Ist es „etwas, wofür“ oder „etwas, für das“?

Frage

Ein Kollege meint, in dem Satz „Kann man etwas, für das es gute Gründe gibt, trotzdem ablehnen?“ müsse „wofür“ statt „für das“ stehen. Ich finde das nicht, kann es aber nicht begründen. Was sagen Sie?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

ob man hier wofür oder für das verwendet, ist vor allem eine Frage des Stils oder der Sprachebene. In der (geschriebenen) Standardsprache, ist wofür üblich, wenn es sich um einen Relativanschluss mit Bezug auf ein unpersönliches Pronomen handelt.

alles/vieles/manches/etwas/nichts, wofür

Als (eher) umgangssprachlich gilt hier die Verwendung von für was oder für das.

alles/vieles/manches/etwas/nichts, für was/das

Duden [Grammatik, 10. Auflage, S. 805) sagt hierzu:

Bei einem Indefinitpronomen als Bezugsausdruck (alles, manches, etwas, nichts …) ist dagegen das Präpositionaladverb gebräuchlicher:
(56) Es gibt so manches, wovor sie Angst hat. Alles, worüber zu sprechen ist, soll in die Tagesordnung. Das ist etwas / nichts, worauf ich warte.

In der LEO-Grammatik steht:

Pronominaladverbien stehen für unpersönliche Pronomen, substantivierte Adjektive im Neutrum, für Sachverhalte und Sätze.
Das ist alles, worum ich Sie bitte.
Etwas / Nichts, worüber wir redeten, war wichtig.
[…]
Umgangssprachlich wird seltener auch die Fügung „Präposition + das/dem“ oder „Präposition + was“ verwendet:
Das ist alles, um das / um was ich Sie bitte.
Nichts, über das / über was wir redeten, war wichtig.
[…]

Das besagt mit so vielen Worten, dass in Ihrem Beispiel standardsprachlich besser wofür steht:

Kann man etwas, wofür es gute Gründe gibt, trotzdem ablehnen?

Nach meinem subjektiven Empfinden kommen hier die Formen ‚Präposition+das/was‘ heute allerdings immer häufiger vor. Ob das auch wirklich so ist, weiß ich so schnell leider nicht. Es könnte aber erklären, warum Sie hier etwas, für das auch für akzeptabel halten. Im Übrigen steht in Duden „gebräuchlicher“, nicht „obligatorisch“. In formelleren (schriftlichen) Kontexten würde ich wofür empfehlen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Nachtrag:

Manchmal kann wofür (bzw. womit worüber usw.) allerdings unklar sein:

Ich bin mit allem einverstanden, wofür es gute Gründe gibt.

Was ist hiermit gemeint?

a) Ich bin mit allem, wofür es gute Gründe gibt, einverstanden.
b) Ich bin mit allem einverstanden und dafür gibt es gute Gründe.

Wenn a) gemeint ist und der Kontext auch keinen Aufschluss bietet, ist für das eine gute Ausweichmöglichkeit:

Ich bin allem einverstanden, für das es gute Gründe gibt.

Ähnlich zweideutig ist zum Beispiel:

Er sagt nichts, womit ich nicht einverstanden bin.

Bin ich a) nicht damit einverstanden, dass er nichts sagt, oder bin ich b) mit allem einverstanden, was er sagt?

Stilistisch weniger gelungen, aber dafür etwas deutlicher:

a) Er sagt nichts und damit bin ich nicht einverstanden.

beziehungsweise:

b) Er sagt nichts, mit dem ich nicht einverstanden bin.

Allzu streng sollte man hier aber nicht urteilen. Eine Formulierung steht selten allein und dann ergibt sich oft aus dem Zusammenhang, was genau gemeint ist.

 

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