Frage
Erlauben Sie bitte die folgenden Fragen:
Satz 1: Ich wurde von ihr geboren.
Satz 2: Ich wurde aus ihr geboren.
Ist Satz 2 nicht wirklich seltsam? Besteht Ihrer Meinung nach zwischen Satz 1 und Satz 2 ein semantischer Unterschied?
Antwort
Guten Tag Herr M.,
die Wendung aus ihr geboren kommt (neben von ihr geboren) vor allem in religiösen Kontexten vor:
Jesus, geboren aus Maria
aus einer Jungfrau geboren
Mit aus wird vor allem dann formuliert, wenn geboren im übertragenen Sinne verwendet wird:
aus Liebe geboren
aus Not geboren
aus dem Willen geboren, …
Im wörtlichen Sinne steht sonst meist von:
das von ihr geborene Kind
Eher selten:
Ich wurde von ihr geboren.
Wir sind alle von einer Frau geboren worden.
Theoretisch sind also beide Formulierungen möglich. Es gibt auch keinen Bedeutungsunterschied. Allerdings ist wurde aus ihr geboren außer in religiösen Kontexten kaum gebräuchlich und kommt auch wurde von ihr geboren nur selten vor. Üblicher sind andere Wendungen wie wurde von ihr zur Welt gebracht oder Umschreibungen wie meine Mutter war o. Ä.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
Mein Kommentar bezieht sich auf den Adverbialakkusativ-Artikel. Es wird behauptet, es heisse ganz eindeutig „Sophia ist einen Meter gross“ und nicht „Sophia ist ein Meter gross“. Die Begründung lautet, es handle sich um einen Adverbial-Akkusativ. Allerdings ist „ist“ kein Verb, sondern ein Hilfsverb, und „gross“ ist erst recht kein Verb, sondern ein Adjektiv. Sie sprechen ja auch deutlich von Mass-Adjektiven. Für mein Sprachgefühl ist der springende Punkt die Richtung/Bewegung (alter Lativ): „Sophia ist ein Meter gross und wirft den Ball einen Meter weit.“ Wenn Sie mich von „Sophia ist einen Meter gross“ überzeugen wollen, müssen Sie eine bessere Begründung finden.
Es geht wahrscheinlich um diesen Artikel oder diesen Artikel.
Adverbien und adverbiale Ausdrücke treten nicht nur bei Verben auf. Sie können auch mit Adjektiven stehen.
Bei Adjektiven wie groß, lang, breit, hoch, schwer, teuer usw. steht die Maßangabe häufig als adverbialer Akkusativ (oder wenn Sie das Wort „adverbial“ hier irritiert: im Akkusativ):
Standardsprachlich ist hier der Nominativ (Sophia ist ein Meter groß) weniger oder nicht üblich. Üblich ist, dass die Maßangabe im Akkusativ steht. Die Bezeichnung „adverbialer Akkusativ“ ist nicht mehr und nicht weniger als ein Name für dieses Phänomen, das nicht nur hier, sondern in vielen Grammatiken so beschrieben wird.