Frage
Es geht „von nirgendwo nach nirgendwo“. Ist das eine Substantivierung, also „von Irgendwo nach Nirgendwo“? Es handelt sich um eine Geschichte:
„Ich suche das Land Nirgendwo“, sagte der Junge.
Hier schreibt man „Nirgendwo“ groß, das ist klar. Aber eine andere, gebildete Person erwidert in der Geschichte:
„Ich will auch dorthin. Ich komme von Irgendwo und möchte nach Nirgendwo. Und woher kommst du?“
„Auch von Irgendwo.“
Dann geht der Text so weiter:
So gingen die beiden weiter – von Irgendwo nach Nirgendwo.
Es ist kein Phantasieroman oder Märchen, sondern spielt in einer realen Zeit. Der Junge glaubt an das Land Nirgendwo, die andere Person weiß, dass es diesen Ort nicht gibt. Schreibe ich hier groß oder klein?
Antwort
Guten Tag Frau G.,
im Prinzip schreibt man diese Adverbien klein:
von irgendwo nach nirgendwo
Sie gingen von irgendwo nach nirgendwo.
Wenn man allerdings einen fiktiven Ort meint, der den Namen Nirgendwo oder Irgendwo trägt, schreibt man groß*:
der Ort Irgendwo im Land Nirgendwo
Ihr Rechtschreibproblem entsteht dadurch, dass in diesem Fall mit zwei Bedeutungen gespielt wird: einerseits das Land Nirgendwo und vielleicht auch der Ort Irgendwo, andererseits gleichzeitig die unbestimmten Ortsadverbien nirgendwo und irgendwo.
Wenn es das Land Nirgendwo nicht gibt, liegt es nirgendwo. Der Ort Irgendwo liegt irgendwo. Im Text, um den es Ihnen geht, wird offenbar mit dieser Zweideutigkeit gespielt. Entsprechend wären beide Schreibweisen gleichzeitig die beste Lösung. Während man die Zweideutigkeit in der gesprochenen Sprache bestehen lassen kann, ist dies in der geschriebenen Sprache aber nicht möglich. Eine Lösung könnte sein, den Jungen Ortsnamen und die andere Person Adverbien verwenden zu lassen:
„Ich möchte in das Land Nirgendwo.“
„Ich will auch dorthin. Ich komme von irgendwo und möchte nach nirgendwo. Und woher kommst Du?“
„Auch von Irgendwo.“ (o. ggf. „Auch von irgendwo.“)So gingen die beiden weiter – von irgendwo nach Nirgendwo.
Damit könnten Sie versuchen, die Einstellung und das Wissen der jeweils sprechenden Person zum Ausdruck zu bringen. Das ist aber nicht die einzig mögliche Lösung. Es gibt keine Regel, die hier eine eindeutige Entscheidung erlaubt. Es liegt an Ihnen, wie Sie mit dieser Zweideutigkeit schriftlich umgehen oder eben damit spielen möchten. Die „optimale“ Lösung gibt es meiner Meinung nach nicht.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Bopp
* Ebenfalls großgeschrieben nach Artikelwörtern u. Ä.:
aus dem Irgendwo ins Nirgendwo
Wie ist folgender Fall zu bewerten:
„in morgen/Morgen investieren“
Der Duden empfiehlt Großschreibung bei substantivischem Gebrauch, etwa in: „in das Morgen investieren“.
Lässt sich die Großschreibung im vorliegenden Zweifelsfall damit begründen, dass sich gedanklich ein Artikel ergänzen lässt („in [das] Morgen“)?
Auch ich würde eher „in Morgen investieren“ empfehlen. Entscheidend ist vor allem, dass „morgen“ hier kein Adverb ist, nach dem mit „wann?“ gefragt wird: nicht „in wann investieren?“, sondern „in was/worein investieren?“.
Sie haben ja einst für Schreibweisen wie «auf elektrisch umgestellt» argumentiert – da wird auch nicht «Auf wie umgestellt?» gefragt, trotzdem bin ich für Kleinschreibung, es ist eben ein stichwortartiger Gebrauch von Adjektiven möglich, wie er sich auch in «Gut gemeint ist nicht unbedingt gut gemacht» zeigt (der Fall unterscheidet sich von «Groß und Klein», da nicht jemand oder etwas mit dieser Eigenschaft gemeint ist). Analog würde ich auch hier «in morgen investieren» schreiben. Das Nomen «Morgen» gibt es auch, aber nach meinem Empfinden ist das kein Stoffname wie «Zukünftiges» und kann der Artikel in dem Fall nicht einfach weggelassen werden: «in das Morgen investieren» (zum Vergleich: «in die Zukunft investieren» – «in Zukunft» hat eine andere Bedeutung!).
Oder nehmen wir das einstige Duden-Beispiel «zwischen [dem] Gestern und [dem] Morgen liegt das Heute» (inzwischen wird es ohne Klammern aufgeführt) – da scheinen mir die Klammern bei der «zwischen»-Konstruktion durchaus richtig gesetzt zu sein. Wohlgemerkt: Der Teil «liegt das Heute» hat keine Klammern. Zum Vergleich: «Zwischen [der] Vergangenheit und [der] Zukunft liegt die Gegenwart.»
Bei „auf elektrisch umstellen“ geht es um eine Verbindung aus Präposition und nichtdekliniertem Adjektiv ohne vorangehenden Artikel. Dafür gibt es bestimmte Rechtschreibregeln. Dabei spielt keine Rolle, ob man mit „was“ oder einem adverbialen Fragewort fragen kann. Mehr dazu und warum ich hier eher für die Kleinschreibung bin, steht im Blogartikel, auf den Sie sich beziehen.
Bei „in Morgen investieren“ geht es um die Frage, ob wir es mit dem Adverb „morgen“ oder dem Substantiv „Morgen“ zu tun haben. Beide gibt es und beide sind üblich. Dann kann helfen, ob man mit „was“ (Substantiv) oder „wann“ (Adverb) fragen kann.
Mit „das Morgen“ ist oft „das Zukünftige“, „die Zukunft“ gemeint. Auch „Zukunft“ , „Gegenwart“ und „Vergangenheit“ kann man ohne Artikel verwenden: