Das fehlende »uns«: Lass uns dann treffen!

Frage

Ist der folgende Satz korrekt?

Lass uns um zwei Uhr treffen.

Eigentlich müsst es doch heißen: „Lass uns uns um zwei Uhr treffen“ (was natürlich nicht geht).

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

der Satz ist nicht korrekt. Es fehlt ihm ein zweites uns. Das erste uns gehört zur Aufforderung Lass uns…:

Lass uns dieses und jenes tun.

Das zweite uns ist das Reflexivpronomen, das zu uns treffen, wir treffen uns gehört. Vgl.:

Wir wollen uns um zwei Uhr treffen.

Keines der beiden uns kann weggelassen werden. Grammatisch richtig ist hier also doch, was Sie in Ihrer Frage als „unmögliche“ Alternative angeben:

Lass uns uns um zwei Uhr treffen.

Ähnliche Formulierungen sind:

Lassen Sie mich mich kurz vorstellen.
Ich bitte dich dich nicht so aufzuregen.

Solche Wiederholungen sind grammatisch korrekt, aber stilistisch unschön. Es gibt keine Grammatikregel, die die Wiederholung identischer Wortformen verbietet. Es empfiehlt sich aber dennoch häufig, eine andere, besser klingende Formulierung zu wählen. Möglich wäre hier zum Beispiel:

Lass uns einander um zwei Uhr treffen.
Sollen wir uns um zwei Uhr treffen?
Ich schlage vor, dass wir uns um zwei Uhr treffen.

Erlauben Sie mir mich kurz vorzustellen.
Reg dich bitte nicht so auf!

Und wenn Ihnen doch einmal bewusst oder unbewusst eine Doppelung wie uns uns aus Mund, Feder oder Tastatur entschlüpft ist: stilistisch weniger schön ist immer noch besser als grammatisch falsch.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Für eventuelle Sprachpuzzler und -humoristinnen: Ja, der Satz „Lass uns um zwei Uhr treffen“ kann theoretisch korrekt sein. Man muss allerdings ziemlich viel Phantasie aufwenden, um einen passenden Kontext zu  konstruieren: Wenn geschossen wird und das Ziel gewollt oder ungewollt nicht getroffen wird, kann jemand mit diesen Worten vorschlagen, um zwei Uhr nicht danebenzuschießen.

20 000 neue Gewerbe. Sind oder ist das 1 Prozent mehr?

Im vorletzten Beitrag ging es um das Subjekt das und die Verbform. Dass das einfache das häufiger für Schwierigkeiten sorgen kann, zeigt die Tatsache, dass es heute schon wieder um das und die Form des Verbs geht.

Frage

Ich stehe vor folgendem Satz:

Im vergangenen Jahr sind 20 000 Gewerbe neu gegründet worden. Das ist ein Prozent weniger als im Vorjahr.

Nun wendet mein Kollege ein, es müsse „Das sind ein Prozent weniger“ heißen.

Ich zweifle, da ich den Singular im zweiten Satz, betrachte ich diesen separat, als richtig erachte. Fasse ich das „Das“ im zweiten Satz als Pronomen auf, das das Subjekt vertritt, scheint mir auch der Plural vertretbar. Was ist richtig?

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

Sie sind auf dem richtigen Weg. Rein nach der formalen Grammatik ist hier die Einzahl richtig. Der Singular das wird über das Verb sein mit dem Singular 1 Prozent verbunden. Das Verb steht entsprechend auch im Singular:

Das ist 1 Prozent weniger als im Vorjahr.

Dass der Plural nicht wirklich falsch klingt (oder offenbar sogar als die bessere Variante empfunden wird), liegt daran, dass sich das Verb nicht nur nach dem grammatischen Subjekt, sondern auch nach dem inhaltlichen Subjekt richten kann. Das inhaltliche Subjekt ist hier ein Plural: Das Pronomen das steht hier, wie Sie richtig bemerken, stellvertretend für den Plural 20 000 neue Gewerbe.

20 000 neue Gewerbe sind 1 Prozent weniger als im Vorjahr.
Das sind 1 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Wahl für den Plural sind lässt sich also gut erklären. Standardsprachlich können Sie hier dennoch besser die grammatische Übereinstimmung, das heißt die Einzahl ist verwenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Wenn das Verb nicht mit dem Subjekt übereinstimmt: »Das sind …«

Heute wieder einmal etwas Grammatik:

Frage

Ist „das“ [in den folgenden Beispielen] ein Subjekt oder ein Prädikativ? Normalerweise nehmen wir an, dass „das“ Subjekt ist. Aber:

Das ist mein Freund
Das sind meine Freunde

Wenn wir diese Sätze vergleichen, dann weiß ich nicht mehr, was das Subjekt ist. Wenn das finite Verb nur mit dem Subjekt in Kongruenz steht, dann ist das Substantiv das Subjekt, während „das“ nur als Prädikativ fungiert. Oder wenn wir sagen: „Das bin ich“, dann ist das Subjekt natürlich „ich“. Stimmt das?

Antwort

Sehr geehrter Herr L.,

es stimmt, dass sich das Verb in der Regel in Numerus und Person nach dem Subjekt richtet.

Mein Freund wohnt in B.
Meine Freunde wohnen in B.
Du wohnst in B.

Zu dieser Grundregel gibt es fast keine Ausnahmen – aber eben nur fast.

Wenn in einem Satz mit dem Verb sein das Subjekt und der Gleichsetzungsnominativ (auch Prädikativ zum Subjekt oder prädikativer Nominativ genannt) nicht beide im Singular oder beide im Plural stehen, wird das Verb in der Regel in den Plural gesetzt:

Diese Sachen sind mein ganzer Besitz.
Die Franzosen sind ein Volk von Genießern.

Bis hierher gibt es keine großen Besonderheiten. In diesen beiden Sätzen steht das Subjekt im Plural und das Verb ebenfalls, also ganz so, wie es auch die allgemeine Regel fordert.

Die Sonderregel wird erst dann zur richtigen Ausnahmeregel, wenn Pronomen wie das, dies und welches Subjekt des Gleichsetzungssatzes sind und mit einem Nomen im Plural verbunden werden. Diese Pronomen sind zwar Singulare, das Verb steht dann aber trotzdem im Plural:

Das sind meine Sachen.
Dies sind meine Eltern.
Welches sind die neuen Aufträge?

Grammatisch gesehen könnte man Ihren Satz also so analysieren:

Das –sind – meine Freunde
Subjekt – Kopulaverb – Prädikativ

Das ist noch nicht alles: In Gleichsetzungssätzen mit das und dies richtet sich das Verb auch in der Person nach dem Prädikativ:

Das bin ich.
Dies seid ihr.

Das – bist – du
Subjekt – Kopulaverb – Prädikativ

Es handelt sich hier also um sehr spezielle Sätze, die sich den „normalen“ Satzstrukturen zum Teil entziehen. Keine Wunder also, dass Sie sie nicht so einfach analysieren konnten!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Zur Adventsfeier ins/im Kirchencafé einladen

Meine Lieblingsfragen sind oft diejenigen, bei denen es mehr als eine korrekte Antwort gibt. Sie zeigen, wie schön flexibel die Sprache sein kann. Auch heute gibt es wieder eine Sowohl-als-auch-Antwort.

Frage

Muss es im folgenden Satz „ins Kirchencafé“ heißen oder ist „im Kirchencafé“ auch richtig?

Ich lade alle Jugendlichen zu einer Adventsfeier im Kirchencafé ein.

Antwort

Sehr geehrte Frau R.,

nach Ihrer Fragestellung zu urteilen, vermuten Sie bereits, was hier der Fall ist: Beide Formulierungen sind möglich. Man kann den Satz nämlich unterschiedlich aufbauen. Für diejenigen, die solches mögen, folgt deshalb eine einfachen Bestimmung der Satzteile beider Formulierungen:

Ich lade alle Jugendlichen zu einer Adventsfeier ins Kirchencafé ein.

ich = Subjekt
lade ein = Prädikat
alle Jugendlichen = Akkusativobjekt
zu einer Adventsfeier = Präpositionalobjekt
ins Kirchencafé = Adverbialbestimmung des Ortes, Ortsergänzung

Ein bisschen anders sieht die Satzanalyse hier aus:

Ich lade alle Jugendlichen zu einer Adventsfeier im Kirchencafé ein.

ich = Subjekt
lade ein = Prädikat
alle Jugendlichen = Akkusativobjekt
zu einer Adventsfeier im Kirchencafé = Präpositionalobjekt

Bei der ersten Formulierung ist ins Kirchencafé direkt von einladen abhängig: ins Kirchenkaffe einladen. Im zweiten Satz ist im Kirchencafé eine nähere Bestimmung zu Adventsfeier: eine Adventsfeier im Kirchencafé. Beide Sehensweisen sind hier möglich und richtig. Es gibt noch nicht einmal einen wesentlichen Bedeutungsunterschied.

Eine schöne Adventsfeier wünscht

Dr. Bopp

Brachte mein Freund mir oder mir mein Freund eine gute Nachricht?

Frage

Gestern brachte mein Freund mir eine gute Nachricht.
Gestern brachte mir mein Freund eine gute Nachricht.

Was ist richtig?

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

die Wortfolge im deutschen Satz kann sehr komplex sein. Das liegt daran, dass es nur wenige feste Regeln und viele mehr oder weniger starke Tendenzen gibt. Auch bei Ihrem Satz spielen zwei verschiedene Wortstellungstendenzen eine Rolle.

Die erste Tendenz lautet: Das Subjekt steht im Mittelfeld an erster Stelle. Zum Beispiel:

Wann hat Anton den Hund gebadet? (nicht: den Hund Anton)
Wahrscheinlich musste die Automobilistin dem Lastwagen ausweichen. (nicht: dem Lastwagen die Automobilistin)
Gestern brachte er mir eine gute Nachricht. (nicht: mir er eine gute Nachricht)

Die zweite, ebenfalls starke Tendenz lautet: Pronomen stehen im Mittelfeld vor Nomen. Zum Beispiel:

Anton gab ihm einen Knochen. (nicht: einen Knochen ihm)
Anton gab ihn seinem Hund. (nicht: seinem Hund ihn)
Er hat sie der Nachbarin gestern gebracht. (nicht: der Nachbarin sie gestern)
Er hat ihr die Nachricht gestern gebracht (nicht: die Nachricht ihr gestern)

In Ihrem Beispielsatz ist das Subjekt ein Nomen (mein Freund). Das Dativobjekt ist ein Pronomen (mir). Nach der ersten Tendenz muss das Subjekt mein Freund an erster Stelle stehen. Nach der zweiten Tendenz muss aber das Pronomen mir vor dem Nomen stehen. In diesem Fall „gewinnt“ keine der beiden Tendenzen, so dass beide Wortfolgen möglich sind:

Gestern brachte mein Freund mir eine gute Nachricht.
Gestern brachte mir mein Freund eine gute Nachricht.

So komplex kann die Erklärung der Wortstellung im Deutschen sein! Und wenn Sie einmal ein bisschen mit den Beispielsätzen spielen, merken Sie vielleicht, dass es noch mehr Möglichkeiten geben könnte, die sich nicht mit Hilfe der beiden genannten Tendenzen erklären lassen (z.B. Er hat gestern die Nachricht ihr gebracht). Ich habe dann immer Mitleid mit den armen Deutschlernenden, die sich all diese Regeln und zum Teil widersprüchlichen Tendenzen aneignen müssen! Als Muttersprachige haben wir in der Regel nur dann ein Problem – aber meist ein großes –, wenn wir erklären sollten, warum eine Wortfolge nicht möglich ist oder seltsam klingt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Angerannt kommen

Heute zu einer etwas seltsamen Verwendung des Perfektpartizips:

Frage

Charles Benjamin Schade hat in seinem Buch  „A Complete Practical Grammar of the German Language“ das Beispiel „Er kommt gelacht“ (S. 329) angeführt. Es geht um eine alte Quelle aus dem 19. Jahrhundert. Im Internet habe ich auch die Konstruktion „kommen + gesungen“ gefunden, und zwar: Ebert, Erika – Fünf Englein kommen gesungen. Ein deutsches Weihnachtsspiel für Kinder in zwei Bildern. Sind solche Konstruktionen „kommen + gelacht/gesungen“ richtig oder falsch?

Antwort

Sehr geehrter Herr G.,

Wendungen wie gesungen kommen und gelacht kommen scheinen tatsächlich üblich gewesen zu sein. Man findet sie auch im Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm unter dem Eintrag kommen.

»man kommt gefahren, gelaufen, geritten, gehinkt, gestolpert, gesprungen, gestürzt, daher gesaust, daher geschossen, auch gelacht, geweint, gesungen, gepoltert u. ä.; Hännschen, kömmt getrallert .«
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Eintrag kommen, Abschnitt II 4 a [Hervorhebung von mir] 

Nach meinem Empfinden und nach den Angaben in zum Beispiel DWDS, Duden, Pons und anderen Quellen sind im heutigen Deutschen aber nur noch Wendungen üblich, bei denen das Partizip II zu einem Verb der Fortbewegung gehört. Ich würde weiter präzisieren, dass diese Formulierung vor allem dann üblich ist, wenn das Verb ein Präfix der Art an-, herbei-, herunter- u. Ä. hat oder von einer Ortsangabe begleitet wird. Zum Beispiel:

Wir warteten schon lange auf den Bus, als er endlich angefahren kam.
Nach dem Knall kamen viele Nachbarn herbeigerannt.
Polternd kam er die Treppe heruntergestürzt.

Die Fans kommen wütend auf den Platz gerannt.
Luise kam händeringend aus dem Haus gestürzt.
Eine Taube kam aus dem Gebüsch gehüpft.

aber auch z. B.: Ein Stein kam geflogen.

Interessant ist dabei, dass das Partizip Perfekt (Partizip II) hier angibt, in welcher Weise die Fortbewegung geschieht. Das tut es normalerweise nicht. Wir sind uns dies eigentlich eher vom Partizip Präsens (Partizip I) gewohnt:

angefahren kommen = fahrend kommen
gehüpft kommen = hüpfend kommen

Um nun wieder auf Ihre Frage zurückzukommen: Formulierungen der Art gelacht kommen und gesungen kommen sind – abgesehen vielleicht von poetischen Kontexten – im heutigen Deutsch nicht üblich. Mit Verben, die eine Fortbewegung ausdrücken, ist diese Konstruktion (Partizip II + kommen) aber noch sehr lebendig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Fünf Pfund Haselnüsse: grammatisches und inhaltliches Subjekt

Frage

Ich frage mich, was mit […] Maß- und Mengenangaben passiert, wenn die Mengenangabe im Plural ist. Beispiel: „Es wurde fünf Pfund geröstete Haselnüsse verkauft“ oder „Es wurden fünf Pfund geröstete Haselnüsse verkauft“?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

wenn die Maßangabe und das Gemessene im Plural stehen und zusammen das Subjekt des Satzes bilden, steht das Verb üblicherweise im Plural:

Drei Kilo Kartoffeln sind genug.
Zehn Euro sollten reichen.

Seltener kommt auch der Singular vor:

Drei Kilo Kartoffeln ist genug.
Zehn Euro sollte reichen.

Bevor nun diejenigen, die es bei der Grammatik gerne genau nehmen, ein erboste Räuspern hören lassen: Der Singular ist hier nicht einfach „furchtbar falsch“. Die Idee dahinter ist, dass drei Kilo und zehn Euro für eine bestimmte Menge resp. einen bestimmten Betrag stehen. Wie die Einzahl eine bestimmte Menge zeigt, ist das dazugehörende Bild eine Einzahl. Das Verb im Singular richtet sich also nach einem inhaltlichen Subjekt.

Viele finden diese Sehensweise allerdings nicht überzeugend und richten sich lieber nach dem grammatischen Subjekt: Das Subjekt drei Kilo Kartoffeln ist ein Plural, also steht das Verb nach grammatischer Übereinstimmung auch im Plural. In formelleren Kontexten und zur Vorbeugung kritischer Anmerkungen empfiehlt es sich deshalb, in diesen Fällen das Verb in den Plural zu setzten:

Es wurden fünf Pfund geröstete Haselnüsse verkauft.

Der Unterschied zwischen dem inhaltlichen Subjekt und dem grammatischen Subjekt zeigt sich umgekehrt auch sehr schön bei Mengenangabe in der Einzahl mit etwas Gemessenem im Plural:

Übereinstimmung mit dem grammatischen Subjekt:

Ein Pfund geröstete Haselnüsse wurde verkauft.
Ein Dutzend Eier lag im Kühlschrank.

Übereinstimmung mit dem inhaltlichen Subjekt

Ein Pfund geröstete Haselnüsse wurden verkauft (selten)
Ein Dutzend Eier lagen im Kühlschrank (selten)

Während die Standardsprache bei genauen Mengenangaben eine starke Tendenz zur Übereinstimmung mit dem grammatischen Subjekt hat und deshalb die Einzahl wählt , sind bei „ungenauen“ Mengenangaben sowohl der Singular als auch der Plural üblich:

Eine Anzahl Leute hat/haben Anzeige erstattet.
Eine Menge Nüsse hängt/hängen noch am Baum.
Die Mehrzahl der Beschwerden war/waren unbegründet.

Auch hier muss ich präzisieren, dass strengere Grammatiker und Grammatikerinnen hier nur die Verbform im Singular als korrekt akzeptieren. Wie Sie vielleicht wissen, bin ich in solchen Fällen kein strenger Grammatiker.

Diese Beispiele zeigen, dass es manchmal mehr als einen „logischen“ Pfad gibt, dem man folgen kann. Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt hier die Übereinstimmung mit dem grammatischen Subjekt. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass eine andere Wahl nicht einfach nur ein dummer Fehler ist.

Mehr zu dieser Frage finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kinder von 8 bis 12 Jahre/Jahren?

Frage

[Es geht] um den Kasus bei mehr als einer Präposition. Wie ich der Canoo-Website entnehmen kann, bestimmt die zweite Präposition den Fall. Ich bin aber in folgendem Fall unsicher. Heißt es „für Kinder von 8 bis 12 Jahre“ oder „Jahren“?

Kinder von 5 bis 13 Jahren erforschen die Ausstellung.

Ist das korrekt so?

Antwort

Wie so oft sind solche Formulierungen meistens problemlos, bis man anfängt, darüber nachzudenken. Ihre wahrscheinlich spontan gebildete Formulierung ist nämlich richtig.

Wenn bis Zahlenangaben miteinander verbindet, hat es keinen Einfluss auf den Fall. Man formuliert gleich, wie wenn nur eine der beiden Zahlenangaben stehen würde. Es heißt also:

für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren
Kinder von 5 bis 13 Jahren erforschen die Ausstellung.

Den Kasus bestimmt hier die Präposition von (vgl. für Kinder von 8 Jahren).

Hier noch Beispiele mit anderen Fällen:

Die Kinder sind acht bis zwölf Jahre alt (vgl. sind zwölf Jahre alt)
Erste Strophe, erster bis dritter Vers (vgl. erste Strophe, dritter Vers)
Komponisten des 14. bis 20. Jahrhunderts (vgl. Komponisten des 20. Jahrhunderts)

Die Präposition bis ist sehr bescheiden. Nur selten verlangt sie den Akkusativ, der ihr zusteht. Sehr oft überlässt sie die Bestimmung des Falls einer anderen Präposition oder zeigt wie hier das Verhalten einer Konjunktion. Ihre Frage beweist allerdings, dass es gerade diese „Bescheidenheit“ hin und wieder auch Probleme bereiten kann. Mehr zu bis und den Fällen finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ist oder sind die Niederlande eines der wichtigsten Exportländer?

Es geht natürlich nicht um Exportzahlen, sondern um die Einzahl oder Mehrzahl.

Frage

Die Niederlande sind eines der wichtigsten Exportländer

Stimmt das?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

dass die Niederlande ein Name ist, der im Plural steht, wissen die meisten. Wenn es dann aber darum geht, dieses Wissen in konkreten Formulierungen auch anzuwenden, hapert es manchmal ein bisschen. Deutschland hat viele Nachbarländer und nur eines davon hat offiziell einen solchen „Pluralnamen“. Dann kann es schon hin und wieder schiefgehen.

Es heißt also:

Die Niederlande gehören zu Westeuropa.
Wir fahren in die schönen Niederlande.
Rotterdam liegt in den Niederlanden.

Darüber habe ich vor ein paar Jahren schon einmal berichtet. Siehe hier.

Ganz besondere Schwierigkeiten scheinen die Niederlande zu bereiten, wenn Sie in einem Satz mit einem sogenannten Gleichsetzungsnominativ vorkommen, insbesondere wenn der andere Nominativ in der Einzahl steht. Das klingt wieder einmal komplizierter als es ist:

Die Niederlande sind eine parlamentarische Monarchie.
Ein wichtiger Exportpartner sind die Niederlande.
Die Niederlande sind eines der beliebtesten Urlaubsziele für Deutsche.

Gerade in Sätzen wie dem letzten haben viele die Neigung, ist statt sein zu verwenden. Aber auch hier gilt, dass bei mit sein verbundenen Nominativen, von denen einer im Singular und einer im Plural steht, das Verb im Plural verwendet wird (vgl. hier):

Die Beduinen sind ein Nomadenvolk.
Mein größter Besitz sind meine Kinder.
Die Guerillagruppen sind eine der größten Gefahren für die Stabilität.

und also ebenso:

Die Niederlande sind eines der wichtigsten Exportländer.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Wenn Sie einmal ganz unsicher werden, weichen Sie im informellen Kontext einfach auf Holland aus. Dieser Name steht ganz „normal“ in der Einzahl. Und bevor nun empörte Reaktionen folgen: Ich weiß, dass die Niederlande und Holland offiziell nicht dasselbe sind (ein Staat vs nur ein Teil dieses Staates), aber im deutschsprachigen Alltagsgebrauch wird dieser Unterschied hartnäckig nicht beachtet. So werden zum Beispiel Rudi Carrell, Johan Cruyff, Linda de Mol, Heintje, André Rieu, Sylvie Meis und Tooske Ragas regelmäßig Holländer und Holländerinnen genannt, obwohl dies genau genommen nur für Carrell, Cruyff und de Mol gilt. Von den anderen sind die ersten beiden Limburger, Meis ist Nordbrabanterin und Ragas kommt aus der Provinz Overijssel … Wer es ganz korrekt machen will, bleibt vielleicht doch besser bei Niederlande und Niederländer/Niederländerin.

 

Unklarer Bezug: Notwehrfälle mit Schusswaffen aus Österreich

„Warnung“: Wer immer und überall eindeutige Formulierungen haben will, wird enttäuscht sein.

Frage

Es geht um Notwehrfälle die in Österreich stattgefunden haben, bei welchen eine Schusswaffe verwendet wurde. Die Formulierung ist:

Es sind bereits viele Fälle von Notwehr mit Schusswaffen aus Österreich in die Medien gekommen.

Nun wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass man den Satz auch so verstehen könnte, dass nicht die Fälle in Österreich stattgefunden haben, sondern dass lediglich die Schusswaffen aus Österreich waren. Ist die ursprüngliche Formulierung wirklich dermaßen unverständlich? […]

Antwort

Sehr geehrter Herr H.,

Ihr Satz kann ohne weiteren Zusammenhang tatsächlich zweierlei bedeuten:

– viele Fälle aus Österreich, in denen es um Notwehr mit Schusswaffen geht
– viele Fälle von Notwehr mit aus Österreich stammenden Schusswaffen

Rein grammatisch gibt es sogar eine dritte Variante, die nur durch ihre Bedeutung relativ unwahrscheinlich ist:

– viele Fälle von österreichischer Notwehr mit Schusswaffen

Beim spontanen ersten Lesen Ihres Satzes habe ich den Satz so verstanden, wie Sie ihn gemeint haben. Die zweite Interpretationsmöglichkeit habe ich erst beim Weiterlesen erkannt. Ich bin der Meinung, dass Sie Ihren Satz nicht anpassen müssen, weil ich annehme, dass er nicht allein steht. Vorher oder nachher (oder eventuell in einem Text, auf den verwiesen wird) steht der weitere Zusammenhang, aus dem hervorgeht, ob es um Notwehrfälle aus Österreich oder um Schusswaffen aus Österreich geht. Eine solche Formulierung steht selten wie oben im Titel ganz allein für sich. Wenn Sie sich trotzdem eindeutig und ebenso kurz ausdrücken möchten, können Sie den Satz auch wie folgt abfassen. Er ist nicht sehr elegant, aber eindeutig:

Es sind bereits viele Fälle aus Österreich von Notwehr mit Schusswaffen in die Medien gekommen.

Es kommt übrigens sehr häufig vor, dass ohne weiteren Kontext nicht eindeutig ist, worauf sich ein Teil des Satzes bezieht.

Sie fuhr mit den Nachbarn und ihren Kindern weg.
Wessen Kinder sind das?
Ich nehme den Kuchen und den Kaffee ohne Sahne.
Nehme ich nur den Kaffee oder beides ohne Sahne?
Herr M. kam mit einem Auto aus Deutschland.
Kam Herr Müller aus Deutschland oder kam er mit einem deutschen Auto?

Das Deutsche lässt uns hier bei der Formulierung oft viel Freiheit und gelegentlich – wenn man sehr auf exakte Formulierungen besteht – sogar im Stich. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn normalerweise steht ein Satz ja innerhalb eines Zusammenhangs, aus dem sich ergibt, welche Lesung gemeint ist. Und manchmal ist es ja auch egal, wie der Bezug genau aussieht: Ob sie nun aus Rio zurückkommen mit Medaillen oder ob sie zurückkommen mit Medaillen aus Rio, Hauptsache:

Sie kommen erfolgreich mit Medaillen aus Rio zurück.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp