsquelle

Frage

Ich habe eine Frage zur Formulierung „die ein- oder andere Strahlungsquelle“. Ist mein gefühlsmäßig gewählter Bindestrich nach „ein“ (wegen Auslassung der Endung „e“ bei ein[e]) richtig oder ist „die ein oder andere Strahlungsquellen“ die richtige Schreibweise? […]

Antwort

Guten Tag Frau S.,

das Zahlwort „ein“ bleibt häufig ungebeugt, wenn es durch zum Beispiel „oder“,  „bis“ oder „und“ mit „zwei“ oder „andere“ verbunden ist:

mit ein oder zwei Freunden (auch: mit einem oder zwei Freunden)
die ein oder andere Frage (auch: die eine oder andere Frage)
für ein bis zwei Personen (selten: für eine bis zwei Personen)
das ein und andere Mal (selten: das eine und andere Mal)
ein um das andere Mal (selten: eines um das andere Mal)

Das gilt auch für die Wendung „ein und dasselbe“:

ein und dieselbe Ursache (selten: eine und dieselbe Ursache)
aus ein und derselben Quelle (selten: aus einer und derselben Quelle)
mit ein und demselben Partner (selten: mit einem und demselben Partner)

Auch wenn diese Formulierungen streng „logisch-grammatisch“ gesehen falsch sind – „ein“ müsste eigentlich gebeugt werden –, sind sie auch standardsprachlich sehr üblich und gelten entsprechend als korrekt.

Da das endungslose „ein“ hier als ungebeugt angesehen wird, fehlt ihm nichts. Es ist deshalb nicht notwendig, einen Auslassungsstrich oder einen Apostroph zu schreiben. Richtig ist hier also weder „ein- oder andere“ noch „ein’ oder andere“, sondern einfach „ein oder andere“:

die ein oder andere Strahlungsquelle

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ist dreimonatlich dreimal monatlich?

Es ist keine Frage der höheren Mathematik, aber ein bisschen aufpassen muss man bei der Formulierung schon.

Frage

Ist der Satz „Die Radiosendung wird dreimonatlich ausgestrahlt“ synonym mit „Die Radiosendung wird dreimal monatlich ausgestrahlt“?

Antwort

Guten Tag Frau Z.,

die Antwort lautet nein: „dreimonatlich“ und „dreimal monatlich“ haben nicht die gleiche Bedeutung:

Die Radiosendung wird dreimonatlich ausgestrahlt
dreimonatlich = alle drei Monate, einmal in drei Monaten

Die Radiosendung dreimal monatlich ausgestrahlt
dreimal monatlich = jeden Monat dreimal, dreimal pro Monat

Eine Radiosendung, die dreimal monatlich ausgestrahlt wird, ist also neunmal häufiger zu hören, als eine Radiosendung, die dreimonatlich ausgestrahlt wird.

Auch bei anderen Zahlenangaben gibt es diese Unterscheidung:

zweimonatlich = alle zwei Monate, einmal in zwei Monaten
zweimal monatlich = jeden Monat zweimal, zweimal pro Monat

fünfmonatlich = alle fünf Monate, einmal in fünf Monaten
fünfmal monatlich = jeden Monat fünfmal, fünfmal pro Monat

Etwas, das zweimal monatlich geschieht, kommt viermal häufiger vor als etwas, das zweimonatlich geschieht. Fünfmal monatlich ist schon fünfundzwanzigmal häufiger also fünfmonatlich!

Nur bei „(ein)monatlich“ und „einmal monatlich“ muss man nicht aufpassen, denn einmal in einem Monat und jeden Monat einmal läuft aus das Gleiche hinaus.

Und wer nun ein bisschen verwirrt ist, weicht einfach auf vielleicht nicht ganz ohne Grund häufiger vorkommenden Wendungen wie „alle drei Monate“ („dreimonatlich“) und „dreimal pro Monat“ („dreimal monatlich“) aus.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Mit neunundneunzigkommaneunprozentiger Sicherheit?

Frage

Meine Frage:

… mit neunundneunzig Komma neun prozentiger Sicherheit …

Wenn man das nicht mit Zahlen, sondern mit Worten schreibt, wäre das dann richtig so? Oder muss es durchgekoppelt werden: „mit neunundneunzig-Komma-neun-prozentiger Sicherheit“? […]

Antwort

Guten Tag Frau S.,

die Getrenntschreibung ist nicht korrekt. Wie bei zum Beispiel „vierstöckig“, „Fünfeinhalbzimmerwohnung“ und „sechszylindrig“ ist hier die Zusammenschreibung vorgesehen:

mit neunundneunzigkommaneunprozentiger Sicherheit

Ein Wort dieser Länge ist allerdings nicht sehr lesefreundlich. Sie könnten deshalb tatsächlich die Verwendung von Bindestrichen erwägen:

mit neunundneunzig-Komma-neun-prozentiger Sicherheit

Das ist schon etwas übersichtlicher. Wie oft bei komplexeren Zahlen ist hier aber doch die Schreibung mit Ziffern etwas einfacher für die Leserschaft (vgl. amtl. Regelung § 40.3 und § 41):

mit 99,9-prozentiger Sicherheit
mit 99,9%iger Sicherheit

Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, Verbindungen dieser Art zu schreiben:

zweieinhalbprozentig
2,5-prozentig
2,5%ig

mit fünfzigprozentiger Wahrscheinlichkeit
mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit
mit 50%iger Wahrscheinlichkeit

Wenn die Zahlen komplexer werden, empfiehlt es sich meiner Meinung nach auch in nicht technischen Texten, Ziffern statt Worte zu verwenden:

7,25-prozentig
7,25%ig

eine 0,9-prozentige Kochsalzlösung
eine 0,9%ige Kochsalzlösung

Es gibt hier also keine Schreiblösung, die immer hundert- oder 99,9-prozentig zufriedenstellend ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn 100, g und Tafel zusammen ein Wort bilden: eine 100 g Tafel, 100g-Tafel oder 100-g-Tafel?

Frage

Wie werden Komposita korrekt geschrieben, die aus Zahl, abgekürzter Maßeinheit und Wort bestehen? Beispiel Schokolade: „eine 100-g-Tafel“ oder „eine 100g-Tafel“ oder ganz anders?

Antwort

Eigentlich ist es ganz einfach, aber die Schreibung dieser Art von Zusammensetzungen gehört zu den Bereichen, in denen die Rechtschreibregelung sehr häufig nicht eingehalten wird.

Nach § 44.1 der amtlichen Rechtschreibregelung, aus der die folgenden drei Beispiele  stammen, werden hier Bindestriche verwendet, und zwar zwischen allen Elementen der Zusammensetzung:

400-m-Lauf
2-kg-Büchse
1/2-kg-Packung

Entsprechend schreiben Sie also auch:

eine 100-g-Tafel
ein 20-€-Schein
eine 1,5-l-Flasche

Häufig wird aber, wie gesagt, anders geschrieben. Hier die häufigsten Schreibungen, die NICHT der Rechtschreibregelung entsprechen:

100 g Tafel, 2 kg Büchse, 20 € Schein
100 g-Tafel, 2 kg-Büchse, 20 €-Schein
100g-Tafel, 2kg-Büchse, 20€-Schein

Bindestriche stehen auch dann, wenn die Maßeinheit oder das Gezählte nicht abgekürzt wird:

20-Euro-Schein
5-Cent-Münze
100-Gramm-Tafel
40-Stunden-Woche
6-Zylinder-Motor
3-Zimmer-Wohnung

Das müsste diejenigen ansprechen, die der Bindestrichschreibung sehr zugetan sind. Weniger gefallen wird den Bindestrichfans aber die folgende Schreibung, die anzuwenden ist, wenn auch die Zahlen in Worten geschrieben werden*:

Zwanzigeuroschein
Fünfcentmünze
Vierzigstundenwoche
Sechszylindermotor
Dreizimmerwohnung

Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, eine Tafel von hundert Gramm in einem Wort zu schreiben, je nachdem wie stark man abkürzen will:

eine 100-g-Tafel
eine 100-Gramm-Tafel
eine Hundertgrammtafel*

Warum so häufig anders geschrieben wird, weiß ich eigentlich nicht. Wahrscheinlich sträubt sich die Tastatur, der Stift oder die Feder vieler, wenn zwischen einer Ziffer und einer Abkürzung ein Bindestrich gesetzt werden soll.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Wie immer ist auch hier die Schreibung mit „verdeutlichenden“ Bindestrichen möglich:

Zwanzig-Euro-Schein
Zehn-Cent-Münze
Vierzig-Stunden-Woche
Sechs-Zylinder-Motor
Drei-Zimmer-Wohnung
Hundert-Gramm-Tafel

Sie ist aber in der Rechtschreibregelung nicht vorgesehen. Ich finde sie auch unschön und nicht sehr verdeutlichend, doch das ist natürlich kein allzu stichhaltiges Argument.

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Das Wörtchen „zwischen“ und die Fälle: „zwischen 40 und 50 Zentimeter[n]“

Frage

Zu folgendem Satz habe ich eine Frage:

In diesem Fall waren es zwischen 40 und 50 Zentimeter, was für kleine Pflanzen nicht ausreicht.

Ist „Zentimeter“ bzw. „40 Zentimeter“ und so weiter ein Prädikatsnomen o. Gleichsetzungsnominativ? Was ist in diesem Fall „zwischen“? […]

Antwort

Guten Tag Herr S.,

das Wörtchen „zwischen“ macht es uns nicht immer einfach. Die meisten Präpositionen stehen fest mit einem Kasus. So verlangt „mit“ den Dativ, steht „für“ mit dem Akkusativ und kann „während“ am besten mit dem Genitiv verwendet werden. Das ist oft schon kompliziert genug. Geduld und Durchhaltevermögen Deutschlernender werden weiter auf die Probe gestellt, wenn es um die sogenannten Wechselpräpositionen geht, die mit dem Akkusativ oder dem Dativ stehen können:

Die Lehrerin setzt sich zwischen die Kinder (wohin?)
Die Lehrerin sitzt zwischen den Kindern (wo?)

Dass die Unterscheidung zwischen „wohin = Akkusativ“ und „wo = Dativ“ nicht immer so einfach und eindeutig ist, wie sie klingt, merkt man in der Praxis meist schon beim dritten Beispiel.

Ich habe das Auto zwischen die Bäume geparkt (wohin?)
Ich habe das Auto zwischen den Bäumen geparkt (wo?)

der Unterschied zwischen einem Hotel und einer Pension (??)

Auch bei Zahlenangaben der Art „zwischen … und“, um die es in Ihrer Frage geht, hilft die „Regel“ überhaupt nicht weiter. Hier wird es sogar noch ein bisschen komplizierter, denn bei solchen Angaben hat „zwischen“ sehr häufig keinen Einfluss auf den Kasus des nachfolgenden Substantivs.

Wenn die Angabe „zwischen … und“ durch eine einfache Zahlenangabe ersetzt werden kann, steht nach „zwischen“ der gleiche Kasus wie bei der einfachen Zahlenangabe:

Sie registrieren täglich zwischen 80 und 100 neue Anmeldungen
wie: Sie registrieren täglich 100 neue Anmeldungen

Die Tests werden zwischen zwei und vier Jahre dauern
wie: Die Tests werden vier Jahre dauern

Für Kinder im Alter von zwischen acht und zehn Jahren
wie: Für Kinder im Alter von zehn Jahren

Mit zwischen 40 und 50 Zentimetern sind die Abstände zu klein
wie: Mit 40 Zentimetern sind die Abstände zu klein

Das sind zwischen 40 und 50 Zentimeter
wie: Das sind 50 Zentimeter

Im letzten Satz, Ihrem Beispiel, ist „zwischen 40 und 50 Zentimeter“ wie einfaches „50 Zentimeter“  ein Prädikativ zum Subjekt. Entsprechend steht „zwischen 40 und 50 Zentimeter“ im Nominativ.

In Formulierungen dieser Art kann man „zwischen“ als Adverb bezeichnen, da es hier nicht kasusbestimmend ist.

Um die ganze Sache noch etwas komplizierter zu machen, sei noch Folgendes erwähnt. Wenn die Formulierung mit „zwischen … und“ nicht durch eine einfache Angabe ersetzt werden kann, steht der Dativ. Dann muss man „zwischen“ also wieder als Präposition verstehen:

Dies betrifft vor allem Männer zwischen 45 und 55 Jahren
ein Spielplatz für Kinder zwischen 3 und 12 Jahren

Wie ganz am Anfang gesagt: Das Wörtchen „zwischen“ macht es uns nicht einfach!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Siehe auch hier.

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Ein Dreiviertelkilogramm vs. eindreiviertel Kilogramm

Die Schreibung von Bruchzahlen hat ihre Tücken, jedenfalls wenn sie in Worten geschrieben werden sollen. Dass man Bruchzahlen nur selten in Worten schreibt, hilft nicht dabei, sich die Regeln wirklich eigen zu machen. Auch ich muss mich konzentrieren und sollte manchmal einfach ins Wörterbuch schauen, denn auch ich bin hier nicht ganz sattelfest (was Frau M. leider bestätigen kann).

Frage

Ich habe immer Schwierigkeiten, wenn es um Maßangaben geht.

1/2 kg ist ein halbes Kilogramm.
1/4 kg ist ein viertel Kilogramm.

aber

3/4 kg ist ein dreiviertel Kilogramm.
3/4 kg ist ein drei viertel Kilogramm.
3/4 kg ist ein drei Viertel Kilogramm.

Wie es richtig?

Antwort

Guten Tag Frau M.,

Ihre Verwirrung ist verständlich, denn die Schreibung von Bruchzahlen ist nicht ganz einfach. Die Schreibweise „dreiviertel Kilogramm“ ist nach der geltenden Rechtschreibregelung nicht korrekt. Das zusammengeschriebene „dreiviertel“ gibt es seit der Rechtschreibreform nämlich nicht mehr. Richtig sind diese Schreibungen (vgl. hier und hier):

1 kg ist ein Kilogramm.
1/2 kg ist ein halbes Kilogramm.

Komplizierter wird es, wenn man mit Vierteln rechnet:

1/4 kg ist ein viertel Kilogramm
3/4 kg sind drei viertel Kilogramm.

Wenn die Hauptbetonung auf „viertel“ liegt, haben wir es mit Viertelkilogrammen zu tun:

1/4 kg ist ein Viertelkilogramm
3/4 kg sind drei Viertelkilogramm.

Man kann sich sogar in Dreiviertelkilogrammen rechnen:

3/4 kg ist ein Dreiviertelkilogramm

In den Wörterbüchern finden Sie meistens diese Beispiele:

in drei viertel Stunden
in drei Viertelstunden
in einer Dreiviertelstunde

Und wenn es um 1,75 Kilogramm geht, schreibt man:

1,75 kg sind eindreiviertel Kilogramm
(vgl. 1,5 Stunden sind eineinhalb/anderthalb Stunden)

Schreibungen wie „eindreiviertel Kilogramm“ sind unter anderem wegen der großen Verwechslungsgefahr mit „ein Dreiviertelkilogramm“ nicht zu empfehlen:

Wir brauchen ein Dreiviertelkilogramm Mehl (= 0,75 kg)
Wir brauchen eindreiviertel Kilogramm Mehl (= 1,75 kg)

Da der Unterschied ein ganzes Kilo beträgt, ist es meist besser, echte oder Dezimalbrüche zu schreiben oder auf eine andere Formulierung auszuweichen:

3/4 Kilogramm – 0,75 Kilogramm – 750 Gramm – eineinhalb Pfund
1 3/4 Kilogramm – 1,75 Kilogramm – 1 750 Gramm – dreieinhalb Pfund

Und nun weiß ich vor lauter „ein viertel“, „ein Viertel“, „drei viertel“, „drei Viertel“, „Dreiviertel-“ und „eindreiviertel“ bald wieder nicht mehr, was richtig ist!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Knifflige Adjektivbeugung: „dessen eines fehlende[s?] Bein“

Keine Angst, hier werden keine Insekten gequält, Frösche seziert oder frankensteinsche Monster zusammengesetzt. Es geht nur um ein fehlendes Tischbein und die Adjektivbeugung.

Frage

Ich habe mal wieder eine knifflige Frage und komme leider nicht weiter. Ist der folgende Satz grammatikalisch richtig?

Unruhig flackernde Kerzen standen auf einem Tisch, dessen eines fehlendes Bein durch einen Stapel Bücher ersetzt worden war.

Ich bin der Meinung, es müsste „… dessen eines fehlende Bein ersetzt …“ heißen.

Antwort

Guten Tag Frau R.,

die Antwort ist einfach: Der Satz ist mit dessen eines fehlendes Bein richtig formuliert. Etwas schwieriger ist die Erklärung, weshalb das so ist. Es geht um die Adjektivbeugung nach dessen und ein Zahlwort, das wie ein Artikel aussieht und sich wie ein Adjektiv verhält.

Auch wenn eines wie ein unbestimmter Artikel aussieht, ist es hier ein Zahlwort, das wie ein Adjektiv gebeugt wird. Es kann wie ein Adjektiv starke und schwache Endungen annehmen:

schwache Endung:
das eine Bein
dieses eine Bein
der eine Traum
dieser eine Traum

starke Endung:
sein eines Bein
dessen eines Bein
sein einer Traum
dessen einer Traum

Wie die Beispiele zeigen, wird ein Adjektiv – und in diesem Fall das Zahlwort ein… – nach dessen wie nach zum Beispiel sein stark gebeugt (vgl. hier und hier)

Das gilt auch auch für ein nachfolgendes Adjektiv, das heißt, ein weiteres Adjektiv wird gleich gebeugt (parallele Beugung):

schwache Endung:
das eine fehlende Bein
dieses eine fehlende Bein
der eine große Traum
dieser eine große Traum

starke Endung:
sein eines fehlendes Bein
dessen eines fehlendes Bein
sein einer großer Traum
dessen einer großer Traum

Der Satz ist also so, wie Sie in zitiert haben, richtig formuliert:

Unruhig flackernde Kerzen standen auf einem Tisch, dessen eines fehlendes Bein durch einen Stapel Bücher ersetzt worden war.

Es ist aber nicht sehr erstaunlich, dass Sie hier ins Zweifeln geraten sind. Formulierungen wie diese kommen nur selten vor. Weiter werden bei der Beugung von Adjektiven nach dessen und deren viele unsicher. Und wenn man dann einmal angefangen hat, darüber nachzudenken, hilft es nicht viel, dass eines ein Zahlwort ist, das wie ein Artikel aussieht und sich wie ein Adjektiv verhält.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Eine 7,5 in Worten

Nachdem vor einer Woche die Frage beantwortet wurde, wie man den 2 000 024. Besucher in Worten ausdrückt (der zweimillionenvierundzwanzigste Besucher), geht es heute noch einmal darum, wie ein bestimmter Zahlentyp in Worten geschrieben wird:

Frage

Ich habe gelesen: „Ist das eine Siebenkommafünf oder eine Acht?“ Müsste es nicht „eine sieben Komma fünf“ sein?

Antwort

Guten Tag Frau M.,

man schreibt sieben Komma fünf und acht, wenn es um die Zahlen geht (sieben Komma fünf Meter; sieben Komma fünf plus acht …). Nach § 57 (4) der amtlichen Rechtschreibregelung müssen aber substantivierte Grundzahlen als Bezeichnung von Ziffern großgeschrieben werden. Die angeführten Beispiele sind:

Er setzte alles auf die Vier. Sie fürchtete sich vor der Dreizehn. Der Zeiger nähert sich der Elf. Sie hat lauter Einsen im Zeugnis. Er würfelt eine Sechs.

Daraus ergibt sich, dass man in Ihrem Satz eine Acht großschreiben muss. Konsequenterweise ist dann auch eine 7,5 eine Substantivierung, die großgeschrieben wird. Und weil man Substantive zusammenschreibt, sollte diese Substantivierung nicht nur groß-, sondern auch in einem Wort geschrieben werden: eine Siebenkommafünf. Der Satz, den Sie anführen, ist also richtig geschrieben:

Ist das eine Siebenkommafünf oder eine Acht?

Möglich wäre auch die Schreibung mit „verdeutlichenden“ Bindestrichen (aber ob sie wirklich verdeutlichend sind?):

Ist das eine Sieben-Komma-fünf oder eine Acht?

Sie können auch die Schreibung mit Ziffern erwägen. Das ist bei komplexeren Zahlen häufig eine einfacher lesbare Variante:

Ist das eine 7,5 oder eine 8?

Ich hoffe, dass diese Antwort eine Siebenkommafünf verdient.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der 2 000 024. Besucher in Worten

Frage

Heißt es „der zweimillionundvierundzwanzigste Besucher“, „der zweimillionenundvierzundzwanzigste Besucher“, „der zweimillionenvierundzwanzigste Besucher“ oder „der zweimillionvierundzwanzigste Besucher“?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

Ordinalzahlen ab zwanzig werden mit st gebildet (vgl. hier):

zwanzig – zwanzigste
vierundzwanzig – vierundzwanzigste
[ein]hundertvierundzwanzig – [ein]hundertvierundzwanzigste
dreihundertvierundsiebzigtausendfünfhundervierundzwanzigdreihundertvierundsiebzigtausendfünfhundervierundzwanzigste

Ab einer Million wird ggf. zusammengeschrieben:

Million – millionste
eine Million vierundzwanzig – einemillionvierundzwanzigste*
eine Million fünfhunderttausend – einemillionfünfhunderttausendste*
zwei Millionen vierundzwanzig – zweimillionenvierundzwanzigste*

So weit ist alles schön konsequent. Die deutsche Sprache wäre aber die deutsche Sprache nicht, wenn es nicht doch ein paar Ausnahmen gäbe.

Hier fällt in der Regel ein e weg:

eine Million – einmillionste

Und hier fällt die Pluralendung en weg:

zwei Millionen – zweimillionste
fünf Millionen – fünfmillionste

Dies aber nur, wenn es um runde Millionen geht, das heißt, wenn st direkt an Million angefügt wird – also nicht z. B. hier:

eine Million [und] eins – einemillion[und]erste
eine Million fünfhunderttausend – einemillionfünfhunderttausendste*
zwei Millionen vierundzwanzig – zwei millionenvierundzwanzigste*

Kompliziert? – Allzu häufig kommen hohe Kardinalzahlen dieser Art zum Glück nicht vor. Während vielleicht noch ab und zu vom millionsten Besucher oder von der zweimillionsten Besucherin die Rede ist, sind Formen wie zweimillionenvierundzwanzigste doch eher selten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

* Daneben kommt auch vor:

eine Million und vierundzwanzig einemillionundvierundzwanzigste
eine Million und fünfhunderttausend – einemillionundfünfhunderttausendste
zwei Millionen und vierundzwanzig – zweimillionenundvierundzwanzigste

 

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