Online und offline vor einem Substantiv: zusammen!

Diese Rechtschreibfrage kennen wahrscheinlich viele, die sich um Texte kümmern, die von eher technisch orientierten Menschen verfasst wurden.

Frage

Sehr häufig begegne ich den folgenden Schreibweisen:

offline Transaktion
online Datenbank
offline Autorisation

Meines Wissens müsste es jedoch folgendermaßen heißen:

Offline-Transaktion
Online-Datenbank
Offline-Autorisation

Bei häufig benutzten Wörtern gilt gar die Schreibweise ohne Bindestrich („Onlineshop“, „Onlinehandel“). Liege ich richtig?

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

Sie liegen richtig. Verbindungen mit online und offline und einem Substantiv werden zusammen- oder mit einem „verdeutlichenden“ Bindestrich geschrieben:

Offlinetransaktion / Offline-Transaktion
Onlinedatenbank / Online-Datenbank
Offlineautorisation / Offnline-Autorisation
Onlineshop / Online-Shop
Onlinehandel / Online-Handel

Nicht richtig sind Getrenntschreibungen wie offline Transaktion, online Datenbank oder Online Betrieb. Auch (inzwischen schon wieder etwas weniger?) moderne Schreibungen mit Großbuchstaben im Wortinnern wie OnlineShop sind nach der Rechtschreibregelung nicht vorgesehen. Siehe auch hier und hier.

Die Zusammenschreibung ist hier übrigens nicht einfach eine willkürliche Erfindung der „Rechtschreibvögte“. Zusammensetzungen werden im Deutschen prinzipiell zusammengeschrieben. Zusammensetzungen erkennt man in der Regel daran, dass die Hauptbetonung auf dem ersten Teil liegt:

Baumstamm, Schlüsselblume, Großfürst, Kleinverpackung, Buntstifte
Background, Swimmingpool, Designguru, Lernsoftware
Gratisanzeige, Sofortmaßnahme, Einmalzahlung

Zusammensetzungen mit online und offline werden auch auf dem ersten Wortteil betont und entsprechend zusammengeschrieben (oder mit Bindestrich):

Onlinehandel, Offlinebetrieb, Onlineshop

Wenn ein unveränderliches Adjektiv vor einem Substantiv steht, schreibt man nur dann getrennt, wenn es (bei neutraler Betonung) nicht die Hauptbetonung trägt. Zum Beispiel:

Königsberger Klopse, prima Qualität, trendy Pullover, rosa Elefanten
Siehe auch Scheiß und super

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Italienisch essen und verstehen

Frage

Könnten Sie mir bei folgendem Satz (eines Kunden) weiterhelfen?

Nicht nur Italienisch essen, sondern auch verstehen

Beim ersten Durchlesen hätte ich „italienisch“ einfach kleingeschrieben und gem. amtlicher Regelung gefragt: „Wie“ isst man? Bei „verstehen“ klappt das aber irgendwie nicht, dort wäre wohl „Was?“ die richtige Frage, was wiederum Großschreibung bedeuten würde. Was würden Sie tun?

Antwort

Sehr geehrter Herr F.,

Ihre Argumentation trifft genau zu: In Verbindung mit dem Verb essen ist italienisch ein adverbial verwendetes Adjektiv, das kleingeschrieben werden sollte (wie essen?). In Verbindung mit verstehen ist es eine substantivierte Sprachbezeichnung, die großgeschrieben werden sollte (was verstehen?). Wenn Sie es also ganz korrekt machen wollen, schreiben Sie:

Nicht nur italienisch essen, sondern auch Italienisch verstehen.

Das ist auch die Schreibung, die ich einem rechtschreibempfindlichen Kunden vorschlagen würde. Wenn Sie aber – wie ich vermute – das Wortspiel des Kunden respektieren müssen, dann bleibt Ihnen so oder so nichts anderes übrig, als eine Rechtschreibregel zu brechen.

Sie können der Tendenz folgen, sich bei grammatischen Zweifeln nach dem näher stehenden Verb zu richten, und kleinschreiben:

Nicht nur italienisch essen, sondern auch verstehen.

Sie können auch vom (vermutlichen) Fokus der Kundschaft auf Sprachkurse, Sprachanwendungen o. Ä. ausgehen und großschreiben:

Nicht nur Italienisch essen, sondern auch verstehen.

In beiden Fällen klemmt es auf der Rechtschreibebene (und meiner Meinung nach nicht nur dort), aber der Slogan ist gerettet – außerdem erhöht gelegentlich lecker italienisch zu essen und (ein paar Worte) Italienisch zu verstehen den Lebensgenuss ohnehin mehr als die perfekte Beherrschung der Groß- und Kleinschreibung.*

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Extreme Rechtschreibfans mögen mir diese Verallgemeinerung verzeihen!

Mehr Import als Export – Man importiert mehr, als exportiert wird

Frage

Folgender Satz erscheint mir merkwürdig:

Deutschland importiert mehr Holzabfälle als exportiert werden.

Antwort

Sehr geehrter Herr Z.,

der Satz ist vielleicht nicht gerade ein Meisterwerk deutscher Formulierkunst, aber er ist m. E. richtig. Es fehlt ihm nur ein Komma:

Deutschland importiert mehr Holzabfälle, als exportiert werden.

Bei einem vergleichenden als in Verbindung mit einem Wort oder einer Wortgruppe steht vor als kein Komma:

Deutschland importiert mehr Holzabfälle als vor einigen Jahren.
Wir haben mehr Sitzplätze als nötig.
Sie haben mehr Produkte eingekauft als ihre Konkurrenz.

Man setzt dann ein Komma, wenn als einen Nebensatz einleitet (vgl. hier). In diesen Fällen sind die Nebensätze problemlos als solche zu erkennen:

Deutschland importiert mehr Holzabfälle, als man es früher tat.
Wir haben mehr Sitzplätze, als wir Besucher erwarten.
Sie haben mehr Produkte eingekauft, als sie es sich finanziell erlauben können.

In den folgenden Fällen ist es vielleicht ein bisschen schwieriger, die Nebensätze zu erkennen, denn sie sind nicht vollständig. Ein Satzteil fehlt in ihnen, weil er mit einem Satzteil im übergeordneten Satz identisch ist und deshalb nicht wiederholt wird (das ist übrigens bei anderen Nebensätzen in der Regel nicht möglich). Man erkennt sie aber trotzdem recht gut daran, dass sie ein eigenes konjugiertes Verb haben:

Deutschland importiert mehr Holzabfälle, als exportiert werden.
Wir haben mehr Sitzplätze, als nötig sind.
Sie haben mehr Produkte eingekauft, als sie verkaufen können.

Ob Deutschland wirklich mehr Holzabfälle importiert als exportiert, weiß ich nicht. Ich kann nur sagen, dass die Form des zitierten Satzes mit dieser Aussage zwar etwas gar knapp, aber dennoch akzeptabel ist (wenn Sie ihn mit einem Komma ergänzen).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Ich lasse es dich wissen und du lässt es dir schmecken

Heute wieder einmal der Beweis, dass es häufig kurze Fragen sind, die lange Antworten nach sich ziehen.

Frage

Was ist richtig? „Ich lasse es dich wissen“ oder „Ich lasse es dir wissen“? Und heißt es „Lass es dich schmecken“ oder „Lass es dir schmecken“?

Antwort

Guten Tag N.,

die kurze Antwort ist einfach: Im ersten Satz muss dich stehen, im zweiten dir:

Ich lasse es dich wissen.
Lass es dir schmecken!

Schwieriger wird es bei der Erklärung weshalb. Obwohl die Konstruktionen ganz ähnlich aussehen, steht einmal der Akkusativ und einmal der Dativ. Ich musste ehrlich gesagt ein Weilchen nachdenken, bis ich die Begründung für diesen Unterschied gesehen habe.

Es geht in beiden Sätzen um einen sogenannten Akkusativ mit Infinitiv (AcI, siehe hier). In einer solchen Konstruktion stehen zwei Verben: das Hauptverb (hier: lassen) und ein Infinitiv (hier: wissen resp. schmecken). Das Besondere daran ist, dass der vom Hauptverb abhängige Akkusativ gleichzeitig das zum Infinitiv gehörende Subjekt ist.

Ich lasse es dich wissen.

Hier ist dich ein von lassen abhängiger Akkusativ: Ich lasse dich etwas tun, nämlich es wissen. Gleichzeitig entspricht dich sinngemäß dem Subjekt der Infinitivgruppe. Vgl. Du weißt es.

Du lässt es dir schmecken.

Hier ist es der von lassen abhängige Akkusativ: Du lässt es etwas tun, nämlich dir schmecken. Gleichzeitig entspricht es sinngemäß dem Subjekt der Infinitivgruppe. Vgl. Es schmeckt dir.

Im ersten Satz ist dich vom Hauptverb lassen abhängig und es gehört zum Infinitiv wissen. Beim zweiten Satz ist es vom Hauptverb lassen abhängig und dir gehört zum Infinitiv schmecken. Die Sätze sehen sehr ähnlich aus, aber die Pronomen sind anders über die Verben verteilt. Im ersten Satz steht dich im Akkusativ, der vom Hauptverb lassen verlangt wird, im zweiten Satz steht dir im Dativ, der vom Infinitiv schmecken verlangt wird.

Etwas leichter verständlich wäre die ganze Sache wahrscheinlich dann, wenn die deutsche Wortstellung die folgende Wortfolge zuließe, die eigentlich nach der Satzstruktur zu erwarten wäre:

*Ich lasse dich es wissen.

Üblich ist hier aber die schwierig zu erklärende „verschränkte“ Wortfolge:

Ich lasse es dich wissen.

Bevor Sie nun beim Deutschlernen über solchen Konstruktionen verzweifeln, sei dies gesagt: Solche Sätze zu beherrschen lernt man kaum dadurch, dass man sich komplizierte Regeln einpaukt, sondern durch Zuhören, Lesen, Schreiben und Sprechen. Auch als muttersprachigen „Sprachler“ hat es mich einige Mühe gekostet, die unterschiedlichen Strukturen der beiden Sätze genau zu erkennen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Original Hamburger Kaufleute ohne e

Frage

Beim Schreiben bin ich heute über eine Formulierung gestolpert, bei der ich mir nicht sicher war, ob sie richtig ist. Muss es heißen:

Als original Hamburger Kaufleute legen wir Wert auf Ehrlichkeit.

oder:

Als originale Hamburger Kaufleute legen wir Wert auf Ehrlichkeit.

Grundsätzlich muss das Adjektiv „original“ ja angepasst werden […], mit „originale“ klingt der Satz aber merkwürdig schwerfällig, sodass ich mich frage, ob man das Wort „original“ ohne „e“ nicht ebenso gut verwenden kann.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

die Formulierung ist auch mit einem ungebeugten original korrekt. Einige ungebeugte Adjektive können wie Adverbien andere Adjektiv näher bestimmen (vgl. hier). Dazu gehören Adjektive wie echt, klassisch, typisch und original, die häufig vor geografischen Andeutungen stehen:

die echt britische Lebensart
in klassisch italienischem Stil
original spanische Tapas

Sie können auch vor unveränderlichen geografischen Adjektiven auf er stehen. Das ergibt dann zwar gleich zwei endungslose Adjektive hintereinander, ist aber möglich:

typisch Berliner Altbauten
ein Stück echt Elsässer Gugelhupf
eine rein Wiener Angelegenheit

und ebenso:

original Hamburger Kaufleute

Grammatisch gesehen bestimmt original hier also nicht Kaufleute, sondern das Adjektiv Hamburger näher. Grammatische Struktur hin oder her: Auf dass die original Hamburger Ehrlichkeit noch lange bestehen bleibe!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

In oder im Camp Green Lake

Frage

Heißt es „Interview in Camp Green Lake“ oder „Interview im Camp Green Lake“?

