Wies’n/Wiesn, g’suffa/gsuffa: Bairisch kommt oft auch ohne Apostrophe aus

Frage

Der Apostroph steht ja immer dann, wenn etwas ausgelassen wird. In der Mundart wird er gern weggelassen, etwa bei „Wiesn“ oder „gsuffa“. Aber wie ist das bei Franz Beckenbauers Spruch „Geht(s) raus und spielt(s) Fußball“? Hier wird meiner Meinung nach nichts weggelassen, weswegen ich finde, dass die Apostrophe dort nicht hingehören. Was meinen Sie?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

wenn bairisch geschrieben wird, kann auf diese Apostrophe verzichtet werden. Die Endung en und die Vorsilbe ge gibt es im Bairischen (fast) nicht, so dass, wie Sie richtig bemerken, eigentlich gar nichts weggelassen wird:

Wiesn
Wörta san de Quelln vo olln Missvaständnissn
de feschn Buam
lesn und schreim (lesen und schreiben)
glesn und gschriem (gelesen und geschrieben)
oans, zwoa, gsuffa

Auch bei den Verbformen der zweiten Person Plural braucht es keinen Apostroph. Sie haben im Bairischen in der Regel eine längere Endung als im Standarddeutschen, nämlich ts statt nur t:

ia gehts
ia habts
machts weida so!
gehts raus uns spielts Fußball!

Wenn man bairische Wörter und Ausdrücke in standarddeutschen Texten verwendet, kann es aber manchmal nützlich sein, der besseren Lesbarkeit zuliebe doch Apostrophe zu verwenden. Die Schreibweise der Mundarten und Dialekte ist ja nicht standardisiert.

Und außerdem gibt es nicht nur ein Bairisch, sondern viele verschiedene bairische Mundarten. Es wird also auch abgesehen vom Apostroph häufig anders geschrieben und gesprochen, als es hier oben steht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp