Wenn 100, g und Tafel zusammen ein Wort bilden: eine 100 g Tafel, 100g-Tafel oder 100-g-Tafel?

Frage

Wie werden Komposita korrekt geschrieben, die aus Zahl, abgekürzter Maßeinheit und Wort bestehen? Beispiel Schokolade: „eine 100-g-Tafel“ oder „eine 100g-Tafel“ oder ganz anders?

Antwort

Eigentlich ist es ganz einfach, aber die Schreibung dieser Art von Zusammensetzungen gehört zu den Bereichen, in denen die Rechtschreibregelung sehr häufig nicht eingehalten wird.

Nach § 44.1 der amtlichen Rechtschreibregelung, aus der die folgenden drei Beispiele  stammen, werden hier Bindestriche verwendet, und zwar zwischen allen Elementen der Zusammensetzung:

400-m-Lauf
2-kg-Büchse
1/2-kg-Packung

Entsprechend schreiben Sie also auch:

eine 100-g-Tafel
ein 20-€-Schein
eine 1,5-l-Flasche

Häufig wird aber, wie gesagt, anders geschrieben. Hier die häufigsten Schreibungen, die NICHT der Rechtschreibregelung entsprechen:

100 g Tafel, 2 kg Büchse, 20 € Schein
100 g-Tafel, 2 kg-Büchse, 20 €-Schein
100g-Tafel, 2kg-Büchse, 20€-Schein

Bindestriche stehen auch dann, wenn die Maßeinheit oder das Gezählte nicht abgekürzt wird:

20-Euro-Schein
5-Cent-Münze
100-Gramm-Tafel
40-Stunden-Woche
6-Zylinder-Motor
3-Zimmer-Wohnung

Das müsste diejenigen ansprechen, die der Bindestrichschreibung sehr zugetan sind. Weniger gefallen wird den Bindestrichfans aber die folgende Schreibung, die anzuwenden ist, wenn auch die Zahlen in Worten geschrieben werden*:

Zwanzigeuroschein
Fünfcentmünze
Vierzigstundenwoche
Sechszylindermotor
Dreizimmerwohnung

Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, eine Tafel von hundert Gramm in einem Wort zu schreiben, je nachdem wie stark man abkürzen will:

eine 100-g-Tafel
eine 100-Gramm-Tafel
eine Hundertgrammtafel*

Warum so häufig anders geschrieben wird, weiß ich eigentlich nicht. Wahrscheinlich sträubt sich die Tastatur, der Stift oder die Feder vieler, wenn zwischen einer Ziffer und einer Abkürzung ein Bindestrich gesetzt werden soll.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Wie immer ist auch hier die Schreibung mit „verdeutlichenden“ Bindestrichen möglich:

Zwanzig-Euro-Schein
Zehn-Cent-Münze
Vierzig-Stunden-Woche
Sechs-Zylinder-Motor
Drei-Zimmer-Wohnung
Hundert-Gramm-Tafel

Sie ist aber in der Rechtschreibregelung nicht vorgesehen. Ich finde sie auch unschön und nicht sehr verdeutlichend, doch das ist natürlich kein allzu stichhaltiges Argument.

9 Kommentare »

  1. Ivan Panchenko schreibt:

    Juni 12, 2020 um 13:57

    Im Internationalen Einheitensystem sind Einheitenzeichen keine Abkürzungen, sondern mathematische Symbole, die Schreibweise »100 g-Tafel« könnte also damit begründet werden, dass »100 g« als sprachunabhängige mathematische Schreibweise verwendet wird, auch wenn das natürlich wie »hundert Gramm« gelesen wird. Man schreibt ja zum Beispiel auch »5 : 2-Sieg« und » × -Matrix« statt (aua!) »5-:-2-Sieg« und »-×–Matrix«, vergleichbar ist damit auch »Star Wars-Film«, wo »Star Wars« mit der Kursivierung als Zitat gekennzeichnet ist.

    (SI-Broschüre: »En anglais, même lorsque la valeur d’une grandeur est utilisée comme adjectif, il convient de laisser une espace entre la valeur numérique et le symbole de l’unité.« SI-konform wäre also zum Beispiel »a 35 mm film« statt »a 35-mm film«.)

    In der Tat sieht Duden »5 %-Klausel« mit Zwischenraum vor, laut dem Zweifelsfälleduden unterbleibt die Durchkopplung allerdings »[a]us grafischen Gründen«; dann auch »20 €-Schein«? Abzulehnen ist jedenfalls »20 € Schein«. (Aber: »5%ig« ohne Zwischenraum.)

    Andererseits: In der Mathematik kann Multiplikation bereits durch Aneinanderschreiben angezeigt werden. Dass das SI zwischen Zahlenwert und Einheit einen Zwischenraum vorsieht (außer bei °, ′ und ″), könnte als Zugeständnis an sprachliche Gepflogenheiten gesehen werden. Im Fall von »100 g-Tafel« entspricht das Leerzeichen aber nicht mehr der ausgeschriebenen Form, sodass man auf die Idee kommen könnte, den Zwischenraum hier fallenzulassen und »100g-Tafel« zu schreiben (zum Vergleich: »2π-periodisch«).

    Früher sah der Duden übrigens »5%-Klausel« vor, so wird auch nach den Interinstitutionellen Regeln für Veröffentlichungen des Amtes der EU geschrieben.

  2. I. P. schreibt:

    Juni 12, 2020 um 14:01

    (Noch ein Versuch, da die Unicode-Zeichen U+1D45A und U+1D45B entfernt wurden: Man schreibt »m × n-Matrix« statt »m-×-n-Matrix«.)

  3. Dr. Bopp schreibt:

    Juni 12, 2020 um 15:05

    Nach der amtl. Regelung § 40.3 schreibt man:

    8:6-Sieg
    2:3-Niederlage
    5:2-Sieg

    Nach der Rechtschreibregelung (§ 50, § 44) schreibt man: Star-Wars-Film. Eingebürgert hat sich daneben diese Schreibung „Star Wars“-Film o. Star Wars-Film. Ohne spezielle Kennzeichnung der Wortgruppe „Star Wars“ ist dies aber nicht möglich, also nicht: *Star Wars-Film.

    Mathematische und andere Symbole, die keine Buchstaben oder Ziffern sind, bilden eine Herausforderung, denn sie werden nicht durch die Rechtschreibregelung behandelt. Es gibt dort also keine verbindlichen festen Regeln. Häufig wird mit geschützten schmalen Leerzeichen gearbeitet (habe ich hier nicht zur Verfügung):

    5 %-Klausel
    30° C-Marke o. 30 °C-Marke
    m × n-Matrix, auch (m,n)-Matrix, (m, n)-Matrix, m·n-Matrix, …

    Auch € kann als spezielles Symbol angesehen werden, es kann aber auch gleich wie Buchstaben und Ziffern behandelt werden. Ersteres habe ich oben im Artikel tatsächlich nicht erwähnt. Mehr zu diesen Fällen siehe hier.

    Ganz allgemein richte ich mich nicht nach der SI oder typografischen Regelwerken und leite auch nicht von dort ab. Ich richte mich nach den Regeln und den Beispielen der amtlichen Rechtschreibregelung. Deshalb komme ich von den dort stehenden Beispielen „400-m-Lauf“, „2-kg-Büchse“, „1/2-kg-Packung“ auf die Schreibung „100-g-Tafel“.

  4. Ivan Panchenko schreibt:

    Juni 12, 2020 um 22:30

    Ich wollte lediglich eine Erklärung liefern, wieso man auf die Idee kommen könnte, abweichend von dem, was das amtliche Regelwerk hier vorgibt, „100 g-Tafel“/„100g-Tafel“ zu schreiben, Sie schrieben ja: „Warum so häufig anders geschrieben wird, weiß ich eigentlich nicht. Wahrscheinlich sträubt sich die Tastatur, der Stift oder die Feder vieler, wenn zwischen einer Ziffer und einer Abkürzung ein Bindestrich gesetzt werden soll.“

    Das amtliche Regelwerk behandelt „400 m“ als deutsche Wortgruppe, als sei „400“ das Wort „vierhundert“ und „m“ das Wort „Meter“. Alternativ kann man sich jedoch auf den Standpunkt stellen, dass „400 m“ ein Term der mathematischen Formelsprache ist wie „2x²“, was zwar im Deutschen als „zwei x Quadrat“ gelesen wird, aber letztlich eine internationale Schreibweise ist, die nicht nach der deutschen Grammatik/Rechtschreibung zu tanzen hat.

    Anderes Beispiel: Duden schreibt „Tyrannosaurus Rex“ (Großschreibung des zweiten Wortes). Das entspricht den Regeln der deutschen Rechtschreibung, allerdings ist „Tyrannosaurus rex“ (Kleinschreibung des zweiten Wortes gemäß biologischer Nomenklatur) ein international gültiger wissenschaftlicher Name. Man kann also durchaus „Tyrannosaurus rex“ schreiben, deutsche Rechtschreibung hin oder her.

  5. Dr. Bopp schreibt:

    Juni 13, 2020 um 09:45

    Danke für Ihre Kommentare. Ich habe offensichtlich nicht gut verstanden, mit welcher Absicht sie geschrieben wurden.

  6. Christian schreibt:

    Juni 17, 2020 um 15:43

    Ich möchte hier auch einmal eine Lanze für den „verdeutlichenden“ Bindestrich brechen, der in der sogenannten „Einfachen Sprache“ Komposita tatsächlich verdeutlicht. Wobei zusammengesetzte Wörter ja dort ohnehin vermieden werden sollten, was aber eben nicht immer möglich ist.

  7. Dr. Bopp schreibt:

    Juni 17, 2020 um 17:07

    In der „Einfachen Sprache“ gibt es Regeln oder Konventionen, die dort gerechtfertigt und richtig sind. Dazu gehört, dass lange und zusammengesetzte Wörter mit Bindestrichen geschrieben werden sollten. Dort, wo die Einfache Sprache nützlich ist, kann der Bindestrich verdeutlichend sein. In anderen Zusammenhängen, das heißt für ein Lesepublikum, das mit komplexeren Texten umgehen kann, halte ich den Bindestrich aber häufig nicht wirklich für verdeutlichend und eben unschön. Auch die anderen Konventionen für die Einfache Sprache sind ja nicht auf die Allgemeinsprache zu übertragen.

    Wenn ich, wie ich es hin und wieder tue, das Wort „verdeutlichend“ demonstrativ in Anführungszeichen setze, meine ich dies für Texte, die sich an ein allgemeines Publikum richten, in denen also auch längere Sätze, mehr als ein Komma pro Satz, Fremdwörter, Metaphern, Negationen usw. vorkommen. Ich möchte damit keineswegs die Nützlichkeit des Bindestrichs in der „Einfachen Sprache“ grundsätzlich in Zweifel ziehen.

    Es wird allerdings auch bei der Einfachen Sprache und der Leichten Sprache argumentiert, dass man häufig besser einen Mediopunkt als einen Bindestrich verwenden sollte, weil der Bindestrich zu Fehlinterpretationen führen könne:

    Binde-Strich vs. Binde·strich
    Groß-Mutter vs. Groß·mutter
    Schub-Lade vs. Schub·lade
    Lotto-Annahme-Stelle vs. Lotto-Annahme·stelle

    Vgl. hier und hier.

  8. Christian schreibt:

    Juni 17, 2020 um 22:12

    Zum Medio·Punkt: *)

    Sie haben natürlich recht. Lesbarkeit und Verständnis sind beim Mediopunkt sicher besser als beim Bindestrich. Beim Schreiben sieht es leider noch etwas anders aus. Weder mein – allerdings nicht ganz neuer – PC, noch (logischerweise) meine alten Schreibmaschinen (1 x elektrisch, 1 x mechanisch) kommen mit dem Mediopunkt klar. Am PC geht es noch zur Not, mit Sonderzeichen einfügen, diakritische Zeichen wählen usw. Da ist durchaus noch Luft nach oben.

    *) Den hier eingefügten Medio·Punkt habe ich aus Ihrem Text gemopst, ähh… kopiert. Danke dafür 🙂

  9. Winfried schreibt:

    Juni 18, 2020 um 10:10

    Warum verwenden viele keine Bindestriche? Ich denke, das ist eine Mode aus dem Englischen. Viele meiner Kollegen (Ingenieure) schreiben die einzelnen Bestandteile eines zusammengesetzten Worts ohne Bindestrich nebeneinander. Sie haben das sicherlich im Schulunterricht gelernt, halten sich aber nicht daran. Und das gilt dann auch für Zusammensetzungen mit Benennungen.

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