Antwort

Sehr geehrte Frau V.,

ob es in oder im heißt, hängt davon ab, ob Sie Camp Green Lake als Ganzes als Ortsnamen ohne Artikel verwenden (wie zum Beispiel Camp David, den Namen des Landsitzes des amerikanischen Präsidenten) oder ob Sie es als ein Camp mit dem Namen Green Lake sehen und mit Artikel verwenden.

Ohne Artikel:

Camp Green Lake liegt in der Wüste
Die Leitung von Camp Green Lake
Wir fahren nach Camp Green Lake
Interview in Camp Green Lake

Mit Artikel:

Das Camp Green Lake liegt in der Wüste
Die Leitung des Camps Green Lake
Wir fahren ins Camp Green Lake
Interview im Camp Green Lake

Das Erziehungscamp mitten in der Wüste, das aus der Feder des Autors Louis Sachar stammt, ist ein Camp und als Ganzes ein Ort. Deshalb sind beide Sichtweisen möglich und kommen auch beide Formulierungen vor. (Auch im Englischen scheint beides vorzukommen: at Camp Green Lake und at the Camp Green Lake.) Die Wahl liegt also bei Ihnen, ob das Interview in oder im Camp Green Lake stattgefunden hat. Nach dem Titel des Buches (Löcher. Das Geheimnis von Green Lake) zu schließen gibt sogar noch eine dritte Möglichkeit: Interview in Green Lake.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Von Bock und Cabrio

Vor meinen Ferien habe ich mich mit ein bisschen Etymologie verabschiedet, deshalb heute „zum Ausgleich“ gleich wieder ein bisschen Wortgeschichte. Der Titel dieses Artikels bezieht sich also nicht auf eine moderne Fabel oder eine boshafte Bemerkung über gewisse ältere, sich noch einmal jung fühlen wollende Cabrioletfahrer, sondern auf die Herkunft des Wortes Cabriolet (kurz: Cabrio).

Heute ist ein Cabriolet ein Auto, mit einem zurückklappbaren Verdeck, in dem man sich bei schönem Wetter die Sonne auf den Kopf scheinen und den Wind um die Ohren wehen lassen kann. Das Auto ist der Nachfolger der Kutsche, so auch das Cabriolet: Früher war es ein zweirädriger Einspänner mit einem zurückklappbaren Verdeck. Seinen Namen verdankte es der Tatsache, dass es sich um einen leichten Wagen handelte, der beim Fahren Sprünge machte. Und hiermit bewegen wir uns dann langsam in Richtung Bock.

Cabriolet ist französisch und dort eine Ableitung von cabrioler = springen, Luftsprünge machen. Wie so oft stammt das französische Wort aus dem Italienischen, und zwar über das Verb capriolare von capriola = Bocksprung, Reh. Dieses Wort wiederum stammt über zwei, drei Stufen vom lateinischen caper = Ziegenbock. Fast die gleiche Herkunftsgeschichte hat übrigens auch das Wort Kapriole.

Das sommerliche Fahrzeug, das diese Saison in vielen Regionen noch nicht allzu oft voll zu seinem Recht kommen durfte, kann seine Namen also auf den Ziegenbock zurückführen. Ich habe heute wieder ein solches sportliches Gefährt mit geschlossenem, nassem Dach gesehen und mich plötzlich gefragt, woher es denn seinen Namen hat. Am Steuer saß übrigens kein älterer, sich noch einmal jung fühlen wollender Mann, sondern eine blond(iert)e Dame, die einem anderen Klischeebild entsprach.

Vergissmeinnicht und Urlaub

Vergissmeinnicht

Weil sie im Garten und darum herum gerade so schön geblüht haben und sie einen so speziellen Namen tragen, hier ein paar Worte zum Vergissmeinnicht. Sie finden diese Angaben auch in etymologischen Wörterbüchern und andernorts, aber ich habe es hier einmal für Sie zusammengetragen:

Der ungewöhnliche Name Vergissmeinnicht kommt seit Anfang des 15. Jahrhunderts vor. Er wurde für Blumen verwendet, die nun andere, aber nicht viel weniger fantasievolle Namen tragen: Männertreu, Jelängerjelieber (eine Art Geißblatt) u.a.m. Die genaue Herkunft der Bezeichnung ist unbekannt, aber man nimmt an, dass diese Blumen als Aphrodisiakum angesehen wurden oder als Symbol für Liebende und die Vergänglichkeit der Liebe Verwendung fanden. Mitte des 16. Jahrhunderts (1561) findet man Vergissmeinnicht beim Schweizer Gelehrten Conrad Gesner zum ersten Mal als Name für die Blume mit den kleinen blauen Blüten und den rauhaarigen Blättchen.

Vergissmeinnicht

Ebenfalls im 15. Jahrhundert findet sich im Französischen die gleichbedeutende Bezeichnung ne m’oublie(z) mie (Modernfrz. ne m’oubliez pas). Ein gemeinsamer Vorfahre oder ein direkter Zusammenhang lässt sich offenbar nicht nachweisen. Interessant ist aber, dass sich dieser deutsche und französische Name wahrscheinlich mit Hilfe von botanischen Schriften auch in anderen Sprachen etablieren konnte. Hier ein paar Beispiele:

eng. forget-me-not
nld. vergeet-mij-nietje
schwed. förgätmigej
sp. nomeolvides
it. nontiscordardimé
russ. nezabúdka (незабудка)
poln. niezapominajka

Fast ebenso poetisch finde ich übrigens den botanischen Namen des Blümchens: Myosotis. Dieses griechische Wort bezieht sich auf die Form und die weiche Behaarung der Blättchen: Es bedeutet Mäuseohr.

Urlaub

Vom 25. Mai bis 5. Juni habe ich Urlaub (in einem Land, in dem das Blümchen neben myosotis auch ne m’oubliez pas heißt). Es wird also in den nächsten Tagen keine neuen Blogeinträge geben und auch auf eine Reaktion auf Ihre Fragen und Kommentare müssen Sie leider länger warten. Vom 6. Juni an werde ich versuchen, Ihnen so schnell wie möglich zu antworten. Vergessen Sie mich in der Zwischenzeit bitte nicht!

… und so wurde sie Sängerin – Komma oder nicht?

Frage

Wird im nachfolgenden Satz vor „und so“ ein Komma gesetzt (analog der Kommasetzung vor „und zwar“/„und das“)?

Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik(,) und so wurde sie Sängerin.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

anders als und zwar oder und das leitet dieses und so keine nachgetragene Ergänzung ein. Das und verbindet in Ihrem Satz zwei selbstständige Sätze, von denen der zweite mit so beginnt:

Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik.
So wurde sie Sängerin.

Wenn und zwei selbstständige Sätze verbindet, kann man ein Komma setzen (siehe hier). Das Komma ist also fakultativ, das heißt, Sie können hier vor und ein Komma setzen, Sie können es aber auch weglassen:

Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik und so wurde sie Sängerin.
Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik, und so wurde sie Sängerin.

Ebenso zum Beispiel:

Nach dem Führungstreffer verhielten wir uns zu passiv und so kam es kurze Zeit später zum unglücklichen Ausgleich.
Nach dem Führungstreffer verhielten wir uns zu passiv, und so kam es kurze Zeit später zum unglücklichen Ausgleich.

Ich habe alles gesagt und damit ist die Sache erledigt.
Ich habe alles gesagt, und damit ist die Sache erledigt.

Das Komma kann hier dazu dienen, eine Pause oder einen stärkeren Übergang anzuzeigen. Noch stärker trennen der Punkt oder der Gedankenstrich:

Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik. Und so wurde sie Sängerin.
Sie hatte aber kein Talent für die Automechanik – und so wurde sie Sängerin.

Das Komma ist übrigens dann vor und so obligatorisch, wenn es z. B. zu einem Nebensatz gehört. Im folgenden Satz schließt das Komma vor und den dass-Satz ab:

Schnell wurde ihr klar, dass dieser Weg nicht ihren musikalischen Zielen entsprach, und so wurde sie Sängerin einer Pop-Rock-Band.

Weitere Informationen zum häufig wiederkehrenden Thema des Kommas bei und finden Sie in einem älteren Blogeintrag mit dem vielsagenden Titel „Kein Komma vor und?“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Mörderinnen und Vergewaltigerinnen

So vielversprechend der Titel auch klingen mag, es geht weder um Krimis skandinavischer Autorinnen noch um die Netflix-Serie „Orange Is The New Black“. Es geht um einen Fall der geschlechtergerechten Formulierung, den man möglichst sachlich und kontextnah angehen sollte.

Frage

Meine Frage bezieht sich auf das Gendern. Wie soll denn konkret bei den Begriffen „Mörder“ und „Vergewaltiger“ vorgegangen werden? Würden Sie hier gendern, also beispielsweise von „MörderInnen“ und „VergewaltigerInnen“ sprechen? […]

Antwort

Sehr geehrte Frau G.,

bei dieser Frage gibt es kein grammatisches Richtig oder Falsch. Wie viel und wie weit Sie geschlechtsneutrale resp. männliche und weibliche Personenbezeichnungen verwenden, hängt von Ihrem eigenen Stil und eventuell von Richtlinien ab, an die Sie sich halten wollen oder müssen. Am wichtigsten finde ich immer, in welchem Kontext ein Wort verwendet wird.

Wenn Sie normalerweise durchgehend gendern, sollten Sie in einem allgemeinen Zusammenhang auch von Mördern und Mörderinnen sprechen, denn es morden ja nicht nur Männer. Das gilt aber zum Beispiel nicht im Kontext eines Männer- oder Frauengefängnisses. Im Ersteren werden Verbrecher und Mörder eingeschlossen, im Letzteren verbüßen Verbrecherinnen und Mörderinnen ihre Strafe. Bei Vergewaltiger/Vergewaltigerin spielt ebenfalls der Kontext eine wichtige Rolle. Wenn es um die Angst von Frauen vor Vergewaltigung auf dem nächtlichen Heimweg geht oder in Berichten über systematische Vergewaltigungen in Kriegsgebieten kommen Vergewaltigerinnen praktisch nicht vor. Weshalb sollte man sie dann also immer nennen? Wenn es allgemein um Vergewaltigung im Familien- und Bekanntenkreis geht, sollte man die Verwendung der Doppelform erwägen, weil Verbrechen wie Vergewaltigung und Kindesmissbrauch zwar verhältnismäßig seltener, aber doch auch von Frauen verübt werden.

Es ist also eine Frage Ihres Stils und nicht zuletzt auch des Kontextes, wo und wie Sie geschlechtsneutrale resp. männliche und weibliche Formen verwenden. Das Beispiel Mörder und Vergewaltiger wird häufig von Gegnern und Gegnerinnen des geschlechtsneutralen Formulierens angeführt – häufig mit einem hämischen Unterton der Art „dort tut ihr es ja auch nicht“. Kaum jemand verlangt aber „blindes“ Gendern ohne jegliche Rücksicht auf den Zusammenhang.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp