Mikro, mükro, mü und My

Frage

Schon seit Jahren muss ich mich mit dem Wörtchen mikro herumschlagen. Immer wieder begegne ich (ausgesprochenen) Mükrometer oder Mükroliter ohne mich intellektuell und sprachlich fundiert verteidigen zu können.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

das Wortelement mikro wird tatsächlich mit i und nicht mit ü ausgesprochen. Man spricht also nicht von einem Mükrometer oder der Mükrowelle, sonder von einem Mikrometer und der Mikrowelle.

Im Standarddeutschen wird das y in aus dem Griechischen stammenden Wörtern als ü ausgesprochen:

hypermodern = hüpermodern
mythisch = mütisch
Thymian = Tümian
Ypsilon = Üpsilon

Das Wortelement mikro stammt zwar aus dem Griechischen (µικ?òς, mikròs = klein), aber es wird mit einem i geschrieben und mit einem i ausgesprochen. Woher kommt dann die Aussprache mit ü?

In technischen Bereichen bedeutet mikro vor Maßeinheiten Millionstel. Ein Mikrometer ist ein Millionstelmeter, ein Mikroliter ist ein Millionstelliter. Dieses mikro wird mit dem griechischen Buchstaben µ abgekürzt.

ein Mikrometer = 1 µm
ein Mikroliter = 1 µl

Der Buchstabe µ entspricht dem deutschen m und wird als ausgesprochen (und als My ausgeschrieben). Abkürzungen wie µm und µl werden deshalb manchmal als Mümeter und Müliter ausgesprochen. Wenn mikro als mükro ausgesprochen wird, könnte es also gut sein, dass dies in falscher Analogie mit der Aussprache Müliter für µl geschieht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Liebe Freundinnen und Freunde

Frage

Kann man anstatt Liebe Freundinnen und Freunde kürzer Liebe FreundInnen (mit großem I) schreiben? Die gleiche Frage stellt sich auch für RätInnen, GenossInnen usw.

Antwort

Sehr geehrter Herr R.,

nach der amtlichen Rechtschreibung ist diese Verwendung eines Großbuchstabens im Wortinnern nicht vorgesehen. Es gibt aber verschiedene Alternativen, wie man Frauen und Männer in einem Ausdruck erwähnen kann. Am besten finde ich, wenn möglich nicht abzukürzen:

Liebe Kolleginnen und Kollegen
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gesucht
die Rätinnen und Räte
Freundinnen und Freunde

Wenn Sie zum Beispiel aus Platzgründen abkürzen müssen oder wollen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Schrägstrich

    Liebe Kolleginnen/Kollegen
    Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen gesucht
    die Rätinnen/Räte
    Freundinnen/Freunde

  • Schrägstrich und Ergänzungsstrich

    Mitarbeiter/-innen gesucht
    250 Schüler/-innen

    Diese Schreibweise sollte nur dann verwendet werden, wenn das erste Wort keine Endung hat. Also besser nicht:

    Kollegen/-innen
    Räte/-innen
    Freunde/-innen

  • Klammern

    Liebe Kolleg(inn)en
    Mitarbeiter(innen) gesucht

    Diese Schreibweise verwenden Sie der Lesbarkeit zuliebe besser nicht, wenn die Wörter unterschiedliche Endungen haben. Also besser nicht:

    Rät(inn)e(n)
    Freund(inn)e(n)

  • Großes I im Wortinnern
    Diese Variante ist, wie bereits gesagt, offiziell nicht anerkannt. Sie sollte vor allem dann nicht verwendet werden, wenn die Wörter wie z.B. Freund-e und Freundinn-en unterschiedliche Endungen haben.

    Liebe KollegInnen
    MitarbeiterInnen gesucht

Bei Freundinnen und Freunde gibt es also nur eine gute Möglichkeit, abzukürzen:

   Liebe Freundinnen/Freunde

Eine Anrede wie Liebe Freundinnen und Freunde würde ich persönlich aber immer ausschreiben. Das sieht irgendwie viel höflicher, netter oder respektvoller aus. Und wenn man sieht, wie kompliziert das Abkürzen sein kann, ist Ausschreiben ohnehin zu empfehlen …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Okay: all correct oder Otto Kowalski?

Frage

Woher kommt eigentlich der Ausdruck o. k.?

Antwort

Auf diese Frage gibt es viele Antworten, denn niemand scheint es genau zu wissen. Der Duden zum Beispiel beschränkt sich auf ein einfaches H. u. (Herkunft unbekannt). Das ist gut verständlich, denn die große Anzahl der Theorien lässt sich kaum in einem Wörterbuchartikel zusammenfassen.

Da es sich um einen Ausdruck aus dem amerikanischen Englisch handelt, habe ich auch in DEM amerikanischen Online-Wörterbuch, dem Merriam-Webster, nachgeschaut. Es soll sich bei O.K. um eine absichtlich falsch geschriebene Abkürzung für all correct handeln. Das ist plausibel, denn man spricht das ja ungefähr als ool korrekt aus, so dass o. k. sicher als gesprochene Abkürzung viel besser passt als a. c. Außerdem soll es in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in Boston und Umgebung Mode sein gewesen, solche falsch oder phonetisch geschriebenen Abkürzungen zu verwenden. Der Ausdruck kommt dann auch zum ersten Mal im Frühjahr 1839 in der Boston Morning Post“ nachweislich in gedruckter Form vor.

Viel interessanter und zum Teil lustiger sind aber andere Erklärungen und Erklärungsversuche. Hier ein Griff aus der Wundertüte:

Eine Erklärung greift auf das Griechische zurück: o. k. soll auf ‚olos kalos (alles gut) zurückgehen. Eine andere These besagt, dass okay von den Siedlern aus der Sprache der Choctaw-Indianer übernommen worden sei. Dort bedeutet der Begriffe okeh so viel wie in der Tat.

Aus der Armeewelt stammt die Erklärung, es sei eine Abkürzung für den Ausdruck order known, mit dem ein Befehl quittiert wurde, oder eine Abkürzung für zero killed (0k, keiner tot), was man wirklich als äußerst okay ansehen darf.

Am besten gefallen mir aber die Erklärungen, die mit Initialen zu tun haben. Zum Teil sind sie nur schon deshalb nicht plausibel, weil sie die Entstehung der Abkürzung auf eine Zeitpunkt nach 1839 festlegen. Hier eine kurze Auswahl:

  • Orrin Kendall & Sons, ein Biskuithersteller, der während des amerikanischen Bürgerkrieges Kekse an die Armee lieferte. Ob diese Kekse so gut waren?
  • Oswald Kowalski (oder Otto Kaiser, Otto Krause u.a.), der Leiter der Qualitätssicherung bei den Ford-Werken in Detroit. Jedes Auto, das das Band verließ, hatte ein Prüfzertifikat, das er mit dem Kürzel OK unterzeichnete.
  • Oskar Keller, ein Kartoffelzüchter, der auf jede Kiste seine Initialen stempelte und immer gleichbleibend hohe Qualität geliefert haben soll.

Noch mehr Theorien finden Sie auf Wikipedia oder zum Beispiel auch hier.

Und weil ich es wieder einmal nicht lassen kann, hier noch etwas zur Rechtschreibung: Man schreibt den ausgeschriebenen Ausdruck als Adjektiv und Adverb klein und als Substantiv groß. Bei der Abkürzung hat man etwas mehr Freiheit:

Alles ist okay.
sein Okay geben

Alles ist o. k. oder O. K.
sein O. K. geben

und Ähnliches – u. Ä.

Frage

Ich habe eine Frage zur Zeichensetzung: Setzt man hinter die am Satzende stehende Abkürzung o.ä. einen weiteren Punkt, so dass hier zwei Punkte unmittelbar hintereinander stehen? Oder lässt man den zweiten Punkt weg? Die erste Version ist vermutlich korrekt, ruft aber beim Lesen ein Stutzen hervor.

Antwort

Sehr geehrte Frau P.,

die Variante mit den zwei Punkten macht Sie zu Recht stutzig, denn wenn eine Abkürzung am Ende des Satzes steht, wird nur ein Punkt geschrieben:

Es geht um Kartenlegen, Wahrsagen u. Ä.
Probieren Sie es einmal mit Blumen, einem Kompliment o. Ä.

Man schreibt nach der Reform übrigens und Ähnliches, oder Ähnliches und entsprechend auch die Abkürzungen u. Ä., o. Ä.

Mehr Informationen finden Sie auf den folgenden Seiten:

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp